Metallkunde und Werkstoffauswahl – Gusseisen richtig einordnen
Metallkunde und Werkstoffauswahl – Gusseisen richtig einordnen
Einleitung
Kurzbeschreibung: In diesem Lernkurs ordnest Du graphitische Gusseisenwerkstoffe über ihre Graphitform ein. Du verknüpfst Gefüge, Bearbeitbarkeit und typische Einsatzgrenzen und triffst eine begründete Vorauswahl für einen Ausbildungsfall.
Zielgruppe: Ausbildung in Metalltechnik, Zerspanung, Instandhaltung, Gießereitechnik und verwandten Berufen.
Sicherheit: Dieser Kurs erteilt keine Arbeitsfreigabe. Praktische Werkstattarbeiten, Probenpräparation, Härteprüfungen, Zerspanversuche oder Arbeiten an Maschinen dürfen nur nach betrieblicher Unterweisung, Gefährdungsbeurteilung, Freigabe der zuständigen Stelle und unter der vorgesehenen Aufsicht durchgeführt werden.

Merksatz: Die Form des Graphits beeinflusst, wie stark der Graphit als innere Kerbe wirkt. Daraus ergeben sich deutliche Unterschiede bei Festigkeit, Duktilität, Dämpfung und Zerspanbarkeit.
Abgrenzung: Dieser Kurs konzentriert sich auf Gusseisen mit Lamellen-, Vermicular- und Kugelgraphit. Weißes Gusseisen mit überwiegend carbidisch gebundenem Kohlenstoff ist werkstoffkundlich anders einzuordnen.
Lernziele
Nach dem Kurs kannst Du GJL, GJV und GJS anhand von Gefügebildern unterscheiden, typische Eigenschaftstrends erklären, Messwerte aus Datenblättern vorsichtig interpretieren und eine Werkstoffvorauswahl mit Einsatzgrenzen begründen.
| Stufe | Du kannst ... |
|---|---|
| Basis | Graphitformen erkennen und Kurzzeichen zuordnen. |
| Anwendung | Bearbeitbarkeit, Dämpfung und mechanische Beanspruchung in eine Auswahl einbeziehen. |
| Transfer | Eine geänderte Bauteilanforderung erkennen und die Werkstoffvorauswahl neu begründen. |
Lerneinheit 1: Drei Graphitformen erkennen
GJL – Lamellengraphit

Bei Gusseisen mit Lamellengraphit liegen dunkle Graphitlamellen in der metallischen Matrix. Die Lamellen erzeugen eine ausgeprägte Kerbwirkung. GJL ist deshalb bei Zug- und Stoßbeanspruchung begrenzt, bietet aber sehr gute Dämpfung und ist häufig sehr gut zerspanbar.
Kurzzeichen: EN-GJL.
GJV – Vermiculargraphit

Bei Gusseisen mit Vermiculargraphit erscheint der Graphit würmchen- oder kompaktförmig. GJV liegt bei vielen Eigenschaften zwischen GJL und GJS. Es verbindet vergleichsweise hohe Festigkeit mit günstigen thermischen Eigenschaften, ist bei der Zerspanung aber häufig anspruchsvoller als GJL.
Kurzzeichen: EN-GJV.
GJS – Kugelgraphit

Bei Gusseisen mit Kugelgraphit ist der Graphit weitgehend kugelförmig. Dadurch ist die Kerbwirkung deutlich geringer als bei Lamellengraphit. Viele GJS-Sorten erreichen höhere Festigkeit und deutlich höhere Bruchdehnung als GJL. Die genaue Eigenschaft hängt von Sorte, Matrix, Wanddicke und Herstellzustand ab.
Kurzzeichen: EN-GJS.
Schnellvergleich
| Merkmal | GJL | GJV | GJS |
|---|---|---|---|
| Graphitform | Lamellen | vermicular | Kugeln |
| Kerbwirkung durch Graphit | hoch | mittel | geringer |
| Dämpfung | sehr günstig | günstig | meist geringer als GJL |
| Duktilität | sehr gering | höher als GJL | sortenabhängig deutlich höher |
| Zerspanbarkeit | meist sehr gut | häufig anspruchsvoller | stark von Matrix und Festigkeit abhängig |
| typische Rolle | Gehäuse, Maschinenbetten, Bremsscheiben | thermisch und mechanisch kombinierte Beanspruchung | dynamisch stärker belastete Bauteile, Rohre, Naben, Gehäuse |
Lerneinheit 2: Vom Gefüge zur Eigenschaft
Denkweg: Graphitform → Kerbwirkung → lokale Spannung → Verformungs- und Bruchverhalten.

