Schutzgasschweißen verstehen – Schutzgase fachlich einordnen
Schutzgasschweißen verstehen – Schutzgase fachlich einordnen
Zielgruppe: Auszubildende in Metalltechnik, Fertigungstechnik und verwandten Ausbildungsberufen
Kurzbeschreibung: Du ordnest Schutzgase nach Zusammensetzung und Wirkung ein und begründest, wie sie Lichtbogen, Tropfenübergang, Naht, Spritzer und Schweißrauch beeinflussen können.
Wichtig: Dieser Lernkurs vermittelt Grundlagen. Er ersetzt keine Unterweisung, keine Gefährdungsbeurteilung, keine Schweißanweisung (WPS), keine praktische Einweisung und keine Schweißerprüfung. Praktische Arbeiten dürfen nur in einem dafür geeigneten Ausbildungsbereich unter Fachaufsicht stattfinden.

Beobachtungsauftrag: Finde in der Zeichnung Brenner, Werkstück, Stromquelle, Drahtvorschub und Schutzgasversorgung. Welche Teile müssen zusammenwirken, bevor ein stabil geschützter Lichtbogen entstehen kann?
Einleitung
Beim Metallschutzgasschweißen schützt ein Gasstrom Lichtbogen, Elektrode und Schmelzbad vor der Umgebungsluft. Die Gaswahl ist deshalb kein Zubehördetail, sondern ein Prozessparameter.
Nach diesem Kurs kannst Du:
- Schutzgas nach inert und aktiv unterscheiden.
- MIG und MAG fachlich zuordnen.
- typische Gasbezeichnungen nach ISO 14175 lesen.
- Auswirkungen von Argon, Helium, Kohlendioxid und kleinen Sauerstoffanteilen begründet einschätzen.
- Schutzgasfehler und wichtige Gefährdungen erkennen.
- eine Schutzgasentscheidung anhand von Werkstoff, Prozess, WPS und Arbeitsschutz begründen.
Ausbildungsfall: MAG-Schweißen einer Stahlhalterung
In der Ausbildungswerkstatt soll eine Halterung aus unlegiertem Stahl gefertigt werden. Für die Kehlnaht ist MAG-Schweißen mit Massivdraht vorgesehen. Zwei freigegebene Gasgemische stehen zum Vergleich bereit:
| Gas | Zusammensetzung | ISO-Beispiel |
|---|---|---|
| Gemisch A | 92 % Argon + 8 % CO₂ | M20-ArC-8 |
| Gemisch B | 82 % Argon + 18 % CO₂ | M21-ArC-18 |
Deine Aufgabe im Kurs: Du entscheidest nicht nach dem Motto „mehr CO₂ ist besser“, sondern prüfst Werkstoff, WPS, Lichtbogenart, gewünschte Prozesscharakteristik, Emissionen und Freigabe durch die Fachaufsicht.

Bauteilauftrag: Markiere gedanklich Grundwerkstoff, Nahtwurzel, Nahtoberfläche und Wärmeeinflussbereich. An welcher Stelle muss die Schutzgasglocke während des Schweißens wirksam sein?
Lerneinheit 1: Wo wirkt das Schutzgas?

Das Schutzgas strömt aus der Gasdüse um Draht, Lichtbogen und Schmelzbad. Es begrenzt den Zutritt von Luftsauerstoff und Stickstoff zum heißen Prozessbereich.
Merksatz: Schutzgas wirkt dort, wo Metall flüssig oder stark erhitzt ist und der Lichtbogen brennt.
Beobachtungsauftrag: Verfolge in der Zeichnung den Weg des Drahts bis zum Schmelzbad. Warum reicht es nicht, nur den Draht „mit Gas anzublasen“?
Feedback: Entscheidend ist die zusammenhängende Schutzgasglocke über Lichtbogen und Schmelzbad, weil gerade dort Reaktionen mit der Umgebungsluft die Prozess- und Nahtqualität stören können.
Lerneinheit 2: MIG und MAG unterscheiden
| Verfahren | Gascharakter | Typische Einordnung |
|---|---|---|
| MIG | inert | Argon, Helium oder inerte Gemische; häufig bei Aluminium und anderen NE-Metallen |
| MAG | aktiv | Argon mit CO₂ oder O₂ beziehungsweise CO₂; häufig bei Stählen |
Inert bedeutet: Das Schutzgas reagiert unter den Prozessbedingungen nicht oder nur sehr gering mit dem Schmelzbad.
