D6 E - Einen Deutsch-Lernweg für andere zusammenstellen

D6 E - Einen Deutsch-Lernweg für andere zusammenstellen
D6 E - Einen Deutsch-Lernweg für andere zusammenstellen

Einleitung
In diesem aiMOOC lernst Du, für eine andere Person einen passenden Lernweg im Fach Deutsch zusammenzustellen. Deine Aufgabe besteht also nicht darin, möglichst viele Links zu sammeln. Du entwickelst einen begründeten Lernplan: Du beschreibst zuerst die Zielperson, bestimmst ein erreichbares Lernziel, wählst passende vorhandene MOOCwiki-Kurse aus, ordnest sie sinnvoll und planst einen Lernnachweis.
Der Kurs richtet sich an Lernende der Klasse 6 auf E-Niveau. E-Niveau bedeutet in diesem aiMOOC: Du sollst nicht nur Übungen bearbeiten, sondern Zusammenhänge erklären, Entscheidungen begründen, Inhalte auf neue Situationen übertragen und einen Lernweg selbstständig an eine andere Person anpassen.
Als Beispiel begleitet Dich die fiktive Mitschülerin Lea. Sie besucht die 6. Klasse. Sie liest gern, schreibt eigene Texte und spricht vor der Klasse grundsätzlich sicher. Beim schnellen Schreiben macht sie jedoch Rechtschreibfehler, bei Satzgliedern und Fällen ist sie noch unsicher, und bei längeren Deutsch-Aufgaben weiß sie manchmal nicht, womit sie beginnen soll. Außerdem möchte sie literarische Texte genauer verstehen und ihre nächste Präsentation besser strukturieren.
Das Ziel lautet deshalb: Du stellst für Lea einen Lernweg zusammen, der zu ihrem Ausgangspunkt, ihrem Ziel, ihrer verfügbaren Zeit und ihrem bevorzugten Lernen passt.
Was ist ein Lernweg?
Ein Lernweg ist eine begründete Reihenfolge von Lernstationen. Jede Station erfüllt eine bestimmte Funktion: Sie führt in ein Thema ein, übt eine Teilkompetenz, vertieft das Verständnis oder fordert den Transfer auf eine neue Aufgabe.
Ein guter Lernweg folgt zum Beispiel dieser Logik:
| Startprofil | → | Zielkompetenz | → | Basiskurs | → | Übung und Vertiefung | → | Transfer | → | Lernnachweis |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Was kann die Person schon? | → | Was soll sie anschließend können? | → | Welche Grundlage braucht sie? | → | Wo wird die Kompetenz gefestigt? | → | Wo wird sie selbstständig angewendet? | → | Woran erkennt man den Lernerfolg? |
Eine bloße Linksammlung beantwortet diese Fragen nicht. Ein Lernweg dagegen macht sichtbar, warum eine Lernstation gewählt wurde und warum sie an genau dieser Stelle steht.
Das Lernprodukt
Am Ende dieses aiMOOCs erstellst Du eine eigene Lernweg-Karte für eine fiktive Mitschülerin oder einen fiktiven Mitschüler. Sie enthält mindestens:
- Zielgruppenbeschreibung: Wer soll mit dem Lernweg arbeiten und welche Voraussetzungen bringt die Person mit?
- Lernziel: Welche konkrete Kompetenz soll verbessert oder erweitert werden?
- Kursauswahl: Welche vorhandenen MOOCwiki-Angebote passen zum Ziel?
- Reihenfolge: Warum beginnt der Lernweg mit Station A und nicht mit Station C?
- Schwierigkeitsgrad: Wie steigt die Anforderung vom Einstieg bis zum Transfer?
- Lernnachweis: Welches Produkt oder welche Handlung zeigt, dass das Ziel erreicht wurde?
- Reflexion: Was müsste nach einem Probelauf noch angepasst werden?
Die Zielperson verstehen
Bevor Du Kurse auswählst, brauchst Du ein möglichst klares Bild von der Person, für die Du planst. Dabei geht es nicht um Etiketten wie „gut“ oder „schlecht“, sondern um beobachtbare Lernvoraussetzungen.
