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Simon & Garfunkel - El cóndor pasa

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Simon & Garfunkel - El cóndor pasa



Einleitung

Simon & Garfunkel - El cóndor pasa verbindet eine 1913 entstandene peruanische Bühnenkomposition von Daniel Alomía Robles mit dem Arrangement der südamerikanischen Gruppe Los Incas und einem 1970 veröffentlichten englischen Text von Paul Simon. Die Aufnahme erschien auf Bridge over Troubled Water, dem fünften und letzten Studioalbum von Simon & Garfunkel. Das Stück ist deshalb besonders ergiebig für den Musikunterricht: An ihm lassen sich Transkulturalität, Arrangement, Overdub, Folk-Rock, Andenmusik, Fragen musikalischer Autorschaft und der Umgang mit kulturellen Quellen untersuchen.[1]

Simon & Garfunkel 1966 am Flughafen Schiphol; Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 NL.

Das Lernziel dieses aiMOOCs ist nicht, die geschützte Aufnahme oder den geschützten englischen Liedtext zu reproduzieren. Du untersuchst vielmehr Entstehung, Klang, Form, Bedeutung und Rezeption anhand belegbarer Fakten, kurzer rechtlich zulässiger Zitate, offizieller Hörangebote, frei lizenzierter Medien und kurzer selbst erstellter Analysebeispiele in der MediaWiki-Extension Score.

Offizielle Bereitstellung der 1970er Simon-&-Garfunkel-Aufnahme auf dem Official Artist Channel. Das Video ist ein Hörbeispiel, keine frei lizenzierte OER.


Historische Wurzeln: Von Lima 1913 bis zum Welthit 1970

Die Melodiegeschichte beginnt nicht bei Simon & Garfunkel. Daniel Alomía Robles komponierte 1913 die Musik zur peruanischen Zarzuela El cóndor pasa…; das Libretto stammte von Julio Baudouin, der das Pseudonym Julio de La Paz verwendete. Die Uraufführung fand am 19. Dezember 1913 im Teatro Mazzi in Lima statt.[2] Die Bühnenhandlung besitzt einen ausgeprägten sozialen Kontext: Sie thematisiert Ausbeutung und Konflikte in einem Bergbauumfeld in Cerro de Pasco. Eine Kulturbehörde in Cusco beschreibt die Handlung ausdrücklich als Auseinandersetzung zwischen den Missständen des Minenbetriebs und dem Freiheitsstreben der indigenen Arbeiter.[3]

Daniel Alomía Robles, Aufnahme um 1936; Wikimedia Commons, Public Domain.

Kupfermine in Cerro de Pasco, März 1914; Wikimedia Commons / Library of Congress, Public Domain. Das Foto veranschaulicht den historischen Bergbaukontext, nicht eine konkrete Szene der Zarzuela.

Die peruanische Nationalbibliothek hebt hervor, dass Robles in seinen Kompositionen indigene melodische und skalische Traditionen, darunter andine Pentatonik, mit westlich geprägten Formen verband. El cóndor pasa wurde 2004 in Peru als Kulturerbe anerkannt; 2025 erklärte das Kulturministerium zudem fünfzehn Partituren von Robles aus Beständen der Nationalbibliothek zum nationalen Kulturerbe.[4][5]

Cordillera Huayhuash in Peru; Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0. Das Bild dient zur geografischen Einordnung des Andenraums.


Los Incas und der Weg nach Paris

Die Gruppe Los Incas nahm 1963 in Paris eine Instrumentalfassung von El Cóndor Pasa auf. Paul Simon hörte Los Incas 1965 in Paris und lernte deren Version kennen. Ein wissenschaftlicher Überblick zur Rezeptionsgeschichte beschreibt, dass Simon später mit Zustimmung von Jorge Milchberg die 1963er Instrumentalaufnahme als Grundlage für die Simon-&-Garfunkel-Produktion verwendete und seinen englischen Gesang darüber aufnahm.[6] Auch die ursprünglichen Albumangaben bezeichneten den verwendeten Anteil ausdrücklich als „Instrumental Track by Los Incas“.[7]

Los Incas: offizielle Bereitstellung der 1963er Originalaufnahme in remasterter Form. Vergleiche sie mit der Simon-&-Garfunkel-Fassung.


