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Multiple Intelligenzen - Pädagogik

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Multiple Intelligenzen - Pädagogik




Multiple Intelligenzen - Pädagogik

Studienfach: Pädagogik


Einleitung

Die Theorie der multiplen Intelligenzen wurde vom US-amerikanischen Entwicklungspsychologen Howard Gardner formuliert und 1983 in seinem Buch Frames of Mind: The Theory of Multiple Intelligences erstmals umfassend veröffentlicht. Sie kritisiert die Vorstellung, menschliche Intelligenz lasse sich hinreichend als einheitliche allgemeine Fähigkeit beschreiben und ausschließlich durch klassische Intelligenztests erfassen. Gardner schlägt stattdessen mehrere relativ eigenständige intellektuelle Potenziale vor, mit denen Menschen Probleme lösen oder kulturell bedeutsame Produkte hervorbringen können.

Für die Pädagogik ist die Theorie besonders interessant, weil sie den Blick auf unterschiedliche Stärken, Ausdrucksformen und Zugänge zu Lerngegenständen lenkt. Zugleich ist sie wissenschaftlich umstritten: Die postulierte Unabhängigkeit der einzelnen Intelligenzen ist empirisch nicht überzeugend bestätigt, standardisierte und allgemein anerkannte Messverfahren fehlen, und viele Befunde der psychometrischen Intelligenzforschung sprechen für übergreifende Zusammenhänge zwischen kognitiven Leistungen. Deshalb behandelt dieser aiMOOC die multiplen Intelligenzen weder als gesicherte Diagnostik noch als festes Persönlichkeitsmodell, sondern als einflussreiche Theorie, pädagogische Denkfigur und Gegenstand evidenzorientierter Kritik.

Du lernst, Gardners Ansatz begrifflich einzuordnen, die acht vorgeschlagenen Intelligenzen zu unterscheiden, pädagogische Anwendungen zu planen, typische Fehlinterpretationen zu erkennen und den Forschungsstand kritisch zu beurteilen. Der Kurs richtet sich besonders an Studierende der Erziehungswissenschaft, Lehramtsstudierende, pädagogische Fachkräfte und alle, die sich mit Didaktik, Diagnostik, Inklusion und Unterrichtsentwicklung beschäftigen.


Lernziele

Nach der Bearbeitung dieses aiMOOCs kannst Du

  1. Intelligenzbegriffe aus pädagogischer und psychologischer Perspektive unterscheiden.
  2. die Entstehung und Grundannahmen der Theorie der multiplen Intelligenzen erläutern.
  3. die acht von Gardner beschriebenen Intelligenzen fachlich korrekt charakterisieren.
  4. Multiple Intelligenzen von Lernstilen, Interessen, Talenten, Schulfächern und Berufen abgrenzen.
  5. Chancen und Risiken einer Anwendung in Unterricht, Erwachsenenbildung und Sozialpädagogik analysieren.
  6. empirische Befunde, methodische Probleme und wissenschaftliche Kritik nachvollziehen.
  7. Lernarrangements entwickeln, die vielfältige Zugänge ermöglichen, ohne Lernende zu etikettieren.
  8. Formen der Leistungsbeurteilung anhand transparenter Kriterien und gemeinsamer Lernziele planen.


Historische und theoretische Grundlagen


Howard Gardner und Project Zero

Howard Gardner entwickelte die Theorie in den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren im Umfeld von Project Zero an der Harvard Graduate School of Education. Seine Überlegungen verbanden Erkenntnisse aus Entwicklungspsychologie, Neuropsychologie, Anthropologie, Biografieforschung, Begabungsforschung und der Untersuchung kulturell unterschiedlicher Leistungen. Eine wichtige Rolle spielten Beobachtungen an Menschen mit umschriebenen Hirnschädigungen, an sogenannten Savants sowie an Personen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten.

Die Theorie wurde 1983 veröffentlicht. Zunächst beschrieb Gardner sieben Intelligenzen. Später ergänzte er die naturalistische Intelligenz. Die existenzielle und die pädagogische Intelligenz diskutierte er als mögliche Kandidatinnen, nahm sie aber nicht in gleicher Weise in den etablierten Kern der acht Intelligenzen auf.


Gardners Intelligenzbegriff

Gardner versteht eine Intelligenz als ein biopsychologisches Potenzial, Informationen auf bestimmte Weise zu verarbeiten, um Probleme zu lösen oder Produkte hervorzubringen, die in mindestens einem kulturellen Kontext als bedeutsam gelten. Damit verbindet er individuelle Fähigkeiten mit gesellschaftlichen und kulturellen Bewertungsmaßstäben.

Die Formulierung enthält mehrere wichtige Gedanken:

  1. Potenzial: Eine Intelligenz ist nicht einfach eine beobachtbare Einzelleistung, sondern eine entwickelbare Möglichkeit.
  2. Problemlösen: Intelligentes Handeln zeigt sich beim Bewältigen echter Anforderungen.
  3. Produkt: Auch das Gestalten kulturell bedeutsamer Werke kann Ausdruck intellektueller Leistung sein.
  4. Kultur: Was als wertvolle Leistung gilt, hängt teilweise von historischen und gesellschaftlichen Zusammenhängen ab.
  5. Entwicklung: Biologische Voraussetzungen, Lerngelegenheiten, Motivation, Übung und soziale Unterstützung wirken zusammen.

Gardners Ansatz richtet sich gegen eine Verengung von Intelligenz auf schulnahe sprachliche und mathematische Testleistungen. Er bestreitet nicht notwendig, dass sich Leistungen in verschiedenen Tests überschneiden. Er bezweifelt jedoch, dass ein einziger Kennwert die gesamte Bandbreite menschlicher intellektueller Potenziale angemessen repräsentiert.


Kriterien für eine mögliche Intelligenz

Gardner legte mehrere Anzeichen fest, anhand derer geprüft werden soll, ob eine Fähigkeit als eigenständige Intelligenz gelten kann. Dazu gehören Befunde aus unterschiedlichen Forschungsfeldern. Häufig genannt werden:

  1. die mögliche isolierte Beeinträchtigung einer Fähigkeit durch Hirnschädigung.
  2. das Auftreten außergewöhnlicher Leistungen bei Savants, Wunderkindern oder anderen Ausnahmefällen.
  3. eine unterscheidbare Menge zentraler Operationen oder Informationsverarbeitungsprozesse.
  4. eine charakteristische Entwicklungsgeschichte mit erreichbaren Expertenleistungen.
  5. eine plausible evolutionäre Entstehungsgeschichte.
  6. Unterstützung durch experimentell-psychologische Aufgaben.
  7. Unterstützung durch psychometrische Befunde.
  8. die Möglichkeit, Inhalte in Symbolsystemen wie Sprache, Notation, Karten oder Formeln auszudrücken.

