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NWT9 - Zug- und Druckkräfte in Bauwerken

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NWT9 - Zug- und Druckkräfte in Bauwerken



NWT9 - Zug- und Druckkräfte in Bauwerken


Einleitung

Warum kann eine schlanke Brücke einen Lastwagen tragen? Warum besteht ein Turmkran aus vielen Dreiecken? Warum ist ein Seil hervorragend zum Ziehen geeignet, während eine Säule vor allem Druck aufnehmen kann? In diesem aiMOOC untersuchst Du, wie Kräfte durch Bauwerke geleitet werden und wie Fachwerke mit möglichst wenig Material große Lasten tragen können.

Im Mittelpunkt stehen Zugkräfte und Druckkräfte. Du lernst, Belastungen an Brücken, Kränen und einfachen zweidimensionalen Konstruktionen zu erkennen und fachsprachlich zu beschreiben. Auf dem E-Niveau bestimmst Du ausgewählte Zug- und Druckkräfte zusätzlich geometrisch mit Kraftpfeilen und Kräfteplänen.

Der aiMOOC richtet sich an Klasse 9 im Fach NwT und ist nach den Niveaustufen G, M und E differenziert. Der Bildungsplan Baden-Württemberg nennt bei den statischen Prinzipien unter anderem die Analyse geometrischer Konstruktionen und der Stabilität des Dreiecks; auf E-Niveau wird zusätzlich das zweidimensionale geometrische Bestimmen von Zug- und Druckkräften gefordert, zum Beispiel bei Brücke, Kran oder Körperbau.

Bildungsplan Baden-Württemberg: Statische Prinzipien in Natur und Technik

Betrachte den Turmkran genau: Mast und Ausleger bestehen nicht aus massiven Flächen, sondern aus einem räumlichen Netz schlanker Stäbe. Die Dreiecksstruktur hilft dabei, Lasten gezielt als Zug und Druck durch die Konstruktion zu leiten.


Lernziele und Differenzierung G/M/E

Niveau Das kannst Du am Ende
G Du erkennst an einfachen Bauteilen Zug- und Druckbelastungen, beschreibst ihre Wirkung und erklärst, warum Dreiecke Fachwerke stabilisieren.
M Du analysierst einfache Brücken- und Krankonstruktionen, liest Kraftpfeile, begründest Kräftepfade und ordnest ausgewählte Stäbe als Zug-, Druck- oder unbelastete Stäbe ein.
E Du stellst Kräfte in ebenen Konstruktionen als Vektoren dar, verwendest einen Kraftmaßstab und bestimmst ausgewählte Stabkräfte an einfachen Knoten geometrisch durch ein geschlossenes Kräftepolygon.


Kräfte in Bauwerken

Ein Bauwerk steht nur dann dauerhaft, wenn die auftretenden Kräfte sicher zu den Lagern und schließlich in den Boden geleitet werden. Ein Mensch auf einer Brücke, eine angehobene Last am Kran oder Wind an einem Turm erzeugen äußere Kräfte. Im Inneren der Konstruktion entstehen dadurch Kräfte in Stäben, Seilen, Balken und Verbindungen.

Eine Kraft besitzt nicht nur einen Zahlenwert. Für ihre vollständige Beschreibung brauchst Du:

  1. Angriffspunkt: Wo greift die Kraft an?
  2. Wirkungslinie: Auf welcher Linie wirkt sie?
  3. Kraftrichtung: In welche Richtung zeigt sie?
  4. Kraftbetrag: Wie groß ist sie?

Der Kraftbetrag wird in Newton mit dem Einheitenzeichen N angegeben. In Zeichnungen wird eine Kraft als Kraftpfeil dargestellt. Die Pfeilrichtung zeigt die Wirkrichtung; die Pfeillänge kann über einen Kraftmaßstab den Betrag darstellen.

Ein Freikörperbild reduziert die reale Situation auf die für die Statik wichtigen Kräfte. Genau diese Modellbildung ist entscheidend: Du lässt unwichtige Details weg, ohne die wesentlichen Kraftwirkungen zu verlieren.


Zugkraft

Eine Zugkraft versucht, einen Körper oder Stab in Längsrichtung auseinanderzuziehen. Ein zugbelastetes Bauteil wird geringfügig länger.

