Zum Inhalt springen

The Rolling Stones - Sympathy for the Devil

Aus MOOCsWiki Staging
aiMOOC-Siegel

The Rolling Stones - Sympathy for the Devil




The Rolling Stones – Sympathy for the Devil


Einleitung

Sympathy for the Devil ist ein 1968 veröffentlichtes Lied der britischen Rockband The Rolling Stones und eröffnet das Album Beggars Banquet. Das Stück wurde von Mick Jagger und Keith Richards geschrieben beziehungsweise unter der gemeinsamen Autorenangabe Jagger/Richards veröffentlicht und von Jimmy Miller produziert. Seine besondere Wirkung entsteht aus dem Zusammenprall mehrerer Ebenen: Ein tänzerischer, von Samba und afro-lateinamerikanischer Percussion beeinflusster Rock-Groove trifft auf einen Ich-Erzähler, der sich zunehmend als Teufelsfigur erkennen lässt und Gewaltereignisse der Weltgeschichte aus provokant selbstbewusster Perspektive kommentiert.

Dieser aiMOOC untersucht den Song als musikalisches, literarisches und historisches Dokument. Du analysierst den Latin-Rock-Groove, die Rolle von Percussion, Klavier, Bass, Schlagzeug und Gitarre, die Konstruktion des Ich-Erzählers, historische Anspielungen sowie die Frage, wie Perspektivgestaltung Zuhörende moralisch herausfordert. Gleichzeitig lernst Du, zwischen künstlerischer Verdichtung und historisch überprüfbaren Fakten zu unterscheiden.

Aus Gründen des Urheberrechts werden hier keine vollständigen Songtexte und keine vollständige Partitur wiedergegeben. Es erscheinen lediglich sehr kurze Textzitate zur Analyse. Alle Notenbeispiele der Extension:Score sind neu erstellte Analysemodelle und keine Transkription der geschützten Originalmelodie oder Originalpartitur.

Das eingebettete Video ist das offizielle Lyric-Video des Rechteinhabers beziehungsweise seines offiziellen Kanals. Der aiMOOC selbst vervielfältigt den vollständigen Liedtext nicht.


Lernziele

Nach der Bearbeitung dieses aiMOOCs kannst Du die musikalische Entwicklung des Stücks beschreiben, die Funktion von Percussion und Groove erklären, die Perspektive des Ich-Erzählers analysieren, historische Anspielungen überprüfen, poetische Verdichtung von historischer Darstellung unterscheiden und eigene kurze musikalische Modelle mit Extension:Score erstellen.


Entstehung und Veröffentlichung

Die Aufnahmen zu Sympathy for the Devil entstanden im Juni 1968 in den Olympic Studios in London. Dokumentiert sind Sessions am 4. und 5. Juni sowie weitere Arbeiten und Overdubs in den folgenden Tagen. Der Aufnahmeprozess fiel damit in eine politisch und gesellschaftlich stark aufgeladene Zeit. Nur wenige Tage nach Beginn der Sessions starb der US-Senator Robert F. Kennedy an den Folgen eines Attentats. Eine Textstelle, die zunächst nur auf John F. Kennedy verwiesen hatte, wurde deshalb auf die Mehrzahl der „Kennedys“ erweitert.

Der Song war zunächst wesentlich stärker als Folk- beziehungsweise Balladenstück gedacht. In Interviews und späteren Rückblicken wurde beschrieben, wie die Band während der Studioarbeit Tempo, Percussion und Charakter veränderte, bis ein deutlich perkussiver, samba-inspirierter Groove entstand. Jean-Luc Godard filmte Teile dieses Entwicklungsprozesses für seinen 1968 entstandenen Film One Plus One, der später auch unter dem Titel Sympathy for the Devil verbreitet wurde.

Der offizielle Trailer zur restaurierten Godard-Fassung zeigt die Band bei der Studioarbeit und macht sichtbar, dass ein Rocksong nicht zwingend als fertiges Werk ins Studio gebracht wird, sondern durch wiederholtes Ausprobieren von Tempo, Klangfarbe, Besetzung und Arrangement entstehen kann.


