Schmiedekunst des Barock - Schmied


Schmiedekunst des Barock - Schmied
Schmiedekunst des Barock - Schmied
Einleitung
Die Schmiedekunst des Barock verbindet technische Beherrschung des Werkstoffs Eisen mit einer bewegten, repräsentativen Formensprache. Im 17. und 18. Jahrhundert entstanden kunstvoll geschmiedete Tore, Chorgitter, Treppengeländer, Balkongitter, Brunnenlauben, Ausleger, Beschläge und Einfriedungen. Sie dienten nicht nur als Schutz oder Abgrenzung, sondern waren zugleich Teil der Architektur und Ausdruck von Rang, Macht, Glauben und handwerklicher Meisterschaft.
Für die berufliche Ausbildung ist das Thema besonders geeignet, weil sich daran Entwurf, Werkstoffkunde, Warmumformung, Fügetechnik, Oberflächenbehandlung, Montage und Denkmalpflege miteinander verbinden lassen. Du lernst, barocke Formen fachgerecht zu erkennen, ihre Herstellung nachzuvollziehen und eigene Werkstücke zu planen. Dabei ist wichtig, historische Schmiedearbeit nicht mit industriell vorgefertigten Zierteilen zu verwechseln.
Das Haupttor des Oberen Belvedere zeigt, wie Schmiedeeisen, Architektur, Symmetrie und repräsentative Wirkung im Barock zusammenspielen.
Das Video über die Gitter von Jean Tijou am Hampton Court Palace ermöglicht eine genaue Betrachtung barocker Linienführung, Ornamentdichte und räumlicher Wirkung.
Lernziele
Nach der Bearbeitung dieses Lernkurses kannst Du:
- Barocke Formensprache: typische Motive, Proportionen und Kompositionsprinzipien erkennen und fachsprachlich beschreiben.
- Schmiedetechnik: zentrale Warmumformverfahren wie Strecken, Stauchen, Biegen, Tordieren, Spalten, Lochen und Feuerschweißen erklären.
- Fügetechnik: historische Verbindungen wie Niete, Bunde, Schellen, Zapfen und durchgesteckte Verbindungen unterscheiden.
- Werkstoffkunde: historisches Schmiedeeisen von modernem niedriggekohltem Stahl begrifflich trennen.
- Arbeitsplanung: ein barockes Zierelement vom Aufmaß über die Schablone bis zur Montage planen.
- Denkmalpflege: Grundsätze einer substanzschonenden Untersuchung, Reparatur und Dokumentation anwenden.
- Arbeitssicherheit: Gefährdungen beim Warmformen, Trennen, Schleifen und Oberflächenbehandeln beurteilen.
Historischer und beruflicher Kontext
Barock als Epoche
Der Barock entwickelte sich in Europa seit dem späten 16. Jahrhundert und prägte große Teile des 17. und 18. Jahrhunderts. Zeitliche Grenzen unterscheiden sich nach Region und Kunstgattung. In der Gestaltung treten Bewegung, starke Kontraste, repräsentative Achsen, plastische Formen und eine bewusste Inszenierung des Raums hervor. Im späteren 18. Jahrhundert gehen viele Formen in das leichtere, asymmetrischere Rokoko über.
Schmiedearbeiten wurden in Schlossanlagen, Kirchen, Klöstern, Residenzen, Bürgerhäusern und öffentlichen Bauten eingesetzt. Ein Tor lenkte den Blick auf einen Ehrenhof, ein Chorgitter gliederte den Kirchenraum und ein Balkongitter verband Schutzfunktion mit Fassadenschmuck.
Schmied, Schlosser und Metallgestalter
Historisch waren Berufsbezeichnungen und Zuständigkeiten regional verschieden. Aufwendige Gitter wurden häufig von Kunstschlossern, Hofschlossern und spezialisierten Schmiedewerkstätten entworfen, geschmiedet, gefügt und montiert. Der Begriff Kunstschmied ist weiterhin gebräuchlich, die entsprechende duale Ausbildung in Deutschland heißt heute Metallbauer beziehungsweise Metallbauerin der Fachrichtung Metallgestaltung. Die reguläre Ausbildungsdauer beträgt 42 Monate.
Zu den beruflichen Tätigkeitsfeldern gehören heute Kunstschmieden, Metallbaubetriebe, Restaurierungswerkstätten, Denkmalpflege, Gestaltung, Montage und Reparatur geschmiedeter Bauteile.
Formensprache der barocken Schmiedekunst
Komposition
Barocke Gitter sind meist hierarchisch aufgebaut. Tragende Stäbe, Rahmen und horizontale Riegel bilden das konstruktive Gerüst. Dazwischen liegen ornamental verdichtete Felder. Besonders wichtige Bereiche werden durch Wappen, Monogramme, Kronen, Kartuschen oder figürliche Motive hervorgehoben.
Typische Gestaltungsprinzipien sind:
- Symmetrie: Hauptachsen und spiegelbildliche Ordnungen erzeugen Ruhe und Repräsentation.
- Rhythmus: Wiederholte Stäbe, Bögen und Ornamente führen den Blick.
- Steigerung: Die Ornamentdichte nimmt häufig zur Mitte, zum Toraufsatz oder zum Wappen hin zu.
- Kontrast: Gerade Tragstäbe stehen bewegten Ranken und plastisch ausgeschmiedeten Blättern gegenüber.
- Silhouette: Außenkontur, Spitzen, Bekrönungen und Aufsätze wirken bereits aus größerer Entfernung.
- Tiefe: Überlagerte Stäbe, vor- und zurückspringende Ornamente sowie getriebene Blätter erzeugen räumliche Wirkung.

