Schmiedetechniken und Formgebung – Lochen und Dornen unterscheiden
Schmiedetechniken und Formgebung – Lochen und Dornen unterscheiden
Kurzbeschreibung: Beim Lochen und Dornen wird heißer Werkstoff gezielt verdrängt. Entscheidend ist, ob zuerst ein Durchbruch entsteht oder ob eine vorhandene Öffnung in Größe und Form verändert wird. Du lernst die Verfahren an Bauteilbildern, Zeichnungen und Prozessvideos zu unterscheiden und für einen Ausbildungsfall begründet auszuwählen.
Zielgruppe: Ausbildung in Metalltechnik, Schmiedetechnik und Fertigungstechnik.
Wichtig: Alle praktischen Demonstrationen mit heißen Werkstoffen, Feuer, Schmiedeessen, Gasöfen oder Schmiedehämmern dürfen nur fachlich angeleitet und entsprechend der betrieblichen Gefährdungsbeurteilung durchgeführt werden. Keine unbeaufsichtigten Versuche.
Lernziele
Nach diesem Lernkurs kannst Du:
- Lochen und Dornen anhand von Ausgangszustand, Materialfluss und Ergebnis unterscheiden.
- Erklären, wie Materialverdrängung die Öffnungsform beeinflusst.
- Für einen konkreten Ausbildungsfall eine sinnvolle Verfahrensfolge auswählen und begründen.
- Gefährdungen durch heiße Werkstücke, Feuer, Funken, Zunder, Abgase und Brandlasten erkennen.
- Prozessbilder und Videos fachlich beobachten, ohne daraus unbeaufsichtigte Praxisversuche abzuleiten.
Sicherheitsstopp

Heißes Metall bleibt gefährlich, auch wenn es nicht mehr hell glüht. Verbrennungen können durch Werkstücke, Werkzeuge, Zunder und heiße Oberflächen entstehen.
| Gefahr | Woran Du sie erkennst | Schutzgedanke |
|---|---|---|
| Heiße Werkstoffe | Glühendes oder zuvor erhitztes Werkstück, heiße Werkzeuge | Werkstücke eindeutig als heiß behandeln, geeignete Zangen und betriebliche PSA verwenden |
| Funken und Zunder | Abplatzende Oxidschichten und Funkenflug | Augen schützen, Sicherheitsabstand einhalten, Arbeitsbereich freihalten |
| Feuer und Brand | Offene Flamme, glühende Kohle, heiße Teile | Brennbare Stoffe fernhalten, geeignete Löschmittel nach Gefährdungsbeurteilung bereithalten |
| Abgase und Rauch | Rauch, Verbrennungsgase, schlechte Luft | Wirksame Erfassung und Lüftung nutzen; Schmiedeessen nur mit funktionsfähigem Rauchabzug betreiben |
| Schmiedehammer | Schlagbewegung, Quetschstellen, Lärm | Hände aus dem Gefahrenbereich, Werkstück mit geeigneter Zange halten, Augen- und Gehörschutz nach betrieblicher Vorgabe |
Ausbildungsregel: Beobachtungsaufgaben in diesem Kurs sind Theorieaufgaben. Eine reale Demonstration erfolgt ausschließlich durch oder unter unmittelbarer Aufsicht einer fachkundigen Ausbilderin oder eines fachkundigen Ausbilders. Eine Videoaufnahme ersetzt keine Unterweisung.
Kurzlerneinheit: Lochen
Kernidee: Beim Lochen wird in einem zunächst geschlossenen Werkstückbereich eine durchgehende Öffnung hergestellt.
Beim Schmiedelochen drängt das Werkzeug den heißen Werkstoff seitlich weg. Je nach Arbeitsweise kann am Ende ein dünner Rest oder ein Butzen abgetrennt werden. Deshalb ist Lochen nicht mit Bohren gleichzusetzen, aber auch nicht in jedem Fall völlig reststofffrei.
Merksatz: Noch kein Durchbruch vorhanden → zuerst an Lochen denken.
Beobachtungsauftrag zum Video „Fundamental Skills of Blacksmithing – Punching Holes“ von Black Bear Forge:
- Beobachte nur den Materialfluss: Wo weicht der Werkstoff dem Lochwerkzeug aus?
- Achte darauf, woran der bevorstehende Durchbruch erkennbar wird.
