Unsere Erde 1

Unsere Erde 1
Einleitung
Unsere Erde ist ein aiMOOC zum Naturdokumentarfilm Unsere Erde – Der Film aus dem Jahr 2007. Der Film wurde von Alastair Fothergill und Mark Linfield inszeniert und ist eng mit der BBC-Dokumentarreihe Planet Erde verbunden. In der deutschen Fassung führt die Stimme von Ulrich Tukur durch die Reise. Im Mittelpunkt stehen nicht Menschen, sondern Landschaften, Jahreszeiten und Tiere. Drei Tierfamilien bilden den erzählerischen roten Faden: Eisbären in der Arktis, Afrikanische Savannenelefanten in der Kalahari und Buckelwale auf ihrer weiten Wanderung durch die Ozeane.

Der Film verbindet Biologie, Geographie, Ökologie, Klimawandel und Filmbildung. Du lernst deshalb nicht nur etwas über Lebensräume und Tierwanderungen, sondern untersuchst auch, wie Kamera, Schnitt, Musik und Off-Kommentar unsere Wahrnehmung von Natur formen. Besonders wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen Beobachtung, filmischer Gestaltung und wissenschaftlicher Einordnung.
Der oben eingebettete Film ist die Grundlage dieses aiMOOCs. Arbeite beim Sehen aktiv: Notiere auffällige Landschaften, Tierarten, Wanderbewegungen, Gefahren und filmische Mittel. Achte außerdem darauf, welche Zusammenhänge der Kommentar erklärt und welche Bedeutungen erst durch Musik, Montage oder die Reihenfolge der Bilder entstehen.
Der Trailer zeigt in verdichteter Form, wie der Film mit Größe, Schönheit, Gefahr und emotionaler Nähe arbeitet. Vergleiche nach dem vollständigen Film, welche Szenen im Trailer ausgewählt wurden und welche Erwartungen diese Auswahl erzeugt.
Der Film als Naturdokumentation
Eine Naturdokumentation vermittelt Wissen, beobachtet Verhalten und gestaltet zugleich eine Erzählung. Unsere Erde führt die Zuschauenden im Verlauf eines Jahres von der Arktis über verschiedene Klima- und Vegetationszonen bis in die Antarktis. Diese Reise ist keine neutrale Aneinanderreihung von Tieraufnahmen. Durch Auswahl, Reihenfolge, Musik, Kommentar und wiederkehrende Tierfamilien entsteht eine Dramaturgie mit Spannung, Nähe und einem ökologischen Appell.
Der Kinofilm nutzt Material aus dem Produktionszusammenhang der BBC-Reihe Planet Erde. Nach Angaben von „Filme für die Erde“ entstanden über mehrere Jahre hinweg an mehr als 200 Drehorten in 26 Ländern sehr große Mengen Filmmaterial. Der Aufwand macht deutlich, dass Naturfilm nicht nur „Warten mit einer Kamera“ bedeutet: Tierverhalten, Licht, Jahreszeiten und Wetter müssen vorausgeplant werden, während die Tiere selbst nicht steuerbar sind.
Erzählerischer Aufbau
Die Reise folgt grob dem Wechsel der Jahreszeiten und der Verteilung von Sonnenenergie auf der Erde. Dadurch werden weit voneinander entfernte Lebensräume miteinander verbunden. Die Eisbären stehen für die Abhängigkeit vom Meereis, die Elefanten für den Zwang, in trockenen Landschaften Wasser zu finden, und die Buckelwale für lange Wanderungen zwischen warmen Fortpflanzungsgebieten und kalten, nahrungsreichen Meeresregionen.
Der Film erzählt damit gleichzeitig auf zwei Ebenen. Auf der ersten Ebene siehst Du konkrete Tiere mit unmittelbar verständlichen Problemen: Hunger, Durst, Schutz der Jungen, Flucht oder Nahrungssuche. Auf der zweiten Ebene werden diese individuellen Geschichten zu Beispielen für größere ökologische Zusammenhänge wie Nahrungsnetz, Migration, Jahreszeiten, Wasserhaushalt und Klimawandel.