Typische Ornamente
Die Formensprache verwendet sowohl geometrische als auch pflanzliche und heraldische Motive.
- Volute: spiralförmige Einrollung, häufig als C- oder S-Schwung aufgebaut.
- Akanthus: stilisiertes Blattmotiv mit tief gegliederten Blattlappen und plastischer Wirkung.
- Ranke: fortlaufende, oft verzweigte Linie, die Blätter, Blüten oder Früchte tragen kann.
- Kartusche: ornamental gerahmtes Feld für Wappen, Inschrift oder Monogramm.
- Rosette: radial aufgebautes Blütenornament.
- Palmette: fächerförmiges Blattmotiv.
- Maskaron: ornamental verwendete Gesichts- oder Maskendarstellung.
- Wappen: heraldisches Zeichen als Mittelpunkt einer repräsentativen Anlage.
- Gitterspitze: schmiedetechnisch und gestalterisch ausgebildeter oberer Abschluss.

Bei der Analyse genügt es nicht, ein Element nur als „Schnörkel“ zu bezeichnen. Fachgerecht beschreibst Du Grundform, Verlauf, Querschnitt, Verbindung, Oberflächenzustand und Funktion im Gesamtaufbau.
Werkstoffe und Halbzeuge
Historisches Schmiedeeisen und moderner Stahl
Historisches Schmiedeeisen ist kein einheitlicher moderner Werkstoff. Es kann Schlackeneinschlüsse, Faserverlauf, Schweißzonen und örtlich unterschiedliche Eigenschaften aufweisen. Bei der Restaurierung muss deshalb jedes Bauteil untersucht werden, bevor gerichtet, geschweißt oder ergänzt wird.
Im heutigen Kunstschmiedehandwerk werden meist gut warmumformbare, niedriggekohlte Stähle verwendet. Im Handel wird dafür oft der Ausdruck Schmiedeeisen benutzt. Fachlich darf diese moderne Handelsbezeichnung jedoch nicht ungeprüft mit historischem Schmiedeeisen gleichgesetzt werden.
Typische Halbzeuge sind:
- Flachstahl: geeignet für Blätter, Bunde, Rahmen und flächige Ornamente.
- Vierkantstahl: geeignet für Stäbe, Torsionen, Spitzen und Voluten.
- Rundstahl: geeignet für Ranken, Stäbe und ringförmige Elemente.
- Bandstahl: geeignet für Schellen, Bunde und dünnere Zierteile.
- Blech: geeignet für getriebene Blätter, Wappen und plastische Auflagen.
Werkstoffgerechte Gestaltung
Eine gute Schmiedearbeit nutzt die Eigenschaften des Ausgangsquerschnitts. Material wird nicht nur entfernt, sondern durch Warmumformung verlagert. Ein Blatt kann aus dem Stabende ausgeschmiedet, eine Verdickung durch Stauchen erzeugt und ein Loch warm gelocht werden. Dadurch bleiben Form, Faserverlauf und handwerklicher Charakter ablesbar.
Werkstatt, Werkzeuge und Sicherheit
Zentrale Werkzeuge

