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Zeitgenössische Kunstschmiede - Schmied

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Zeitgenössische Kunstschmiede - Schmied



Zeitgenössische Kunstschmiede - Schmied


Einleitung

Die zeitgenössische Kunstschmiede verbindet traditionelles Freiformschmieden mit moderner Formgestaltung, technischer Konstruktion und aktuellen Fertigungsverfahren. In ihr entstehen nicht nur Tore, Gitter oder Geländer, sondern auch Skulpturen, Möbel, Leuchten, Raumobjekte und Kunstwerke für den öffentlichen Raum. Typisch ist das Zusammenspiel von glühendem Stahl, handgeführten Werkzeugen, Maschinen, präziser Planung und einer eigenständigen gestalterischen Idee.

Dieser aiMOOC richtet sich an Auszubildende im Metallhandwerk, besonders an angehende Metallbauerinnen und Metallbauer der Fachrichtung Metallgestaltung. In Deutschland ist dies der anerkannte Ausbildungsberuf, der die heutigen Tätigkeitsfelder des Kunstschmieds einschließt. Die reguläre Ausbildungsdauer beträgt dreieinhalb Jahre beziehungsweise 42 Monate. Die Bezeichnungen Schmied, Kunstschmied und Metallgestalter werden im beruflichen und kulturellen Alltag weiterhin verwendet.

Du lernst in diesem Kurs, wie ein zeitgenössisches Schmiedeobjekt vom ersten Entwurf bis zur fertigen Oberfläche entwickelt wird. Dabei stehen Fachbegriffe, Werkstoffverhalten, Umformverfahren, Werkzeugwahl, Arbeitssicherheit, Qualität und gestalterische Entscheidungen im Mittelpunkt.


Berufsbild und Lernziele


Berufliche Einordnung

Die Fachrichtung Metallgestaltung umfasst das Herstellen, Montieren, Instandhalten und Restaurieren gestalteter Metallarbeiten. In einer zeitgenössischen Kunstschmiede überschneiden sich Handwerk, Technik, Architektur und freie Kunst. Auszubildende arbeiten deshalb sowohl nach technischen Zeichnungen als auch nach Skizzen, Modellen und künstlerischen Konzepten.

Zu den typischen Arbeitsfeldern gehören:

  1. Architekturbezogene Metallgestaltung: Tore, Geländer, Fenstergitter, Vordächer, Beschläge und Fassadenelemente
  2. Metallkunst: Skulpturen, Installationen, Reliefs und Objekte für Innen- und Außenräume
  3. Produktgestaltung: Möbel, Leuchten, Feuerstellen, Garderoben und Gebrauchsgegenstände
  4. Restaurierung: Erhalten, Ergänzen und Rekonstruieren historischer Schmiedearbeiten
  5. Sonderanfertigung: Einzelstücke nach Kundenauftrag, Wettbewerb oder künstlerischem Entwurf


Lernziele

Nach der Bearbeitung dieses aiMOOCs kannst Du:

  1. die berufliche Rolle eines zeitgenössischen Schmieds fachlich einordnen
  2. einen Gestaltungsauftrag analysieren und einen umsetzbaren Entwurf entwickeln
  3. grundlegende Schmiedeverfahren benennen und ihrem Zweck zuordnen
  4. geeignete Werkstoffe, Werkzeuge, Maschinen und Fügeverfahren auswählen
  5. typische Qualitätsfehler sowie Gefährdungen erkennen
  6. Oberflächen- und Korrosionsschutzsysteme an die Nutzung eines Werkstücks anpassen
  7. handwerkliche, technische, wirtschaftliche und ökologische Anforderungen miteinander abwägen


Zeitgenössische Gestaltung

Zeitgenössische Schmiedekunst kopiert historische Ornamente nicht einfach. Sie entwickelt Formen aus dem Material, der Funktion, dem Ort und der persönlichen Gestaltungsidee. Ein Werkstück kann geometrisch, organisch, minimalistisch, expressiv oder bewusst roh erscheinen. Sichtbare Hammerschläge, ausgeschmiedete Kanten, Übergänge und Zunderschichten können als gestalterische Spuren eingesetzt werden.


