Selbstauswahl und fehlende Stimmen in Beteiligungsprojekten bearbeiten
Selbstauswahl und fehlende Stimmen in Beteiligungsprojekten bearbeiten
Einleitung
Werkstattkurs ab Klasse 7 mit Vertiefung M/E
In Beteiligungsprojekten werden Vorschläge oft dort gesammelt, wo der Zugang schnell und bequem ist: über einen Link, eine App oder einen QR-Code. Das kann viele gute Ideen sichtbar machen. Trotzdem ist eine Sammlung von Online-Vorschlägen nicht automatisch ein Abbild aller Jugendlichen, die von einer Entscheidung betroffen sind. Wer den Aufruf sieht, ein passendes Gerät und einen zugänglichen Zugang hat, Zeit findet und selbst antworten möchte, hat andere Teilnahmechancen als jemand, für den eine dieser Bedingungen fehlt.
In diesem aiMOOC lernst Du, zwischen Selbstauswahl, fehlenden Antworten, nicht erreichten Teilen einer Bezugsgruppe und Zugangshürden zu unterscheiden. Du arbeitest mit einer vollständig mitgelieferten Werkstattbefragung. Die Ausgangsdaten enthalten ausschließlich online eingegangene Jugendvorschläge. Anschließend planst Du zusätzliche barrierearme Erhebungswege, ohne Namen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern, Nutzerkonten oder andere personenbezogene Angaben zu erheben.
Produkt des Kurses ist ein begründeter Erhebungsplan mit klar benannter Bezugsgruppe, mehreren Zugangswegen, Regeln zum Umgang mit fehlenden Angaben und transparenten Grenzen der Aussagekraft.
Datenherkunft: Alle Fallnamen, Zahlen, Vorschläge und Organisationsangaben der Werkstattbefragung sind für diesen Kurs konstruiertes Unterrichtsmaterial. Es handelt sich nicht um eine echte Schule und nicht um echte Befragte. Es werden keine erfundenen Zitate als Quellen ausgegeben. Öffentliche Quellen dienen ausschließlich der methodischen Orientierung.
Niveaustufen: Der Einstieg ist für Lernende ab Klasse 7 formuliert. Aufgaben mit M vertiefen das mittlere Anforderungsniveau durch systematische Vergleiche und einfache Kennzahlen. Aufgaben mit E erweitern das Niveau um methodische Abwägungen zu Auswahlmechanismen, Erhebungswegen und Aussagegrenzen.

Medienhinweis: Die Abbildung zeigt ein neutrales Symbol für Online-Befragungen. Herkunft und Rechte werden im Abschnitt Quellen, Datenherkunft und Medienrechte dokumentiert.
Lernziele
Nach dem Kurs kannst Du erklären, warum eine offene Online-Beteiligung eine Selbstselektion erzeugen kann und warum eine große Zahl von Einsendungen allein keine Repräsentativität belegt. Du kannst eine Bezugsgruppe so festlegen, dass später klar ist, für wen eine Aussage gelten soll. Du kannst Unit-Nonresponse von Item-Nonresponse unterscheiden, mögliche Zugangshürden als begründete Hypothesen kennzeichnen und zusätzliche barrierearme Wege planen. Außerdem kannst Du offenlegen, was die Daten zeigen, was sie nicht zeigen und welche Unsicherheit bleibt.
Werkstattregel: Nicht über Menschen raten
In diesem Kurs gilt eine zentrale Regel: Aus dem Inhalt eines Vorschlags darfst Du keine persönlichen Merkmale der Person ableiten. Ein Vorschlag zu einer Rampe beweist zum Beispiel nicht, dass die einreichende Person einen Rollstuhl nutzt. Ein Vorschlag zu mehrsprachigen Informationen beweist nicht, welche Sprache die Person zu Hause spricht. Ohne entsprechende, rechtmäßig und bewusst erhobene Angaben wissen wir nicht, wer geantwortet hat.
Deshalb sprechen wir bei möglichen fehlenden Stimmen vorsichtig von Gruppen, deren Teilnahme durch das Erhebungsdesign erschwert sein könnte. Das ist eine Designhypothese, keine Behauptung über einzelne Menschen.
Zentrale Begriffe
| Begriff | Arbeitsdefinition im Kurs | Was Du daraus nicht folgern darfst |
|---|---|---|
| Bezugsgruppe | Alle Personen, für die eine Beteiligungsfrage in diesem Projekt relevant sein soll. | Dass alle Personen tatsächlich erreicht oder befragt wurden. |
| Selbstauswahl | Die Teilnahme entsteht dadurch, dass Menschen nach einem offenen Aufruf selbst entscheiden, ob sie antworten. | Dass freiwillige Antworten wertlos seien. |
| Unit-Nonresponse | Eine Person aus der vorgesehenen Bezugsgruppe liefert gar keinen auswertbaren Fragebogen beziehungsweise keinen Beitrag. | Wie viele Personen nicht antworteten, wenn unbekannt ist, wie viele einzigartige Personen erreicht wurden. |
| Item-Nonresponse | In einem eingegangenen Datensatz fehlt eine Antwort auf eine einzelne Frage oder ein optionales Feld. | Dass die ganze Einreichung unbrauchbar ist. |
| Coverage- oder Abdeckungsproblem | Ein Erhebungsweg macht es bestimmten Teilen der Bezugsgruppe schwer oder unmöglich, überhaupt erreicht zu werden. | Dass jede theoretisch gefährdete Gruppe tatsächlich vollständig fehlt. |
| Barrierearmer Weg | Ein zusätzlicher Erhebungsweg, der konkrete Zugangsbarrieren reduziert und dieselbe Kernfrage verständlich zugänglich macht. | Dass ein einziger Weg für alle Menschen barrierefrei ist. |
| Aussagegrenze | Eine transparente Angabe darüber, welche Schlussfolgerung die Daten nicht tragen. | Dass die Erhebung deshalb nutzlos wäre. |
Öffentliche Methodenquellen weisen darauf hin, dass freiwillige Erhebungen durch Nichtteilnahme und Selbstauswahl verzerrt sein können. GESIS zeigt für selbstadministrierte Befragungen, dass die Kombination verschiedener Erhebungswege die Abdeckung verbessern kann, aber auch unterschiedliche Antwortbedingungen erzeugen kann. Die Qualitätsstandards des Bundes zur Kinder- und Jugendbeteiligung betonen zugängliche, verständliche und passende Beteiligungswege.