Kamera, Schnitt und Musik
Natur wirkt im Film besonders „unmittelbar“, obwohl sie durch Technik vermittelt wird. Luftaufnahmen machen Herdenbewegungen und Landschaftsformen sichtbar. Zeitlupe verlangsamt schnelle Jagdbewegungen und lässt Details erkennen, die das menschliche Auge in Echtzeit kaum erfassen kann. Zeitraffer verdichtet langsame Vorgänge wie Pflanzenwachstum oder Veränderungen des Lichts. Teleobjektive ermöglichen Nahaufnahmen aus großer Distanz, während Unterwasserkameras eine Welt zeigen, die Menschen ohne technische Hilfsmittel nicht beobachten könnten.
Die Musik von George Fenton unterstützt die emotionale Wirkung. Ruhige Passagen können Weite und Staunen erzeugen, schnelle oder spannungsreiche Musik kann Gefahr verstärken. Der Off-Kommentar ordnet Bilder ein, lenkt Aufmerksamkeit und schafft Zusammenhänge. Für Deine Filmanalyse gilt deshalb: Ein dokumentarisches Bild zeigt etwas Reales, aber seine Bedeutung entsteht immer auch durch die Form, in der es präsentiert wird.
Reise durch die Lebensräume
Arktis – Eisbären und Meereis
Die Filmreise beginnt in der Arktis. Eine Eisbärenmutter verlässt mit ihren Jungen die Schneehöhle. Für Eisbären ist Meereis kein bloßer Hintergrund, sondern ein entscheidender Teil ihres Lebensraums, weil sie dort vor allem Robben jagen. Wenn Meereis saisonal früher zurückgeht oder später entsteht, kann sich die Zeit verkürzen, in der erfolgreiche Jagd möglich ist.
Das Bild der Jungtiere macht verständlich, warum der Film so stark mit Eltern-Kind-Beziehungen arbeitet: Der Schutz der Jungen erzeugt Nähe, ohne dass die Tiere sprechen oder „Rollen spielen“. Gleichzeitig musst Du zwischen echter Tierbiologie und menschlicher Deutung unterscheiden. Begriffe wie „Mut“, „Verzweiflung“ oder „Held“ können eine Szene emotional erklären, sind aber nicht automatisch wissenschaftliche Kategorien.

Der Film zeigt auch einen männlichen Eisbären, dessen Nahrungssuche durch schwindendes Eis erschwert wird. Die Arktis-Sequenzen verbinden individuelles Überleben mit dem größeren Thema Meereis. Der Eisbär wird dadurch zu einem Symbol für Folgen der Erderwärmung. Wissenschaftlich sinnvoll ist es, nicht nur auf einzelne Tiere zu schauen, sondern auf langfristige Daten zu Meereis, Körperkondition, Fortpflanzung und Populationsentwicklung.
Der Greenpeace-Clip ergänzt die Filmszenen durch aktuellen Naturschutzbezug. Vergleiche, wie ein kurzer Kampagnenclip und ein Kinodokumentarfilm jeweils Aufmerksamkeit für dieselbe Tierart erzeugen.
Tundra und Taiga – Weite, Migration und Kälte
Südlich der hohen Arktis verändern sich Vegetation und Tierwelt. In der Tundra folgen Wölfe großen Karibuherden. Die Tiere wandern, weil Nahrung, Fortpflanzungsgebiete und klimatische Bedingungen räumlich und zeitlich wechseln. Migration ist daher keine ziellose Bewegung, sondern eine Anpassung an ein dynamisches Angebot von Ressourcen.

Die nächste große Vegetationszone ist die Taiga, der boreale Nadelwaldgürtel der Nordhalbkugel. Hier prägen lange kalte Winter, kurze Sommer und große Waldflächen die Lebensbedingungen. Der Film macht mit weiten Luftbildern sichtbar, dass ein Lebensraum nicht nur aus einzelnen Tieren besteht, sondern auch aus Klima, Boden, Vegetation, Wasser und räumlicher Ausdehnung.
In solchen Szenen wird eine Grundidee der Ökologie deutlich: Arten sind an Umweltbedingungen gebunden, reagieren aber zugleich auf andere Lebewesen. Ein Räuber hängt von Beutetieren ab, Pflanzen hängen von Licht, Wasser und Temperatur ab, und wandernde Tiere verbinden verschiedene Regionen miteinander.
