Werkstücke anreißen und körnen - Schmied 1


Werkstücke anreißen und körnen - Schmied 1
Werkstücke anreißen und körnen - Schmied
Das fachgerechte Anreißen und Körnen gehört zu den grundlegenden Fertigkeiten in der Metalltechnik und in der Ausbildung zum Schmied. Du überträgst dabei Maße, Bohrungsmittelpunkte, Trennlinien oder Konturen aus einer technischen Zeichnung auf ein Werkstück. Das Anreißen macht die geplante Bearbeitung auf der Werkstückoberfläche sichtbar. Durch das anschließende Körnen entsteht an einer genau festgelegten Stelle eine kleine kegelförmige Vertiefung. Sie kennzeichnet den Punkt dauerhaft und kann einem Bohrer beim Anbohren als Zentrierhilfe dienen.
Bei Schmiedewerkstücken ist besonders wichtig, dass Du eine geeignete Bezugskante oder Bezugsfläche auswählst. Zunder, unregelmäßige Oberflächen, Schmiedeschrägen und Bearbeitungszugaben können sonst zu Maßabweichungen führen. Präzises Anreißen und Körnen verhindert Ausschuss und erleichtert nachfolgende Arbeitsgänge wie Sägen, Bohren, Feilen, Meißeln oder Schmieden nach Maß.

Lernziele
Nach der Bearbeitung dieses Lernkurses kannst Du eine technische Zeichnung auswerten, geeignete Bezugselemente festlegen, Anreißwerkzeuge fachgerecht auswählen und Maße auf ein kaltes Metallwerkstück übertragen. Du kannst einen Körner sicher ansetzen, eine Körnung kontrolliert herstellen und typische Fehler beurteilen. Außerdem berücksichtigst Du Besonderheiten geschmiedeter Werkstücke sowie die Regeln des Arbeits- und Gesundheitsschutzes.
Bedeutung in der Schmiedepraxis
In einer Schmiede entstehen Werkstücke häufig zunächst als Rohlinge. Ihre Oberfläche kann Zunder, Hammerschläge, Rundungen oder leichte Maßabweichungen aufweisen. Sollen anschließend Bohrungen, Aussparungen, Absätze oder Trennschnitte hergestellt werden, müssen deren Lage und Abmessungen eindeutig festgelegt sein. Dazu werden Maße aus der Zeichnung auf das Werkstück übertragen.
Eine Anreißlinie ist keine beliebige Markierung. Sie steht in Beziehung zu einer festgelegten Bezugskante, einer Bezugsfläche oder einer Werkstückachse. Werden mehrere Maße von wechselnden Kanten aus übertragen, addieren sich mögliche Fehler. Deshalb arbeitest Du möglichst von einem gemeinsamen Bezug aus. Vor dem Anreißen prüfst Du außerdem, ob Rohmaß, Bearbeitungszugabe und Werkstücklage zur Zeichnung passen.
Bei heißen Werkstücken sind präzise Mess- und Anreißarbeiten nicht möglich. Hitze, Wärmedehnung und Zunder verfälschen das Ergebnis und können Messwerkzeuge beschädigen. Präzisionsanrisse und Körnungen werden deshalb grundsätzlich am ausreichend abgekühlten, sicher handhabbaren Werkstück ausgeführt. Für grobe Markierungen während des Schmiedens können Kreide, Speckstein oder betriebsübliche Markiermittel verwendet werden.
Zentrale Fachbegriffe
| Fachbegriff | Bedeutung |
|---|---|
| Anreißen | Übertragen von Maßen, Linien, Kreisbögen oder Punkten auf eine Werkstückoberfläche durch Einritzen oder geeignetes Markieren. |
| Anriss | Sichtbare Linie oder Kontur auf der Werkstückoberfläche, die die vorgesehene Lage einer Bearbeitung kennzeichnet. |
| Bezugskante | Festgelegte Kante, von der aus Maße übertragen und kontrolliert werden. |
| Bezugsfläche | Festgelegte Fläche, auf die Maße, Höhen oder die Werkstücklage bezogen werden. |
| Körnen | Eindrücken einer kegelförmigen Werkzeugspitze durch einen Schlag oder Federmechanismus. |
| Körnung | Kleine kegelförmige Vertiefung, die als dauerhafte Punktmarkierung und gegebenenfalls als Zentrierhilfe dient. |
| Ankörnen | Herstellen einer zunächst leichten Körnung, die vor dem Vertiefen kontrolliert werden kann. |
| Nachkörnen | Kontrolliertes Vertiefen einer richtig liegenden Körnung. |
| Zunder | Oxidschicht, die beim Erwärmen und Schmieden auf der Stahloberfläche entsteht. |
| Bearbeitungszugabe | Zusätzliches Material, das für einen späteren Bearbeitungsschritt vorgesehen ist. |
Werkzeuge und Hilfsmittel zum Anreißen
Für eine sichere Auswahl musst Du wissen, welche Form übertragen werden soll und wie genau der Anriss sein muss.