Aktiv bedeutet: Eine Gaskomponente nimmt gezielt Einfluss auf metallurgische oder lichtbogenbezogene Vorgänge.
Entscheidungsauftrag: Auf dem Arbeitsauftrag steht „MAG, unlegierter Stahl“. Passt reines Argon automatisch?
Feedback: Nein. Reines Argon ist ein inertes Gas und gehört zur MIG-Systematik. Für den beschriebenen MAG-Fall ist ein freigegebenes aktives Gasgemisch nach WPS beziehungsweise Verfahrensvorgabe zu wählen.
Lerneinheit 3: Gasgruppen fachlich lesen
Die aktuelle Grundnorm für die Einteilung von Schweißgasen ist ISO 14175:2008. Sie wurde 2023 überprüft und bestätigt. Die Norm ordnet Gase und Gasgemische nach Zusammensetzung und metallurgischem Verhalten ein.
| Beispiel | Bedeutung | Typische Rolle |
|---|---|---|
| I1 | 100 % Argon | inertes Schutzgas |
| I2 | 100 % Helium | inertes Schutzgas |
| M20-ArC-8 | 92 % Argon + 8 % CO₂ | aktives MAG-Mischgas |
| M21-ArC-18 | 82 % Argon + 18 % CO₂ | aktives MAG-Mischgas |
| C1 | 100 % CO₂ | aktives Schutzgas |
Leseschlüssel: In „M21-ArC-18“ bezeichnet M21 die Gasgruppe, Ar die Argonbasis, C den CO₂-Anteil und 18 den angegebenen CO₂-Gehalt in Volumenprozent.
Achtung: Die Tabelle zeigt Lernbeispiele, keine allgemeine Kauf- oder Anwendungsempfehlung. Die reale Auswahl richtet sich nach Werkstoff, Zusatz, Schweißposition, Lichtbogenart, WPS und betrieblicher Freigabe.
Lerneinheit 4: Was bewirken die Gasbestandteile?
| Bestandteil | Prozesswirkung in Kurzform | Für Deine Entscheidung wichtig |
|---|---|---|
| Argon | inert; unterstützt einen stabilen Lichtbogen und feinen Tropfenübergang | hohe Argonanteile begünstigen bei passenden Parametern sprühende beziehungsweise impulsförmige Tropfenübergänge |
| Helium | inert; führt bei vergleichbaren Bedingungen häufig zu höherer Lichtbogenspannung und stärkerem Wärmeeintrag | interessant besonders bei wärmeleitfähigen NE-Werkstoffen; nur nach Verfahrensvorgabe |
| CO₂ | aktiv und oxidierend; verändert Lichtbogen und Tropfenablösung | steigender CO₂-Anteil kann Spritzer und Schweißrauchemission erhöhen |
| O₂ | aktiv; kleine Zusätze können Lichtbogen und Benetzung beeinflussen | stärkere Oxidation möglich; nur in freigegebenen Mischungen |
Merke: Gaswirkung und elektrische Parameter gehören zusammen. Ein Gas allein garantiert weder eine gute Naht noch einen bestimmten Tropfenübergang.
Lerneinheit 5: Tropfenübergang beobachten
Quelle des Prozessvideos: BOC South Pacific, „MIG welding spray transfer slow motion“.
Beobachtungsauftrag: Achte auf Tropfengröße, Lichtbogenkontinuität und sichtbare Spritzer. Welche Merkmale sprechen für einen Sprühlichtbogen?
Feedback: Beim Sprühlichtbogen lösen sich viele kleine Tropfen ohne regelmäßige Kurzschlüsse vom Draht. Dafür sind nicht nur Strom und Spannung, sondern auch ein geeigneter argonreicher Schutzgasbereich entscheidend.
Quelle des Prozessvideos: Kemppi Oy, „FastMigPulse Pulsed arc fillet weld“.
Beobachtungsauftrag: Zähle gedanklich Pulse und Tropfen. Welche Beziehung erkennst Du?
