Wenn mir unterm Fiedelbogen - Storm, Theodor - Gedichtanalyse
Einleitung
Wenn mir unterm Fiedelbogen - Storm, Theodor - Gedichtanalyse
Für Klasse 7–8: Du liest ein Gedicht über einen Geigenspieler. Seine Saiten reißen manchmal. Trotzdem macht er weiter. Du untersuchst, wie Musik andere Menschen berührt.
Das Gedicht von Theodor Storm hat 20 Verse in fünf Strophen. Es steht als Nummer 2 in Die neuen Fiedellieder. „Wenn mir unterm Fiedelbogen“ ist die Anfangszeile, kein eigens gedruckter Gedichttitel.
- Theodor Storm auf einer Fotografie von 1886.
Wichtig: Theodor Storm hat den Text geschrieben. Das lyrische Ich ist die Stimme im Gedicht. Es ist nicht automatisch Storm selbst.
Quellfassung: Ausgabe von 1885
Historische Grundlage: Theodor Storm, Gedichte, 7. Ausgabe, Berlin: Gebrüder Paetel, 1885, Erstes Buch, Die neuen Fiedellieder, Nr. 2. Der Text folgt der digitalen Edition von TextGrid. Schreibweise und Satzzeichen bleiben erhalten. „1885“ bezeichnet hier die Ausgabe, nicht automatisch das Entstehungsjahr.
- Strophe 1 (V. 1–4)
- Wenn mir unterm Fiedelbogen
Manche Saite auch zersprang,
Neue werden aufgezogen,
Und sie geben frischen Klang.
- Strophe 2 (V. 5–8)
- Auf dem Schützenplatz am Tore
Strich ich leis mein Spielwerk an;
Wie sie gleich die Köpfe wandten,
Da ich eben nur begann!
- Strophe 3 (V. 9–12)
- Und es tönt und schwillt und rauschet,
Wie im Sturz der Waldesbach;
Meine Seele singt die Weise,
Meine Geige klingt sie nach.
- Strophe 4 (V. 13–16)
- Trotzig hadern noch die Burschen;
Bald doch wird es still im Kreis;
Erst ein Raunen, dann ein Schweigen,
Selbst die Bäume säuseln leis.
- Strophe 5 (V. 17–20)
- Zauber hat sie all befangen;
Und ich weiß, wie das geschah! Dort im Kranz der blonden Frauen Stehst du selbst, Frau Musika!
So zitierst Du: „Neue werden aufgezogen“ (V. 3). V. bedeutet Vers oder Gedichtzeile.
Lesefassung: einfache Sprache
Lesehilfe: Die folgenden 20 Zeilen geben den Sinn in heutigem Deutsch wieder. Sie sind eine sinngemäße Übertragung, keine wortgetreue Quellfassung und keine Übersetzung in eine andere Sprache. Für Belege verwende immer den Text von 1885.
- Strophe 1
- Wenn beim Geigespielen eine Saite reißt,
ist das kein Ende für mich.
Ich spanne neue Saiten auf,
und meine Geige klingt wieder frisch.
- Strophe 2
- Auf einem Festplatz beim Stadttor
fange ich leise an zu spielen.
Die Menschen drehen sofort ihre Köpfe,
obwohl ich gerade erst begonnen habe.
- Strophe 3
- Die Musik wird immer voller und lauter,
wie ein Bach, der schnell bergab fließt.
Das Lied kommt aus meinem Inneren,
und meine Geige lässt es erklingen.
- Strophe 4
- Einige junge Männer streiten noch.
Bald wird es ringsherum ruhig.
Erst hört man leise Stimmen, dann Schweigen.
Sogar die Bäume rauschen nur noch sanft.
- Strophe 5
- Alle wirken von der Musik verzaubert.
Ich glaube, den Grund zu kennen.
Mitten unter den blondhaarigen Frauen
stehst du, die ich „Frau Musika“ nenne.
Wörterhilfe: Fiedel = Geige; Fiedelbogen = Geigenbogen; hadern = streiten; Raunen = leises Reden; Weise = Melodie; säuseln = leise rauschen.
Gedicht verstehen und analysieren
Der Geigenspieler und seine Zuhörer
In V. 1–4 reißen Saiten. Neue Saiten bringen „frischen Klang“. Das kann man als Neuanfang verstehen. Das ist eine Deutung, keine ausgesprochene Lebensregel des Autors.
In V. 5–8 spielt die Stimme auf einem „Schützenplatz am Tore“. Schon die ersten Töne lassen Menschen aufblicken.