Diese Kriterien sind keine allgemein akzeptierte psychologische Testnorm. Sie bilden Gardners theoretisches Prüfprogramm. Kritikerinnen und Kritiker bezweifeln, dass die acht Intelligenzen diese Kriterien ausreichend und unabhängig voneinander erfüllen.


Die acht multiplen Intelligenzen

Die folgende Übersicht beschreibt die acht Kernbereiche. Sie zeigt typische Leistungen und mögliche pädagogische Zugänge. Die Beispiele sind keine Diagnosen. Menschen bearbeiten komplexe Aufgaben gewöhnlich mit mehreren Fähigkeiten gleichzeitig.

Intelligenz Kerngedanke Beispiele für Leistungen Mögliche Lernzugänge
Sprachlich-linguistische Intelligenz Sensibilität für Wortbedeutungen, Sprachstrukturen, Klang, Rhythmus und den zielgerichteten Gebrauch gesprochener oder geschriebener Sprache argumentieren, erzählen, erklären, lesen, übersetzen, formulieren Debatte, Essay, Podcast, Begriffsnetz, Lehrgespräch
Logisch-mathematische Intelligenz Erkennen logischer Beziehungen, Muster, Kategorien, Mengen, Hypothesen und abstrakter Operationen folgern, modellieren, berechnen, experimentieren, systematisieren Falllogik, Datenauswertung, Hypothesenprüfung, Problemlöseaufgabe
Räumliche Intelligenz Wahrnehmen, Vorstellen und Verändern räumlicher Beziehungen in großen oder kleinen Maßstäben Karten lesen, konstruieren, visualisieren, Perspektiven wechseln Diagramm, Modell, Skizze, Lernlandkarte, räumliche Simulation
Musikalische Intelligenz Sensibilität für Rhythmus, Tonhöhe, Klangfarbe, Melodie und musikalische Struktur komponieren, musizieren, Rhythmen erkennen, Klänge differenzieren Rhythmusmuster, Klangbeispiel, Vertonung, akustische Strukturhilfe
Körperlich-kinästhetische Intelligenz Den ganzen Körper oder einzelne Körperteile gezielt einsetzen, um Probleme zu lösen oder Produkte zu gestalten tanzen, handwerklich arbeiten, darstellen, koordinieren, operieren Rollenspiel, Experiment, Bewegung, Simulation, praktisches Herstellen
Interpersonale Intelligenz Gefühle, Absichten, Motivationen und Perspektiven anderer wahrnehmen und sozial angemessen darauf reagieren beraten, kooperieren, moderieren, verhandeln, führen Gruppenarbeit, Peer-Feedback, Interview, Konfliktanalyse, Beratung
Intrapersonale Intelligenz Eigene Gefühle, Motive, Stärken, Grenzen und Ziele wahrnehmen und für Entscheidungen nutzen reflektieren, planen, Selbstregulation, Entscheidungen begründen Lerntagebuch, Zielplanung, Selbstbeobachtung, Portfolio, Reflexionsgespräch
Naturalistische Intelligenz Bedeutsame Unterschiede in Natur, Umwelt und lebendigen Systemen erkennen und klassifizieren Arten bestimmen, ökologische Muster erfassen, Naturphänomene ordnen Feldbeobachtung, Klassifikation, Exkursion, Umweltprojekt, Sammlung


Sprachlich-linguistische Intelligenz

Sprachliche Leistungen sind in Schule und Hochschule besonders sichtbar, weil viele Lernziele durch Texte, Gespräche und Prüfungsaufgaben vermittelt werden. Ein vielfältiger Unterricht kann Sprache nicht nur als Prüfungsmedium, sondern als Werkzeug des Denkens einsetzen. Studierende können einen Begriff definieren, eine Kontroverse argumentativ entfalten, Forschungsergebnisse adressatengerecht erklären oder einen Fachtext in eine Podcastfolge überführen.

Eine Gefahr besteht darin, gute sprachliche Darstellung mit umfassender fachlicher Kompetenz gleichzusetzen. Umgekehrt darf eine weniger sichere Bildungssprache nicht vorschnell als geringe Intelligenz interpretiert werden. Mehrsprachigkeit, fachliches Verständnis und sprachliche Ausdrucksfähigkeit sollten differenziert betrachtet werden.


Logisch-mathematische Intelligenz

Dieser Bereich umfasst das Erkennen von Beziehungen, das Prüfen von Hypothesen, den Umgang mit Abstraktionen sowie systematisches Schlussfolgern. In der Pädagogik zeigt er sich beispielsweise bei der Analyse von Studiendesigns, der Interpretation statistischer Ergebnisse, der Planung eines Evaluationsmodells oder der Prüfung, ob eine Schlussfolgerung aus Daten tatsächlich gerechtfertigt ist.

Ein didaktischer Zugang kann darin bestehen, pädagogische Fälle zu strukturieren, Ursache-Wirkungs-Annahmen zu prüfen oder konkurrierende Erklärungen anhand von Evidenz zu vergleichen. Dabei sollte deutlich bleiben, dass komplexe soziale Prozesse selten allein mathematisch beschrieben werden können.


Räumliche Intelligenz

Räumliches Denken spielt nicht nur in Architektur oder Technik eine Rolle. Auch pädagogische Situationen lassen sich durch Zeitstrahlen, Systemkarten, Raumpläne, Concept-Maps und Visualisierungen erschließen. Ein Seminar kann beispielsweise ein Netzwerk von Einflussfaktoren auf Bildungserfolg grafisch modellieren.

Visualisierung ist jedoch nicht automatisch lernwirksam. Sie muss fachlich korrekt, übersichtlich und auf die Lernziele abgestimmt sein. Dekorative Bilder ohne kognitive Funktion ersetzen keine Erklärung.


Musikalische Intelligenz

Musikalische Intelligenz bezieht sich auf die Wahrnehmung und Gestaltung musikalischer Strukturen. In pädagogischen Kontexten kann Musik als Gegenstand ästhetischer Bildung, als Medium kultureller Teilhabe oder als Ausdrucksform in Projekten dienen. Rhythmische Elemente können Abläufe strukturieren; Vertonungen können Perspektiven auf einen Inhalt eröffnen.

