Prebunking gegen Desinformation

Prebunking gegen Desinformation
Prebunking gegen Desinformation
Einleitung
Im Internet begegnen Dir Nachrichten, Bilder, Videos, Statistiken und KI-generierte Inhalte. Vieles davon ist hilfreich. Manches ist falsch, aus dem Zusammenhang gerissen oder absichtlich irreführend. Desinformation bezeichnet falsche oder irreführende Informationen, die mit Täuschungsabsicht verbreitet werden. Von Fehlinformation spricht man meist, wenn falsche Informationen ohne Täuschungsabsicht weitergegeben werden. Der Ausdruck „Fake News“ wird im Alltag häufig benutzt, ist aber ungenau: Nicht jede falsche Aussage ist eine Nachricht und nicht jeder Fehler ist absichtliche Desinformation.
Prebunking bedeutet, typische Manipulationstechniken kennenzulernen, bevor sie Dir in einer echten Situation begegnen. Du lernst also nicht einzelne Gerüchte auswendig, sondern erkennst Muster wie übertriebene Dringlichkeit, emotionalisierende Sprache, erfundene Fachleute, aus dem Zusammenhang gerissene Bilder oder einseitig ausgewählte Zahlen. So kannst Du selbstständig entscheiden, ob Du einer Behauptung vertraust, weiterprüfst oder sie nicht weiterverbreitest.

Dieser Lernkurs ist für etwa 1–2 Unterrichtsstunden in Klasse 6 gedacht. Im Mittelpunkt stehen Medienkompetenz, Quellenkritik, Informationskompetenz, Desinformation, Künstliche Intelligenz und verantwortliches Entscheiden. Wichtig ist: Eine KI darf nie alleiniger Beleg für ihre eigene Aussage sein. Wenn ein KI-System eine Tatsachenbehauptung nennt, brauchst Du dafür überprüfbare Quellen außerhalb des KI-Systems.
Lernziele
Nach dem Kurs kannst Du eine überprüfbare Behauptung aus einem Beitrag herauslösen, die Qualität einer Quelle einschätzen, Primärquellen und Sekundärquellen unterscheiden, mindestens eine unabhängige Gegenprüfung durchführen, unterschiedliche Perspektiven vergleichen und typische Manipulationstechniken früh erkennen. Am Ende überträgst Du die Prüfroutine auf eine neue Situation und begründest Deine Entscheidung mit nachvollziehbaren Belegen.
Ablauf für 45 bis 90 Minuten
| Phase | Zeit | Ziel |
|---|---|---|
| Aktivierung und Diagnose | 5–10 Minuten | Erste Einschätzung ohne Vorwissen sichtbar machen |
| Einführung und Modellierung | 15–20 Minuten | Behauptung, Quelle, Gegencheck und Prebunking verstehen |
| Anwendung | 15–30 Minuten | Eine realistische Meldung mit der Prüfroutine untersuchen |
| Selbstkontrolle und Reflexion | 5–10 Minuten | Entscheidung prüfen und Unsicherheit benennen |
| Transfer | 5–20 Minuten | Routine selbstständig auf eine neue Situation übertragen |
Aktivierung und Diagnose
Stell Dir vor, im Klassenchat erscheint folgende erfundene Übungsnachricht: „ACHTUNG! Morgen bleibt die Schule geschlossen. Das Trinkwasser sei gefährlich. Das Rathaus wolle das verheimlichen. Teile das sofort mit allen!“ Dazu gibt es einen unscharfen Screenshot ohne Link.
Entscheide zunächst allein: Würdest Du die Nachricht weiterleiten, ignorieren oder prüfen? Notiere anschließend zwei Gründe für Deine Entscheidung. Wichtig ist noch nicht, ob Du „richtig“ liegst. Die Diagnose zeigt, welche Signale Du spontan beachtest.
Vergleicht in der Klasse anschließend nur Eure Prüfgründe, nicht Eure Personen. Gute Medienbildung bedeutet nicht, andere für Irrtümer auszulachen, sondern gemeinsam bessere Prüfwege zu entwickeln.