| Merkmal | Beobachtung bei Lea | Folge für den Lernweg |
|---|---|---|
| Lesen | Lea versteht den Inhalt altersgemäßer Texte meist sicher. | Literaturaufgaben dürfen über reines Inhaltsverstehen hinausgehen und Deutung verlangen. |
| Rechtschreibung | Beim schnellen Schreiben entstehen Fehler, besonders wenn Lea Wörter nicht bewusst prüft. | Strategien müssen erklärt, eingeübt und anschließend im eigenen Text angewendet werden. |
| Grammatik | Lea kennt einzelne Fachbegriffe, verwechselt aber manchmal Satzglieder und Fälle. | Der Lernweg soll Grundlagen klären und Begriffe anschließend miteinander verknüpfen. |
| Präsentieren | Lea spricht verständlich, ihre Folien enthalten aber häufig zu viel Text. | Inhalt und Zielgruppe müssen vor der Gestaltung geklärt werden. |
| Lernform | Lea arbeitet gern mit kurzen Videos, interaktiven Aufgaben und eigenen Produkten. | Der Lernweg sollte Medienwechsel und aktive Aufgaben enthalten. |
| Rückmeldung | Lea verbessert sich, wenn sie konkrete Hinweise erhält. | Nach einer Transferaufgabe ist eine Feedback- und Überarbeitungsphase sinnvoll. |
Kompetenzprofil für Lea
Ein Kompetenzprofil ist keine Note. Es ist eine Planungshilfe. Es zeigt, welche Kompetenz bereits weitgehend vorhanden ist und welcher nächste Lernschritt sinnvoll erscheint.
| Bereich | Ausgangslage | Nächster sinnvoller Schritt | Möglicher Lernnachweis |
|---|---|---|---|
| Rechtschreibung | Strategien werden noch nicht zuverlässig eingesetzt. | Ableitungsstrategien bewusst auswählen und erklären. | Eigenen Text überarbeiten und drei Korrekturen begründen. |
| Literatur | Inhalt wird verstanden, Deutungen bleiben teilweise allgemein. | Aussagen am Text belegen und Wirkung sprachlicher Mittel untersuchen. | Kurze Deutung mit Textbeleg und Erklärung. |
| Grammatik | Einzelne Begriffe sind bekannt, Zusammenhänge sind noch unsicher. | Satzglieder, Fälle und Satzfunktionen miteinander verbinden. | Eigene Sätze analysieren und Veränderungen erklären. |
| Präsentation | Sicheres Sprechen, aber noch wenig Auswahl und Gewichtung von Informationen. | Botschaft, Zielgruppe und Visualisierung aufeinander abstimmen. | Kurze Präsentation mit Folie, Stichwortkarte und Peer-Feedback. |

Lernziele präzise formulieren
Ein Lernziel sollte so konkret sein, dass Du später überprüfen kannst, ob es erreicht wurde. „Lea soll Rechtschreibung besser können“ ist zu ungenau. Besser ist: „Lea kann bei unbekannten Wörtern eine passende Rechtschreibstrategie auswählen, anwenden und ihre Entscheidung erklären.“
Für E-Niveau eignen sich Lernziele besonders dann, wenn sie drei Ebenen verbinden:
- Verstehen: Die Person kann eine Regel, Strategie oder Wirkung erklären.
- Anwenden: Die Person kann das Gelernte in einer passenden Aufgabe nutzen.
- Transfer: Die Person kann das Gelernte in einer neuen Situation selbstständig einsetzen und begründen.
Der Planungszyklus in sechs Schritten
- Diagnose: Kläre den Ausgangspunkt mit einer kurzen Aufgabe, einem Gespräch oder einem vorhandenen Lernprodukt.
- Zielsetzung: Formuliere ein überprüfbares „Ich kann“-Ziel.
- Kursauswahl: Suche vorhandene MOOCwiki-Kurse, die genau zu diesem Ziel beitragen.
- Reihenfolge: Ordne die Stationen vom nötigen Vorwissen über Übung und Vertiefung zum Transfer.
- Lernnachweis: Lege vor Beginn fest, woran der Lernerfolg sichtbar werden soll.
- Anpassung: Nutze Rückmeldung, um Stationen zu verkürzen, zu vertiefen, zu ersetzen oder neu anzuordnen.
Interaktives Planungswerkzeug: Lernweg-Canvas
Die folgende Tabelle kannst Du kopieren und für eine andere Person ausfüllen.
| Planungsfeld | Deine Eintragung |
|---|---|
| Zielperson | Name oder fiktiver Name, Klasse, Interessen |
| Ausgangslage | Was kann die Person bereits sicher? Wo zeigt sich Unterstützungsbedarf? |
| Lernziel | „Nach dem Lernweg kann die Person ...“ |
| Station Einstieg | Welcher Kurs schafft die nötige Grundlage? |
| Station Aufbau | Wo wird gezielt geübt und erklärt? |
| Station Vertiefung | Wo steigt die gedankliche Anforderung? |
| Transfer | In welcher neuen Aufgabe muss das Gelernte selbstständig angewendet werden? |
| Lernnachweis | Welches Produkt oder welche Handlung belegt die Kompetenz? |
| Feedback | Wer gibt Rückmeldung und nach welchen Kriterien? |
| Anpassung | Was wird verändert, wenn der Lernweg zu leicht, zu schwer oder unpassend ist? |
Kurskarte: So prüfst Du eine Lernstation
Nicht jeder Kurs, der zum Thema passt, passt auch zur Zielperson. Prüfe deshalb jede mögliche Station mit einer Kurskarte.
