NWT9 - Windenergie untersuchen

NWT9 - Windenergie untersuchen
NWT9 - Windenergie untersuchen
Einleitung
Windenergie lässt sich besonders gut naturwissenschaftlich-technisch untersuchen, weil Du dabei ein reales Energiesystem als Modell nachbauen, Messgrößen erfassen, Daten auswerten und eine Konstruktion gezielt verbessern kannst. In diesem aiMOOC untersuchst Du, wie Windgeschwindigkeit, Rotor, Rotorblattform und Blattwinkel die Leistung eines Windkraftmodells beeinflussen. Dabei arbeitest Du wie in einem technischen Entwicklungsprozess: Du formulierst eine Forschungsfrage, planst einen fairen Vergleich, baust ein Modell, misst, wertest aus und begründest Verbesserungen.
Die zentrale Forschungsfrage lautet:
Wie verändern Windgeschwindigkeit, Rotorform und Blattwinkel die elektrische Leistung eines Windkraftmodells?
Für die Untersuchung ist wichtig, zwischen einem realen Windkraftwerk und einem Modell zu unterscheiden. Ein Modell bildet ausgewählte Zusammenhänge vereinfacht ab. Reibung, Turbulenzen, die Eigenschaften des Generators, die Größe des Rotors und die Strömungsverhältnisse können im Modell deutlich anders sein als bei einer großen Windkraftanlage.

Das Schema zeigt wichtige Bauteile einer Windkraftanlage. Achte besonders auf Rotorblatt, Generator, Blattverstellung und Windnachführung.
Das Video eignet sich als Überblick zu Aufbau, Funktion und Regelung einer Windkraftanlage.
Lernziele und Differenzierung G/M/E
Die drei Niveaus bauen aufeinander auf. Du kannst Aufgaben auf Deinem Niveau bearbeiten und anschließend einzelne Anforderungen des nächsthöheren Niveaus ausprobieren.
| Bereich | G – grundlegendes Niveau | M – mittleres Niveau | E – erweitertes Niveau |
|---|---|---|---|
| System verstehen | Du beschreibst die Energieumwandlung vom Wind bis zur elektrischen Energie und benennst zentrale Bauteile. | Du erklärst die Funktion von Rotor, Welle, Generator und Blattverstellung im Zusammenhang. | Du erklärst zusätzlich, warum aerodynamische Verluste und Regelung die nutzbare Leistung begrenzen. |
| Experimentieren | Du führst einen vorgegebenen Modellversuch sicher durch und protokollierst Messwerte. | Du planst einen fairen Vergleich mit unabhängiger, abhängiger und kontrollierten Variablen. | Du entwickelst eine eigene Versuchsvariante, analysierst Messunsicherheit und beurteilst die Modellgrenzen. |
| Auswerten | Du liest Tabellen und Diagramme und vergleichst Messwerte. | Du berechnest Mittelwerte sowie elektrische Leistung und beschreibst Trends. | Du setzt Messdaten in Beziehung zur theoretischen Windleistung und diskutierst Abweichungen. |
| Bewerten | Du nennst Vor- und Nachteile verschiedener Rotorvarianten. | Du begründest eine konstruktive Verbesserung mit Messdaten. | Du bewertest Zielkonflikte zwischen Leistung, Material, Belastung, Geräusch und Sicherheit. |
Wie eine Windkraftanlage Energie umwandelt
Wind ist bewegte Luft und besitzt deshalb kinetische Energie. Ein Rotor entnimmt der Luft einen Teil dieser Energie. Die Rotorblätter erzeugen durch ihre Form und Anstellung Kräfte, die den Rotor in Drehung versetzen. Die Welle überträgt die mechanische Rotationsenergie auf einen Generator, der elektrische Energie bereitstellt.
Die vereinfachte Energiekette lautet:
| Energieform | Technische Funktion |
|---|---|
| Bewegungsenergie des Windes | Luft strömt durch die Rotorfläche. |
| Rotationsenergie des Rotors | Aerodynamische Kräfte erzeugen Drehmoment. |
| Mechanische Energie an der Welle | Die Drehbewegung wird zum Generator übertragen. |
| Elektrische Energie | Der Generator erzeugt eine elektrische Spannung und kann an einer Last elektrische Leistung abgeben. |

Große Anlagen sind meist Horizontalachsen-Windkraftanlagen. Es gibt aber auch andere Rotorkonzepte, zum Beispiel Savonius- oder Darrieus-Rotoren mit vertikaler Achse.