Video zur Vertiefung M/E: GESIS erklärt am Beispiel von Befragungen, wie Nonresponse Bias entsteht, wenn Teilnehmende und Nichtteilnehmende sich systematisch unterscheiden. Das Video ist eine externe Vertiefung; die Kernaufgaben des Kurses sind ohne Video lösbar.
Werkstattfall: Nur online eingegangene Jugendvorschläge
Ausgangslage
Die fiktive Gesamtschule Nordpark möchte wissen: „Was soll sich an unserer Schule ändern?“ Für die erste Beteiligungsphase wird ein Online-Formular zehn Schultage lang geöffnet.
Die vorab festgelegte Bezugsgruppe umfasst 240 Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 7 bis 10, im Werkstattfall jeweils 60 pro Klassenstufe. Die Bezugsgruppe ist eine Eigenschaft des Projekts, nicht der eingegangenen Antworten.
Der Link zum Formular wird ausschließlich digital oder über einen digitalen Endpunkt verbreitet:
- Schul-App: Ein Beitrag erscheint in den Jahrgangsbereichen. Es wird nicht gespeichert, welche einzelne Person den Beitrag öffnet.
- QR-Code: Ein Plakat hängt in der Mensa. Es wird nicht gespeichert, wer das Plakat sieht oder den Code scannt.
- Social Media: Die Schülervertretung teilt den Link über eine Story. Reichweite und Followerstruktur werden nicht mit einzelnen Antworten verknüpft.
Alle drei Wege führen zum selben Online-Formular. Für eine Teilnahme ist also mindestens ein funktionierender digitaler Zugang zum Formular nötig.
Datenschutzarme Gestaltung des Werkstattformulars
Das Werkstattformular fragt keinen Namen, keine E-Mail-Adresse, keine Telefonnummer, kein Geburtsdatum, keine Klasse, kein Geschlecht und keinen Account ab. Die Pflichtfrage lautet nur: „Welchen konkreten Vorschlag hast Du für unsere Schule?“ Das Feld „Ort/Bereich“ ist optional.
Für eine reale Umsetzung reicht es nicht, nur sichtbare Namensfelder wegzulassen. Auch technische Protokolle können personenbezogene Daten enthalten. Deshalb gilt im Erhebungsplan: Ein Online-Werkzeug darf nur dann als anonym beschrieben werden, wenn geprüft wurde, dass keine Identifikatoren wie Nutzerkonto oder für das Projekt gespeicherte IP-Adresse mit den Antworten verbunden werden. Wenn das nicht verlässlich einstellbar ist, muss ein anderes Werkzeug oder ein nichtdigitaler Weg verwendet werden.
Die Datenschutz-Grundverordnung nennt als Grundsatz die Datenminimierung: Personenbezogene Daten sollen dem Zweck angemessen, erheblich und auf das notwendige Maß beschränkt sein. Für diesen Werkstattkurs wird noch strenger gearbeitet: Für die Lernaufgabe werden gar keine personenbezogenen Angaben benötigt.
Vollständiger Datensatz der ersten Online-Phase
Datenherkunft: Die folgenden 24 Zeilen sind vollständig konstruiert. Jede ID bezeichnet nur eine Tabellenzeile, nicht eine Person. Weil keine Personencodes, Cookies oder Konten genutzt werden, wissen wir nicht, ob 24 verschiedene Personen geantwortet haben.
| ID | Online eingegangener Vorschlag | Ort/Bereich optional |
|---|---|---|
| P01 | Mehr Schattenplätze und Sitzmöglichkeiten auf dem Schulhof. | Schulhof |
| P02 | Eine Trinkwasser-Nachfüllstation wäre hilfreich. | |
| P03 | Die Bibliothek sollte nach dem Unterricht länger offen sein. | Bibliothek |
| P04 | Wir brauchen überdachte Fahrradständer. | Fahrradbereich |
| P05 | Nach den AGs sollte ein späterer Bus fahren. | Haltestelle |
| P06 | Ein ruhiger Raum für Pausen wäre gut. | |
| P07 | In der Mensa sollte es mehr vegetarische Auswahl geben. | Mensa |
| P08 | Sportgeräte sollten in der Pause ausgeliehen werden können. | |
| P09 | Im Foyer wären Schließfächer mit Lademöglichkeit praktisch. | Foyer |
| P10 | Der Übergang vor dem Schultor sollte sicherer werden. | Schultor |
| P11 | Es sollte einen Raum für selbstorganisierte Gruppen geben. | Altbau |
| P12 | Eine geschlechtsneutrale Toilette wäre sinnvoll. | |
| P13 | Nach dem Unterricht sollte es freiwillige Hausaufgabenhilfe geben. | Bibliothek |
| P14 | Auf dem Schulhof sollten mehr Bäume gepflanzt werden. | Schulhof |
| P15 | Das WLAN für schulische Lernmaterialien sollte zuverlässiger sein. | Schulgebäude |
| P16 | Wichtige Willkommensinformationen sollten in mehreren Sprachen verfügbar sein. | |
| P17 | Eine offene Reparaturwerkstatt wäre interessant. | Technikraum |
| P18 | Kostenlose Menstruationsprodukte sollten bereitliegen. | Toiletten |
| P19 | Zur Aula sollte es einen stufenlosen Weg geben. | Aula |
| P20 | Zusätzlich zum Online-Formular sollte es eine anonyme Vorschlagsbox geben. | |
| P21 | Am Fahrradbereich sollte die Beleuchtung besser sein. | Fahrradbereich |
| P22 | Auf dem Schulhof wäre eine Tischtennisplatte gut. | Schulhof |
| P23 | Der Weg, wie man Mobbing vertraulich meldet, sollte klarer erklärt werden. | |
| P24 | An der Bushaltestelle fehlen Sitzmöglichkeiten. | Haltestelle |
Was die Daten sicher zeigen
Es liegen 24 Online-Einreichungen mit 24 ausgefüllten Pflichtfeldern „Vorschlag“ vor. Beim optionalen Feld „Ort/Bereich“ fehlen in P02, P06, P08, P12, P16, P20 und P23 Angaben. Das sind 7 von 24 Datensätzen, also rund 29 Prozent Item-Nonresponse bei diesem optionalen Feld.
Die Zahl 24 ist keine gesicherte Zahl unterschiedlicher Teilnehmender. Deshalb darfst Du auch nicht sagen: „24 von 240 Jugendlichen haben geantwortet.“ Rechnerisch entsprechen 24 Einreichungen zwar 10 Prozent der Größe der Bezugsgruppe, aber diese 10 Prozent sind keine Rücklaufquote. Für eine Rücklaufquote bräuchten wir unter anderem eine verlässliche Zahl einzigartiger Personen im Zähler und müssten wissen, wer tatsächlich eine Teilnahmechance hatte.