| Prüffrage | Woran Du eine gute Passung erkennst |
|---|---|
| Passt der Inhalt zum Lernziel? | Die Station übt genau die Kompetenz, die verbessert werden soll. |
| Passt das Vorwissen? | Die Person kann die Aufgabe bewältigen, ohne dass entscheidende Grundlagen fehlen. |
| Ist die Aktivität sinnvoll? | Die Person muss denken, anwenden, erklären oder gestalten und nicht nur klicken. |
| Ist der Schwierigkeitsgrad passend? | Die Station fordert, ohne die Person dauerhaft zu überfordern. |
| Gibt es einen Lernnachweis? | Am Ende ist erkennbar, was verstanden oder angewendet wurde. |
| Passt die Darstellungsform? | Text, Bild, Video und Interaktion unterstützen das Lernen statt davon abzulenken. |
| Gibt es einen nächsten Schritt? | Die Station bereitet nachvollziehbar auf die folgende Station oder den Transfer vor. |
Mediencheck: altersgerecht und rechtssicher planen

Auch Medien gehören zur Lernweg-Planung. Bilder sollten nicht einfach aus einer beliebigen Bildersuche kopiert werden. Für frei nutzbare Abbildungen eignet sich beispielsweise Wikimedia Commons. Dort kannst Du auf der Dateibeschreibungsseite Urheber, Lizenz und erlaubte Nutzung prüfen.
Bei Videos solltest Du seriöse, zum Lernziel passende Inhalte auswählen. Ein eingebettetes öffentliches YouTube-Video kann einen Kurs erklären oder vertiefen, ersetzt aber nicht die eigene Lernaktivität. Ein Video ist besonders sinnvoll, wenn danach etwas getan wird: eine Strategie anwenden, einen Text untersuchen, einen eigenen Erklärversuch erstellen oder eine Präsentation überarbeiten.
Merksatz: Ein Medium ist im Lernweg dann sinnvoll, wenn Du erklären kannst, welche Lernhandlung es unterstützt.
Vier konkrete Lernweg-Use-Cases
Die folgenden vier Beispiele zeigen, wie derselbe Planungszyklus auf unterschiedliche Ziele angewendet werden kann. Für Lea wird jeweils ein eigener Lernweg vorgeschlagen. Du kannst später einen davon übernehmen, verändern oder zu einem neuen Lernweg kombinieren.
Use-Case A: Förderplan Rechtschreibung

Ausgangslage: Lea kennt einige Rechtschreibregeln, nutzt sie beim freien Schreiben aber nicht zuverlässig.
Lernziel: Lea kann beim Überarbeiten eigener Texte passende Ableitungsstrategien nutzen und erklären, warum eine Schreibweise dadurch plausibel wird.
Kurskarte Rechtschreibung
| Station | MOOCwiki-Kurs oder Lernhandlung | Funktion | Schwierigkeitsgrad | Begründung |
|---|---|---|---|---|
| Einstieg | Ableiten (Rechtschreibstrategie) | Grundidee der Strategie klären | Einstieg | Lea braucht zuerst ein verständliches Werkzeug, bevor Varianten geübt werden. |
| Aufbau | Ableiten - Wortstamm beibehalten | Wortfamilien und Stammprinzip nutzen | Aufbau | Die Strategie wird an einem klar begrenzten Muster gefestigt. |
| Vertiefung | Ableiten - Veränderung der Wortart | Wörter durch Umformung prüfen | Vertiefung | Lea muss die Wortform verändern und dabei sprachlich begründen. |
| Vertiefung | Ableiten - Präfixe und Suffixe hinzufügen | Wortbildung zur Kontrolle einsetzen | Vertiefung | Mehrere sprachliche Entscheidungen werden miteinander verbunden. |
| Transfer | Eigenen kurzen Text überarbeiten | Strategien selbstständig auswählen | Transfer | Erst im eigenen Text zeigt sich, ob Lea die Strategie unabhängig von vorgegebenen Übungen anwenden kann. |
Warum diese Reihenfolge?
Die Reihenfolge geht vom Verstehen einer Strategie über gezielte Teilübungen zur selbstständigen Anwendung. Würde Lea sofort einen freien Text korrigieren, wäre unklar, ob sie eine Strategie bewusst nutzt oder nur Schreibweisen errät. Durch die Zwischenschritte wird die Entscheidung nachvollziehbar.