Besetzung der Aufnahme

Die offiziellen ABKCO-Credits nennen Mick Jagger als Leadsänger, Keith Richards an Leadgitarre und Bass, Charlie Watts am Schlagzeug, Bill Wyman an den Maracas, Nicky Hopkins am Klavier und Rocky Dijon an den Congas. Hinzu kommen Gruppen- beziehungsweise Hintergrundstimmen. Gerade diese Besetzung erklärt, warum das Stück weniger durch ein dauerhaft dominierendes Gitarrenriff als durch das Zusammenwirken von Rhythmusgruppe, Percussion, Klavier und Stimme geprägt wird.

Musiker bzw. Klangquelle Funktion im Arrangement
Mick Jagger Leadgesang, Rollenverkörperung des Ich-Erzählers
Keith Richards Leadgitarre und Bass
Charlie Watts Schlagzeug und rockbezogene Pulsorganisation
Bill Wyman Maracas und kontinuierliche rhythmische Textur
Nicky Hopkins Klavier, Akkordimpulse und rhythmische Verdichtung
Rocky Dijon Congas und prägende Percussion-Schicht


Der Latin-Rock-Groove

Der Groove des Stücks wird häufig als Samba oder Samba-Rock bezeichnet. Für eine genaue Analyse ist es sinnvoll, vorsichtig zu formulieren: Es handelt sich nicht um die einfache Übernahme eines traditionellen brasilianischen Samba-Arrangements, sondern um eine rockmusikalische Verarbeitung samba- und afro-lateinamerikanisch geprägter Percussion-Ideen. Congas, Maracas, Schlagzeug, Bass und Klavier greifen ineinander und bilden ein dichtes rhythmisches Netz.

Die Maracas liefern eine kontinuierliche, feinkörnige Pulsfläche. Die Congas setzen Akzente zwischen und um die Hauptschläge. Das Schlagzeug stabilisiert den größeren metrischen Rahmen. Der Bass sorgt für Bewegung und Verbindung zwischen Harmonie und Rhythmus. Das Klavier von Nicky Hopkins setzt relativ knappe Akkordimpulse, wodurch Raum für Stimme und Percussion bleibt.

Das freie Commons-Hörbeispiel zeigt nur den Klang von Maracas und stammt nicht aus der Rolling-Stones-Aufnahme. Nutze es, um das Geräuschhafte, kontinuierliche Schütteln und die Funktion eines solchen Instruments im Gesamtgroove bewusst wahrzunehmen.


Höranalyse: Schichten statt Einzelriff

Beim Hören kannst Du zunächst nur auf die Percussion achten. Im zweiten Durchgang konzentrierst Du Dich auf Bass und Schlagzeug. Erst danach hörst Du auf Klavier, Stimme und Gitarre. So wird deutlich, dass der Groove aus mehreren relativ einfachen Schichten entsteht. Diese Schichten sind einzeln überschaubar, ergeben gemeinsam aber eine starke Vorwärtsbewegung.

Charakteristisch ist außerdem die allmähliche Verdichtung. Der Song wirkt nicht wie eine Folge scharf voneinander getrennter Formteile, sondern wie ein Prozess: Stimmen, Zurufe, Klavier, Gitarrenakzente und die Intensität des Gesangs werden zunehmend stärker in das rhythmische Geflecht eingebunden.


Score-Analysebeispiel 1: selbst erfundene Percussion-Idee

Das folgende Beispiel ist keine Transkription des Songs. Die Tonhöhe ist bedeutungslos; sie dient nur dazu, einen selbst erfundenen synkopierten 4/4-Rhythmus sichtbar und hörbar zu machen.


\relative c' {
  \time 4/4
  \tempo 4 = 112
  c8. c16 r8 c8 c8 c16 c r8 c8 |
  c8 c16 c r8 c8 c8. c16 c8 r8
}

Beobachte, wie Pausen und kurze Notenwerte den gleichmäßigen Grundpuls beleben. Genau dieses Prinzip ist für viele Latin-Rock-Arrangements wichtiger als ein kompliziertes melodisches Motiv.


Score-Analysebeispiel 2: selbst erfundene Schichtung

Auch dieses Beispiel ist vollständig neu erstellt. Zwei Ebenen antworten einander, damit Du das Prinzip von Call and Response beziehungsweise von sich ergänzenden rhythmischen Stimmen nachvollziehen kannst.