- Eine Geige als Zeichnung.

- Ein Geigenspieler auf einem Gemälde von Leonid Solomatkin. Das Bild ist eine Veranschaulichung, keine Szene aus Storms Gedicht.
Denkfrage: Warum schauen die Menschen hin? Finde dazu einen Beleg aus V. 5–8.
Klang hören: vom Ton zur Stille
In V. 9–12 wächst der Klang. Die Musik wird mit einem „Waldesbach“ verglichen (V. 10). Ein Wasserlauf kann rauschen und anschwellen.

- Ein Wasserfall als Bildhilfe zum Vergleich in V. 10.
Hörbeispiel: Wasser
Hörbeispiel: Geige mit verschiedenen Spielweisen
Die Animation zeigt, wie eine Geigensaite beim Streichen schwingt. Sie erklärt den Klang des Instruments, nicht den Inhalt des Gedichts.

In V. 13–16 ändert sich die Stimmung: Aus Streit wird erst ein „Raunen“, dann „Schweigen“ (V. 15). Deutung: Die Musik fesselt die Zuhörenden.
Mini-Auftrag: Lies V. 9–16 zuerst laut, dann immer leiser. Wo passt die Stille besonders gut?
Wer ist „Frau Musika“?
Am Schluss spricht das lyrische Ich ein „du“ an: „Stehst du selbst, Frau Musika!“ (V. 20).

- François Boucher zeigt Musik als Bildidee. Das Gemälde entstand lange vor Storms Gedicht und ist keine Illustration des Textes.
Personifikation: Etwas Nichtmenschliches wird wie ein Mensch gezeigt oder angesprochen. „Frau Musika“ lässt Musik wie eine Person wirken. Du kannst die Anrede auch auf eine besondere Frau beziehen. Beide Lesarten brauchen Belege. Der Text nennt keinen Namen.
Video: Personifikation einfach erklärt (Litera Theo)
Form und Sprache
Strophe: Es sind fünf Strophen mit je vier Versen.
Reimschema: In Strophe 1 reimen sich „Fiedelbogen“ und „aufgezogen“ sowie „zersprang“ und „Klang“. Das ist ein Kreuzreim (abab). In Strophen 2–5 reimen sich jeweils die zweite und vierte Zeile. Die erste und dritte Zeile reimen sich dort nicht durchgehend. Deshalb hat nicht das ganze Gedicht einen vollständigen Kreuzreim.
Vergleich: „Wie im Sturz der Waldesbach“ (V. 10). So wird die Kraft der Musik anschaulich.
Steigerung: „tönt und schwillt und rauschet“ (V. 9). Der Klang wirkt immer stärker.
Personifikation: „Frau Musika“ (V. 20) gibt der Musik eine Gestalt.
Video: Reimschema bestimmen (Diego Hagen)
So schreibst Du eine kurze Gedichtanalyse
1. Beobachtung: Was steht im Gedicht? 2. Beleg: Welche Verse zeigen es? 3. Deutung: Was könnte das bedeuten?
Beispiel: Die Zuhörer werden still. Das zeigen „Erst ein Raunen, dann ein Schweigen“ (V. 15). Die Musik scheint ihre volle Aufmerksamkeit zu gewinnen.
Satzhilfe: „In Vers ... steht ... . Das zeigt ... . Ich deute das so: ... .“
Video: Aufbau einer Gedichtanalyse (deutschstundeonline)
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Lesequiz: Die Versangaben beziehen sich nur auf die Quellfassung von 1885. Bei jeder Frage ist genau eine Antwort richtig.