Die Idee darf nicht zu der Behauptung verkürzt werden, bestimmte Lernende müssten alle Inhalte grundsätzlich musikalisch lernen. Entscheidend ist, ob eine musikalische Bearbeitung zum Gegenstand, zur Zielgruppe und zum Lernziel passt.


Körperlich-kinästhetische Intelligenz

Körperliches Können ist in Sport, Tanz, Pflege, Handwerk, Theater und vielen beruflichen Situationen zentral. Es umfasst nicht bloß Bewegung, sondern koordinierte, zielgerichtete und häufig hochpräzise Problemlösung. Pädagogisch können Simulationen, szenische Verfahren, Experimente, Werkstattarbeit und handlungsorientierte Projekte solche Fähigkeiten ansprechen.

Auch hier gilt: Eine Bewegungspause kann Aufmerksamkeit unterstützen, beweist aber nicht die Existenz einer isolierten kinästhetischen Intelligenz. Zwischen einer sinnvollen Lernaktivität und einer theoretischen Erklärung ihrer Wirkung muss unterschieden werden.


Interpersonale Intelligenz

Interpersonale Fähigkeiten sind für Beratung, Teamarbeit, Führung, Mediation und pädagogische Beziehungen bedeutsam. Sie umfassen Perspektivübernahme, das Wahrnehmen sozialer Signale und die Anpassung der Kommunikation an andere Personen.

In Seminaren können strukturierte Gruppenaufgaben, Rollenwechsel, Peer-Feedback und Fallberatungen eingesetzt werden. Eine faire Bewertung muss unterscheiden, ob die fachliche Leistung, die Zusammenarbeit oder beides beurteilt wird.


Intrapersonale Intelligenz

Intrapersonale Fähigkeiten betreffen die Wahrnehmung des eigenen Erlebens und die Regulation des Handelns. In Lernprozessen zeigen sie sich unter anderem in realistischen Zielsetzungen, dem Erkennen eigener Verständnisschwierigkeiten und der Auswahl geeigneter Strategien.

Metakognition, Selbstregulation und Lerntagebücher sind anschlussfähige pädagogische Konzepte. Sie sind jedoch nicht identisch mit Gardners Intelligenzbegriff. Eine reflektierte Lehre nutzt solche Verfahren aufgrund ihrer eigenen theoretischen und empirischen Grundlagen.


Naturalistische Intelligenz

Naturalistische Intelligenz bezeichnet die Fähigkeit, bedeutsame Unterschiede in der natürlichen Umwelt zu erkennen, Lebewesen oder Phänomene zu klassifizieren und ökologische Muster wahrzunehmen. Sie wurde später als achte Intelligenz ergänzt.

Für die Pädagogik ergeben sich Bezüge zu Bildung für nachhaltige Entwicklung, Umweltpädagogik, Naturpädagogik und forschendem Lernen. Exkursionen, Artenbestimmung oder die Analyse eines lokalen Ökosystems können fachliches Wissen, Beobachtung und Verantwortungsübernahme verbinden.


Mögliche weitere Intelligenzen

Gardner diskutierte die existenzielle Intelligenz als Fähigkeit, sich mit grundlegenden Fragen nach Leben, Tod, Sinn und menschlicher Existenz auseinanderzusetzen. Außerdem erwog er eine pädagogische Intelligenz, also die besondere Fähigkeit, anderen Wissen oder Können zu vermitteln. Beide gelten in seinem Modell nicht in derselben Weise als abgesicherter Kern wie die acht beschriebenen Intelligenzen.

Die Zurückhaltung bei Erweiterungen ist wichtig: Nicht jede wertvolle Fähigkeit, Tugend, Persönlichkeitseigenschaft oder berufliche Kompetenz wird allein deshalb zu einer eigenständigen Intelligenz.


Abgrenzungen und typische Missverständnisse


Multiple Intelligenzen sind keine Lernstile

Eine besonders häufige Fehlinterpretation setzt multiple Intelligenzen mit Lernstilen gleich. Lernstile beschreiben meist bevorzugte Arten des Lernens, etwa eine angenommene visuelle oder auditive Präferenz. Gardner selbst grenzt seinen Ansatz davon ab: Eine Intelligenz soll ein bereichsspezifisches Verarbeitungspotenzial sein, nicht eine allgemeine Vorliebe für eine Darbietungsform.

Daraus folgt: Es ist wissenschaftlich nicht gerechtfertigt, Lernende als feste Typen zu diagnostizieren und ihnen Inhalte nur noch in einer bevorzugten Form anzubieten. Vielfältige Darstellungen können sinnvoll sein, weil Lerngegenstände mehrere Repräsentationen erlauben und weil Lernende unterschiedliche Vorerfahrungen mitbringen. Das ist etwas anderes als ein passgenaues Zuordnen von Unterricht zu angeblichen Lerntypen.


Intelligenz, Talent, Interesse und Domäne

Die Begriffe müssen unterschieden werden:

Begriff Bedeutung im pädagogischen Kontext Beispiel
Intelligenz theoretisch angenommene Fähigkeit zur Informationsverarbeitung und Problemlösung logische Beziehungen erkennen
Talent auffälliges Potenzial oder hohe Leistung in einem Bereich sehr sicher Violine spielen
Interesse relativ stabile Zuwendung zu Themen oder Tätigkeiten sich freiwillig mit Ökologie beschäftigen
Motivation Prozesse, die Richtung, Ausdauer und Intensität des Handelns beeinflussen eine schwierige Aufgabe weiterbearbeiten
Domäne gesellschaftlich entwickeltes Tätigkeits- oder Wissensfeld Musik, Mathematik oder Pädagogik
Lernstil angenommene oder berichtete Präferenz bei Lernaktivitäten gerne mit Bildern arbeiten

Eine Person kann stark an Musik interessiert sein, ohne außergewöhnliche musikalische Leistungen zu zeigen. Eine hohe Leistung kann aus Übung, Unterricht, Motivation, Vorwissen, Unterstützung und mehreren kognitiven Fähigkeiten entstehen. Pädagogische Diagnosen müssen deshalb mehrdimensional sein.


Keine Etikettierung von Personen

Aussagen wie „Du bist nur körperlich intelligent“ oder „Sie ist kein Sprachtyp“ sind fachlich unangemessen und pädagogisch riskant. Sie können Erwartungen verengen, Lerngelegenheiten begrenzen und Selbstkonzepte beeinflussen. Intelligenzprofile dürfen nicht als unveränderliche Identitäten behandelt werden.