Erste Diagnosefragen
- Behauptung: Welche konkrete Aussage in der Nachricht lässt sich überprüfen?
- Quelle: Wer behauptet das eigentlich, und ist die ursprüngliche Quelle sichtbar?
- Emotion: Welche Wörter sollen Angst, Wut oder Zeitdruck auslösen?
- Handlung: Welche Information würdest Du benötigen, bevor Du die Nachricht weiterleitest?
Grundlagen: Was genau wird geprüft?
Behauptung, Meinung und Aufforderung unterscheiden
Ein Beitrag kann mehrere Ebenen mischen. Eine Behauptung kann wahr oder falsch sein und lässt sich grundsätzlich mit Belegen prüfen, zum Beispiel: „Die Schule bleibt morgen geschlossen.“ Eine Meinung bewertet etwas, zum Beispiel: „Die Schulleitung reagiert viel zu langsam.“ Eine Aufforderung will eine Handlung auslösen, zum Beispiel: „Teile das sofort!“
Für die Quellenprüfung musst Du zuerst die prüfbare Behauptung finden. Wenn Du nur auf die starke Emotion oder die Aufforderung reagierst, prüfst Du womöglich am eigentlichen Kern vorbei.
| Aussage | Art | Sinnvolle Reaktion |
|---|---|---|
| „Die Schule bleibt morgen geschlossen.“ | Überprüfbare Behauptung | Offizielle Mitteilung oder andere belastbare Quelle suchen |
| „Das ist die schlimmste Entscheidung überhaupt.“ | Meinung | Nach Begründung und Perspektive fragen |
| „Schick das an zehn Personen!“ | Aufforderung | Nicht unter Zeitdruck handeln, zuerst prüfen |
Desinformation und Fehlinformation
Nicht jede falsche Information ist absichtlich erfunden. Wer einen alten Termin versehentlich für aktuell hält und weiterleitet, verbreitet eine Fehlinformation. Wer bewusst eine falsche Meldung erstellt, um Menschen zu täuschen, verbreitet Desinformation. Für Dich als prüfende Person ist die Absicht oft zunächst unbekannt. Deshalb ist es sinnvoll, zuerst Inhalt, Quelle und Belege zu prüfen, statt vorschnell über die Motive einer Person zu urteilen.

Die Fünf-Finger-Prüfroutine
Für diesen Kurs nutzt Du eine einfache Routine. Sie ist keine automatische Wahrheitsmaschine. Sie hilft Dir, systematisch zu denken und Deine Entscheidung zu begründen.
| Prüfschritt | Leitfrage | Typische Handlung |
|---|---|---|
| Stopp | Soll ich gerade schnell reagieren? | Nicht sofort teilen, Emotion und Zeitdruck bemerken |
| Behauptung | Was genau soll wahr sein? | Einen prüfbaren Satz formulieren |
| Quelle | Woher stammt die Information ursprünglich? | Urheber, Datum, Belege und Originalquelle suchen |
| Gegencheck und Perspektiven | Bestätigen unabhängige Quellen den Kern? | Neue Tabs öffnen, andere verlässliche Quellen vergleichen |
| Entscheidung | Was ist belegt, unklar oder widerlegt? | Teilen, nicht teilen oder weiterprüfen und Gründe nennen |

Schritt 1: Stopp – nicht von Tempo steuern lassen
Manipulative Beiträge versuchen oft, schnelles Handeln auszulösen: „Sofort teilen!“, „Bevor es gelöscht wird!“ oder „Alle verschweigen das!“ Solche Formulierungen beweisen noch nicht, dass eine Aussage falsch ist. Sie sind aber ein Warnsignal, weil Zeitdruck sorgfältiges Prüfen erschwert.