Feedback: Beim gezeigten Impulsprozess wird die Tropfenablösung gezielt durch Stromimpulse gesteuert. Das kann einen kontrollierten Werkstoffübergang ermöglichen, ohne dauerhaft mit dem hohen Stromniveau eines klassischen Sprühlichtbogens zu arbeiten.
Lerneinheit 6: Schutzgase im Überblick sehen
Quelle des Lernvideos: BrazilWelds, „Shielding Gases for MIG/MAG, TIG, and Flux-Cored Welding“.
Entscheidungsauftrag: Notiere aus dem Video zwei genannte Schutzgase. Ordne sie anschließend mit der ISO-Systematik dieses Kurses ein. Verlasse Dich bei Produkt- oder Markennamen nicht auf die Werbung, sondern auf Zusammensetzung und Normbezeichnung.
Feedback: Eine fachliche Einordnung beginnt bei der chemischen Zusammensetzung. Markenbezeichnungen können unterschiedlich sein; die Normgruppe und die tatsächlichen Gasanteile sind vergleichbarer.
Lerneinheit 7: Gasmenge, Düse und Umgebung

| Beobachtung | Mögliche Ursache | Richtige Reaktion |
|---|---|---|
| Poren oder starke Oxidation | Schutzgasabdeckung unzureichend | Arbeit stoppen; Düse, Leitungen, Gasversorgung und Vorgabe prüfen lassen |
| Zugluft am Arbeitsplatz | Schutzgasglocke wird verdrängt | Zugluftquelle beseitigen beziehungsweise Arbeitsplatz abschirmen |
| unnötig hoher Gasstrom | Turbulenzen und Gasverschwendung möglich | nicht „auf Verdacht“ erhöhen; Sollwert aus Vorgabe verwenden |
| verschmutzte Gasdüse | Strömung kann gestört werden | Reinigung nach betrieblicher Unterweisung |
Wichtig: Es gibt keinen universellen Gasdurchflusswert für jede Situation. Düsengeometrie, Abstand, Gasart, Brennerhaltung und Umgebung müssen berücksichtigt werden.
Lerneinheit 8: Schweißrauch und Gaswahl
Bei MAG-Schweißen von un- und niedriglegierten Stählen werden häufig M20- und M21-Gemische eingesetzt. Die BGHM/DGUV weist darauf hin, dass der CO₂-Gehalt die Tropfenablösung und die Schweißrauchemission beeinflusst. Bei vergleichbaren Bedingungen kann die Emission mit steigendem CO₂-Anteil deutlich zunehmen.
Für den Ausbildungsfall bedeutet das: Ein höherer CO₂-Anteil ist kein Qualitätsbonus. Er muss prozesstechnisch begründet sein und wird zusammen mit Absaugung, Prozessparametern und WPS betrachtet.

Beobachtungsauftrag: Suche auf dem Bild nach einer technischen Maßnahme gegen Schweißrauch. Warum ist sie wirksamer, wenn sie möglichst nahe an der Entstehungsstelle erfasst?
Feedback: Schweißrauch soll möglichst an der Quelle beziehungsweise nahe an der Entstehungsstelle erfasst werden, damit er sich nicht erst im Atembereich und in der Halle verteilt.
Lerneinheit 9: Arbeitsschutz vor Prozessoptimierung
| Gefahr | Schutzgedanke |
|---|---|
| Schweißrauch und Gase | technische Erfassung möglichst an der Entstehungsstelle, geeignete Lüftung, Kopf aus der Rauchfahne, Gefährdungsbeurteilung beachten |
| Optische Strahlung | geeigneter Schweißerschutzfilter, Gesichtsschutz und Abschirmung für Umstehende |
| Hitze und Spritzer | geeignete Schutzkleidung, Handschuhe und sicherer Umgang mit heißen Bauteilen |
| Elektrischer Strom | nur intakte und geprüfte Ausrüstung; keine eigenmächtigen Reparaturen; trockene, sichere Arbeitsbedingungen |
| Brand und Explosion | brennbare Stoffe aus dem Gefahrenbereich entfernen beziehungsweise sichern; betriebliche Brandschutzmaßnahmen beachten |
| Gasflaschen | gegen Umfallen sichern, vor Wärme und Beschädigung schützen, nur unterwiesen handhaben |
Stop-Regel: Fehlt Absaugung, Abschirmung, geeignete persönliche Schutzausrüstung, sichere Geräteprüfung oder Fachaufsicht, wird nicht praktisch gearbeitet.