<<
  \new Staff \relative c'' {
    \time 4/4
    g4 r4 g8 g r4 |
    a4 g e2
  }
  \new Staff \relative c' {
    \time 4/4
    r2 c4 c |
    r2 d4 d
  }
>>

In Sympathy for the Devil entsteht eine ähnliche dialogische Wirkung zwischen Leadstimme und Gruppenrufen. Entscheidend ist nicht, dass beide Ebenen dasselbe spielen, sondern dass sie rhythmisch und klanglich aufeinander reagieren.


Harmonik und rocktypische Farbigkeit

Das tonale Zentrum der Originalaufnahme wird gewöhnlich um E beschrieben. Besonders auffällig ist die Verwendung einer abgesenkten siebten Stufe als Durakkord, die dem Klang eine mixolydische beziehungsweise rocktypische Färbung geben kann. Für das Lernen genügt zunächst die Funktionsidee I – ♭VII – IV – V. Akkordschleifen dieser Art erzeugen weniger die klassische Zielspannung einer streng funktionalen Kadenz als vielmehr einen kreisenden, offenen Rock-Charakter.


Score-Analysebeispiel 3: transponiertes Funktionsmodell

Das folgende Akkordmodell steht bewusst in C und ist selbst erstellt. Es zeigt nur die abstrakte Funktionsfolge I – ♭VII – IV – V und reproduziert weder Originalrhythmus noch Originalvoicings.


\relative c' {
  \time 4/4
  <c e g>1 |
  <bes d f>1 |
  <f a c>1 |
  <g b d>1
}

Höre darauf, wie der Durakkord auf der abgesenkten siebten Stufe die klassische Durtonleiter verlässt. Diese Klangfarbe ist in Blues, Rock und modalen Rockstilen häufig.


Stimme, Arrangement und Steigerung

Jagger beginnt vergleichsweise kontrolliert und erzählerisch. Die Stimme wirkt zunächst beinahe höflich, wodurch der Gegensatz zwischen Tonfall und Inhalt besonders stark hervortritt. Im Verlauf des Songs werden Artikulation, Lautstärke, Ausrufe und Gruppenstimmen intensiver. Dadurch verwandelt sich ein erzählender Monolog zunehmend in eine kollektive, beinahe ritualisierte Performance.

Die wiederkehrenden Vokalrufe funktionieren wie ein zusätzliches Percussion-Instrument. Sie tragen nicht primär neue Informationen, sondern verstärken Puls, Wiederholung und Gruppenwirkung. Gleichzeitig verschiebt sich die Wahrnehmung: Was am Anfang nach einer einzelnen Figur klingt, wird immer stärker von einer Gemeinschaft beantwortet.

Das Foto einer späteren Live-Inszenierung zeigt, dass der Song über Jahrzehnte hinweg auch visuell dramatisiert wurde. Für Deine Analyse ist wichtig, zwischen der Aufnahme von 1968 und späteren Bühnendarstellungen zu unterscheiden.


Der Ich-Erzähler als Teufelsfigur

Die erste Person ist das zentrale literarische Verfahren des Liedes. Der Erzähler spricht das Publikum direkt an, beschreibt sich als weltgewandt und behauptet, bei verschiedenen Gewaltereignissen der Geschichte anwesend gewesen zu sein. Seine Identität wird nicht sofort vollständig erklärt, sondern schrittweise aufgebaut.

Ein sehr kurzes Originalzitat lautet: „Please allow me to introduce myself“. Sinngemäß eröffnet der Sprecher damit eine höfliche Selbstvorstellung. Gerade diese Höflichkeit steht in scharfem Kontrast zu den nachfolgenden Bildern von Verrat, Krieg und Mord.

Später wird die Verantwortung rhetorisch ausgeweitet. Das extrem kurze Fragment „you and me“ lässt sich sinngemäß als Hinweis verstehen, dass Gewalt nicht bequem an eine dämonische Außenfigur delegiert werden kann. Eine mögliche Deutung lautet deshalb: Die Teufelsfigur dient weniger dazu, einen übernatürlichen Täter zu feiern, als dazu, menschliche Beteiligung, Faszination an Gewalt und moralische Selbstentlastung zu problematisieren.


