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Schmied 1

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Schmied 1




Einleitung

Ein Schmied oder eine Schmiedin formt Metalle durch gezielte Druckkräfte. Beim handwerklichen Schmieden geschieht dies vor allem mit Hammer und Amboss, häufig nachdem das Werkstück in einer Esse erwärmt wurde. Neben Muskelkraft sind Werkstoffkenntnis, Formgefühl, eine sichere Schlagtechnik, genaue Arbeitsplanung und konsequenter Arbeitsschutz erforderlich.

Dieser aiMOOC richtet sich an Auszubildende in metalltechnischen Berufen, besonders an angehende Metallbauerinnen und Metallbauer der Fachrichtung Metallgestaltung. Du lernst die beruflichen Zusammenhänge kennen, ordnest Werkzeuge und Verfahren fachgerecht zu und planst Schmiedearbeiten. Praktische Arbeiten am Schmiedefeuer dürfen nur nach Unterweisung, mit geeigneter Schutzausrüstung und unter fachkundiger Aufsicht durchgeführt werden.

Nach dem Lernkurs kannst Du:

  1. Berufsbild: den traditionellen Begriff Schmied in das heutige Berufssystem einordnen
  2. Werkzeuge: Esse, Amboss, Hämmer, Zangen und Hilfswerkzeuge fachgerecht beschreiben
  3. Verfahren: Strecken, Stauchen, Absetzen, Biegen, Torsieren, Lochen und Feuerschweißen unterscheiden
  4. Werkstoffverhalten: den Einfluss von Temperatur, Umformung und Wärmebehandlung erklären
  5. Arbeitsplanung: einen Schmiedeauftrag vom Entwurf bis zur Qualitätskontrolle strukturieren
  6. Sicherheit: typische Gefährdungen erkennen und geeignete Schutzmaßnahmen begründen


Berufsbild und Ausbildungsbezug

Schmied ist eine Berufs- und Handwerksbezeichnung für Personen, die Metall durch Freiformschmieden, Gesenkschmieden oder verwandte Umformverfahren bearbeiten. In Deutschland ist Schmied heute in der Regel nicht die amtliche Bezeichnung eines eigenständigen dualen Ausbildungsberufs. Der einschlägige anerkannte Ausbildungsberuf im Handwerk ist Metallbauer beziehungsweise Metallbauerin – Fachrichtung Metallgestaltung. Die Ausbildung dauert nach den Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung 42 Monate.[1]

Zum Ausbildungsprofil gehören unter anderem das Handhaben von Schmiedefeuern, die Auswahl schmiedbarer Werkstoffe, das manuelle und maschinelle Schmieden, das Herstellen und Instandsetzen von Werkzeugen sowie das Gestalten, Montieren und Restaurieren von Bauteilen. Ebenso wichtig sind technisches Zeichnen, Messen, Prüfen, Fügen, Oberflächenbehandlung, Kundenorientierung und Qualitätsmanagement.


Tätigkeitsfelder

Schmiedinnen und Schmiede arbeiten im Handwerk, in Restaurierungswerkstätten, im künstlerischen Metallbau sowie in industriellen Schmiedebetrieben. Typische Erzeugnisse sind Beschläge, Gitter, Geländer, Tore, Werkzeuge, Bauteile für Maschinen, dekorative Objekte und restaurierte historische Metallarbeiten. Je nach Betrieb werden Einzelstücke, Kleinserien oder große Serien gefertigt.

Beim Hufbeschlag, beim Werkzeugschmieden, beim Messerschmieden und beim industriellen Gesenkschmieden gelten jeweils besondere Anforderungen. Diese Tätigkeitsfelder dürfen nicht gleichgesetzt werden: Sie unterscheiden sich bei Werkstoffen, Werkzeugen, Rechtsvorschriften, Prüfungen und beruflichen Qualifikationen.


Werkstoffe und Werkstoffverhalten

Für Schmiedearbeiten werden vor allem Eisenwerkstoffe eingesetzt. Entscheidend ist nicht nur die Bezeichnung „Stahl“, sondern die konkrete Werkstoffsorte mit ihrem Kohlenstoffgehalt, ihren Legierungselementen und ihrem Lieferzustand. Diese Eigenschaften beeinflussen Schmiedbarkeit, Härtbarkeit, Zähigkeit, Schweißbarkeit und Korrosionsverhalten.