Prebunking setzt genau hier an: Wenn Du das Muster schon kennst, kannst Du innerlich sagen: „Zeitdruck ist ein Signal zum Prüfen, nicht zum Teilen.“
Schritt 2: Die Behauptung herauslösen
Formuliere den Kern möglichst neutral. Aus „Unglaublich! Die Schule vergiftet uns und niemand sagt etwas!“ könnte als prüfbare Behauptung werden: „Das Leitungswasser an der Schule ist gesundheitsschädlich.“ Erst eine klare Behauptung lässt sich gezielt mit Quellen vergleichen.
Im Fach Deutsch hilft Dir dabei die Unterscheidung zwischen sachlicher Information, Wertung, Übertreibung und sprachlicher Wirkung. Achte auf Superlative, abwertende Wörter, unklare Pronomen wie „die da oben“ und Behauptungen ohne benannte Urheber.
Schritt 3: Quellenqualität prüfen
Eine Quelle ist nicht allein deshalb gut, weil sie professionell aussieht. Prüfe, wer verantwortlich ist, wann etwas veröffentlicht wurde, welche Belege genannt werden und ob die Originalquelle erreichbar ist.
Eine einfache Quellenampel kann helfen:
| Signal | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| Grün | Verantwortliche Stelle ist klar, Datum und Belege sind sichtbar, Aussagen sind überprüfbar | Offizielle Mitteilung mit Ansprechpartner und Originaldokument |
| Gelb | Einige Angaben fehlen oder die Quelle berichtet nur aus zweiter Hand | Beitrag ohne Link zur genannten Studie |
| Rot | Urheber unklar, starke Dringlichkeit, keine Belege, nur Screenshot oder Kettennachricht | Anonymer Post mit „Teile sofort“ |
Die Ampel ist nur eine erste Orientierung. Auch eine offizielle Stelle kann sich irren, und eine unbekannte Person kann etwas Wahres beobachten. Entscheidend sind nachvollziehbare Belege und Gegenprüfung.
Primärquelle und Sekundärquelle
Eine Primärquelle ist möglichst nah am ursprünglichen Ereignis oder Datensatz: zum Beispiel ein Messprotokoll, eine amtliche Bekanntmachung, ein Interview mit einer beteiligten Person oder eine veröffentlichte Studie. Eine Sekundärquelle ordnet Primärmaterial ein, fasst es zusammen oder berichtet darüber, zum Beispiel ein Zeitungsartikel über eine Studie.
Primärquellen sind nicht automatisch „wahrer“. Ein einzelner Augenzeugenbericht kann unvollständig sein, und ein gut recherchierter Sekundärtext kann mehrere Primärquellen sinnvoll zusammenführen. Frage deshalb immer: Welche Quelle kann diese konkrete Behauptung am besten belegen?
Schritt 4: Unabhängig gegenprüfen
Eine unabhängige Gegenprüfung bedeutet nicht, denselben Text auf drei Webseiten zu finden. Viele Seiten können voneinander abschreiben. Suche deshalb nach Quellen, die unabhängig voneinander Informationen erhoben oder geprüft haben.
Öffne neue Tabs und verlasse die ursprüngliche Seite. Dieses Vorgehen wird oft als laterales Lesen bezeichnet: Du liest nicht nur auf einer Seite nach unten, sondern prüfst seitlich, was andere Quellen über die Behauptung und über den Urheber sagen.

Perspektiven vergleichen, ohne Fakten beliebig zu machen
Zwei seriöse Quellen können denselben Sachverhalt unterschiedlich gewichten. Ein lokaler Bericht fragt vielleicht nach Folgen für Familien, ein naturwissenschaftlicher Text nach Messwerten und ein politischer Bericht nach Zuständigkeiten. Der Perspektivenvergleich hilft Dir zu erkennen, welche Aspekte ausgewählt oder weggelassen werden.
Mehrere Perspektiven bedeuten aber nicht, dass jede Behauptung gleich gut belegt ist. Wenn eine überprüfbare Aussage durch starke Belege gestützt wird und eine andere nur behauptet wird, entsteht nicht automatisch „fünfzig zu fünfzig“. Trenne deshalb Faktenfragen von Werturteilen.