Welches Instrument nennt V. 1 mit dem Wort „Fiedelbogen“? (Eine Geige) (!Eine Trommel) (!Eine Flöte) (!Ein Klavier)
Was geschieht in V. 3 mit gerissenen Saiten? (Sie werden ersetzt) (!Sie werden verbrannt) (!Sie bleiben für immer kaputt) (!Sie werden verschenkt)
Wo beginnt die Figur laut V. 5 zu spielen? (Auf dem Schützenplatz am Tore) (!Auf einem Schiff) (!In einer Schule) (!In einem Schloss)
Was machen die Menschen in V. 7? (Sie wenden die Köpfe) (!Sie verlassen sofort den Platz) (!Sie decken ihre Ohren zu) (!Sie tanzen auf Tischen)
Womit vergleicht V. 10 die Musik? (Mit einem Waldesbach) (!Mit einem Feuer) (!Mit einem Stern) (!Mit einer Glocke)
Was singt in V. 11 die Melodie? (Die Seele des lyrischen Ichs) (!Ein Vogel im Käfig) (!Der Stadttrompeter) (!Ein Chor)
Was folgt laut V. 15 auf das Raunen? (Ein Schweigen) (!Ein Gewitter) (!Ein Gelächter) (!Ein Marsch)
Wie verändert sich die Stimmung in V. 13–16? (Vom Streit zur Stille) (!Von Ruhe zu lautem Streit) (!Von Freude zu Angst vor Feuer) (!Von Hunger zu Müdigkeit)
Wen redet die Stimme am Schluss in V. 20 an? (Frau Musika) (!Einen König) (!Den Stadttrompeter) (!Einen Lehrer)
Welche Aussage zur Fassung von 1885 stimmt? (Sie ist die historische Grundlage für unsere Zitate) (!Sie ist eine moderne Übersetzung ins Englische) (!Sie wurde von den Lernenden geschrieben) (!Sie beweist das Entstehungsjahr des Gedichts)
Memory
Finde die passenden Begriffe und Bedeutungen.
| Fiedelbogen | Bogen zum Streichen der Geige |
| Schützenplatz | Ort des musikalischen Auftritts |
| Waldesbach | Bild für einen kraftvollen Klang |
| Raunen | Leises Stimmengewirr |
| Kreuzreim | Reimfolge abab |
| Frau Musika | Angesprochene Gestalt der Musik |
Drag and Drop
Ordne jeder Beobachtung den passenden Begriff zu.
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Beobachtung im Gedicht |
|---|---|
| Neuanfang | Neue Saiten |
| Auftrittsort | Schützenplatz |
| Klangvergleich | Waldesbach |
| Reaktion des Publikums | Schweigen |
| Anrede am Schluss | Frau Musika |
Kreuzworträtsel
| Fiedelbogen | Womit streicht die Figur laut der ersten Zeile die Saiten? |
| Saite | Was kann am Instrument zerreißen? |
| Geige | Welches Instrument klingt die Melodie nach? |
| Waldesbach | Womit wird der volle Klang verglichen? |
| Raunen | Welches leise Stimmengewirr ist vor dem Schweigen zu hören? |
| Musika | Wie lautet der Name in der Anrede am Schluss? |
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Lückentext
Setze pro Satz ein passendes Wort oder eine kurze Wortgruppe ein.
Offene Aufgaben
Wichtig: Diese Aufgaben haben keine automatische Bewertung. Begründe Deine Ideen mit Wörtern oder Versen aus der Quellfassung. Nutze die Hilfen, wenn Du sie brauchst.
Leicht
- Bild entdecken: Betrachte die Zeichnung der Geige. Schreibe drei Wörter auf, die zu ihrem Klang passen. Hilfe: hell, leise, kräftig.
- Wörter erklären: Wähle „Fiedelbogen“, „hadern“ oder „Raunen“. Erkläre das Wort in einem eigenen Satz. Hilfe: Nutze die Wörterhilfe.
- Strophen erzählen: Schreibe zu jeder Strophe einen kurzen Satz. Hilfe: erst Saiten, dann Auftritt, Klang, Stille und Anrede.
- Vorlesen: Lies V. 9–16 mit passender Lautstärke vor. Erkläre danach, warum Du an V. 15 leiser geworden bist.
Standard
- Autor oder Stimme?: Schreibe zwei Sätze über Storm und zwei über das lyrische Ich. Vermische die beiden nicht. Hilfe: Was weißt Du nur aus dem Gedicht?
- Reime prüfen: Vergleiche die Versenden aus Strophe 1 und 2. Markiere gleiche Klänge. Erkläre, warum Strophe 2 kein vollständiger Kreuzreim ist.
- Klang beschreiben: Plane eine kleine Klangszene zu V. 9–16 mit Stimme, Händen oder vorhandenen Geräuschen. Begründe die Reihenfolge. Du musst keine Aufnahme anfertigen.
- Dialog erfinden: Schreibe sechs Gesprächszeilen zwischen dem Geigenspieler und „Frau Musika“. Kennzeichne sie als Deine erfundene Fortsetzung.
Schwer
- Kurzanalyse schreiben: Verfasse etwa 150 Wörter zu Klang und Wirkung. Baue zwei genaue Zitate mit Versangaben ein. Hilfe: Beobachtung – Beleg – Deutung.