Was die Daten nicht zeigen
Die Daten zeigen nicht, welche Klassenstufen, sozialen Gruppen oder persönlichen Merkmale unter den Einsendenden vertreten sind. Sie zeigen auch nicht, wer den Aufruf überhaupt wahrgenommen hat. Wir können nicht unterscheiden, ob eine nicht sichtbare Stimme auf Nicht-Erreichen, auf eine Zugangshürde, auf eine bewusste Nichtteilnahme oder auf einen anderen Grund zurückgeht.
Gerade diese Unsicherheit ist ein Lerngegenstand: Gute Beteiligung dokumentiert nicht nur Antworten, sondern auch die Grenzen des eigenen Zugangs.
Mögliche Zugangshürden als Hypothesen
Aus dem Design lassen sich begründete Hypothesen ableiten. Ein ausschließlich online erreichbares Formular kann zum Beispiel schwieriger zugänglich sein, wenn jemand kein geeignetes Gerät zur Hand hat, nur eingeschränkten Internetzugang besitzt, die Schul-App nicht nutzt, das QR-Plakat nicht sieht, längere Texte schwer lesen kann, eine andere Sprachfassung benötigt, mit Tastatur oder Screenreader arbeitet und das Formular technisch nicht zugänglich ist oder sich in einer offenen digitalen Situation nicht sicher fühlt.
Wichtig: Diese Punkte sind keine Diagnose über konkrete Schülerinnen und Schüler der fiktiven Schule. Wir wissen nicht, ob und wie viele Personen davon betroffen sind. Wir prüfen deshalb den Zugang, nicht die vermutete Identität von Personen.

Werkstatt-Audit: Erreichen, Antworten, Auswerten
Nutze für jede Erhebung drei Prüffragen:
| Prüfschritt | Leitfrage | Typischer Fehler |
|---|---|---|
| Erreichen | Hatten unterschiedliche Teile der Bezugsgruppe eine realistische Chance, den Aufruf wahrzunehmen und zu nutzen? | „Der Link war öffentlich, also konnten alle teilnehmen.“ |
| Antworten | Wissen wir, ob erreichte Personen tatsächlich geantwortet haben? | „Keine Antwort bedeutet Desinteresse.“ |
| Auswerten | Welche Schlüsse tragen die Daten, ohne die nicht beobachteten Personen zu erfinden? | „Die häufigste Online-Idee ist die Meinung der ganzen Schule.“ |
Barrierearme zusätzliche Wege planen
Prinzip: Gleiche Kernfrage, mehrere Zugänge
Ein sinnvoller Folgeplan verbindet mehrere Zugänge, ohne die inhaltliche Kernfrage zu verändern. So lässt sich die Abdeckung verbessern, ohne aus den zusätzlichen Wegen personenbezogene Profile zu bauen. Gleichzeitig muss transparent bleiben, dass verschiedene Modi Antworten beeinflussen können. Eine Karte auf Papier, ein begleitetes Gespräch und ein Online-Formular sind nicht völlig identische Situationen.

Vier zusätzliche Wege ohne personenbezogene Angaben
| Weg | Welche Hürde kann er reduzieren? | Datenschutzarme Umsetzung | Offene Grenze |
|---|---|---|---|
| Anonyme Papierkarten | Kein eigenes digitales Gerät oder keine Nutzung des Online-Formulars nötig. | Nur die Kernfrage und optional „Ort/Bereich“; keine Namenszeile; Einwurf in mehrere gleich gestaltete Boxen. | Handschrift oder Inhalt kann versehentlich identifizierende Angaben enthalten; der Hinweis „Bitte keine Namen oder Kontaktdaten“ bleibt nötig. |
| Begleiteter Vorschlagstisch | Unterstützung bei Lesen, Schreiben oder Formularbedienung. | Die unterstützende Person notiert auf Wunsch nur den Vorschlag, liest ihn zur Bestätigung vor und führt keine Teilnahmeliste. | Anwesenheit anderer Personen kann beeinflussen, was gesagt wird; deshalb braucht es einen ruhigen, freiwilligen Rahmen. |
| Zugängliches Schul-Kioskgerät | Teilnahme ohne eigenes Smartphone und ohne eigenes Konto. | Browser ohne Anmeldung; Tastaturbedienung, sichtbarer Fokus und Screenreader-Kompatibilität werden vorher getestet. | Technische Barrierefreiheit muss praktisch geprüft werden; ein Symbol „barrierefrei“ allein reicht nicht. |
| Sprachlich vereinfachte gleichwertige Karten | Schwierige Verwaltungssprache oder hohe Leselast wird reduziert. | Kurze Sätze, klare Begriffe und bei Bedarf zusätzliche Sprachfassungen mit derselben Kernbedeutung; keine Abfrage der Erstsprache. | Übersetzungen können Nuancen verschieben und müssen geprüft werden. |
Ein zusätzlicher DGS-unterstützter Sprechzeitraum kann vorgesehen werden, wenn entsprechende Unterstützung organisiert werden kann. Es wird kein Video und kein Audio aufgezeichnet; der Vorschlag wird nur inhaltlich notiert. Auch hier ist die Teilnahme freiwillig und ohne Namensliste.
Barrierefreiheit praktisch prüfen
Behördliche Hinweise zur digitalen Barrierefreiheit nennen unter anderem klare Beschriftungen von Formularfeldern, Tastaturbedienbarkeit, sichtbaren Tastaturfokus und verständliche Fehlermeldungen als wichtige Prüfpunkte. Die Bundesfachstelle Barrierefreiheit beschreibt Leichte Sprache als Instrument, um Informationen für Menschen mit Lern- oder Leseschwierigkeiten zugänglicher zu machen. Das bedeutet nicht, dass jede Beteiligung automatisch durch eine einzige Textfassung barrierefrei wird. Zugänglichkeit muss zu den tatsächlichen Wegen passen und getestet werden.
Ein Museumsbeispiel zeigt denselben Grundgedanken in einem anderen Feld: Das Deutsche Museum informiert öffentlich über digitale Barrierefreiheit und bietet Wege, Barrieren zu melden. Das Haus der Geschichte weist barrierefreie Angebote aus. Diese Beispiele werden hier nicht als Befragungsdaten verwendet, sondern als Praxisorientierung dafür, Barrieren sichtbar zu machen und alternative Zugänge mitzudenken.