Der Lernnachweis sollte deshalb nicht nur aus einer Fehlerzahl bestehen. Aussagekräftiger ist ein überarbeiteter Text, in dem Lea beispielsweise drei Korrekturen markiert und jeweils erklärt, mit welcher Strategie sie die Schreibweise geprüft hat.
Anpassung des Förderplans
Wenn Lea die erste Station schon sicher beherrscht, kann sie diese verkürzen und mit einer Diagnoseaufgabe überspringen. Wenn sie bei einer Vertiefungsstation stockt, wird nicht einfach „mehr vom Gleichen“ gegeben. Stattdessen wird geprüft, ob ein Zwischenschritt, ein Beispiel oder eine erneute Erklärung fehlt.
Use-Case B: Vertiefung Literatur

Ausgangslage: Lea kann den Inhalt eines Textes gut zusammenfassen, ihre Deutungen sind aber noch wenig mit konkreten Textstellen verbunden.
Lernziel: Lea kann eine begründete Aussage über einen literarischen Text formulieren, einen passenden Textbeleg auswählen und erklären, wie dieser Beleg ihre Aussage stützt.
Kurskarte Literatur
| Station | MOOCwiki-Kurs oder Lernhandlung | Funktion | Schwierigkeitsgrad | Begründung |
|---|---|---|---|---|
| Einstieg | 5-Schritt-Lesemethode Deutschunterricht Klasse 5 und 6 | Text systematisch erschließen | Einstieg | Vor dem Deuten muss Lea Informationen gezielt finden, ordnen und sichern können. |
| Aufbau | Literatur | Begriffe, Gattungen und Zugänge erweitern | Aufbau | Die Überblicksseite bietet Anschlussmöglichkeiten für verschiedene literarische Texte. |
| Vertiefung | D - Fabeln | Aussage, Figuren und Wirkung an einer überschaubaren Textform untersuchen | Vertiefung | Fabeln eignen sich für begründete Aussagen, weil Handlung, Figurenverhalten und Lehre miteinander verbunden werden können. |
| Alternative Vertiefung | D - Balladen | Handlung, Sprache und Wirkung verbinden | Vertiefung | Bei Balladen muss Lea mehrere Ebenen des Textes zusammenführen und Wirkung begründen. |
| Transfer | Eine eigene Mini-Deutung mit Textbeleg erstellen | Begründetes Interpretieren | Transfer | Lea wendet die Methode auf einen neuen Text an, ohne dass jeder Schritt vorgegeben ist. |
Warum diese Reihenfolge?
Zuerst wird eine Lesestrategie gesichert. Danach folgt die literarische Vertiefung. Erst wenn Lea relevante Stellen findet und ordnet, ist eine begründete Deutung sinnvoll. Im Transfer soll sie deshalb nicht nur erzählen, „worum es geht“, sondern eine Behauptung mit einem Textbeleg verbinden und erklären.
Eine mögliche Struktur lautet: Aussage → Textbeleg → Erklärung → Wirkung. Diese Struktur kann Lea später auch für andere literarische Texte nutzen.
Wahl zwischen Fabel und Ballade
Die beiden Vertiefungsstationen müssen nicht beide bearbeitet werden. Die Auswahl hängt vom Ziel und Interesse ab. Wenn Lea besonders an Figurenverhalten und Lehren arbeiten soll, ist die Fabel passend. Wenn sie Sprache, Handlung und Wirkung stärker verbinden soll, kann die Ballade die anspruchsvollere Vertiefung sein. Eine gute Lernweg-Planung bedeutet also auch, bewusst etwas nicht auszuwählen.
Use-Case C: Grammatiktraining

Ausgangslage: Lea kennt Begriffe wie Subjekt, Objekt und Fall, ordnet sie aber nicht immer sicher zu.
Lernziel: Lea kann in eigenen und fremden Sätzen wichtige Satzglieder bestimmen, Kasusformen untersuchen und erklären, wie grammatische Veränderungen die Satzstruktur beeinflussen.
Kurskarte Grammatik
| Station | MOOCwiki-Kurs oder Lernhandlung | Funktion | Schwierigkeitsgrad | Begründung |
|---|---|---|---|---|
| Einstieg | Satzglieder | Satzfunktionen klären | Einstieg | Lea braucht zuerst ein stabiles Modell davon, welche Einheiten im Satz welche Aufgaben übernehmen. |
| Aufbau | 4 Fälle - Kasus-System in der deutschen Grammatik - aiMOOC | Kasus systematisch verstehen | Aufbau | Die Fälle werden nicht isoliert gelernt, sondern mit grammatischen Funktionen verbunden. |
| Vertiefung | 4 Fälle in der deutschen Grammatik Deutschunterricht Klasse 6 - VideoQuiz | Wissen anwenden und Rückmeldung erhalten | Vertiefung | Das VideoQuiz ermöglicht eine zusätzliche Darstellungsform und prüft Entscheidungen unmittelbar. |
| Transfer | Eigene Sätze untersuchen und gezielt verändern | Grammatik als Werkzeug nutzen | Transfer | Lea muss das Wissen auf selbst gebildete Sätze übertragen und Auswirkungen erklären. |
Warum diese Reihenfolge?