| Werkzeug oder Hilfsmittel | Verwendung | Fachgerechter Hinweis |
|---|---|---|
| Reißnadel | Gerade Linien an einem Maßstab, Lineal oder Winkel anreißen | Spitze sauber führen und nur mit angemessenem Druck arbeiten. |
| Stahlmaßstab | Längen messen und gerade Anrisse führen | Skalenanfang, Ableserichtung und rechtwinklige Blickrichtung beachten. |
| Anschlagwinkel | Linien im rechten Winkel zu einer Bezugskante übertragen | Anschlagfläche vollständig und sauber anlegen. |
| Reißzirkel | Kreise, Radien und Kreisbögen anreißen | Mittelpunkt vorher leicht ankörnen, damit die Zirkelspitze nicht verrutscht. |
| Höhenreißer | Linien in festgelegter Höhe parallel zu einer Bezugsebene anreißen | Nur auf einer sauberen Anreißplatte oder geeigneten ebenen Bezugsebene verwenden. |
| Anreißmessschieber | Parallelmaße von einer Werkstückkante übertragen | Nicht mit einem Messschieber verwechseln, der nur zum Messen vorgesehen ist. |
| Anreißfarbe | Kontrast zwischen Metalloberfläche und Anriss verbessern | Dünn und gleichmäßig auftragen und vor dem Anreißen trocknen lassen. |
| Schablone | Wiederkehrende Konturen oder Lochbilder übertragen | Schablone sicher gegen Verschieben fixieren. |

Die Abbildung zeigt verschiedene Ausführungen von Reißnadeln. Ihre Spitzen bestehen meist aus gehärtetem Werkzeugstahl oder einem besonders verschleißfesten Werkstoff.

Ein Kombinationswinkel kann je nach Ausführung zum Anlegen, Prüfen, Übertragen von Winkeln und zum Ermitteln von Mittellinien verwendet werden. In der Ausbildung ist für einfache rechtwinklige Anrisse häufig ein Anschlagwinkel ausreichend.

Ein Parallel- oder Höhenreißer ermöglicht Linien, die parallel zu einer ebenen Auflagefläche verlaufen. Die Auflagefläche muss sauber sein, damit Schmutz oder Zunder die Höhe nicht verfälschen.
Werkzeuge und Hilfsmittel zum Körnen
Der klassische Körner besteht aus einem Schaft, einem Schlagkopf und einer gehärteten, kegelförmigen Spitze. Je nach Ausführung und Verwendungszweck kommen unterschiedliche Spitzenwinkel vor. Ein feinerer Anreißkörner eignet sich für eine leichte, gut kontrollierbare Punktmarkierung. Für die Vorbereitung einer Bohrung wird häufig ein Körner mit einem größeren Spitzenwinkel verwendet. Maßgeblich sind die betriebliche Arbeitsanweisung, der Werkstoff und der folgende Arbeitsgang.
Zum Schlagen wird ein geeigneter Schlosserhammer verwendet. Hammergröße und Schlagkraft müssen zur Körnergröße und zur erforderlichen Körnung passen. Ein Automatikkörner oder Federkörner erzeugt die Schlagwirkung durch einen inneren Federmechanismus und benötigt keinen separaten Hammer.


Werkstück vorbereiten
Ein genauer Anriss beginnt nicht mit der Reißnadel, sondern mit der Vorbereitung. Das Werkstück muss ausreichend abgekühlt, sicher handhabbar und gegen Verrutschen gesichert sein. Lose Zunderschichten, Grate, Öl und Schmutz werden im Bereich des Anrisses entfernt. Eine unebene Schmiedeoberfläche wird nur so weit vorbereitet, wie es Zeichnung, Fertigungsplan und Bearbeitungszugabe erlauben.