Rotorblätter sind keine einfachen Bretter
Ein Rotorblatt ist aerodynamisch geformt. Bei modernen Anlagen ändern sich Profil, Breite und Verdrehung entlang des Blatts. Der Grund: Ein Punkt nahe der Blattspitze bewegt sich bei derselben Drehzahl schneller als ein Punkt nahe der Nabe. Deshalb unterscheiden sich die lokalen Strömungsverhältnisse über die Blattlänge.

Der Querschnitt eines Rotorblatts erinnert an ein Tragflächenprofil. Aus dem Zusammenspiel von Strömung, Profil und Anstellwinkel entstehen Auftriebs- und Widerstandskräfte. Für das Windrad ist nicht einfach „möglichst viel Widerstand“ günstig, sondern eine Rotorform, die ein nutzbares Drehmoment mit möglichst geringen Verlusten erzeugt.

Im Video sind insbesondere die Abschnitte zu Blattprofil, Auftrieb, Widerstand, Blattwinkel und Anzahl der Rotorblätter für diesen aiMOOC interessant.
Blattwinkel und Pitch
Als Blattwinkel oder Pitch wird die Verstellung eines Rotorblatts gegenüber seiner Bezugsstellung bezeichnet. Für einen Schulversuch musst Du die Winkeldefinition eindeutig festlegen. Eine praktikable Definition lautet:
β ist der Winkel zwischen der Blattfläche beziehungsweise Profilsehne und der Rotorebene.
Bei β = 0° liegt ein flaches Blatt nahezu in der Rotorebene. Bei großen Winkeln steht es stärker gegen die anströmende Luft. Welche Stellung die größte Leistung liefert, hängt von Blattprofil, Rotordrehzahl, Generatorlast und Strömung ab. Deshalb solltest Du den optimalen Winkel messen statt ihn nur zu vermuten.
Die Blattverstellung realer Anlagen kann die Leistungsaufnahme steuern und bei starkem Wind die Belastung begrenzen. Im Modell untersuchst Du denselben Grundgedanken in vereinfachter Form.
Die wichtigste Einflussgröße: Windgeschwindigkeit
Für eine gleichmäßig anströmende Rotorfläche kann die im Wind enthaltene Leistung idealisiert beschrieben werden durch:
PWind = 1/2 · ρ · A · v³
Dabei ist ρ die Luftdichte, A die durchströmte Rotorfläche und v die Windgeschwindigkeit. Für einen Kreisrotor gilt:
A = π · r²
Der entscheidende Zusammenhang ist v³. Wenn sich die Windgeschwindigkeit verdoppelt und alle anderen Größen gleich bleiben, steigt die theoretisch im Wind enthaltene Leistung um den Faktor 2³ = 8. Ein Windkraftmodell liefert trotzdem nicht automatisch achtmal so viel elektrische Leistung, denn Rotor, Generator, Reibung und elektrische Last haben eigene Wirkungsgrade.
| Windgeschwindigkeit v | v³ | Relative Windleistung bei gleicher Rotorfläche |
|---|---|---|
| 2 m/s | 8 | 1,0 |
| 3 m/s | 27 | 3,38 |
| 4 m/s | 64 | 8,0 |
| 5 m/s | 125 | 15,63 |
| 6 m/s | 216 | 27,0 |
Die Tabelle zeigt nur den theoretischen Einfluss von v³. Sie ist keine Messreihe eines konkreten Windrads.
Warum nicht die gesamte Windleistung genutzt werden kann
Ein Rotor kann der Luft nicht die gesamte Bewegungsenergie entziehen, weil die Luft hinter dem Rotor weiterströmen muss. Das Betzsche Gesetz beschreibt für einen idealisierten Rotor einen maximalen Leistungsbeiwert von:
cP,max = 16/27 ≈ 0,593 = 59,3 %
Reale Anlagen bleiben wegen aerodynamischer, mechanischer und elektrischer Verluste unter dieser idealen Grenze. Für Klasse 9 ist vor allem die Idee wichtig: Eine Windkraftanlage kann nur einen Teil der im Wind vorhandenen Leistung in nutzbare Leistung umwandeln.