Die Aufnahme von Simon & Garfunkel

Für die 1970 veröffentlichte Fassung schrieb Paul Simon einen neuen englischen Text. Die offizielle Paul-Simon-Seite führt ihn als englischen Textautor und nennt Daniel Alomía Robles sowie Jorge Milchberg in den Werkangaben.[8] MusicBrainz datiert die Simon-&-Garfunkel-Aufnahme auf den 2. November 1969 und nennt Roy Halee als Toningenieur und Mitproduzenten sowie Paul Simon und Art Garfunkel als Mitproduzenten. In den Track-Credits erscheinen außerdem Los Incas als Performer; als Studiomusiker werden unter anderem Fred Carter Jr., Larry Knechtel, Joe Osborn und Hal Blaine geführt.[9]

Das Album Bridge over Troubled Water erschien am 26. Januar 1970 und war das letzte Studioalbum des Duos.[1] Die Single erreichte in den USA Platz 18 der Billboard Hot 100; in mehreren europäischen Ländern war sie noch erfolgreicher.[10]


Mindestens drei belegte Besonderheiten genau dieser Aufnahme

Besonderheit Was ist für die Simon-&-Garfunkel-Aufnahme belegt? Warum ist das musikalisch bedeutsam?
1. Vorproduzierte Los-Incas-Spur als Fundament Die Produktion greift nicht lediglich die Melodie abstrakt auf, sondern verwendet die Instrumentalaufnahme von Los Incas als Basisspur.[6][7] Dadurch ist der Klang der andinen Instrumentalgruppe materieller Bestandteil des 1970er Masters. Die Aufnahme ist ein frühes prominentes Beispiel einer Popproduktion, die auf einer bereits existierenden Aufnahme einer anderen Gruppe aufbaut.
2. Neuer englischer Text statt Übersetzung Paul Simons englischer Text ist keine Übersetzung eines ursprünglichen spanischen Liedtextes. Die bekannten instrumentalen Abschnitte der Zarzuela besaßen keinen entsprechenden Originaltext; Simon schuf einen neuen Text mit eigenständiger Bildsprache.[8][2] Musik und Text stammen damit aus unterschiedlichen historischen und kulturellen Schichten. Das erzeugt eine neue semantische Ebene über einer älteren Melodie und einem späteren Los-Incas-Arrangement.
3. Hybrid aus Anden-Arrangement und US-Studioproduktion Track-Credits führen Los Incas sowie US-Sessionmusiker und das Produktionsteam Simon/Garfunkel/Halee auf.[9] Die Aufnahme verbindet unterschiedliche Klangwelten: gezupfte und geblasene Andeninstrumente, Folk-Pop-Gesang und eine Studioproduktion aus dem Umfeld von Columbia Records.
4. Komplexe Autorschaftsgeschichte Bei der Veröffentlichung war die Melodie fälschlich als alte peruanische Volksweise behandelt worden; später wurde die Urheberschaft Daniel Alomía Robles’ rechtlich geltend gemacht und korrigiert.[10] Das Beispiel zeigt, warum Quellenprüfung, Werk- und Arrangementrechte sowie korrekte Zuschreibung in transkultureller Musikproduktion zentral sind.
5. Frühform von Paul Simons späterem kulturübergreifendem Arbeiten Paul Simon bezeichnete El Condor Pasa rückblickend selbst als frühes Beispiel dessen, was später als „world music“ bezeichnet wurde; er verwies dabei auf die peruanische Melodie und südamerikanische Musiker mit traditionellen Instrumenten.[11] Im Rückblick lässt sich die Aufnahme als Vorstufe zu Simons späteren internationalen Kollaborationen verstehen, ohne sie mit späteren Projekten gleichzusetzen.


Stil und Genre

Die 1970er Aufnahme liegt an einer Schnittstelle von Folk-Rock, Popmusik, Singer-Songwriter-Ästhetik und arrangierter Andenmusik. Eine eindeutige Einordnung in nur ein Genre wäre verkürzend. Die Melodie und ein erheblicher Teil der Instrumentalfarbe kommen aus der Anden-Tradition und dem Los-Incas-Arrangement, während die englische Vokalebene, die Albumproduktion und die Vermarktung in den Kontext des amerikanischen Folk-Pop gehören.

Paul Simon selbst sprach später von einem frühen Beispiel dessen, was als „world music“ bezeichnet werden könnte.[11] Der Begriff ist historisch später als die Aufnahme als Marketingkategorie verbreitet worden. Für die Analyse ist es deshalb sinnvoller, zunächst konkret von kulturübergreifender Zusammenarbeit und transkultureller Popproduktion zu sprechen.