Typische Zugglieder sind Seile, Ketten, Zugstäbe und viele Diagonalen in Fachwerken. Ein ideales Seil kann Zug, aber praktisch keinen Druck übertragen: Wird es gedrückt, wird es schlaff.

Merksatz: Zug zieht auseinander.


Druckkraft

Eine Druckkraft versucht, einen Körper oder Stab in Längsrichtung zusammenzudrücken. Ein druckbelastetes Bauteil wird geringfügig kürzer.

Typische Druckglieder sind Säulen, Stützen und bestimmte Fachwerkstäbe. Bei sehr schlanken Druckstäben ist nicht nur die Materialfestigkeit wichtig. Sie können bereits vorher seitlich ausweichen und knicken.

Merksatz: Druck drückt zusammen.


Zug oder Druck erkennen

Stell Dir einen einzelnen Stab mit zwei Enden vor. Ziehen die angrenzenden Bauteile an seinen Enden voneinander weg, ist der Stab auf Zug belastet. Drücken sie seine Enden aufeinander zu, ist er auf Druck belastet.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen äußerer Last und innerer Stabkraft. Eine nach unten wirkende Last an einer Brücke bedeutet nicht, dass alle Stäbe nach unten gedrückt werden. Die Konstruktion verteilt die Last. Einige Stäbe werden gezogen, andere gedrückt.

In dieser Darstellung einer Warren-Fachwerkbrücke kennzeichnet die Legende Rot als Druck und Blau als Zug. Farbcodes sind allerdings nicht überall gleich. Lies deshalb bei jeder technischen Darstellung zuerst die Legende.


Warum Fachwerke Dreiecke verwenden

Ein Fachwerk besteht aus Stäben, die an Knoten miteinander verbunden sind. Seine Grundidee ist verblüffend einfach: Dreiecke sind geometrisch formstabil.

Ein Viereck aus vier gelenkig verbundenen Stäben kann sich ohne Änderung der Stablängen zu einer Raute verschieben. Fügt man eine Diagonale hinzu, entstehen zwei Dreiecke. Nun müsste sich mindestens eine Stablänge ändern, damit sich die Form verschiebt. Dadurch wird die Konstruktion stabil.

Das Video zeigt anschaulich, wie Zug- und Druckglieder gemeinsam ein tragfähiges Fachwerk bilden und warum die Anordnung der Stäbe für die Materialeffizienz wichtig ist.


Das idealisierte Fachwerk

Für Berechnungen wird ein reales Fachwerk vereinfacht. Beim idealen ebenen Fachwerk nimmt man an:

  1. Die Stäbe sind gerade und schlank.
  2. Die Verbindungen werden als gelenkige Knoten betrachtet.
  3. Äußere Kräfte greifen an den Knoten an.
  4. Jeder Stab überträgt im Modell nur eine Kraft entlang seiner Stabachse.

Unter diesen Annahmen ist ein Stab ein sogenanntes Zwei-Kräfte-Glied. Er befindet sich entweder auf Zug oder auf Druck. Reale Bauwerke weichen von diesem Modell ab: Knoten sind nicht vollkommen reibungsfrei, Stäbe besitzen Eigengewicht und zusätzliche Biegungen können auftreten. Das Modell ist trotzdem sehr nützlich, weil es die wesentlichen Zusammenhänge sichtbar macht.


Kräftegleichgewicht am Knoten

Ein ruhender Knoten darf sich nicht beschleunigen. Deshalb müssen sich alle an ihm wirkenden Kräfte gegenseitig ausgleichen.

Für den ebenen Fall gilt als Grundidee:

F1+F2+F3+=0

Zeichnerisch bedeutet das: Legst Du die Kraftpfeile maßstäblich Spitze an Anfang, muss ein geschlossenes Kräftepolygon entstehen.

Das Kräfteparallelogramm ist eine wichtige Vorstufe zum Kräftepolygon. Du erkennst dabei, wie sich zwei Kräfte vektoriell zusammensetzen oder eine Kraft in zwei vorgegebene Richtungen zerlegen lässt.


Brücken als Kräftepfade

Brücken müssen Eigengewicht, Verkehrslasten, Wind und weitere Einwirkungen zu ihren Auflagern führen. Fachwerkbrücken nutzen dafür Stäbe in Dreiecksform.