Beim Erwärmen sinkt der Widerstand des Stahls gegen plastische Verformung. Dadurch lässt sich das Werkstück mit geringerem Kraftaufwand umformen. Die geeignete Arbeitstemperatur hängt jedoch vom Werkstoff ab. Zu niedrige Temperaturen können Risse begünstigen, zu hohe Temperaturen können zu starkem Zunder, Kornwachstum, Entkohlung oder sogar zum Verbrennen des Werkstoffs führen. Verbindlich sind daher Werkstoffdaten, betriebliche Vorgaben und die Unterweisung durch Fachpersonal.


Schmiedetemperatur und Glühfarben

Die Glühfarbe kann erfahrenen Fachkräften eine grobe Orientierung geben. Sie ist aber von Umgebungslicht, Oberfläche, Zunderschicht und individueller Farbwahrnehmung abhängig. Eine Farbbeurteilung ersetzt deshalb keine werkstoffbezogenen Temperaturangaben oder geeignete Messtechnik.

Beim Erwärmen reagiert die heiße Oberfläche mit Sauerstoff. Es entsteht Zunder, der beim Schmieden abplatzen kann. Zunder verursacht Materialverlust, beeinflusst die Oberfläche und stellt durch heiße Partikel eine Gefahr für Haut und Augen dar. Ein sauberes, passend eingestelltes Feuer sowie kurze und geplante Wärmewege verbessern die Prozessqualität.


Gefüge und Wärmebehandlung

Durch plastische Umformung und Temperatur verändert sich das Gefüge des Werkstoffs. Richtig ausgeführtes Schmieden kann den Faserverlauf an die Bauteilform anpassen, Poren schließen und mechanische Eigenschaften günstig beeinflussen. Unsachgemäße Temperaturführung oder zu starke Umformung kann dagegen Fehler erzeugen.

Wichtige Wärmebehandlungen sind:

  1. Normalisieren: dient bei geeigneten Stählen der Erzeugung eines gleichmäßigeren, feinkörnigen Gefüges
  2. Härten: besteht werkstoffabhängig aus Austenitisieren und anschließendem Abschrecken
  3. Anlassen: folgt bei gehärteten Stählen, um Härte, Zähigkeit und Gebrauchseigenschaften gezielt einzustellen
  4. Weichglühen: kann die weitere Bearbeitung bestimmter Stähle erleichtern

Abschrecktemperatur, Haltezeit und Abschreckmedium müssen zur Stahlsorte und Bauteilgeometrie passen. Unkontrolliertes Abschrecken kann Verzug, Risse, hohe Eigenspannungen oder unbrauchbare Eigenschaften verursachen.


Werkstatt, Werkzeuge und Maschinen

Eine Schmiedewerkstatt ist als vollständiges Arbeitssystem zu betrachten. Feuerstelle, Amboss, Werkzeugablage, Maschinen, Materiallager, Verkehrswege, Löschmittel, Lüftung und Beleuchtung müssen sinnvoll aufeinander abgestimmt sein. Heiße Werkstücke benötigen klar gekennzeichnete und freigehaltene Ablageplätze.

Die historische Werkstattaufnahme zeigt typische Grundelemente, entspricht aber nicht automatisch heutigen Anforderungen an Arbeitsschutz, Absaugung, Ergonomie und Brandschutz.


Schmiedefeuer und Esse

Die Esse erwärmt den Werkstoff. Kohle-, Koks-, Holzkohle- und Gasessen unterscheiden sich in Feuerführung, Emissionen, Regelbarkeit und betrieblichem Einsatz. Eine Luftzufuhr erhöht die Verbrennungsleistung. Zu viel Luft kann jedoch Oxidation, Funkenflug und Brennstoffverbrauch verstärken.