Gemäßigte Wälder, Jahreszeiten und Himalaya
Im gemäßigten Laubwald verändern die Jahreszeiten das Nahrungsangebot besonders deutlich. Der Film zeigt unter anderem junge Mandarinenten, die ihr Baumhöhlennest verlassen. Solche Szenen verbinden ein kleines, konkretes Ereignis mit einem größeren saisonalen Rhythmus.
Jahreszeiten entstehen vor allem durch die Neigung der Erdachse gegenüber der Umlaufbahn um die Sonne. Dadurch ändern sich im Jahresverlauf Sonnenstand und Tageslänge in den Hemisphären. Nicht die wechselnde Entfernung zur Sonne ist die Hauptursache von Sommer und Winter.
Im Himalaya zeigt der Film Jungfernkraniche auf ihrer Wanderung über sehr hohe Gebirgspässe. Für Zugvögel sind Wind, Sauerstoffangebot, Temperatur und Orientierung wichtige Herausforderungen. Die Szene macht sichtbar, dass Migration auch eine enorme physiologische Leistung sein kann.
Die Berglandschaft ist zugleich ein gutes Beispiel für die filmische Wirkung von Maßstab. Eine Totale kann die Tiere winzig erscheinen lassen und so die Größe des Hindernisses betonen. Die Kamera vermittelt damit nicht nur Informationen, sondern setzt Größenverhältnisse bewusst in Szene.
Tropischer Regenwald – Vielfalt und Konkurrenz
Im tropischen Regenwald von Papua-Neuguinea rücken Paradiesvögel in den Mittelpunkt. Ihre auffälligen Balzformen zeigen, dass Evolution nicht nur durch Überleben im engeren Sinn geprägt wird, sondern auch durch Partnerwahl. Merkmale können sich entwickeln, weil sie den Fortpflanzungserfolg erhöhen.
Der tropische Regenwald besitzt eine hohe biologische Vielfalt und viele ökologische Nischen. Im Film wird diese Vielfalt stark über spektakuläre Einzelbeobachtungen vermittelt. Für eine wissenschaftliche Vertiefung solltest Du zusätzlich fragen: Welche Beziehungen bestehen zwischen Pflanzen, Bestäubern, Samenverbreitern, Räubern, Beute und Zersetzern? Erst das Netzwerk dieser Beziehungen macht ein Ökosystem aus.
Kalahari und Okavango – Wasser als Schlüsselressource
In der Kalahari wird Wasser zur entscheidenden Ressource. Elefantenherden ziehen über große Entfernungen, um Wasserstellen und schließlich das Okavango-Delta zu erreichen. Die Filmhandlung zeigt damit besonders anschaulich, wie Klima und Wasserverfügbarkeit Tierbewegungen steuern können.
Der Afrikanische Savannenelefant lebt in sozialen Gruppen mit komplexer Kommunikation und großem Raumbedarf. Eine erfahrene Leitkuh kann für die Orientierung der Gruppe wichtig sein. In Trockenzeiten werden Erinnerung an Wasserstellen, räumliche Erfahrung und gemeinsames Wandern besonders bedeutsam.

Das Okavango-Delta ist ein Binnendelta in Botswana. Saisonale Wassermengen verwandeln große Flächen und schaffen zeitweise neue Lebensräume. Im Film bildet diese Veränderung einen starken Gegensatz zur trockenen Kalahari: Aus Wasserknappheit wird eine Landschaft mit vielen Wasserarmen, Inseln und hoher Tierdichte.
Der Beitrag von DW Deutsch zeigt, dass Elefantenschutz in Botswana auch gesellschaftliche und politische Konflikte berührt. Naturschutz bedeutet in der Realität häufig, Interessen von Wildtieren, Landwirtschaft, lokalen Gemeinschaften, Tourismus und staatlicher Politik miteinander auszuhandeln.
Ozeane und Antarktis – Buckelwale, Nahrung und lange Wege
Die dritte zentrale Tiergeschichte folgt einer Buckelwalmutter und ihrem Kalb. Die Tiere ziehen von warmen Fortpflanzungsgebieten in nahrungsreiche kalte Gewässer. Solche Wanderungen verbinden weit auseinanderliegende Meeresräume und zeigen, dass Schutz nicht nur an einem einzelnen Ort funktionieren kann.