Reale Leistungskurve statt unbegrenzter v³-Zunahme
Eine reale Anlage wird geregelt. Unterhalb einer bestimmten Windgeschwindigkeit erzeugt sie keine nutzbare Leistung. In einem mittleren Bereich steigt die Leistung deutlich an. Ab der Nennleistung wird die Anlage geregelt, und bei sehr starkem Wind kann sie aus Sicherheitsgründen abgeschaltet werden.

Die idealisierte Leistungskurve hilft Dir, einen wichtigen Unterschied zu erkennen: Die Formel für die im Wind enthaltene Leistung beschreibt nicht automatisch die elektrische Ausgangsleistung einer real geregelten Windkraftanlage.
Messen statt raten
Für eine gute Untersuchung brauchst Du eine klare Zuordnung von Variablen.
| Rolle im Experiment | Beispiel beim Windkraftmodell |
|---|---|
| Unabhängige Variable | Die Größe, die Du gezielt veränderst, zum Beispiel Windgeschwindigkeit oder Blattwinkel. |
| Abhängige Variable | Die Größe, deren Reaktion Du misst, zum Beispiel elektrische Leistung. |
| Kontrollvariablen | Größen, die möglichst gleich bleiben, zum Beispiel Rotordurchmesser, Blattzahl, Blattmaterial, Generator, Lastwiderstand, Messdauer und Ausrichtung. |
Wenn Du zwei Einflussgrößen gleichzeitig veränderst, kannst Du später kaum entscheiden, welche Veränderung den beobachteten Effekt verursacht hat. Deshalb gilt: Pro Messreihe möglichst nur eine unabhängige Variable verändern.

Ein Anemometer misst die Windgeschwindigkeit. Bei einem Ventilator ist die Strömung über der Rotorfläche nicht überall gleich. Miss deshalb möglichst am späteren Rotorort und dokumentiere die Messposition.
Elektrische Leistung bestimmen
Wenn Spannung U und Stromstärke I gemessen werden, gilt:
Pel = U · I
Bei einem festen Lastwiderstand R kannst Du alternativ die Spannung am Widerstand messen und berechnen:
Pel = U² / R
Die zweite Methode ist für kleine Schulmodelle praktisch, weil Du nur eine Spannung messen musst. Der Widerstand muss während einer Messreihe unverändert bleiben.
Modellversuch: Windkraftanlage im Kleinformat
Ziel des Versuchs ist ein einfacher, reproduzierbarer Vergleich. Du untersuchst zuerst die Windgeschwindigkeit und anschließend den Blattwinkel. Danach kannst Du als Erweiterung verschiedene Rotorformen vergleichen.

Das Bild zeigt ein professionelles Windkraftmodell im Windkanal. Dein Schulversuch ist einfacher, folgt aber demselben Grundprinzip: kontrollierte Strömung, definierte Geometrie, Messung und Vergleich.
Material für den Schulversuch
| Material | Funktion |
|---|---|
| Kleiner Gleichstrommotor für Kleinspannung | Wird als Generator verwendet. |
| Stabile Halterung mit Achse und Rotornabe | Hält den Rotor sicher und möglichst reibungsarm. |
| Drei gleich große Rotorblätter aus festem Papier, dünner Pappe oder leichtem Kunststoff | Austauschbare Versuchsblätter. |
| Winkelmesser oder ausgedruckte Winkelskala | Einstellen des Blattwinkels. |
| Ventilator mit Schutzgitter | Erzeugt die Anströmung. |
| Anemometer | Misst die Windgeschwindigkeit am Rotorort. |
| Multimeter | Misst die Generatorspannung; optional zusätzlich den Strom. |
| Fester Lastwiderstand, zum Beispiel 100 Ω | Ermöglicht einen definierten elektrischen Lastfall. |
| Maßband | Dokumentiert Abstände. |
| Schutzbrille und freie Arbeitsfläche | Erhöhen die Sicherheit beim Experimentieren. |
Sicherheit
Der Rotor muss fest sitzen. Verwende keine scharfkantigen Metallblätter. Halte Hände, Haare, Kleidung und Kabel vom drehenden Rotor fern. Verwende einen Ventilator mit Schutzgitter und nur Kleinspannung. Schalte den Ventilator aus, bevor Du Rotorblätter oder Blattwinkel veränderst. Wenn ein Rotor stark vibriert, stoppe den Versuch und prüfe Symmetrie und Befestigung.