- Schmiedefeuer: erwärmt den Werkstoff auf die erforderliche Umformtemperatur.
- Amboss: bietet Bahn, Horn, Kanten sowie Lochungen als Arbeitsflächen.
- Schmiedehammer: überträgt Schlagenergie; Form und Gewicht werden an Arbeitsschritt und Werkstück angepasst.
- Vorschlaghammer: wird bei Teamarbeit durch den Zuschläger geführt.
- Schmiedezange: hält das Werkstück sicher und passend zum Querschnitt.
- Gesenk: formt definierte Radien, Kehlen oder Querschnitte.
- Schrotmeißel: trennt erwärmtes Material.
- Lochdorn: öffnet und kalibriert warm gelochte Durchbrüche.
- Biegegabel: unterstützt kontrollierte Biegungen und Voluten.
- Schraubstock: hält Werkstücke beim Biegen, Tordieren und Nacharbeiten.
- Schablone: kontrolliert Kontur, Wiederholgenauigkeit und Symmetrie.

Arbeitssicherheit
Schmiedearbeiten dürfen in der Ausbildung nur an geeigneten Arbeitsplätzen und unter fachkundiger Anleitung ausgeführt werden. Erforderlich sind Gefährdungsbeurteilung, wirksame Lüftung, Brandschutz, freie Verkehrswege und gekennzeichnete Ablagebereiche für heiße Werkstücke.
- Persönliche Schutzausrüstung: Schutzbrille oder Gesichtsschutz, Gehörschutz, geeignete Arbeitskleidung und Sicherheitsschuhe verwenden.
- Heißes Material: Werkstücke gelten so lange als heiß, bis ihr Zustand sicher geprüft wurde; glühendes und bereits dunkel gewordenes Metall kann schwere Verbrennungen verursachen.
- Zangenführung: Zange, Werkstück und Schlagrichtung vor jedem Arbeitsgang kontrollieren.
- Zuschlägerarbeit: klare Kommandos, sicherer Stand und abgestimmte Schlagfolge einhalten.
- Funkenflug: brennbare Stoffe entfernen und Abschirmungen verwenden.
- Beschichtete Werkstoffe: verzinkte, lackierte oder unbekannt beschichtete Teile nicht ungeprüft im Feuer erhitzen.
- Maschinenarbeit: bei Schleifmaschinen, Bohrmaschinen und anderen rotierenden Maschinen gelten gesonderte Schutzregeln.
Schmiedetechniken des Barock
Grundlegende Warmumformverfahren
- Strecken: Der Querschnitt wird verringert und das Werkstück verlängert.
- Stauchen: Material wird in Längsrichtung zusammengedrückt, sodass der Querschnitt örtlich zunimmt.
- Biegen: Das Werkstück wird über Horn, Gabel, Dorn oder Schablone in eine gewünschte Krümmung gebracht.
- Tordieren: Ein meist vierkantiger Stab wird um seine Längsachse verdreht.
- Absetzen: Querschnitt oder Höhe werden an einer klar begrenzten Stelle verändert.
- Spalten: Material wird längs geöffnet, um Verzweigungen, Blätter oder Gabelungen zu erzeugen.
- Lochen: Ein Durchbruch wird im warmen Zustand mit Lochwerkzeug hergestellt.
- Dornen: Ein vorhandenes Loch wird geweitet, geformt oder kalibriert.
- Feuerschweißen: ausreichend erwärmte und vorbereitete Flächen werden durch Druckschläge stoffschlüssig verbunden.
- Treiben: Blech oder flaches Material wird plastisch zu einer räumlichen Form ausgearbeitet.
Herstellung einer Volute
Eine barocke Volute wird nicht beliebig eingerollt. Zuerst werden Maßstab, Drehsinn, Volutenauge, Öffnungsweite, Übergang und Anschluss festgelegt. Das Stabende kann verjüngt oder verdickt werden. Danach wird die erste Einrollung am Amboss oder Biegeeisen angelegt. Die weitere Kurve entsteht schrittweise und wird ständig mit einer Schablone kontrolliert.
Bei einem Paar spiegelbildlicher Voluten müssen Materiallänge, Erwärmungsbereich, Schlagfolge und Rückfederung möglichst gleich sein. Kleine Unterschiede bleiben als handwerkliche Spuren sichtbar, dürfen aber die Gesamtordnung nicht stören.
Ausschmieden eines Akanthusblatts
Für ein Blatt wird häufig das Ende eines Flach- oder Vierkantstabs gestaucht, breit ausgeschmiedet und anschließend konturiert. Mittelrippe, Blattlappen und Spitzen entstehen durch gezielte Materialverlagerung, Meißelarbeit und Treiben. Danach wird das Blatt räumlich gebogen. Erst die Kombination aus Kontur, Rippen, Wölbung und Schattenfugen erzeugt die plastische Wirkung.

