Pferdle & Äffle - Der Hafer- und Bananenblues

Pferdle & Äffle - Der Hafer- und Bananenblues
Einleitung
Pferdle & Äffle – Der Hafer- und Bananenblues verbindet regionale Fernsehgeschichte, schwäbischen Dialekt, Cartoon-Humor und Musik. Die beiden Figuren entstanden für das Werbefernsehen des damaligen Süddeutschen Rundfunks (SDR) und wurden über Jahrzehnte zu weithin bekannten Medienfiguren im Südwesten. Das Pferdle war zuerst da: Es erschien zum Start des SDR-Werbefernsehens 1960. Das Äffle kam Anfang beziehungsweise Mitte der 1960er Jahre hinzu. Die heutige Figuren-Website formuliert „Mitte der 60er Jahre“, während Wikipedia 1963 nennt.[1][2]
Der Hafer- und Bananenblues gehört zu den bekanntesten musikalischen Auftritten des Duos. Eine Fassung erschien 1976 als Single unter dem Titel D’r Haf’r- ond Banane-Blues.[1] Eine Discografie führt für die 1976er Veröffentlichung eine Spieldauer von 2:56 Minuten und nennt Carl J. Schäuble für den Text sowie Bernd Rabe für die Musik.[3] Der Song arbeitet mit den Lieblingsspeisen der Figuren – Hafer und Banane – als komischem Grundmotiv und verbindet dies mit schwäbischer Aussprache, Wiederholung und einem dialogischen Wechsel der beiden Stimmen.
Wichtig für die Analyse: Der Titel nennt sich „Blues“ und spielt deutlich mit Blues-Konventionen. Ohne eine verlässliche veröffentlichte Partitur des Originals wird hier jedoch nicht behauptet, dass die Aufnahme durchgehend exakt einem klassischen 12-Takt-Blues folgt. Stattdessen lernst Du typische Blues-Merkmale kennen und vergleichst sie hörend mit dem Song. Die `Score`-Notenbeispiele in diesem aiMOOC sind eigens erstellte Lernbeispiele und keine Transkription der geschützten Originalmelodie.
Das Video oben ist eine veröffentlichte Fassung des „Hafer- und Bananenblues“ auf dem YouTube-Kanal von Äffle & Pferdle. Für eine journalistische Einordnung bietet die SWR Landesschau zusätzlich einen Beitrag zum Hit an.[4]
Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst Du die Entstehung von Äffle & Pferdle in die regionale Mediengeschichte einordnen, die Rolle des Schwäbischen für Humor und Wiedererkennung erläutern, den „Hafer- und Bananenblues“ als regionales Popkultur-Phänomen beschreiben, grundlegende Blues-Merkmale wie 12-Takt-Schema, Blue Notes und Call and Response erklären und zwischen belegbaren Aussagen über den Song und allgemeinen Blues-Konventionen unterscheiden. Du kannst außerdem Medienquellen kritisch vergleichen und eine eigene kleine Blues-Parodie gestalten, ohne geschützte Melodie oder längere Liedtexte zu kopieren.
Pferdle und Äffle: regionale Mediengeschichte
Vom Werbefernsehen zur Kultfigur
Entwickelt wurden die Figuren 1959 von dem Filmproduzenten Armin Lang zusammen mit weiteren Gestaltern für den damaligen SDR. Ziel war es, die neu eingeführten Werbespots im Fernsehen durch kurze Trickfilmeinspieler aufzulockern. Das Pferdle orientierte sich als Figur am Stuttgarter Wappentier. Am 2. Januar 1960 erschien es zum Start des Werbefernsehens auf dem Bildschirm.[1] Das Äffle kam später hinzu; ein SWR-Beitrag führt seine Herkunft auf die Stuttgarter Wilhelma zurück.[5]

Das Stuttgarter Stadtwappen zeigt ein steigendes schwarzes Pferd. Es erklärt, warum ausgerechnet ein Pferd zur frühen Leitfigur der Stuttgarter Fernsehspots werden konnte.
