Wirtschaft Sozialkunde und berufliche Verantwortung – Technische Entscheidungen ethisch beurteilen
Wirtschaft Sozialkunde und berufliche Verantwortung – Technische Entscheidungen ethisch beurteilen
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Einleitung
Wirtschaft Sozialkunde und berufliche Verantwortung – Technische Entscheidungen ethisch beurteilen
Technische Entscheidungen sind nie nur technisch. In diesem Lernkurs prüfst Du vier Perspektiven: Sicherheit, Umwelt, Fairness und Verantwortlichkeit. Du arbeitest mit kurzen Lerneinheiten, einem durchgängigen Ausbildungsfall und ausschließlich fiktiven Personen-, Produkt- und Geschäftsdaten.

Leitfrage: Welche technische Lösung ist verantwortbar, wenn die billigste Lösung nicht automatisch die sicherste, umweltfreundlichste oder fairste ist?
Der Kurs richtet sich an Lernende in der Ausbildung und verbindet Wirtschaft, Sozialkunde, Arbeitsschutz, Nachhaltigkeit, Technikethik und kaufmännisches Denken.
Modellhinweis: Alle Fall-, Preis-, Verbrauchs-, Personen-, Produkt- und Unternehmensdaten sind fiktiv. Rechts- und Steuerinformationen wurden für die Kurserstellung mit amtlichen Quellen geprüft, Stand 09.10.2026. Der Kurs ersetzt keine Rechts-, Steuer- oder Sicherheitsberatung für einen konkreten Betrieb.
Lernziele
Nach dem Kurs kannst Du:
- Sicherheit: technische Beschaffungen aus Sicht des Arbeitsschutzes prüfen.
- Umwelt und Wirtschaftlichkeit: Anschaffung und Folgekosten gemeinsam beurteilen.
- Fairness: unterschiedliche Betroffene und Barrieren in technische Entscheidungen einbeziehen.
- Verantwortung: Entscheidungen nachvollziehbar begründen, dokumentieren und kontrollieren.
- Kaufmännische Prüfung: Umsatzsteuer, Rechnungsangaben und den Stand der E-Rechnung im Lernfall einordnen.
Ausbildungsfall: Eine neue Montage- und Absaugstation
Die fiktive Musterwerk Technik GmbH bildet in einem technischen Beruf aus. Eine ältere Montage- und Absaugstation soll ersetzt werden. Die fiktive Auszubildende Mara Feld bekommt den Auftrag, drei Angebote vorzubereiten. Die Entscheidung trifft später die dafür verantwortliche betriebliche Stelle.
Die neue Station soll:
- Beschäftigte und Auszubildende wirksam schützen.
- möglichst wenig Energie und Material verbrauchen.
- für unterschiedliche Körpergrößen und Bedürfnisse gut bedienbar sein.
- über mehrere Jahre wirtschaftlich sein.
- eine nachvollziehbare Entscheidung ermöglichen.
Gesprächsimpuls
| Person | Aussage |
|---|---|
| Mara Feld, Auszubildende | „Variante B ist am billigsten. Dann ist die Entscheidung doch klar.“ |
| Niko Stern, fiktiver Ausbilder | „Nur wenn Preis das einzige Kriterium wäre. Welche Folgen tragen andere Menschen und die Umwelt?“ |
| Mara Feld | „Dann muss ich zuerst prüfen, was zwingend sicher sein muss und was wir zusätzlich verantworten wollen.“ |
Gesprächsfrage: Welche Kriterien dürfen aus Deiner Sicht niemals gegen einen niedrigen Preis „weggewogen“ werden?
Lerneinheit 1: Sicherheit ist kein Bonus

Bei Arbeitsschutzmaßnahmen gilt: Gefährdungen sollen möglichst vermieden oder klein gehalten werden. Gefahren sind möglichst an ihrer Quelle zu bekämpfen. Individuelle Schutzmaßnahmen sind gegenüber anderen Maßnahmen nachrangig.
Für Arbeitsmittel ist besonders wichtig: Eine Gefährdungsbeurteilung soll bereits vor Auswahl und Beschaffung beginnen. Eine vorhandene CE-Kennzeichnung ersetzt diese betriebliche Prüfung nicht.