Bei Lamellen entstehen an den scharfen Enden stärkere Spannungsspitzen. Kugeln unterbrechen die metallische Matrix weniger ungünstig. Vermiculargraphit bildet eine Zwischenform.
Wichtig: Aus einem Gefügebild allein folgt noch keine vollständige Werkstofffreigabe. Matrix, Wanddicke, Wärmebehandlung, Gussqualität, Fehlstellen und reale Lasten müssen zusätzlich bewertet werden.
Vertiefungsbild: Graphit und Erstarrung

Das Diagramm zeigt als Vertiefung die stabile Graphit- und die metastabile Cementitbetrachtung im Eisen-Kohlenstoff-System. Für die Werkstoffauswahl im Ausbildungsfall genügt zunächst die Frage: In welcher Form liegt der freie Graphit vor?
Das NPTEL-Video „Cast Irons and Steels“ stammt aus einer Vorlesungsreihe des IIT Roorkee und eignet sich zur Wiederholung der Einordnung von Gusseisen.
Lerneinheit 3: Bearbeitbarkeit richtig einordnen
Beim Zerspanen ist nicht nur die Härte wichtig. Graphitform, Matrix und Gusshaut beeinflussen Spanbildung, Schnittkräfte und Werkzeugverschleiß.
| Beobachtung | Einordnung |
|---|---|
| kurze, bröckelige Späne und niedrige Schnittkräfte | typisch günstig bei vielen GJL-Sorten |
| höhere Festigkeit und zusammenhängendere Matrix | kann Zerspanung bei GJV und höherfestem GJS erschweren |
| ferritische Matrix | meist günstiger zu bearbeiten als stark perlitische oder hochfeste Zustände |
| harte Randzonen oder Gusshaut | können Werkzeugverschleiß deutlich erhöhen |
Praxisgrenze: Schnittwerte werden nicht aus diesem Kurs übernommen. Verwende betriebliche Arbeitsunterlagen, Werkzeugherstellerdaten, Werkstoffzeugnisse und freigegebene Bearbeitungspläne.
Lerneinheit 4: Messwerte lesen – nicht überinterpretieren
Brinell-Härte als Messwertansicht

Bei der Brinell-Härteprüfung wird eine Hartmetallkugel mit definierter Prüfkraft eingedrückt. Aus dem Eindruck wird ein Härtewert bestimmt.

Das Video „Brinell Hardness Test“ wird von Prof. Dr.-Ing. Rainer Schwab, Hochschule Karlsruhe, verantwortet und zeigt Prinzip und Ablauf der Prüfung.
Zwei veröffentlichte Datenansichten
Die folgenden Werte sind Beispiele aus veröffentlichten Datenblättern. Sie sind keine allgemeine Freigabe für ein Bauteil und ersetzen weder die aktuelle Norm noch ein Werkstoffzeugnis.
| Datenansicht | Zugfestigkeit | Dehngrenze | Bruchdehnung | Brinellhärte | Lernhinweis |
|---|---|---|---|---|---|
| EN-GJL-250, Datenblatt KIPP | 250–350 N/mm² | keine klassische Rp0,2-Angabe | etwa 0,3–0,8 % | etwa 190–230 HB | hohe Festigkeit bedeutet hier nicht hohe Duktilität |
| EN-GJS-400-18, Übersicht Fonderie Schlumberger | mindestens etwa 400 MPa | etwa 240 MPa | etwa 18 % | etwa 130–175 HB | deutlich höhere Dehnung ist ein wichtiges Auswahlmerkmal |
Prüffrage: Ein Werkstoff kann härter sein und trotzdem für eine dynamische Zugbeanspruchung ungünstiger sein. Deshalb werden Härte, Festigkeit, Dehnung, Gefüge und reale Belastung gemeinsam bewertet.
Lerneinheit 5: Typische Einsatzgrenzen
| Werkstofffamilie | Gut passend, wenn ... | Kritisch prüfen, wenn ... |
|---|---|---|
| GJL | Dämpfung, Formsteifigkeit, Gießbarkeit und gute Bearbeitbarkeit wichtig sind | hohe Zugwechsel-, Stoß- oder Kerbbeanspruchung auftritt |
| GJV | mechanische und thermische Anforderungen kombiniert auftreten | sehr gute Zerspanbarkeit oder sehr hohe Duktilität gefordert ist |
| GJS | höhere Festigkeit und Duktilität benötigt werden | Temperaturbereich, Kerbschlagverhalten oder sehr hohe Härte besondere Anforderungen stellen |
Schweißen als Grenze: Schweißarbeiten an Gusseisen sind kein Standard-Reparaturschritt. Für Gusseisen bestehen eigene Empfehlungen und qualifizierte Verfahren. Eine Reparaturentscheidung gehört in die zuständige Fach- und Freigabekette.
Ausbildungsfall: Gehäuse für einen Prüfstand
Ein Ausbildungsbetrieb plant ein gegossenes Lager- und Getriebegehäuse. Es soll Schwingungen gut dämpfen, viele Bohr- und Fräsflächen erhalten und im normalen Betrieb überwiegend statisch belastet werden. Stoßbelastungen sind konstruktiv nicht vorgesehen.
Kandidaten: EN-GJL-250, EN-GJV und EN-GJS.
| Anforderung | Gewichtung | Beobachtung |
|---|---|---|
| Schwingungsdämpfung | hoch | spricht stark für GJL |
| gute Zerspanbarkeit | hoch | spricht häufig für GJL |
| hohe Bruchdehnung | niedrig | im Ausgangsfall nicht führend |
| starke Stoß- und Zugwechselbeanspruchung | niedrig | im Ausgangsfall nicht vorgesehen |
Didaktische Vorauswahl: GJL ist für diesen Ausgangsfall ein plausibler Kandidat. Das ist noch keine Bauteilfreigabe. Konstruktion, Wanddicke, Lastkollektiv, Gussqualität, Normanforderungen und Werkstoffzeugnis müssen geprüft werden.