Die ersten Einspieler waren noch schwarz-weiß und zunächst ohne gesprochene Dialoge. Ende der 1960er Jahre wurden die Spots farbig, in den 1970er Jahren begannen die beiden Figuren schwäbisch zu sprechen. Armin Lang lieh ihnen zunächst seine Stimme, obwohl er selbst aus Bayern stammte.[1][2] Gerade dieser Schritt ist mediengeschichtlich wichtig: Aus stummen Werbetrennern wurden Figuren mit einer regional markierten Sprache, einem eigenen Humor und zunehmend menschlich wirkenden Rollen.

Der Stuttgarter Fernsehturm steht hier symbolisch für die regionale Fernseh- und Rundfunkgeschichte, in deren Umfeld Äffle & Pferdle bekannt wurden.
Die Spots liefen im Umfeld des regionalen Fernsehens und wurden generationenübergreifend erinnert. Die offizielle Figuren-Geschichte spricht von mehr als 1.900 produzierten Spots für SDR beziehungsweise SWR und nennt 2001 als Ende der regelmäßigen Neuproduktion durch den SWR; vorhandene Spots blieben jedoch präsent.[2] Der SWR blickt in mehreren Landesschau-Beiträgen auf die Entwicklung der Figuren und die Erinnerungen des Publikums zurück.[6]
Warum diese Figuren regional so gut funktionieren
Pferdle und Äffle verbinden mehrere Wiedererkennungsmerkmale: eine klare visuelle Silhouette, kurze pointierte Dialoge, typische Rollenverteilung, schwäbische Lautung und einen starken Ortsbezug zu Stuttgart und Baden-Württemberg. Der Humor ist meist alltagsnah und funktioniert häufig über Missverständnisse, Wortspiele, Übertreibung und die gegensätzlichen Reaktionen der Figuren.
Mediengeschichtlich lässt sich daran beobachten, wie Regionalität im Rundfunk hergestellt wird. Sie entsteht nicht nur durch einen geografischen Sendeort, sondern durch wiederkehrende Figuren, vertraute Sprachformen und gemeinsame Erinnerungen. Wenn viele Menschen dieselben kurzen Einspieler über Jahre sehen, können daraus Zeichen regionaler Alltagskultur werden.

Baden-Württemberg im heutigen Deutschland: Der regionale Bezug ist ein zentraler Teil der Rezeption von Äffle & Pferdle.
Vom SDR zum SWR und ins Internet
Die Figuren gehören zur Mediengeschichte des Südwestens, die vom SDR bis zum heutigen SWR reicht. Ihre Wiederverwendung in Fernsehrückblicken, Online-Videos, Büchern, Produkten und sozialen Medien zeigt, wie ältere Fernsehfiguren in neue Medienumgebungen überführt werden können. Dadurch werden sie nicht nur nostalgisch erinnert, sondern von einem jüngeren Publikum neu entdeckt.
Ein gutes Beispiel ist die SWR Landesschau, die zahlreiche ältere und neue Beiträge zu Äffle & Pferdle gebündelt hat.[7] Das ist ein typischer Fall von Medienkonvergenz: Figuren aus kurzen analogen Fernsehspots leben über digitale Plattformen, Archive und Online-Videos weiter.
Der Hafer- und Bananenblues
Titel, Rollen und Humor
Der Songtitel setzt die beiden Figuren unmittelbar in Beziehung: Hafer steht als stereotype Pferdenahrung für das Pferdle, Banane als stereotype Affennahrung für das Äffle. Aus dieser sehr einfachen Zuordnung entsteht ein komisches Duett. Jede Figur verteidigt ihre eigene Vorliebe, bevor beide Perspektiven zusammengeführt werden. Das macht den Song leicht merkbar und schafft eine Form des musikalischen Dialogs.
Der Witz funktioniert auf mehreren Ebenen. Erstens wird eine banale Alltagssache – Futter – mit der großen Geste eines „Blues“ verbunden. Zweitens überzeichnet der Text die Bedeutung der jeweiligen Speise. Drittens verstärkt der schwäbische Vortrag die Figurenidentität. Viertens entsteht Humor durch die Paarstruktur: Äffle und Pferdle sind verschieden, gehören aber zusammen.