Kursgrenze: Auch wer alle Aufgaben dieses MOOCs richtig löst, besitzt dadurch keine Schweißerqualifikation.
Ausbildungsfall lösen
Situation: Für die Stahlhalterung sind M20-ArC-8 und M21-ArC-18 verfügbar. Die WPS nennt M21-ArC-18.
Entscheidung: Verwende im realen Ausbildungsauftrag nicht eigenmächtig das emissionsärmere Gas, sondern folge der freigegebenen WPS. Eine Änderung des Schutzgases ist eine Prozessänderung und muss fachlich geprüft und freigegeben werden.
Begründung: M20-ArC-8 besitzt weniger CO₂ und kann bei vergleichbaren Bedingungen günstigere Emissions- und Spritzereigenschaften zeigen. Das macht es aber nicht automatisch zum zulässigen Ersatz für M21-ArC-18. Zulässigkeit und Prozesssicherheit gehen vor spontaner Optimierung.
Gestufte Hilfen zum Ausbildungsfall
Hilfe 1 – Orientierung: Frage zuerst: Welcher Werkstoff, welches Verfahren und welche WPS liegen vor?
Hilfe 2 – Gascode lesen: Zerlege M21-ArC-18 in Gasgruppe, Argonbasis, CO₂-Komponente und Prozentwert.
Hilfe 3 – Entscheidung absichern: Vergleiche erwartete Prozesswirkung und Emissionen, aber ändere eine WPS-Vorgabe nur nach Freigabe durch die zuständige Fachperson.
Gestufte Aufgaben mit begründetem Feedback
Basis
Aufgabe 1: Ordne Argon und CO₂ als inert beziehungsweise aktiv ein.
Feedback: Argon ist inert, CO₂ aktiv. Diese Unterscheidung entscheidet darüber, ob das Verfahren in der üblichen Systematik als MIG oder MAG eingeordnet wird.
Aufgabe 2: Lies die Bezeichnung M20-ArC-8 und nenne den CO₂-Anteil.
Feedback: Der CO₂-Anteil beträgt 8 %. „ArC“ zeigt die Argonbasis mit Kohlendioxidanteil; die Zahl benennt den Anteil.
Aufgabe 3: Erkläre in einem Satz die Aufgabe der Schutzgasglocke.
Feedback: Sie schirmt Lichtbogen und Schmelzbad gegen die Umgebungsluft ab. Das ist nötig, weil der heiße Prozessbereich besonders reaktionsfähig ist.
Anwendung
Aufgabe 4: Ein MAG-Prozess wird instabil, gleichzeitig ist starke Zugluft vorhanden. Welche Prüfung hat Vorrang?
Feedback: Zuerst die Schutzgasabdeckung und die sichere Arbeitsplatzsituation prüfen. Eine bloße Erhöhung des Gasdurchflusses ist keine fachgerechte Standardlösung, weil Turbulenzen entstehen können und die Ursache bestehen bleibt.
Aufgabe 5: Zwei ansonsten vergleichbare MAG-Einstellungen unterscheiden sich hauptsächlich durch 8 % beziehungsweise 18 % CO₂. Welche Emissionstendenz erwartest Du?
Feedback: Beim höheren CO₂-Anteil ist eine höhere Schweißrauchemission plausibel. BGHM/DGUV beschreibt einen Zusammenhang zwischen CO₂-Gehalt und Emission; die konkrete Höhe hängt zusätzlich vom Prozess ab.
Aufgabe 6: Das Video zeigt kleine, kurzschlussfreie Tropfen. Welche weitere Information brauchst Du, bevor Du den Prozess als Sprühlichtbogen einordnest?
Feedback: Du brauchst unter anderem Angaben zu Strom, Spannung, Draht, Schutzgas und Prozessführung. Ein einzelnes sichtbares Merkmal reicht nicht für eine vollständige Prozessfreigabe.
Transfer
Aufgabe 7: Ein Betrieb möchte wegen geringerer Rauchentwicklung von M21-ArC-18 auf M20-ArC-8 wechseln. Formuliere drei Prüfstationen vor der Umstellung.