Fügetechniken und konstruktiver Aufbau
Barocke Gitter bestehen aus vielen Einzelteilen. Ihre Qualität zeigt sich nicht nur im Ornament, sondern besonders in den Verbindungen.
- Nietverbindung: Ein Niet verbindet überdeckte oder durchgesteckte Bauteile formschlüssig.
- Bund: Ein erwärmter Metallstreifen wird um mehrere Teile gelegt und geschlossen.
- Schelle: umfasst Bauteile und hält sie mechanisch zusammen.
- Zapfenverbindung: Ein ausgeschmiedeter Zapfen wird durch ein Loch geführt und vernietet oder verkeilt.
- Durchsteckung: Stäbe werden durch warm gelochte Öffnungen geführt.
- Feuerschweißung: verbindet vorbereitete Schmiedeteile ohne zusätzliches mechanisches Verbindungselement.
- Verschraubung: kann bei Montage, Wartung oder späteren Eingriffen sinnvoll sein, ist aber gestalterisch zurückhaltend auszuführen.

Moderne Schweißverfahren können bei Neuanfertigungen konstruktiv zulässig sein. Bei einer historischen Rekonstruktion oder Restaurierung müssen sie jedoch begründet, dokumentiert und mit dem denkmalpflegerischen Ziel abgestimmt werden. Eine verdeckte moderne Schweißnaht macht ein Werkstück nicht automatisch historisch authentisch.
Oberfläche, Farbe und Vergoldung
Schmiedeeisen war historisch nicht grundsätzlich schwarz. Gitter konnten gefasst, gestrichen, gebläut, verzinnt, vergoldet oder in mehreren Farbtönen gestaltet sein. Vergoldete Blätter, Wappen und Spitzen steigerten die Fernwirkung und markierten wichtige Teile.
Für neue Werkstücke kommen abhängig von Nutzung und Standort geeignete Beschichtungssysteme, Öle, Wachse oder metallische Überzüge infrage. Im Außenbereich müssen Entwässerung, Spalten, Kontaktflächen, konstruktiver Korrosionsschutz und spätere Wartung bereits bei der Planung berücksichtigt werden.
Bei historischen Oberflächen gilt: Erst untersuchen, dann handeln. Alte Farbschichten, Werkzeugspuren, Zunder und Reparaturen können wichtige Informationen enthalten. Aggressives Strahlen oder vollständiges Blank-Schleifen kann unwiederbringliche Substanzverluste verursachen.
Bedeutende Beispiele und Meister
Johann Georg Oegg
Johann Georg Oegg war ein bedeutender Hofschlosser und Kunstschmied des 18. Jahrhunderts. Er arbeitete unter anderem für die Würzburger Residenz. Seine Werkstatt schuf repräsentative Gitteranlagen mit klarer konstruktiver Ordnung, bewegten Ranken, plastischem Blattwerk und heraldischen Mittelpunkten. Seine Arbeiten zeigen den Übergang vom reifen Barock zum Rokoko.