Form, Funktion und Ausdruck

Ein guter Entwurf verbindet mehrere Ebenen:

  1. Funktion: Das Objekt erfüllt seinen Zweck, lässt sich sicher bedienen und dauerhaft befestigen.
  2. Proportion: Länge, Breite, Materialstärke und Zwischenräume stehen in einem nachvollziehbaren Verhältnis.
  3. Rhythmus: Wiederholungen, Verdichtungen und Unterbrechungen lenken den Blick.
  4. Negativraum: Nicht nur der Stahl, sondern auch der freie Raum zwischen den Bauteilen prägt die Wirkung.
  5. Materialwirkung: Schmiedespuren, Querschnittsänderungen, Oberflächen und Verbindungspunkte bleiben ablesbar.
  6. Ortsbezug: Maßstab, Licht, Architektur, Blickrichtungen und Nutzung der Umgebung werden berücksichtigt.


Entwurfsprozess

Der Entwurfsprozess beginnt mit einer Auftragsklärung. Du ermittelst Funktion, Maße, Standort, Budget, Termin, gestalterische Erwartungen und technische Randbedingungen. Danach folgen Handskizzen, Varianten, Materialproben und gegebenenfalls Modelle. Bei komplexen Arbeiten werden CAD-Zeichnungen, digitale Modelle, Schablonen oder Ansichtsmodelle eingesetzt.

Ein sinnvoller Arbeitsablauf ist:

  1. Aufgabe, Einbausituation und Zielgruppe untersuchen
  2. Gestaltungsideen sammeln und Varianten skizzieren
  3. Proportionen, Querschnitte und Verbindungspunkte festlegen
  4. Herstellbarkeit, Montage und Sicherheit prüfen
  5. Materialbedarf, Arbeitszeit und Kosten abschätzen
  6. Musterstück oder Prototyp herstellen
  7. Entwurf überarbeiten und Fertigungsunterlagen erstellen

Digitale Fertigung kann den Prozess ergänzen. Lasergeschnittene Rohlinge, CNC-gefertigte Schablonen oder dreidimensional erfasste Bauteile ersetzen das Schmieden nicht, sondern können eine präzise Ausgangsbasis schaffen. Die plastische Verformung, die Materialverdichtung und die individuelle Oberfläche entstehen weiterhin in der Werkstatt.


Werkstoffe in der Kunstschmiede

Im Alltag wird häufig von Eisen gesprochen. Fachlich bestehen moderne Schmiedearbeiten jedoch meist aus Stahl. Reines Eisen spielt nur eine geringe Rolle. Historisches Schmiedeeisen beziehungsweise Schweißeisen besitzt eine andere Gefügestruktur als heutige Baustähle und muss bei Restaurierungen entsprechend beurteilt werden.

Für die Werkstoffwahl sind wichtig:

  1. Umformbarkeit: Der Werkstoff muss sich im vorgesehenen Temperaturbereich plastisch verformen lassen.
  2. Schweißbarkeit: Geplante Schweißverbindungen müssen zum Werkstoff und zur Bauteilbeanspruchung passen.
  3. Festigkeit: Querschnitt und Werkstoff müssen die auftretenden Kräfte aufnehmen.
  4. Korrosionsverhalten: Außenbauteile benötigen einen geeigneten konstruktiven und beschichtenden Schutz.
  5. Oberflächenwirkung: Farbe, Zunder, Schleifbild und Patina beeinflussen die Gestaltung.
  6. Dokumentation: Bei tragenden oder sicherheitsrelevanten Bauteilen müssen Werkstoff und Ausführung eindeutig nachweisbar sein.

Niedrigkohlenstoffhaltige Stähle lassen sich im Allgemeinen gut schmieden und schweißen. Höher kohlenstoffhaltige oder legierte Stähle reagieren empfindlicher auf falsche Temperaturen und Abkühlgeschwindigkeiten. Unbekannte Altmaterialien dürfen bei sicherheitsrelevanten Bauteilen nicht ohne Prüfung eingesetzt werden.


Schmiedefeuer und Erwärmung

Das Werkstück wird in einer Kohleesse, Koksesse oder Gasforge auf die erforderliche Schmiedetemperatur erwärmt. Diese Temperatur ist werkstoff- und verfahrensabhängig. Die Glühfarbe liefert eine Orientierung, wird jedoch durch Umgebungslicht, Zunder und die individuelle Farbwahrnehmung beeinflusst. Für reproduzierbare Prozesse können berührungslose Temperaturmessgeräte eingesetzt werden.

