Spleen IV - Baudelaire, Charles - Gedichtanalyse
Spleen IV - Baudelaire, Charles - Gedichtanalyse
Zielgruppe: Klasse 9–10 (Grundlagen) und Klasse 11–13 (Vertiefung)
Fach: Deutsch, Französisch, Literatur
Epoche: Internationale Moderne – Baudelaire als Wegbereiter der modernen Lyrik
Umfang: 20 Verse in fünf Strophen
Thema: Melancholie, Angst, Hoffnung und innere Gefangenschaft

Charles Baudelaire, fotografiert von Étienne Carjat, um 1862. Wikimedia Commons, gemeinfrei.
Einleitung
Wie fühlt es sich an, wenn die Welt immer enger wird und die Hoffnung verschwindet?
Genau dieses Gefühl beschreibt Charles Baudelaire in seinem Gedicht Spleen IV.
Spleen meint hier tiefe Schwermut, Leere und bedrückende Langeweile. Das Gedicht zeigt einen Menschen, der sich von Angst überwältigt fühlt.
Das Gedicht erschien 1857 in Les Fleurs du Mal (Die Blumen des Bösen). Die deutsche Übersetzung von Wolf von Kalckreuth erschien 1907.
Deine Lernziele: Du kannst das Gedicht lesen, wichtige Bilder erklären und eine eigene Deutung mit Verszitaten begründen.
Vorhandene Textseite: Gedicht – Spleen IV – Baudelaire, Charles
Textgrundlage: Quelle und Lesefassung
Wichtig: Es gibt verschiedene Textarten. Du solltest sie nicht verwechseln.
- Quellfassung: Der französische Originaltext von Baudelaire, hier nach der Ausgabe von 1857.
- Lesefassung: Eine übersichtlich gesetzte Textfassung mit Versnummern zum Lesen und Zitieren.
- Übersetzung: Wolf von Kalckreuth überträgt den französischen Text ins Deutsche. Seine Wortwahl stammt nicht unmittelbar von Baudelaire.
- Interpretation: Eine begründete Erklärung möglicher Bedeutungen. Sie ist kein Teil des Gedichts.
Die Versnummern wurden für diesen Lernkurs ergänzt. Sie gehören nicht zum historischen Gedichttext.
Quellfassung: Französischer Originaltext von 1857
Charles Baudelaire: Spleen (1857, LXII)
1 Quand le ciel bas et lourd pèse comme un couvercle
2 Sur l’esprit gémissant en proie aux longs ennuis,
3 Et que de l’horizon embrassant tout le cercle
4 Il nous fait un jour noir plus triste que les nuits ;
5 Quand la terre est changée en un cachot humide,
6 Où l’Espérance, comme une chauve-souris,
7 S’en va battant les murs de son aile timide,
8 Et se cognant la tête à des plafonds pourris ;
9 Quand la pluie étalant ses immenses traînées
10 D’une vaste prison imite les barreaux,
11 Et qu’un peuple muet d’horribles araignées
12 Vient tendre ses filets au fond de nos cerveaux,
13 Des cloches tout-à-coup sautent avec furie
14 Et lancent vers le ciel un affreux hurlement,
15 Ainsi que des esprits errants et sans patrie
16 Qui se mettent à geindre opiniâtrément.
17 — Et d’anciens corbillards, sans tambours ni musique,
18 Défilent lentement dans mon âme ; et, l’Espoir
19 Pleurant comme un vaincu, l’Angoisse despotique
20 Sur mon crâne incliné plante son drapeau noir.
Quelle: Französische Wikisource – geprüfte Ausgabe von 1857, S. 144–145.
Editionshinweis: Die Ausgabe von 1861 enthält kleine Änderungen. Beispielsweise lautet Vers 4 dort „Il nous verse un jour noir“ statt „Il nous fait un jour noir“. Auch der Wortlaut der letzten Strophe unterscheidet sich. Die französischen Belege dieses Kurses beziehen sich auf 1857.