Prüfe zuerst die Rohmaße. Ein Werkstück, das bereits zu klein geschmiedet wurde, wird durch einen genauen Anriss nicht verwendbar. Lege danach Bezugskante, Bezugsfläche und Werkstücklage fest. Sind keine eindeutigen Bezugselemente vorhanden, müssen sie entsprechend dem Arbeitsauftrag vorbereitet oder mit der ausbildenden Fachkraft abgestimmt werden.
Eine dünne Schicht Anreißfarbe kann den Kontrast verbessern. Bei groben Schmiedeteilen kann auch ein geeignetes Markiermittel sinnvoll sein. Auf funktionskritischen, hoch beanspruchten oder bereits fertig bearbeiteten Oberflächen darf nicht ohne Prüfung eingeritzt werden, weil ein Anriss eine Kerbwirkung verursachen kann.
Werkstücke fachgerecht anreißen
- Zeichnung auswerten: Bestimme Form, Maße, Toleranzen, Bohrungsdurchmesser, Bearbeitungszugaben und die vorgesehenen Bezugselemente.
- Rohteil prüfen: Kontrolliere Werkstoff, Rohmaß, Oberflächenzustand und ausreichende Zugaben.
- Bezug festlegen: Markiere oder merke Dir die Bezugskante und die Bezugsfläche.
- Werkstück ausrichten: Lege das Werkstück stabil auf und sichere es gegen Verschieben.
- Maße übertragen: Trage Längen und Abstände mit Stahlmaßstab, Winkel, Höhenreißer oder Anreißmessschieber ab.
- Konturen ergänzen: Reiße Kreise und Radien mit dem Reißzirkel oder wiederkehrende Formen mit einer Schablone an.
- Ergebnis prüfen: Kontrolliere Maße, Rechtwinkligkeit, Symmetrie und Schnittpunkte vor dem Körnen.
Führe die Reißnadel leicht geneigt in Bewegungsrichtung und dicht an der Führungskante. Ein einziger klarer Anriss ist besser als mehrere nebeneinanderliegende Linien. Zu starker Druck kann die Führung verschieben, die Oberfläche unnötig beschädigen und die Genauigkeit verschlechtern.
Bei Maßen mit Toleranzangaben entscheidest Du nicht selbstständig, ob auf Nennmaß, Grenzmaß oder mit Bearbeitungszugabe angerissen wird. Die Fertigungsunterlagen und die betriebliche Arbeitsplanung legen fest, welche Linie die Bearbeitungsgrenze darstellt.
Schnittpunkte und Bohrungsmittelpunkte bestimmen
Ein Bohrungsmittelpunkt entsteht meist am Schnittpunkt zweier rechtwinkliger Anrisslinien. Bei einem kreisförmigen Lochbild können Mittelpunkte auch über Teilkreise, Symmetrieachsen oder Schablonen bestimmt werden. Kontrolliere den Schnittpunkt aus einer möglichst senkrechten Blickrichtung. Ein schräger Blick erzeugt einen Ablese- oder Parallaxenfehler.
Bei runden Werkstücken können Zentrierwinkel, Prismen oder mehrfache parallele Anrisse verwendet werden. Bei unregelmäßigen Schmiederohlingen muss vorab geklärt sein, ob sich die Bohrung auf die Rohkontur, eine bearbeitete Fläche oder eine Funktionsachse bezieht. Diese Entscheidung ergibt sich aus Zeichnung und Arbeitsplan.

Werkstücke fachgerecht körnen
- Arbeitsplatz sichern: Setze die Schutzbrille auf, lege das Werkstück auf eine feste geeignete Unterlage und sichere es gegen Verrutschen.
- Körner ansetzen: Halte den Körner zunächst leicht schräg, damit Du seine Spitze genau im Schnittpunkt sehen und positionieren kannst.
- Körner aufrichten: Richte den Körner senkrecht zur Werkstückoberfläche aus, ohne die Spitze aus dem Schnittpunkt zu verschieben.
- Leicht ankörnen: Führe einen kontrollierten leichten Hammerschlag aus.
- Lage prüfen: Kontrolliere, ob die Körnung genau im Schnittpunkt liegt.
- Bei Bedarf nachkörnen: Vertiefe eine richtig liegende Körnung mit einem weiteren kontrollierten Schlag.