Schritt 5: Entscheidung mit Unsicherheit
Nach der Prüfung gibt es mehr als nur „wahr“ oder „falsch“. Eine verantwortliche Entscheidung kann lauten:
| Ergebnis | Bedeutung |
|---|---|
| Gut belegt | Mehrere passende, unabhängige Quellen stützen den Kern |
| Unklar | Belege reichen noch nicht oder widersprechen sich |
| Widerlegt | Verlässliche Quellen zeigen, dass der Kern nicht stimmt |
| Aus dem Kontext | Material ist echt, wird aber in einem falschen Zusammenhang verwendet |
Eine starke Medienentscheidung enthält deshalb immer auch einen Begründungssatz: „Ich teile das nicht, weil die ursprüngliche Quelle fehlt und zwei unabhängige Stellen die Behauptung nicht bestätigen.“
Prebunking: Manipulation erkennen, bevor sie wirkt
Das Grundprinzip
Beim Prebunking wirst Du vorher auf mögliche Täuschungsmuster aufmerksam gemacht und übst an einer harmlosen oder abgeschwächten Form, wie Du reagieren kannst. Die Idee wird auch mit einer „Inokulation“ verglichen: Eine kleine, kontrollierte Begegnung mit einer Manipulationstechnik kann helfen, das Muster später schneller zu erkennen.
Für die Schule ist besonders sinnvoll, Techniken zu trainieren, statt spektakuläre Falschmeldungen immer wieder zu wiederholen. So bleibt der Fokus auf dem Denkwerkzeug.
Sechs typische Manipulationstechniken
| Technik | Harmloses Übungsbeispiel | Prebunking-Gegenfrage |
|---|---|---|
| Emotionaler Druck | „Nur ein herzloser Mensch glaubt das nicht!“ | Welche Belege gibt es außer dem Gefühl? |
| Falsches Dilemma | „Entweder Du teilst das oder Dir ist Sicherheit egal.“ | Gibt es mehr als zwei Möglichkeiten? |
| Scheinexperte | „Ein Experte im Internet sagt es.“ | Wer ist die Person und wofür ist sie tatsächlich qualifiziert? |
| Rosinenpickerei | Nur ein passender Messwert wird gezeigt | Welche weiteren Daten fehlen? |
| Kontextverschiebung | Ein altes Foto wird als aktuelles Ereignis ausgegeben | Wann und wo entstand das Original? |
| Künstliche Dringlichkeit | „In fünf Minuten wird alles gelöscht!“ | Warum soll ich keine Zeit zum Prüfen bekommen? |
Datei:Infografik zu Desinformation und Fake News.pdf
Bilder, Videos und KI-generierte Inhalte
Bilder wirken besonders überzeugend, können aber zugeschnitten, falsch beschriftet, aus einem anderen Zusammenhang übernommen oder künstlich erzeugt sein. Frage deshalb nach Original, Datum, Ort und Quelle. Ein auffälliger Bildfehler kann ein Hinweis sein, ist aber kein sicherer Beweis für KI-Erzeugung. Auch echte Fotos können ungewöhnlich aussehen, und künstlich erzeugte Bilder können sehr überzeugend wirken.
Bei KI gilt dieselbe Grundregel wie sonst auch: Nutze KI als Werkzeug zum Fragen, Strukturieren oder Finden von Suchbegriffen, nicht als letzte Beweisinstanz. Wenn eine KI behauptet: „Diese Statistik stimmt“, prüfst Du die Statistik bei der ursprünglichen Datenquelle. Wenn eine KI Quellen nennt, öffnest Du diese Quellen und prüfst, ob sie wirklich existieren und die Aussage tragen.

Fächerübergreifende Werkzeuge
Informatik und Medienbildung
In Informatik und Medienbildung untersuchst Du, wie Informationen gespeichert, kopiert, verlinkt, sortiert und durch Algorithmen empfohlen werden. Eine hohe Platzierung in einer Suche oder viele Aufrufe sind kein Wahrheitsbeweis. Prüfe deshalb den Inhalt und die Quelle statt nur die Sichtbarkeit.