Ebenso unzulässig sind Verfahren, die aus Fingerabdrücken, Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit oder anderen ungeeigneten Merkmalen auf multiple Intelligenzen schließen. Solche Behauptungen besitzen keine belastbare wissenschaftliche Grundlage und können diskriminierende Zuschreibungen fördern.


Pädagogische Bedeutung


Pluralisierung von Lernwegen

Gardner beschreibt Pluralisierung als die Idee, wichtige Inhalte auf mehrere Weisen zugänglich zu machen. Ein pädagogischer Gegenstand kann sprachlich erklärt, grafisch modelliert, praktisch erprobt, sozial diskutiert und reflexiv ausgewertet werden. Ziel ist nicht, für jede Person einen einzigen passenden Kanal zu finden. Ziel ist ein tieferes Verständnis durch mehrere fachlich sinnvolle Repräsentationen.

Beispiel: Das Thema Bildungsgerechtigkeit kann durch einen wissenschaftlichen Text, eine Datengrafik, eine Fallvignette, ein Rollenspiel zur Schulberatung und eine strukturierte Reflexion bearbeitet werden. Alle Lernenden arbeiten am selben Kernproblem, aber sie erhalten unterschiedliche Zugänge und Ausdrucksmöglichkeiten.


Individualisierung und Differenzierung

Individualisierung berücksichtigt unterschiedliche Lernvoraussetzungen, Interessen, Unterstützungsbedarfe und Lernfortschritte. Die Theorie der multiplen Intelligenzen kann Lehrende dazu anregen, einseitige Aufgabenformate zu hinterfragen. Für eine professionelle Binnendifferenzierung sind jedoch weitere Grundlagen nötig, beispielsweise Vorwissensdiagnostik, kognitive Aktivierung, adaptive Unterstützung, klare Lernziele und formative Rückmeldungen.

Eine sinnvolle Planung fragt daher nicht: „Welcher Intelligenztyp ist diese Person?“ Sie fragt: „Welche fachlichen Hürden bestehen, welche Ressourcen sind vorhanden und welche Zugänge helfen, das gemeinsame Lernziel zu erreichen?“


Inklusive Pädagogik

Die wertschätzende Grundidee, dass Menschen Kompetenzen auf unterschiedliche Weise zeigen können, ist an Inklusive Pädagogik anschlussfähig. Unterschiedliche Medien, Handlungsformen und Nachweisformate können Barrieren reduzieren. Ein barrierearmes Lernangebot kann Text, Audio, Visualisierung, praktische Erkundung und kooperative Bearbeitung verbinden.

Dabei dürfen individuelle Wahlmöglichkeiten die fachlichen Anforderungen nicht unklar machen. Ein Video, ein Poster und ein Essay können nur dann als alternative Leistungsnachweise gelten, wenn gemeinsame Kriterien wie fachliche Richtigkeit, Begründungsqualität, Quellenarbeit und Transfer transparent beurteilt werden.


Kompetenzorientierte Leistungsbeurteilung

Gardner bevorzugt eher reichhaltige, authentische Situationen als kurze Selbstauskunftstests. Für die pädagogische Diagnostik folgt daraus die Idee, Leistungen in bedeutsamen Handlungen zu beobachten. Portfolios, Projekte, Präsentationen, Fallanalysen oder praktische Aufgaben können komplexe Kompetenzen sichtbar machen.

Ein solches Assessment muss dennoch Gütekriterien beachten. Dazu zählen Objektivität, Reliabilität, Validität, Fairness und Transparenz. Unterschiedliche Aufgabenformate dürfen nicht dazu führen, dass unklar bleibt, was eigentlich gemessen und bewertet wird.


Beispiel einer pluralisierten Lehrveranstaltung

Thema einer Seminarsitzung: Sozialisation und soziale Ungleichheit

Phase Lernaktivität Angesprochene Zugänge Gemeinsames Lernziel
Einstieg Kurze Fallvignette zu Bildungsentscheidungen lesen sprachlich, interpersonal zentrale Einflussfaktoren erkennen
Analyse Datengrafik zu Übergängen im Bildungssystem auswerten logisch-mathematisch, räumlich Daten korrekt interpretieren
Modellierung Einflussfaktoren als Systemkarte darstellen räumlich, logisch Zusammenhänge strukturieren
Anwendung Beratungsgespräch mit Rollenkarte durchführen interpersonal, sprachlich, körperlich Perspektiven und Handlungsoptionen abwägen
Reflexion Individuelles Lernprotokoll verfassen intrapersonal, sprachlich Erkenntnisse und offene Fragen begründen

Die Tabelle beschreibt Lernaktivitäten, keine Diagnose von Personen. Die Qualität der Lehrveranstaltung hängt zusätzlich von fachlicher Präzision, Aufgabenstellung, Feedback, Zeitstruktur und Lernbegleitung ab.


Wissenschaftliche Kritik und Forschungsstand


Psychometrische Kritik

In der psychometrischen Intelligenzforschung korrelieren Leistungen in unterschiedlichen kognitiven Tests häufig positiv miteinander. Dieser Zusammenhang wird oft durch einen allgemeinen Intelligenzfaktor, den g-Faktor, beschrieben. Studien, die Gardners Bereiche mit Fragebögen oder Leistungstests untersuchen, finden meist keine vollständige Unabhängigkeit der postulierten Intelligenzen.

Kritisiert wird außerdem, dass einige Bereiche eher als Talente, Persönlichkeitseigenschaften oder komplexe Kompetenzen verstanden werden könnten. Die Abgrenzung der Konstrukte ist nicht immer eindeutig. Ohne präzise Definitionen und belastbare Messinstrumente lassen sich Vorhersagen schwer prüfen.


Fehlende standardisierte Messung

Gardner unterstützt keinen einfachen Multiple-Intelligences-Test, der Personen in feste Profile einteilt. Viele im Internet verbreitete Selbsttests erfassen vor allem Vorlieben und Selbsteinschätzungen. Sie erlauben keine zuverlässige Diagnose unabhängiger Intelligenzen.

Für wissenschaftliche Forschung ist das ein zentrales Problem: Ohne valide und reliable Messinstrumente können Studien schwer verglichen, repliziert oder zusammengeführt werden. Positive Unterrichtsergebnisse beweisen außerdem nicht automatisch, dass Gardners Intelligenzen als eigenständige mentale Systeme existieren. Eine abwechslungsreiche Intervention kann durch Motivation, zusätzliche Lernzeit, kooperatives Lernen, Neuigkeit oder bessere Aufgabenqualität wirken.