Beim Erwärmen sind folgende Punkte wesentlich:

  1. Das Werkstück muss im umzuformenden Bereich möglichst gleichmäßig erwärmt sein.
  2. Zu niedrige Temperatur erhöht den Kraftbedarf und kann Risse begünstigen.
  3. Zu hohe Temperatur kann zu starkem Zunder, Kornwachstum, Entkohlung oder Verbrennung führen.
  4. Eine ungünstige Ofenatmosphäre verstärkt die Oxidation der Oberfläche.
  5. Werkstücke müssen mit geeigneten Zangen sicher gehalten und transportiert werden.
  6. Brennstoff, Luftzufuhr und Feuergröße werden dem Werkstück angepasst.

Zunder ist eine Oxidschicht, die beim Erwärmen von Stahl in sauerstoffhaltiger Atmosphäre entsteht. Lose Zunderschichten werden regelmäßig entfernt, damit sie nicht in die Oberfläche eingeschlagen werden.


Grundlegende Schmiedeverfahren

Schmieden ist ein Druckumformverfahren. Das Werkstück wird durch Schläge oder Druck plastisch verformt. In der Kunstschmiede werden häufig folgende Verfahren kombiniert:

  1. Strecken: Der Querschnitt wird verkleinert, während die Länge zunimmt.
  2. Stauchen: Die Länge wird verkürzt, während der Querschnitt zunimmt.
  3. Breiten: Material wird gezielt in die Breite getrieben.
  4. Absetzen: Ein Querschnittsübergang oder eine Schulter wird ausgearbeitet.
  5. Biegen: Das Werkstück wird über Horn, Kante, Dorn oder Vorrichtung gekrümmt.
  6. Tordieren: Ein erwärmter Bereich wird um die Längsachse verdreht.
  7. Spitzen: Das Werkstückende wird durch kontrolliertes Strecken verjüngt.
  8. Lochen: Eine Öffnung wird durch einen Lochdorn erzeugt.
  9. Durchtreiben: Eine vorbereitete Öffnung wird erweitert und in Form gebracht.
  10. Spalten: Das Material wird längs geteilt, ohne vollständig abgetrennt zu werden.
  11. Abschroten: Warmes oder kaltes Material wird mit Schrotwerkzeugen getrennt.
  12. Feuerschweißen: ausreichend erwärmte und vorbereitete Fügeflächen werden durch Druck und Schläge stoffschlüssig verbunden.

Bei jeder Umformung musst Du den Materialfluss beobachten. Ein Querschnitt darf nicht unkontrolliert ausdünnen. Scharfe Übergänge, überlappte Falten und Kerben können die Festigkeit verringern. Die Schlagrichtung, Auflagefläche und Folge der Arbeitsschritte bestimmen, wohin das Material fließt.


Werkzeuge und Maschinen

Der Amboss ist die zentrale Arbeitsunterlage. Seine Bahn dient zum Schmieden und Schlichten, das Horn zum Biegen und Aufweiten. Vierkantloch und Rundloch nehmen Hilfswerkzeuge auf oder unterstützen beim Lochen.

Wichtige Handwerkzeuge sind:

  1. Schmiedehammer: Kreuzschlag-, Rundbahn-, Schlicht- und Vorschlaghämmer
  2. Schmiedezange: auf Werkstückform und Querschnitt abgestimmte Haltewerkzeuge
  3. Setzwerkzeug: Werkzeuge zum Absetzen, Formen und Schlichten
  4. Schrotmeißel: Werkzeuge zum Warm- oder Kalttrennen
  5. Lochdorn und Durchschlag: Werkzeuge zum Lochen und Kalibrieren
  6. Gesenk: formgebendes Werkzeug für wiederholbare Konturen
  7. Biegevorrichtung: werkstückbezogene Vorrichtung für definierte Radien und Serien

Maschinenhammer und Schmiedepresse vergrößern die mögliche Umformkraft. Der Maschinenhammer wirkt durch schnelle Schläge, während eine Presse den Druck vergleichsweise langsam aufbaut. Werkzeugzustand, sichere Zangenführung, freie Arbeitswege, Not-Aus-Einrichtungen und eindeutige Absprachen sind besonders wichtig.