Lesefassung: Deutsche Übersetzung von 1907
Charles Baudelaire: Spleen IV
Übertragung von Wolf von Kalckreuth (1907)
1 Wann wie ein Deckel sich der Himmel tief gesenkt hat
2 Auf unsern Geist, den bang die Leere seufzen macht,
3 Wann er den Horizont umschattet und umschränkt hat
4 Und schwarzen Tag ergießt, der trüber als die Nacht;
5 Wann wie ein feucht Verließ das Erdall auf uns lastet,
6 Darin die Hoffnung gleich geschreckter Fledermaus
7 Mit angstbeschwingtem Flug längs dunkler Mauer hastet
8 Und sich den Kopf stößt am Gewölb des dumpfen Baus;
9 Wann grau der Regenflut Gießfäden niederrinnen
10 Gleich eines Kerkerraums gewaltger Gitterwand,
11 Und wann ein stummes Volk von unheilvollen Spinnen
12 Im Grunde unsres Hirns verruchte Netze spannt,
13 Dann springen Glocken auf in wütendem Erbeben
14 Und senden ihr Geheul dem Himmel schrecklich zu,
15 Wie fremde Geister, die geächtet irrend schweben
16 Und quälend Klaggetön ausstöhnen ohne Ruh.
17 Und Leichenzüge, stumm, kein trauernd Grablied singend,
18 Ziehn langsam durch mein Herz; die Hoffnung siegberaubt,
19 Flieht weinend, und die Angst, entsetzlich, allbezwingend,
20 Pflanzt ihre Fahne schwarz auf mein gesenktes Haupt.
Textnachweis: TextGrid Repository – Spleen IV, deutsche Übertragung aus Blumen des Bösen, Insel-Verlag, Leipzig 1907.
Die Lesefassung übernimmt den historischen Wortlaut. Nur die Versnummern und die übersichtliche Darstellung wurden ergänzt. Es wurde keine neue Übersetzung angefertigt.
Das Gedicht hören
Französische Lesung von Antoine Motte dit Falisse. Aufnahme: Aurélien Lebourg; Produktion: Compagnie Artaban / Thalie Envolée, 2013. Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0.
Hörauftrag: Achte darauf, wie die Stimme die bedrückende Stimmung und den Höhepunkt bei den Glocken gestaltet.
Weitere französische Lesung:
La Minute de Poésie: Spleen, gelesen von Michael Mansour, 2017. Musik von Carl Aubut, Montage von Robert Chidiac.
Gedichtanalyse
Inhalt: Was passiert?
Das Gedicht zeigt, wie sich ein Gefühl von Enge und Angst steigert.
- Verse 1–4: Der Himmel wird zum schweren Deckel. Sogar der Tag wirkt dunkel.
- Verse 5–8: Die Erde erscheint als Gefängnis. Die Hoffnung findet keinen Ausweg.
- Verse 9–12: Regen wirkt wie ein Gitter. Spinnen versperren den inneren Raum.
- Verse 13–16: Glocken durchbrechen die Stille mit einem schrecklichen Klang.
- Verse 17–20: Ein Trauerzug zieht durch das Innere. Die Angst siegt über die Hoffnung.
Kernaussage als Deutung: Eine innere Krise wird durch Bilder einer bedrohlichen Außenwelt sichtbar gemacht.
Lyrisches Sprechen: Wer spricht?
Am Anfang ist von „unsern Geist“ (V. 2) die Rede. In Vers 18 erscheint „mein Herz“.
Das lyrische Sprechen wechselt also von einer gemeinsamen menschlichen Erfahrung zu einem persönlichen Gefühl.
Deutungsmöglichkeit: Die Angst betrifft zunächst scheinbar alle Menschen. Am Schluss wird das Leiden ganz persönlich.
Merke: Das lyrische Ich ist nicht automatisch mit dem Dichter als Privatperson gleichzusetzen.
Form und Aufbau
Das Gedicht hat fünf Strophen mit jeweils vier Versen. Das ergibt 20 Verse.
Die französische Fassung verwendet überwiegend das klassische Versmaß des Alexandriners und einen Kreuzreim (ABAB).
Auch die deutsche Übertragung zeigt Kreuzreime, zum Beispiel „lastet“ / „hastet“ und „Fledermaus“ / „Baus“ (V. 5–8). Das französische Versmaß lässt sich jedoch nicht einfach mit dem Rhythmus der deutschen Übersetzung gleichsetzen.