Neurowissenschaftliche Kritik

Die Vorstellung klar voneinander getrennter neuronaler Module für jede Intelligenz gilt als nicht belegt. Moderne Neurowissenschaft beschreibt viele kognitive Leistungen als Ergebnis verteilter, überlappender und dynamisch zusammenarbeitender Netzwerke. Einzelne Hirnregionen können an unterschiedlichen Aufgaben beteiligt sein, während komplexe Leistungen mehrere Systeme verbinden.

Daraus folgt nicht, dass alle Menschen gleich lernen oder dass besondere Stärken bedeutungslos sind. Es folgt lediglich, dass pädagogische Vielfalt nicht mit vereinfachten Behauptungen über isolierte Gehirnmodule begründet werden sollte.


Kritik an Interventionsstudien

Einige Studien und Metaanalysen berichten positive Effekte von Unterricht, der als MI-basiert bezeichnet wird. Methodische Analysen weisen jedoch auf Probleme hin: kleine Stichproben, fehlende aktive Kontrollgruppen, unklare Beschreibung der Intervention, uneinheitliche Messinstrumente und mögliche Publikationsverzerrungen. Dadurch ist oft nicht entscheidbar, ob beobachtete Wirkungen tatsächlich auf spezifische Annahmen der Theorie zurückgehen.

Eine evidenzorientierte Bewertung unterscheidet mindestens drei Fragen:

  1. Sind die acht Intelligenzen als relativ unabhängige Konstrukte empirisch bestätigt?
  2. Verbessert abwechslungsreicher oder individualisierter Unterricht Lernen?
  3. Ist eine mögliche Verbesserung gerade durch die Theorie der multiplen Intelligenzen erklärt?

Eine positive Antwort auf die zweite Frage beantwortet die erste und dritte nicht automatisch.


Theorie, Heuristik oder Neuromythos?

In der Fachliteratur reichen die Einschätzungen von einer verteidigten pluralen Intelligenztheorie über eine pädagogische Heuristik bis zur Einordnung als Neuromythos. Eine faire akademische Auseinandersetzung rekonstruiert zunächst Gardners tatsächliche Aussagen und prüft dann, welche Teile bestätigt, offen oder widerlegt sind.

Für das Studium ist folgende Unterscheidung hilfreich:

Ebene Vertretbare Aussage Problematische Übertreibung
Anthropologisch Menschen verfügen über vielfältige Fähigkeiten und Entwicklungsmöglichkeiten. Jede Fähigkeit bildet automatisch eine eigene Intelligenz.
Didaktisch Wichtige Inhalte können über mehrere sinnvolle Repräsentationen erschlossen werden. Jede Person lernt nur über ihren angeblich stärksten Intelligenzkanal.
Diagnostisch Leistungen sollten in mehreren Situationen beobachtet werden. Ein kurzer Online-Test liefert ein festes Intelligenzprofil.
Neurowissenschaftlich Kognitive Leistungen beruhen auf komplexen neuronalen Netzwerken. Jede Gardner-Intelligenz besitzt ein klar abgegrenztes Gehirnmodul.
Ethisch Pädagogik soll unterschiedliche Stärken anerkennen und Entwicklung ermöglichen. Zuschreibungen dürfen Bildungswege oder Berufswahl festlegen.


Evidenzorientierte Nutzung in der Pädagogik


Leitlinien für die Praxis

Eine wissenschaftlich verantwortliche Nutzung kann Gardners Theorie als Anlass zur didaktischen Reflexion verwenden, ohne ihre umstrittenen Annahmen als Tatsachen auszugeben.

  1. Lernzielorientierung: Beginne mit dem fachlichen Ziel, nicht mit einer Liste von Intelligenzen.
  2. Pluralisierung: Nutze mehrere inhaltlich passende Darstellungen und Tätigkeiten.
  3. Kognitive Aktivierung: Stelle Aufgaben, die Begründen, Vergleichen, Anwenden und Problemlösen erfordern.
  4. Diagnostik: Erhebe Vorwissen und Lernfortschritt mit geeigneten Verfahren statt mit Typentests.
  5. Wahlmöglichkeiten: Ermögliche unterschiedliche Ausdrucksformen, sichere aber gemeinsame Qualitätskriterien.
  6. Feedback: Gib konkrete Rückmeldungen zu Leistung und Strategie, nicht zu einer vermeintlich festen Identität.
  7. Evaluation: Prüfe, ob das Lernarrangement tatsächlich zu besseren Ergebnissen führt.
  8. Ethik: Vermeide diskriminierende Zuschreibungen und niedrige Erwartungen.


Planungsraster für Lehrveranstaltungen

Planungsschritt Leitfrage Qualitätsmerkmal
Lernziel Was sollen Lernende verstehen, anwenden oder beurteilen können? präzise, beobachtbar, fachlich relevant
Lernvoraussetzungen Welches Vorwissen, welche Sprache und welche Barrieren sind zu berücksichtigen? diagnostisch begründet
Repräsentationen Welche Texte, Modelle, Daten, Handlungen oder Gespräche erschließen den Gegenstand? mehrere fachlich sinnvolle Zugänge
Aktivität Welche Denkleistung erbringen die Lernenden selbst? kognitiv aktivierend
Unterstützung Welche Hilfen sind nötig und wie werden sie schrittweise reduziert? adaptiv und transparent
Leistungsnachweis Woran wird Zielerreichung erkannt? valide Kriterien
Evaluation Welche Daten zeigen, ob das Arrangement wirksam war? nachvollziehbare Indikatoren


Fallbeispiel: Etikettierung im Unterricht

Eine Lehrkraft lässt einen Online-Test durchführen. Eine Schülerin erhält das Profil „musikalisch“, ein Schüler das Profil „logisch“. Die Schülerin darf mathematische Inhalte künftig vor allem durch Lieder bearbeiten, während der Schüler keine kreativen Schreibaufgaben mehr erhält.

Diese Praxis ist aus mehreren Gründen problematisch. Der Test ist möglicherweise nicht valide. Die Profile werden als stabil und exklusiv behandelt. Lerngelegenheiten werden eingeschränkt. Fachliche Anforderungen treten hinter einer Typisierung zurück. Erwartungseffekte können die Entwicklung beeinflussen.

Eine bessere Alternative wäre, allen Lernenden verschiedene Zugänge zu einem gemeinsamen Inhalt anzubieten, Interessen als veränderliche Information zu berücksichtigen, Lernfortschritte zu beobachten und Unterstützung an konkreten Schwierigkeiten auszurichten.