- Endkontrolle durchführen: Prüfe Lage, Tiefe und Verwendbarkeit für den folgenden Arbeitsgang.
Eine Körnung soll so tief wie nötig und so klein wie möglich sein. Eine zu flache Körnung führt den Bohrer nicht zuverlässig. Eine unnötig tiefe oder breite Körnung kann die Werkstückoberfläche verformen und die Lagekontrolle erschweren. Besonders bei dünnem Blech kann zu hohe Schlagkraft zu einer sichtbaren Beule führen.
Liegt eine leichte Vorkörnung geringfügig neben dem Schnittpunkt, kann sie in manchen Fällen durch fachgerechtes Nachsetzen korrigiert werden. Diese Korrektur erfordert Erfahrung und darf nicht zu einer unklaren Doppelmarkierung führen. Im Ausbildungsbetrieb ist die Entscheidung mit der ausbildenden Fachkraft abzustimmen.
Besonderheiten bei Schmiedewerkstücken
Geschmiedete Werkstücke unterscheiden sich von ebenen, gewalzten Halbzeugen. Zunder und Hammerschlagstrukturen können eine Reißnadel ablenken. Rundungen erschweren das sichere Anlegen eines Winkels. Außerdem können Schmiedeschrägen und Bearbeitungszugaben dazu führen, dass die spätere Funktionsfläche noch nicht vorhanden ist.
Wähle deshalb die Bezugsfläche bewusst. Bei einem geschmiedeten Meißelrohling kann beispielsweise die spätere Schaftachse wichtiger sein als eine unregelmäßige Außenkante. Bei einer geschmiedeten Lasche kann die Lage einer Bohrung von einer vorgesehenen bearbeiteten Fläche oder von einer Symmetrieachse abhängen. Eine Schablone kann helfen, eine wiederkehrende Kontur auf mehrere Rohlinge zu übertragen.
Anreißen und Körnen erfolgen nicht auf rot- oder warmglühendem Stahl. Neben Verbrennungsgefahr und Wärmedehnung besteht die Gefahr, Werkzeuge zu beschädigen. Ein bereits gehärtetes Werkstück wird nicht ohne Freigabe gekörnt, da der Körner beschädigt werden und die Werkstückoberfläche ausbrechen kann. Planung und Markierung sollten deshalb möglichst vor dem Härten erfolgen.
Bei Bauteilen, die später wechselnd oder schwingend belastet werden, sind unnötige Riefen und tiefe Körnungen zu vermeiden. Anrisse dürfen nicht unkontrolliert in einer hoch beanspruchten Fertigfläche verbleiben. Hier sind Zeichnung, Werkstoff, Belastung und betriebliche Vorgaben zu beachten.
Qualitätskontrolle
Eine gute Arbeitsausführung erkennst Du nicht nur daran, dass eine Linie sichtbar ist. Entscheidend ist, ob die Markierung an der richtigen Stelle liegt und für den nächsten Arbeitsgang eindeutig nutzbar ist.
| Prüfkriterium | Fachgerechte Ausführung |
|---|---|
| Bezug | Alle wichtigen Maße sind von den vorgesehenen Bezugselementen übertragen. |
| Linienbild | Anrisslinien sind dünn, klar, durchgehend und nicht mehrfach versetzt. |
| Maßhaltigkeit | Abstände und Winkel entsprechen Zeichnung und Arbeitsplan. |
| Schnittpunkt | Die Linien schneiden sich eindeutig am vorgesehenen Mittelpunkt. |
| Körnerlage | Die Körnung liegt mittig im Schnittpunkt. |
| Körnertiefe | Die Körnung ist für den Folgeprozess ausreichend, aber nicht unnötig groß. |
| Werkstückzustand | Das Werkstück ist nicht durch übermäßige Schlagkraft, Kerben oder Verrutschen beschädigt. |