Kurzer Lyrics-Ausschnitt und Urheberrecht
Ein sehr kurzer, zur Analyse geeigneter Ausschnitt lautet: „Das isch der Bananen-Blues“. Mehr vom Liedtext wird hier bewusst nicht wiedergegeben. Der vollständige Text ist urheberrechtlich geschützt; für Unterricht und Analyse ist es sinnvoller, mit kurzen Zitaten, Paraphrasen und dem Originalvideo zu arbeiten.
Inhaltlich lässt sich der Text ohne längere Wiedergabe so zusammenfassen: Zuerst stellt das Äffle seine Banane als unverzichtbar dar, dann beantwortet das Pferdle dies mit einer Hafer-Perspektive. Am Ende werden beide Motive zu einem gemeinsamen Hafer-und-Bananen-Thema verbunden. Damit entsteht eine kleine Dramaturgie von Einzelposition – Gegenposition – gemeinsamer Schluss.
Dialekt als Klang, Identität und Pointe
Der schwäbische Dialekt ist nicht bloß eine Übersetzung von Hochdeutsch. Er verändert Klang, Rhythmus, Reim und Figurenwirkung. Dialekt kann Nähe erzeugen, weil er an familiäre oder regionale Alltagssprache erinnert. Gleichzeitig kann er für Lernende außerhalb Schwabens fremd klingen und dadurch die Aufmerksamkeit auf Sprache als kulturelles Zeichen lenken.
Auffällig sind im Song und in den Dialogen typische Formen wie isch statt „ist“ oder reduzierte beziehungsweise regional gefärbte Endungen. Für eine sprachwissenschaftliche Analyse solltest Du aber nicht jedes einzelne Wort vorschnell als „typisch schwäbisch“ klassifizieren: Dialekte haben lokale Varianten, und Kunstfiguren sprechen häufig eine stilisierte, für Medien leicht erkennbare Form.
2025 erhielten Äffle & Pferdle den Landespreis für Dialekt in der neu eingeführten Kategorie Dialektbotschafter. Das baden-württembergische Wissenschaftsministerium beschrieb die Figuren dabei als seit 65 Jahren festen Bestandteil der südwestdeutschen Medienlandschaft und betonte ihre Bedeutung für die Vermittlung von Dialekt.[8]
Blues: musikalischer Hintergrund
Woher der Blues kommt
Der Blues entwickelte sich um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert in afroamerikanischen Gemeinschaften der USA. Er wurde zu einer wichtigen Grundlage für viele spätere Stile, darunter Jazz, Rock ’n’ Roll, Soul und Teile der Rockmusik. Zu seinen häufigen Merkmalen gehören bestimmte harmonische Schemata, Blue Notes, charakteristische Phrasierung, Wiederholung sowie verschiedene Formen von Call and Response.[9]
Für den Unterricht ist wichtig, den historischen Blues nicht auf „traurige Musik“ oder ein einziges Akkordschema zu reduzieren. Der Blues ist eine vielfältige afroamerikanische Musiktradition mit einer komplexen Geschichte. Wenn ein schwäbischer Cartoon-Song das Wort „Blues“ humoristisch aufgreift, zitiert er damit eine bereits lange gewachsene musikalische Form.

Visualisierung eines 12-Takt-Blues-Schemas. Das Bild zeigt ein allgemeines Blues-Modell und nicht die Harmonie des Hafer- und Bananenblues.
Das 12-Takt-Blues-Schema
Eine besonders verbreitete Bluesform umfasst zwölf Takte und nutzt vor allem die harmonischen Stufen I, IV und V. In C-Dur wären das C, F und G. Häufig werden Dominantseptakkorde verwendet. Die genaue Reihenfolge kann variieren; das folgende Schema ist ein verbreitetes Lernmodell:
| Takte | Harmonie |
|---|---|
| 1–4 | I – I – I – I |
| 5–8 | IV – IV – I – I |
| 9–12 | V – IV – I – V |
Das folgende `Score`-Beispiel ist ein neu erstelltes Unterrichtsbeispiel in C. Es ist keine Transkription des Songs.