Melodie und Harmonik

Für die Simon-&-Garfunkel-Fassung wird E-Moll als Originaltonart angegeben; publizierte Analyse- und Notenausgaben nennen ein langsames Grundtempo um etwa 73–74 Schläge pro Minute und einen 4/4-Takt.[12][13]

Die melodische Sprache geht auf eine Komposition zurück, die in peruanischen Quellen mit andiner Pentatonik in Verbindung gebracht wird.[4] In der Simon-&-Garfunkel-Aufnahme wirkt die Melodie deshalb trotz der westlich-funktionalen Begleitharmonik deutlich modal beziehungsweise pentatonisch gefärbt. Harmonisch steht E-Moll als tonales Zentrum im Vordergrund. Die Begleitung nutzt vor allem leicht erfassbare Moll-/Dur-Beziehungen und Dominantspannung; gerade diese klare Harmonik lässt die charakteristische Melodiekontur und Instrumentalfarbe hervortreten.


Score-Analysebeispiel 1: Pentatonische Färbung

Das folgende Beispiel ist neu erstellt und keine Transkription der geschützten Simon-&-Garfunkel-Aufnahme. Es zeigt nur, wie eine Moll-Pentatonik mit den Tönen E–G–A–B–D klingen kann.


\relative c' {
  \key e \minor
  \time 4/4
  e4 g a b | d4 b a e |
}

Achte darauf: Die Moll-Pentatonik vermeidet die Halbtonschritte der vollständigen natürlichen Molltonleiter. Dadurch entsteht eine offene, volksmusikalisch gut singbare Kontur. Das erklärt nicht die gesamte Originalmelodie, hilft aber beim Hören pentatonischer Färbungen.


Score-Analysebeispiel 2: Mollzentrum und Dominantspannung

Auch dieses Beispiel ist selbst erstellt und bildet nicht die originale Akkordfolge ab. Es demonstriert nur eine elementare E-Moll-Kadenz mit Dominantspannung.


<<
  \new ChordNames \chordmode { e1:m a1:m b1:7 e1:m }
  \new Staff \relative c' {
    \key e \minor
    \time 4/4
    e4 g b g | a4 c e c | b4 dis fis dis | e1
  }
>>

Der Akkord B7 enthält den Leitton Dis, der nach E zieht. Beim Hören der Aufnahme kannst Du untersuchen, wann ein ähnliches Gefühl von Spannung und Rückkehr entsteht, ohne die konkrete Originalfolge nachzunotieren.


Rhythmus und Metrum

Die Aufnahme bewegt sich in einem ruhigen 4/4-Grundpuls. Tempo-Datenbanken und Notenausgaben liegen ungefähr bei 73–74 BPM; manche Dienste zählen denselben Puls doppelt und geben etwa 146–148 BPM an. Beides beschreibt dasselbe metrische Verhältnis auf unterschiedlichen Zählebenen.[12][14]

Rhythmisch lebt die Aufnahme weniger von einem dominanten Rock-Backbeat als von kontinuierlichen Begleitfiguren und dem Fluss der Instrumentalspur. Dadurch bleibt viel Raum für Melodie und Gesang. Die ruhige Pulsation unterstützt den nachdenklichen Charakter des englischen Textes.


Score-Analysebeispiel 3: Ruhiger 4/4-Begleitfluss

Das folgende, frei erfundene Muster demonstriert nur eine mögliche ruhige Achtelbewegung im 4/4-Takt. Es ist kein Ausschnitt aus dem Song.


\relative c' {
  \key e \minor
  \time 4/4
  e8 b' e, b' e, b' e, b' |
  c,8 g' c, g' c, g' c, g' |
}

Probiere das Muster zuerst sehr gleichmäßig und anschließend mit leichter Akzentverschiebung. Beschreibe, wie sich dadurch die wahrgenommene Beweglichkeit verändert.


Gesang

Die Vokalebene ist für die 1970er Version entscheidend, weil sie die zuvor instrumentale Los-Incas-Spur in ein englischsprachiges Poplied verwandelt. Paul Simon und Art Garfunkel werden als Sänger der Aufnahme geführt.[9] Typisch für das Duo sind präzise Intonation, eng aufeinander bezogene Stimmen und ein weicher Mischklang. Im Vergleich zur deutlich instrumental geprägten Los-Incas-Fassung tritt dadurch eine persönliche Erzählerperspektive hinzu.

Hör beim offiziellen Studio-Hörbeispiel besonders auf drei Aspekte: erstens den Einsatz der Stimmen nach dem Instrumentalbeginn, zweitens das Verhältnis zwischen führender Stimme und Harmoniestimme und drittens die Frage, ob die Stimmen die Instrumentalfarbe überdecken oder sich in sie einfügen.


Instrumentierung

Charango und Quena im Instrumentendisplay; Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.