Ein Grammatik-Lernweg sollte Fachbegriffe nicht als getrennte Vokabelliste behandeln. Satzglieder beschreiben Funktionen im Satz, Kasus beschreibt unter anderem Formen von Nominalgruppen und Pronomen. Im Lernweg werden diese Ebenen deshalb zuerst einzeln geklärt und anschließend miteinander verknüpft.
Eine passende Transferaufgabe ist die „Satzwerkstatt“: Lea bildet einen Satz, markiert Satzglieder, verändert anschließend ein Objekt oder eine Wortgruppe und erklärt, welche grammatische Folge diese Veränderung hat.
Use-Case D: Vorbereitung auf eine Präsentation

Ausgangslage: Lea spricht frei und verständlich, aber ihre Präsentationen enthalten zu viele Informationen und zu viel Text auf den Folien.
Lernziel: Lea kann eine kurze Präsentation für eine bestimmte Zielgruppe planen, Informationen gewichten, eine verständliche Visualisierung erstellen und ihr Ergebnis nach Feedback verbessern.
Kurskarte Präsentation
| Station | MOOCwiki-Kurs oder Lernhandlung | Funktion | Schwierigkeitsgrad | Begründung |
|---|---|---|---|---|
| Einstieg | Thema, Zielgruppe und Kernaussage auf einer Karte festhalten | Inhalt fokussieren | Einstieg | Gestaltung beginnt erst sinnvoll, wenn klar ist, was die Zuhörenden verstehen sollen. |
| Aufbau | Video-Analyse | Wirkung von Bild, Ton, Aufbau und Auswahl untersuchen | Aufbau | Lea lernt, Medien nicht nur zu konsumieren, sondern ihre Wirkung zu begründen. |
| Vertiefung | 5-Schritte-Erklärvideo-Produktion | Botschaft strukturieren und visuell planen | Vertiefung | Planungsprinzipien wie Auswahl, Reihenfolge und Visualisierung lassen sich auf Präsentationen übertragen. |
| Transfer | Eigene Kurzpräsentation erstellen | Inhalte adressatengerecht vermitteln | Transfer | Lea verbindet Fachinhalt, Sprache, Visualisierung und Vortrag. |
| Überarbeitung | Peer-Feedback mit Kriterien nutzen | Präsentation gezielt verbessern | Transfer | Eine Präsentation wird nicht nur „gehalten“, sondern anhand begründeter Rückmeldungen weiterentwickelt. |
Warum diese Reihenfolge?
Bei einer Präsentation darf die Gestaltung nicht vor der inhaltlichen Entscheidung stehen. Deshalb klärt Lea zuerst Kernaussage und Zielgruppe. Anschließend analysiert sie, wie Medien wirken. Erst danach plant sie ihr eigenes Produkt. Der Probelauf mit Feedback steht bewusst vor der Endfassung, weil Überarbeiten Teil der Kompetenz ist.
Für eine Buchvorstellung kann Lea Inhalte aus Literatur mit dieser Präsentationsroute verbinden. Wichtig bleibt: Nicht möglichst viele Effekte machen die Präsentation gut, sondern eine klare Botschaft, passende Beispiele und verständliche Visualisierung.
Ein vollständiger Musterlernweg für Lea
Leas dringendster Unterstützungsbedarf liegt in diesem Beispiel bei der Rechtschreibung. Deshalb wird nicht versucht, alle vier Bereiche gleichzeitig zu bearbeiten. Der folgende Musterlernweg konzentriert sich auf ein Ziel und nutzt die anderen Use-Cases später als mögliche Anschlusswege.