- Notiere, warum ein Werkstück beim Lochen von zwei Seiten bearbeitet werden kann.
- Entscheide anschließend: Ist das Hauptziel hier „Öffnung erzeugen“ oder „vorhandene Öffnung kalibrieren“?
Begründetes Feedback: Das Hauptziel ist das Erzeugen der Öffnung. Das Arbeiten von zwei Seiten kann einen zentrierteren Durchbruch unterstützen und ein stark einseitiges Ausbrechen vermindern. Beim vollständigen Durchlochen kann ein kleiner Butzen entstehen.
Hörauftrag: Die historische Aufnahme dokumentiert das manuelle Lochen von heißem Stahl. Beschreibe den Rhythmus der Schläge und erkläre, warum der Ton allein nicht ausreicht, um Werkzeuglage, Gefahrenbereich oder Öffnungsform sicher zu beurteilen.
Feedback: Akustik kann Prozessphasen andeuten, ersetzt aber keine Sichtkontrolle. Für eine fachliche Entscheidung brauchst Du zusätzlich Werkstückzustand, Werkzeugform und Ergebnis.
Kurzlerneinheit: Dornen

Kernidee: Beim Dornen wird Material durch einen Dorn verdrängt. In der Werkstatt bedeutet „Dornen“ häufig: Eine bereits vorhandene Öffnung wird geweitet, geformt oder kalibriert.
Ein runder Dorn unterstützt eine runde Innenform. Ein profilierter Dorn kann zum Beispiel eine ovale oder eckige Innenkontur erzeugen. Die Endform wird deshalb stark vom Dornquerschnitt beeinflusst.
Merksatz: Öffnung schon vorhanden, aber Form oder Maß stimmen noch nicht → an Dornen denken.
Beobachtungsauftrag zum Video „Ring Project #3 punching & drifting the square bar“ von Mark Aspery:
- Suche die Stelle, an der aus dem geschlossenen Querschnitt zuerst eine Öffnung entsteht.
- Suche danach die Phase, in der die vorhandene Öffnung mit einem Dorn weitergeformt wird.
- Vergleiche die Innenkontur vor und nach dem Dornen.
- Begründe, warum der Werkzeugquerschnitt für die spätere Öffnungsform wichtig ist.
Begründetes Feedback: Beim ersten Durchbruch steht das Lochen im Vordergrund. Danach verändert der Dorn die bereits vorhandene Öffnung. Die Materialverdrängung erfolgt nun vor allem rund um die Innenkontur; das Dornprofil führt die Form.
Fachsprachlicher Hinweis: Werkstattbegriff und DIN-Systematik
In der Ausbildungspraxis ist die Trennung Lochen = Durchbruch herstellen und Dornen = vorhandene Öffnung weiten oder formen sehr nützlich.
Nach DIN 8583-5 ist „Dornen“ jedoch weiter gefasst: Ein abgerundeter Dorn wird in das Werkstück eingedrückt und verdrängt Werkstoff. Wird von zwei Seiten gedornt, kann daraus ebenfalls ein Durchlochvorgang entstehen. Deshalb gilt:
Nicht nur den Werkzeugnamen betrachten, sondern Ausgangszustand, Bewegungsablauf und Ergebnis.
Direktvergleich: Lochen oder Dornen?
| Merkmal | Lochen | Dornen |
|---|---|---|
| Ausgangszustand | Werkstückbereich ohne Durchbruch | Öffnung oder Vertiefung ist bereits vorhanden oder wird gezielt weitergeformt |
| Hauptziel | Durchgehende Öffnung erzeugen | Öffnung weiten, formen oder kalibrieren |
| Materialfluss | Werkstoff wird um das Lochwerkzeug nach außen verdrängt | Werkstoff fließt um den Dorn und verändert die Innenkontur |
| Werkzeugwirkung | Lochwerkzeug erzeugt den Durchbruch und prägt die Vorform | Dornquerschnitt führt die spätere Innenform |
| Reststück | Ein Butzen kann je nach Vorgehen entstehen | Normalerweise steht die Formänderung ohne gezieltes Abtrennen eines Butzens im Vordergrund |
| Leitfrage | „Muss erst ein Loch entstehen?“ | „Ist das Loch schon da und muss seine Form oder Größe stimmen?“ |
20-Sekunden-Entscheidung
| Frage | Entscheidung |
|---|---|
| Ist noch kein Durchbruch vorhanden? | Lochen prüfen |
| Ist eine Öffnung vorhanden und soll größer oder formgenauer werden? | Dornen prüfen |
| Wird Material mit einer Innenrolle beim Ringwalzen umgeformt? | Das Verfahren ist Ringwalzen; der Name „Dornrolle“ macht es nicht automatisch zum Dornen |
| Ist der Vorgang aus Bild oder Video nicht eindeutig? | Ausgangszustand, Werkzeugbewegung und Endform vergleichen |
Ausbildungsfall: Hammerkopf mit ovalem Stielauge
Auftrag: Ein geschmiedeter Hammerkopf-Rohling besitzt noch kein durchgehendes Stielauge. Laut Zeichnung soll die fertige Innenkontur oval und leicht geführt ausgeformt sein.