Aufbau
Stelle Ventilator und Windkraftmodell so auf, dass die Rotorachse möglichst parallel zur Strömungsrichtung steht. Miss die Windgeschwindigkeit an der Position, an der später der Rotor steht. Verbinde den Generator mit einem festen Lastwiderstand und miss die Spannung am Widerstand. Markiere die Blattwinkel an der Nabe so, dass alle Blätter denselben Winkel erhalten.
Das Science-Buddies-Video zeigt eine einfache Modellwindturbine und eignet sich als Bauanregung. Übernimm nicht unkritisch jede Konstruktion, sondern passe sie an Deine Forschungsfrage und die vorhandenen Schulmaterialien an.
Teilversuch A: Einfluss der Windgeschwindigkeit
Forschungsfrage: Wie verändert sich die elektrische Leistung des Modells mit der Windgeschwindigkeit?
Hypothese: Formuliere vor der Messung eine begründete Erwartung. Orientiere Dich an PWind ∝ v³, beachte aber, dass Dein Modell Verluste hat.
Durchführung:
- Stelle Rotorform, Blattzahl, Blattwinkel und Lastwiderstand fest ein.
- Wähle mindestens vier verschiedene Anströmungen und miss für jede Einstellung die tatsächliche Windgeschwindigkeit am Rotorort.
- Warte nach jeder Änderung kurz, bis sich die Drehzahl stabilisiert.
- Messe die Spannung mindestens dreimal pro Windgeschwindigkeit.
- Berechne den Mittelwert der Spannung und daraus bei festem R die elektrische Leistung P = U²/R.
- Trage P gegen v in ein Diagramm ein und beschreibe den Verlauf.
Messprotokoll:
| v in m/s | U1 in V | U2 in V | U3 in V | Mittelwert U in V | P = U²/R |
|---|---|---|---|---|---|
Teilversuch B: Einfluss des Blattwinkels
Forschungsfrage: Welcher Blattwinkel liefert bei festgehaltener Windgeschwindigkeit die größte elektrische Leistung?
Durchführung:
- Wähle eine gut messbare, während der gesamten Reihe möglichst konstante Windgeschwindigkeit.
- Verwende für alle Messungen dieselben Rotorblätter, dieselbe Blattzahl und denselben Lastwiderstand.
- Stelle beispielsweise mehrere deutlich verschiedene Blattwinkel ein und dokumentiere Deine Winkeldefinition.
- Messe für jeden Blattwinkel mindestens dreimal die Spannung.
- Berechne Mittelwerte und elektrische Leistungen.
- Stelle die Leistung in Abhängigkeit vom Blattwinkel grafisch dar.
- Begründe, warum ein Maximum auftreten kann, statt dass „größerer Winkel“ automatisch „größere Leistung“ bedeutet.
Messprotokoll:
| Blattwinkel β | v in m/s | U1 in V | U2 in V | U3 in V | Mittelwert U | P |
|---|---|---|---|---|---|---|
Teilversuch C: Rotorform vergleichen
Für eine Erweiterung stellst Du mehrere Rotorsätze mit gleicher Blattfläche, gleichem Material und gleicher Blattlänge her, aber mit unterschiedlicher Form. Geeignet sind zum Beispiel ein rechteckiges Blatt, ein zur Spitze schmaler werdendes Blatt und ein leicht gewölbtes Blatt. Die Vergleichsbedingungen müssen gleich bleiben.