Für die Los-Incas-Tradition sind Quena, Charango, Gitarre und Schlaginstrumente wie der Bombo prägend. In der 1970er Aufnahme ist insbesondere die Verbindung von luftiger Flötenfarbe und hellen Zupfklängen mit dem englischen Duo-Gesang auffällig. Die Credits der Simon-&-Garfunkel-Produktion nennen zusätzlich unter anderem Gitarre, Bass, Schlagzeug, Keyboards und Streicher.[9]

Ein frei lizenziertes Klangbeispiel eines Charangos auf leeren Saiten findest Du hier:

Wikimedia Commons, vom Urheber in die Public Domain entlassen.


Arrangement und Produktion

Die zentrale Produktionstechnik ist das Schichten verschiedener Aufnahmeebenen. Die 1963er Los-Incas-Spur bildete die Grundlage; darüber kamen die Vokal- und weiteren Produktionsanteile der Simon-&-Garfunkel-Fassung. Das ist genauer als die vereinfachende Aussage, das Duo habe die Melodie bloß „nachgespielt“. Die Aufnahme ist vielmehr ein zusammengesetztes Studioergebnis mit historisch unterschiedlichen Ausgangsmaterialien.[6][7]

Roy Halee war Toningenieur und Mitproduzent; Paul Simon und Art Garfunkel werden ebenfalls als Produzenten geführt.[9] Für den Unterricht ist wichtig: Das Verfahren sollte nicht vorschnell mit heutigem digitalem Sampling gleichgesetzt werden. Gemeinsam ist beiden Verfahren das Arbeiten mit bestehendem Audiomaterial; technisch und rechtlich unterscheiden sich die historischen Produktionsbedingungen jedoch deutlich von heutiger DAW-basierter Sample-Praxis.


Songform

Die 1970er Version lässt sich als Folge von Instrumentalrahmen, Strophenabschnitten und wiederkehrendem Refrainbereich hören. Die englischen Textstrophen arbeiten mit wiederholten Vergleichssätzen, der Refrain wechselt zu einer stärker bewegungsbezogenen Bildsprache. Die Form gewinnt Kohärenz durch Wiederholung und durch die Rückkehr markanter Instrumentalfarben.

Ein sinnvoller Hörplan ist: Instrumentalbeginn → erster Vokalabschnitt → Refrainbereich → zweiter Vokalabschnitt → Rückkehr des Refrainbereichs → instrumentales Ausklingen. Nutze diese Bezeichnungen als analytische Orientierung, nicht als vollständige Partitur.


Textthemen, Bildsprache und sinngemäße Übersetzung

Der englische Text ist urheberrechtlich geschützt. Deshalb wird er hier nicht vollständig wiedergegeben. Ein kurzes, für die Analyse ausreichendes Zitat lautet: „I'd rather be a sparrow than a snail“.[8] Das Zitat zeigt das Grundprinzip des Textes: Der Sprecher formuliert Vorlieben in bildhaften Gegensätzen.

Sinngemäß geht es um den Wunsch nach Beweglichkeit, Freiheit und unmittelbarer Naturerfahrung statt Festlegung, Passivität oder Einengung. Weitere Bilder stellen Weggehen, Vorüberziehen, Verwurzelung und Bindung gegeneinander. Die Bilder von Tier, Landschaft, Boden und Bewegung bilden eine Natursemantik, die mit dem Titelbild des Kondors in Beziehung gesetzt werden kann, obwohl der Kondor im englischen Text nicht zum erzählenden Zentrum wird.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Übersetzung und Neutextierung: Paul Simons Text überträgt keinen vollständigen spanischen Originaltext. Er schafft eine neue englische Bedeutungsschicht zu einer bereits vorhandenen Instrumentalkomposition.

Andenkondor in Peru; Wikimedia Commons, u. a. CC BY-SA 4.0.


Der Kondor als Bild

Der Andenkondor ist ein reales Tier des Andenraums und zugleich ein starkes kulturelles Symbol. In der Bühnenhandlung und ihrer Rezeptionsgeschichte kann der Flug des Kondors als Bild für Freiheit, Würde, Weite oder Hoffnung gelesen werden. Solche Deutungen sind Interpretationen und sollten am konkreten Werkzusammenhang begründet werden. Die peruanische Kulturverwaltung beschreibt die Wirkung der Komposition unter anderem mit Bezug auf Erinnerung, Inspiration und die Größe des Inka-Erbes.[15]