Auffällig ist die Satzfolge: „Wann“ leitet wiederholt bedrückende Zustände ein. Mit „Dann“ (V. 13) folgt der Ausbruch der Glocken.
Wirkung: Die lange Vorbereitung erzeugt Spannung. Der plötzliche Wechsel macht die Krise spürbar.
Klang: Wie klingt die Angst?
Anfangs dominieren Vorstellungen von Stille und Enge. Die Spinnen sind „stumm“ (V. 11).
In Vers 13 springen plötzlich die Glocken auf. Ihr Klang wird als „Geheul“ beschrieben (V. 14).
In der letzten Strophe erscheinen wieder stille Leichenzüge, die kein Grablied singen (V. 17).
Deutung: Der Wechsel zwischen Stille, Lärm und erneuter Stille verstärkt die bedrückende Wirkung.
Höre die Audiofassung erneut. Wo würdest Du lauter, schneller oder langsamer lesen?
Bildsprache: Die Welt als Gefängnis
Baudelaire macht unsichtbare Gefühle durch sichtbare Bilder verständlich.
| Beleg aus der deutschen Lesefassung | Sprachliches Mittel | Mögliche Wirkung |
|---|---|---|
| „wie ein Deckel“ (V. 1) | Vergleich | Der Himmel wirkt schwer und einengend. |
| „feucht Verließ“ (V. 5) | Metapher | Die Welt wird zum Gefängnis. |
| „Hoffnung gleich geschreckter Fledermaus“ (V. 6) | Vergleich und Personifikation | Die Hoffnung ist verängstigt und orientierungslos. |
| „Gitterwand“ (V. 10) | Vergleichsbild | Regen wird zu einer Grenze ohne Ausweg. |
| „Spinnen“ und „Netze“ (V. 11–12) | Bedrohliches Bild | Auch das Denken scheint gefangen. |
| „die Angst ... Pflanzt ihre Fahne“ (V. 19–20) | Personifikation und Siegesbild | Die Angst erscheint als Siegerin. |
Die genannten Bedeutungen sind Interpretationen. Die Bilder und ihre Versstellen sind dagegen direkt im Text nachprüfbar.
Bildbeispiel: Die bedrohte Hoffnung

Fledermaus im Flug. Foto: Ann Froschauer / US Fish and Wildlife Service. Wikimedia Commons, CC BY 2.0.
Denkfrage: Eine Fledermaus kann normalerweise im Dunkeln fliegen. Warum ist die Fledermaus im Gedicht trotzdem verängstigt und ohne Ausweg?
Tipp: Suche die Verse 6–8.
Bildbeispiel: Regen und Gefangenschaft
Regenaufnahme von Swantata, 2023. Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.
Beobachtung: Schau Dir die Regenlinien an. Erkläre, warum der Text den Regen mit einer Gitterwand vergleicht (V. 9–10).
Bildbeispiel: Das Spinnennetz

Spinne beim Netzbau. Foto: CrunchySkies, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0.

Animation: Ein Blatt bewegt sich in einem Spinnennetz, ohne sich zu befreien. Aufnahme: Couch-scratching-cats, Wikimedia Commons, gemeinfrei.
Übertrage das Bild: Das Spinnennetz kann für Gedanken stehen, aus denen man keinen Ausweg findet. Begründe diese Deutung mit Vers 11–12.
Der Schluss: Wer gewinnt?
Die Verse 18–20 zeigen einen Gegensatz zwischen Hoffnung und Angst.
Die Hoffnung ist „siegberaubt“ (V. 18). Die Angst wird „allbezwingend“ genannt (V. 19) und pflanzt eine schwarze Fahne auf das gesenkte Haupt (V. 20).
Eine Fahne wird häufig als Zeichen von Macht oder Sieg verwendet.
Mögliche Deutung: Die Angst übernimmt am Ende die Kontrolle. Die Hoffnung wird verdrängt.
Das ist eine literarische Darstellung von Verzweiflung. Das Gedicht erlaubt keine medizinische Diagnose über den Autor oder die sprechende Figur.