Fügen, Montieren und Konstruieren

Zeitgenössische Metallgestaltung kombiniert traditionelle und moderne Fügeverfahren. Die Verbindung soll technisch zuverlässig und gestalterisch überzeugend sein.

Mögliche Verbindungen sind:

  1. Nieten: formschlüssige Verbindung mit sichtbar gestaltbarem Nietkopf
  2. Schrumpfen: erwärmte Bauteile oder Ringe ziehen sich beim Abkühlen fest
  3. Zapfenverbindung: formschlüssige Verbindung durch Zapfen, Lochung und Sicherung
  4. Bünde: aufgelegte oder geschrumpfte Bänder verbinden mehrere Teile
  5. Feuerschweißen: traditionelle stoffschlüssige Verbindung im Schmiedefeuer
  6. Schweißen: beispielsweise MAG- oder WIG-Schweißen nach Werkstoff und Anforderung
  7. Schrauben: lösbare Verbindung für Montage, Wartung oder Transport

Schweißnähte dürfen nicht nur nach ihrem Aussehen beurteilt werden. Nahtvorbereitung, Werkstoff, Wärmeeintrag, Zugänglichkeit und Beanspruchung müssen berücksichtigt werden. Bei tragenden Bauteilen gelten zusätzliche Anforderungen an Planung, Qualifikation, Ausführung und Dokumentation.


Oberflächen und Korrosionsschutz

Eine Oberfläche erfüllt gestalterische und technische Funktionen. Vor jeder Behandlung wird geklärt, ob das Werkstück im Innenraum, im geschützten Außenraum oder frei bewittert eingesetzt wird.

Typische Arbeitsschritte und Systeme sind:

  1. Entzundern: lose Oxidschichten durch Bürsten, Strahlen oder geeignete mechanische Verfahren entfernen
  2. Schleifen: Übergänge bearbeiten, Flächen angleichen oder ein definiertes Schleifbild erzeugen
  3. Patinieren: die Oberfläche chemisch oder thermisch färben
  4. Ölen und Wachsen: vor allem für Innenräume oder kontrolliert gepflegte Oberflächen
  5. Beschichten: Grundierung und Deckbeschichtung als abgestimmtes Korrosionsschutzsystem
  6. Pulverbeschichten: widerstandsfähige Beschichtung nach geeigneter Vorbehandlung
  7. Feuerverzinken: Zinküberzug für Außenbauteile bei verzinkungsgerechter Konstruktion
  8. Duplexsystem: Kombination aus Verzinkung und zusätzlicher Beschichtung

Patina ist nicht automatisch ein dauerhafter Korrosionsschutz. Die Schutzwirkung hängt vom Werkstoff, der Vorbehandlung, dem Schichtaufbau, der Nutzung und der Wartung ab. Hohlprofile müssen für thermische Beschichtungsverfahren mit geeigneten Entlüftungs- und Ablauföffnungen konstruiert werden.


Qualitätssicherung

Qualität entsteht nicht erst bei der Endkontrolle. Sie beginnt mit dem Entwurf, der Werkstoffwahl und der Arbeitsplanung.

Während der Fertigung prüfst Du:

  1. Maße, Winkel, Radien, Ebenheit und Symmetrie
  2. Querschnittsverläufe und Wandstärken
  3. Risse, Falten, Kerben und eingeschlagene Zunderschichten
  4. Form und Sitz von Nieten, Zapfen und Bünden
  5. Schweißnahtausführung und Verzug
  6. Passgenauigkeit von Baugruppen
  7. Oberflächenzustand und Beschichtungsaufbau
  8. sichere Funktion, Befestigung und Montage

Eine bewusst handwerkliche Oberfläche darf unregelmäßig sein. Unregelmäßigkeit ist jedoch nur dann ein Gestaltungsmittel, wenn sie kontrolliert entsteht und die technische Funktion nicht beeinträchtigt.


Arbeits- und Gesundheitsschutz

In der Schmiede treten Hitze, offene Flammen, Funkenflug, Rauch, Lärm, schwere Werkstücke, scharfe Kanten und bewegte Maschinen auf. Deshalb beginnt jede Tätigkeit mit einer Gefährdungsbeurteilung und einer geeigneten Arbeitsvorbereitung.