An einer realen Fachwerkbrücke erkennst Du Gurte, Diagonalen, Vertikale und Knoten. Unter einer typischen nach unten gerichteten Belastung können in vielen einfach gelagerten Fachwerkbrücken Teile des Obergurts auf Druck und Teile des Untergurts auf Zug beansprucht sein. Welche Diagonalen Zug oder Druck tragen, hängt jedoch von Fachwerktyp, Lastposition und Lagerung ab.


Pratt- und Warren-Fachwerk

Beim Pratt-Fachwerk und beim Warren-Fachwerk werden Dreiecke unterschiedlich angeordnet. Das beeinflusst, welche Stäbe unter einem bestimmten Lastfall Zug oder Druck tragen und wie lang die besonders knickgefährdeten Druckstäbe sind.

Ein gutes Fachwerk ist deshalb nicht einfach nur „möglichst stark“. Ingenieurinnen und Ingenieure suchen eine Konstruktion, die Lasten zuverlässig trägt, dabei aber Material, Masse und Herstellungsaufwand sinnvoll begrenzt.

Das englischsprachige Video vertieft die Analyse von Fachwerken, erklärt Zug und Druck in Stäben und zeigt die Bedeutung von Knoten und Dreiecksstrukturen.


Kräne: Zug und Druck in einer auskragenden Konstruktion

Ein Kran trägt eine Last weit außerhalb seines Turms oder seiner Wandbefestigung. Dadurch entstehen große Kräfte. Bei einem einfachen Wandkran kann ein oberes Seil oder ein Zugstab die Last schräg nach oben zur Wand ziehen, während eine untere Strebe die Konstruktion auf Abstand hält und auf Druck belastet wird.

Die Gitterstruktur moderner Turmkräne zeigt dasselbe Prinzip in vielfacher Wiederholung: Dreiecke bilden einen leichten, aber steifen Ausleger.


Interaktives Modell: Wandkran

Verändere im Modell die Geometrie und beobachte die Kraftpfeile. Achte besonders darauf, wie sich die Zug- und Druckkräfte verändern, wenn der Winkel der Streben verändert wird.

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Leitfragen:

  1. Welche Strebe wird gezogen?
  2. Welche Strebe wird gedrückt?
  3. Was geschieht mit den Kraftbeträgen, wenn eine tragende Richtung immer flacher wird?
  4. Welche Folgen hätte eine sehr große Druckkraft für einen besonders schlanken Stab?


Kraftpfeile und Kräftepläne

Ein technischer Kraftpfeil muss eindeutig lesbar sein. Für geometrische Lösungen benötigst Du zusätzlich einen Kraftmaßstab. Beispiel:

1 cm im Kräfteplan entspricht 20 N.

Eine Last von 100 N wird dann als 5 cm langer Pfeil gezeichnet. Ein gemessener Kraftpfeil von 7,1 cm entspricht ungefähr 142 N.

Achte darauf, zwei Zeichnungen nicht zu verwechseln:

  1. Im Lageplan zeichnest Du die Konstruktion, ihre Knoten, Stäbe und die Richtungen der Kräfte.
  2. Im Kräfteplan zeichnest Du die Kraftvektoren maßstäblich hintereinander.


Interaktives Modell: Zugkräfte an zwei Seilen

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Das Modell einer aufgehängten Last zeigt einen besonders wichtigen Effekt: Werden die Seile nahezu waagerecht, können ihre Zugkräfte sehr groß werden. Eine kleine Änderung der Geometrie kann also große Auswirkungen auf die Belastung eines Bauteils haben.


E-Niveau: Zug- und Druckkräfte geometrisch bestimmen

Auf E-Niveau bestimmst Du ausgewählte Kräfte in einer zweidimensionalen Konstruktion zeichnerisch. Dafür nutzt Du das Gleichgewicht an einem Knoten.

Voraussetzung für die hier verwendete einfache Konstruktion ist, dass am betrachteten Knoten neben den bekannten Kräften höchstens zwei unbekannte Stabkräfte auftreten. Ihre Wirkungslinien sind durch die Stabrichtungen bereits bekannt.