Feedback: Prüfe mindestens WPS beziehungsweise Verfahrensfreigabe, Werkstoff und Zusatz sowie Auswirkungen auf Lichtbogen, Naht und Arbeitsschutz. Emissionsminderung ist sinnvoll, muss aber prozesssicher umgesetzt werden.
Aufgabe 8: Ein Azubi sagt: „Wenn die Naht gut aussieht, war das Gas richtig.“ Widerlege die Aussage.
Feedback: Eine äußere Nahtansicht zeigt weder sicher innere Fehler noch die Einhaltung von WPS, Schutzgaszusammensetzung oder Expositionsgrenzen. Prozessdaten und qualitätsgesicherte Prüfungen sind zusätzlich nötig.
Aufgabe 9: Begründe, warum Arbeitsschutz und Prozessqualität beim Schutzgas nicht getrennt betrachtet werden sollten.
Feedback: Gaszusammensetzung und Prozessführung beeinflussen gleichzeitig Lichtbogen, Nahtbildung und Emissionen. Eine technisch gute Lösung muss daher Qualität und Exposition gemeinsam berücksichtigen.
Fachquellen und Medienrechte
Fachlich geprüft, Stand: Oktober 2026.
- ISO 14175:2008 – Welding consumables — Gases and gas mixtures for fusion welding and allied processes: Normseite der ISO; 2023 überprüft und bestätigt.
- BGHM / DGUV Information 209-096 – Substitution: Angaben zu Gasgruppen, Prozessvarianten und Schweißrauchemissionen.
- BAuA – TRGS 528 Schweißtechnische Arbeiten: Gefahrstoffbezogene Schutzmaßnahmen beim Schweißen.
- DGUV Information 209-010 – Lichtbogenschweißen: Gefährdungen durch Schweißrauch, Gase und weitere Einwirkungen.
- DGUV – Sicheres Schweißen mit der richtigen Ausrüstung: Strahlung, Strom, Brand, Rauch und persönliche Schutzausrüstung.
- DVS – Schutzgasschweißen: Einordnung von MIG und MAG.
- Messer – Welding gases: öffentlich zugängliche Beispiele für ISO-14175-Gasbezeichnungen und Zusammensetzungen.
Wikimedia Commons – geprüfte Dateiseiten:
- GMAW Circuit.svg: CC BY-SA; Prozessübersicht.
- GMAW weld area.svg: CC BY-SA; Zeichnung des Schweißbereichs.
- Parts of a fillet weld.png: CC BY-SA 3.0 / GFDL; Kehlnahtzeichnung.
- Gas regulator GMAW MIG MAG.jpg: CC0 1.0; Druckminderer.
- Gas Metal Arc Welding (Mig).jpg: CC BY-SA 4.0; GMAW mit Absaugung.
YouTube-Medien: Die drei Videos werden ausschließlich über den offiziellen YouTube-Player eingebettet. Es werden keine Videodateien kopiert oder neu veröffentlicht. Rechte verbleiben bei den jeweiligen Rechteinhabern; Einbettbarkeit und Verfügbarkeit können sich ändern. Vor einer dauerhaften Weiterverwendung außerhalb des Players ist die jeweilige Rechte- und Lizenzlage erneut zu prüfen.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welche Hauptaufgabe hat das Schutzgas beim MIG- oder MAG-Schweißen? (Es schirmt Lichtbogen und Schmelzbad gegen die Umgebungsluft ab) (!Es ersetzt den Schweißstrom) (!Es kühlt das Werkstück vollständig ab) (!Es übernimmt den Drahtvorschub)
Welche Gasart kennzeichnet das MIG-Schweißen? (Inertes Schutzgas) (!Reiner Wasserdampf) (!Ausschließlich Sauerstoff) (!Kein Schutzgas)
Welche Gasart kennzeichnet das MAG-Schweißen? (Aktives Schutzgas) (!Ausschließlich Vakuum) (!Nur Helium ohne jede Ausnahme) (!Kein Schutzgas)
Wofür steht die ISO-Gruppe I1 als typisches Beispiel? (Reines Argon) (!Reines Kohlendioxid) (!Reiner Sauerstoff) (!Druckluft)