Höre Dir zuerst das Lernbeispiel und danach den Hafer- und Bananenblues an. Prüfe hörend: Wo nimmst Du Wiederholung wahr? Wo wechseln die Figuren? Gibt es musikalische Abschnitte, die sich wie Frage und Antwort verhalten? Solche Hörfragen sind zuverlässiger, als ohne Partitur vorschnell ein exaktes harmonisches Schema zu behaupten.
Blue Notes und Bluestonleiter
Zu den charakteristischen Klangfarben des Blues gehören Blue Notes. In vereinfachter Notation werden häufig die erniedrigte dritte, fünfte und siebte Stufe hervorgehoben. Eine gebräuchliche Blues-Skala in C enthält beispielsweise die Töne C, Es, F, Ges/Fis, G und B. In historischer Aufführungspraxis sind Blue Notes jedoch nicht nur starre Klaviertasten: Sängerinnen, Sänger und Instrumentalistinnen oder Instrumentalisten können Tonhöhen flexibel intonieren.[10]
Das folgende `Score`-Beispiel zeigt eine frei erfundene Übungsphrase mit Tönen der C-Blues-Skala. Sie gehört nicht zur Originalmelodie von Pferdle & Äffle.


Ein weiteres frei lizenziertes Beispiel für einen 12-Takt-Blues, diesmal in A. Auch dieses Beispiel dient nur zum Vergleich mit allgemeinen Blues-Konventionen.
Call and Response
Call and Response bedeutet vereinfacht „Ruf und Antwort“. Ein musikalischer oder sprachlicher Impuls wird von einer zweiten Stimme, einer Gruppe oder einem Instrument beantwortet. Dieses Prinzip spielt in verschiedenen afroamerikanischen Musiktraditionen eine wichtige Rolle und kommt unter anderem in Blues, Gospel und Jazz vor.[11]
Beim Hafer- und Bananenblues lässt sich zumindest auf der Ebene der Figurenanlage ein dialogisches Prinzip erkennen: Das Äffle formuliert seine Perspektive, das Pferdle setzt eine eigene Perspektive dagegen, und am Ende werden beide zusammengeführt. Das ist nicht automatisch identisch mit einem historischen Blues-Call-and-Response, aber es ist ein sinnvoller Ansatzpunkt für eine vergleichende Höranalyse.
Was am Song besonders ist
Eine Blues-Parodie statt „klassischer Blues“
Der Song funktioniert besonders gut, wenn Du ihn als Blues-Parodie mit regionalem Cartoon-Humor verstehst. Er verwendet das Wort „Blues“, eine wiederholungsreiche Anlage und einen Wechsel der Figuren, macht daraus aber ein komisches Miniaturstück über Hafer und Banane. Die scheinbar ernste musikalische Gattungsbezeichnung wird mit bewusst alltäglichem Inhalt verbunden.
Für eine saubere Analyse solltest Du deshalb zwei Ebenen trennen. Auf der einen Seite stehen belegbare Merkmale des konkreten Songs: schwäbischer Vortrag, zwei Figurenstimmen, Nahrungsmotive, Wiederholung und gemeinsamer Schluss. Auf der anderen Seite stehen allgemeine Blues-Merkmale wie 12-Takt-Schema, Blue Notes oder AAB-Textform. Diese zweiten Merkmale dienen als Vergleichsfolie und müssen am Original hörend überprüft werden.
Humor durch Übertreibung
Eine Banane oder eine Portion Hafer wird im Song nicht sachlich beschrieben, sondern zum Gegenstand einer übergroßen musikalischen Behauptung. Genau darin liegt der komische Kontrast. Die Figuren nehmen ihre Vorlieben sehr ernst, obwohl das Publikum die Übertreibung erkennt. Solcher Humor ist typisch für kurze Cartoon-Formate: Die Pointe muss in wenigen Sekunden oder Minuten verständlich sein.