Vergleich: Los Incas 1963, Simon & Garfunkel 1970, Live 2003

Aspekt Los Incas 1963 Simon & Garfunkel 1970 Simon & Garfunkel live 2003
Vokal Instrumental; die Melodie wird instrumental getragen. Englischer Text und Duo-Gesang werden über die Los-Incas-Basis gelegt. Live-Gesang von Paul Simon und Art Garfunkel; Bühnencharakter statt Studioklang.
Instrumentalklang Andeninstrumente und Zupf-/Flötenfarben stehen im Zentrum. Anden-Basisspur plus Pop-Studioproduktion. Moderne Liveband; die offizielle Veröffentlichung nennt u. a. Cello/Gitarre, weitere Gitarren, Percussion, Schlagzeug, Keyboards, Piano und Bass.
Produktion Eigenständige Instrumentalaufnahme. Studiomaster mit wiederverwendeter Los-Incas-Spur und zusätzlichen Vokal-/Produktionsschichten. Konzertmitschnitt mit Raumklang, Live-Dynamik und neuer Besetzung.
Höreindruck Die Melodie wirkt stärker wie ein Instrumentalstück. Die neue Textperspektive rückt Freiheit, Bewegung und Bindung in den Vordergrund. Der bekannte Song wird als gemeinsames Bühnenrepertoire des älteren Duos hörbar; Klangbalance und Artikulation unterscheiden sich vom Studio.

Offizielle Liveaufnahme aus dem Madison Square Garden 2003. Die Videobeschreibung nennt die beteiligte Liveband und ermöglicht einen direkten Produktionsvergleich mit 1970.


Freies Hörbeispiel zur Kompositionstradition

Die folgende Datei auf Wikimedia Commons ist eine neu erzeugte instrumentale Realisation von Daniel Alomía Robles’ Komposition und wurde vom Ersteller der Aufnahme in die Public Domain entlassen. Sie ist nicht die Simon-&-Garfunkel-Aufnahme und nicht die Los-Incas-Aufnahme. Gerade deshalb eignet sie sich gut, um zwischen Werk, Arrangement und konkreter Aufnahme zu unterscheiden.

Frage beim Hören: Welche Merkmale erkennst Du als werkbezogen wieder, und welche Merkmale sind spezifisch für das Arrangement oder die jeweilige Aufnahme?


Rezeption und Bedeutung im Werk von Simon & Garfunkel

El Condor Pasa (If I Could) gehört zu den international bekanntesten Titeln des letzten Studioalbums von Simon & Garfunkel. Die offizielle Duo-Seite nennt den Song neben Bridge Over Troubled Water, The Boxer und Cecilia als einen der Hits des Albums.[1] In den USA erreichte die Single Platz 18 der Billboard Hot 100.[10]

Für Paul Simons weitere Karriere ist das Stück besonders interessant, weil Simon selbst später eine Linie von dieser Zusammenarbeit zu seinem anhaltenden Interesse an Musik anderer Regionen zog. In einem Interview bezeichnete er El Condor Pasa als frühes Beispiel einer kulturübergreifenden Arbeitsweise.[11] 1986 erklärte Simon im Zusammenhang mit Graceland, die Idee, Musik einer anderen Kultur könne Teil populärer Musik sein, habe für ihn bereits bei El Condor Pasa eine Rolle gespielt.[16]

Gleichzeitig zeigt die Urheberrechtsgeschichte die Risiken solcher Transfers. Die ursprüngliche Zuschreibung als anonyme beziehungsweise sehr alte Volksmelodie war falsch. Die spätere Anerkennung von Daniel Alomía Robles als Komponist macht die Aufnahme auch zu einem Lehrbeispiel für sorgfältige Rechteklärung und Quellenangabe.


Medien und Rechtehinweise

Die Medienauswahl unterscheidet bewusst zwischen frei lizenzierten beziehungsweise gemeinfreien OER-Medien und offiziell eingebetteten, weiterhin urheberrechtlich geschützten Hörbeispielen.

Medium Status laut Quelle Didaktischer Zweck
Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 NL Zeitgenössische Darstellung des Duos
Wikimedia Commons, Public Domain Komponist der 1913er Ausgangskomposition
Wikimedia Commons / Library of Congress, Public Domain Historischer Bergbaukontext
Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 Instrumentenkunde: Charango und Quena
Wikimedia Commons, u. a. CC BY-SA 4.0 Bildsprache und Symbol des Kondors
Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0 Geografischer Andenraum
Wikimedia Commons, Public Domain Frei nutzbares Instrumentenklangbeispiel
Wikimedia Commons, Public-Domain-Freigabe der konkreten Aufnahme Freies Vergleichshören zur Werk-/Arrangementfrage