Schrittfolge der geometrischen Bestimmung

  1. Lageplan zeichnen: Markiere Knoten, Stäbe und äußere Lasten.
  2. Geeigneten Knoten wählen: Am Knoten sollen höchstens zwei unbekannte Stabkräfte vorhanden sein.
  3. Kraftmaßstab festlegen: Zum Beispiel 1 cm entspricht 20 N.
  4. Bekannte Kraft zeichnen: Zeichne Betrag und Richtung maßstäblich.
  5. Stabrichtungen übertragen: Zeichne durch Anfang beziehungsweise Ende des bekannten Kraftpfeils Geraden parallel zu den beiden unbekannten Stäben.
  6. Kräftepolygon schließen: Der Schnittpunkt der beiden Geraden legt die fehlenden Kraftpfeile fest.
  7. Beträge messen: Miss die Pfeillängen und rechne sie mit dem Kraftmaßstab in Newton um.
  8. Zug oder Druck bestimmen: Prüfe am Lageplan, ob der jeweilige Stab den Knoten zieht oder drückt.
  9. Kontrollieren: Das Kräftepolygon muss geschlossen sein.


Beispiel: einfacher Wandkran mit 100 N Last

Stell Dir einen Knoten C am freien Ende eines Wandkrans vor. Dort wirken drei Kräfte:

  1. Eine Last von 100 N senkrecht nach unten.
  2. Die Kraft eines horizontalen Stabs.
  3. Die Kraft eines schrägen Zugstabs, der im Winkel von 45 Grad nach links oben verläuft.

Wähle den Kraftmaßstab 1 cm entspricht 20 N.

Die Last wird als 5,0 cm langer Pfeil nach unten gezeichnet. Nun wird vom passenden Pfeilende eine Linie parallel zum horizontalen Stab und von der anderen Seite eine Linie parallel zum 45-Grad-Stab gezeichnet. Ihr Schnittpunkt schließt das Kraftdreieck.

Beim Messen erhältst Du näherungsweise:

Bauteil Pfeillänge im Kräfteplan Kraftbetrag Beanspruchung
Schräge Verbindung etwa 7,1 cm etwa 142 N Zug
Horizontaler Stab etwa 5,0 cm etwa 100 N Druck

Das Ergebnis ist plausibel: Der schräge Zugstab muss neben der vertikalen Last auch eine horizontale Kraftkomponente ausgleichen. Seine gesamte Zugkraft ist deshalb größer als 100 N.


Cremonaplan als Erweiterung

Für ein größeres statisch bestimmtes Fachwerk kann die grafische Knotenlösung Schritt für Schritt zu einem Cremonaplan erweitert werden. Dabei werden die Kraftpolygone benachbarter Knoten miteinander verknüpft.

Das Video zeigt die zeichnerische Bestimmung von Stabkräften mit einem Cremonaplan. Für Klasse 9 genügt es, das Verfahren an überschaubaren ebenen Konstruktionen und einzelnen Knoten sicher anzuwenden.


Interaktives Modell: grafische Fachwerkanalyse

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Arbeite mit dem Modell wie mit einem digitalen Zeichenbrett: Verändere die Last oder Geometrie, beobachte den Kräfteplan und prüfe, welche Stäbe Zug oder Druck aufnehmen.


Konstruktion, Material und Versagen

Die Kraftanalyse ist kein Selbstzweck. Sie hilft Dir zu entscheiden, wie ein Bauteil gestaltet werden muss.

Ein Zugstab kann beispielsweise durch Überschreiten seiner Zugfestigkeit versagen. Bei einem schlanken Druckstab kann dagegen Knicken entscheidend sein. Deshalb werden Druckstäbe häufig so gestaltet, dass sie seitlich ausreichend steif sind. Kurze Stäbe, geeignete Profile und zusätzliche Aussteifungen können die Knickgefahr verringern.

Auch die Anordnung der Stäbe ist wichtig. Ein Fachwerk, das bei einer bestimmten Last sehr günstig ist, kann bei einer anderen Lastverteilung oder bei Wind anders beansprucht werden. Deshalb müssen reale Bauwerke für mehrere Lastfälle untersucht werden.