Die Form eines Blatts beeinflusst die Strömung. Ein fairer Vergleich erfordert aber mehr als „anders aussehen“: Halte alle anderen Größen so konstant wie möglich und wiederhole jede Messung.
Beispielmessdaten zur Auswertung
Die folgenden Werte sind didaktische Beispieldaten und keine real gemessenen Daten einer konkreten Anlage. Sie zeigen, wie eine Messreihe mit einem festen Lastwiderstand von R = 100 Ω ausgewertet werden könnte.
| v in m/s | mittlere Spannung U in V | berechnete Leistung P = U²/R in mW |
|---|---|---|
| 2,0 | 0,12 | 0,144 |
| 3,0 | 0,21 | 0,441 |
| 4,0 | 0,34 | 1,156 |
| 5,0 | 0,50 | 2,500 |
| 6,0 | 0,67 | 4,489 |
G: Beschreibe, wie sich die Leistung mit steigender Windgeschwindigkeit verändert.
M: Berechne für zwei benachbarte Messpunkte den Faktor, um den v und P jeweils zunehmen.
E: Prüfe, ob die Messdaten exakt einem v³-Gesetz folgen. Erkläre mögliche Abweichungen mit Eigenschaften des Modells, des Generators, der Strömung und der Messung.
Messunsicherheit und fairer Vergleich
Messwerte schwanken. Ursachen können Turbulenzen des Ventilators, ungenaue Blattwinkel, Reibung, leicht unterschiedliche Blätter, Erwärmung des Motors, Kontaktwiderstände und eine nicht exakt reproduzierbare Rotorposition sein. Eine einzelne Messung reicht deshalb selten aus.
Ein guter Datensatz enthält Wiederholungsmessungen, Mittelwerte und eine Dokumentation der Bedingungen. Auf E-Niveau kannst Du zusätzlich die Spannweite oder eine andere Streuungsgröße angeben und entscheiden, ob Unterschiede zwischen zwei Varianten groß genug sind, um nicht nur durch Messschwankungen erklärt zu werden.
Von Messdaten zum Diagramm
Für ein aussagekräftiges Diagramm kommt die unabhängige Variable auf die x-Achse und die abhängige Variable auf die y-Achse. Beschrifte beide Achsen mit Größe und Einheit. Verwende eine sinnvolle Skalierung und trage Messpunkte gut lesbar ein.
Bei Teilversuch A: x-Achse v in m/s, y-Achse P in W oder mW.
Bei Teilversuch B: x-Achse Blattwinkel β in Grad, y-Achse P in W oder mW.
Bei Teilversuch C: Wenn Du nur wenige diskrete Rotorformen vergleichst, eignet sich ein Säulendiagramm besser als eine verbundene Kurve.

Eine reale Leistungskurve ist kein Diagramm Deiner Modellmessung, aber sie zeigt, wie technische Messdaten genutzt werden, um das Betriebsverhalten einer Windkraftanlage zu beschreiben.
Interaktive Simulationen
Simulationen erlauben Dir, Variablen schnell zu verändern und Zusammenhänge zu erkennen. Sie ersetzen den Modellversuch nicht, weil jede Simulation Annahmen enthält. Nutze sie deshalb zum Vorhersagen, Prüfen und Vergleichen.
Simulation 1: Wind Turbine Blade Design Lab
In dieser Simulation kannst Du Blattzahl, Blattlänge, Blattwinkel und Windgeschwindigkeit verändern und Messpunkte speichern.
G-Auftrag: Verändere nur die Windgeschwindigkeit und beschreibe, was mit der Leistung geschieht.
M-Auftrag: Halte Windgeschwindigkeit und Blattlänge fest und suche einen Blattwinkel mit hoher Leistung. Dokumentiere mindestens fünf Einstellungen.
E-Auftrag: Erkläre, warum ein Simulationsoptimum kein universell „bester Blattwinkel“ für jedes reale Windrad ist.
Simulation 2: Wind Turbine Simulator
Die Simulation stellt Windgeschwindigkeit, Blattwinkel, Rotordurchmesser und Blattzahl einander gegenüber und zeigt unter anderem Leistung und Leistungsbeiwert.
G-Auftrag: Verdopple bei sonst gleichen Einstellungen die Windgeschwindigkeit und beobachte die Leistungsänderung.