Buckelwale gehören zu den Bartenwalen. Sie filtern kleine Beutetiere aus dem Wasser. In hohen Breiten spielt Krill eine wichtige Rolle im Nahrungsnetz. Der Film verbindet die lange Wanderung der Wale daher mit der saisonalen Produktivität polarer Meere.
Der WWF-Beitrag eignet sich, um filmische Tierbeobachtung mit sachlicher Wissensvermittlung zu vergleichen. Notiere beim Ansehen, welche Informationen über Wale genannt werden und welche davon im Kinofilm nur indirekt sichtbar werden.
Auch Räuber-Beute-Beziehungen werden spektakulär inszeniert. Ein Weißer Hai, der bei der Jagd aus dem Wasser schießt, zeigt, wie extreme Zeitlupe einen sehr schnellen Vorgang analysierbar und zugleich dramatisch macht.
Die Reise endet in der Antarktis. Adeliepinguine und andere polare Arten sind an starke saisonale Veränderungen angepasst. Das Südpolarmeer ist trotz der Kälte biologisch produktiv, weil im Sommer Licht, Nährstoffe und Nahrungsketten zusammenwirken.
Leitmotive und ökologische Zusammenhänge
Sonne und Jahreszeiten
Die Sonne ist im Film mehr als ein schönes Motiv. Sie liefert die Energie, die fast alle oberirdischen und marinen Nahrungsketten indirekt antreibt. Pflanzen und Phytoplankton binden durch Photosynthese Sonnenenergie in chemischer Form. Pflanzenfresser nutzen diese Biomasse, Räuber nutzen wiederum Pflanzenfresser oder andere Tiere. Dadurch hängen auch Eisbär, Elefant und Buckelwal letztlich von Energieflüssen ab, die an der Basis vieler Nahrungsnetze beginnen.
Die Achsneigung der Erde verursacht jahreszeitliche Unterschiede in Tageslänge und Sonnenstand. Diese Unterschiede beeinflussen Pflanzenwachstum, Eisbildung, Niederschläge und Wanderzeiten. Der Film macht daraus eine globale Erzählung: Wenn sich die Sonneneinstrahlung im Jahreslauf verschiebt, verändern sich Lebensbedingungen und Tiere reagieren mit Wanderung, Fortpflanzung, Nahrungssuche oder Ruhephasen.
Wasser verbindet Lebensräume
Wasser erscheint im Film in sehr verschiedenen Formen: als Meereis, Schnee, Fluss, Wasserloch, Feuchtgebiet und Ozean. Für Eisbären ist gefrorenes Meer Jagdraum, für Elefanten ist Wasser in der Trockenzeit ein knappes Ziel, und für Buckelwale ist der Ozean zugleich Lebensraum und Wanderkorridor. Dadurch wird deutlich, dass dieselbe chemische Substanz je nach Klima und Ökosystem völlig unterschiedliche ökologische Funktionen haben kann.
Ein sinnvoller Transfer ist der Blick auf den Wasserkreislauf. Verdunstung, Wolkenbildung, Niederschlag, Abfluss und Speicherung verbinden Atmosphäre, Land und Meer. Lokale Lebensräume sind deshalb Teil globaler Stoff- und Energieflüsse.
Nahrungsketten sind in Wirklichkeit Nahrungsnetze
Der Film zeigt häufig klare Jagdsituationen: Wolf und Karibu, Löwe und große Pflanzenfresser, Hai und Robbe. Solche Szenen sind leicht verständlich, können aber den Eindruck einer einfachen Kette erzeugen. In echten Ökosystemen sind Arten meist über viele Nahrungsbeziehungen miteinander verbunden. Deshalb ist der Begriff Nahrungsnetz häufig genauer.
Beim Buckelwal wird diese Vernetzung besonders deutlich. Krill frisst unter anderem Phytoplankton; Buckelwale fressen Krill oder kleine Fische; deren Vorkommen hängt wiederum von Strömungen, Temperatur, Licht und Nährstoffen ab. Eine Veränderung an einer Stelle des Netzes kann daher Folgen an anderen Stellen haben.