- Fassungen vergleichen: Finde drei Stellen, an denen die Lesefassung einfacher ist. Erkläre, welche sprachliche Wirkung dabei verloren geht.
- Bild und Quelle prüfen: Wähle ein Commons-Bild. Erkläre, was es zeigt und was es nicht über Storms Gedicht beweist. Nenne Urheber und Lizenz.
- Zwei Deutungen prüfen: Ist „Frau Musika“ eher die Musik als Person oder eine angesprochene Frau? Stelle beide Möglichkeiten vor und begründe Deine Sicht mit V. 17–20.


Lernkontrolle
Bearbeite die Aufgaben in eigenen Worten. Es geht um Zusammenhänge, nicht um Auswendiglernen.
- Neuanfang: Erkläre, warum das Ersetzen einer Saite in V. 1–4 auch als Bild für das Weitermachen nach einem Fehler verstanden werden könnte. Nenne eine Grenze dieser Deutung.
- Publikum: Übertrage die Szene in ein heutiges Straßenkonzert. Was könnte gleich bleiben, was wäre anders? Begründe mit zwei Versen.
- Klang und Sprache: Erkläre, wie der Waldesbach-Vergleich und der Wechsel zum Schweigen zusammenwirken.
- Form und Wirkung: Vergleiche Strophe 1 mit Strophe 3. Was fällt am Reim auf? Erkläre, warum eine gute Analyse nicht nur die Reimart nennt.
- Sprechende Stimme: Eine Person behauptet, Storm habe selbst auf genau diesem Schützenplatz gespielt. Prüfe, ob das Gedicht diese Aussage belegt.
- Fassung prüfen: Ein Mitschüler zitiert die vereinfachte Lesefassung als Wortlaut von 1885. Erkläre den Fehler und verbessere den Beleg.
Lernnachweis
Du zeigst, dass Du das Gedicht verstanden hast, wenn Du
- alle fünf Strophen in eigenen Worten erklären kannst,
- das lyrische Ich vom Autor unterscheidest,
- die Reime genau untersuchst,
- mindestens zwei sprachliche Mittel mit Versangaben erklärst,
- eine eigene Deutung begründest und
- historische Quellfassung und vereinfachte Lesefassung nicht verwechselst.
Mögliches Ergebnis: Eine einseitige Gedichtanalyse oder eine kurze mündliche Erklärung mit Zitaten. Offene Leistungen beurteilt die Lehrkraft oder eine Lerngruppe, nicht das Quiz automatisch.
OERs zum Thema
Historische Textquelle: TextGrid: „2. [Wenn mir unterm Fiedelbogen“, nach der Ausgabe von 1885]. Auch im Zeno-Archiv.
Wikipedia zum Autor (nicht speziell zu diesem Gedicht):
Freie Medien: Wikimedia Commons – Theodor Storm und Wikimedia Commons – Geigen.
Quellen, Bildrechte und Mediennachweise
Text: Theodor Storm (1817–1888), Gedichte, 7. Ausgabe 1885, Erstes Buch, Die neuen Fiedellieder, Nr. 2. Digitale Grundlage: TextGrid Repository (2012). Storms Originaltext ist gemeinfrei. TextGrid nennt für seine Daten und Annotationen gesondert CC BY 3.0 DE (Namensnennung TextGrid). Die Lesefassung auf dieser Seite ist eine als solche gekennzeichnete sinngemäße Lesehilfe.
Wikimedia-Commons-Dateien (hier unverändert eingebunden; anklickbare Dateiseiten enthalten weitere Lizenzangaben):
- Theodor Storm 1886.JPG: Fotograf unbekannt; gemeinfrei.
- Violin.svg: papapishu; CC0 1.0.
- Solomatkin Fiddler.jpg: Leonid Solomatkin; gemeinfrei.
- A waterfall in forest.jpg: Perseusfs; CC BY-SA 4.0.
- Water fall.ogg: Benzband; CC BY-SA 3.0.
- Violin sounds and techniques.ogg: Alex Dee; CC BY 2.5.
- Bowed violin string in slow motion.gif: ViolinB0W; CC BY 3.0.
- Boucher – Allegory of Music, 1752.jpg: François Boucher; gemeinfrei.
YouTube (nur extern eingebettet, nicht als frei lizenzierte OER ausgegeben): Litera Theo – Personifikation; Diego Hagen – Reimschema; deutschstundeonline – Gedichtanalyse. Die Videos erklären allgemeine Begriffe. Keines ist als Rezitation von Storms 20 Versen ausgewiesen.
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