Bei Schutzmaßnahmen haben nach der Betriebssicherheitsverordnung technische Maßnahmen Vorrang vor organisatorischen und diese wiederum vor personenbezogenen Maßnahmen.

Merksatz: Erst prüfen, ob eine Lösung sicher eingesetzt werden kann. Danach Preise und Zusatznutzen vergleichen.
Gesprächsmedium: Psychische Belastung gehört ebenfalls zur Gefährdungsbeurteilung.
Pausenfrage: Warum wäre es zu kurz gedacht, bei einer technischen Entscheidung nur Unfallgefahren und nicht auch Bedienbarkeit, Arbeitsorganisation oder Belastungen zu betrachten?
Basisaufgabe: Sicherheitsfilter
Ordne die Aussagen in Muss vor der Auswahl geprüft werden oder kann erst später betrachtet werden ein:
- Eignung für die geplante Verwendung.
- vorhersehbare Gefährdungen.
- erforderliche Schutzmaßnahmen.
- Farbe des Gehäuses.
Begründetes Feedback
Eignung, Gefährdungen und Schutzmaßnahmen gehören in die frühe Beschaffungsentscheidung. Die Gehäusefarbe kann relevant werden, wenn sie etwa Kennzeichnung oder Erkennbarkeit beeinflusst, ist im normalen Lernfall aber kein vorrangiges Sicherheitskriterium.
Lerneinheit 2: Umwelt und Lebenszykluskosten

Eine verantwortliche Beschaffung betrachtet nicht nur den Kaufpreis. Lebenszykluskosten können Anschaffung, Energie, Wartung und Entsorgung einbeziehen. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass ein zunächst günstiges Produkt wegen höherer Folgekosten über den Lebenszyklus teurer sein kann.

Das Kreislaufwirtschaftsgesetz verbindet Produktverantwortung unter anderem mit Ressourceneffizienz, Langlebigkeit, Reparierbarkeit sowie einer geeigneten Verwertung nach der Nutzung.
Gesprächsmedium: Umweltfreundliche Beschaffung
Auftrag zum Video: Notiere einen Satz dazu, warum „billig einkaufen“ und „wirtschaftlich einkaufen“ nicht dasselbe sein müssen.
Kaufmännischer Fall 1: Drei fiktive Produktvarianten
Modellannahmen: 5 Jahre Nutzung, 1.000 Betriebsstunden pro Jahr, modellierter Strompreis 0,30 € je kWh, keine Finanzierungskosten, keine Preissteigerungen, alle Beträge netto. Die technischen Werte sind reine Lerndaten und keine Herstellerangaben.
| Kriterium | Variante A „WerkFit“ | Variante B „PreisPlus“ | Variante C „VerantPro“ |
|---|---|---|---|
| Anschaffung netto | 7.400 € | 6.400 € | 8.000 € |
| Leistungsaufnahme im Lernmodell | 1,8 kW | 2,4 kW | 1,5 kW |
| Wartung pro Jahr | 300 € | 220 € | 250 € |
| Entsorgung am Nutzungsende | 250 € | 300 € | 150 € |
| Technische Schutzüberwachung | erweitert | Basis | erweitert |
| Höhenanpassung | teilweise | gering | weitreichend |
| Ersatzteilzusage im Lernmodell | 5 Jahre | 3 Jahre | 10 Jahre |
Rechenweg:
Lebenszykluskosten = Anschaffung + Energie + Wartung + Entsorgung
Energie = Leistung × Betriebsstunden × Strompreis × Jahre
| Variante | Energiekosten 5 Jahre | Wartung 5 Jahre | Lebenszykluskosten |
|---|---|---|---|
| A | 2.700 € | 1.500 € | 11.850 € |
| B | 3.600 € | 1.100 € | 11.400 € |
| C | 2.250 € | 1.250 € | 11.650 € |
Beobachtung: Variante B ist im Modell bei den monetären Lebenszykluskosten am günstigsten. Variante C kostet über fünf Jahre 250 € mehr, benötigt im Modell aber 4.500 kWh weniger Strom als B und bietet stärkere Sicherheits- und Anpassungsmerkmale.