Kleine Experimente für den Unterricht


Papierstreifen: Zug gegen Druck

Nimm einen schmalen Papierstreifen.

  1. Ziehe vorsichtig an beiden Enden: Das Papier nimmt eine Zugbelastung gut auf.
  2. Stelle den Streifen hochkant und drücke die Enden vorsichtig aufeinander zu: Der Streifen weicht seitlich aus und knickt.
  3. Beschreibe, warum derselbe Werkstoff auf Zug und auf Druck so unterschiedlich wirken kann.


Viereck und Dreieck

Baue mit vier Streifen und beweglichen Verbindungen ein Viereck. Verschiebe es seitlich. Ergänze anschließend eine Diagonale. Vergleiche die Formstabilität.

Die Beobachtung führt direkt zum Grundprinzip von Fachwerken: Triangulierung.


Typische Denkfehler

  1. „Eine Last nach unten erzeugt nur Druck.“ Falsch: Ein Fachwerk kann dieselbe äußere Last über Zug- und Druckstäbe weiterleiten.
  2. „Rot bedeutet immer Zug.“ Falsch: Farben sind Konventionen der jeweiligen Darstellung. Die Legende entscheidet.
  3. „Je flacher ein Seil, desto kleiner die Zugkraft.“ Falsch: Bei gleicher vertikaler Last steigt die notwendige Seilkraft stark an, wenn das Seil immer flacher wird.
  4. „Ein dicker Druckstab kann nicht versagen.“ Falsch: Materialfestigkeit und Knickstabilität müssen beide betrachtet werden.
  5. „Ein Kräfteplan zeigt die Form des Bauwerks.“ Falsch: Lageplan und Kräfteplan erfüllen unterschiedliche Aufgaben.
  6. „Ein reales Fachwerk besteht nur aus idealen Gelenken.“ Falsch: Die Gelenkannahme ist ein Modell zur vereinfachten Analyse.


Zusammenfassung

Zug- und Druckkräfte sind zentrale Größen der Statik. Zug versucht Bauteile zu verlängern, Druck versucht sie zu verkürzen. Fachwerke nutzen Dreiecke, damit Lasten über Stäbe zu den Auflagern übertragen werden. Im idealisierten Fachwerk tragen die Stäbe nur Kräfte entlang ihrer Achsen.

Auf G-Niveau steht das Erkennen und Beschreiben im Vordergrund. Auf M-Niveau analysierst Du Kräftepfade und begründest die Beanspruchung ausgewählter Stäbe. Auf E-Niveau stellst Du Kräfte maßstäblich als Vektoren dar und bestimmst unbekannte Stabkräfte an geeigneten zweidimensionalen Knoten durch das Schließen eines Kräftepolygons.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was kennzeichnet eine Zugbelastung? (Das Bauteil wird in Längsrichtung auseinandergezogen) (!Das Bauteil wird ausschließlich gebogen) (!Das Bauteil wird seitlich verschoben) (!Das Bauteil wird in Längsrichtung zusammengedrückt)




Was kennzeichnet eine Druckbelastung? (Das Bauteil wird in Längsrichtung zusammengedrückt) (!Das Bauteil wird nur erwärmt) (!Das Bauteil wird grundsätzlich verlängert) (!Das Bauteil wird immer verdreht)




Warum werden in Fachwerken häufig Dreiecke verwendet? (Dreiecke sind bei festen Seitenlängen formstabil) (!Dreiecke besitzen keine Knoten) (!Dreiecke können keine Druckkräfte übertragen) (!Dreiecke bestehen immer aus Seilen)




Welche Annahme gehört zum idealen Fachwerk? (Äußere Kräfte greifen an den Knoten an) (!Alle Stäbe werden nur gebogen) (!Jeder Knoten ist fest eingespannt) (!Alle Stäbe müssen gleich lang sein)




Was stellt die Länge eines Kraftpfeils bei festgelegtem Maßstab dar? (Den Betrag der Kraft) (!Die Masse des Bauwerks) (!Die Anzahl der Knoten) (!Die Länge des belasteten Stabs)




Welche Belastungsart kann ein ideales Seil aufnehmen? (Zug) (!Druck) (!Biegung) (!Torsion)