| Phase | Station | Was Lea tut | Warum diese Station jetzt kommt | Lernnachweis |
|---|---|---|---|---|
| Start | Kurzer eigener Text | Lea schreibt einen kurzen Text ohne besondere Hilfen und markiert anschließend unsichere Wörter. | Der Ausgangspunkt wird sichtbar, bevor Hilfe eingesetzt wird. | Markierte Unsicherheiten und erste Vermutungen |
| Grundlage | Ableiten (Rechtschreibstrategie) | Lea erklärt das Grundprinzip mit eigenen Worten. | Ohne Verständnis kann die Strategie später nicht bewusst ausgewählt werden. | Eine eigene Erklärung mit Beispiel |
| Aufbau | Ableiten - Wortstamm beibehalten | Lea prüft Wörter über Wortfamilien. | Ein klarer Teilbereich festigt die Grundidee. | Korrekt begründete Wortbeispiele |
| Vertiefung | Ableiten - Veränderung der Wortart | Lea verändert Wörter und nutzt die neue Form zur Kontrolle. | Die Strategie wird flexibler und anspruchsvoller. | Begründete Umformungen |
| Erweiterung | Ableiten - Präfixe und Suffixe hinzufügen | Lea untersucht Wortbildung und Schreibweise. | Mehrere sprachliche Informationen müssen kombiniert werden. | Eigene Beispiele mit Erklärung |
| Transfer | Eigener Text aus der Startphase | Lea überarbeitet den Text und kennzeichnet angewendete Strategien. | Das neue Wissen wird auf ein echtes eigenes Produkt übertragen. | Überarbeiteter Text mit mindestens drei Strategie-Erklärungen |
| Reflexion | Lernweg-Rückblick | Lea beschreibt, welche Station besonders geholfen hat und welche Strategie sie künftig einsetzen will. | Reflexion unterstützt selbstständige Weiterarbeit. | Kurzes schriftliches oder mündliches Lernfazit |
So wird der Schwierigkeitsgrad gesteigert
Die Schwierigkeit steigt nicht nur dadurch, dass Aufgaben länger werden. Entscheidend ist, wie selbstständig und wie tief gedacht werden muss.
| Stufe | Typische Lernhandlung | Beispiel |
|---|---|---|
| Einstieg | erkennen und mit Hilfe anwenden | Eine passende Rechtschreibstrategie an einem Beispiel wiedererkennen. |
| Aufbau | anwenden und erklären | Eine Strategie auswählen und die Entscheidung begründen. |
| Vertiefung | vergleichen, verknüpfen und beurteilen | Zwei mögliche Strategien vergleichen und die passendere auswählen. |
| Transfer | selbstständig in einer neuen Situation handeln | Einen eigenen Text überarbeiten und die verwendeten Strategien dokumentieren. |
Für E-Niveau ist besonders wichtig, dass der Lernweg nicht beim Wiedererkennen endet. Die Person sollte mindestens an einer Stelle begründen, übertragen oder beurteilen.
Reihenfolge begründen: Satzstarter für E-Niveau
| Planungsfrage | Satzstarter |
|---|---|
| Warum steht Kurs A vor Kurs B? | „Ich setze ... vor ..., weil dafür zuerst ... verstanden werden muss.“ |
| Warum passt die Station zur Zielperson? | „Die Station passt zu ..., weil die Person bereits ... kann, aber noch ... üben muss.“ |
| Warum ist die nächste Station schwieriger? | „Die Anforderung steigt, weil nun nicht nur ..., sondern zusätzlich ... verlangt wird.“ |
| Warum ist die Transferaufgabe geeignet? | „Der Transfer ist erkennbar, weil das Gelernte in einer neuen Situation ...“ |
| Warum wurde ein Kurs nicht gewählt? | „Ich lasse ... weg, weil die Station das Lernziel kaum unterstützt beziehungsweise unnötig wiederholt.“ |
Qualitätscheck für Deinen Lernweg
| Check | Qualitätskriterium |
|---|---|
| ☐ | Die Zielperson ist konkret beschrieben. |
| ☐ | Das Lernziel ist überprüfbar formuliert. |
| ☐ | Jede Kursstation trägt erkennbar zum Lernziel bei. |
| ☐ | Die Reihenfolge ist begründet. |
| ☐ | Der Schwierigkeitsgrad steigt sinnvoll. |
| ☐ | Mindestens eine Station fordert selbstständigen Transfer. |
| ☐ | Der Lernnachweis passt zum Lernziel. |
| ☐ | Medien unterstützen eine Lernhandlung und sind nicht nur Dekoration. |
| ☐ | Für verwendete freie Medien wurden Quelle und Lizenz auf der Dateibeschreibungsseite geprüft. |
| ☐ | Feedback führt zu einer möglichen Anpassung des Lernwegs. |
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was sollte vor der Auswahl einzelner Kurse geklärt werden? (Ausgangslage und Lernziel der Zielperson) (!Die Anzahl verfügbarer Videos) (!Die Farbe der Kursseite) (!Die Länge aller Überschriften)