Wichtige Schutzmaßnahmen sind:

  1. Schutzbrille oder Gesichtsschutz passend zur Tätigkeit tragen
  2. Gehörschutz bei lärmintensiven Arbeiten verwenden
  3. schwer entflammbare, eng anliegende Arbeitskleidung und Sicherheitsschuhe tragen
  4. lange Haare sichern und Schmuck ablegen
  5. Handschuhe tätigkeitsbezogen auswählen
  6. an rotierenden Maschinen Einzugsgefahren besonders beachten
  7. Zangen, Hämmer und Stiele vor der Nutzung prüfen
  8. heiße Werkstücke eindeutig kennzeichnen und sicher ablegen
  9. Absaugung und Lüftung für Rauch, Staub und Gase nutzen
  10. Gasleitungen, Armaturen und Brenner regelmäßig prüfen
  11. Feuerlöscheinrichtungen und Fluchtwege freihalten
  12. Hebezeuge für schwere oder unhandliche Bauteile einsetzen

Beim Arbeiten zu zweit oder am Maschinenhammer müssen klare Kommandos vereinbart werden. Nur eine Person gibt die Arbeitsanweisung. Unklare Zeichen oder überraschende Bewegungen können schwere Unfälle verursachen.


Nachhaltige Werkstattpraxis

Zeitgenössische Kunstschmiede kann langlebige und reparierbare Produkte schaffen. Nachhaltigkeit entsteht jedoch nicht automatisch durch Handarbeit. Sie muss geplant werden.

Geeignete Maßnahmen sind:

  1. Werkstücke so entwerfen, dass sie lange nutzbar, wartbar und reparierbar sind
  2. Materialzuschnitte optimieren und Reststücke sinnvoll einplanen
  3. mehrere Arbeitsschritte in einer Hitze ausführen
  4. Feuergröße und Maschinenlaufzeit an den tatsächlichen Bedarf anpassen
  5. lösbare Verbindungen für Transport, Austausch und Wiederverwendung vorsehen
  6. Oberflächensysteme nach Beanspruchung statt nur nach Optik auswählen
  7. Werkstoffe dokumentieren und sortenrein lagern
  8. unbekannte Altstähle nur nach fachlicher Prüfung verwenden
  9. langlebige Gestaltung gegenüber kurzlebigen Trends abwägen


Beispielprojekt: Zeitgenössisches Wandobjekt

Als Ausbildungsprojekt soll ein Wandobjekt aus Flach- und Rundstahl entstehen. Das Objekt besteht aus einem geschmiedeten Rahmen, drei unterschiedlich stark gestreckten Innenformen und einer lösbaren Wandbefestigung.

Ein möglicher Arbeitsplan:

  1. Aufstellort, zulässige Abmessungen und Befestigungsgrund untersuchen
  2. mindestens drei Entwurfsvarianten im Maßstab zeichnen
  3. Querschnitte, Biegeradien und Verbindungspunkte festlegen
  4. Materialliste und Arbeitsfolge erstellen
  5. ein Probestück für Oberfläche und Patina schmieden
  6. Rahmen ablängen, erwärmen, biegen und richten
  7. Innenformen strecken, stauchen, tordieren und anpassen
  8. Verbindungen durch Nieten, Bünde oder Schweißen herstellen
  9. Maße, Ebenheit, sichere Kanten und Befestigung prüfen
  10. Oberfläche reinigen, behandeln und dokumentieren
  11. Objekt fachgerecht montieren und gestalterisch begründen

Die Bewertung berücksichtigt nicht nur das fertige Aussehen. Ebenso wichtig sind Planung, Arbeitssicherheit, Materialökonomie, fachgerechte Ausführung, Dokumentation und die Fähigkeit, Entscheidungen zu erklären.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Wie heißt der einschlägige anerkannte Ausbildungsberuf in Deutschland? (Metallbauer Fachrichtung Metallgestaltung) (!Kunstmaler Fachrichtung Metall) (!Werkzeugmechaniker Fachrichtung Guss) (!Tischler Fachrichtung Gestaltung)




Welches Schmiedeverfahren verlängert ein Werkstück und verkleinert dabei seinen Querschnitt? (Strecken) (!Stauchen) (!Nieten) (!Schlichten)




Welches Schmiedeverfahren verkürzt ein Werkstück und vergrößert dabei seinen Querschnitt? (Stauchen) (!Strecken) (!Tordieren) (!Abschroten)