Bei allen Feuerungsarten sind ausreichende Lüftung, sichere Brennstoffversorgung und Brandschutz erforderlich. Verbrennungsgase können unsichtbare Gefahren verursachen. Gasführende Anlagen dürfen nur bestimmungsgemäß betrieben, geprüft und gewartet werden.


Amboss

Der Amboss nimmt die Schlagkräfte auf und dient als Formwerkzeug. Typische Bereiche sind die gehärtete Bahn, Rund- und Vierkanthorn sowie Werkzeugöffnungen. Je nach Ambossform können Kanten, Radien, Lochungen und Biegungen hergestellt werden. Der Amboss muss standsicher, in ergonomisch geeigneter Höhe und mit ausreichendem Freiraum aufgestellt sein.


Hämmer, Zangen und Hilfswerkzeuge

Der Schmiedehammer überträgt Schlagenergie auf das Werkstück. Bahn, Finne, Gewicht, Stiellänge und Stielzustand müssen zur Aufgabe passen. Setzhämmer, Gesenke, Fuller, Schrotmeißel und Dorne erweitern die Formgebung. Bei beidhändiger Teamarbeit müssen klare Kommandos, sichere Standpositionen und abgestimmte Schlagfolgen vereinbart werden.

Die Schmiedezange hält und führt das heiße Werkstück. Ihr Maul muss zur Werkstückform passen. Eine unpassende Zange erhöht den Kraftaufwand und kann dazu führen, dass das Werkstück verrutscht oder herausgeschleudert wird.

Vor Arbeitsbeginn werden Hammerköpfe, Stiele, Keile, Zangen, Dorne und Gesenke auf festen Sitz, Risse, Grate und Verschleiß geprüft. Pilzförmig aufgestauchte Schlagköpfe sind fachgerecht instand zu setzen, bevor Abplatzungen entstehen.


Maschinen in der Schmiede

Federhämmer, Lufthämmer, hydraulische Pressen und Schmiedepressen ermöglichen höhere Umformkräfte und wiederholbare Arbeitsabläufe. Maschinen verändern jedoch die Gefährdung: Quetschstellen, Lärm, Schwingungen, fortgeschleuderte Zunderteile und hohe Kräfte erfordern Schutzvorrichtungen, Unterweisung und festgelegte Arbeitsbereiche.

Maschinelles Schmieden verlangt eine präzise Werkzeugauswahl. Gesenke müssen ausgerichtet und befestigt sein. Werkstück, Zange und Werkzeug dürfen nicht in unkontrollierbare Lagen geraten. Schutzvorrichtungen dürfen niemals umgangen werden.


Grundlegende Schmiedeverfahren

Schmieden ist ein Verfahren des Druckumformens. Beim handwerklichen Freiformschmieden entsteht die Form durch eine geplante Folge einzelner Schläge und Wärmeabschnitte. Dabei verändert sich das Werkstückvolumen nahezu nicht; Material wird innerhalb des Werkstücks verlagert.[2]

Datei:Smithy- steel forging (2).webm

Wichtige Grundverfahren sind:

  1. Strecken: Der Querschnitt wird verringert und das Werkstück verlängert.
  2. Stauchen: Das Werkstück wird verkürzt und der Querschnitt vergrößert.
  3. Absetzen: Ein örtlicher Querschnittswechsel oder eine Schulter wird ausgebildet.
  4. Biegen: Die Werkstückachse wird entlang eines Radius verändert.
  5. Torsieren: Ein Werkstückabschnitt wird um seine Längsachse verdreht.
  6. Lochen: Eine Öffnung wird mit einem Lochdorn erzeugt; Material wird verdrängt und nicht einfach ausgebohrt.
  7. Spalten: Das warme Material wird kontrolliert geteilt, ohne das gesamte Werkstück abzutrennen.
  8. Treiben: Bleche oder flächige Werkstücke werden durch Schläge räumlich geformt.


Strecken und Stauchen

Beim Strecken muss die Querschnittsabnahme gleichmäßig geplant werden. Zu schmale oder scharfe Werkzeuge können Kerben und Falten verursachen. Das Werkstück wird regelmäßig gedreht und gerichtet, damit gewünschte Querschnitte entstehen.