Wiederholung als Ohrwurm-Technik
Wiederholung ist ein zentrales Mittel populärer Musik. Im Hafer- und Bananenblues sorgt sie dafür, dass zentrale Wörter und Rollen schnell erkennbar werden. Das unterstützt die Erinnerbarkeit. Gleichzeitig passt Wiederholung grundsätzlich auch zur Blues-Tradition, in der wiederkehrende Textzeilen, Riffs und harmonische Zyklen häufig formbildend wirken. Entscheidend ist hier nicht die Behauptung „Das Stück ist exakt ein Standardblues“, sondern die Beobachtung, dass Wiederholung auf mehreren Ebenen Bedeutung erzeugt.
Bedeutung für Baden-Württemberg
Regionaler Kultsong und gemeinsames Mediengedächtnis
Der Hafer- und Bananenblues ist mehr als ein alter Cartoon-Song, weil er bis heute in regionalen Medienkontexten wieder auftaucht. In der SWR1 Hitparade erreichte er 2024 Platz 7 und 2025 Platz 6.[12][13] Solche Platzierungen zeigen eine fortdauernde Publikumsbindung im Sendegebiet, auch wenn sie keine wissenschaftliche Messung der gesamten Bevölkerung Baden-Württembergs darstellen.
Der Ausdruck schwäbischer Kultsong beschreibt deshalb vor allem eine Rezeptionsgeschichte: Viele Menschen verbinden den Titel mit Kindheit, Fernsehen, Dialekt, Stuttgart oder regionaler Popkultur. Ein Vertreter der heutigen Figurenmarke bezeichnete das Lied sogar als „schwäbische Hymne“; das ist als zugespitzte Selbstbeschreibung der Marke zu verstehen, nicht als offizieller Status.[14]
Dialekt und kulturelle Zugehörigkeit
Dialekt kann Zugehörigkeit markieren, aber er ist nie für alle Menschen einer Region gleich wichtig. Baden-Württemberg umfasst schwäbische, alemannische, fränkische, kurpfälzische und weitere Sprachräume. Äffle & Pferdle stehen besonders für eine schwäbisch-stuttgarter Perspektive. Gerade deshalb eignen sie sich gut, um über die Vielfalt regionaler Identitäten zu sprechen, ohne „Baden-Württemberg“ mit „Schwaben“ gleichzusetzen.
Die Auszeichnung als Dialektbotschafter 2025 macht sichtbar, dass die Figuren heute auch institutionell als Teil der Sprach- und Medienkultur des Landes gewürdigt werden.[8]
Regionale Mediengeschichte als Unterrichtsthema
An Äffle & Pferdle kannst Du mehrere Entwicklungen gleichzeitig untersuchen: das frühe Werbefernsehen, die Rolle öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten, die Veränderung von Schwarz-Weiß zu Farbe, den Übergang von stummen Einspielern zu gesprochenem Dialekt, die Vermenschlichung von Cartoonfiguren, Schallplattenveröffentlichungen, Nostalgieformate und schließlich die digitale Wiederverbreitung über YouTube und soziale Medien.
Diese Verbindung macht das Thema für Musik, Deutsch, Geschichte, Gemeinschaftskunde, Medienbildung und Kunst interessant.
Faktencheck und typische Missverständnisse
Ein häufiger Fehler in älteren Online-Texten lautet, Pferdle & Äffle seien ursprünglich für die Stuttgarter Straßenbahnen entwickelt worden. Die einschlägigen historischen Darstellungen von Wikipedia, SWR und der heutigen Figuren-Website verorten ihre Entstehung dagegen im Kontext des SDR-Werbefernsehens.[1][6][2]
Auch beim Entstehungsjahr des Äffle gibt es unterschiedlich genaue Formulierungen. Wikipedia nennt 1963, die offizielle Figuren-Website „Mitte der 60er Jahre“. Für eine wissenschaftsorientierte Arbeit ist es sinnvoll, solche Quellenunterschiede sichtbar zu machen, statt eine scheinbar exakte Zahl ohne Hinweis zu übernehmen.