Das Bild zeigt eine Bremsscheibe aus Gusseisen als anschauliches Beispiel für eine reale Gussanwendung. Die konkrete Werkstoffsorte eines Bauteils darf aus einem Foto allein nicht abgeleitet werden.
Änderung des Falls
Nun soll derselbe Gehäusebereich eine Lasche tragen, die regelmäßig wechselnd auf Zug beansprucht wird und gelegentliche Stoßlasten aufnehmen muss.
Neue Bewertung: Die ursprüngliche Begründung für GJL reicht nicht mehr aus. Eine GJS-Sorte wird als Werkstofffamilie deutlich interessanter, weil geringere Graphit-Kerbwirkung und höhere Duktilität zur geänderten Beanspruchung passen. Die konkrete Sorte muss erneut aus Norm, Konstruktion und Nachweisen gewählt werden.
Gestufte Hilfen
Hilfe 1 – Gefüge: Suche zuerst die Graphitform. Lamelle, Wurm oder Kugel?
Hilfe 2 – Anforderung: Übersetze „Schwingung“, „Stoß“, „Zugwechsel“ und „viel Zerspanung“ in Werkstoffeigenschaften.
Hilfe 3 – Vorauswahl: Wähle zuerst eine Werkstofffamilie. Die genaue Sorte folgt erst nach Daten- und Normprüfung.
Hilfe 4 – Freigabegrenze: Eine gute Lernlösung ist noch keine technische Freigabe. Werkstoffzeugnis, Zeichnung, Norm, Belastung und betriebliche Freigabe bleiben notwendig.
Basis-, Anwendungs- und Transferaufgaben
Basis
- Graphitform erkennen: Ordne die drei Schliffbilder GJL, GJV und GJS zu und nenne jeweils das sichtbare Formmerkmal.
- Kurzzeichen entschlüsseln: Erkläre, wofür L, V und S in den Kurzzeichen GJL, GJV und GJS stehen.
Begründetes Feedback: GJL erkennst Du an Lamellen, GJV an vermicularen oder wurmähnlichen Graphitformen und GJS an kugeligen Graphitausscheidungen. Die Form ist wichtig, weil sie die Kerbwirkung und damit das mechanische Verhalten beeinflusst.
Anwendung
- Werkstoffauswahl Gehäuse: Wähle für den Ausgangsfall eine Werkstofffamilie und begründe sie mit zwei Anforderungen.
- Messwerte vergleichen: Begründe anhand der beiden Datenansichten, welcher Werkstoff bei höherer geforderter plastischer Verformbarkeit günstiger erscheint.
Begründetes Feedback: Für das schwingungsdämpfende, stark zu bearbeitende Gehäuse ohne relevante Stoßlast ist GJL plausibel. Für höhere Verformbarkeit spricht GJS, weil die veröffentlichte Beispielansicht eine deutlich höhere Bruchdehnung zeigt. Ein einzelner Kennwert reicht trotzdem nicht zur Freigabe.
Transfer
- Anforderungsänderung: Entscheide neu, wenn die Gehäuselasche wechselnd auf Zug und zusätzlich stoßartig belastet wird.
- Grenzfall GJV: Formuliere einen Fall, in dem GJV als Kompromiss zwischen GJL und GJS interessant sein könnte.
Begründetes Feedback: Bei dynamischer Zug- und Stoßbeanspruchung wird GJS als Familie attraktiver, weil kugeliger Graphit die Kerbwirkung reduziert. GJV kann interessant sein, wenn höhere Festigkeit als bei GJL mit günstigen thermischen Eigenschaften kombiniert werden soll. Die konkrete Sorte bleibt eine Prüfaufgabe.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welche Graphitform kennzeichnet GJL? (Lamellengraphit) (!Kugelgraphit) (!Vermiculargraphit) (!Cementitkugeln)
Welche Graphitform kennzeichnet GJS? (Kugelgraphit) (!Lamellengraphit) (!Vermiculargraphit) (!Nadelgraphit)
Welche Graphitform kennzeichnet GJV? (Vermiculargraphit) (!Kugelgraphit) (!Lamellengraphit) (!Fasergrafit)
Warum ist GJL bei Zugbeanspruchung vergleichsweise kritisch? (Graphitlamellen erzeugen eine starke Kerbwirkung) (!Graphitlamellen machen den Werkstoff immer weich) (!GJL enthält grundsätzlich keinen Kohlenstoff) (!GJL kann grundsätzlich nicht gegossen werden)
Welche Eigenschaft spricht bei einem schwingungsdämpfenden Maschinengehäuse oft für GJL? (Gute Schwingungsdämpfung) (!Sehr hohe Bruchdehnung) (!Sehr hohe Kerbschlagzähigkeit) (!Sehr hohe plastische Umformbarkeit)