Deutsch
In Deutsch analysierst Du sprachliche Mittel: Wird sachlich erklärt oder emotional gedrängt? Werden Quellen genannt? Ist die Überschrift stärker als der eigentliche Text? Kannst Du die zentrale Behauptung in eigenen neutralen Worten wiedergeben?
Mathematik
In Mathematik prüfst Du Zahlenbehauptungen. Frage: Wie groß ist die Grundgesamtheit? Geht es um absolute Zahlen oder Prozentwerte? Fehlt eine Vergleichsgröße? Wurde eine Diagrammachse abgeschnitten? Ein Satz wie „Das Risiko steigt um 100 Prozent“ klingt groß, kann aber zum Beispiel bedeuten, dass ein sehr kleines Risiko von eins auf zwei Fälle steigt. Ohne Ausgangswert fehlt wichtiger Kontext.
Naturwissenschaften
In den Naturwissenschaften fragst Du nach Messmethode, Wiederholbarkeit und Unsicherheit. Ein einzelner Messwert reicht selten für eine große Schlussfolgerung. Gute naturwissenschaftliche Aussagen zeigen, wie Daten erhoben wurden und welche Grenzen die Untersuchung hat.
Kunst
In Kunst untersuchst Du Bildausschnitt, Perspektive, Montage, Farbwirkung und Gestaltung. Du lernst: Ein Bild zeigt immer einen Ausschnitt. Die Auswahl des Ausschnitts kann die Wirkung verändern, selbst wenn das Bild nicht technisch gefälscht wurde.
Ethik und Gemeinschaftskunde
In Ethik und Gemeinschaftskunde geht es um Verantwortung. Eine ungeprüfte Anschuldigung kann Menschen schaden. Gleichzeitig ist kritisches Nachfragen wichtig für eine demokratische Öffentlichkeit. Fair ist: Behauptungen sorgfältig prüfen, Unsicherheit offen benennen, Personen nicht beschämen und Korrekturen sichtbar machen.
Realistische Anwendungssituation: Der Klassenchat-Faktencheck
Im Klassenchat erscheint die erfundene Meldung: „Morgen fällt der Unterricht aus, weil im Schulgebäude gefährliche Stoffe gefunden wurden. Die Schulleitung verschweigt es. Eine Mitarbeiterin hat es bestätigt. Teilt das schnell!“ Dazu gibt es ein Foto eines Absperrbandes, aber keinen Ort, kein Datum und keinen Link.
Arbeite zu zweit. Person A prüft die Behauptung und die ursprüngliche Quelle. Person B sucht eine unabhängige Gegenprüfung und achtet auf Bildkontext. Danach vergleicht Ihr Eure Ergebnisse.
| Prüfschritt | Arbeitsauftrag | Mögliche Dokumentation |
|---|---|---|
| Stopp | Markiere Wörter, die Druck erzeugen | „verschweigt“, „schnell“ |
| Behauptung | Formuliere einen neutralen Prüfsatz | „Im Schulgebäude wurden gefährliche Stoffe gefunden.“ |
| Quelle | Bestimme, welche Originalquelle fehlen könnte | Offizielle Schulmitteilung oder zuständige Behörde |
| Gegencheck | Suche mindestens zwei voneinander unabhängige Bestätigungen | Zwei getrennte Quellen mit Datum notieren |
| Perspektiven | Vergleiche, ob die Quellen denselben Kern bestätigen und was sie unterschiedlich gewichten | Gemeinsamkeiten und Unterschiede notieren |
| Entscheidung | Formuliere eine begründete Handlung | Teilen, nicht teilen oder weiterprüfen |
Sicherheitsregel: Bei Meldungen über akute Gefahren recherchierst Du nicht riskant vor Ort und führst keine gefährlichen Tests durch. Wende Dich an eine erwachsene Vertrauensperson oder die zuständige Stelle. Medienkompetenz bedeutet auch, die eigenen Grenzen zu kennen.