Beim Song sollte außerdem zwischen Veröffentlichung und heute verbreiteten Video-Fassungen unterschieden werden. Die Single wird auf 1976 datiert; heutige Onlinevideos können kürzer, geschnitten, remastert oder anders ediert sein.[3]
Medienanalyse: So gehst Du vor
Für eine strukturierte Analyse kannst Du vier Ebenen nacheinander betrachten. Erstens untersuchst Du Bild und Figuren: Wer spricht oder singt? Wie werden Äffle und Pferdle gezeichnet? Zweitens hörst Du auf Sprache: Welche Wörter, Lautungen und Pointen wirken schwäbisch? Drittens untersuchst Du Musik: Wo hörst Du Wiederholungen, Riffs, Wechselgesang oder harmonische Rückkehrpunkte? Viertens ordnest Du die Mediengeschichte ein: Warum passt dieser Song gerade zu Figuren, die aus kurzen Werbefernsehspots stammen?
Notiere bei der Analyse immer, was Du tatsächlich hörst oder siehst, und trenne es von allgemeinem Vorwissen über Blues. So vermeidest Du den Fehlschluss, dass jedes Stück mit „Blues“ im Titel automatisch alle Lehrbuchmerkmale des Blues enthalten müsse.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
In welchem Medienkontext entstand das Pferdle? (Im Werbefernsehen des damaligen SDR) (!In einer Kampagne der Stuttgarter Straßenbahnen) (!In einer gedruckten Tageszeitung) (!In einem Kinofilm der 1990er Jahre)
Wann erschien das Pferdle erstmals zum Start des SDR-Werbefernsehens? (1960) (!1949) (!1976) (!1986)
Welches Tier kam nach dem Pferdle als zweite Hauptfigur hinzu? (Ein Affe) (!Ein Hund) (!Ein Löwe) (!Ein Bär)
Welche Sprache prägt viele Dialoge von Äffle und Pferdle? (Schwäbisch) (!Plattdeutsch) (!Sächsisch) (!Friesisch)
Unter welchem Titel wurde der Song 1976 als Single veröffentlicht? (D’r Haf’r- ond Banane-Blues) (!Stuttgarter Fernsehturm-Rock) (!Wilhelma-Boogie) (!Schwaben-Samba)
Welche Speise ist im Song dem Pferdle zugeordnet? (Hafer) (!Banane) (!Ananas) (!Kartoffel)
Welche Form ist ein verbreitetes Lehrmodell des Blues? (Der 12-Takt-Blues) (!Der 3-Takt-Blues) (!Der 5-Takt-Blues) (!Der 17-Takt-Blues)
Was bezeichnet Call and Response? (Ein musikalisches Prinzip von Ruf und Antwort) (!Eine Technik zum Stimmen eines Klaviers) (!Eine Art Fernsehwerbung) (!Eine Form des Filmschnitts)
Welche Aussage zum Score-Beispiel in diesem aiMOOC ist richtig? (Es ist ein neu erstelltes Blues-Lernbeispiel) (!Es ist die vollständige Originalmelodie des Songs) (!Es ist eine historische SDR-Partitur) (!Es ist ein unverändertes Notenblatt der Single)
Welche aktuelle Würdigung erhielten Äffle und Pferdle 2025? (Sie wurden Dialektbotschafter Baden-Württembergs) (!Sie wurden UNESCO-Welterbe) (!Sie wurden Bundeswappentiere) (!Sie erhielten einen Oscar)
Memory
| Pferdle | Stuttgarter Wappentier als Ausgangsidee |
| Äffle | Bezug zur Wilhelma in Stuttgart |
| SDR | Früher Rundfunkkontext der Figuren |
| Schwäbisch | Prägende Sprache vieler Dialoge |
| Hafer | Futter-Motiv des Pferdle |
| Banane | Futter-Motiv des Äffle |
| Blue Notes | Charakteristische Klangfärbung des Blues |
| Call and Response | Prinzip von Ruf und Antwort |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Werbefernsehen | Ursprung der kurzen SDR-Einspieler |