Gestufte Hilfen zum Produktvergleich
Hilfe 1 – Sicherheitsgrenze
Prüfe zuerst, ob eine Variante für den geplanten Einsatz überhaupt sicher geeignet ist. Ein nicht erfülltes zwingendes Sicherheitskriterium darf nicht durch einen guten Preis ausgeglichen werden.
Hilfe 2 – Wirtschaftlichkeit
Vergleiche nicht nur den Anschaffungspreis. Nutze im Lernmodell Anschaffung + Energie + Wartung + Entsorgung.
Hilfe 3 – Verantwortung
Frage zusätzlich: Wer trägt Risiken? Wer profitiert? Welche Umweltwirkungen entstehen? Ist die Lösung für unterschiedliche Beschäftigte gut nutzbar? Wie gut lässt sich die Entscheidung später erklären?
Begründetes Feedback
Eine gut begründete Entscheidung kann im Lernfall Variante C bevorzugen: Sie ist nicht die billigste Lösung, liegt aber nur geringfügig über den Lebenszykluskosten von B und schneidet bei Energie, Anpassbarkeit, Ersatzteilperspektive und technischen Schutzmerkmalen besser ab. Eine reale Beschaffung müsste die tatsächliche Gefährdungsbeurteilung, Herstellerunterlagen, Betriebsbedingungen und verbindlichen Anforderungen prüfen.
Lerneinheit 3: Fairness in technischen Entscheidungen

Fairness bedeutet mehr als „alle bekommen dasselbe“. Technische Systeme können Menschen unterschiedlich gut unterstützen oder benachteiligen.
Fragen für die Praxis:
- Können Menschen mit unterschiedlichen Körpergrößen die Bedienelemente erreichen?
- Sind Anzeigen verständlich und eindeutig?
- Entstehen vermeidbare Barrieren?
- Werden Vorteile, Belastungen und Risiken einseitig verteilt?
- Wurden Betroffene vor der Entscheidung gehört?
Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz schützt Beschäftigte vor Benachteiligungen aus bestimmten Gründen. Arbeitgeber müssen erforderliche Schutzmaßnahmen treffen. Eine ethische Fairnessprüfung geht darüber hinaus: Sie fragt auch nach Zugänglichkeit, Beteiligung und gerechter Verteilung von Folgen.
Wichtig: Nicht jede unpraktische technische Lösung ist automatisch ein Verstoß gegen das AGG. Rechtliche Mindestanforderungen und eine weitergehende ethische Bewertung müssen getrennt geprüft werden.
Anwendungsaufgabe: Wer wird übersehen?
Im fiktiven Lernbetrieb wird eine Bedienhöhe fest eingestellt, weil sie für die Mehrheit „gut passt“.
- Nenne zwei Personengruppen, für die daraus Barrieren entstehen könnten.
- Entwickle eine technische oder organisatorische Verbesserung.
- Begründe, warum die Verbesserung fairer ist.
Begründetes Feedback
Gute Antworten benennen konkrete Nutzungssituationen statt Menschen pauschal zu bewerten. Eine höhenverstellbare oder anders flexibel bedienbare Lösung kann mehr Personen eine sichere selbstständige Nutzung ermöglichen. Fairness wird stärker, wenn Betroffene früh beteiligt werden.
Lerneinheit 4: Verantwortung braucht eine nachvollziehbare Entscheidung
Verantwortlich entscheiden heißt nicht, jedes Risiko auf null zu bringen. Es heißt, Risiken, Nutzen, Kosten und Betroffene systematisch zu prüfen, Zuständigkeiten zu klären und die Entscheidung überprüfbar zu dokumentieren.