Entscheidung 1: Welcher Vorgang kommt zuerst?
Lösung: Lochen, weil zunächst der Durchbruch hergestellt werden muss.
Entscheidung 2: Der Durchbruch ist vorhanden, aber noch zu klein und noch nicht oval genug. Was folgt?
Lösung: Dornen, weil nun die vorhandene Öffnung geweitet und auf die gewünschte Innenform gebracht wird.
Entscheidung 3: Der Rohling wird bereits mit einer vorgeformten Öffnung geliefert. Muss nochmals gelocht werden?
Lösung: Nicht automatisch. Wenn der Durchbruch bereits vorhanden ist und nur Maß oder Innenkontur angepasst werden müssen, ist Dornen die passendere Entscheidung. Die Arbeitsanweisung und Zeichnung bleiben maßgebend.
Beobachtungsauftrag: Das Video zeigt unterschiedliche Möglichkeiten zur Herstellung eines Hammerauges. Ordne jede beobachtete Phase nach dem Zweck ein: Durchbruch erzeugen oder Innenform weiterformen. Notiere mindestens eine Stelle, an der der Werkzeugquerschnitt die spätere Öffnungsform beeinflusst.
Feedback: Eine gute Begründung nennt nicht nur „Punch“ oder „Dorn“, sondern beschreibt den Werkstückzustand vor und nach dem Schritt.
Bauteilbilder: Vom Rohling zur Ringform

Bildauftrag: Verfolge in der Zeichnung den Weg vom massiven Ausgangsmaterial zur ringförmigen Vorform. Markiere gedanklich den Zeitpunkt, an dem erstmals eine durchgehende Innenöffnung vorliegt.
Entscheidung: Welche Aussage ist fachlich besser?
A: „Sobald irgendwo ein Dorn vorkommt, ist das Verfahren Dornen.“
B: „Für die Verfahrensbezeichnung müssen Materialfluss, Werkzeugbewegung und Prozessziel gemeinsam betrachtet werden.“
Feedback: B ist richtig. In einer Ringfertigung kann zunächst gelocht oder vorgelocht werden. Das spätere Ringwalzen arbeitet mit einer Innen- beziehungsweise Dornrolle, bleibt aber verfahrenstechnisch ein Walzprozess.

Bauteilbeobachtung: Das Bild zeigt industrielle Ringumformung. Beschreibe zwei sichtbare Hinweise darauf, dass hier eine vorhandene Innenöffnung weiter verändert wird und nicht erst der ursprüngliche Durchbruch erzeugt wird.
Feedback: Erwartet werden Hinweise wie eine bereits ringförmige Vorform, die Innenrolle im vorhandenen Loch und die gleichzeitige Veränderung von Innen- und Außendurchmesser.
Werkzeugbilder lesen

Beobachtungsregel: Benenne ein Werkzeug auf einem Foto nur dann sicher, wenn Form und Verwendung erkennbar sind. Ein ähnlich aussehender Stempel kann je nach Geometrie und Arbeitsschritt anders eingesetzt werden.
Aufgabe: Suche auf dem Bild Werkzeuge, die grundsätzlich zum Halten, Schlagen oder Formen dienen könnten. Ordne keine Funktion nur nach Größe oder Farbe zu. Begründe mindestens eine Zuordnung mit der Werkzeugform.