Migration als Anpassung
Migration ist eine wiederkehrende Antwort auf räumlich wechselnde Ressourcen. Karibus folgen saisonal geeigneten Gebieten, Elefanten suchen Wasser und Nahrung, Jungfernkraniche wechseln zwischen Brut- und Überwinterungsräumen, Buckelwale zwischen Fortpflanzungs- und Nahrungsgebieten. Migration kostet Energie und birgt Risiken, kann aber entscheidende Vorteile bringen.
Der Film nutzt Wanderung zugleich als dramaturgisches Mittel. Bewegung erzeugt ein Ziel, Hindernisse und Spannung. Aus ökologischer Sicht solltest Du zusätzlich nach Ursachen fragen: Welche Ressource wird gesucht? Welche Jahreszeit löst die Bewegung aus? Welche Gefahren entstehen unterwegs? Welche Landschaften oder Schutzgebiete müssen miteinander verbunden bleiben?
Klimawandel und Artenschutz
Der Film wurde in den 2000er-Jahren produziert und formuliert einen deutlichen Appell gegen die globale Erwärmung. Viele Grundzusammenhänge bleiben aktuell: Steigende Temperaturen verändern Meereis, Niederschlagsmuster, Ozeanbedingungen und Lebensräume. Die Folgen sind jedoch je nach Art, Region und Population verschieden.
Für eine heutige Einordnung ist Quellenkritik wichtig. Einzelne konkrete Prognosen aus einem Film von 2007 solltest Du nicht ungeprüft als heutige Vorhersagen übernehmen. Beispielsweise wird der Eisbär weiterhin als bedrohte beziehungsweise gefährdete Art behandelt, aber seriöse Forschung arbeitet mit Populationen, Szenarien und Wahrscheinlichkeiten statt mit einer einzigen sicheren „Aussterbe-Jahreszahl“. Beim Buckelwal haben sich manche Bestände seit dem Ende des kommerziellen Walfangs stark erholt, während weiterhin Risiken wie Schiffsanprall, Verstrickung in Fanggerät und veränderte Meeresbedingungen bestehen. Der Afrikanische Savannenelefant steht ebenfalls unter erheblichem Schutzdruck, wobei Lebensraumverlust, Wilderei und Konflikte mit Menschen regional unterschiedlich wirken.
Der WWF-Clip eignet sich für eine Analyse von Klimakommunikation. Vergleiche seine direkte Appellstruktur mit der indirekteren Strategie des Films, zunächst Staunen und emotionale Bindung aufzubauen und daraus Schutzbereitschaft entstehen zu lassen.
Filmische Gestaltung und Wirkung
Natur als Hauptfigur
Eine Besonderheit des Films ist, dass Menschen nicht als sichtbare Figuren auftreten. Dadurch erscheint die Erde als weitgehend eigenständige Naturwelt. Diese Entscheidung verstärkt Schönheit, Wildheit und Distanz zur Zivilisation. Gleichzeitig entsteht eine Spannung: Der Film thematisiert menschlich verursachte Umweltveränderungen, zeigt die Verursacher aber kaum oder gar nicht im Bild.
Diese Leerstelle ist didaktisch interessant. Frage Dich: Wird Verantwortung dadurch besonders stark, weil die Natur „für sich selbst“ spricht? Oder bleibt der Zusammenhang zwischen Konsum, Energie, Politik, Wirtschaft und Umweltfolgen zu abstrakt? Beide Deutungen lassen sich mit konkreten Szenen begründen.
Emotionalisierung und Anthropomorphismus
Tierfamilien sind ein starkes erzählerisches Mittel. Eine Mutter mit Jungtier löst bei vielen Menschen Fürsorge und Mitgefühl aus. Diese emotionale Nähe kann Naturschutzinteresse fördern. Gleichzeitig besteht die Gefahr des Anthropomorphismus, also der Übertragung menschlicher Gefühle, Motive oder moralischer Kategorien auf Tiere.
Eine gute Filmanalyse trennt deshalb drei Ebenen: Was ist im Bild tatsächlich zu sehen? Welche Interpretation bietet der Kommentar? Welche zusätzliche Wirkung erzeugen Musik, Schnitt und Vorwissen? Diese Trennung schützt davor, eine eindrucksvolle Erzählung automatisch mit einer vollständigen wissenschaftlichen Erklärung gleichzusetzen.