Provokative Perspektivgestaltung

Die Perspektive ist provokativ, weil der Song nicht aus der Sicht eines Opfers oder neutralen Chronisten erzählt. Stattdessen erhält eine moralisch extrem belastete Figur sprachliche Kontrolle. Das erzeugt Distanz und Nähe zugleich: Du sollst dem Sprecher nicht einfach glauben, musst Dich aber mit seiner Sichtweise auseinandersetzen.

Drei Verfahren sind besonders wichtig: Erstens verwendet der Erzähler höfliche Umgangsformen und gesellschaftliche Eleganz. Zweitens montiert er historisch weit auseinanderliegende Ereignisse zu einer scheinbar durchgehenden Biografie. Drittens spricht er das Publikum direkt an. Dadurch wird Geschichte nicht als abgeschlossene Vergangenheit präsentiert, sondern als Frage nach wiederkehrender menschlicher Gewalt.


Literarische Anregungen

Als wichtige Anregung wird häufig Michail Bulgakows Roman Der Meister und Margarita genannt. In diesem Werk erscheint der Teufel in Moskau nicht nur als abstraktes Symbol des Bösen, sondern als handelnde, kultivierte und zugleich bedrohliche Figur. Diese Verbindung passt auffällig zur weltgewandten Selbstdarstellung des Sprechers im Song.

Jagger erwähnte später außerdem Einflüsse aus französischer Literatur und brachte dabei Charles Baudelaire ins Spiel, formulierte diese Erinnerung jedoch weniger eindeutig. Für eine sorgfältige Quellenarbeit solltest Du deshalb zwischen gut dokumentierter Entstehungsgeschichte und späteren, teilweise unsicheren Erinnerungen unterscheiden.


Historische Anspielungen

Der Liedtext ist keine Geschichtsdarstellung. Er arbeitet mit Verdichtung, Sprüngen, erfundenen Ich-Behauptungen und symbolischen Verknüpfungen. Historische Anspielungen müssen deshalb jeweils überprüft werden.


Pontius Pilatus und die Passion Jesu

Der Erzähler verbindet sich mit der Verurteilung und Passion Jesu und erwähnt Pontius Pilatus. Historisch und theologisch existieren dazu unterschiedliche Überlieferungen und Deutungen. Für den Song ist vor allem die symbolische Funktion wichtig: Der Erzähler stellt sich als Begleiter eines grundlegenden Verrats- und Schuldmotivs der europäischen Kulturgeschichte dar.


Russische Revolution und Zarenfamilie

Der Song verbindet St. Petersburg, politische Revolution und die Ermordung des Zaren. Historisch ist diese Montage stark verdichtet. Die Stadt hieß seit 1914 Petrograd, als 1917 die Revolutionen stattfanden. Zar Nikolaus II. dankte 1917 ab. Er und seine Familie wurden im Juli 1918 in Jekaterinburg ermordet. Die poetische Darstellung verschiebt also Orte, Zeitpunkte und Verantwortungszusammenhänge zu einem dramatischen Bild.

Genau diese Abweichung ist für Medienkompetenz wichtig: Eine künstlerische Anspielung kann historisch erkennbar sein, ohne eine zuverlässige Quelle für das Ereignis selbst zu sein.


Krieg und „Blitzkrieg“

Datei:Bundesarchiv Bild 101I-382-0248-33A, Im Westen, deutsche Panzer.jpg

Eine weitere Passage versetzt den Sprecher in die Rolle eines militärischen Akteurs des Zweiten Weltkriegs. Der Begriff Blitzkrieg wird mit Panzern, schneller Bewegung und massiver Gewalt verbunden. Historisch bezeichnet „Blitzkrieg“ keine einzelne klar abgegrenzte Doktrin, sondern ist eine nachträglich stark verbreitete Bezeichnung für besonders schnelle deutsche Operationsweisen in den frühen Kriegsjahren. Im Lied fungiert das Wort vor allem als komprimiertes Symbol moderner industrialisierter Kriegsgewalt.