Eine Bewertungsmatrix ist nur ein Hilfsmittel. Sie darf zwingende rechtliche oder sicherheitstechnische Anforderungen nicht „wegpunkten“.
| Kriterium | Gewicht | A: Punkte | B: Punkte | C: Punkte |
|---|---|---|---|---|
| Sicherheit | 40 % | 4 | 3 | 5 |
| Umwelt | 20 % | 3 | 2 | 5 |
| Fairness und Bedienbarkeit | 20 % | 3 | 2 | 5 |
| Wirtschaftlichkeit | 15 % | 3 | 5 | 4 |
| Nachvollziehbarkeit und Service | 5 % | 4 | 3 | 5 |
| Gewichteter Lernwert | 100 % | 3,45 | 2,90 | 4,85 |
Modellurteil: Variante C erreicht im fiktiven Bewertungsmodell den höchsten Gesamtwert. Die Entscheidung ist aber nur tragfähig, wenn die Eingangsdaten stimmen und alle zwingenden Sicherheitsanforderungen erfüllt sind.
Transferaufgabe: Entscheidung unter Zeitdruck
Die alte Station fällt unerwartet aus. Produktion und Ausbildung stehen unter Zeitdruck.
Entscheide, welche Aussage Du vertreten würdest:
- „Wir kaufen sofort die billigste Variante.“
- „Wir stoppen die Entscheidung, bis die zwingenden Sicherheitsinformationen vorliegen, und bewerten dann Kosten und weitere Kriterien.“
- „Wir kaufen die Variante mit dem höchsten Umweltwert, egal ob sie geeignet ist.“
Begründetes Feedback
Die zweite Aussage ist am stärksten begründet. Zeitdruck verändert nicht die Pflicht, eine sichere und geeignete Verwendung zu beurteilen. Erst danach werden Wirtschaftlichkeit, Umwelt, Fairness und weitere Ziele gegeneinander abgewogen.
Lerneinheit 5: Kaufmännische Prüfung – Umsatzsteuer, Rechnung und E-Rechnung
Für den fiktiven Kauf einer technischen Station wird im Lernfall der reguläre Umsatzsteuersatz von 19 % verwendet. Nach § 12 UStG beträgt der allgemeine Steuersatz 19 %. Für bestimmte gesetzlich festgelegte Umsätze gilt ein ermäßigter Satz von 7 %.
Modellannahme: Die technische Station fällt im Lernfall unter den allgemeinen Satz von 19 %. Ein realer Umsatz muss immer anhand der tatsächlichen gesetzlichen Einordnung geprüft werden.
Bei Variante C:
- Netto: 8.000 €
- 19 % Umsatzsteuer: 1.520 €
- Brutto: 9.520 €
Pflichtangaben einer Rechnung im Überblick
Für eine normale Rechnung nennt § 14 Abs. 4 UStG insbesondere:
| Bereich | Erforderliche Angabe |
|---|---|
| Beteiligte | vollständiger Name und vollständige Anschrift von leistendem Unternehmen und Leistungsempfänger |
| Steuerliche Kennung | Steuernummer oder Umsatzsteuer-Identifikationsnummer des leistenden Unternehmens |
| Datum | Ausstellungsdatum |
| Identifikation | fortlaufende, einmalige Rechnungsnummer |
| Leistung | Menge und Art der Gegenstände oder Umfang und Art der sonstigen Leistung |
| Leistungszeitpunkt | Zeitpunkt der Lieferung oder sonstigen Leistung |
| Entgelt | nach Steuersätzen beziehungsweise Steuerbefreiungen aufgeschlüsseltes Entgelt und bestimmte vereinbarte Minderungen |
| Steuer | Steuersatz und Steuerbetrag oder Hinweis auf eine Steuerbefreiung |
| Sonderfälle | gegebenenfalls weitere gesetzlich verlangte Hinweise, zum Beispiel „Gutschrift“ |
Kaufmännischer Fall 2: Fiktive Eingangsrechnung prüfen
Alle Daten sind fiktive Lernangaben.
| Feld | Angabe |
|---|---|
| Lieferant | Lernhandel Nord GmbH, Lernstraße 8, 12345 Musterstadt |
| Empfänger | Musterwerk Technik GmbH, Werkweg 17, 54321 Beispielstadt |
| Steuerliche Kennung | 00/000/00000 – fiktive Lernangabe |
| Rechnungsdatum | 09.10.2026 |
| Rechnungsnummer | — |
| Lieferung | 1 Montage- und Absaugstation „VerantPro“ |
| Lieferdatum | — |
| Netto | 8.000 € |
| Umsatzsteuer 19 % | 1.520 € |
| Brutto | 9.520 € |
Aufgabe: Welche zwei offensichtlich fehlenden Pflichtangaben musst Du im Lernfall beanstanden?