M-Auftrag: Verändere den Rotordurchmesser und erkläre den Zusammenhang über die Rotorfläche A = πr².
E-Auftrag: Vergleiche die angezeigte Leistung mit der Betz-Grenze und formuliere mindestens zwei Annahmen, die in einer Simulation einfacher sind als in einem realen Schulversuch.
Auswertung nach G/M/E
| Niveau | Erwartete Auswertung | Geeignete Satzanfänge |
|---|---|---|
| G | Messwerte ordnen, Tendenz beschreiben, bestes Versuchsergebnis nennen. | „Mit zunehmender …“, „Die größte gemessene Leistung …“, „Auffällig ist …“ |
| M | Mittelwerte und Leistungen berechnen, Diagramme vergleichen, kontrollierte Variablen benennen. | „Unter gleichen Bedingungen …“, „Der Vergleich zeigt …“, „Die Messreihe spricht dafür …“ |
| E | Theorie und Messung vergleichen, Unsicherheiten diskutieren, Modellgrenzen und Optimierungsvorschlag begründen. | „Die Abweichung vom Modell lässt sich erklären durch …“, „Die Aussage ist belastbar, weil …“, „Zur Verbesserung würde ich …“ |
Technische Optimierung: Nicht nur maximale Leistung zählt
Eine gute technische Lösung entsteht aus mehreren Anforderungen. Ein Rotor mit hoher Leistung kann gleichzeitig stärker schwingen, lauter sein oder höhere Kräfte auf Bauteile übertragen. Im Schulmodell solltest Du deshalb nicht nur den höchsten Messwert suchen, sondern auch Laufstabilität, Materialaufwand, Sicherheit und Reproduzierbarkeit berücksichtigen.

Das große Rotorblatt im Größenvergleich macht deutlich, dass reale Windenergieanlagen zusätzlich enorme Anforderungen an Werkstoff, Transport, Montage und Belastbarkeit stellen.
Forschungsstrategie für Deine Gruppe
| Phase | Leitfrage | Ergebnis |
|---|---|---|
| Fragen | Welche Einflussgröße untersuchen wir? | Eine klar formulierte Forschungsfrage. |
| Vermuten | Welchen Verlauf erwarten wir und warum? | Eine begründete Hypothese. |
| Planen | Was verändern wir, was messen wir, was halten wir konstant? | Ein fairer Versuchsplan. |
| Bauen | Ist der Rotor sicher, symmetrisch und verstellbar? | Ein funktionsfähiges Modell. |
| Messen | Sind Bedingungen und Messwiederholungen dokumentiert? | Eine Messwerttabelle. |
| Auswerten | Welcher Trend ist erkennbar? | Berechnungen und Diagramm. |
| Bewerten | Wie sicher ist unsere Aussage? | Fehleranalyse und Modellkritik. |
| Optimieren | Welche Änderung ist durch Daten begründet? | Verbesserte Rotorvariante. |
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welche Energiekette beschreibt eine Windkraftanlage am besten? (Bewegungsenergie des Windes wird zu Rotationsenergie und schließlich zu elektrischer Energie) (!Elektrische Energie wird zuerst zu Wärme und dann zu Wind) (!Lageenergie des Rotors wird direkt zu Lichtenergie) (!Chemische Energie des Windes wird zu elektrischer Energie)
Wie verändert sich die theoretisch im Wind enthaltene Leistung bei doppelter Windgeschwindigkeit und gleicher Rotorfläche? (Sie wird achtmal so groß) (!Sie wird doppelt so groß) (!Sie wird viermal so groß) (!Sie bleibt gleich)
Welche Formel beschreibt die Fläche eines kreisförmigen Rotors? (A gleich Pi mal r zum Quadrat) (!A gleich zwei mal Pi mal r) (!A gleich r geteilt durch Pi) (!A gleich Pi mal r)
Was sollte bei einer Messreihe zum Einfluss der Windgeschwindigkeit möglichst konstant bleiben? (Rotorform Blattwinkel Generator und elektrische Last) (!Windgeschwindigkeit) (!Messwert der Leistung) (!Unabhängige Variable)