Könige, Königinnen und religiöse Kriege

Eine Passage über jahrzehntelange beziehungsweise jahrhundertelange Kämpfe von Herrschern „für ihre Götter“ wird häufig mit dem Hundertjährigen Krieg oder allgemeiner mit europäischen Religions- und Machtkriegen verbunden. Die Zuordnung ist jedoch nicht eindeutig. Für eine saubere Analyse solltest Du daher nicht behaupten, der Song benenne hier zweifelsfrei genau einen bestimmten Krieg.


Die Kennedy-Anspielung

Die Aufnahmephase überschnitt sich mit der Ermordung Robert F. Kennedys im Juni 1968. Dokumentierte Fassungen zeigen, dass eine ursprünglich auf John F. Kennedy bezogene Singularform zur Mehrzahl verändert wurde. Diese Veränderung macht besonders deutlich, wie unmittelbar aktuelle Geschichte in den Entstehungsprozess des Songs einging.

Die Passage endet nicht mit einer eindeutigen Täteraussage des historischen Geschehens, sondern weitet die moralische Frage auf menschliche Verantwortung aus. Deshalb darf sie nicht als faktische Behauptung über die realen Attentate gelesen werden.


1968 als Kontext

Das Jahr 1968 war von Protestbewegungen, dem Vietnamkrieg, politischen Attentaten, gesellschaftlicher Polarisierung und kulturellen Umbrüchen geprägt. Sympathy for the Devil entstand genau in dieser Atmosphäre. Der Song erklärt diese Ereignisse nicht politikwissenschaftlich, sondern bündelt ältere und aktuelle Gewaltbilder zu einer theatralischen Geschichtserzählung.

Godards Film macht den Zusammenhang von Musikproduktion und Zeitgeschichte besonders sichtbar: Die Studiobeobachtungen der Rolling Stones werden mit politischen und gesellschaftlichen Szenen montiert. Damit wird der kreative Prozess selbst Teil einer größeren Debatte über Kunst und Politik.


Musikalische Form und Dramaturgie

Die Dramaturgie beruht weniger auf vielen kontrastierenden Formteilen als auf Wiederholung und Intensivierung. Der Grundgroove bleibt lange erkennbar. Darüber verändern sich Text, Stimmenergie, Gruppenrufe, Gitarrenaktivität und Klangdichte. Dadurch entsteht ein Prozesscharakter: Die Musik scheint sich immer weiter aufzuladen.

Die Leadgitarre von Keith Richards wirkt vor diesem Hintergrund besonders auffällig, weil sie nicht von Beginn an permanent im Vordergrund steht. Ihr Eintritt und ihre Zuspitzung werden durch die bereits etablierte Percussion- und Klavierstruktur vorbereitet.


Hörplan für eine genaue Analyse

Hördurchgang Beobachtungsauftrag
Erster Durchgang Nur Gesamtwirkung und Spannungsverlauf beschreiben
Zweiter Durchgang Maracas, Congas und Schlagzeug getrennt verfolgen
Dritter Durchgang Bass und Klavier als Verbindung von Rhythmus und Harmonie untersuchen
Vierter Durchgang Entwicklung von Sprechhaltung, Gesang und Gruppenrufen beobachten
Fünfter Durchgang Historische Anspielungen notieren und anschließend mit Sachquellen prüfen

Nutze die offizielle Audioveröffentlichung für die Höranalyse. Stoppe nach kurzen Abschnitten und beschreibe jeweils nur das, was Du tatsächlich hörst, bevor Du Interpretationen formulierst.


Urheberrecht und verantwortlicher Medieneinsatz

Songtext und Komposition sind urheberrechtlich geschützt. Deshalb enthält dieser aiMOOC keine vollständigen Lyrics, keine vollständige Übersetzung und keine vollständige Partitur. Kurze Zitate dienen ausschließlich der konkreten Analyse. Die sinngemäße Inhaltserschließung paraphrasiert den Text, ohne ihn zeilenweise zu ersetzen.

Die Score-Beispiele wurden neu geschaffen. Sie erklären rhythmische Schichtung, Call and Response und harmonische Funktionen, ohne die geschützte Originalmelodie oder eine vollständige instrumentale Stimme zu reproduzieren.