Hilfe 1
Suche in der Tabelle nach leeren Feldern.
Hilfe 2
Vergleiche die Tabelle mit den Punkten „Identifikation“ und „Leistungszeitpunkt“.
Begründetes Feedback
Im Lernfall fehlen Rechnungsnummer und Lieferzeitpunkt. In einem realen Beleg müssen zusätzlich alle übrigen gesetzlichen Angaben tatsächlich korrekt und gültig sein. Die fiktive Steuerkennung dieses Kurses ist ausdrücklich keine echte Steuerangabe.
E-Rechnung: Stand im Lernkurs am 09.10.2026
Seit 1. Januar 2025 ist eine E-Rechnung im umsatzsteuerlichen Sinn grundsätzlich eine Rechnung in einem strukturierten elektronischen Format, das elektronische Verarbeitung ermöglicht. Ein einfaches PDF allein ist danach keine E-Rechnung in diesem Sinn.
Für inländische B2B-Umsätze gelten Übergangsregeln. Nach den BMF-Informationen mit Stand März 2026 können Rechnungsaussteller bis einschließlich 31.12.2026 grundsätzlich noch eine sonstige Rechnung verwenden. Für bestimmte Aussteller mit einem Vorjahresumsatz bis 800.000 € reicht die Übergangsfrist bis Ende 2027. Inländische Unternehmen müssen bereits seit 2025 E-Rechnungen empfangen können.
Lernhinweis: Diese Übergangsregeln sind zeitabhängig. Prüfe sie vor einer realen betrieblichen Entscheidung erneut.
Lerneinheit 6: Der Vier-Perspektiven-Check

Vor einer technischen Entscheidung kannst Du vier Fragen stellen:
- Sicherheit: Welche Gefährdungen bestehen, und welche Schutzmaßnahmen sind zwingend?
- Umwelt: Welche Energie-, Material-, Reparatur- und Entsorgungsfolgen entstehen über den Lebenszyklus?
- Fairness: Wer profitiert, wer trägt Belastungen, und wer könnte ausgeschlossen werden?
- Verantwortlichkeit: Wer entscheidet, dokumentiert, prüft die Wirkung und korrigiert bei neuen Erkenntnissen?
Kurzformel: Erst Mindestanforderungen sichern – dann Folgen vergleichen – Betroffene einbeziehen – Entscheidung begründen – Wirkung prüfen.
Aufgabenleiter mit begründetem Feedback
Basis
- Arbeitsschutz: Erkläre in zwei Sätzen, warum eine CE-Kennzeichnung die betriebliche Gefährdungsbeurteilung nicht ersetzt.
- Lebenszykluskosten: Nenne vier Kostenarten, die im Produktvergleich des Lernfalls berücksichtigt wurden.
- Fairness: Formuliere eine Frage, mit der Du prüfst, ob eine technische Lösung Menschen unbeabsichtigt benachteiligt.
Feedback Basis
Eine gute Basisantwort trennt formale Produkteigenschaften von der konkreten Verwendung im Betrieb, nennt Anschaffung, Energie, Wartung und Entsorgung und formuliert Fairness als überprüfbare Frage zu Zugang, Belastung oder Beteiligung.
Anwendung
- Wirtschaftlichkeit: Berechne für Variante C die Energiekosten bei 1.200 statt 1.000 Betriebsstunden pro Jahr. Nutze weiterhin 0,30 € je kWh und fünf Jahre.
- Beschaffung: Entwickle zwei Ausschlusskriterien und drei Bewertungskriterien für den fiktiven Kauf.
- Rechnung: Prüfe, wie sich der Bruttobetrag von Variante A bei 19 % Umsatzsteuer ergibt.
Feedback Anwendung
Für Variante C ergeben sich 1,5 kW × 1.200 h × 0,30 € × 5 = 2.700 € Energiekosten. Ausschlusskriterien sollten zwingende Anforderungen abbilden, Bewertungskriterien zusätzliche Vorteile. Variante A kostet 7.400 € netto; 19 % davon sind 1.406 €, der Bruttobetrag beträgt 8.806 €.