Typische Fehler, Ursachen und Abhilfe
| Fehler | Mögliche Ursache | Abhilfe |
|---|---|---|
| Maß liegt falsch | Falsche Bezugskante oder Zeichnungsmaß falsch gelesen | Bezug vor Arbeitsbeginn festlegen und Maße gegen die Zeichnung prüfen. |
| Zwei parallele Anrisslinien | Reißnadel erneut angesetzt oder Führung verrutscht | Werkstück und Führung sicher halten und den Anriss möglichst in einem Zug ausführen. |
| Linie ist breit und unsauber | Zu hoher Druck, stumpfe Reißnadel oder starke Zunderschicht | Oberfläche vorbereiten, Spitze prüfen und Druck verringern. |
| Winkel ist nicht rechtwinklig | Anschlagwinkel liegt nicht vollständig an | Bezugskante reinigen und Anschlagfläche ohne Spalt anlegen. |
| Körnung liegt neben dem Schnittpunkt | Körner wurde beim Aufrichten verschoben | Spitze zuerst sichtbar schräg ansetzen und kontrolliert senkrecht stellen. |
| Doppelmarkierung entsteht | Zu tiefe Erstkörnung oder unkontrollierter Korrekturversuch | Zunächst nur leicht ankörnen und vor dem Nachkörnen prüfen. |
| Dünnes Werkstück beult sich | Schlagkraft zu hoch oder Unterlage ungeeignet | Schlagkraft reduzieren und Werkstück vollflächig geeignet unterstützen. |
| Maßabweichung am Schmiederohling | Zunder, Rundung oder falsche Rohkante als Bezug verwendet | Funktionsbezug aus Zeichnung bestimmen und geeignete Bezugsfläche vorbereiten. |
Arbeitssicherheit und Werkzeugpflege
Beim Körnen können kleine Partikel von Werkzeug oder Werkstück absplittern. Trage deshalb eine geeignete Schutzbrille. Prüfe vor der Arbeit, ob der Hammerkopf fest auf dem Stiel sitzt und ob Schlagbahn, Körnerspitze und Schlagkopf unbeschädigt sind. Ein pilzförmig aufgeweiteter Körnerkopf muss fachgerecht instand gesetzt oder das Werkzeug ausgesondert werden.
Halte Deine Finger nicht im Schlagbereich. Das Werkstück darf beim Schlag nicht kippeln oder verrutschen. Verwende eine feste, geeignete Unterlage. Eine Präzisions-Anreißplatte ist keine Schlagunterlage und darf nicht durch Hammerschläge beschädigt werden.
Schütze Reißnadeln durch eine Kappe oder sichere Ablage. Lege spitze Werkzeuge nicht lose in Taschen. Mess- und Anreißwerkzeuge werden nach Gebrauch gereinigt, trocken gelagert und vor Zunder, Schlägen und Korrosion geschützt. Beachte zusätzlich die betriebliche Gefährdungsbeurteilung, Betriebsanweisungen und die Unterweisungen Deiner Ausbildungsstätte.
Praxisbeispiel: Geschmiedete Lasche mit Bohrung
Eine geschmiedete Lasche soll nach dem Abkühlen auf Endmaß bearbeitet und gebohrt werden. Die technische Zeichnung gibt die Lage der Bohrung von einer bearbeiteten Stirnfläche und von der Werkstückachse aus an.
Zuerst prüfst Du, ob genug Bearbeitungszugabe vorhanden ist. Anschließend stellst Du die vorgesehene Stirnfläche her oder kennzeichnest ihren Bezug nach Arbeitsplan. Du reißt die Werkstückachse an und trägst den Abstand der Bohrungsmitte von der Stirnfläche ab. Der Schnittpunkt beider Linien ist der Bohrungsmittelpunkt. Diesen körnst Du zunächst leicht an, prüfst die Lage und vertiefst die Körnung nur bei korrekter Position.