Wissenschaftliches Arbeiten zum Thema


Forschungsfragen entwickeln

Geeignete Forschungsfragen trennen theoretische Annahmen, Unterrichtsgestaltung und Lernergebnisse. Beispiele sind:

  1. Wie zuverlässig erfassen unterschiedliche Instrumente die postulierten Intelligenzbereiche?
  2. Welche Zusammenhänge bestehen zwischen MI-Selbsteinschätzungen, Interessen, Persönlichkeit und Leistungstests?
  3. Wirkt eine pluralisierte Unterrichtseinheit besser als eine ebenso aufwendige Vergleichseinheit?
  4. Welche Rolle spielen zusätzliche Lernzeit, Motivation und kooperative Lernformen?
  5. Wie beeinflusst die Etikettierung als Intelligenztyp das akademische Selbstkonzept?
  6. Wie nutzen Lehrkräfte die Theorie tatsächlich, und welche Fehlinterpretationen treten auf?


Anforderungen an ein geeignetes Studiendesign

Eine belastbare Interventionsstudie benötigt eine klar beschriebene Theorie, präzise Lernziele, geeignete Messinstrumente, ausreichend große Stichproben und faire Vergleichsbedingungen. Eine aktive Kontrollgruppe sollte eine alternative, ebenfalls hochwertige Unterrichtsform erhalten. Idealerweise werden Hypothesen und Auswertungspläne vorab registriert.

Wichtig sind außerdem:

  1. Randomisierung oder eine überzeugende Kontrolle von Ausgangsunterschieden.
  2. valide Vor- und Nachtests.
  3. Erfassung der tatsächlichen Umsetzung der Intervention.
  4. transparente Darstellung von Ausfällen und fehlenden Daten.
  5. Berücksichtigung möglicher Nebenwirkungen.
  6. Replikation in unterschiedlichen Bildungskontexten.
  7. Veröffentlichung auch nicht signifikanter Ergebnisse.


Quellen und weiterführende Forschung

  1. Howard Gardner: The Theory of Multiple Intelligences, Project Zero
  2. MI Oasis: A Beginner’s Guide to MI
  3. MI Oasis: The Components of MI
  4. MI Oasis: Malpractices
  5. Howard Gardner: Frequently Asked Questions
  6. Visser, Ashton und Vernon: Beyond g
  7. Ferrero, Vadillo und León: Methodische Qualität von MI-Interventionsstudien
  8. Waterhouse: Why multiple intelligences theory is a neuromyth
  9. Wikipedia: Theorie der multiplen Intelligenzen


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Wer entwickelte die Theorie der multiplen Intelligenzen? (Howard Gardner) (!Jean Piaget) (!Burrhus Skinner) (!Sigmund Freud)




Welche Grundannahme kennzeichnet Gardners Theorie? (Menschen verfügen über mehrere relativ eigenständige intellektuelle Potenziale) (!Intelligenz besteht ausschließlich aus Gedächtnisleistung) (!Intelligenz ist vollständig angeboren und unveränderlich) (!Alle schulischen Leistungen lassen sich allein durch Motivation erklären)




Welche gehört zu Gardners acht Kernintelligenzen? (Naturalistische Intelligenz) (!Digitale Intelligenz) (!Moralische Intelligenz) (!Emotionale Stabilität)




Was beschreibt interpersonale Intelligenz? (Andere Personen und soziale Situationen angemessen wahrnehmen) (!Eigene Körperbewegungen technisch vermessen) (!Pflanzen nach biologischen Merkmalen ordnen) (!Mathematische Formeln auswendig lernen)




Wie verhalten sich multiple Intelligenzen und Lernstile zueinander? (Sie sind unterschiedliche Konzepte) (!Sie sind vollständig identisch) (!Lernstile sind ein standardisierter Intelligenztest) (!Multiple Intelligenzen bezeichnen nur Medienvorlieben)




Was bedeutet Pluralisierung in Gardners pädagogischer Deutung? (Wichtige Inhalte auf mehrere fachlich sinnvolle Weisen erschließen) (!Jede Person dauerhaft einem Unterrichtstyp zuordnen) (!Für jede Intelligenz ein eigenes Schulfach einrichten) (!Gemeinsame Lernziele vollständig abschaffen)




Welche Aussage zur Diagnostik entspricht Gardners Position? (Er empfiehlt keinen einfachen Test zur Festlegung eines Intelligenzprofils) (!Fingerabdrücke zeigen zuverlässig die stärkste Intelligenz) (!Ein kurzer Onlinefragebogen ersetzt Leistungsbeobachtung) (!Intelligenzprofile dürfen die Berufswahl festlegen)




Welcher Kritikpunkt wird in der Forschung häufig genannt? (Die Unabhängigkeit der einzelnen Intelligenzen ist nicht überzeugend belegt) (!Die Theorie enthält ausschließlich mathematische Fähigkeiten) (!Die Theorie wurde nie in der Pädagogik rezipiert) (!Gardner lehnt jede Form vielfältiger Aufgaben ab)




Welche von Gardner diskutierte Fähigkeit gilt nur als mögliche zusätzliche Intelligenz? (Existenzielle Intelligenz) (!Sprachlich-linguistische Intelligenz) (!Räumliche Intelligenz) (!Interpersonale Intelligenz)




Welche Anwendung ist wissenschaftlich und pädagogisch am verantwortungsvollsten? (Vielfältige Lernzugänge mit gemeinsamen transparenten Kriterien verbinden) (!Lernende anhand eines Tests dauerhaft etikettieren) (!Schwächere Bereiche nicht mehr fördern) (!Jede Lernaktivität mit einem Gehirnmodul begründen)





Memory

Sprachlich-linguistische Intelligenz Sensibilität für Sprache und Wortgebrauch
Logisch-mathematische Intelligenz Erkennen abstrakter Beziehungen und Muster
Räumliche Intelligenz Vorstellen und Verändern räumlicher Beziehungen
Musikalische Intelligenz Wahrnehmen von Rhythmus, Tonhöhe und Klangfarbe
Körperlich-kinästhetische Intelligenz Zielgerichteter Einsatz des Körpers
Interpersonale Intelligenz Verstehen anderer Personen und sozialer Situationen
Intrapersonale Intelligenz Reflektieren eigener Gefühle, Ziele und Motive
Naturalistische Intelligenz Unterscheiden und Ordnen von Naturphänomenen