Die eingebetteten YouTube-Videos stammen aus offiziellen Künstlerkanälen beziehungsweise offiziellen Bereitstellungen. Sie sind keine OER und werden nur als externe Streaming-Hörbeispiele eingebettet. Rechte verbleiben bei den jeweiligen Rechteinhabern. Für eigene Veröffentlichungen solltest Du keine Audio- oder Videodateien aus diesen Angeboten kopieren oder neu hochladen, sofern Dir keine entsprechende Erlaubnis vorliegt.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Wer komponierte 1913 die Musik der Zarzuela El cóndor pasa? (Daniel Alomía Robles) (!Paul Simon) (!Art Garfunkel) (!Roy Halee)




Welche Gruppe lieferte die Instrumentalspur, die für die Simon-und-Garfunkel-Fassung als Grundlage diente? (Los Incas) (!The Byrds) (!The Wrecking Crew) (!Los Lobos)




Auf welchem Simon-und-Garfunkel-Album erschien die Aufnahme 1970? (Bridge over Troubled Water) (!Bookends) (!Sounds of Silence) (!Parsley Sage Rosemary and Thyme)




Was trifft auf Paul Simons englischen Text am besten zu? (Er ist eine neue englische Textschicht und keine vollständige Übersetzung eines spanischen Originaltextes) (!Er ist eine wörtliche Übersetzung des Zarzuela-Librettos) (!Er stammt unverändert aus dem Jahr 1913) (!Er wurde von Roy Halee geschrieben)




Welche Tonart wird für die bekannte Simon-und-Garfunkel-Fassung angegeben? (E-Moll) (!C-Dur) (!Fis-Dur) (!B-Dur)




Welches Metrum prägt die Aufnahme? (4-4-Takt) (!3-4-Takt) (!5-8-Takt) (!7-8-Takt)




Welches Instrument gehört besonders zur Klangwelt andiner Ensembles wie Los Incas? (Quena) (!Fagott) (!Cembalo) (!Tuba)




Welche Aussage beschreibt die Produktion am genauesten? (Eine bestehende Los-Incas-Instrumentalspur wurde mit weiteren Aufnahmeebenen verbunden) (!Die Aufnahme wurde vollständig a cappella produziert) (!Die Melodie wurde ausschließlich auf einem Synthesizer eingespielt) (!Es handelt sich um einen unveränderten Konzertmitschnitt von 1913)




Warum ist die Urheberschaftsgeschichte musikgeschichtlich lehrreich? (Weil die Komposition zunächst fälschlich als alte Volksweise behandelt und später korrekt Daniel Alomía Robles zugeordnet wurde) (!Weil es für das Stück nie einen bekannten Komponisten gab) (!Weil Paul Simon die Musik 1913 in Lima komponierte) (!Weil die Rechtefrage ausschließlich die Livefassung von 2003 betrifft)




Welche Funktion hat der Kondor im Unterricht zu diesem Stück besonders? (Er verbindet geografischen Kontext mit Fragen der Bildsprache und Symboldeutung) (!Er beweist eine einzige verbindliche Textinterpretation) (!Er bestimmt die Aufnahmegeschwindigkeit technisch) (!Er ersetzt die musikalische Formanalyse)





Memory

Daniel Alomía Robles Komponist der 1913er Bühnenmusik
Los Incas Instrumentalspur und andines Arrangement
Paul Simon Englischer Text und Produktion
Roy Halee Toningenieur und Mitproduzent
Quena Andine Kerbflöte
Charango Kleine gezupfte Langhalslaute der Andenregion
Cerro de Pasco Sozialhistorischer Bergbaukontext der Zarzuela
Bridge over Troubled Water Album von 1970





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Zarzuela Bühnenursprung
Los Incas Instrumentale Grundlage
Overdub Produktionsschichtung
E-Moll Tonales Zentrum
Kondor Bildsprache und Andenbezug






Kreuzworträtsel

Robles Wie lautet der Nachname des peruanischen Komponisten Daniel Alomía?
Quena Welche andine Kerbflöte prägt den typischen Klang vieler Andenensembles?
Charango Welches kleine Zupfinstrument ist in der Andenmusik verbreitet?
Garfunkel Wie lautet der Nachname von Art, Simons Duopartner?
Kondor Welcher Vogel steht im Titel der Komposition?
Overdub Wie heißt das Verfahren, bei dem zusätzliche Aufnahmeebenen über eine vorhandene Spur gelegt werden?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Die Musik der ursprünglichen Zarzuela komponierte

im Jahr 1913. Die Simon-und-Garfunkel-Fassung nutzt eine Instrumentalspur der Gruppe