Warum sind Wiederholungsmessungen sinnvoll? (Sie helfen zufällige Schwankungen zu erkennen und Mittelwerte zu bilden) (!Sie verändern die physikalischen Gesetze) (!Sie machen Kontrollvariablen unnötig) (!Sie ersetzen die Dokumentation)
Was beeinflusst der Blattwinkel besonders? (Das Zusammenspiel von aerodynamischen Kräften und damit die Rotorleistung) (!Nur die Farbe des Rotors) (!Nur die Länge des Turms) (!Nur die Luftdichte im Raum)
Welches Messgerät wird zur Messung der Windgeschwindigkeit verwendet? (Anemometer) (!Voltmeter) (!Ohmmeter) (!Thermometer)
Wie berechnet man elektrische Leistung aus Spannung und Stromstärke? (P gleich U mal I) (!P gleich U plus I) (!P gleich U geteilt durch I) (!P gleich I minus U)
Wie groß ist die theoretische Betz Obergrenze des Leistungsbeiwerts ungefähr? (59 Komma 3 Prozent) (!100 Prozent) (!25 Prozent) (!90 Prozent)
Was ist eine wichtige Eigenschaft eines naturwissenschaftlichen Modells? (Es vereinfacht die Wirklichkeit und bildet ausgewählte Zusammenhänge ab) (!Es ist immer vollständig identisch mit der Wirklichkeit) (!Es enthält niemals Annahmen) (!Es macht Messungen grundsätzlich überflüssig)
Memory
| Anemometer | Windgeschwindigkeitsmessung |
| Rotorfläche | Überstrichene Kreisfläche |
| Blattwinkel | Aerodynamische Verstellung |
| Generator | Energieumwandlung zu Strom |
| Leistungsbeiwert | Nutzbarer Anteil der Windleistung |
| Kontrollvariable | Konstant gehaltene Größe |
| Mittelwert | Zusammenfassung wiederholter Messungen |
| Betzgrenze | Theoretische Obergrenze |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Windgeschwindigkeit | Anströmung |
| Blattwinkel | Rotoreinstellung |
| Rotorfläche | Geometrische Einflussgröße |
| Spannung | Elektrische Messgröße |
| Leistung | Energie pro Zeit |
| Kontrollvariable | Konstante Versuchsbedingung |
Kreuzworträtsel
| Anemometer | Welches Gerät misst die Windgeschwindigkeit? |
| Generator | Welches Bauteil wandelt Rotationsenergie in elektrische Energie um? |
| Rotorblatt | Welches Bauteil wird vom Wind aerodynamisch angeströmt? |
| Leistung | Welche physikalische Größe beschreibt umgesetzte Energie pro Zeit? |
| Aerodynamik | Welches Fachgebiet untersucht Kräfte und Strömung an Körpern in Luft? |
| Mittelwert | Welche Kenngröße fasst mehrere Wiederholungsmessungen zusammen? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Energiekette: Zeichne die Energieumwandlung einer Windkraftanlage vom Wind bis zur elektrischen Energie und beschrifte mindestens vier Stationen.
- Rotorblatt: Skizziere drei mögliche Rotorblattformen und markiere, worin sie sich unterscheiden.
- Messprotokoll: Erstelle eine saubere Vorlage für eine Messreihe mit Windgeschwindigkeit, Spannung, drei Wiederholungen und Mittelwert.
- Windkraftmodell: Fotografiere oder zeichne den Versuchsaufbau und kennzeichne Ventilator, Rotor, Generator, Messgerät und Last.
Standard
- Blattwinkel: Plane und führe eine Messreihe mit mindestens fünf verschiedenen Blattwinkeln durch und erstelle ein Diagramm der elektrischen Leistung.
- Windgeschwindigkeit: Untersuche mindestens vier Windgeschwindigkeiten und vergleiche den gemessenen Trend mit der Erwartung aus v³.
- Rotorform: Entwickle zwei Rotorsätze, die sich nur in der Blattgeometrie unterscheiden, und begründe, warum Dein Vergleich fair ist.
- Fehleranalyse: Identifiziere mindestens fünf mögliche Fehlerquellen Deines Aufbaus und schlage zu jeder eine konkrete Verbesserung vor.