Beim Stauchen wird häufig nur ein begrenzter Abschnitt erwärmt. Ist der erhitzte Bereich zu lang oder das Werkstück nicht achsgerecht geführt, kann es ausknicken. Die Stirnflächen und die Schlagrichtung müssen deshalb zur gewünschten Materialverlagerung passen.


Absetzen, Biegen und Torsieren

Ein sauberer Absatz entsteht durch kontrollierte Materialverlagerung an einer festgelegten Stelle. Zu tiefe Kerben wirken als Spannungsspitzen und können später Risse auslösen. Beim Biegen ist die neutrale Faser zu berücksichtigen; Innen- und Außenradius verhalten sich unterschiedlich.

Beim Torsieren wird ein gleichmäßig erwärmter Abschnitt zwischen zwei Haltepunkten verdreht. Markierungen helfen, die Anzahl und Gleichmäßigkeit der Windungen zu kontrollieren. Scharfkantige Profile können beim Torsieren dekorative Muster bilden, reagieren aber empfindlich auf ungleichmäßige Erwärmung.


Lochen, Spalten und Feuerschweißen

Beim Lochen wird das Material mit einem Dorn verdrängt. Das Werkstück wird von beiden Seiten bearbeitet, damit der Butzen kontrolliert austritt und die Lochwand möglichst gleichmäßig wird. Beim Spalten sind ein geeignetes Werkzeug, eine sichere Werkstückauflage und die Kontrolle der Spaltrichtung erforderlich.

Beim Feuerschweißen werden geeignete Werkstoffoberflächen auf die erforderliche Temperatur gebracht, von störenden Oxidschichten geschützt oder gereinigt und unter Druck verbunden. Werkstoff, Temperaturfenster, Oberflächenzustand und Schlagfolge müssen zusammenpassen. Das Verfahren verlangt besondere Erfahrung; Fehler können als Bindefehler, Einschlüsse oder Risse im Bauteil verbleiben.


Freiformschmieden und Gesenkschmieden

Beim Freiformschmieden enthalten die Werkzeuge die endgültige Werkstückform nicht vollständig. Die Form entsteht durch die Bewegungen des Werkstücks und die Schlag- oder Pressfolge. Das Verfahren eignet sich besonders für Einzelstücke, Reparaturen, große Bauteile und gestalterische Arbeiten.

Beim Gesenkschmieden wird das Werkstück zwischen formgebenden Gesenkhälften umgeformt. Es ermöglicht hohe Stückzahlen und gute Wiederholgenauigkeit, erfordert aber aufwendige Werkzeuge und eine genaue Rohteil- und Prozessplanung.


Arbeitsplanung und Qualitätsprüfung

Professionelles Schmieden beginnt nicht am Feuer, sondern mit dem Auftrag. Eine gute Planung verringert Ausschuss, Energieverbrauch und Unfallrisiko.


Vom Entwurf zum Werkstück

Ein sinnvoller Arbeitsablauf umfasst:

  1. Kundenauftrag: Funktion, Maße, Gestaltung, Oberfläche und Einbausituation klären
  2. Technische Zeichnung: Skizze, Ansichten, Radien, Querschnitte und Verbindungen festlegen
  3. Werkstoffauswahl: Werkstoff anhand der Beanspruchung und des Herstellungsverfahrens bestimmen
  4. Materialbedarf: Ausgangsquerschnitt, Umformreserve, Zunderverlust und Zuschnitt planen
  5. Arbeitsfolge: Erwärmen, Umformen, Zwischenglühen, Richten, Fügen und Nachbearbeiten ordnen
  6. Prüfplan: Maße, Form, Oberfläche, Funktion und mögliche Fehlermerkmale festlegen
  7. Dokumentation: Ergebnisse, Abweichungen und verwendete Werkstoffe nachvollziehbar festhalten


Qualitätsmerkmale und Fehlerbilder

Ein Schmiedeteil wird nicht nur nach seinem Aussehen beurteilt. Zu prüfen sind Maße, Rechtwinkligkeit, Symmetrie, Radien, Oberflächenzustand, Verbindungsgüte und Funktion. Bei sicherheitsrelevanten Bauteilen können zusätzliche Prüfverfahren vorgeschrieben sein.