. Der englische Text stammt von

. Die Aufnahme erschien auf dem Album

. Als tonales Zentrum wird

angegeben. Das Grundmetrum ist ein

. Eine typische andine Flöte heißt

. Das kleine Zupfinstrument der Anden heißt

. Die Studiotechnik des nachträglichen Ergänzens weiterer Spuren wird

genannt. Die Komposition wurde in Peru 2004 als nationales

anerkannt.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Hörprotokoll: Höre die offiziellen Versionen von Los Incas 1963 und Simon & Garfunkel 1970. Notiere fünf hörbare Unterschiede in den Bereichen Stimme, Instrumente, Klangfarbe, Form und Produktion.
  2. Instrumentenkunde: Erstelle ein bebildertes Steckblatt zu Quena und Charango mit Material, Spielweise, Klang und Herkunft. Verwende nur frei lizenzierte Bilder.
  3. Bildsprache: Gestalte eine Collage zum Gegensatz von Freiheit und Gebundenheit, ohne geschützte Songtexte zu übernehmen. Begründe drei visuelle Entscheidungen.
  4. Formanalyse: Markiere in einem selbst erstellten Zeitstrahl beim Hören die Abschnitte Instrumentalbeginn, Vokalabschnitt, Refrainbereich und Ausklang.


Standard

  1. Musikproduktion: Produziere in einer DAW ein eigenes 30-sekündiges Stück, das mit einer selbst aufgenommenen Instrumentalspur beginnt und anschließend durch Overdubs erweitert wird. Dokumentiere jede Spur.
  2. Pentatonik: Komponiere acht Takte mit einer Moll-Pentatonik und vergleiche die Wirkung mit einer natürlichen Molltonleiter. Verwende keine Melodie aus El cóndor pasa.
  3. Quellenkritik: Rekonstruiere in einer Tabelle die Urheberschaftsgeschichte von Robles, Milchberg und Simon. Trenne Komposition, Arrangement, Text und Aufnahme.
  4. Vergleichsanalyse: Vergleiche die Studiofassung von 1970 mit der Livefassung von 2003 und formuliere eine These dazu, wie Livebesetzung und Raumklang die Wirkung verändern.


Schwer

  1. Transkulturalität: Verfasse einen Essay darüber, welche Chancen und Probleme kulturübergreifende Musikproduktionen bieten. Nutze El cóndor pasa als Fallbeispiel und beziehe Rechteklärung, Zuschreibung und musikalische Zusammenarbeit ein.
  2. Historischer Kontext: Recherchiere die Bergbaugeschichte von Cerro de Pasco um 1913 und prüfe, welche Aspekte davon für das Verständnis der Zarzuela relevant sind. Unterscheide historische Quellen und spätere Deutungen.
  3. Arrangement: Entwickle ein eigenes Arrangement einer gemeinfreien pentatonischen Melodie für Stimme, Flöte, Zupfinstrument und Percussion. Begründe Besetzung, Form und Dynamik.
  4. Medienethik: Erstelle einen Leitfaden für eine Schulband mit dem Titel „Cover, Arrangement, Sample oder Zitat?“. Erkläre anhand selbst gewählter Beispiele, welche Rechtefragen vor einer Veröffentlichung geprüft werden sollten.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Transferanalyse: Erkläre, wie dieselbe Melodie durch Instrumentierung, Text und Produktion unterschiedliche kulturelle und emotionale Bedeutungen erhalten kann. Beziehe Dich auf mindestens zwei der gehörten Fassungen.
  2. Produktionsanalyse: Entwickle ein Schaubild, das die Entstehung des 1970er Masters von der 1913er Komposition über Los Incas bis zu den Studioergänzungen sichtbar macht. Kennzeichne Werk, Arrangement und Aufnahme getrennt.
  3. Interpretation: Begründe eine eigene Deutung des Freiheitsmotivs, ohne mehr als das kurze im Lerntext zitierte Textfragment zu verwenden. Stütze Dich zusätzlich auf musikalische Merkmale.
  4. Musikalischer Vergleich: Übertrage die Kategorien Melodie, Harmonik, Rhythmus, Klangfarbe, Form und Produktion auf einen anderen Cover-Song und zeige Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede.
  5. Quellenbewertung: Vergleiche eine offizielle Künstlerquelle, eine staatliche peruanische Kulturquelle und eine offene Datenbankquelle aus dem Quellenverzeichnis. Erkläre, welche Art von Aussage jede Quelle besonders gut belegen kann.
  6. Gestaltungsaufgabe: Komponiere ein kurzes eigenes Stück mit pentatonischer Melodik und ruhigem 4-4-Puls. Erläutere, wie Du Nähe zur analysierten Stilwelt herstellst, ohne die geschützte Melodie zu kopieren.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema solltest Du zeigen, dass Du nicht nur Daten auswendig kennst, sondern Zusammenhänge erklären und hörend belegen kannst.