Vor dem Bohren kontrollierst Du nochmals, ob der Bohrungsdurchmesser, die Werkstückseite, die Einspannung und die spätere Funktion stimmen. Durch diese Arbeitsfolge verhinderst Du, dass eine präzise ausgeführte Bohrung an der falschen Stelle entsteht.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welchen Hauptzweck hat das Anreißen? (Maße und Bearbeitungslinien auf das Werkstück übertragen) (!Die Werkstückoberfläche härten) (!Zunder durch Schläge entfernen) (!Die Bohrerdrehzahl einstellen)
Wovon sollten zusammengehörige Maße möglichst ausgehen? (Von einer festgelegten Bezugskante oder Bezugsfläche) (!Von wechselnden zufälligen Außenkanten) (!Von der Mitte der Werkbank) (!Vom Hammerstiel)
Warum wird loser Zunder im Anreißbereich entfernt? (Er kann Werkzeugführung und Maßgenauigkeit beeinträchtigen) (!Er macht den Stahl grundsätzlich weich) (!Er erhöht die Härte der Reißnadel) (!Er ersetzt die Anreißfarbe)
Welches Werkzeug eignet sich zum Anreißen von Kreisen? (Reißzirkel) (!Schlosserhammer) (!Flachmeißel) (!Drahtbürste)
Welches Werkzeug erzeugt Linien parallel zu einer ebenen Bezugsebene? (Höhenreißer) (!Körner) (!Schmiedezange) (!Durchschlag)
Welche Aufgabe hat eine Körnung vor dem Bohren? (Sie kennzeichnet den Mittelpunkt und kann den Bohrer zentrieren) (!Sie ersetzt das Einspannen des Werkstücks) (!Sie bestimmt automatisch die Bohrerdrehzahl) (!Sie kühlt den Bohrer)
Wie wird ein Körner präzise angesetzt? (Zuerst leicht schräg positionieren und danach senkrecht aufrichten) (!Dauerhaft flach auf die Oberfläche legen) (!Mit der Spitze über den Anriss ziehen) (!Mit geschlossenen Augen mittig halten)
Warum wird zunächst nur leicht angekörnt? (Die Lage kann vor dem Vertiefen kontrolliert werden) (!Der Werkstoff soll dabei schmelzen) (!Der Körner soll stumpf werden) (!Die Bezugskante soll verschwinden)
Welche Aussage zu heißen Schmiedewerkstücken ist richtig? (Präzise Anrisse und Körnungen erfolgen am ausreichend abgekühlten Werkstück) (!Ein glühendes Werkstück lässt sich mit dem Messschieber genauer messen) (!Anreißfarbe muss auf Rotglut aufgetragen werden) (!Der Körner ersetzt beim Schmieden die Zange)
Welche Unterlage darf nicht als Schlagunterlage missbraucht werden? (Präzisions-Anreißplatte) (!Geeignete feste Stahlunterlage) (!Dafür vorgesehene Werkbankauflage) (!Betrieblich freigegebene Körnunterlage)
Memory
| Reißnadel | Gerade Anrisslinien |
| Reißzirkel | Kreise und Radien |
| Höhenreißer | Parallele Höhenlinien |
| Körner | Punktförmige Vertiefung |
| Bezugskante | Ausgang für Maße |
| Anreißfarbe | Besserer Linienkontrast |
| Schlosserhammer | Kontrollierter Körnerschlag |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Arbeitsschritt |
|---|---|
| Zeichnung prüfen | Maße, Toleranzen und Bezugselemente bestimmen |
| Werkstück vorbereiten | Zunder, Grat und Schmutz im Arbeitsbereich entfernen |
| Bezug festlegen | Gemeinsamen Ausgang für die Maße wählen |
| Anreißen | Linien und Mittelpunkte auf die Oberfläche übertragen |
| Körnen | Geprüften Schnittpunkt dauerhaft markieren |
...
Kreuzworträtsel
| Reißnadel | Welches spitze Werkzeug ritzt Linien in eine Metalloberfläche? |
| Bezugskante | Von welchem festgelegten Werkstückelement werden Maße übertragen? |
| Reißzirkel | Welches Werkzeug wird zum Anreißen von Kreisen verwendet? |
| Körnung | Wie heißt die kegelförmige Vertiefung im Werkstück? |
| Schutzbrille | Welcher Augenschutz ist beim Körnen erforderlich? |
| Höhenreißer | Welches Werkzeug reißt Linien parallel zu einer Bezugsebene an? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Werkzeuge erkennen: Fotografiere oder zeichne Reißnadel, Stahlmaßstab, Anschlagwinkel, Reißzirkel, Körner und Schlosserhammer und beschrifte ihre wichtigsten Teile.
- Ablaufkarte erstellen: Gestalte eine Ablaufkarte mit den Schritten Prüfen, Vorbereiten, Bezug festlegen, Anreißen, Ankörnen und Kontrollieren.
- Sicherheitscheck: Untersuche einen Ausbildungsarbeitsplatz und notiere fünf Bedingungen, die vor dem Körnen erfüllt sein müssen.
- Fachbegriffe erklären: Erkläre die Begriffe Anriss, Bezugskante, Körnung und Bearbeitungszugabe jeweils mit einem eigenen Beispielsatz.