Vertiefung E: Warum Mixed-Mode nicht automatisch alle Probleme löst
Ein Mixed-Mode-Ansatz kombiniert verschiedene Erhebungswege, zum Beispiel online und Papier. Das kann die Chance verbessern, Personen mit unterschiedlichen Zugangsvoraussetzungen zu erreichen. Dennoch bleiben drei Grenzen:
- Verschiedene Modi können die Art beeinflussen, wie Menschen antworten.
- Zusätzliche Wege beseitigen nicht automatisch jede Nichtteilnahme.
- Ohne personenbezogene Verknüpfung können Mehrfacheinreichungen zwischen den Wegen nicht sicher erkannt werden.
Darum lautet ein fachlich sauberer Satz nicht „Jetzt ist die Befragung repräsentativ“, sondern zum Beispiel: „Wir haben die Zugangsmöglichkeiten erweitert; die Daten bleiben selbstselektiert und Mehrfacheinreichungen können nicht ausgeschlossen werden.“
Vertiefung E: Das GESIS-Video behandelt Gewichtung und den Umgang mit fehlenden Werten. Für unseren Werkstattfall ist entscheidend: Gewichtung kann fehlende Informationen nicht magisch ersetzen. Ohne geeignete Vergleichsinformationen und ohne begründete Annahmen darf sie nicht als Reparatur für eine selbstselektierte Online-Sammlung verkauft werden.
Produkt: Erhebungsplan
Leervorlage
Fülle die folgende Vorlage so aus, dass eine andere Person Deinen Plan prüfen könnte.
| Baustein | Dein Eintrag |
|---|---|
| Entscheidungsfrage | Wozu werden Vorschläge gesammelt und welche Entscheidung kann dadurch beeinflusst werden? |
| Bezugsgruppe | Wer soll grundsätzlich eine faire Teilnahmechance haben? |
| Zeitraum | Wann beginnt und endet die Sammlung? |
| Kernfrage | Welche kurze, für alle Wege gleichbedeutende Frage wird gestellt? |
| Zugangswege | Welche mindestens drei Wege werden parallel angeboten? |
| Barriere-Checks | Welche konkreten Prüfungen werden vor dem Start durchgeführt? |
| Datensparsamkeit | Welche Angaben werden bewusst nicht erhoben? Wie werden technische Identifikatoren vermieden? |
| Fehlende Angaben | Welche Felder sind optional? Wie wird Item-Nonresponse dokumentiert, ohne Antworten zu erfinden? |
| Prozessdaten | Welche rein aggregierten Informationen werden über Wege und Stückzahlen festgehalten? |
| Auswertung | Wie werden Vorschläge thematisch geordnet, ohne Personenmerkmale zu unterstellen? |
| Aussagegrenzen | Welche Schlüsse sind ausdrücklich nicht zulässig? |
| Rückmeldung | Wie erfahren Jugendliche, was mit den Vorschlägen geschieht? |
Beispiel-Erhebungsplan für den Werkstattfall
| Baustein | Modell für die fiktive Gesamtschule Nordpark |
|---|---|
| Entscheidungsfrage | Welche Veränderungen sollen für die nächste Schulentwicklungsrunde geprüft und priorisiert werden? |
| Bezugsgruppe | Alle 240 Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 7 bis 10, die im festgelegten Erhebungszeitraum zur fiktiven Schule gehören. |
| Zeitraum | Zwei Schulwochen; alle Wege öffnen und schließen am selben Tag. |
| Kernfrage | „Welchen konkreten Vorschlag hast Du für unsere Schule?“ Optional: „Ort/Bereich“. |
| Zugangswege | Online-Formular ohne Konto, anonyme Papierkarten an mehreren Orten, zugängliches Kioskgerät und begleiteter Vorschlagstisch zu unterschiedlichen Zeiten. |
| Barriere-Checks | Tastaturbedienung, sichtbarer Fokus, Screenreader-Test, verständliche Fehlermeldungen, kurze Sprachfassung, gut lesbarer Druck, ruhiger Unterstützungsplatz. |
| Datensparsamkeit | Keine Namen, Kontakte, Accounts, exakten Klassen, demografischen Merkmale oder Audio-/Videoaufnahmen. Online-Werkzeug nur ohne mit Antworten verbundene Identifikatoren. |
| Fehlende Angaben | Der Vorschlag ist Pflicht, „Ort/Bereich“ optional. Fehlende Ortsangaben bleiben als „keine Angabe“ erhalten und werden nicht geraten. |
| Prozessdaten | Pro Weg wird nur die Zahl eingegangener Beiträge gezählt. Diese Zahl wird nicht mit Personenprofilen verbunden. |
| Auswertung | Vorschläge werden nach vorher dokumentierten Themenregeln codiert; unklare Fälle werden als unklar markiert. Häufigkeiten beziehen sich auf Einreichungen, nicht auf Personen. |
| Aussagegrenzen | Keine Aussage über Repräsentativität, keine sichere Zahl unterschiedlicher Teilnehmender, keine Aussage darüber, welche demografischen Gruppen geantwortet haben, keine sichere Trennung von Nichterreichen und freiwilliger Nichtteilnahme. |
| Rückmeldung | Veröffentlichung einer anonymisierten Themenübersicht, der Anzahl der Einreichungen je Weg, der Prüfkriterien für die Weiterbearbeitung und einer Begründung, welche Vorschläge weiterverfolgt werden. |
Transparenzkasten für die Veröffentlichung
Eine Ergebnisdarstellung könnte folgenden Hinweis enthalten:
„Die Vorschläge stammen aus einer freiwilligen Beteiligung mit mehreren Zugangswegen. Wir haben keine personenbezogenen Angaben erhoben und können daher weder die Zahl unterschiedlicher Teilnehmender noch die Zusammensetzung der Antwortenden bestimmen. Mehrfacheinreichungen sind möglich. Häufigkeiten beziehen sich auf Einreichungen, nicht auf die gesamte Bezugsgruppe. Die zusätzlichen Papier-, Kiosk- und Unterstützungswege sollten digitale Zugangshürden verringern; ob alle relevanten Hürden erreicht wurden, bleibt unsicher.“
Dieser Hinweis macht die Daten nicht schwächer. Er macht ihre Verwendung nachvollziehbarer.
Drei Werkstatt-Auswahlaufgaben
Die folgenden drei Aufgaben sind bewusst kurz und eindeutig. Jede Aufgabe hat vier plausible Optionen, zwei Hilfestufen, eine Belegstelle und eine erläuterte Lösung.