Was ist Zunder? (Eine Oxidschicht auf erhitztem Stahl) (!Ein flüssiger Schmierstoff) (!Eine Form des Nietkopfs) (!Ein Messwerkzeug)




Wozu dient ein Lochdorn beim Schmieden? (Zum Herstellen oder Formen einer Öffnung) (!Zum Messen der Glühfarbe) (!Zum Auftragen einer Beschichtung) (!Zum Spannen eines Bohrers)




Was wird beim Tordieren verändert? (Das Werkstück wird um seine Längsachse verdreht) (!Das Werkstück wird vollständig abgeschmolzen) (!Das Werkstück wird nur poliert) (!Das Werkstück wird galvanisch verzinkt)




Warum wird vor einer Einzelanfertigung häufig ein Musterstück hergestellt? (Um Form Oberfläche und Herstellbarkeit zu prüfen) (!Um die Gefährdungsbeurteilung zu ersetzen) (!Um jeden Entwurf überflüssig zu machen) (!Um die Werkstoffangabe zu vermeiden)




Welche Aussage zur Patina ist fachlich richtig? (Sie ist nicht automatisch ein dauerhafter Korrosionsschutz) (!Sie verhindert jede Form von Rost) (!Sie ersetzt grundsätzlich jede Vorbehandlung) (!Sie darf nur auf Aluminium eingesetzt werden)




Welche Maßnahme ist beim Maschinenhammer besonders wichtig? (Klare Kommandos und sichere Zangenführung) (!Lose Kleidung für mehr Beweglichkeit) (!Arbeiten ohne Not Aus Einrichtung) (!Halten des Werkstücks mit bloßen Händen)




Wovon hängt die Wahl eines Oberflächensystems besonders ab? (Von Standort Nutzung und Korrosionsbeanspruchung) (!Nur vom Gewicht des Hammers) (!Nur von der Farbe der Glut) (!Nur von der Länge des Werkstücks)





Memory

Strecken Länge vergrößern und Querschnitt verkleinern
Stauchen Länge verkürzen und Querschnitt vergrößern
Tordieren Werkstück um die Längsachse verdrehen
Durchtreiben Öffnung erweitern und kalibrieren
Feuerschweißen Erhitzte Fügeflächen durch Druck verbinden
Zunder Oxidschicht auf heißem Stahl
Gesenk Formgebendes Werkzeug für Konturen
Patinieren Oberfläche gezielt färben





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Werkzeug oder Funktion
Schrotmeißel Warmes Material trennen
Lochdorn Öffnung herstellen oder formen
Schlichthammer Oberfläche glätten und richten
Schmiedezange Heißes Werkstück sicher halten
Biegevorrichtung Wiederholbare Radien herstellen






Kreuzworträtsel

Strecken Welches Verfahren verlängert das Werkstück bei kleiner werdendem Querschnitt?
Stauchen Welches Verfahren vergrößert den Querschnitt bei kürzer werdendem Werkstück?
Zunder Wie heißt die Oxidschicht auf erhitztem Stahl?
Gesenk Wie heißt ein formgebendes Werkzeug mit festgelegter Kontur?
Amboss Welche Arbeitsunterlage besitzt Bahn und Horn?
Patina Wie heißt eine gezielt erzeugte Oberflächenfärbung?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Der anerkannte Ausbildungsberuf heißt Metallbauer Fachrichtung

.
Beim

wird das Werkstück länger und sein Querschnitt kleiner.
Beim

wird das Werkstück kürzer und sein Querschnitt größer.
Das Verdrehen eines Werkstücks um seine Längsachse heißt

.
Die Oxidschicht auf erhitztem Stahl wird

genannt.
Ein

dient zum Herstellen oder Formen einer Öffnung.
Das stoffschlüssige Verbinden geeigneter heißer Fügeflächen heißt

.
Ein formgebendes Werkzeug für eine festgelegte Kontur wird

genannt.
Die Wahl des Korrosionsschutzes richtet sich nach der

.
Vor der Fertigung hilft ein

bei der Beurteilung von Form und Oberfläche.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Werkzeugporträt: Fotografiere oder zeichne fünf Werkzeuge der Schmiede und beschrifte ihre Funktionen mit Fachbegriffen.
  2. Glühfarben beobachten: Dokumentiere unter Aufsicht verschiedene Glühzustände eines Probestücks und notiere, wie sich das Material beim Umformen verhält.
  3. Formensammlung: Suche in Deiner Umgebung geschmiedete Bauteile und ordne sie nach Funktion, Formensprache und Oberfläche.
  4. Schmiedeverfahren erklären: Erstelle eine Bildfolge, in der Du Strecken, Stauchen, Biegen und Tordieren verständlich darstellst.