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Pädagogische Bedeutung
Pluralisierung Einen Lerngegenstand auf mehrere fachlich sinnvolle Arten erschließen
Individualisierung Unterstützung an konkrete Lernvoraussetzungen und Fortschritte anpassen
Etikettierung Eine Person problematisch auf einen angeblichen Intelligenztyp festlegen
Authentische Leistung Können in einer komplexen und bedeutsamen Handlungssituation zeigen
Evidenzprüfung Eine Behauptung anhand geeigneter Daten und Methoden beurteilen






Kreuzworträtsel

Gardner Wer entwickelte die Theorie der multiplen Intelligenzen?
Psychometrie Welches Forschungsgebiet untersucht die Messung psychischer Merkmale?
Pluralisierung Wie heißt die Erschließung eines Inhalts auf mehreren Wegen?
Evidenz Welcher Begriff bezeichnet wissenschaftlich belastbare Belege?
Natur Auf welchen Gegenstandsbereich bezieht sich die naturalistische Intelligenz?
Reflexion Welche Tätigkeit ist für intrapersonales Lernen besonders wichtig?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Howard Gardner veröffentlichte seine Theorie erstmals im Jahr

. Die Theorie kritisiert die Reduktion von Intelligenz auf eine einzige

Fähigkeit. Zu den acht Kernbereichen gehört die

Intelligenz. Die Fähigkeit, andere Personen und ihre Motive wahrzunehmen, heißt

. Die Wahrnehmung eigener Ziele und Gefühle gehört zum

Bereich. Multiple Intelligenzen dürfen nicht mit

gleichgesetzt werden. Die Darstellung eines Lerngegenstands auf mehreren Wegen nennt Gardner

. Ein kurzer Onlinefragebogen liefert kein valides festes

. Ein zentraler wissenschaftlicher Kritikpunkt betrifft die fehlende

der Bereiche. Verantwortliche Pädagogik verbindet vielfältige Lernwege mit gemeinsamen transparenten

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Begriffslandkarte: Erstelle eine Concept-Map, die die acht Intelligenzen mit je einer Definition, einem Beispiel und einer möglichen Fehlinterpretation verbindet.
  2. Medienanalyse: Untersuche eine populäre Grafik zu multiplen Intelligenzen. Markiere, welche Aussagen fachlich begründet, vereinfacht oder irreführend sind.
  3. Selbstreflexion: Beschreibe zwei Lernaufgaben, bei denen Du unterschiedliche Fähigkeiten kombiniert hast. Vermeide dabei die Festlegung auf einen festen Intelligenztyp.
  4. Glossar: Formuliere eigene Definitionen für Intelligenz, Talent, Interesse, Motivation, Lernstil und Domäne und illustriere die Unterschiede durch ein gemeinsames Fallbeispiel.


Standard

  1. Unterrichtsplanung: Entwickle eine 45-minütige Lerneinheit, die einen pädagogischen Begriff durch mindestens drei sinnvolle Repräsentationen erschließt und ein gemeinsames Lernziel beibehält.
  2. Fallanalyse: Analysiere den Fall einer Lehrkraft, die Lernende durch einen Online-MI-Test gruppiert. Beurteile diagnostische Qualität, mögliche Wirkungen und ethische Risiken.
  3. Interview: Befrage eine pädagogische Fachkraft zur Nutzung der Theorie. Vergleiche ihre Aussagen anschließend mit dem Forschungsstand und dokumentiere Übereinstimmungen sowie Widersprüche.
  4. Bewertungsraster: Entwickle ein transparentes Raster, mit dem ein Essay, ein Erklärvideo und ein Poster als alternative Leistungsnachweise nach gemeinsamen fachlichen Kriterien bewertet werden können.


Schwer

  1. Forschungsdesign: Plane eine kontrollierte Studie zur Wirkung einer pluralisierten Lehrveranstaltung. Beschreibe Hypothesen, Stichprobe, Vergleichsbedingung, Messinstrumente, Auswertung und mögliche Störvariablen.
  2. Literaturreview: Vergleiche mindestens drei wissenschaftliche Positionen zur empirischen Gültigkeit der Theorie und bewerte die Qualität ihrer Argumente und Methoden.
  3. Theorienvergleich: Stelle Gardners Ansatz dem psychometrischen g-Modell und einem kompetenzorientierten Modell gegenüber. Analysiere Menschenbild, Messlogik und pädagogische Konsequenzen.
  4. Hochschulprojekt: Entwickle ein evidenzorientiertes Fortbildungsmodul für Lehrkräfte, das die Attraktivität der Theorie erklärt, Fehlinterpretationen korrigiert und konkrete Alternativen für differenzierenden Unterricht anbietet.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Transfer auf Unterricht: Eine Lehrkraft möchte das Thema Klimawandel für „sprachliche, logische und naturalistische Typen“ getrennt unterrichten. Entwickle eine Alternative, die vielfältige Zugänge bietet, aber gemeinsame Lernziele und heterogene Zusammenarbeit erhält.
  2. Methodenkritik: Eine Studie berichtet bessere Noten nach MI-Unterricht, hat aber keine Kontrollgruppe. Erkläre mindestens vier alternative Ursachen des Ergebnisses und entwirf eine methodisch stärkere Untersuchung.
  3. Diagnostische Entscheidung: Beurteile, ob ein Selbstauskunftsfragebogen zur Verteilung von Studienplätzen geeignet wäre. Nutze die Gütekriterien Validität, Reliabilität, Fairness und Konsequenzen der Entscheidung.
  4. Ethische Analyse: Diskutiere, wie positive Absichten zur Anerkennung von Vielfalt unbeabsichtigt zu Etikettierung, niedrigen Erwartungen oder Diskriminierung führen können. Entwickle Schutzmaßnahmen.
  5. Konzeptvergleich: Vergleiche Pluralisierung mit Universal Design for Learning, Binnendifferenzierung und kognitiver Aktivierung. Zeige Gemeinsamkeiten, Unterschiede und mögliche Kombinationen.
  6. Praxisbewertung: Wähle ein bestehendes Lernangebot und prüfe, ob seine unterschiedlichen Medien fachlich funktional oder nur dekorativ sind. Begründe konkrete Verbesserungen anhand der Lernziele.