  1. Entstehungsgeschichte: Du kannst den Weg von der Zarzuela 1913 über Los Incas 1963 bis zur Simon-und-Garfunkel-Aufnahme 1970 nachvollziehbar darstellen.
  2. Musikalische Analyse: Du kannst Tonzentrum, Metrum, melodische Färbung, Instrumentierung, Gesang, Form und Produktion mit Hörbeobachtungen verbinden.
  3. Urheberschaft: Du kannst Komposition, Arrangement, Text und konkrete Aufnahme als unterschiedliche schöpferische Ebenen unterscheiden.
  4. Textinterpretation: Du kannst zentrale Themen und Bilder sinngemäß erklären, ohne vollständige geschützte Lyrics zu reproduzieren.
  5. Vergleichskompetenz: Du kannst mindestens zwei Fassungen anhand hörbarer Kriterien vergleichen.
  6. Quellenkompetenz: Du kannst Aussagen mit nachprüfbaren Quellen belegen und zwischen offiziellen, wissenschaftlichen, enzyklopädischen und offenen Datenquellen unterscheiden.
  7. Medienkompetenz: Du kannst frei lizenzierte Medien von lediglich eingebetteten, weiterhin geschützten Medien unterscheiden.
  8. Transfer: Du kannst die Analysebegriffe auf ein anderes Musikstück oder eine eigene Komposition anwenden.




Quellen und Nachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Offizielle Simon-&-Garfunkel-Seite: Bridge Over Troubled Water (abgerufen am 20.09.2026).
  2. 2,0 2,1 Bicentenario del Perú: El cóndor pasa: así sonaba la canción de Daniel Alomía Robles en los años 1930 (03.01.2020).
  3. Dirección Desconcentrada de Cultura de Cusco: El Cóndor Pasa – obra escénica... (06.06.2017).
  4. 4,0 4,1 Biblioteca Nacional del Perú: Partituras del músico Daniel Alomía Robles son declaradas Patrimonio Cultural de la Nación (2025).
  5. Ministerio de Cultura del Perú: Ministerio de Cultura declaró Patrimonio Cultural de la Nación a quince partituras... (13.10.2025).
  6. 6,0 6,1 6,2 Valdimar Tr. Hafstein: Auszug aus Making Intangible Heritage, Indiana University Press, Kapitel zu El Condor Pasa, dort zur Nutzung der Los-Incas-Aufnahme.
  7. 7,0 7,1 7,2 Transkription der Original-Liner-Notes von Bridge Over Troubled Water.
  8. 8,0 8,1 8,2 Offizielle Paul-Simon-Seite: El Condor Pasa (If I Could) (abgerufen am 20.09.2026).
  9. 9,0 9,1 9,2 9,3 9,4 MusicBrainz: Release- und Recording-Credits zu Bridge Over Troubled Water (abgerufen am 20.09.2026).
  10. 10,0 10,1 10,2 Wikipedia (englisch): El Cóndor Pasa (song) mit weiterführenden Chartquellen (abgerufen am 20.09.2026).
  11. 11,0 11,1 11,2 American Songwriter: Interview mit Paul Simon (2011).
  12. 12,0 12,1 Musicnotes: El Condor Pasa (If I Could), Tonart- und Tempoangaben (abgerufen am 20.09.2026).
  13. Hooktheory: Analyseübersicht zu Tonart, Metrum und Form (abgerufen am 20.09.2026).
  14. SongBPM: Tempo- und Metrumangaben (abgerufen am 20.09.2026).
  15. Universidad Nacional Daniel Alomía Robles: La obra musical El Cóndor Pasa: Patrimonio Cultural de la Nación (16.03.2022).
  16. Los Angeles Times: Paul Simon's State of Graceland (24.08.1986).

Weiterführend:

  1. Wikipedia: El cóndor pasa
  2. Offizielle Simon-&-Garfunkel-Seite zum Album
  3. Offizielle Paul-Simon-Seite zum Song
  4. Biblioteca Nacional del Perú zu Daniel Alomía Robles und El cóndor pasa
  5. Ministerio de Cultura del Perú zur Kulturerbe-Einordnung
  6. Wikimedia Commons: freie Medien zu El cóndor pasa


OERs zum Thema

Die Commons-Medien in diesem aiMOOC sind über ihre Dateibeschreibungsseiten mit Lizenzangaben nachprüfbar. Die YouTube-Einbettungen dienen ausschließlich als offizielle Hörbeispiele und sind nicht als freie Bildungsressourcen gekennzeichnet.


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