Epoche: Internationale Moderne

Historisches Titelblatt mit handschriftlichen Anmerkungen Baudelaires aus dem Jahr 1857. Quelle: Bibliothèque nationale de France / Gallica, Wikimedia Commons, gemeinfrei.
Baudelaire lebte von 1821 bis 1867. Seine Gedichte gelten als wegweisend für die moderne europäische Lyrik.
Er schreibt über Unsicherheit, Einsamkeit, Schönheit und Verzweiflung. Dabei verbindet er klassische Gedichtformen mit ungewöhnlichen, verstörenden Bildern.
Damit steht er zwischen älteren literarischen Traditionen und der späteren Moderne.
Besonders wichtig wurde sein Werk für den Symbolismus und andere Entwicklungen der internationalen modernen Dichtung.
Merke: Baudelaire ist ein Wegbereiter der internationalen Moderne. Sein Gedicht von 1857 gehört nicht einfach zu einer einheitlichen literarischen Epoche des 20. Jahrhunderts.
Drei mögliche Deutungen
Deutung A – Innere Gefangenschaft: Die Bilder „Verließ“ (V. 5) und „Gitterwand“ (V. 10) zeigen, dass sich der Mensch eingeschlossen fühlt.
Deutung B – Verlust der Hoffnung: Die verängstigte Fledermaus (V. 6–8) und die besiegte Hoffnung (V. 18) zeigen eine Entwicklung zum Scheitern.
Deutung C – Kampf der Gefühle: Hoffnung und Angst werden wie handelnde Wesen dargestellt. Am Schluss setzt sich die Angst durch (V. 18–20).
Du kannst mehrere Deutungen miteinander verbinden. Wichtig ist, dass Du sie am Text belegst.
Video: Vertiefende Gedichtanalyse
Mediaclasse.fr / Romain Boussot: Les Fleurs du Mal – Spleen IV, französische Gedichtanalyse, 2018.
Videoauftrag: Vergleiche zwei Aussagen aus dem Video mit Deiner eigenen Interpretation. Finde jeweils einen passenden Versbeleg.
Interaktive Aufgaben
Alle Versangaben im folgenden Lesequiz beziehen sich auf die oben abgedruckte deutsche Lesefassung von Wolf von Kalckreuth (1907), sofern nicht ausdrücklich anders angegeben.
Quiz: Teste Dein Wissen
Was zeigt das Bild „wie ein Deckel“ in Vers 1? (Der Himmel wirkt bedrückend und einengend) (!Der Himmel öffnet einen freien Raum) (!Die Sonne verbreitet Wärme) (!Der Himmel bietet sicheren Schutz)
Womit wird die Hoffnung in Vers 6 verglichen? (Einer verängstigten Fledermaus) (!Einem mutigen Adler) (!Einer weißen Taube) (!Einem schlafenden Löwen)
Was bedeutet das Bild „feucht Verließ“ in Vers 5? (Die Welt erscheint als Gefängnis) (!Die Welt erscheint als Garten) (!Die Welt wird als Spielplatz beschrieben) (!Die Welt bietet einen sicheren Zufluchtsort)
Was geschieht mit dem Regen in Vers 9–10? (Er wird mit einer Gitterwand verglichen) (!Er verwandelt sich in Sonnenlicht) (!Er reinigt die Gedanken vollständig) (!Er beendet die Dunkelheit)
Wo spannen die Spinnen laut Vers 11–12 ihre Netze? (Im Inneren des menschlichen Gehirns) (!Auf einer grünen Wiese) (!Über einer hellen Stadt) (!Zwischen den Sternen)
Welche Veränderung beginnt mit „Dann springen Glocken auf“ in Vers 13? (Plötzlicher Lärm durchbricht die bedrückende Stimmung) (!Die Sonne geht auf) (!Eine fröhliche Feier beginnt) (!Die Angst verschwindet sofort)
Was verändert sich zwischen „unsern Geist“ in Vers 2 und „mein Herz“ in Vers 18? (Das Sprechen wird stärker persönlich) (!Die sprechende Figur wechselt zu einer anderen Person) (!Der Text wird zu einem sachlichen Bericht) (!Das Gedicht verliert seinen Bezug zu Gefühlen)
Wie ist das Gedicht aufgebaut? (Fünf Strophen mit jeweils vier Versen) (!Vier Strophen mit jeweils fünf Versen) (!Zwei Strophen mit jeweils zehn Versen) (!Ein Sonett mit vierzehn Versen)
Was bedeutet „die Hoffnung siegberaubt“ in Vers 18? (Die Hoffnung hat den Kampf verloren) (!Die Hoffnung hat einen Sieg errungen) (!Die Hoffnung bleibt unverändert stark) (!Die Hoffnung wird mit einem Fest geehrt)
Wer erscheint im Schlussbild der Verse 19–20 als Sieger? (Die Angst) (!Die Freude) (!Die Freiheit) (!Die Hoffnung)
Memory
Ordne die Bilder ihren möglichen Bedeutungen zu.