Für die Ausbildung ist Oegg besonders interessant, weil seine Werke nicht nur ornamental reich, sondern auch konstruktiv durchdacht sind. Tragstruktur, Füllung, Bekrönung und Verbindungsmittel bilden eine gestalterische Einheit.
Jean Tijou
Jean Tijou war ein einflussreicher Kunstschmied des späten 17. Jahrhunderts in England. Seine Gitter am Hampton Court Palace verbinden symmetrische Großformen mit dichtem Blattwerk, Masken, Wappen und vergoldeten Akzenten. Der Vergleich mit mitteleuropäischen Arbeiten zeigt gemeinsame barocke Prinzipien, aber auch regionale Unterschiede.
Analyse eines barocken Gitters
Gehe bei einer fachlichen Analyse systematisch vor:
- Gesamtfunktion: Bestimme, ob es sich um Tor, Geländer, Chorgitter, Balkon, Fenstergitter oder Ausleger handelt.
- Bauzusammenhang: Untersuche Achsen, Öffnungsmaß, Mauerwerk, Pfeiler, Beschläge und Bewegungsraum.
- Tragstruktur: Ermittle Rahmen, Stäbe, Riegel, Aussteifungen und Lastabtragung.
- Ornament: Benenne Voluten, Akanthus, Kartuschen, Rosetten, Wappen und Bekrönungen.
- Herstellungsspuren: Suche nach Hammerschlägen, Stauchungen, Spaltungen, Lochungen, Nähten und Zangenmarken.
- Verbindungen: Unterscheide Niete, Bunde, Schellen, Zapfen, Durchsteckungen und Schweißungen.
- Oberfläche: Dokumentiere Korrosion, Zunder, Fassungsreste, Vergoldung, Risse und spätere Beschichtungen.
- Veränderungen: Trenne Originalbestand, historische Reparatur und moderne Ergänzung.
- Zustand: Bewerte Verformung, Materialverlust, gelockerte Verbindungen und Funktionsstörungen.
- Maßnahmenziel: Formuliere, was erhalten, gesichert, ergänzt oder rekonstruiert werden soll.
Arbeitsplanung für ein barockes Zierelement
Ein Ausbildungsprojekt kann aus einer spiegelbildlichen Doppelvolute mit Akanthusblatt und Bundverbindung bestehen.
- Aufmaß: Maße, Anschlusspunkte und Einbausituation erfassen.
- Entwurf: Maßstab, Symmetrieachse, Materialquerschnitte und Ornamenthierarchie festlegen.
- Werkzeichnung: Ansichten, Schnitte, Radien, Längen und Verbindungen darstellen.
- Schablone: Biegelinien und Endkonturen im Maßstab eins zu eins anfertigen.
- Materialliste: Werkstoff, Querschnitt, Länge und Zuschläge bestimmen.
- Arbeitsfolge: Erwärmungen, Umformschritte, Verbindungen und Kontrollen planen.
- Fertigung: Einzelteile schmieden und Zwischenmaße prüfen.
- Zusammenbau: Teile ausrichten, heften, vernieten, bündeln oder feuerschweißen.
- Oberfläche: reinigen, vorbereiten und ein geeignetes Schutzsystem auftragen.
- Qualitätskontrolle: Maße, Symmetrie, Funktion, Verbindungssicherheit und Oberfläche prüfen.
- Dokumentation: Zeichnungen, Fotos, Werkstoffangaben und Abweichungen festhalten.
Das Video zur Herstellung eines geschmiedeten Grabkreuzes zeigt, wie historische Objektanalyse, Rekonstruktion und handwerkliche Arbeitsfolge miteinander verbunden werden können.
Restaurierung und Denkmalpflege
Bei historischen Schmiedearbeiten steht der Erhalt der Originalsubstanz im Vordergrund. Eine Restaurierung ist keine freie Neugestaltung. Vor Beginn werden Bestand, Schäden, Material, Verbindungstechniken, Oberflächen und frühere Reparaturen dokumentiert.
Wichtige Grundsätze sind:
- Substanzerhalt: möglichst viel historisches Material bewahren.
- Minimaler Eingriff: nur so viel bearbeiten, wie für Sicherung und Funktion erforderlich ist.
- Lesbarkeit: Ergänzungen dürfen fachlich erkennbar und dennoch gestalterisch zurückhaltend sein.
- Verträglichkeit: neue Werkstoffe und Beschichtungen müssen mit dem Bestand vereinbar sein.
- Dokumentation: jeder Eingriff wird nachvollziehbar festgehalten.
- Wartung: Korrosionsschutz und Bewegungsfunktionen regelmäßig kontrollieren.
Risse, Schlackenzeilen und alte Feuerschweißungen erfordern besondere Aufmerksamkeit. Ungeeignete Wärmeeinbringung kann historische Werkstoffe schädigen. Deshalb müssen Reparaturverfahren durch Fachleute festgelegt und gegebenenfalls an Probestücken erprobt werden.
Fachwortschatz
| Fachbegriff | Bedeutung |
|---|---|
| Akanthus | Stilisiertes Blattornament mit plastisch gegliederten Blattlappen |
| Bund | Um ein oder mehrere Bauteile gelegtes Verbindungselement |
| Kartusche | Ornamentaler Rahmen für Wappen, Monogramm oder Inschrift |
| Lochdorn | Werkzeug zum Weiten und Kalibrieren eines warmen Lochs |
| Niet | Mechanisches Verbindungselement mit geformtem Schließkopf |
| Stauchen | Verkürzen und örtliches Verdicken eines Werkstücks |
| Strecken | Verlängern bei gleichzeitiger Verringerung des Querschnitts |
| Tordieren | Verdrehen eines Stabs um seine Längsachse |
| Volute | Spiralig eingerolltes Ornament |