Feedback: Fachliches Bildlesen bedeutet, sichtbare Merkmale von Vermutungen zu trennen. Für die Entscheidung „Lochen oder Dornen?“ ist die Prozesssituation wichtiger als eine vorschnelle Werkzeugbezeichnung.
Prozessvideo: Theorievergleich
Beobachtungsauftrag zum Video „Punching and Drifting theory“ von Mark Aspery:
- Notiere den Zustand des Werkstücks vor dem Punching.
- Notiere den Zustand der Öffnung vor dem Drifting.
- Vergleiche die Formwirkung von Lochwerkzeug und Dorn.
- Formuliere danach eine Ein-Satz-Regel zum Unterschied.
Musterfeedback: „Lochen stellt den Durchbruch her; Dornen verändert anschließend die vorhandene Öffnung durch Materialverdrängung und führt ihre Innenform.“
Beobachtungsauftrag zum deutschsprachigen Überblick „Schmieden, Grundtechniken des Schmiedens“: Suche die Abschnitte zum Lochen und zu benachbarten Grundtechniken. Erkläre anschließend, warum Du die Verfahren nicht nur am Schlagwerkzeug, sondern am Formänderungsziel unterscheiden solltest.
Sicherheitsregel für alle Videos: Sie dienen der Analyse. Keine Arbeitsschritte, Werkzeughaltungen oder Erwärmungsvorgänge ohne betriebliche Unterweisung und direkte fachliche Aufsicht nachmachen.
Gestufte Hilfen
Aufgabe: Du siehst ein Werkstück mit einer noch zu kleinen, bereits durchgehenden Öffnung. Welches Verfahren ist wahrscheinlicher?
Hilfe 1: Prüfe zuerst: Ist der Durchbruch schon vorhanden?
Hilfe 2: Frage dann: Soll Material entfernt werden oder soll die Innenform durch Verdrängung verändert werden?
Hilfe 3: Ist die Öffnung schon da und soll größer oder profilierter werden, spricht das für Dornen.
Lösung mit Begründung: Dornen. Der Ausgangszustand enthält bereits eine Öffnung; das Ziel ist ihre weitere Formgebung.
Zweite gestufte Hilfe
Aufgabe: Ein massiver Hammerkopf-Rohling soll erstmals ein Stielauge erhalten.
Hilfe 1: Suche das Wort „erstmals“.
Hilfe 2: Ohne vorhandenen Durchbruch kann die Endform noch nicht nur kalibriert werden.
Hilfe 3: Zuerst muss die Öffnung hergestellt werden.
Lösung mit Begründung: Lochen. Erst danach kann ein Dorn die Öffnung weiterformen.
Basis-, Anwendungs- und Transferaufgaben
Basisaufgabe
Ordne gedanklich zu:
| Situation | Deine Entscheidung | Begründetes Feedback |
|---|---|---|
| Massiver Rohling, erstmals Durchbruch herstellen | Lochen | Das Hauptziel ist die Entstehung einer durchgehenden Öffnung. |
| Rundes Loch ist vorhanden, soll größer werden | Dornen | Die Öffnung existiert bereits; Material wird an ihrer Innenkontur verdrängt. |
| Vorgeformtes Loch soll oval werden | Dornen | Das Dornprofil führt die neue Innenform. |
| Werkstück wird mit Bohrer zerspant | Weder Lochen noch Dornen im schmiedetechnischen Sinn | Hier steht spanende Werkstoffabnahme im Vordergrund. |
Anwendungsaufgabe
Situation: Nach dem ersten Arbeitsschritt ist die Öffnung eines Hammerkopfes leicht außermittig und noch nicht auf Endform.
Entscheide, welche Informationen Du vor einer Korrektur brauchst: Werkstücktemperatur nach Arbeitsanweisung, Lage der Öffnung, Restwanddicken, Sollkontur, geeignete Werkzeuge und betriebliche Sicherheitsvorgaben.
Begründetes Feedback: Die richtige Verfahrenswahl hängt nicht nur vom Namen des Werkzeugs ab. Eine bereits vorhandene Öffnung spricht für formendes Dornen, aber eine außermittige oder zu dünnwandige Vorform kann weitere Arbeit unzulässig machen. Dann entscheidet die fachkundige Aufsicht nach Zeichnung und Gefährdungsbeurteilung.