Auswahlaufgabe 1: Was darfst Du schließen?
Frage: Welche Aussage ist durch die 24 Online-Einreichungen am besten gedeckt?
A: Die Einreichungen dokumentieren konkrete Anliegen aus der Online-Sammlung, erlauben aber keine Aussage darüber, was alle 240 Jugendlichen denken.
B: Genau 24 verschiedene Jugendliche haben teilgenommen, also beträgt die Rücklaufquote 10 Prozent.
C: Die am häufigsten genannte Themenkategorie ist automatisch die Mehrheitsmeinung der ganzen Schule.
D: Wer nicht online geantwortet hat, hatte kein Interesse an Schulentwicklung.
Hilfestufe 1: Prüfe, ob eine Tabellenzeile sicher einer einzigartigen Person entspricht.
Hilfestufe 2: Prüfe außerdem, ob bekannt ist, wer den Aufruf tatsächlich gesehen und nutzen konnte.
Belegstelle: Destatis erläutert, dass vollständige Nichtantworten die realisierte Stichprobe verzerren können, wenn sich Antwortende und Nichtantwortende unterscheiden: Destatis: Auswirkungen von Unit-Nonresponse. Ergänzend erklärt GESIS Nonresponse Bias in der oben eingebetteten Videolektion.
Lösung mit Begründung: A ist richtig. Die 24 Zeilen sind 24 Einreichungen, aber keine gesichert 24 verschiedenen Personen. Außerdem ist unbekannt, wer den digitalen Aufruf tatsächlich wahrgenommen hat. B setzt fälschlich einzigartige Personen voraus. C verwechselt Häufigkeit unter Einreichungen mit einer Mehrheitsmeinung der Bezugsgruppe. D deutet Nichtantwort ohne Beleg als Desinteresse.
Auswahlaufgabe 2: Welcher Zusatzweg passt zum Ziel?
Frage: Welche Ergänzung reduziert eine digitale Zugangshürde am direktesten, ohne personenbezogene Daten erheben zu müssen?
A: Anonyme Papierkarten mit derselben Kernfrage plus ein begleiteter Vorschlagstisch ohne Namensliste.
B: Eine Pflichtregistrierung mit E-Mail-Adresse, damit jede Person nur einmal antwortet.
C: Eine Abfrage von Name, Klasse und Telefonnummer, damit fehlende Gruppen später angerufen werden können.
D: Nur mehr Werbung für denselben Online-Link auf weiteren Social-Media-Kanälen.
Hilfestufe 1: Suche eine Option, die einen nichtdigitalen Zugang schafft.
Hilfestufe 2: Streiche alle Optionen, die für die Kernfrage unnötige Identifikatoren verlangen.
Belegstelle: Die Qualitätsstandards des Bundes zur Kinder- und Jugendbeteiligung betonen passende Zugänge und Rahmenbedingungen: Bundesministerium: Mitwirkung mit Wirkung. Der Grundsatz der Datenminimierung steht in Artikel 5 DSGVO: EUR-Lex: Datenschutz-Grundverordnung.
Lösung mit Begründung: A ist richtig. Papier und persönliche Schreibhilfe eröffnen einen Weg, der kein eigenes digitales Gerät voraussetzt, und sie können ohne Namensliste arbeiten. B und C erzeugen für die Fragestellung unnötige personenbezogene Datenspuren. D verbreitet zwar den Link breiter, lässt aber die zentrale digitale Zugangsvoraussetzung bestehen.
Auswahlaufgabe 3: Welche Bezugsgruppe ist transparent?
Frage: Welche Formulierung beschreibt die Bezugsgruppe im Werkstattfall am klarsten?
A: Alle 240 Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 7 bis 10 der fiktiven Gesamtschule Nordpark im festgelegten Erhebungszeitraum.
B: Alle Jugendlichen, die den Link geöffnet haben.
C: Alle Personen, die mindestens einen Vorschlag eingereicht haben.
D: Alle Jugendlichen, die Social Media nutzen.
Hilfestufe 1: Die Bezugsgruppe wird vor der Auswertung festgelegt.
Hilfestufe 2: Frage Dich, für wen die Beteiligungsentscheidung gelten soll, nicht nur, wer bereits geantwortet hat.
Belegstelle: Die Qualitätsstandards für Kinder- und Jugendbeteiligung behandeln Beteiligung als geplanten Prozess mit geklärten Zielgruppen, Zugängen und Rahmenbedingungen: Bundesministerium: Qualitätsstandards. Als methodische Ergänzung erklärt GESIS die Bedeutung des Zugangs bei selbstadministrierten Erhebungsmodi: GESIS: Umfragemethodik.
Lösung mit Begründung: A ist richtig. Die Bezugsgruppe beschreibt die Personen, für deren Beteiligung der Prozess geplant wird. B, C und D definieren Gruppen erst über einen bestimmten Zugang oder eine erfolgte Teilnahme und würden gerade die möglicherweise nicht erreichten Stimmen aus dem Blick verlieren.
Freie Urteile: offen begründen statt Mustermeinung übernehmen
Urteilsfrage
Soll die Schule zusätzliche Erhebungswege einsetzen, obwohl Planung und Auswertung dadurch aufwendiger werden?
Für diese Frage gibt es im Kurs keine einzige richtige Meinung. Entscheidend ist die Qualität Deiner Begründung.
Modell für eine Begründungsstruktur
Das folgende Modell ist kein Musterurteil, sondern eine Strukturhilfe:
- Entscheidungssatz: Formuliere Deine Position oder eine bedingte Position.
- Beleg: Nutze mindestens zwei Beobachtungen aus dem Werkstattfall oder den Methodenquellen.
- Alternativerklärung: Nenne mindestens eine andere plausible Erklärung für fehlende Antworten als Desinteresse.
- Zugänglichkeit: Prüfe, welche konkrete Hürde Dein Vorschlag reduziert und welche bestehen bleibt.
- Datenschutz: Begründe, warum die geplanten Angaben für den Zweck nötig oder gerade nicht nötig sind.
- Unsicherheit: Benenne mindestens eine Information, die Dir fehlt.
- Bedingtes Urteil: Formuliere, unter welchen Bedingungen Du Deine Entscheidung ändern würdest.