Transfer
- Technikethik: Entwickle ein Beispiel, in dem die wirtschaftlich günstigste Lösung nicht die verantwortungsvollste ist.
- Stakeholder: Zeige, wie sich dieselbe technische Entscheidung auf Auszubildende, Beschäftigte, Betrieb und Umwelt unterschiedlich auswirken kann.
- Verantwortung: Formuliere eine kurze Entscheidungsvorlage für die Betriebsleitung, die mindestens Sicherheit, Umwelt, Fairness, Kosten und offene Unsicherheiten enthält.
Feedback Transfer
Starke Transferlösungen machen Zielkonflikte sichtbar, begründen Prioritäten und kennzeichnen Unsicherheiten. Sie behaupten nicht, dass ein Punktwert allein eine verantwortliche Entscheidung erzeugt.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was muss bei der Auswahl eines Arbeitsmittels frühzeitig berücksichtigt werden? (Die Gefährdungsbeurteilung) (!Nur der Kaufpreis) (!Nur die Farbe) (!Nur die Lieferzeit)
Welche Aussage zur CE-Kennzeichnung ist im Lernkurs richtig? (Sie ersetzt die betriebliche Gefährdungsbeurteilung nicht) (!Sie garantiert automatisch jede sichere Verwendung) (!Sie macht Schutzmaßnahmen überflüssig) (!Sie ersetzt die Unterweisung)
Welche Schutzmaßnahme hat grundsätzlich Vorrang? (Technische Schutzmaßnahme) (!Personenbezogene Schutzmaßnahme) (!Private Versicherung) (!Werbemaßnahme)
Was gehört im Lernfall zu den Lebenszykluskosten? (Energie während der Nutzung) (!Nur der Listenpreis) (!Nur die Umsatzsteuer) (!Nur der Rabatt)
Warum kann ein teureres Produkt wirtschaftlich sinnvoll sein? (Weil geringere Folgekosten den höheren Kaufpreis ausgleichen können) (!Weil hohe Preise immer bessere Qualität beweisen) (!Weil Wartung dann nie nötig ist) (!Weil Umsatzsteuer entfällt)
Welche Frage gehört zu einer Fairnessprüfung? (Wer trägt Belastungen und wer profitiert) (!Welche Verpackung sieht am besten aus) (!Welche Werbung ist am längsten) (!Welche Variante hat den kürzesten Namen)
Welcher allgemeine Umsatzsteuersatz wird im fiktiven Technikfall verwendet? (19 Prozent) (!7 Prozent) (!12 Prozent) (!25 Prozent)
Welche Angabe ist eine typische Pflichtangabe einer Rechnung? (Eine eindeutige Rechnungsnummer) (!Die Lieblingsfarbe des Käufers) (!Die private Telefonnummer aller Beschäftigten) (!Der Werbeslogan des Lieferanten)
Was kennzeichnet eine E-Rechnung im umsatzsteuerlichen Sinn seit 2025 grundsätzlich? (Ein strukturiertes elektronisches Format zur elektronischen Verarbeitung) (!Jede beliebige Bilddatei) (!Jedes einfache PDF automatisch) (!Nur eine Papierrechnung mit QR-Code)
Was macht eine technische Entscheidung besonders verantwortbar? (Sie begründet Kriterien, Folgen und Zuständigkeiten nachvollziehbar) (!Sie orientiert sich ausschließlich am niedrigsten Kaufpreis) (!Sie vermeidet jede Dokumentation) (!Sie ignoriert Betroffene)
Memory
| Gefährdungsbeurteilung | Gefahren erkennen und Schutzmaßnahmen ableiten |
| Lebenszykluskosten | Anschaffung und Folgekosten gemeinsam betrachten |
| Fairness | Belastungen und Chancen angemessen berücksichtigen |
| Reparierbarkeit | Nutzungsdauer durch Instandsetzung unterstützen |
| Rechnungsnummer | Geschäftsvorfall eindeutig identifizieren |
| E-Rechnung | Strukturierte elektronische Verarbeitung ermöglichen |
| Verantwortlichkeit | Zuständigkeit und Begründung nachvollziehbar machen |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Gefährdungsbeurteilung | Sicherheit vor Beschaffung mitdenken |
| Lebenszykluskosten | Kaufpreis und Folgekosten vergleichen |
| Barrierearmut | Fairen Zugang zur Technik verbessern |
| Dokumentation | Entscheidung später nachvollziehen |
| Rechnungsprüfung | Kaufmännische Pflichtangaben kontrollieren |
...