Was unterscheidet einen Lernweg von einer bloßen Linksammlung? (Die Stationen sind ausgewählt, geordnet und begründet) (!Alle Links führen zum gleichen Thema) (!Jede Station enthält ein Video) (!Der Lernweg ist möglichst lang)
Woran erkennt man einen passenden Lernnachweis besonders gut? (Er zeigt genau die Kompetenz, die im Lernziel beschrieben wurde) (!Er enthält möglichst viele Seiten) (!Er verwendet immer dieselbe Aufgabenform) (!Er wird ohne Kriterien bewertet)
Wann sollte eine Lernstation vor einer anderen stehen? (Wenn sie notwendiges Vorwissen für die folgende Station aufbaut) (!Wenn ihr Seitentitel alphabetisch früher kommt) (!Wenn sie mehr Bilder enthält) (!Wenn sie zufällig zuerst gefunden wurde)
Welche Abfolge beschreibt eine sinnvolle Steigerung der Schwierigkeit? (Mit Hilfe erkennen, selbstständig anwenden, begründen und übertragen) (!Übertragen, abschreiben, erkennen und raten) (!Präsentieren, suchen, kopieren und vergessen) (!Bewerten, ohne Grundlagen zu kennen, und danach erst üben)
Warum endet der Rechtschreib-Lernweg mit einem eigenen Text? (Weil sich dort zeigt, ob die Strategie selbstständig übertragen wird) (!Weil freie Texte keine Rechtschreibung benötigen) (!Weil Übungen grundsätzlich nutzlos sind) (!Weil ein eigener Text immer leichter ist)
Was gehört zu einer vertieften Literaturaufgabe? (Eine Aussage mit einem passenden Textbeleg begründen) (!Nur den Titel des Textes abschreiben) (!Ausschließlich die Zeilenzahl zählen) (!Den Text ohne Erklärung nacherzählen)
Was ist ein sinnvoller Grammatik-Transfer? (Eigene Sätze untersuchen, verändern und die grammatische Wirkung erklären) (!Fachbegriffe nur auswendig aufsagen) (!Ein Arbeitsblatt ungelesen abgeben) (!Nur Überschriften markieren)
Was sollte bei der Vorbereitung einer Präsentation früh geklärt werden? (Kernaussage und Zielgruppe) (!Die Zahl der Animationen) (!Die Hintergrundmusik) (!Die maximale Menge an Folientext)
Was sollte nach begründetem Feedback zu einem Lernweg passieren? (Der Lernweg wird bei Bedarf angepasst) (!Alle Stationen bleiben immer unverändert) (!Das Lernziel wird ignoriert) (!Der Lernnachweis wird gelöscht)
Memory
| Startprofil | Ausgangspunkt des Lernens |
| Lernziel | angestrebte Kompetenz |
| Kurskarte | Prüfung einer Lernstation |
| Transfer | Anwendung in einer neuen Situation |
| Lernnachweis | Beleg für erreichte Kompetenz |
| Feedback | Rückmeldung zur Verbesserung |
| Progression | schrittweise steigende Anforderung |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Diagnose | Startpunkt klären |
| Zielkompetenz | Lernziel präzisieren |
| Kursauswahl | passende Inhalte wählen |
| Reihenfolge | Lernschritte aufeinander aufbauen |
| Lernnachweis | Lernergebnis belegen |
Kreuzworträtsel
| Diagnose | Wie heißt die Klärung des Lern-Ausgangspunktes? |
| Lernziel | Wie heißt die angestrebte Kompetenz am Ende eines Lernwegs? |
| Transfer | Wie nennt man die Anwendung von Gelerntem in einer neuen Situation? |
| Feedback | Welches Wort bezeichnet eine Rückmeldung zur Verbesserung? |
| Literatur | Welcher Deutschbereich beschäftigt sich mit literarischen Texten? |
| Grammatik | Welcher Deutschbereich untersucht sprachliche Strukturen und Formen? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Zielgruppenkarte: Erfinde eine Mitschülerin oder einen Mitschüler und beschreibe drei Stärken, zwei Lernbedarfe und eine bevorzugte Lernform.
- Ich-kann-Ziel: Formuliere für eine der vier Situationen Rechtschreibung, Literatur, Grammatik oder Präsentation ein überprüfbares Lernziel.
- Kurskarte: Wähle einen im aiMOOC genannten MOOCwiki-Kurs aus und bewerte ihn mit fünf Kriterien aus der Kurskarte.
- Lernweg-Skizze: Zeichne einen Lernweg mit den Stationen Startprofil, Kurs, Übung, Transfer und Lernnachweis.
Standard
- Förderplan Rechtschreibung: Stelle aus mindestens drei passenden Stationen einen Rechtschreib-Lernweg für Deine fiktive Zielperson zusammen und begründe jede Station.