Selbstkontrolle und Reflexion
Prüfe Deine eigene Entscheidung mit dieser Tabelle. Ein „Nein“ bedeutet nicht automatisch, dass Deine Entscheidung falsch ist; es zeigt, wo Du noch nacharbeiten kannst.
| Selbstcheck | Ja | Noch nicht |
|---|---|---|
| Ich kann die Hauptbehauptung in einem neutralen Satz formulieren. | □ | □ |
| Ich habe die ursprüngliche Quelle gesucht. | □ | □ |
| Ich habe mindestens eine unabhängige Gegenprüfung durchgeführt. | □ | □ |
| Ich habe Fakten und Meinungen getrennt. | □ | □ |
| Ich habe mindestens zwei Perspektiven verglichen, ohne unbelegte Aussagen gleichwertig zu behandeln. | □ | □ |
| Ich kann sagen, was sicher, unsicher oder widerlegt ist. | □ | □ |
| Falls ich KI genutzt habe, habe ich ihre Aussagen mit externen Quellen überprüft. | □ | □ |
Reflektiere anschließend: Welcher Prüfschritt schützt Dich am besten vor vorschnellem Teilen? Welcher Schritt fällt Dir noch schwer? Was würdest Du beim nächsten Mal anders machen?
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Im Klassenchat steht eine dringende Meldung ohne Quelle. Was ist der beste erste Schritt? (Die Meldung nicht sofort teilen und zuerst die konkrete Behauptung bestimmen) (!Die Meldung schnell weiterleiten damit andere entscheiden) (!Nur prüfen wie viele Personen die Meldung schon geteilt haben) (!Die Meldung glauben wenn sie sehr dringend klingt)
Welche Quelle ist für die Behauptung über eine angekündigte Schulschließung am ehesten eine passende Primärquelle? (Eine aktuelle offizielle Mitteilung der Schule oder zuständigen Behörde) (!Ein Kommentar unter einem Video) (!Ein Screenshot ohne erkennbaren Urheber) (!Eine Weiterleitung aus einem unbekannten Gruppenchat)
Eine KI nennt Dir eine überraschende Zahl. Was solltest Du tun? (Die Zahl bei einer überprüfbaren externen Quelle nachsehen) (!Die Zahl übernehmen weil KI viele Texte kennt) (!Die KI noch einmal dieselbe Frage stellen und das als Beweis verwenden) (!Die Zahl nur dann prüfen wenn sie Dir nicht gefällt)
Was macht eine Gegenprüfung wirklich unabhängig? (Eine andere Quelle hat den Sachverhalt eigenständig geprüft oder erhoben) (!Mehrere Webseiten kopieren denselben ursprünglichen Text) (!Viele Personen teilen denselben Screenshot) (!Ein Beitrag wird mehrfach auf derselben Seite wiederholt)
Zwei seriöse Berichte setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Was ist sinnvoll? (Prüfen welche Fakten übereinstimmen und welche Perspektiven sich unterscheiden) (!Annehmen dass deshalb beide Berichte falsch sind) (!Nur den Bericht wählen der die eigene Meinung bestätigt) (!Jede Aussage automatisch als gleich gut belegt behandeln)
Eine Grafik behauptet eine Steigerung um hundert Prozent. Welche Zusatzinformation ist besonders wichtig? (Der Ausgangswert auf den sich die Steigerung bezieht) (!Die Lieblingsfarbe der Person die die Grafik erstellt hat) (!Die Anzahl der Emojis im Beitrag) (!Ob die Überschrift in Großbuchstaben geschrieben ist)
Ein echtes Foto wird mit einem falschen Ort veröffentlicht. Welche Beschreibung passt am besten? (Der Bildinhalt kann echt sein aber der Kontext ist irreführend) (!Das Foto muss vollständig künstlich erzeugt sein) (!Ein echtes Foto kann niemals Desinformation unterstützen) (!Der Ort ist unwichtig solange das Bild echt ist)