Kreuzworträtsel
| Sicherheit | Welches Ziel steht vor Preisvorteilen, wenn Menschen gefährdet wären? |
| Fairness | Welcher Begriff fragt nach gerechter Verteilung von Chancen und Belastungen? |
| Reparierbarkeit | Welche Eigenschaft kann eine längere Produktnutzung unterstützen? |
| Verantwortung | Welcher Begriff verbindet Entscheidung, Folgen und Zuständigkeit? |
| Beschaffung | Wie heißt der betriebliche Prozess der Auswahl und des Einkaufs? |
| Rechnung | Welcher Beleg enthält Entgelt, Steuerangaben und Leistungsinformationen? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Sicherheitscheck: Fotografiere oder skizziere einen technischen Arbeitsplatz ohne Personenbezug und markiere drei Punkte, die Du vor einer Beschaffung prüfen würdest.
- Kriterienkarte: Erstelle vier Karten mit den Überschriften Sicherheit, Umwelt, Fairness und Verantwortlichkeit und ergänze je zwei Prüffragen.
- Produktvergleich: Erfinde zwei technische Produkte mit vollständig fiktiven Daten und vergleiche Anschaffung, Energie und Wartung.
- Gespräch: Führe mit einer Mitschülerin oder einem Mitschüler ein zweiminütiges Rollenspiel „billig kaufen oder verantwortlich entscheiden?“ durch.
Standard
- Lebenszykluskosten: Entwickle für drei fiktive Produkte eine Fünfjahresrechnung und begründe, welche Annahmen das Ergebnis am stärksten beeinflussen.
- Stakeholderanalyse: Zeichne eine Karte mit mindestens vier Gruppen, die von einer technischen Entscheidung betroffen sein können.
- Barrierefreiheit: Untersuche einen ungefährlichen Alltagsgegenstand auf Bedienbarkeit für unterschiedliche Nutzergruppen und schlage Verbesserungen vor.
- Rechnungsprüfung: Erstelle eine vollständig fiktive Musterrechnung und markiere die Pflichtangaben farblich.
Schwer
- Entscheidungsmatrix: Entwickle eine eigene Gewichtung für Sicherheit, Umwelt, Fairness, Wirtschaftlichkeit und Verantwortlichkeit und verteidige sie in einer kurzen Präsentation.
- Zielkonflikt: Gestalte ein Video oder Poster zu einem Fall, in dem Sicherheit, Umwelt und Kosten nicht gleichzeitig maximiert werden können.
- Betriebliche Verantwortung: Führe ein Interview mit einer zuständigen Person im Ausbildungsbetrieb über den allgemeinen Beschaffungsprozess. Verwende keine vertraulichen Daten und anonymisiere betriebliche Einzelheiten.
- Ethikrat im Klassenzimmer: Organisiert eine simulierte Beschaffungskommission. Alle Geschäfts- und Personendaten bleiben fiktiv. Dokumentiert Entscheidung, Gegenargumente und offene Risiken.


Lernkontrolle
- Sicherheitsvorrang: Eine preiswerte Maschine erfüllt ein zwingendes Schutzkriterium nicht. Begründe, warum eine hohe Punktzahl bei Kosten und Umwelt diesen Mangel nicht ausgleichen darf.
- Szenarioanalyse: Der Strompreis im Lernfall verdoppelt sich. Erkläre, wie sich dadurch die Rangfolge der Produkte verändern könnte, ohne sofort neu zu rechnen.
- Fairness und Effizienz: Ein System beschleunigt die Produktion, kann aber von einem Teil der Beschäftigten nur mit Hilfe bedient werden. Entwickle zwei Verbesserungsoptionen und bewerte ihre Folgen.