Welche Gefahr ist für einen schlanken Druckstab besonders typisch? (Knicken) (!Schlaffwerden wie bei einem Seil) (!Verdampfen) (!Magnetisieren)




Was zeigt ein geschlossenes Kräftepolygon an einem ruhenden Knoten? (Die Kräfte befinden sich im Gleichgewicht) (!Alle Kräfte zeigen nach unten) (!Alle Stäbe sind druckbelastet) (!Die Konstruktion besitzt keine Lager)




Wozu dient ein Cremonaplan? (Zur zeichnerischen Bestimmung von Stabkräften) (!Zur Bestimmung der Materialfarbe) (!Zur Messung der Temperatur) (!Zur Berechnung der elektrischen Leistung)




Welche Aussage gilt beim beschriebenen Wandkran mit 45 Grad Zugstab und 100 N Last? (Die Kraft im schrägen Zugstab ist größer als 100 N) (!Der schräge Zugstab ist völlig unbelastet) (!Der horizontale Stab kann nur Zug aufnehmen) (!Die Last verschwindet im Knoten)





Memory

Zugkraft Dehnung
Druckkraft Stauchung
Seil Zugglied
Stütze Druckglied
Dreieck Formstabilität
Knoten Verbindungsstelle
Kräfteplan Vektorgleichgewicht
Knicken Druckstabversagen





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Zugglied Seil
Druckglied Säule
Formstabile Grundfigur Dreieck
Verbindungsstelle Knoten
Zeichnerische Gleichgewichtsprüfung Kräftepolygon
Seitliches Ausweichen Knicken




...


Kreuzworträtsel

Zugkraft Welche Kraft versucht einen Stab auseinanderzuziehen?
Druckkraft Welche Kraft versucht einen Stab zusammenzudrücken?
Fachwerk Wie heißt eine Konstruktion aus verbundenen Stäben, die häufig Dreiecke bildet?
Knoten Wie heißt die Verbindungsstelle mehrerer Fachwerkstäbe?
Knicken Wie heißt das seitliche Ausweichen eines schlanken Druckstabs?
Vektor Wie heißt eine gerichtete Größe, mit der eine Kraft dargestellt werden kann?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Eine Kraft wird in technischen Zeichnungen häufig als

dargestellt.
Die Einheit des Kraftbetrags heißt

.
Wird ein Stab auseinandergezogen, liegt eine

vor.
Wird ein Stab zusammengedrückt, liegt eine

vor.
Schlanke Druckstäbe können unter hoher Belastung seitlich

.
Eine wichtige formstabile Grundfigur im Fachwerk ist das

.
Im idealisierten Fachwerk greifen äußere Lasten an den

an.
Im statischen Gleichgewicht ergibt die Vektorsumme aller Kräfte den

.
Bei einem Kraftmaßstab von einem Zentimeter für zwanzig Newton wird eine Kraft von hundert Newton als

langer Pfeil gezeichnet.
Ein Cremonaplan dient zur zeichnerischen Bestimmung von

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Zug-Druck-Fotosafari: Fotografiere oder skizziere fünf Bauwerke oder Alltagsgegenstände und markiere jeweils ein Bauteil, das wahrscheinlich auf Zug oder Druck belastet wird. Begründe Deine Zuordnung.
  2. Papierexperiment: Untersuche einen Papierstreifen auf Zug und Druck. Dokumentiere Beobachtung, Erklärung und eine technische Folgerung.
  3. Kraftpfeil-Poster: Gestalte ein Lernplakat, das Angriffspunkt, Richtung, Wirkungslinie und Betrag eines Kraftpfeils erklärt.
  4. Dreiecksmodell: Baue ein bewegliches Viereck und stabilisiere es mit einer Diagonale. Erkläre den Unterschied vor und nach der Triangulierung.


Standard

  1. Brückenanalyse: Wähle eine Fachwerkbrücke aus einem Foto. Markiere Gurte, Diagonalen und Knoten und begründe für mindestens vier Stäbe eine mögliche Zug- oder Druckbelastung.
  2. Krananalyse: Zeichne einen vereinfachten Wandkran als Dreieck. Trage die Last ein und kennzeichne einen Zug- und einen Druckstab.
  3. Parameterstudie: Untersuche im Wandkran- oder Seilmodell, wie sich die Kräfte bei veränderten Winkeln ändern. Dokumentiere mindestens drei Einstellungen und formuliere eine Regel.
  4. Lastpfad: Erstelle für eine Modellbrücke eine grafische Darstellung vom Angriffspunkt der Last bis zu den Lagern. Erkläre, wo die Konstruktion Kräfte umlenkt.