Was ist ein sinnvoller Prebunking-Satz gegen künstliche Dringlichkeit? (Wenn mich ein Beitrag zum sofortigen Teilen drängt prüfe ich zuerst Quelle und Belege) (!Je dringlicher ein Beitrag klingt desto wahrscheinlicher ist er wahr) (!Zeitdruck bedeutet dass Nachfragen verboten ist) (!Ich teile zuerst und prüfe später)
Welche Frage hilft bei emotionalisierender Sprache am meisten? (Welche überprüfbaren Belege bleiben übrig wenn ich die starken Wörter weglasse) (!Wie kann ich die Nachricht noch aufregender formulieren) (!Wie viele Ausrufezeichen kann ich hinzufügen) (!Welche Meinung passt am besten zu meinem ersten Gefühl)
Nach Deiner Prüfung bleiben wichtige Punkte unklar. Welche Entscheidung ist verantwortungsvoll? (Unsicherheit benennen und die Meldung vorerst nicht als Tatsache weiterverbreiten) (!Eine zufällige Seite als Beweis auswählen) (!Die Aussage als sicher wahr bezeichnen) (!Die Aussage als sicher falsch bezeichnen obwohl Belege fehlen)
Memory
| Behauptung | Aussage die überprüft werden kann |
| Primärquelle | Quelle nahe am ursprünglichen Ereignis oder Datensatz |
| Sekundärquelle | Quelle die ursprüngliches Material einordnet oder zusammenfasst |
| Gegenprüfung | Unabhängiger Vergleich mit weiteren Belegen |
| Prebunking | Vorbereitung auf typische Manipulationstechniken |
| Kontext | Zusammenhang in dem eine Information steht |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Stopp | Zeitdruck erkennen und nicht sofort teilen |
| Behauptung | Prüfkern in einem neutralen Satz formulieren |
| Quelle | Ursprung Urheber Datum und Belege untersuchen |
| Gegencheck | Unabhängige Bestätigung außerhalb des Ausgangsbeitrags suchen |
| Entscheidung | Ergebnis und Unsicherheit begründet benennen |
Kreuzworträtsel
| Behauptung | Wie heißt eine Aussage die grundsätzlich auf wahr oder falsch geprüft werden kann? |
| Primärquelle | Wie heißt eine Quelle die möglichst nah am ursprünglichen Ereignis oder Datensatz liegt? |
| Gegencheck | Wie nennt man die unabhängige Prüfung mit weiteren Quellen? |
| Prebunking | Wie heißt die Vorbereitung auf Manipulation bevor sie Dir begegnet? |
| Kontext | Welches Wort bezeichnet den Zusammenhang in dem Bild Text oder Zahl steht? |
| Perspektive | Welches Wort bezeichnet einen bestimmten Blickwinkel auf ein Thema? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Behauptungsdetektiv: Nimm drei harmlose Aussagen aus einem Schulalltagstext und markiere, welche davon überprüfbare Behauptungen, Meinungen oder Aufforderungen sind. Begründe Deine Einteilung.
- Sprachlupe: Sammle fünf Formulierungen, die künstliche Dringlichkeit oder starke Emotion erzeugen könnten. Formuliere jede Aussage anschließend sachlicher.
- Quellenampel: Vergleiche drei von der Lehrkraft bereitgestellte Quellen und ordne sie vorläufig Grün, Gelb oder Rot zu. Begründe jede Entscheidung mit mindestens zwei Kriterien.
- Bildkontext: Wähle ein frei verwendbares Bild und erfinde zwei unterschiedliche, aber harmlose Bildunterschriften. Erkläre, wie der Kontext die Wirkung verändert.
Standard
- Primärquelle finden: Wähle eine überprüfbare Behauptung aus einer Schulnachricht und finde die passendste Primärquelle. Erkläre, warum sie zur Behauptung passt.
- Unabhängiger Gegencheck: Prüfe eine vorgegebene Behauptung mit zwei voneinander unabhängigen Quellen. Zeige, woran Du erkennst, dass sie nicht nur voneinander abschreiben.