Standard

  1. Entwurfsvarianten: Entwickle drei unterschiedliche Entwürfe für einen geschmiedeten Wandhaken und begründe Deine bevorzugte Lösung.
  2. Musterstück: Schmiede ein Probestück mit mindestens drei Umformverfahren und dokumentiere jede Hitze mit Skizze und Fachbegriff.
  3. Oberflächenvergleich: Stelle mehrere Oberflächenproben her und vergleiche Wirkung, Aufwand, Pflege und Korrosionsschutz.
  4. Betriebsinterview: Befrage eine Metallgestalterin oder einen Metallgestalter zu Ausbildung, Arbeitsablauf, Kundenkommunikation und aktuellen Gestaltungstrends.


Schwer

  1. Kunstobjekt planen: Entwickle ein zeitgenössisches Objekt für einen konkreten Ort mit Modell, Materialliste, Fertigungsfolge und Montagekonzept.
  2. Restaurierungskonzept: Untersuche eine historische Schmiedearbeit und entwirf ein Konzept, das Originalsubstanz, Ergänzung und Dokumentation unterscheidet.
  3. Nachhaltigkeitsanalyse: Vergleiche zwei Fertigungsvarianten hinsichtlich Materialeinsatz, Energiebedarf, Reparierbarkeit und Lebensdauer.
  4. Ausstellung gestalten: Plane eine kleine Ausstellung mit Schmiedeobjekten, Prozessfotos, Werkzeugen und einem selbst produzierten Erklärvideo.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Entwurfsbegründung: Erkläre an einem eigenen Objekt, wie Funktion, Proportion, Materialfluss und Oberfläche zusammenwirken.
  2. Fehleranalyse: Untersuche ein Werkstück mit Riss, Falte oder starkem Zunder und leite mögliche Ursachen sowie geeignete Gegenmaßnahmen ab.
  3. Verfahrenswahl: Entscheide für ein Bauteil zwischen Nieten, Feuerschweißen, Lichtbogenschweißen und Schrauben und begründe Deine Wahl technisch und gestalterisch.
  4. Arbeitsplanung: Erstelle eine vollständige Fertigungsfolge für ein kleines Schmiedeobjekt und kennzeichne kritische Temperaturen, Prüfungen und Schutzmaßnahmen.
  5. Korrosionsschutzkonzept: Entwickle für dasselbe Objekt je eine Oberflächenlösung für Innenraum und ungeschützten Außenraum.
  6. Transferaufgabe: Zeige, wie digitale Planung oder maschinelle Vorfertigung mit sichtbarer handwerklicher Schmiedearbeit verbunden werden kann.
  7. Nachhaltigkeitsentscheidung: Bewerte, ob ein unbekanntes Altmaterial für ein sicherheitsrelevantes Bauteil geeignet ist, und begründe die erforderlichen Prüfungen.
  8. Kundenberatung: Formuliere ein Beratungsgespräch, in dem Du Gestaltungswunsch, Kosten, Pflege, Montage und technische Grenzen verständlich erläuterst.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema sind besonders wichtig:

  1. ein nachvollziehbarer Entwurf mit Varianten und begründeter Auswahl
  2. eine technische Zeichnung oder bemaßte Fertigungsskizze
  3. eine fachgerechte Material- und Werkzeugauswahl
  4. die sichere Anwendung mehrerer Schmiedeverfahren
  5. eine dokumentierte Arbeitsfolge mit Zeit- und Materialplanung
  6. die Beachtung von Arbeits-, Brand- und Gesundheitsschutz
  7. eine Qualitätskontrolle mit Mess- und Prüfergebnissen
  8. ein geeignetes Oberflächen- und Korrosionsschutzkonzept
  9. eine Reflexion über Gestaltung, Nachhaltigkeit und Verbesserungsmöglichkeiten
  10. eine verständliche Präsentation des fertigen Werkstücks




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