Die eingebundenen Fotos und das Maracas-Audio stammen von Wikimedia Commons. Die jeweiligen Dateiseiten nennen Urheber, Lizenz beziehungsweise Public-Domain-Status. Die YouTube-Videos stammen aus offiziellen Kanälen und werden als externe Streams eingebettet, nicht auf moocwiki vervielfältigt.


Besonderheiten des Songs

  1. Groove: Rockband und samba-inspirierte Percussion werden zu einer dauerhaft kreisenden Rhythmusstruktur verbunden.
  2. Erzählperspektive: Ein dämonischer Ich-Erzähler spricht höflich und selbstbewusst über menschliche Gewalt.
  3. Historische Montage: Biblische, frühneuzeitliche, revolutionäre und moderne Ereignisse werden zu einer künstlichen Biografie verdichtet.
  4. Dynamische Steigerung: Das Arrangement wächst durch Stimmen, Instrumente und Intensität, obwohl das harmonische Grundmaterial vergleichsweise stabil bleibt.
  5. Mediengeschichte: Godards Film dokumentiert ungewöhnlich direkt den Entstehungsprozess eines bekannten Rockstücks.
  6. Medienkompetenz: Der Song fordert dazu auf, künstlerische Darstellung, historische Fakten und moralische Interpretation auseinanderzuhalten.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Auf welchem Album erschien Sympathy for the Devil 1968? (Beggars Banquet) (!Let It Bleed) (!Sticky Fingers) (!Aftermath)




Welches Instrument spielte Rocky Dijon bei der Aufnahme? (Congas) (!Violine) (!Saxofon) (!Orgel)




Welche musikalische Entwicklung wird für den Song beschrieben? (Von einer folkartigen Idee zu einem samba-inspirierten Rock-Groove) (!Von einem Walzer zu einem Streichquartett) (!Von Reggae zu Oper) (!Von Techno zu Blues)




Welche Erzählperspektive prägt den Liedtext? (Ein Ich-Erzähler in der Rolle des Teufels) (!Ein neutraler Nachrichtensprecher) (!Eine allwissende Erzählerin ohne Figurenrolle) (!Ein Historiker in Fußnotenform)




Warum ist die historische Passage zur russischen Revolution keine zuverlässige Geschichtsquelle? (Sie verdichtet verschiedene Orte Zeiten und Ereignisse poetisch) (!Sie enthält ausschließlich Tabellen) (!Sie wurde erst im einundzwanzigsten Jahrhundert geschrieben) (!Sie besteht nur aus Instrumentalmusik)




Welcher Regisseur dokumentierte die Studioarbeit am Song? (Jean-Luc Godard) (!Alfred Hitchcock) (!Stanley Kubrick) (!Steven Spielberg)




Welche Funktion haben Maracas im Groove besonders deutlich? (Sie erzeugen eine kontinuierliche rhythmische Textur) (!Sie spielen die vollständige Gesangsmelodie) (!Sie ersetzen den Bass harmonisch) (!Sie bestimmen allein die Tonart)




Was zeigt die Änderung von Kennedy zur Mehrzahl Kennedys besonders deutlich? (Aktuelle Ereignisse wirkten während der Aufnahme auf den Text ein) (!Der Song wurde im neunzehnten Jahrhundert geschrieben) (!Die Band kannte keine historischen Namen) (!Die Aufnahme entstand vollständig ohne Textänderungen)




Warum sind die Score-Beispiele in diesem aiMOOC rechtlich unproblematischer als eine vollständige Transkription? (Sie sind kurze selbst erstellte Analysemodelle) (!Sie geben die komplette Originalpartitur wieder) (!Sie kopieren alle Gesangsstimmen) (!Sie enthalten den vollständigen Liedtext)




Welche Aussage beschreibt die Dramaturgie des Arrangements am besten? (Der Grundgroove bleibt erkennbar während Klangdichte und Intensität wachsen) (!Jeder Takt wechselt in ein anderes Genre) (!Die Percussion verschwindet nach wenigen Sekunden vollständig) (!Der Song besteht ausschließlich aus einem Gitarrensolo)





Memory

Maracas kontinuierliche Schütteltextur
Congas handgespielte Percussion
Nicky Hopkins Klavier
Rocky Dijon Congas
Jean-Luc Godard Studiobeobachtung im Film
Michail Bulgakow literarische Anregung
Ich-Erzähler provokative Teufelsfigur
Beggars Banquet Album von 1968