| Deckel | Einengung |
| Fledermaus | Bedrohte Hoffnung |
| Gitterwand | Gefangenschaft |
| Glocken | Plötzlicher Lärm |
| Schwarze Fahne | Sieg der Angst |
Drag and Drop
Ordne jedem sprachlichen Mittel ein Beispiel aus dem Gedicht zu.
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Beispiel |
|---|---|
| Vergleich | Himmel wie ein Deckel |
| Metapher | Erde als feuchtes Verließ |
| Personifikation | Die Angst pflanzt eine Fahne |
| Anapher | Wiederholung von Wann |
| Kreuzreim | Wechselnde Endreime |
Kreuzworträtsel
Suche die Wörter in der deutschen Lesefassung.
| DECKEL | Mit welchem Gegenstand wird der Himmel in Vers 1 verglichen? |
| FLEDERMAUS | Welches Tier erscheint als Vergleich für die Hoffnung in Vers 6? |
| GITTERWAND | Womit wird der Regen in Vers 10 verglichen? |
| SPINNEN | Welche Tiere werden in Vers 11 genannt? |
| GLOCKEN | Was erzeugt in Vers 13 den plötzlichen Lärm? |
| FAHNE | Was pflanzt die Angst in Vers 20 auf das gesenkte Haupt? |
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Hier findest Du weitere Übungen und Suchergebnisse zum Thema.
Lückentext
Ergänze die fehlenden Begriffe. Die Antworten beziehen sich auf den Lerntext und die deutsche Lesefassung.
Gestufte Hilfen zur Gedichtanalyse
Hilfe 1 – Genau lesen:
Markiere zuerst alle Wörter, die Enge, Angst oder Dunkelheit ausdrücken. Notiere die zugehörigen Versnummern.
Hilfe 2 – Bilder verstehen:
Frage Dich: Was sehe ich im Bild? Welches Gefühl könnte das Bild ausdrücken? Wie passt das zum übrigen Gedicht?
Hilfe 3 – Eine Deutung begründen:
Verwende das Muster: „In Vers ... heißt es ... . Das sprachliche Mittel ... zeigt ... . Dadurch entsteht die Wirkung ... .“
Für Klasse 11–13: Vergleiche zusätzlich den französischen Originaltext mit der deutschen Übertragung. Achte darauf, ob die Wortwahl dieselbe Wirkung erzeugt.
Offene Aufgaben
Leicht
- Bildsprache: Schreibe sechs bis acht Sätze über die Bilder „Deckel“, „Verließ“ und „Gitterwand“. Erkläre, welches Gefühl sie vermitteln. Nutze mindestens zwei Versbelege.
Standard
- Gedichtanalyse: Schreibe eine kurze Analyse mit etwa 120 bis 180 Wörtern. Untersuche, wie sich die Stimmung vom Anfang bis zum Schluss verändert. Verwende mindestens drei genaue Versbelege und erkläre ihre Wirkung.
Schwer
- Gedichtinterpretation: Verfasse einen vergleichenden Interpretationstext mit etwa 200 bis 300 Wörtern. Vergleiche die französische Quellfassung mit Kalckreuths Übersetzung. Untersuche mindestens zwei Bilder sowie das lyrische Sprechen. Bewerte, ob der deutsche Text die Wirkung des Originals bewahrt oder verändert.