Transferaufgabe
Situation: Ein Ringrohling wurde bereits gelocht. Danach wird er zwischen Antriebsrolle und Innenrolle ausgewalzt.
Frage: Ist das automatisch „Dornen“, weil eine Dornrolle im Inneren liegt?
Begründetes Feedback: Nein. Die Werkzeugbezeichnung allein bestimmt das Fertigungsverfahren nicht. Das anschließende Vergrößern des Ringes durch Rollen ist Ringwalzen. Die Unterscheidung verlangt die Betrachtung von Werkzeugbewegung, Materialfluss und Prozessziel.
Entscheidungsaufgabe mit Ausbildungsbezug
Du erhältst vier Arbeitskarten:
| Arbeitskarte | Entscheidung | Begründung |
|---|---|---|
| A: Vollmaterial, Durchgangsloch gefordert | Lochen | Es fehlt der Durchbruch. |
| B: Loch vorhanden, Innenmaß zu klein | Dornen | Das Loch wird geweitet. |
| C: Loch vorhanden, Querschnitt soll oval werden | Dornen | Das Dornprofil formt die Innenkontur. |
| D: Ringvorform wird zwischen Rollen umgeformt | Ringwalzen | Die Rollenbewegung kennzeichnet einen anderen Umformprozess. |
Praxisgrenze: Diese Karten sind Planungsaufgaben. Eine Umsetzung am heißen Werkstück darf nur als angeleitete Ausbildungssituation stattfinden.
Medien- und Quellencheck
Stand der Prüfung: 6. Oktober 2026. Die fachlichen Aussagen wurden mit berufsbezogenen und arbeitsschutzbezogenen Quellen abgeglichen. Videos werden nur als Beobachtungsmedien verwendet; die Prozessentscheidung wird nicht allein aus einem YouTube-Video abgeleitet.
YouTube-Hinweis: Die eingebetteten Videos bleiben externe Inhalte auf YouTube. Die Rechte liegen bei den jeweiligen Rechteinhabern; der Kurs erstellt keine Kopie. Eingebettet sind Mark Aspery, Black Bear Forge und BurkMetall. Vor der Nutzung im Unterricht soll die Erreichbarkeit erneut geprüft werden.
Fachquellen
- BGHM: Arbeitsschutz Kompakt Nr. 118 – Schmiedeessen: Gefährdungen durch heiße Werkstücke, Funken, Zunder, Rauchgase und Brand sowie Schutzmaßnahmen.
- BGHM: Arbeitsschutz Kompakt Nr. 129 – Schmiedehammer: Gefährdungen durch Quetschen, Lärm, Zunder, Funken und heiße Werkstücke.
- Wikipedia: Dornen (Verfahren): Einordnung des Dornens als Druckumformverfahren und Beschreibung des Materialflusses.
- Wikipedia: Schmieden: Grundbegriffe des Schmiedens und der Druckumformung.
- Europa-Lehrmittel: Metalltechnik – Schmieden, Leseprobe: Ausbildungsdarstellung zum Lochen mit Lochhammer, Dorn und Lochplatte.
- DIN 8583-5:2003-09: Fertigungsverfahren Druckumformen – Eindrücken; Begriffsgrundlage für das Dornen.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was ist im Ausbildungsgebrauch das Hauptziel des Lochens? (Eine durchgehende Öffnung herstellen) (!Eine vorhandene Öffnung nur polieren) (!Eine Oberfläche spanend glätten) (!Ein Werkstück ausschließlich abkühlen)
Was ist im Ausbildungsgebrauch das Hauptziel des Dornens? (Eine vorhandene Öffnung weiten oder formen) (!Einen massiven Querschnitt nur erwärmen) (!Eine Oberfläche durch Bohren zerspanen) (!Ein Werkstück durch Sägen trennen)
Welche Beobachtung spricht am stärksten für Dornen? (Die Öffnung ist bereits vorhanden und wird größer) (!Das Werkstück besitzt noch keinen Durchbruch) (!Ein Span wird mit einem Bohrer erzeugt) (!Das Werkstück wird nur gemessen)
Was geschieht beim Schmiedelochen hauptsächlich mit dem Werkstoff um das Lochwerkzeug? (Er wird seitlich verdrängt) (!Er verdampft vollständig) (!Er wird ausschließlich abgeschliffen) (!Er bleibt völlig unbewegt)