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Latin-Rock-Groove Verbindung von Rockpuls und samba-inspirierter Percussion
Historische Montage poetische Verknüpfung zeitlich weit auseinanderliegender Ereignisse
Ich-Erzähler Figur spricht in der ersten Person und lenkt die Perspektive
Maracas erzeugen eine feine kontinuierliche Pulsstruktur
Score-Modell selbst geschaffenes Beispiel zur Analyse ohne Originalpartitur






Kreuzworträtsel

Bulgakow Welcher Schriftsteller gilt als wichtige literarische Anregung?
Maracas Welches Schüttelinstrument prägt die rhythmische Textur?
Percussion Wie heißt die Instrumentengruppe aus Schlag und Schüttelinstrumenten?
Olympic Wie hieß das Londoner Studio im Namen?
Godard Welcher Regisseur dokumentierte die Studioarbeit?
Blitzkrieg Welcher Begriff aus dem Zweiten Weltkrieg wird historisch angespielt?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Sympathy for the Devil erschien 1968 auf dem Album

. Der Song entwickelte sich im Studio von einer eher folkartigen Idee zu einem

Rock-Groove. Einen wichtigen Teil der Klangfarbe erzeugen Congas und

. Der Text wird aus der Perspektive eines

gestaltet. Eine wichtige literarische Anregung war Michail Bulgakows Roman

. Jean-Luc

dokumentierte Teile der Studioarbeit filmisch. Historische Anspielungen müssen von künstlerischer Verdichtung unterschieden werden, weil der Song keine

im wissenschaftlichen Sinn ist. Die Score-Beispiele dieses aiMOOCs sind bewusst

und geben keine vollständige Originalpartitur wieder.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Groove-Tagebuch: Höre den Song einmal vollständig und notiere in fünf kurzen Sätzen, wie sich die Klangdichte vom Anfang bis zum Ende verändert.
  2. Percussion erkennen: Vergleiche das freie Maracas-Hörbeispiel mit der offiziellen Aufnahme und beschreibe, welche zusätzliche Wirkung durch Congas und Schlagzeug entsteht.
  3. Perspektive umschreiben: Fasse eine historische Anspielung in drei neutralen Nachrichtensätzen zusammen und vergleiche die Wirkung mit der Ich-Perspektive des Songs.
  4. Bildanalyse: Wähle eines der Commons-Bilder dieses aiMOOCs und erkläre, welche Information es vermittelt und welche Information es gerade nicht belegt.


Standard

  1. Historischer Faktencheck: Recherchiere eine historische Anspielung des Songs in mindestens zwei seriösen Quellen und stelle künstlerische Verdichtung und überprüfbare Fakten gegenüber.
  2. Groove-Werkstatt: Entwickle mit Körperpercussion oder Instrumenten einen eigenen viertaktigen Latin-Rock-Groove mit mindestens drei rhythmischen Schichten und nimm ihn auf.
  3. Erzähleranalyse: Untersuche, wie Höflichkeit, direkte Ansprache und Selbstinszenierung die Wirkung des Teufels-Erzählers verändern. Belege Deine Aussagen ohne längere Lyrics-Zitate.
  4. Score-Experiment: Erstelle mit Extension:Score ein eigenes zweitaktiges Rhythmusbeispiel, das Synkopen enthält, und erkläre schriftlich Deine Entscheidungen.