Prüfkriterien für freie Urteile
| Kriterium | Erkennbar an |
|---|---|
| Bezug zur Bezugsgruppe | Das Urteil fragt, wer grundsätzlich eine faire Teilnahmechance erhalten soll. |
| Methodische Sorgfalt | Selbstauswahl, Coverage und Nonresponse werden nicht miteinander verwechselt. |
| Belegtreue | Behauptungen passen zu den tatsächlich vorhandenen Daten; nicht beobachtete Personen werden nicht erfunden. |
| Barrierearmut | Maßnahmen nennen konkrete Hürden und konkrete Prüfungen. |
| Datensparsamkeit | Es werden keine personenbezogenen Merkmale „auf Vorrat“ vorgeschlagen. |
| Transparenz | Unsicherheiten, Mehrfacheinreichungen und Aussagegrenzen werden offen benannt. |
| Abwägung | Vorteile, Kosten oder Nebenwirkungen verschiedener Wege werden gegeneinander gestellt. |
Transferfall: Beteiligung an einer Museumsausstellung
Ein städtisches Jugendteam plant mit einem Museum eine Ausstellung über „Jugend und Stadt“. Die erste Ideensammlung läuft nur über eine Instagram-Umfrage. Das Team möchte aber Aussagen über die Interessen aller 14- bis 18-Jährigen im Stadtgebiet ableiten.
Datenherkunft: Dieser Transferfall ist ebenfalls konstruiert. Es gibt keine behaupteten realen Umfrageergebnisse und keine erfundenen Museumszitate.
Unsicherheiten: Unbekannt ist, welcher Anteil der 14- bis 18-Jährigen den Museumsaccount kennt, Instagram nutzt, die Umfrage angezeigt bekommt oder sich von der Form der Abfrage angesprochen fühlt. Auch ein zusätzlicher Stand im Museum würde noch nicht alle erreichen, denn Jugendliche, die das Museum nicht besuchen, blieben möglicherweise außen vor.
Transferauftrag M: Plane neben der Instagram-Umfrage zwei zusätzliche, nicht personengebundene Zugänge, zum Beispiel Karten in Jugendzentren und Schulen sowie eine zugängliche Abgabestation im Museum. Halte die Kernfrage gleich und erkläre, welche Hürde jeder Weg reduziert.
Transferauftrag E: Entwickle einen Plan, der auch Jugendliche berücksichtigt, die weder dem Museumsaccount folgen noch das Museum besuchen. Begründe, welche öffentlichen Orte oder Partnerinstitutionen sinnvoll sein könnten, ohne persönliche Kontaktlisten anzulegen. Kennzeichne, welche Teile Deiner Planung Annahmen sind und wie Du sie vor dem Start prüfen würdest.
Praxisorientierung: Öffentliche Museumsseiten wie die des Deutschen Museums zur digitalen Barrierefreiheit und des Hauses der Geschichte zu barrierefreien Angeboten zeigen, wie Kultureinrichtungen Zugänglichkeit dokumentieren. Diese Seiten belegen nicht, welche Jugendlichen im Transferfall fehlen; sie dienen nur als Orientierung für die Gestaltung zugänglicher Angebote.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was bedeutet Selbstauswahl in einer offenen Beteiligung? (Die Menschen entscheiden nach einem offenen Zugang selbst, ob sie teilnehmen) (!Alle Personen werden per Zufall ausgewählt) (!Nur die Projektleitung entscheidet, wer antworten darf) (!Jede Person muss gesetzlich teilnehmen)
Warum sind 24 Einreichungen im Werkstattfall nicht automatisch 24 verschiedene Teilnehmende? (Es wurden keine personenbezogenen oder eindeutigen Teilnahmecodes zur Deduplizierung erhoben) (!Weil jede Einreichung zwangsläufig von zwei Personen stammt) (!Weil Online-Formulare keine Texte speichern können) (!Weil nur Papierkarten Personen unterscheiden können)
Welche Bezugsgruppe wurde im Werkstattfall festgelegt? (Alle 240 Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 7 bis 10 der fiktiven Schule) (!Nur die 24 Online-Einreichungen) (!Nur Mitglieder der Schülervertretung) (!Nur Jugendliche mit einem Social-Media-Konto)
Was ist im Werkstattdatensatz ein Beispiel für Item-Nonresponse? (Das optionale Feld Ort oder Bereich ist bei sieben Einreichungen leer) (!Eine Person sieht den Link nicht) (!Eine Person besitzt kein geeignetes Gerät) (!Die Schule definiert eine Bezugsgruppe)
Was bezeichnet Unit-Nonresponse? (Eine vorgesehene Person liefert gar keinen auswertbaren Beitrag) (!Ein optionales Feld innerhalb eines Beitrags bleibt leer) (!Eine Antwort wird in eine Themenkategorie codiert) (!Ein Formular wird mit größerer Schrift dargestellt)
Welche Situation ist am ehesten ein Coverage-Problem? (Ein Beteiligungsweg ist nur online nutzbar und erreicht dadurch nicht alle mit gleicher Chance) (!Ein optionales Ortsfeld bleibt leer) (!Ein Vorschlag enthält zwei Themen) (!Eine Themenkategorie wird umbenannt)
Welche Maßnahme passt am besten zum Grundsatz der Datenminimierung? (Nur Angaben erheben, die für den festgelegten Beteiligungszweck wirklich erforderlich sind) (!Zur Sicherheit immer Name und Telefonnummer erheben) (!Alle verfügbaren Merkmale sammeln und später über den Zweck entscheiden) (!Personenbezogene Daten mit jeder Veröffentlichung verknüpfen)
Welche Aussage zu zusätzlichen Papierkarten ist fachlich am saubersten? (Sie können einen nichtdigitalen Zugang eröffnen, beseitigen aber nicht automatisch jede Auswahlverzerrung) (!Sie machen die gesamte Erhebung automatisch repräsentativ) (!Sie beweisen, dass vorher niemand ohne Smartphone teilnehmen konnte) (!Sie verhindern jede Mehrfacheinreichung)
Warum darfst Du aus dem Vorschlag für eine Rampe kein Personenmerkmal ableiten? (Der Inhalt eines Vorschlags belegt nicht die persönliche Eigenschaft der einreichenden Person) (!Vorschläge dürfen grundsätzlich nicht ausgewertet werden) (!Barrierefreiheit betrifft nur Gebäude) (!Personenmerkmale sind immer aus Texten eindeutig erkennbar)