- Literatur-Lernweg: Entwickle eine Route, in der eine Lesemethode, eine literarische Vertiefung und eine eigene Deutungsaufgabe aufeinander aufbauen.
- Grammatik-Werkstatt: Erstelle eine Kursfolge zu Satzgliedern und Fällen und ergänze eine Transferaufgabe mit selbst gebildeten Sätzen.
- Präsentationsplan: Plane eine kurze Präsentation und entwickle ein Feedbackblatt mit Kriterien für Inhalt, Verständlichkeit, Visualisierung und Vortrag.
Schwer
- Lernweg-Vergleich: Entwickle für dasselbe Lernziel zwei unterschiedliche Lernwege und beurteile, welcher für eine bestimmte Zielperson besser geeignet ist.
- Lernweg-Test: Lass eine andere Person Deinen Lernweg probeweise bearbeiten, führe anschließend ein kurzes Interview und überarbeite mindestens zwei Planungsentscheidungen.
- Kursdesign: Entwickle eine eigene noch fehlende MOOCwiki-Lernstation, die eine erkennbare Lücke zwischen zwei vorhandenen Kursen schließt, und begründe Niveau, Medienwahl und Lernnachweis.
- Erklärvideo Lernweg: Produziere ein kurzes Erklärvideo oder Storyboard, in dem Du zeigst, wie Diagnose, Lernziel, Kursauswahl, Progression, Transfer und Feedback zusammenwirken.


Lernkontrolle
- Lernweg analysieren: Zwei Lernwege enthalten dieselben drei Kurse, aber in unterschiedlicher Reihenfolge. Entwickle Kriterien, mit denen Du entscheidest, welche Reihenfolge für eine konkrete Zielperson sinnvoller ist, und begründe Deine Entscheidung.
- Förderplan anpassen: Eine Schülerin kennt Rechtschreibstrategien bereits, setzt sie aber beim freien Schreiben kaum ein. Verändere den Musterlernweg so, dass weniger Grundlagenwiederholung und mehr Transfer entsteht.
- Literatur differenzieren: Ein Schüler versteht Texte sicher, interessiert sich aber stärker für erzählende Texte als für Gedichte. Passe den Literatur-Lernweg an, ohne das E-Niveau zu senken, und begründe, worin die anspruchsvolle Denkleistung besteht.
- Zeitbudget kürzen: Für einen Lernweg stehen nur zwei Lernphasen zur Verfügung. Entscheide, welche Stationen unbedingt erhalten bleiben müssen, welche gekürzt werden können und wie der Lernnachweis trotzdem aussagekräftig bleibt.
- Präsentation beurteilen: Ein Lernweg zur Präsentationsvorbereitung beginnt mit Folienanimationen und endet erst später mit der Klärung der Kernaussage. Analysiere das Problem und entwirf eine bessere Reihenfolge.
- Transferregel entwickeln: Formuliere aus den vier Use-Cases eine allgemeine Regel dafür, wann eine Lernstation als echter Transfer gelten kann. Belege Deine Regel an mindestens zwei Bereichen.
Lernnachweis
Für einen überzeugenden Lernnachweis zu diesem Thema sollte sichtbar werden, dass Du einen Lernweg nicht nur zusammenstellst, sondern begründet planst. Wichtig sind:
- Zielgruppenprofil: Du beschreibst die Lernvoraussetzungen der fiktiven Person nachvollziehbar.
- Lernziel: Du formulierst eine konkrete, überprüfbare Zielkompetenz.
- Kursauswahl: Du wählst mehrere passende vorhandene MOOCwiki-Lernstationen aus.
- Begründete Reihenfolge: Du erklärst, warum die Stationen in dieser Reihenfolge stehen.
- Progression: Du zeigst, wie die Anforderungen vom Einstieg bis zum Transfer steigen.
- Transferaufgabe: Du planst eine neue Anwendungssituation, in der das Gelernte selbstständig eingesetzt wird.
- Kompetenznachweis: Du bestimmst ein Produkt oder eine Handlung, an der der Lernerfolg erkennbar wird.
- Feedback und Überarbeitung: Du dokumentierst mindestens eine begründete Anpassung nach einer Rückmeldung oder einem Probelauf.
OERs zum Thema
Ein allgemeiner Hintergrund zur Arbeit mit Kompetenzstufen und Lernplanung findet sich im Artikel Kompetenzraster.
Weitere passende MOOCwiki-Anknüpfungen sind Dein Plan für Deine Bildung, Deutsch 6, Literatur, Satzglieder und die im Kurs verwendeten Lernstationen.
Verknüpfte Lernbereiche
aiMOOC-Projekte
NEWSLernweltNOAH fragen