Schwer

  1. 1968 im Vergleich: Erstelle eine Zeitleiste mit Ereignissen aus Politik, Gesellschaft, Literatur, Film und Musik des Jahres 1968 und ordne den Song in diesen Kontext ein.
  2. Quellenkritik Musikgeschichte: Vergleiche Aussagen aus einem offiziellen Labeltext, einem Lexikonartikel und einem journalistischen Beitrag zur Entstehung des Songs. Bewerte Unterschiede in Perspektive und Beleglage.
  3. Arrangement-Projekt: Komponiere ein eigenes Stück, das aus einem stabilen Groove heraus durch Schichtung immer dichter wird, ohne Melodie oder Text von Sympathy for the Devil zu übernehmen.
  4. Medienessay: Produziere einen kurzen Audio- oder Videoessay darüber, wie populäre Musik historische Gewalt darstellen kann, ohne selbst eine historische Quelle zu sein.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Transfer Groove: Erkläre an einem selbst gewählten anderen Rocksong, wie mehrere einfache rhythmische Schichten gemeinsam einen komplexen Groove erzeugen können.
  2. Perspektivwechsel: Zeige, wie sich die moralische Wirkung einer Erzählung verändert, wenn dieselbe Handlung aus Täter-, Opfer- und Beobachterperspektive erzählt wird.
  3. Historische Genauigkeit: Wähle eine Anspielung aus Sympathy for the Devil und erkläre, warum künstlerische Verdichtung legitim sein kann, aber nicht mit historischer Faktentreue verwechselt werden darf.
  4. Arrangementanalyse: Begründe, weshalb ein weitgehend stabiler harmonischer Loop trotzdem eine starke dramatische Steigerung ermöglichen kann.
  5. Urheberrechtstransfer: Entwickle Regeln für eine eigene schulische Songanalyse, die aussagekräftig bleibt, ohne vollständige Lyrics oder geschützte Partituren zu kopieren.
  6. Quellenbewertung: Ordne drei selbst gefundene Quellen nach Primärnähe, überprüfbarer Beleglage und möglichem Eigeninteresse und begründe Deine Entscheidung.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis solltest Du zeigen, dass Du musikalische und inhaltliche Analyse miteinander verbinden kannst. Wichtig sind eine nachvollziehbare Beschreibung des Latin-Rock-Grooves, die Funktion von Percussion, Bass, Klavier und Gitarre, die Analyse des Ich-Erzählers, mindestens zwei historisch überprüfte Anspielungen, die Unterscheidung zwischen dichterischer Verdichtung und Sachinformation sowie ein reflektierter Umgang mit Urheberrecht.

Ein besonders guter Lernnachweis enthält außerdem ein eigenes kurzes musikalisches Modell, eine saubere Quellenangabe und eine begründete Interpretation, die klar zwischen Beobachtung und Deutung unterscheidet.




Quellen und Mediennachweise

  1. ABKCO Music & Records: Angaben zu Beggars Banquet, Entstehung, Produktion und Entwicklung des Songs, 50th-Anniversary-Material.
  2. ABKCO Music & Records: Credits der Originalaufnahme mit Mick Jagger, Keith Richards, Charlie Watts, Bill Wyman, Nicky Hopkins und Rocky Dijon.
  3. Jean-Luc Godard: One Plus One / Sympathy for the Devil, 1968; Studioaufnahmen als filmisches Dokument des Entstehungsprozesses.
  4. Wikipedia: Artikel Sympathy for the Devil (Lied), Überblick zu Aufnahme, Text, historischen Anspielungen und Rezeption.
  5. Wikimedia Commons: Rolling Stones in Beverly Hills, 1965.jpg, CC BY 4.0.
  6. Wikimedia Commons: Mick Jagger 1965.jpg, CC BY-SA 2.0.
  7. Wikimedia Commons: Maracas.jpg, CC BY-SA 3.0.
  8. Wikimedia Commons: Maracas.ogg, Public Domain.
  9. Wikimedia Commons: Bundesarchiv Bild 101I-382-0248-33A, Im Westen, Panzer II und Panzer I.jpg, CC BY-SA 3.0 DE.
  10. Wikimedia Commons: Rolling Stones Sympathy for the Devil stage 14 August 2019 Seattle.jpg, CC BY-SA 4.0.


OERs zum Thema

Die frei lizenzierten beziehungsweise gemeinfreien Medien dieses aiMOOCs sind über ihre jeweiligen Dateiseiten auf Wikimedia Commons mit Urheber- und Lizenzangaben nachvollziehbar.


Verknüpfte Lernbereiche


aiMOOC-Projekte

MOOCwiki · Deutsch

Nach dem Lernen ist vor dem Lernen

Entdecke direkt den nächsten Lernkurs. Weitere Inhalte erscheinen, wenn Du weiter nach unten scrollst.

Zur MOOCwiki-Hauptseite
Inhalte werden geladen ...

Mediathek wird aus dem Wiki geladen ...