Zeitlupe, Zeitraffer und Perspektive
Zeitlupe dehnt einen kurzen Moment aus und eignet sich besonders für Jagd, Flug oder Sprung. Zeitraffer komprimiert lange Vorgänge und macht etwa Pflanzenbewegungen oder wechselnde Lichtverhältnisse sichtbar. Luftaufnahmen zeigen räumliche Muster, Unterwasseraufnahmen erschließen verborgene Lebensräume und extreme Teleaufnahmen schaffen Nähe ohne physische Annäherung der Kamera.
Solche Techniken verändern die Zeiterfahrung des Publikums. Sie machen Natur beobachtbar, die in normaler menschlicher Wahrnehmung zu schnell, zu langsam, zu weit entfernt oder unsichtbar wäre. Technik ist deshalb nicht nur Hilfsmittel, sondern Teil der Aussage eines Naturfilms.
Kritische Filmbildung
Ein Dokumentarfilm ist keine erfundene Handlung, aber auch kein ungefiltertes Fenster zur Wirklichkeit. Kamerateams wählen Orte und Bildausschnitte, der Schnitt wählt Momente, Musik erzeugt Stimmung und der Kommentar ordnet Geschehen ein. Wissenschaftliche Begriffe können dabei vereinfacht werden, damit eine globale Geschichte verständlich bleibt.
Du solltest beim Arbeiten mit Unsere Erde deshalb immer zwei Fragen verbinden: Was lerne ich über Natur? und Wie wird dieses Wissen filmisch erzeugt? Besonders bei Aussagen zu Klima, Populationsentwicklung oder zukünftigen Risiken gehört eine aktuelle Quelle zur Überprüfung dazu. So wird aus Filmsehen Medienkompetenz und Wissenschaftspropädeutik.
Unterrichtsidee: Den Film aktiv sehen
Du kannst den Film in drei Phasen bearbeiten. Vor dem Sehen formulierst Du Erwartungen an einen Naturfilm und markierst auf einer Weltkarte Arktis, Kalahari, Okavango, Himalaya und Antarktis. Während des Sehens führst Du ein Beobachtungsprotokoll zu Tierart, Lebensraum, Herausforderung und filmischem Mittel. Nach dem Sehen vergleichst Du mindestens zwei Szenen und überprüfst eine sachliche Aussage mit einer aktuellen wissenschaftlichen Quelle.
- Vorwissen aktivieren: Formuliere drei Vermutungen darüber, wie Jahreszeiten Tierwanderungen beeinflussen.
- Filmprotokoll: Halte während des Films pro ausgewählter Szene Beobachtung, Kommentar und filmische Wirkung getrennt fest.
- Auswertung: Erstelle nach dem Film ein Wirkungsdiagramm mit den Begriffen Sonne, Wasser, Nahrung, Migration, Lebensraum und Klimawandel.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welche drei Tiergruppen bilden den wichtigsten erzählerischen roten Faden des Films? (Eisbären Elefanten und Buckelwale) (!Pinguine Giraffen und Haie) (!Wölfe Gorillas und Delfine) (!Robben Tiger und Kamele)
Welche Funktion hat das Meereis für Eisbären besonders? (Es ist ein wichtiger Jagdraum) (!Es schützt sie vor jeder Form von Kälte) (!Es liefert ihnen pflanzliche Nahrung) (!Es verhindert ihre Wanderungen)
Warum wandern Elefanten im Kalahari-Abschnitt des Films über große Entfernungen? (Sie suchen Wasser und geeignete Lebensräume) (!Sie suchen Meereis) (!Sie folgen Buckelwalen) (!Sie überqueren den Himalaya)
Was ist die Hauptursache der Jahreszeiten auf der Erde? (Die Neigung der Erdachse beim Umlauf um die Sonne) (!Der tägliche Wechsel von Tag und Nacht) (!Die wechselnde Größe des Mondes) (!Die Entfernung Europas vom Äquator)
Welche filmische Technik macht sehr schnelle Bewegungen detaillierter sichtbar? (Zeitlupe) (!Zeitraffer) (!Standbild) (!Untertitel)