| Zuschläger | Person, die nach Anweisung mit dem Vorschlaghammer arbeitet |
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welches Ornament ist durch eine spiralige Einrollung gekennzeichnet? (Volute) (!Rosette) (!Kartusche) (!Palmette)
Welches Verfahren verlängert ein Werkstück und verringert dabei seinen Querschnitt? (Strecken) (!Stauchen) (!Treiben) (!Nieten)
Welche Verbindung wird durch einen geformten Schließkopf gesichert? (Nietverbindung) (!Klebeverbindung) (!Lötverbindung) (!Presspassung)
Welche Wirkung hat das Stauchen beim Schmieden? (Es vergrößert örtlich den Querschnitt) (!Es trägt die Oberfläche vollständig ab) (!Es kühlt das Werkstück schlagartig) (!Es löst eine Nietverbindung)
Was bezeichnet eine Kartusche? (Ein ornamental gerahmtes Feld) (!Eine Schmiedezange) (!Eine Feuerstelle) (!Eine Ambosskante)
Welcher Werkstoffbegriff darf nicht ungeprüft mit modernem Baustahl gleichgesetzt werden? (Historisches Schmiedeeisen) (!Flachstahl) (!Rundstahl) (!Bandstahl)
Welches Werkzeug dient zum Weiten und Kalibrieren eines warmen Lochs? (Lochdorn) (!Feile) (!Körner) (!Messschieber)
Welches Gestaltungsprinzip ordnet viele barocke Tore um eine Hauptachse? (Symmetrie) (!Zufälligkeit) (!Rasterlosigkeit) (!Materialabtrag)
Was steht bei der Restaurierung historischer Schmiedearbeiten im Vordergrund? (Erhalt der Originalsubstanz) (!Vollständiges Blankpolieren) (!Austausch aller Niete) (!Verdecken aller Werkzeugspuren)
Wie heißt der heutige deutsche Ausbildungsberuf mit Bezug zur traditionellen Kunstschmiedearbeit? (Metallbauer Fachrichtung Metallgestaltung) (!Technischer Produktdesigner) (!Werkzeugmechaniker) (!Gießereimechaniker)
Memory
| Akanthus | Stilisiertes Blattornament |
| Volute | Spiralige Einrollung |
| Strecken | Verlängern durch Querschnittsverringerung |
| Stauchen | Örtliches Verdicken |
| Feuerschweißen | Stoffschlüssiges Fügen im Schmiedefeuer |
| Bund | Umgelegtes Verbindungselement |
| Niet | Mechanisches Fügemittel mit Schließkopf |
| Kartusche | Gerahmtes Feld für Wappen oder Inschrift |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Wirkung oder Anwendung |
|---|---|
| Strecken | Stab verlängern |
| Stauchen | Material örtlich verdicken |
| Lochen | Durchbruch im warmen Werkstück herstellen |
| Tordieren | Stab um seine Längsachse verdrehen |
| Nieten | Bauteile mechanisch verbinden |
Kreuzworträtsel
| Akanthus | Welches stilisierte Blattmotiv ist für barocke Ornamente besonders typisch? |
| Volute | Wie heißt eine spiralig eingerollte Zierform? |
| Kartusche | Wie heißt ein ornamental gerahmtes Feld für ein Wappen? |
| Amboss | Auf welchem Werkzeug wird das Werkstück überwiegend geschmiedet? |
| Nietung | Welche mechanische Verbindung besitzt einen Schließkopf? |
| Oegg | Welcher Würzburger Hofschlosser schuf bedeutende Gitteranlagen? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Ornamentensuche: Fotografiere an einem historischen Gebäude drei geschmiedete Ornamente und benenne Grundform, Symmetrie und mögliche Funktion.
- Volutenzeichnung: Zeichne eine C-Volute und eine S-Volute im Maßstab eins zu eins und markiere Volutenauge, Anschluss und Drehsinn.
- Werkzeugkarte: Erstelle eine bebilderte Lernkarte zu Amboss, Schmiedehammer, Zange und Lochdorn.
- Fachwortposter: Gestalte ein Poster mit den Begriffen Akanthus, Volute, Kartusche, Bund, Niet und Tordierung.
Standard
- Gitteranalyse: Analysiere ein barockes Tor anhand von Tragstruktur, Ornament, Verbindungstechnik, Oberfläche und Erhaltungszustand.
- Schablonenarbeit: Entwickle eine stabile Schablone für ein spiegelbildliches Volutenpaar und dokumentiere alle Kontrollmaße.
- Fertigungsplan: Plane die Herstellung eines Zierelements mit mindestens vier Warmumformverfahren und zwei historischen Fügetechniken.
- Werkstattinterview: Befrage eine Metallgestalterin, einen Metallgestalter oder einen Restaurator zu historischen und modernen Schmiedeverfahren.
Schwer
- Rekonstruktionsentwurf: Entwirf auf Grundlage eines historischen Fotos ein fehlendes Gitterfeld und kennzeichne gesicherte, ergänzte und frei interpretierte Bereiche.
- Restaurierungskonzept: Entwickle für ein korrodiertes Tor ein Maßnahmenkonzept mit Untersuchung, Sicherung, Ergänzung, Oberflächenschutz und Wartung.
- Probeschmiedung: Fertige unter fachkundiger Aufsicht ein Akanthusblatt mit gestauchtem Ansatz, ausgeschmiedeter Fläche und getriebener Mittelrippe.
- Ausbildungsfilm: Produziere einen kurzen Lehrfilm, der die Fertigung einer Volute von der Schablone bis zur Qualitätskontrolle fachsprachlich erklärt.