Was kann beim vollständigen Durchlochen je nach Vorgehen entstehen? (Ein Butzen) (!Ein Bohrspan als zwingendes Merkmal) (!Eine Schweißnaht) (!Ein Gusskanal)
Wovon wird die spätere Innenform beim Dornen besonders beeinflusst? (Vom Querschnitt des Dorns) (!Nur von der Farbe des Werkstücks) (!Nur von der Länge der Zange) (!Nur vom Gewicht des Ambosses)
Welche Maßnahme ist bei Rauch und Abgasen an der Schmiedeesse wesentlich? (Eine wirksame Erfassung und Lüftung) (!Die Abgase im Raum sammeln) (!Den Rauch als Temperaturanzeige nutzen) (!Die Lüftung grundsätzlich abschalten)
Welche Aussage zu Brandgefahren ist richtig? (Brennbare Stoffe müssen aus dem Gefahrenbereich ferngehalten werden) (!Glühende Werkstücke dürfen auf brennbaren Unterlagen abgelegt werden) (!Funkenflug ist bei Schmiedearbeiten bedeutungslos) (!Löschmittel sind in Schmiedebereichen grundsätzlich unnötig)
Wie dürfen praktische Demonstrationen dieses Kurses durchgeführt werden? (Nur fachlich angeleitet und beaufsichtigt) (!Unbeaufsichtigt nach einem Onlinevideo) (!Allein ohne betriebliche Unterweisung) (!Ohne Beachtung der Gefährdungsbeurteilung)
Warum reicht der Werkzeugname allein nicht zur Verfahrensbestimmung? (Ausgangszustand Bewegung und Prozessziel müssen gemeinsam betrachtet werden) (!Jedes Werkzeug gehört immer nur zu einem einzigen Fertigungsverfahren) (!Die Öffnungsform ist bei der Einordnung bedeutungslos) (!Materialfluss spielt bei Umformverfahren keine Rolle)
Memory
| Lochen | Durchbruch herstellen |
| Dornen | Öffnung formen |
| Butzen | möglicher Restkörper |
| Profildorn | Innenkontur führen |
| Rauchabzug | Abgase erfassen |
| Zunder | Oxidschicht |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Lochen | geschlossenen Bereich zum Durchbruch formen |
| Dornen | vorhandene Öffnung weiten und formen |
| Butzen | möglicher Rest beim Durchlochen |
| Rauchabzug | Verbrennungsgase erfassen |
| Profildorn | Innenkontur gezielt beeinflussen |
| Ringwalzen | ringförmige Vorform zwischen Rollen weiterumformen |
Kreuzworträtsel
| Lochen | Welches Verfahren stellt im Ausbildungsgebrauch zuerst den Durchbruch her? |
| Dornen | Welches Verfahren weitet oder formt häufig eine vorhandene Öffnung? |
| Butzen | Wie heißt ein möglicher abgetrennter Restkörper beim Durchlochen? |
| Zunder | Wie heißt die Oxidschicht auf heißem Schmiedematerial? |
| Abgase | Was muss an der Schmiedeesse wirksam erfasst und abgeführt werden? |
| Rauchabzug | Welche Einrichtung erfasst Rauch über der Schmiedeesse? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Bildanalyse Dornen: Zeichne auf einer eigenen Skizze zum Bild „Dornen.png“ Pfeile für den vermuteten Materialfluss und beschrifte Dorn, Werkstück und entstehende Vertiefung.
- Videovergleich Lochen und Dornen: Notiere aus zwei eingebetteten Videos je drei Beobachtungen und ordne sie den Kriterien Ausgangszustand, Materialfluss und Öffnungsform zu.
- Begriffskarte Schmiedetechnik: Erstelle eine kleine Begriffskarte mit Lochen, Dornen, Butzen, Zunder, Profildorn und Rauchabzug.
- Sicherheitskarte Schmiedeplatz: Gestalte eine Karte mit fünf Gefährdungen und passenden Schutzgedanken. Nutze dafür die Angaben des Sicherheitsstopps; keine praktische Erprobung.
Standard
- Arbeitsplan Hammerauge: Erstelle für den beschriebenen Hammerkopf einen theoretischen Arbeitsplan mit Entscheidungspunkten „Durchbruch vorhanden?“ und „Innenform erreicht?“. Keine Betriebsparameter oder unbeaufsichtigten Praxisversuche.