Wodurch wird ein Nahrungsnetz besser beschrieben als durch eine einzelne Nahrungskette? (Durch viele miteinander verbundene Nahrungsbeziehungen) (!Durch nur eine Räuber Beute Beziehung) (!Durch die Reihenfolge der Kontinente) (!Durch die Laufzeit eines Films)
Was verbindet die Wanderungen von Karibus Elefanten Kranichen und Buckelwalen? (Sie reagieren auf räumlich und zeitlich wechselnde Ressourcen) (!Sie finden alle im selben Lebensraum statt) (!Sie werden ausschließlich durch Raubtiere ausgelöst) (!Sie enden immer in der Arktis)
Welche Aufgabe hat Musik in einer Naturdokumentation häufig? (Sie verstärkt Stimmung und emotionale Wirkung) (!Sie ersetzt jede wissenschaftliche Erklärung) (!Sie beweist die Echtheit einer Aufnahme) (!Sie bestimmt das Verhalten der Tiere)
Wie sollte man Zukunftsprognosen aus einem Film von 2007 heute behandeln? (Mit aktuellen wissenschaftlichen Quellen überprüfen) (!Unverändert als sichere Vorhersage übernehmen) (!Grundsätzlich als erfunden verwerfen) (!Nur nach der Filmmusik beurteilen)
Was bedeutet kritische Filmbildung bei einer Naturdokumentation? (Naturwissen und filmische Gestaltung gemeinsam untersuchen) (!Nur Tiernamen auswendig lernen) (!Nur die schönsten Bilder bewerten) (!Den Kommentar grundsätzlich ignorieren)
Memory
| Eisbär | Meereis |
| Elefantenherde | Wasserwanderung |
| Buckelwal | Krillgründe |
| Jungfernkranich | Himalaya |
| Paradiesvogel | Balz |
| Adeliepinguin | Antarktis |
| Zeitlupe | Jagdbewegung |
| Zeitraffer | Langzeitprozess |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Eisbärenfamilie | Arktis |
| Karibuherde | Tundra |
| Elefantenherde | Kalahari |
| Buckelwalmutter | Ozean |
| Adeliepinguin | Antarktis |
Kreuzworträtsel
| Arktis | In welcher Polarregion beginnt die Filmreise? |
| Kalahari | Welche trockene Region prägt die Elefantengeschichte? |
| Okavango | Welches Binnendelta wird für viele Tiere zum Wasserziel? |
| Himalaya | Welches Hochgebirge überqueren Jungfernkraniche? |
| Krill | Welche Kleintiere sind wichtige Nahrung für viele Bartenwale? |
| Tukur | Wie lautet der Nachname des deutschen Sprechers? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Filmprotokoll: Wähle drei Szenen aus und notiere jeweils Lebensraum, Tierart, sichtbare Herausforderung und ein filmisches Mittel.
- Lebensraumkarte: Markiere Arktis, Taiga, Himalaya, Kalahari, Okavango und Antarktis auf einer Weltkarte und verbinde sie mit passenden Filmszenen.
- Artenporträt: Gestalte eine informative Seite zu Eisbär, Savannenelefant oder Buckelwal mit Lebensraum, Nahrung, Fortpflanzung und Gefährdungen.
- Geräuschanalyse: Beschreibe bei einer Szene getrennt die Wirkung von Naturgeräusch, Off-Kommentar und Musik.
Standard
- Storyboard: Zeichne sechs Einstellungen einer Filmszene als Storyboard und erkläre, wie Einstellungsgröße und Perspektive die Wirkung verändern.
- Nahrungsnetz: Entwickle aus einer Filmregion ein Nahrungsnetz mit mindestens sechs Organismen und kennzeichne Produzenten, Konsumenten und mögliche Wechselwirkungen.
- Quellenvergleich: Wähle eine Klima- oder Artenschutzaussage aus dem Film und vergleiche sie mit zwei aktuellen, seriösen Quellen.
- Interview: Befrage eine Person aus Biologie, Naturschutz, Forstwirtschaft, Landwirtschaft oder Umweltbildung dazu, wie Tierwanderungen und Lebensräume geschützt werden können.
Schwer
- Dokumentarfilm-Essay: Untersuche in einem argumentativen Essay, ob die starke Emotionalisierung des Films wissenschaftliche Bildung unterstützt oder erschwert.