- Perspektivenvergleich: Vergleiche zwei Berichte über dasselbe unstrittige Ereignis. Markiere gemeinsame Fakten und unterschiedliche Schwerpunkte.
- Zahlencheck: Untersuche eine einfache Prozent- oder Diagrammaussage. Bestimme Ausgangswert, Vergleichsgröße und mögliche fehlende Informationen.
Schwer
- Prebunking-Karte: Entwirf eine Karte für jüngere Lernende zu einer Manipulationstechnik. Sie soll Warnsignal, harmlose Beispielaussage, Gegenfrage und Prüfschritt enthalten.
- KI mit Kontrolle: Lass Dir von einer KI drei Suchbegriffe zu einer Sachfrage vorschlagen. Recherchiere danach ohne die KI in mindestens zwei externen Quellen und dokumentiere, welche KI-Hinweise brauchbar oder unbrauchbar waren.
- Mini-Faktencheck: Erstelle zu einer neuen Meldung ein kurzes Prüfprotokoll mit Behauptung, Quelle, Primärquelle, Gegencheck, Perspektivenvergleich, Ergebnis und Restunsicherheit.
- Transferentscheidung: Bearbeite eine neue unbekannte Situation aus einem anderen Fach. Entscheide selbstständig, ob Du die Information verwenden würdest, und verteidige Deine Entscheidung mit überprüfbaren Belegen.


Lernkontrolle
- Begründete Entscheidung: Du erhältst eine neue Meldung mit Bild und Zahl. Erstelle ein Prüfprotokoll und entscheide, ob Du sie weitergeben würdest. Deine Bewertung zählt nur, wenn Du die Entscheidung mit Quellen und Unsicherheit begründest.
- Quellenvergleich: Zwei Quellen widersprechen sich scheinbar. Erkläre, welche zusätzliche Information Du brauchst, um den Widerspruch zu klären, und plane eine unabhängige Gegenprüfung.
- Perspektivenanalyse: Zeige an zwei Texten, welche Fakten beide teilen und welche Aspekte sie unterschiedlich auswählen. Erkläre, warum Perspektivenvielfalt nicht bedeutet, dass jede Behauptung gleich gut belegt ist.
- Datenprüfung: Eine Grafik zeigt einen starken Anstieg. Prüfe, welche mathematischen Informationen fehlen könnten, und beschreibe, wie diese Lücken Deine Interpretation verändern.
- Prebunking-Transfer: Erkenne in einer unbekannten Nachricht mindestens eine mögliche Manipulationstechnik und formuliere eine passende Gegenfrage, die Dich vor vorschnellem Handeln schützt.
- KI-Quellenregel: Erkläre an einem eigenen Beispiel, wie Du eine KI zur Unterstützung nutzen kannst, ohne sie zum alleinigen Beleg zu machen. Nenne den externen Prüfschritt.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig:
- Du kannst eine überprüfbare Behauptung von Meinung und Aufforderung unterscheiden.
- Du kannst Quellenqualität anhand transparenter Kriterien beurteilen.
- Du kannst Primär- und Sekundärquellen passend zur Behauptung auswählen.
- Du kannst eine unabhängige Gegenprüfung durchführen und dokumentieren.
- Du kannst Perspektiven vergleichen und Fakten von Wertungen trennen.
- Du erkennst typische Manipulationstechniken und kannst eine Prebunking-Gegenstrategie formulieren.
- Du kannst Unsicherheit offen benennen und eine begründete Entscheidung treffen.
- Du nutzt KI nur unterstützend und überprüfst Tatsachenbehauptungen mit externen Quellen.
Quellen und Vertiefung
- Europäische Kommission: Leitlinien zur Förderung digitaler Kompetenzen und zur Bekämpfung von Desinformation
- klicksafe: Meinungsbildung in der digitalen Welt
- UNESCO: Addressing conspiracy theories – what teachers need to know
- Desinformation
- Medienkompetenz
- Quellenkritik
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