Schwer
- Modellkritik: Vergleiche Dein Windkraftmodell mit einer realen Windkraftanlage und erkläre mindestens vier Grenzen der Übertragbarkeit.
- Messunsicherheit: Führe Wiederholungsmessungen durch, bestimme Mittelwert und Spannweite und diskutiere, ob zwei Rotorvarianten wirklich unterscheidbar sind.
- Optimierung: Entwickle auf Basis Deiner Daten eine verbesserte Rotorvariante, teste sie erneut und dokumentiere den vollständigen Entwicklungszyklus.
- Wissenschaftskommunikation: Produziere ein zwei- bis dreiminütiges Erklärvideo oder eine digitale Posterpräsentation, in der Forschungsfrage, Versuchsdesign, Diagramm, Ergebnis und Modellgrenzen verständlich dargestellt werden.


Lernkontrolle
- Versuchsplanung: Eine Gruppe verändert gleichzeitig Windgeschwindigkeit und Blattwinkel und misst danach eine höhere Leistung. Erkläre, warum daraus keine eindeutige Ursache abgeleitet werden kann, und verbessere den Versuchsplan.
- Dateninterpretation: Zwei Rotorformen liefern fast gleiche Mittelwerte, aber stark schwankende Einzelmessungen. Entscheide, welche zusätzlichen Messungen oder Auswertungen nötig sind, bevor eine „beste“ Form gewählt wird.
- Transfer Windleistung: Begründe ohne bloßes Auswendiglernen, warum eine mäßige Erhöhung der Windgeschwindigkeit die verfügbare Windleistung stark verändern kann und warum reale Anlagen trotzdem nicht unbegrenzt mehr Leistung liefern.
- Modell und Wirklichkeit: Übertrage ein Ergebnis Deines Schulmodells auf eine große Windkraftanlage und nenne mindestens drei Gründe, warum diese Übertragung nur eingeschränkt gilt.
- Technische Entscheidung: Rotor A liefert etwas mehr Leistung, Rotor B läuft ruhiger und benötigt weniger Material. Entwickle Kriterien für eine begründete technische Entscheidung und gewichte sie.
- Simulation und Experiment: Eine Simulation zeigt ein klares Optimum beim Blattwinkel, Dein Experiment aber nicht. Formuliere mindestens drei mögliche Erklärungen und beschreibe, wie Du sie überprüfen würdest.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur Fachbegriffe kennst, sondern einen vollständigen Untersuchungsprozess nachvollziehbar dokumentierst.
- Forschungsfrage: Eine klar eingegrenzte Frage zu Windgeschwindigkeit, Blattwinkel oder Rotorform.
- Hypothese: Eine begründete und überprüfbare Vorhersage.
- Versuchsdesign: Unabhängige, abhängige und kontrollierte Variablen sind erkennbar.
- Sicher experimentieren: Aufbau und Durchführung beachten Schutzmaßnahmen.
- Messdaten: Wiederholungsmessungen, Einheiten und Versuchsbedingungen sind dokumentiert.
- Auswertung: Mittelwerte, elektrische Leistung und mindestens ein passendes Diagramm sind korrekt.
- Fehleranalyse: Messunsicherheiten und Modellgrenzen werden konkret diskutiert.
- Technische Optimierung: Eine Verbesserung wird mit Daten und nicht nur mit Vermutungen begründet.
OERs zum Thema
Weitere freie und interaktive Lernmedien
- Wikimedia Commons: Wind turbines: Freie Bilder und Diagramme zu Windkraftanlagen.
- Wind Turbine Blade Design Lab: Interaktive Untersuchung von Blattzahl, Blattlänge, Blattwinkel und Windgeschwindigkeit.
- Wind Turbine Simulator: Interaktive Visualisierung von Rotorparametern, Leistung und Betz-Grenze.
- Science Buddies Wind Turbine Project: Bau- und Untersuchungsideen für ein Windkraftmodell.
- Vernier Blade Variable Pitch: Experimentieridee zum Einfluss des Blattwinkels.
Verknüpfte Lernbereiche
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