Typische Fehler sind Überhitzung, Falten, Kaltrisse, Schweißfehler, ungleichmäßige Querschnitte, Verzug, tiefe Hammerschläge und übermäßiger Zunder. Die Ursache ist systematisch zu suchen: Werkstoff, Temperatur, Werkzeug, Schlagrichtung, Arbeitsfolge und Abkühlung wirken zusammen.


Arbeitssicherheit, Gesundheits- und Umweltschutz

Schmiedearbeiten verbinden Hitze, Feuer, Lärm, schwere Werkzeuge, bewegte Maschinen und heiße Partikel. Schutzmaßnahmen richten sich nach der betrieblichen Gefährdungsbeurteilung, den Betriebsanweisungen und der konkreten Tätigkeit.

  1. Persönliche Schutzausrüstung: Schutzbrille oder Gesichtsschutz, Gehörschutz, Sicherheitsschuhe und geeignete Schutzkleidung nach betrieblicher Festlegung tragen
  2. Kleidung: Eng anliegende, hitzegeeignete Arbeitskleidung verwenden; Schmuck ablegen und lange Haare sichern
  3. Werkzeugprüfung: Hammerstiele, Hammerköpfe, Zangen, Dorne und Gesenke vor der Benutzung kontrollieren
  4. Heiße Werkstücke: Heiße Teile eindeutig ablegen und auch dunkel erscheinendes Metall als möglicherweise heiß behandeln
  5. Arbeitsbereich: Stolperstellen, brennbare Stoffe und unbeteiligte Personen aus dem Gefahrenbereich fernhalten
  6. Lüftung: Verbrennungsgase, Rauch und Stäube durch geeignete technische Maßnahmen erfassen und abführen
  7. Maschinen: Nur nach Unterweisung bedienen; Schutzeinrichtungen und Sicherheitsabstände einhalten
  8. Ergonomie: Amboss- und Arbeitshöhe, Hammergewicht, Pausen und Arbeitsrhythmus an die Aufgabe anpassen
  9. Brandschutz: Geeignete Löschmittel, freie Fluchtwege und betriebliche Alarmabläufe sicherstellen
  10. Teamarbeit: Kommandos und Rollen vor dem Zuschlagen, Halten oder Bedienen einer Maschine eindeutig vereinbaren

Handschuhe sind tätigkeitsbezogen auszuwählen. Sie können vor bestimmten thermischen oder mechanischen Gefährdungen schützen, zugleich aber Griffgefühl und Beweglichkeit beeinflussen. Deshalb gelten die betriebliche Gefährdungsbeurteilung und die Unterweisung, nicht eine pauschale Regel.


Gestaltung, Oberfläche und Erhaltung

Metallgestaltung verbindet Funktion und Form. Proportion, Rhythmus, Symmetrie, Linienführung, Oberflächenstruktur und Übergänge bestimmen die Wirkung eines Werkstücks. Gestaltung darf die technische Sicherheit nicht beeinträchtigen: Querschnitte, Anschlüsse und Befestigungen müssen die vorgesehenen Lasten aufnehmen.

Schmiedeoberflächen können gebürstet, geschliffen, poliert, brüniert, beschichtet oder mit einem geeigneten Korrosionsschutz versehen werden. Vor jeder Behandlung sind Werkstoff, Einsatzort und spätere Pflege zu berücksichtigen. Außenbauteile sind Feuchtigkeit, Temperaturwechseln und Schadstoffen ausgesetzt; konstruktiver Korrosionsschutz beginnt bereits bei Entwurf und Montage.

Bei Restaurierungen ist zwischen Erhalten, Ergänzen und Erneuern zu unterscheiden. Historische Bearbeitungsspuren können Teil des kulturellen Werts sein. Vor Eingriffen werden Zustand, Werkstoff, frühere Reparaturen und denkmalpflegerische Vorgaben dokumentiert.