Welche Zusammensetzung beschreibt das Lernbeispiel M20-ArC-8? (92 Prozent Argon und 8 Prozent Kohlendioxid) (!8 Prozent Argon und 92 Prozent Kohlendioxid) (!92 Prozent Helium und 8 Prozent Sauerstoff) (!100 Prozent Kohlendioxid)
Welche Zusammensetzung beschreibt das Lernbeispiel M21-ArC-18? (82 Prozent Argon und 18 Prozent Kohlendioxid) (!18 Prozent Argon und 82 Prozent Kohlendioxid) (!82 Prozent Sauerstoff und 18 Prozent Argon) (!100 Prozent Argon)
Welche Tendenz beschreibt BGHM beziehungsweise DGUV bei steigendem CO₂-Anteil in vergleichbaren MAG-Bedingungen? (Die Schweißrauchemission kann steigen) (!Die Schweißrauchemission verschwindet sicher) (!Der Lichtbogen benötigt keinen Strom mehr) (!Die Schutzgaswirkung wird bedeutungslos)
Was ist bei starker Zugluft am MAG-Arbeitsplatz fachlich sinnvoll? (Die Ursache der gestörten Schutzgasabdeckung beseitigen oder abschirmen) (!Den Gasstrom ohne Prüfung maximal erhöhen) (!Ohne Schutzgas weiterschweißen) (!Die Gasdüse entfernen)
Welche Maßnahme ist gegen Schweißrauch besonders wichtig? (Erfassung möglichst nahe an der Entstehungsstelle) (!Die Rauchfahne mit dem Gesicht prüfen) (!Absaugung grundsätzlich ausschalten) (!Nur die Hallentür schließen)
Welche Aussage zum Abschluss dieses Lernkurses ist richtig? (Der Kurs vermittelt Wissen aber keine Schweißerqualifikation) (!Der Kurs ersetzt jede praktische Schweißerprüfung) (!Der Kurs erlaubt eigenständiges Schweißen ohne Unterweisung) (!Der Kurs ersetzt die betriebliche Gefährdungsbeurteilung)
Memory
| Argon | Inertes Edelgas |
| Kohlendioxid | Aktive Gaskomponente |
| MIG | Metallschweißen mit Inertgas |
| MAG | Metallschweißen mit Aktivgas |
| M20-ArC-8 | Argonreiches Mischgas mit acht Prozent Kohlendioxid |
| Impulslichtbogen | Gesteuerter Tropfenübergang |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| MIG mit inertem Schutzgas | Aluminium |
| MAG mit aktivem Schutzgas | Unlegierter Stahl |
| Luftzutritt und Porenrisiko | Zu wenig Schutzwirkung |
| Turbulenz und Gasverschwendung | Unnötig hoher Gasstrom |
| Störung der Schutzgasglocke | Zugluft |
Kreuzworträtsel
| Argon | Welches inerte Edelgas ist ein häufiges Basisgas beim Schutzgasschweißen? |
| Helium | Welches inerte Edelgas kann den Wärmeeintrag des Lichtbogens erhöhen? |
| Absaugung | Welche technische Einrichtung erfasst Schweißrauch möglichst nahe an seiner Entstehung? |
| Lichtbogen | Was brennt elektrisch zwischen Drahtelektrode und Werkstück? |
| Schutzgas | Was schirmt Schmelzbad und Lichtbogen gegen die Umgebungsluft ab? |
| Fachaufsicht | Unter wessen unmittelbarer Verantwortung finden praktische Ausbildungsarbeiten statt? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Schutzgas: Erstelle eine Bildkarte, die inert und aktiv mit je zwei typischen Gasbeispielen gegenüberstellt.
- MIG-Schweißen: Beschrifte eine eigene vereinfachte Skizze mit Gasdüse, Draht, Lichtbogen, Schmelzbad und Werkstück.
- Arbeitsschutz beim Schweißen: Gestalte fünf Sicherheits-Piktogramme zu Rauch, Strahlung, Hitze, Strom und Brand.
- Tropfenübergang: Sieh Dir eines der eingebetteten Zeitlupenvideos an und protokolliere fünf sichtbare Merkmale ohne die Schweißung selbst nachzustellen.