Standard
- Lochbild übertragen: Übertrage unter Aufsicht ein einfaches rechteckiges Lochbild von einer technischen Zeichnung auf ein Übungsblech und dokumentiere Deine Bezugskanten.
- Fehlerbilder vergleichen: Erzeuge auf einem Übungsstück einen sauberen Anriss und zwei bewusst fehlerhafte Anrisse. Fotografiere die Ergebnisse und erläutere Ursachen und Verbesserungen.
- Schablone entwickeln: Entwirf eine wiederverwendbare Schablone für eine kleine geschmiedete Lasche und prüfe, wie sicher sie gegen Verrutschen positioniert werden kann.
- Prüfprotokoll erstellen: Entwickle ein Prüfprotokoll für Maßhaltigkeit, Linienbild, Körnerlage, Körnertiefe und Werkstückschäden.
Schwer
- Arbeitsplan entwickeln: Plane das Anreißen, Körnen, Bohren und Nachbearbeiten einer geschmiedeten Lasche einschließlich Werkzeugwahl, Prüfmitteln, Arbeitsschutz und Qualitätskontrolle.
- Toleranzanalyse durchführen: Untersuche an einer technischen Zeichnung, welche Maßabweichungen beim Anreißen entstehen können und wie sich diese auf die spätere Bauteilfunktion auswirken.
- Kerbwirkung bewerten: Recherchiere, warum tiefe Anrisse oder Körnungen bei dynamisch belasteten Bauteilen problematisch sein können, und entwickle geeignete Alternativen.
- Lehrvideo produzieren: Produziere ein kurzes Lehrvideo für Auszubildende, das das Ansetzen, leichte Ankörnen, Prüfen und Nachkörnen fachgerecht und sicher zeigt.


Lernkontrolle
- Bezugssystem begründen: Ein geschmiedeter Rohling besitzt eine gerade Stirnfläche und zwei unregelmäßige Seiten. Begründe, von welchen Elementen Du die Lage einer Bohrung ableiten würdest und welche Angaben aus der Zeichnung Du dafür benötigst.
- Versetzte Körnung beurteilen: Eine leichte Körnung liegt sichtbar neben dem Schnittpunkt. Entscheide, ob eine Korrektur, ein neuer Anriss oder ein neues Werkstück notwendig ist, und begründe Dein Vorgehen.
- Folgefehler erklären: Zeige an einem Beispiel, wie ein falscher Anriss die Arbeitsgänge Bohren, Feilen und Montage beeinflussen kann.
- Gefährdung beurteilen: Analysiere die Gefahren eines Körners mit aufgeweitetem Schlagkopf und eines Hammers mit lockerem Kopf. Leite geeignete Maßnahmen ab.
- Rohling und Fertigmaß vergleichen: Erkläre, warum bei einem Schmiederohling Bearbeitungszugaben, Zunder und Wärmedehnung vor dem Anreißen berücksichtigt werden müssen.
- Prüfstrategie entwickeln: Entwickle eine Prüfstrategie, mit der eine zweite Person vor dem Bohren feststellen kann, ob Bezug, Maße, Schnittpunkt und Körnung korrekt sind.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema sind folgende Kompetenzen wichtig:
- Du wertest eine technische Zeichnung aus und benennst Maße, Toleranzen und Bezugselemente.
- Du prüfst Rohmaß, Werkstoff, Oberflächenzustand und Bearbeitungszugabe eines Schmiedewerkstücks.
- Du wählst Reißnadel, Stahlmaßstab, Anschlagwinkel, Reißzirkel, Höhenreißer und Körner passend zur Aufgabe aus.
- Du stellst klare, maßhaltige Anrisse von einem festgelegten Bezugssystem her.
- Du setzt einen Körner genau an, körnst zunächst leicht an und kontrollierst die Lage vor dem Vertiefen.
- Du beachtest Schutzbrille, sicheren Werkstückhalt, geeignete Unterlagen und den ordnungsgemäßen Werkzeugzustand.
- Du erkennst typische Fehler und leitest fachgerechte Korrekturmaßnahmen ab.
- Du erklärst Besonderheiten von Zunder, unregelmäßigen Schmiedeoberflächen, Bearbeitungszugaben und gehärteten Werkstücken.
- Du dokumentierst Arbeitsablauf, Prüfergebnisse und Qualitätsabweichungen nachvollziehbar.
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