Geschichte und Zukunft des Schmiedehandwerks

Schmieden gehört zu den ältesten Verfahren der Metallbearbeitung. Schmiede stellten Werkzeuge, Waffen, Beschläge, landwirtschaftliche Geräte und Bauteile her. Durch Spezialisierung entstanden Berufe wie Hufschmied, Nagelschmied, Messerschmied und Waffenschmied.

Heute verbindet die Metallgestaltung traditionelle Techniken mit Schweißtechnik, computergestütztem Entwurf, moderner Messtechnik, Maschinenbearbeitung und nachhaltiger Instandsetzung. Digitale Entwürfe können Formen vorbereiten, ersetzen aber nicht das Verständnis für Materialfluss, Temperatur und Werkzeugwirkung.

Eine zukunftsfähige Schmiede achtet auf langlebige Produkte, Reparierbarkeit, sortenreine Reststofftrennung, energieeffiziente Erwärmung und eine gute Auslastung der Wärme. Tradition wird damit nicht nur bewahrt, sondern technisch weiterentwickelt.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Wie heißt der einschlägige anerkannte Ausbildungsberuf für handwerkliche Schmiedearbeiten in Deutschland? (Metallbauer Fachrichtung Metallgestaltung) (!Industriemechaniker Fachrichtung Schmied) (!Werkzeugmacher Fachrichtung Feuertechnik) (!Schlosser Fachrichtung Hufbeschlag)




Welcher Hauptgruppe der Fertigungsverfahren wird das Schmieden zugeordnet? (Druckumformen) (!Spanen) (!Beschichten) (!Urformen)




Welche Hauptaufgabe hat der Amboss beim handwerklichen Schmieden? (Er nimmt Schlagkräfte auf und unterstützt die Formgebung) (!Er misst automatisch die Werkstofftemperatur) (!Er führt Verbrennungsgase aus der Werkstatt) (!Er ersetzt die Werkstückzange)




Was geschieht beim Strecken eines Werkstücks? (Der Querschnitt wird kleiner und das Werkstück länger) (!Der Querschnitt wird größer und das Werkstück kürzer) (!Das Werkstück wird ausschließlich abgekühlt) (!Das Werkstück wird mit einer Beschichtung versehen)




Was geschieht beim Stauchen eines Werkstücks? (Der Querschnitt wird größer und das Werkstück kürzer) (!Der Querschnitt wird kleiner und das Werkstück länger) (!Das Werkstück wird ohne Umformung getrennt) (!Das Werkstück wird nur an der Oberfläche poliert)




Welche Aussage zur Glühfarbe ist fachlich richtig? (Sie ist nur eine grobe Orientierung und ersetzt keine Werkstoffdaten) (!Sie zeigt bei jedem Stahl exakt dieselbe Temperatur) (!Sie ist unabhängig vom Umgebungslicht) (!Sie macht eine Unterweisung überflüssig)




Wozu dient das Anlassen eines gehärteten Stahls? (Zur gezielten Einstellung von Härte und Zähigkeit) (!Zum vollständigen Aufschmelzen des Werkstücks) (!Zum Entfernen des Werkstücks vom Amboss) (!Zum Ersetzen der Werkstoffprüfung)




Welche Bedingung ist für eine sichere Werkstückführung besonders wichtig? (Die Zange muss zur Form des Werkstücks passen) (!Die Zange muss möglichst locker greifen) (!Der Hammerstiel muss mit Öl bestrichen sein) (!Das Werkstück muss ohne Ablageplatz auskühlen)




Welche Aussage zum Feuerschweißen trifft zu? (Geeignete erhitzte Oberflächen werden unter Druck verbunden) (!Das Werkstück wird ausschließlich durch Klebstoff verbunden) (!Das Verfahren ist unabhängig vom Oberflächenzustand) (!Jede Stahlsorte besitzt dasselbe Schweißtemperaturfenster)




Was ist vor einer praktischen Schmiedearbeit zuerst zu beachten? (Gefährdungsbeurteilung Unterweisung und betriebliche Regeln) (!Möglichst schnelles Arbeiten ohne Arbeitsplan) (!Entfernen aller Schutzvorrichtungen) (!Abschrecken jedes Werkstoffs in Wasser)