Lernkontrolle
- Entwurf und Fertigung: Begründe anhand eines eigenen Volutenentwurfs, welche Materialquerschnitte und Arbeitsschritte Du auswählst und wie sich diese Entscheidungen auf Form und Stabilität auswirken.
- Historisch oder modern: Vergleiche eine traditionelle Niet- oder Bundverbindung mit einer modernen Schweißverbindung und bewerte beide für Neuanfertigung, Rekonstruktion und Restaurierung.
- Schadensanalyse: Entwickle für ein historisches Gitter mit Korrosion, gelockerten Nieten und verformten Voluten eine sinnvolle Reihenfolge der Untersuchung und Sicherung.
- Gestaltungsvergleich: Vergleiche ein streng symmetrisches Barockgitter mit einem asymmetrischen Rokokogitter und erläutere, wie sich die Gestaltung auf die Fertigungsplanung auswirkt.
- Werkstoffentscheidung: Begründe, warum historisches Schmiedeeisen vor einer Wärmebehandlung oder Schweißreparatur untersucht werden muss.
- Qualitätsbewertung: Erstelle Kriterien, mit denen ein geschmiedetes Zierelement hinsichtlich Maßhaltigkeit, Symmetrie, handwerklicher Ausführung, Verbindungssicherheit und Oberfläche bewertet werden kann.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema sind wichtig:
- Fachgerechte Verwendung der Begriffe Volute, Akanthus, Kartusche, Stauchen, Strecken, Tordieren, Bund und Niet
- Nachvollziehbare Analyse eines barocken Schmiedewerks
- Werkstattgerechte Zeichnung oder Schablone eines Zierelements
- Begründete Auswahl von Werkstoff, Querschnitt, Werkzeugen und Arbeitsfolge
- Sichere Beschreibung der Warmumform- und Fügeverfahren
- Dokumentation von Maßen, Arbeitsschritten und Qualitätskontrollen
- Unterscheidung zwischen Neuanfertigung, Rekonstruktion und Restaurierung
- Beachtung von Arbeitssicherheit, Brandschutz und Gesundheitsschutz
- Reflexion über handwerkliche Gestaltung, historische Vorbilder und eigene Entwurfsentscheidungen
OERs zum Thema
Fachliche Quellen und Vertiefung
- Bundesinstitut für Berufsbildung: Metallbauer oder Metallbauerin, Fachrichtung Metallgestaltung
- Metallbauer-Ausbildungsverordnung
- Wikimedia Commons: Barockes Schmiedeeisen in Deutschland
- Schmied
- Schmieden
- Kunstschmied
- Barock
- Akanthus (Ornament)
- Volute
- Johann Georg Oegg
Verknüpfte Lernbereiche
aiMOOC-Projekte
Schulfach+


aiMOOCs



aiMOOC Projekte


THE MONKEY DANCE





|
LernweltNOAH fragen