Welche Werkstofffamilie bietet typischerweise die höhere Duktilität? (GJS) (!GJL) (!Weißes Gusseisen) (!Gehärteter Hartguss)
Was wird bei der Brinell-Härteprüfung ausgewertet? (Der Eindruck einer Prüfkugel) (!Die Farbe der Bruchfläche) (!Die elektrische Leitfähigkeit) (!Die Länge eines Spans)
Welche Norm behandelt Gusseisen mit Lamellengraphit? (DIN EN 1561) (!DIN EN 16079) (!DIN EN 1563) (!DIN EN 1011 Teil 8)
Was ist vor einer praktischen Werkstattprüfung zwingend zu klären? (Unterweisung Gefährdungsbeurteilung und zuständige Aufsicht) (!Nur die gewünschte Messzahl) (!Nur die Werkzeugfarbe) (!Nur die Werkstoffbezeichnung)
Welche Reihenfolge beschreibt eine saubere Werkstoffvorauswahl am besten? (Anforderung Eigenschaft Werkstofffamilie Nachweis) (!Werkstoffname Preis Farbe Freigabe) (!Härte Foto Schätzung Freigabe) (!Werkzeug Werkstoff Zufall Serienstart)
Memory
| Lamellengraphit | GJL |
| Kugelgraphit | GJS |
| Vermiculargraphit | GJV |
| Kerbwirkung | Spannungsspitze |
| Brinellprüfung | Eindruckdurchmesser |
| Schwingungsdämpfung | Maschinenbett |
| Duktilität | Bruchdehnung |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Lamellengraphit | gute Dämpfung |
| Kugelgraphit | höhere Duktilität |
| Vermiculargraphit | Zwischenstellung |
| Brinellhärte | Kugel-Eindruck |
| Bearbeitbarkeit | Spanbildung und Werkzeugverschleiß |
Kreuzworträtsel
| Graphit | Welcher Kohlenstoffbestandteil erscheint in GJL GJV und GJS in unterschiedlicher Form? |
| Lamelle | Welche Form hat der Graphit bei GJL? |
| Kugelgraphit | Welche Graphitform vermindert die Kerbwirkung gegenüber Lamellen deutlich? |
| Vermiculargraphit | Welche wurmähnliche Graphitform kennzeichnet GJV? |
| Brinell | Welche Härteprüfung arbeitet mit einem kugelförmigen Eindringkörper? |
| Dämpfung | Welche Eigenschaft ist bei Maschinenbetten häufig besonders wichtig? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Sicherheitsrahmen für alle Aufgaben: Beobachten, Auswerten, Planen und Dokumentieren ist ohne Maschinenarbeit möglich. Jede tatsächliche Werkstattdurchführung erfolgt nur nach Unterweisung, Gefährdungsbeurteilung, betrieblicher Freigabe und mit zuständiger Aufsicht.
Leicht
- Gefügebild beschriften: Erstelle zu den drei Schliffbildern je eine Bildlegende mit Graphitform und Kurzzeichen.
- Eigenschaftskarten: Formuliere je eine Karte zu Dämpfung, Duktilität, Kerbwirkung und Bearbeitbarkeit.
- Werkstoffsteckbrief: Erstelle einen kompakten Steckbrief für GJL, GJV oder GJS.
- Medienprüfung: Öffne eine verwendete Commons-Dateiseite und notiere Urheber, Lizenz und Lernzweck des Bildes.
Standard
- Auswahlmatrix: Bewerte GJL, GJV und GJS für ein Gehäuse mit den Kriterien Dämpfung, Bearbeitbarkeit und dynamische Beanspruchung.
- Messwertanalyse: Erkläre, warum ein Härtewert allein keine Aussage über Duktilität und Stoßeignung erlaubt.
- Zerspanvergleich: Recherchiere in freigegebenen Fachunterlagen, wie sich Werkzeugbelastung bei GJL, GJV und GJS unterscheiden kann.
- Erklärvideo planen: Entwirf ein einminütiges Storyboard zum Zusammenhang von Graphitform und Kerbwirkung.
Schwer
- Konstruktionsänderung bewerten: Ändere im Ausbildungsfall eine Lastanforderung und begründe, ob die Werkstofffamilie gewechselt werden sollte.
- Schadenshypothese: Entwickle für einen hypothetischen Riss an einer GJL-Lasche drei mögliche Ursachen und nenne die Informationen, die zur Prüfung fehlen.
- Normenvergleich: Vergleiche den Anwendungsbereich von DIN EN 1561, DIN EN 1563 und DIN EN 16079 anhand aktueller Norminformationen.
- Prüfplan entwerfen: Erstelle auf Papier einen Prüfplan aus Gefügebeurteilung, Härtewert, Werkstoffzeugnis und Lastanforderung. Eine reale Durchführung ist nur nach betrieblicher Freigabe zulässig.