Lernnachweis

Für einen qualifizierten Lernnachweis zu diesem Thema solltest Du zeigen, dass Du

  1. die Entstehung, Zielsetzung und zentralen Begriffe der Theorie korrekt erläutern kannst.
  2. die acht Intelligenzen unterscheiden kannst, ohne sie als starre Personentypen zu behandeln.
  3. multiple Intelligenzen fachlich von Lernstilen, Interessen, Talenten, Kompetenzen und Domänen abgrenzt.
  4. pädagogische Chancen wie Pluralisierung und vielfältige Leistungsdarstellung begründet einordnest.
  5. empirische Kritik an Konstruktvalidität, Messung, Unabhängigkeit und Interventionsstudien nachvollziehbar erklärst.
  6. wissenschaftliche Quellen vergleichst und zwischen theoretischer Behauptung, empirischem Befund und pädagogischer Wertentscheidung unterscheidest.
  7. ein Lernarrangement mit klaren Zielen, mehreren Zugängen, transparenter Bewertung und geeigneter Evaluation entwickelst.
  8. ethische Risiken von Etikettierung und diskriminierenden Zuschreibungen erkennst und vermeidest.




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Schulfach+

Prüfungsliteratur 2026
Bundesland Bücher Kurzbeschreibung
Baden-Württemberg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Mittlere Reife

  1. Der Markisenmann - Jan Weiler oder Als die Welt uns gehörte - Liz Kessler
  2. Ein Schatten wie ein Leopard - Myron Levoy oder Pampa Blues - Rolf Lappert

Abitur Dorfrichter-Komödie über Wahrheit/Schuld; Roman über einen Ort und deutsche Geschichte. Mittlere Reife Wahllektüren (Roadtrip-Vater-Sohn / Jugendroman im NS-Kontext / Coming-of-age / Provinzroman).

Bayern

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Lustspiel über Machtmissbrauch und Recht; Roman als Zeitschnitt deutscher Geschichte an einem Haus/Grundstück.

Berlin/Brandenburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Der Biberpelz - Gerhart Hauptmann
  4. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Gerichtskomödie; soziales Drama um Ausbeutung/Armut; Komödie/Satire um Diebstahl und Obrigkeit; Roman über Erinnerungsräume und Umbrüche.

Bremen

Abitur

  1. Nach Mitternacht - Irmgard Keun
  2. Mario und der Zauberer - Thomas Mann
  3. Emilia Galotti - Gotthold Ephraim Lessing oder Miss Sara Sampson - Gotthold Ephraim Lessing

Abitur Roman in der NS-Zeit (Alltag, Anpassung, Angst); Novelle über Verführung/Massenpsychologie; bürgerliche Trauerspiele (Moral, Macht, Stand).

Hamburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun

Abitur Justiz-/Machtkritik als Komödie; Großstadtroman der Weimarer Zeit (Rollenbilder, Aufstiegsträume, soziale Realität).

Hessen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  4. Der Prozess - Franz Kafka

Abitur Gerichtskomödie; Fragmentdrama über Gewalt/Entmenschlichung; Erinnerungsroman über deutsche Brüche; moderner Roman über Schuld, Macht und Bürokratie.

Niedersachsen

Abitur

  1. Der zerbrochene Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun
  3. Die Marquise von O. - Heinrich von Kleist
  4. Über das Marionettentheater - Heinrich von Kleist

Abitur Schwerpunkt auf Drama/Roman sowie Kleist-Prosatext und Essay (Ehre, Gewalt, Unschuld; Ästhetik/„Anmut“).

Nordrhein-Westfalen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Komödie über Wahrheit und Autorität; Roman als literarische „Geschichtsschichtung“ an einem Ort.

Saarland

Abitur

  1. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  2. Furor - Lutz Hübner und Sarah Nemitz
  3. Bahnwärter Thiel - Gerhart Hauptmann

Abitur Erinnerungsroman an einem Ort; zeitgenössisches Drama über Eskalation/Populismus; naturalistische Novelle (Pflicht/Überforderung/Abgrund).

Sachsen (berufliches Gymnasium)

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Irrungen, Wirrungen - Theodor Fontane
  4. Der gute Mensch von Sezuan - Bertolt Brecht
  5. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  6. Der Trafikant - Robert Seethaler

Abitur Mischung aus Klassiker-Drama, sozialem Drama, realistischem Roman, epischem Theater und Gegenwarts-/Erinnerungsroman; zusätzlich Coming-of-age im historischen Kontext.

Sachsen-Anhalt

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Themenfelder)

Abitur Schwerpunktsetzung über Themenfelder (u. a. Literatur um 1900; Sprache in politisch-gesellschaftlichen Kontexten), ohne feste Einzeltitel.

Schleswig-Holstein

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Recht/Gerechtigkeit und historische Tiefenschichten eines Ortes – umgesetzt über Drama und Gegenwartsroman.

Thüringen

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool)

Abitur In der Praxis häufig Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool; landesweite Einzeltitel je nach Vorgabe/Handreichung nicht einheitlich ausgewiesen.

Mecklenburg-Vorpommern

Abitur

  1. (Quelle aktuell technisch nicht abrufbar; Beteiligung am gemeinsamen Aufgabenpool bekannt)

Abitur Land beteiligt sich am länderübergreifenden Aufgabenpool; konkrete, veröffentlichte Einzeltitel konnten hier nicht ausgelesen werden.

Rheinland-Pfalz

Abitur

  1. (keine landesweit einheitliche Pflichtlektüre; schulische Auswahl)

Abitur Keine landesweite Einheitsliste; Auswahl kann schul-/kursbezogen erfolgen.




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THE MONKEY DANCE




The Monkey DanceaiMOOCs

  1. Trust Me It's True: #Verschwörungstheorie #FakeNews
  2. Gregor Samsa Is You: #Kafka #Verwandlung
  3. Who Owns Who: #Musk #Geld
  4. Lump: #Trump #Manipulation
  5. Filth Like You: #Konsum #Heuchelei
  6. Your Poverty Pisses Me Off: #SozialeUngerechtigkeit #Musk
  7. Hello I'm Pump: #Trump #Kapitalismus
  8. Monkey Dance Party: #Lebensfreude
  9. God Hates You Too: #Religionsfanatiker
  10. You You You: #Klimawandel #Klimaleugner
  11. Monkey Free: #Konformität #Macht #Kontrolle
  12. Pure Blood: #Rassismus
  13. Monkey World: #Chaos #Illusion #Manipulation
  14. Uh Uh Uh Poor You: #Kafka #BerichtAkademie #Doppelmoral
  15. The Monkey Dance Song: #Gesellschaftskritik
  16. Will You Be Mine: #Love
  17. Arbeitsheft
  18. And Thanks for Your Meat: #AntiFactoryFarming #AnimalRights #MeatIndustry


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