Memory

Esse Erwärmen des Werkstücks
Amboss Aufnahme der Schlagkräfte
Strecken Verlängern bei kleinerem Querschnitt
Stauchen Verkürzen bei größerem Querschnitt
Torsieren Verdrehen um die Längsachse
Schmiedezange Halten und Führen heißer Werkstücke
Anlassen Einstellen von Härte und Zähigkeit
Zunder Oxidschicht auf heißem Metall





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Fachliche Bedeutung
Freiformschmieden Die endgültige Form ist nicht vollständig im Werkzeug enthalten
Gesenkschmieden Die Form wird wesentlich durch formgebende Gesenkhälften bestimmt
Absetzen Ein örtlicher Querschnittswechsel wird hergestellt
Lochen Material wird mit einem Dorn zu einer Öffnung verdrängt
Normalisieren Ein gleichmäßigeres und feineres Gefüge wird angestrebt
Feuerschweißen Geeignete heiße Oberflächen werden unter Druck verbunden
Qualitätsprüfung Maße Form Oberfläche und Funktion werden kontrolliert






Kreuzworträtsel

Amboss Welche Unterlage nimmt beim Schmieden die Schlagkräfte auf?
Esse Wie heißt die Feuerstelle zum Erwärmen des Werkstücks?
Stauchen Welches Verfahren vergrößert den Querschnitt und verkürzt das Werkstück?
Torsieren Wie heißt das Verdrehen eines Werkstücks um seine Längsachse?
Anlassen Welche Wärmebehandlung folgt häufig auf das Härten?
Zunder Wie heißt die Oxidschicht auf einer heißen Stahloberfläche?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Der traditionelle Fachbegriff für eine Person, die Metall durch Druckkräfte formt, lautet

. Der heutige einschlägige Ausbildungsberuf heißt Metallbauer Fachrichtung

. Schmieden gehört zur Verfahrensgruppe des

. Das Werkstück wird häufig in einer

erwärmt. Der

nimmt die Schlagkräfte auf und unterstützt die Formgebung. Beim

wird das Werkstück länger und sein Querschnitt kleiner. Beim

wird das Werkstück kürzer und sein Querschnitt größer. Das Verdrehen um die Längsachse heißt

. Die Oxidschicht auf heißem Stahl wird

genannt. Eine Wärmebehandlung zur gezielten Einstellung von Härte und Zähigkeit heißt

. Zum Halten heißer Werkstücke dient eine passende

. Vor praktischen Arbeiten sind Unterweisung und

zu beachten.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Werkzeugkarten: Erstelle vier Lernkarten zu Esse, Amboss, Schmiedehammer und Schmiedezange. Zeichne jedes Werkzeug und beschreibe Funktion sowie eine Prüfstelle.
  2. Sicherheitsplakat: Gestalte ein Werkstattplakat mit fünf Gefährdungen und passenden Schutzmaßnahmen.
  3. Fachwortschatz: Lege ein Glossar mit zwölf Fachbegriffen aus diesem Lernkurs an und formuliere eigene Beispielsätze.
  4. Entwurfsskizze: Zeichne einen funktionalen Wandhaken und kennzeichne Querschnitt, Biegung, Befestigung und Oberfläche.


Standard

  1. Modellversuch: Stelle mit Knetmasse Strecken, Stauchen und Absetzen nach. Dokumentiere die Formänderung vor und nach jeder Belastung.
  2. Arbeitsfolge: Plane die Herstellung eines einfachen Hakens auf Papier. Begründe Werkstoff, Ausgangsquerschnitt, Erwärmungsabschnitte, Umformschritte und Prüfungen.
  3. Prüfblatt: Entwickle eine Prüfliste für ein geschmiedetes Werkstück mit Maß-, Form-, Oberflächen- und Funktionsprüfung.
  4. Videoanalyse: Analysiere eines der eingebetteten Videos. Notiere Werkzeuge, Körperhaltung, Arbeitsfolge, Teamkommunikation und erkennbare Schutzmaßnahmen.