Welche Ergebnisformulierung ist am transparentesten? (Die Häufigkeiten beziehen sich auf Einreichungen und die Zusammensetzung der Antwortenden ist unbekannt) (!Die Einreichungen zeigen sicher die Meinung aller Jugendlichen) (!Nichtantwortende unterstützen die häufigsten Vorschläge) (!Mehr Zugangswege beseitigen jede Unsicherheit)
Memory
| Selbstauswahl | freiwillige Entscheidung zur Teilnahme nach offenem Zugang |
| Bezugsgruppe | Personen, für die der Beteiligungsprozess gedacht ist |
| Unit-Nonresponse | vollständiges Ausbleiben eines Beitrags |
| Item-Nonresponse | fehlende Angabe innerhalb eines eingegangenen Datensatzes |
| Coverage | Abdeckung der Bezugsgruppe durch den Erhebungsweg |
| Datenminimierung | nur für den Zweck notwendige personenbezogene Daten |
| Mixed-Mode | Kombination mehrerer Erhebungswege |
| Aussagegrenze | ausdrücklich benannte Grenze zulässiger Schlussfolgerungen |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Bezugsgruppe | Alle Personen, für die die Beteiligungsfrage gelten soll |
| Item-Nonresponse | Einzelne optionale Angabe fehlt in einem eingegangenen Datensatz |
| Unit-Nonresponse | Von einer vorgesehenen Person liegt gar kein Beitrag vor |
| Barrierearmer Zugang | Zusätzlicher Weg reduziert eine konkrete Teilnahmehürde |
| Aussagegrenze | Schlussfolgerung wird ausdrücklich begrenzt |
Kreuzworträtsel
| Selbstselektion | Wie heißt die Auswahl, wenn Menschen nach einem offenen Aufruf selbst über ihre Teilnahme entscheiden? |
| Bezugsgruppe | Wie heißt die festgelegte Personengruppe, für die eine Beteiligungsfrage gelten soll? |
| Nonresponse | Welcher Fachbegriff bezeichnet fehlende Antworten in Befragungen? |
| Barriere | Wie heißt ein Hindernis, das den Zugang zu einer Beteiligung erschweren kann? |
| Anonymität | Wie heißt der Zustand, wenn eine Antwort keiner identifizierbaren Person zugeordnet werden kann? |
| Erhebungsplan | Wie heißt das Dokument, das Bezugsgruppe, Wege, Zeitraum und Aussagegrenzen festlegt? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Daten lesen: Markiere im Werkstattdatensatz alle Zeilen, in denen „Ort/Bereich“ fehlt, und erkläre in zwei Sätzen, warum diese Lücken Item-Nonresponse und nicht automatisch Unit-Nonresponse sind.
- Bezugsgruppe formulieren: Formuliere die Bezugsgruppe des Werkstattfalls mit Ort, Alters- beziehungsweise Klassenbezug und Erhebungszeitraum so präzise wie möglich.
- Zugang prüfen: Zeichne den Weg vom Schul-App-Beitrag, QR-Plakat oder Social-Media-Post bis zur Einreichung und markiere mindestens drei Stellen, an denen eine Zugangshürde entstehen könnte.
- Aussagegrenzen: Schreibe drei Sätze, die mit „Aus diesen Daten wissen wir nicht, ob …“ beginnen und sich ausschließlich auf tatsächlich fehlende Informationen beziehen.
Standard
- Erhebungswege vergleichen: Vergleiche Online-Formular, Papierkarte und begleiteten Vorschlagstisch anhand von Zugang, Datenschutz, möglichem Einfluss des Modus und Aufwand.
- Barriere-Check entwickeln: Erstelle eine kurze Prüfliste für ein Kioskgerät mit Tastaturbedienung, sichtbarem Fokus, verständlichen Fehlermeldungen und Screenreader-Test. Begründe jeden Punkt.
- Codierregel: Entwickle fünf sachliche Themenkategorien für die 24 Vorschläge. Lege eine Regel für Vorschläge fest, die zu zwei Kategorien passen, und dokumentiere mindestens einen Grenzfall.
- Erhebungsplan erstellen: Fülle die Leervorlage vollständig aus und markiere jeden Baustein, bei dem trotz Planung Unsicherheit bleibt.
Schwer
- Selbstauswahl analysieren: Entwickle zwei plausible Mechanismen, durch die die freiwillige Teilnahme mit dem Inhalt von Vorschlägen zusammenhängen könnte. Kennzeichne sie ausdrücklich als Hypothesen und nenne, welche Daten fehlen, um sie zu prüfen.
- Mixed-Mode bewerten: Erkläre, warum mehrere Erhebungswege die Abdeckung verbessern können, aber nicht automatisch Repräsentativität herstellen. Beziehe mindestens einen möglichen Moduseffekt ein.
- Datenschutz und Erkenntnisinteresse: Prüfe den Vorschlag „Wir fragen Klasse, Alter, Geschlecht, Sprache und Namen ab, damit wir wissen, wer fehlt.“ Entwickle eine datensparsamere Alternative, die dem Projektziel besser entspricht.
- Transfer Museum: Übertrage den Erhebungsplan auf den Museumsfall. Lege eine neue Bezugsgruppe fest, plane mindestens drei Zugangswege außerhalb eines einzigen sozialen Netzwerks und formuliere einen Transparenzhinweis für die spätere Ergebnisdarstellung.


Lernkontrolle
- Schlussfolgerungen prüfen: Eine Projektgruppe schreibt: „24 von 240 Jugendlichen unterstützen unsere Vorschläge.“ Prüfe den Satz, identifiziere mindestens zwei methodische Probleme und formuliere eine fachlich tragfähige Alternative.
- Fehlende Stimmen: Erkläre anhand eines selbst entwickelten Beispiels den Unterschied zwischen „nicht erreicht“ und „erreicht, aber nicht geantwortet“. Zeige anschließend, warum beides im Werkstattfall nicht sicher auseinandergehalten werden kann.
- Planrevision: Du erfährst vor dem Start, dass das geplante Online-Werkzeug eine Anmeldung mit persönlichem Schulkonto verlangt. Überarbeite den Erhebungsplan so, dass das Lernziel der datenschutzarmen Beteiligung erhalten bleibt.
- Barrierearmut begründen: Wähle zwei zusätzliche Wege aus dem Kurs und erläutere jeweils, welche konkrete Zugangshürde sie reduzieren, welche neue Grenze sie erzeugen können und wie Du diese Grenze dokumentierst.
- Transferargument: Beurteile die Behauptung „Wenn das Museum zusätzlich Karten im Foyer auslegt, sind alle 14- bis 18-Jährigen der Stadt vertreten.“ Nutze Bezugsgruppe, Coverage, Selbstauswahl und mindestens eine offene Unsicherheit.