- Fehleranalyse Öffnung: Analysiere einen fiktiven Fall mit außermittiger Öffnung. Nenne Informationen, die eine Fachkraft vor einer Korrektur prüfen muss.
- Werkzeugvergleich: Skizziere einen runden und einen ovalen Dorn und erkläre, wie der Querschnitt die Innenkontur beeinflusst.
- Ringfertigung erklären: Nutze „Ringfertigung.svg“ und erkläre in eigenen Worten, warum Lochen und späteres Ringwalzen zwei unterschiedliche Verfahrensschritte sind.
Schwer
- Entscheidungsbaum Umformen: Entwickle einen Entscheidungsbaum, der zwischen Lochen, Dornen, Bohren und Ringwalzen unterscheidet. Jede Entscheidung muss mit Prozessziel und Materialfluss begründet sein.
- Fachsprache vergleichen: Vergleiche die praktische Ausbildungsregel „Lochen zuerst, Dornen danach“ mit der weiter gefassten DIN-Bedeutung des Dornens. Formuliere, wann Missverständnisse entstehen können.
- Prüfplan Innenöffnung: Entwickle einen theoretischen Prüfplan für ein Hammerauge mit Kriterien zu Lage, Innenform und Maß. Verknüpfe jedes Kriterium mit einer möglichen Prozessentscheidung.
- Lehrvideo planen: Entwirf ein Storyboard für ein zweiminütiges Lehrvideo zum Unterschied Lochen und Dornen. Es muss Beobachtungsaufgaben, Quellen- und Rechtehinweise sowie den Satz „Keine unbeaufsichtigten Versuche“ enthalten. Eine reale Vorführung darf nur durch fachkundiges Personal erfolgen.


Lernkontrolle
- Prozessdiagnose: Du erhältst Vorher-Nachher-Skizzen eines Werkstücks. Begründe anhand von Durchbruch, Materialfluss und Innenform, ob der gezeigte Schritt eher Lochen oder Dornen ist.
- Reihenfolge begründen: Erkläre, warum bei einem massiven Hammerkopf normalerweise erst ein Durchbruch geschaffen werden muss, bevor die Innenkontur auf Endform gebracht werden kann.
- Verfahrensgrenze: Ein Ring besitzt eine Innenrolle während der Umformung. Begründe, warum das Verfahren trotzdem Ringwalzen sein kann und nicht allein wegen des Werkzeugnamens als Dornen bezeichnet werden darf.
- Sicherheitsentscheidung: In einem Schmiedebereich funktioniert der Rauchabzug nicht. Begründe, warum eine praktische Vorführung nicht beginnen darf und welche Gefährdung damit verbunden ist.
- Materialfluss erklären: Vergleiche den Materialfluss beim Herstellen eines Durchbruchs mit dem Materialfluss beim Weiten einer vorhandenen Öffnung.
- Transfer auf neues Bauteil: Ein Bauteil besitzt bereits eine kleine quadratische Öffnung, die auf eine größere rechteckige Innenkontur gebracht werden soll. Entwickle eine begründete Verfahrensentscheidung und nenne die Informationen, die Du vor der Freigabe des Arbeitsschritts benötigst.
Lernnachweis
Für einen erfolgreichen Lernnachweis ist wichtig, dass Du:
- Lochen und Dornen sicher anhand von Ausgangszustand, Ziel und Materialfluss unterscheidest.
- Den möglichen Butzen beim Durchlochen fachlich richtig einordnest.
- Erklärst, wie der Werkzeugquerschnitt die Öffnungsform beeinflusst.
- Die praktische Ausbildungsregel von der weiter gefassten DIN-Systematik unterscheiden kannst.
- Einen Arbeitsfall wie das Hammerauge schlüssig in Prozessschritte gliederst.
- Heiße Werkstoffe, Funken, Zunder, Feuer, Abgase, Brandgefahren, Quetschstellen und Lärm als relevante Gefährdungen erkennst.
- Begründest, warum funktionsfähige Absaugung, betriebliche Schutzmaßnahmen und fachkundige Aufsicht Voraussetzungen für Demonstrationen sind.
- Neue Fälle nicht nur nach Werkzeugnamen, sondern nach Werkstückzustand, Bewegung und Prozessziel beurteilst.
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