- Klimakommunikation: Vergleiche den Film mit einem aktuellen Klima- oder Naturschutzvideo und analysiere Zielgruppe, Bildsprache, Appell und wissenschaftliche Begründung.
- Feldforschung: Plane eine kleine Untersuchung in Deiner Umgebung zu saisonalen Veränderungen bei Pflanzen oder Tieren, erhebe Daten über mehrere Beobachtungstermine und werte sie aus.
- Eigener Kurzfilm: Produziere einen drei- bis fünfminütigen Naturkurzfilm mit eigener Dramaturgie, selbst aufgenommenem Material und einem transparent gekennzeichneten Faktencheck.


Lernkontrolle
- Systemisches Denken: Erkläre an einer selbst gewählten Filmszene eine Wirkungskette von Sonnenenergie über Wasser oder Nahrung bis zum Verhalten eines Tieres und nenne mindestens eine mögliche Rückkopplung.
- Vergleich von Lebensräumen: Vergleiche Arktis und Kalahari hinsichtlich der jeweils knappen Ressource und leite daraus ab, warum Eisbär und Elefant sehr unterschiedliche Überlebensstrategien benötigen.
- Filmanalyse: Wähle eine dramatische Szene und erkläre, wie Kamera, Schnitt, Musik und Kommentar gemeinsam eine bestimmte Interpretation erzeugen. Beschreibe anschließend, wie dieselben Bilder mit anderer Musik oder anderem Kommentar wirken könnten.
- Quellenkritik: Formuliere ein Verfahren, mit dem Du eine konkrete Zukunftsaussage aus einem älteren Naturfilm auf Aktualität prüfst. Begründe, warum Veröffentlichungsdatum, Autorenschaft, Datenbasis und wissenschaftlicher Konsens wichtig sind.
- Naturschutzkonzept: Entwickle für eine wandernde Tierart ein Schutzkonzept, das mehrere Lebensräume oder Wanderkorridore berücksichtigt. Diskutiere mindestens zwei Zielkonflikte mit menschlicher Nutzung.
- Medienethik: Beurteile, ob ein Naturfilm Tiere stark vermenschlichen darf, wenn dadurch mehr Menschen für Artenschutz erreicht werden. Nutze mindestens zwei Kriterien und beziehe eine konkrete Filmszene ein.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu Unsere Erde ist wichtig, dass Du Zusammenhänge erklären und nicht nur einzelne Tiernamen wiedergeben kannst.
- Ökologische Zusammenhänge: Du kannst Jahreszeiten, Wasserverfügbarkeit, Nahrung, Migration und Lebensraum miteinander verknüpfen.
- Lebensräume: Du kannst zentrale Filmregionen räumlich einordnen und typische Herausforderungen für ausgewählte Arten erklären.
- Filmanalyse: Du kannst Kamera, Schnitt, Musik, Zeitlupe, Zeitraffer und Off-Kommentar an Beispielen untersuchen.
- Quellenkritik: Du kannst zwischen Filmszene, Interpretation und überprüfbarer wissenschaftlicher Aussage unterscheiden.
- Klimawandel: Du kannst erklären, warum ältere Zukunftsprognosen mit aktuellen wissenschaftlichen Quellen abgeglichen werden müssen.
- Transfer: Du kannst aus Filmbeispielen begründete Ideen für Artenschutz, Lebensraumschutz und nachhaltiges Handeln entwickeln.
- Eigene Darstellung: Du kannst Ergebnisse verständlich, quellenbewusst und mediengerecht in Text, Grafik, Präsentation oder Film darstellen.
Quellen und weiterführende Informationen
- filmportal.de: Unsere Erde – Filmdaten, Inhalt, Credits und Produktionsangaben.
- Wikipedia: Unsere Erde – Der Film – Überblick zu Handlung, Produktion, Rezeption und Fortsetzung.
- Filme für die Erde: Unsere Erde – Filmbeschreibung, Bildungsbezug und weiterführende Materialien.
- NOAA Fisheries: Humpback Whale – aktuelle Informationen zu Biologie, Gefährdungen und Schutz von Buckelwalen.
- IUCN Red List – internationale Gefährdungseinstufungen von Tier- und Pflanzenarten.
- Wikimedia Commons – freie Medien; Lizenzangaben befinden sich jeweils auf den Dateibeschreibungsseiten.
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