- Unsicherheit: Für ein Produkt fehlen belastbare Angaben zu Ersatzteilen. Zeige, wie Du diese Unsicherheit in einer Entscheidungsvorlage sichtbar machen würdest.
- Verantwortungskette: Ordne Beschaffung, Gefährdungsbeurteilung, Entscheidung, Unterweisung und Wirksamkeitskontrolle zu einem sinnvollen betrieblichen Ablauf und begründe Deine Reihenfolge.
- Transfer: Übertrage den Vier-Perspektiven-Check auf die Anschaffung eines anderen technischen Arbeitsmittels und begründe, welche Kriterien dort stärker oder schwächer gewichtet werden müssten.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis solltest Du zeigen können:
- dass Du zwingende Sicherheitsanforderungen von bewertbaren Zusatzkriterien unterscheidest.
- dass Du Kaufpreis und Lebenszykluskosten auseinanderhältst.
- dass Du Umweltfolgen über Nutzung, Reparatur und Entsorgung mitdenkst.
- dass Du Fairness mit Betroffenen, Zugang und Belastungsverteilung verbindest.
- dass Du eine technische Entscheidung nachvollziehbar begründen und Unsicherheiten kennzeichnen kannst.
- dass Du im Lernfall 19 % Umsatzsteuer korrekt berechnest.
- dass Du zentrale Rechnungsangaben prüfen kannst.
- dass Du den zeitabhängigen Stand der E-Rechnung nicht als dauerhaft unveränderlich behandelst.
OERs zum Thema
Quellen- und Rechtscheck
Prüfstand: 09.10.2026. Für reale Fälle immer den aktuellen Gesetzesstand und betriebliche Spezialregeln prüfen.
- Arbeitsschutzgesetz § 3: Grundpflichten des Arbeitgebers.
- Arbeitsschutzgesetz § 4: allgemeine Grundsätze, Gefahrenvermeidung und Vorrang übergreifender Schutzmaßnahmen.
- Betriebssicherheitsverordnung § 3: Gefährdungsbeurteilung soll bereits vor Auswahl und Beschaffung beginnen; CE ersetzt sie nicht.
- Betriebssicherheitsverordnung § 4: technische Schutzmaßnahmen vor organisatorischen und personenbezogenen Maßnahmen.
- Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz § 1: geschützte Gründe.
- Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz § 7: Benachteiligungsverbot für Beschäftigte.
- Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz § 12: Schutz- und Präventionspflichten des Arbeitgebers.
- Kreislaufwirtschaftsgesetz § 23: Produktverantwortung, Ressourceneffizienz, Langlebigkeit und Reparierbarkeit.
- Umsatzsteuergesetz § 12: allgemeiner Steuersatz 19 %, ermäßigter Satz 7 % für gesetzlich bestimmte Umsätze.
- Umsatzsteuergesetz § 14: Rechnungsbegriffe und Pflichtangaben.
- Bundesfinanzministerium – FAQ E-Rechnung, Stand März 2026: Definition und Übergangsregelungen.
- Umweltbundesamt – Lebenszykluskosten: Anschaffung und Folgekosten in der Beschaffung.
- Umweltbundesamt – LCC-CO2-Schulungsskript 2026: Lebenszyklus- und CO2-Kosten als Beschaffungshilfe.
- DGUV – Gefährdungsbeurteilung: Prozessschritte und Präventionsgedanke.
Medienrechte
: Wikimedia Commons, CC BY 2.0.
: Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.
: Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.
: Wikimedia Commons, CC BY 4.0.
: Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.
: Wikimedia Commons, gemeinfrei/Public Domain.- UBA-Erklärfilm „Umweltfreundliche Beschaffung“: Das Umweltbundesamt kennzeichnet seine auf der UBA-Videoseite angebotenen Filme als Creative-Commons-lizenziert mit Quellenangabe; hier wird das YouTube-Video eingebettet.
- DGUV-Video „Psyche hat doch jeder“: Einbettung über den YouTube-Player; keine Kopie oder Neuveröffentlichung des Videos im Kurs.
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