Standard
- ISO 14175: Vergleiche die Datenblätter eines M20- und eines M21-Gases und erkläre die Normbezeichnung mit eigenen Worten.
- Schweißrauch: Entwickle für eine Ausbildungswerkstatt eine kurze Prüfliste zur Erfassung von Schweißrauch an der Entstehungsstelle.
- Kehlnaht: Analysiere ein vom Ausbilder bereitgestelltes Bauteilfoto und markiere Stellen, an denen eine gestörte Schutzgasabdeckung wahrscheinlich wäre.
- Schweißanweisung: Führe ein kurzes Interview mit einer Fachkraft darüber, warum Schutzgasänderungen nicht eigenmächtig vorgenommen werden dürfen.
Schwer
- Prozessoptimierung: Erstelle eine Entscheidungsmatrix für M20-ArC-8 und M21-ArC-18 mit den Kriterien WPS-Freigabe, Prozessstabilität, Spritzer, Emission und Werkstoff.
- Gefährdungsbeurteilung: Entwirf nach dem STOP-Prinzip ein Schutzkonzept für einen fiktiven MAG-Ausbildungsplatz und begründe die Reihenfolge der Maßnahmen.
- Versuchsplanung: Plane mit der Fachaufsicht einen reinen Beobachtungsversuch zu zwei bereits freigegebenen Parametersätzen. Definiere Beobachtungskriterien, Messgrößen und Abbruchkriterien; eine praktische Durchführung erfolgt ausschließlich im geeigneten Ausbildungsbereich durch beziehungsweise unter unmittelbarer Fachaufsicht.
- Open Educational Resources: Produziere ein 90-Sekunden-Erklärvideo zur Frage „Warum ist Schutzgas ein Prozessparameter?“ und verwende nur selbst erstellte oder eindeutig frei lizenzierte Medien mit vollständigem Quellen- und Lizenznachweis.


Lernkontrolle
- Gaswahl: Ein Betrieb möchte eine vorhandene WPS mit M21-ArC-18 aus Emissionsgründen auf M20-ArC-8 umstellen. Entwickle ein fachlich begründetes Freigabeverfahren.
- Fehleranalyse: Bei unveränderten elektrischen Parametern treten plötzlich Poren auf. Ordne mögliche Ursachen nach Wahrscheinlichkeit und Sicherheitsrelevanz und begründe Deine Prüfreihenfolge.
- Prozessbeobachtung: Du erhältst zwei Zeitlupenvideos mit unterschiedlichem Tropfenübergang. Leite aus sichtbaren Merkmalen Hypothesen über Gas und Lichtbogenart ab und kennzeichne, welche Angaben Dir noch fehlen.
- Arbeitsschutz: Vergleiche „mehr Hallenlüftung“ mit „Erfassung nahe der Entstehungsstelle“. Begründe, warum die Maßnahmen nicht gleichwertig sind.
- Qualitätssicherung: Erkläre an einem Beispiel, warum eine optisch gute Naht kein ausreichender Beleg für richtige Schutzgaswahl und innere Nahtqualität ist.
- Transfer: Entwickle für einen neuen Ausbildungsauftrag eine Entscheidungskette von Werkstoff und WPS über Schutzgas und Prozessbeobachtung bis zu Arbeitsschutz und Dokumentation.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du:
- die Schutzfunktion des Gases fachlich erklären kannst.
- MIG und MAG sicher nach inertem beziehungsweise aktivem Schutzgas unterscheidest.
- einfache ISO-14175-Bezeichnungen wie I1, C1, M20-ArC-8 und M21-ArC-18 einordnen kannst.
- den Einfluss von Gaszusammensetzung auf Lichtbogen, Tropfenübergang, Spritzer und Schweißrauch begründet beschreibst.
- Störungen der Schutzgasabdeckung systematisch analysierst.
- Gefährdungen durch Schweißrauch, Strahlung, Hitze, Strom und Brand in einer Entscheidung berücksichtigst.
- bei einer Prozessänderung WPS, Fachaufsicht und Freigabe einbeziehst.
- die Grenze zwischen theoretischem Lernnachweis und praktischer Schweißerqualifikation erklären kannst.
Der Lernnachweis dieses Kurses ist kein Schweißerprüfungszeugnis und keine praktische Schweißerqualifikation.
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