| Dialekt | Sprachliche regionale Markierung |
| Wiederholung | Wichtiges Mittel für Wiedererkennung und Ohrwurmwirkung |
| Blues-Schema | Vergleichsmodell für die musikalische Analyse |
| Mediengedächtnis | Gemeinsame Erinnerung an wiederkehrende Fernsehfiguren |
Kreuzworträtsel
| Pferdle | Welche Figur erschien zuerst im SDR-Werbefernsehen? |
| Stuttgart | Mit welcher Stadt sind Äffle und Pferdle besonders verbunden? |
| Schwäbisch | Welcher Dialekt prägt viele Dialoge? |
| Werbefernsehen | In welchem TV-Kontext entstanden die kurzen Einspieler? |
| Bananen | Welche Frucht gehört zum Motiv des Äffle? |
| Blues | Welche Musikform wird im Songtitel genannt? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Hörprotokoll: Höre den Song einmal ohne Video und notiere, an welchen Stellen Du Wiederholung, Figurenwechsel und gemeinsames Singen wahrnimmst.
- Dialekt: Sammle fünf schwäbische Formen aus einem kurzen Äffle-und-Pferdle-Clip und übertrage sie ins Hochdeutsche. Beschreibe anschließend, welche Klangwirkung verloren geht oder neu entsteht.
- Cartoon: Gestalte eine eigene Bildidee mit zwei regionalen Tierfiguren. Verwende keine geschützten Äffle-und-Pferdle-Zeichnungen, sondern entwickle neue Figuren mit eigener Formensprache.
- Blues: Spiele das 12-Takt-Lernschema dieses aiMOOC auf einem Instrument, einer Musik-App oder mit Akkordklängen und markiere die Wechsel zwischen I, IV und V.
Standard
- Mediengeschichte: Erstelle eine Zeitleiste von 1959 bis heute mit mindestens acht Stationen zur Entwicklung von Äffle & Pferdle und belege jede Station mit einer Quelle.
- Sprachvergleich: Vergleiche eine schwäbische Äffle-und-Pferdle-Sequenz mit einer hochdeutschen Paraphrase. Untersuche Wortschatz, Lautung, Rhythmus und Pointe.
- Musikanalyse: Vergleiche den Hafer- und Bananenblues mit einem eindeutig dokumentierten 12-Takt-Blues. Benenne Gemeinsamkeiten und Unterschiede, ohne zu behaupten, der Cartoon-Song folge exakt demselben Schema.
- Podcast: Produziere einen drei- bis fünfminütigen Podcast über die Frage, wie regionale Fernsehfiguren zu kulturellen Erinnerungszeichen werden können.
Schwer
- Quellenkritik: Untersuche, warum verschiedene Quellen für das Hinzukommen des Äffle unterschiedlich genaue Zeitangaben verwenden. Bewerte nicht nur das Datum, sondern auch Art, Zweck und Nähe der Quellen zum historischen Ereignis.
- Kulturtransfer: Erkläre in einem Essay, was passiert, wenn eine schwäbische Cartoon-Produktion den Begriff und Stil „Blues“ aufgreift. Beziehe die afroamerikanische Geschichte des Blues respektvoll ein und unterscheide Aneignung, Zitat, Parodie und Popularisierung.
- Medienarchiv: Entwirf ein Konzept für eine digitale Ausstellung über Äffle & Pferdle. Plane Kapitel, Metadaten, Urheberrechtsangaben, Zeitzeugeninterviews und mindestens drei unterschiedliche Medientypen.
- Komposition: Schreibe eine eigene acht- oder zwölftaktige Blues-Parodie mit vollständig neuem Text und neuer Melodie zu zwei selbst erfundenen Figuren. Dokumentiere, welche Blues-Merkmale Du bewusst eingesetzt und welche Du verändert hast.