- Transparenztext: Verfasse einen maximal 120 Wörter langen Hinweis für die Veröffentlichung von Ergebnissen, der Datenherkunft, Mehrfacheinreichungen, unbekannte Zusammensetzung der Antwortenden und die Reichweite der Schlussfolgerungen korrekt beschreibt.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur Fachbegriffe nennen, sondern sie am Erhebungsdesign anwenden kannst. Dein Lernnachweis sollte zeigen:
- Bezugsgruppe: Du formulierst nachvollziehbar, für wen die Beteiligung geplant ist.
- Selbstauswahl: Du erklärst, warum freiwillige Teilnahme die Zusammensetzung der Einreichungen beeinflussen kann, ohne nicht beobachtete Personen zu erfinden.
- Nonresponse: Du unterscheidest Unit-Nonresponse und Item-Nonresponse an konkreten Beispielen.
- Coverage: Du leitest mögliche Zugangshürden aus dem verwendeten Erhebungsweg ab und kennzeichnest Unsicherheit.
- Barrierearmut: Du planst mehrere Zugänge und beschreibst konkrete Prüfungen ihrer Nutzbarkeit.
- Datenschutz: Du begründest Datensparsamkeit und verzichtest im Plan auf unnötige personenbezogene Angaben.
- Auswertung: Du beziehst Häufigkeiten korrekt auf Einreichungen und nicht automatisch auf Personen oder die gesamte Bezugsgruppe.
- Transparenz: Du formulierst Grenzen, Mehrfacheinreichungen und unbekannte Zusammensetzung offen.
- Transfer: Du überträgst die Methode auf einen anderen Beteiligungskontext und begründest nötige Anpassungen.
Der Lernnachweis enthält keine externen Medien oder eingebetteten Inhalte.
Quellen, Datenherkunft und Medienrechte
Öffentliche methodische Quellen
Die folgenden Quellen wurden als methodische Orientierung genutzt. Sie ersetzen keine lokale Datenschutz- oder Rechtsprüfung für ein reales Schulprojekt.
- Bundesministerium: Mitwirkung mit Wirkung – Qualitätsstandards für Kinder- und Jugendbeteiligung – öffentliche Qualitätsstandards zu geeigneten Rahmenbedingungen, Zugängen und wirksamer Beteiligung.
- Bundesministerium: Jugendbeteiligung – öffentliche Übersicht zu Jugendbeteiligung und geeigneten Beteiligungsbedingungen.
- Statistisches Bundesamt: Auswirkungen von Unit-Nonresponse – methodische Grundlage zu möglichen Verzerrungen durch vollständige Nichtantworten.
- GESIS: Meet the Experts – Umfragemethodik – öffentliche Lehrmaterialien zu selbstadministrierten Modi, Mixed-Mode, Nonresponse und Gewichtung.
- EUR-Lex: Verordnung EU 2016/679 – Primärquelle zur Datenschutz-Grundverordnung, insbesondere Artikel 5 zum Grundsatz der Datenminimierung.
- BFIT-Bund: Praxistipps und Leitfäden – behördliche Orientierung zu barrierefreien digitalen Angeboten und Formularen.
- Bundesfachstelle Barrierefreiheit: Leichte Sprache – öffentliche Orientierung zu verständlicher und zugänglicher Kommunikation.
- Deutsches Museum: Digitale Barrierefreiheit – Museumsquelle zur Dokumentation und Meldung digitaler Barrieren.
- Haus der Geschichte: Barrierefreiheit – Museumsquelle zu zugänglichen Angeboten.
Stand der Links und Kursredaktion: 4. Oktober 2026.
Datenherkunft des Werkstattmaterials
Die „Gesamtschule Nordpark“, die Zahl von 240 Jugendlichen, die 24 Online-Einreichungen und sämtliche Vorschlagstexte wurden ausschließlich für diesen aiMOOC konstruiert. Dasselbe gilt für den Transferfall zur Museumsausstellung. Es wurden keine realen Jugenddaten kopiert, keine Interviewaussagen erfunden und keine synthetischen Aussagen als reale Zitate ausgegeben.
Medienrechte
| Medium | Herkunft und Rechtshinweis | Nutzung im Kurs |
|---|---|---|
| Online Survey Icon or logo DE.svg | Wikimedia Commons, Urheber Qui1che; Dateiseite: CC0 1.0. | Eingebettete Commons-Datei zur Visualisierung des digitalen Ausgangswegs. |
| Survey pictogram.svg | Wikimedia Commons, Urheber auf der Dateiseite Maunuel Campagnoli/Work2survive; CC BY-SA 4.0. | Eingebettete Commons-Datei zur Visualisierung des Erhebungsprozesses. |
| International Symbol of Access.svg | Wikimedia Commons; Originaldesign Rehabilitation International, SVG-Datei Jacklau96; auf der Dateiseite mit Public Domain Mark ausgewiesen. | Symbolischer Hinweis im Abschnitt zu Zugänglichkeit. |
| GESIS: Nonresponse Bias Analyse | YouTube-Video von GESIS. Im Kurs wird keine offene Lizenz behauptet; es wird nur über den vorgesehenen Einbettungsweg verlinkt. | Externe methodische Vertiefung. |
| GESIS: Gewichtung und Imputation | YouTube-Video von GESIS. Im Kurs wird keine offene Lizenz behauptet; es wird nur über den vorgesehenen Einbettungsweg verlinkt. | Externe Vertiefung E. |
Für eine Weiterverwendung außerhalb von moocwiki.org müssen die jeweils aktuellen Lizenzangaben auf den Commons-Dateiseiten beziehungsweise die Nutzungsbedingungen der Videoplattform geprüft werden. Die Medien sind Lernhilfen; die Aufgaben sind ohne sie lösbar.
OERs zum Thema
Als ergänzende freie Einstiegslektüre eignet sich der Wikipedia-Artikel zur Selbstselektion. Er ersetzt die methodischen Primär- und Behördenquellen nicht.
Verknüpfte Lernbereiche
aiMOOC-Projekte
MOOCwiki · Deutsch
Nach dem Lernen ist vor dem Lernen
Entdecke direkt den nächsten Lernkurs. Weitere Inhalte erscheinen, wenn Du weiter nach unten scrollst.
Zur MOOCwiki-HauptseiteMediathek
Mediathek wird aus dem Wiki geladen ...
Keine passenden Inhalte gefunden. Bitte ändere Suche oder Filter.
NEWSLernweltNOAH fragen