Schwer

  1. Betreutes Werkstattprojekt: Fertige unter fachkundiger Aufsicht ein betrieblich freigegebenes Übungswerkstück. Dokumentiere Entwurf, Gefährdungen, Arbeitsfolge, Qualitätsprüfung und Verbesserungen.
  2. Fehleranalyse: Untersuche ein bereitgestelltes fehlerhaftes Schmiedestück oder Foto. Entwickle mindestens drei begründete Ursachenhypothesen und passende Vorbeugemaßnahmen.
  3. Nachhaltigkeitsvergleich: Vergleiche Reparatur, Neuanfertigung und industrielles Ersatzteil hinsichtlich Material, Energie, Lebensdauer, Kosten und kulturellem Wert.
  4. Betriebserkundung: Interviewe eine Fachkraft aus Metallgestaltung, Schmiede oder Restaurierung. Frage nach Ausbildung, Werkstoffen, Sicherheit, Kundenaufträgen und technischen Veränderungen.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Verfahrensauswahl: Vergleiche zwei mögliche Arbeitsfolgen für einen geschmiedeten Haken. Begründe, welche Folge Material, Wärme und Zeit besser nutzt.
  2. Werkstoffentscheidung: Ein Kunde verlangt ein stark belastetes Werkzeug und ein dekoratives Geländerteil. Erläutere, warum nicht automatisch derselbe Stahl und dieselbe Wärmebehandlung geeignet sind.
  3. Fehlerursache: Ein Werkstück zeigt nach dem Abkühlen einen Riss an einem scharfen Absatz. Analysiere mögliche Zusammenhänge zwischen Form, Temperatur, Werkzeugführung und Abkühlung.
  4. Sicherheitskonzept: Entwirf für einen Schulungsarbeitsplatz ein Schutzkonzept nach dem Prinzip technische, organisatorische und persönliche Maßnahmen.
  5. Kundenauftrag: Überführe einen Kundenwunsch für ein kleines Gitter in technische Anforderungen. Berücksichtige Funktion, Maße, Gestaltung, Befestigung, Oberfläche und Prüfkriterien.
  6. Prozessoptimierung: Entwickle drei Maßnahmen, mit denen eine Schmiede Energieverbrauch und Ausschuss senken kann, ohne die Produktqualität zu verschlechtern.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema solltest Du zeigen, dass Du:

  1. den Begriff Schmied in das heutige Berufsbild Metallbauer Fachrichtung Metallgestaltung einordnen kannst
  2. Werkzeuge und Maschinen nach Funktion, Einsatzgrenze und Sicherheitsanforderung unterscheidest
  3. grundlegende Schmiedeverfahren fachsprachlich korrekt erklärst
  4. Materialfluss bei Strecken, Stauchen, Absetzen, Biegen und Torsieren beurteilst
  5. den Zusammenhang zwischen Werkstoff, Temperatur, Umformung und Wärmebehandlung darstellst
  6. eine Arbeitsfolge mit Werkstoffauswahl, Werkzeugen, Prüfschritten und Schutzmaßnahmen planst
  7. typische Schmiedefehler analysierst und Verbesserungen begründest
  8. ein Arbeitsergebnis dokumentierst, prüfst und fachlich reflektierst
  9. gestalterische, wirtschaftliche und ökologische Anforderungen miteinander abwägst




OERs zum Thema


Nachweise und vertiefende Quellen

  1. Wikimedia Commons: Blacksmiths
  2. Wikimedia Commons: Forging
  3. BIBB: Metallbauer/Metallbauerin – Fachrichtung Metallgestaltung
  4. ARD alpha: Metallbauer/-in Fachrichtung Metallgestaltung


Verknüpfte Lernbereiche

Der Schmiedeberuf verbindet Metalltechnik, Gestaltung, Physik, Chemie, Technisches Zeichnen, Arbeitsschutz, Wirtschaft und Nachhaltigkeit. Die Qualität eines Werkstücks entsteht aus dem Zusammenspiel von geeignetem Werkstoff, kontrollierter Temperatur, passender Werkzeugwirkung, geplanter Arbeitsfolge und sorgfältiger Prüfung.


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