Lernkontrolle
- Transfer Musik und Sprache: Erkläre anhand eines selbst gewählten Beispiels, wie Dialekt den Rhythmus und die Wirkung eines Liedtextes verändern kann. Übertrage Deine Erklärung anschließend auf den Hafer- und Bananenblues.
- Vergleich Bluesformen: Untersuche, welche Kriterien erfüllt sein müssten, um ein Musikstück überzeugend als 12-Takt-Blues zu bezeichnen. Wende diese Kriterien vorsichtig auf den Song an und kennzeichne Beobachtung, Vermutung und gesichertes Wissen getrennt.
- Medienwandel: Zeige, wie sich die Bedeutung einer kurzen Fernsehfigur verändert, wenn sie Jahrzehnte später auf YouTube, in Hitparaden und in sozialen Medien weiterlebt.
- Regionale Identität: Diskutiere, warum Äffle & Pferdle für viele Menschen als schwäbische Kultfiguren gelten können, ohne daraus zu schließen, dass sie ganz Baden-Württemberg gleichermaßen repräsentieren.
- Quellenkritik: Vergleiche eine SWR-Quelle, die offizielle Figuren-Website und Wikipedia zu einem historischen Detail. Erkläre, warum Quellen zu unterschiedlichen Formulierungen kommen können und welche Aussage Du jeweils als gut belegt ansiehst.
- Urheberrecht und OER: Entwickle eine Unterrichtsseite zum Song, die mit kurzen Zitaten, eigenen Notenbeispielen und frei lizenzierten Medien arbeitet. Begründe, warum Du bestimmte Inhalte nicht vollständig übernimmst.
Lernnachweis
Für einen überzeugenden Lernnachweis solltest Du zeigen, dass Du nicht nur Einzeldaten auswendig kennst, sondern Zusammenhänge erklären kannst. Wichtig sind die Einordnung der Figuren in das SDR-Werbefernsehen, die Entwicklung vom stummen beziehungsweise musikalisch begleiteten Einspieler zur schwäbisch sprechenden Cartoonfigur, die Rolle des Dialekts für Humor und regionale Wiedererkennung, die Veröffentlichungsgeschichte des Hafer- und Bananenblues, ein grundlegendes Verständnis von 12-Takt-Blues, Blue Notes und Call and Response sowie eine quellenkritische Unterscheidung zwischen allgemeinen Blues-Merkmalen und tatsächlich belegbaren Merkmalen des Songs. Ebenso wichtig ist ein reflektierter Umgang mit Urheberrecht: kurze Zitate, eigene Paraphrasen, eigene `Score`-Beispiele und frei lizenzierte Medien statt vollständiger Lyrics oder einer unautorisierten Melodieabschrift.
OERs zum Thema
Weitere frei nutzbare Medien findest Du auf Wikimedia Commons. Besonders hilfreich für dieses Thema sind die Dateien zum Stuttgarter Stadtwappen, zum Fernsehturm, zur Lage Baden-Württembergs und zu allgemeinen Blues-Schemata.
Quellen und weiterführende Links
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Wikipedia: Äffle & Pferdle
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 Äffle & Pferdle: Gschichte
- ↑ 3,0 3,1 hitparade.ch: D’r Haf’r- ond Banane-Blues
- ↑ SWR Landesschau Baden-Württemberg: Der Hafer- und Bananenblues
- ↑ SWR: Warum Äffle & Pferdle Affe und Pferd sind
- ↑ 6,0 6,1 SWR Landesschau: Die Geschichte hinter Äffle & Pferdle
- ↑ SWR Landesschau: Alle Staffeln von Äffle & Pferdle
- ↑ 8,0 8,1 Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg: Äffle & Pferdle werden Dialektbotschafter 2025
- ↑ Wikipedia: Blues
- ↑ Wikipedia: Blue Note
- ↑ Wikipedia: Call and Response
- ↑ SWR: Hitparade 2024
- ↑ SWR: Hitparade 2025
- ↑ Interview mit Armin Lang junior
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