Schwer

  1. Geometrische Kraftbestimmung: Konstruiere für einen Knoten mit einer bekannten Last und zwei unbekannten Stabkräften einen maßstäblichen Kräfteplan. Bestimme die Stabkräfte und ordne Zug oder Druck zu.
  2. Fachwerk grafisch untersuchen: Wähle ein kleines statisch bestimmtes Fachwerk und bestimme für mehrere aufeinanderfolgende Knoten die Stabkräfte zeichnerisch.
  3. Brückenoptimierung: Entwirf zwei Fachwerkvarianten mit gleicher Spannweite. Baue Modelle mit gleichem Materialbudget, teste sie und bewerte Tragfähigkeit, Masse und Versagensart.
  4. Erklärvideo: Produziere ein kurzes Erklärvideo, in dem Du an einer Brücke oder einem Kran Zug, Druck, Knicken und die geometrische Kraftzerlegung verständlich demonstrierst.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Transfer Brücke: Eine Fachwerkbrücke wird nicht in der Mitte, sondern nahe an einem Auflager belastet. Erkläre, warum sich dadurch die Verteilung der Stabkräfte gegenüber einer mittigen Last verändert.
  2. Fehleranalyse: Eine Gruppe baut ein großes Rechteck aus vier gelenkig verbundenen Stäben und wundert sich über die geringe Seitenstabilität. Entwickle zwei konstruktive Verbesserungen und begründe sie mit statischen Prinzipien.
  3. Geometrische Analyse: Gegeben ist ein Knoten mit einer bekannten Last und zwei Stäben bekannter Richtung. Lege selbst einen sinnvollen Kraftmaßstab fest, konstruiere das Kräftepolygon und erkläre, wie Du aus den Pfeilrichtungen Zug und Druck erkennst.
  4. Werkstoffgerechte Gestaltung: Zwei Stäbe bestehen aus demselben Material und haben dieselbe Querschnittsfläche. Einer ist kurz, der andere sehr lang und schlank. Beide werden gedrückt. Begründe, warum ihr Versagensrisiko trotzdem unterschiedlich ist.
  5. Modellkritik: Erkläre an einem realen Fachwerk, welche Annahmen des idealen Fachwerks nur Näherungen sind und warum das vereinfachte Modell trotzdem nützlich bleibt.
  6. Optimierung: Eine Konstruktion soll bei gleicher Tragfähigkeit leichter werden. Entwickle drei mögliche Änderungen an Geometrie oder Bauteilanordnung und diskutiere jeweils einen möglichen Vorteil und Nachteil.




Lernnachweis

Für einen erfolgreichen Lernnachweis solltest Du zeigen, dass Du die Zusammenhänge nicht nur auswendig kennst, sondern auf neue Konstruktionen übertragen kannst.

  1. Du kannst Zugkraft und Druckkraft fachsprachlich unterscheiden und an Beispielen erkennen.
  2. Du kannst erklären, warum schlanke Druckstäbe knickgefährdet sind.
  3. Du kannst die Formstabilität des Dreiecks auf Fachwerke übertragen.
  4. Du kannst Lageplan und Kräfteplan unterscheiden.
  5. Du kannst Kraftpfeile nach Angriffspunkt, Richtung und Betrag lesen.
  6. Du kannst an einfachen Brücken und Kränen Kräftepfade beschreiben.
  7. Du kannst auf E-Niveau bei einem geeigneten zweidimensionalen Knoten ein maßstäbliches Kräftepolygon konstruieren und unbekannte Stabkräfte bestimmen.
  8. Du kannst Ergebnisse auf Plausibilität prüfen und Grenzen des idealisierten Fachwerkmodells benennen.




OERs zum Thema

Weitere sinnvolle interne Lernwege sind Statik, Kraft, Vektor, Fachwerk, Kräfteparallelogramm, Cremonaplan, Brücke, Kran und Leichtbau.


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