Lernkontrolle
- Literarische Bildsprache: Erkläre an zwei Versbelegen, wie ein äußerer Raum ein inneres Gefühl sichtbar machen kann. Übertrage dieses Prinzip auf eine heutige Situation.
- Spannungsaufbau: Untersuche den Wechsel von „Wann“ zu „Dann“. Erkläre, wie sich die Wirkung ändern würde, wenn die Glocken bereits im ersten Vers zu hören wären.
- Perspektive: Begründe, warum das Gedicht zwischen gemeinschaftlichem und persönlichem lyrischem Sprechen wechselt. Welche Bedeutung könnte dies für die Lesenden haben?
- Übersetzungsvergleich: Vergleiche das französische „couvercle“ aus Vers 1 mit dem deutschen „Deckel“. Erkläre, welche Bedeutung die Bildwahl in beiden Sprachen haben kann.
- Interpretation: Prüfe die Aussage „Das Gedicht enthält überhaupt keine Hoffnung“. Formuliere ein begründetes Urteil mit Bezug auf mindestens zwei verschiedene Stellen.
Lernnachweis
Für einen gelungenen Lernnachweis solltest Du zeigen, dass Du:
- die Entstehungszeit, den Autor und die Textfassungen richtig zuordnen kannst;
- den Inhalt der fünf Strophen in eigenen Worten erklärst;
- lyrisches Sprechen, Aufbau, Klang und Bildsprache untersuchst;
- mindestens drei überprüfbare Verse korrekt zitierst;
- sprachliche Mittel nicht nur benennst, sondern auch ihre Wirkung erklärst;
- zwischen Beobachtung am Text und eigener Interpretation unterscheidest;
- eine begründete Deutung mit Einleitung, Hauptteil und Schluss formulierst.
Bewertung: Besonders wichtig sind Texttreue, verständliche Erklärungen und die Begründung Deiner Aussagen.
OERs zum Thema
Vorhandene Texte und Lernressourcen:
- Vorhandene Gedichtseite auf MOOCwiki – Ausgangspunkt für die Textarbeit.
- Wikisource: Spleen, Originalausgabe 1857 – französische historische Quellfassung.
- Wikisource: Spleen, Ausgabe 1861 – zum Vergleich der Fassungen.
- TextGrid Repository: Spleen IV – nachgewiesener Wortlaut der deutschen Übersetzung von 1907.
- Germersheimer Übersetzerlexikon – bibliografischer Nachweis zu Wolf von Kalckreuth und seiner Übersetzung.
- Wikisource: Trübsinn IV von Stefan George – eine andere historische deutsche Übersetzung aus dem Jahr 1901.
- Mediaclasse: Französische Analyse von Spleen IV – vorhandene vertiefende Interpretation.
Wikipedia – Les Fleurs du Mal:
Quellen, Medienlizenzen und Namensnennung
Die historischen Gedichttexte von Baudelaire und Kalckreuth sind gemeinfrei. Die digitale TextGrid-Aufbereitung und ihre Anmerkungsdaten sind gesondert unter CC BY 3.0 Deutschland mit Namensnennung TextGrid lizenziert.
Die folgenden Medien stammen aus Wikimedia Commons. Die angegebenen Lizenzangaben beziehen sich jeweils auf die verlinkte Datei.
- Porträt: Charles Baudelaire, Étienne Carjat, digitale Bearbeitung Paris 16, gemeinfrei (Public Domain).
- Historisches Titelblatt: Fleurs du mal, Charles Baudelaire / Bibliothèque nationale de France, Gallica, gemeinfrei.
- Fledermaus: Bat flying at entrance of cave, Ann Froschauer / USFWS, CC BY 2.0.
- Spinnennetz: Spider spinning web, CrunchySkies, CC BY-SA 3.0.
- Animation: Leaf stuck in a thin spiderweb, Couch-scratching-cats, gemeinfrei (PD-self).
- Regenvideo: Rainfall, Swantata, CC BY-SA 4.0.
- Audioaufnahme: Spleen – Lesung, Sprecher Antoine Motte dit Falisse, Aufnahme und Mischung Aurélien Lebourg, Produktion Compagnie Artaban / Thalie Envolée, CC BY-SA 3.0.
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