Lernkontrolle
- Werkstofffamilie begründen: Ein Maschinenbett soll stark dämpfen und gut bearbeitbar sein. Begründe eine Vorauswahl und nenne zwei Grenzen dieser Entscheidung.
- Anforderungskonflikt lösen: Ein Bauteil benötigt hohe Dämpfung und zugleich hohe Duktilität. Erkläre, warum eine einfache Rangliste der Gusseisenarten nicht genügt.
- Messdaten bewerten: Zwei Werkstoffdatenblätter zeigen ähnliche Härtewerte, aber stark unterschiedliche Bruchdehnungen. Leite daraus ab, welche zusätzliche Information für eine dynamische Belastung wichtig ist.
- Gefügebild übertragen: Du erhältst ein unbekanntes Schliffbild mit überwiegend kugeligem Graphit. Formuliere eine begründete Hypothese zur Werkstofffamilie und nenne zwei Punkte, die Du noch prüfen musst.
- Bearbeitungsgrenze erklären: Begründe, warum die Aussage „Gusseisen ist immer gut zerspanbar“ fachlich zu pauschal ist.
- Freigabe unterscheiden: Erkläre den Unterschied zwischen einer didaktischen Werkstoffvorauswahl und einer technischen Arbeits- oder Bauteilfreigabe.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis ist wichtig, dass Du nicht nur Kurzzeichen auswendig kennst, sondern Zusammenhänge begründen kannst.
- Graphitformen: GJL, GJV und GJS anhand der Graphitform sicher unterscheiden.
- Gefüge-Eigenschaft-Beziehung: Kerbwirkung, Dämpfung und Duktilität aus der Graphitform qualitativ ableiten.
- Bearbeitbarkeit: erklären, warum Graphitform und Matrix die Zerspanung beeinflussen.
- Messwerte: Brinellhärte, Zugfestigkeit, Dehngrenze und Bruchdehnung in ihrer Aussage unterscheiden.
- Werkstoffauswahl: Anforderungen in eine begründete Werkstoffvorauswahl übersetzen.
- Einsatzgrenzen: erkennen, wann eine ursprüngliche Werkstoffentscheidung neu bewertet werden muss.
- Sicherheitsgrenze: erklären, warum dieser Kurs keine Arbeitsfreigabe ersetzt.
Fachliche Quellen und Medienrechte
Normstatus bei Kurserstellung geprüft: 04.10.2026. Für reale Entscheidungen ist immer der im Betrieb gültige aktuelle Stand zu verwenden.
| Quelle | Verwendung im Kurs | Prüfhinweis |
|---|---|---|
| DIN EN 1561:2024-03 | Gusseisen mit Lamellengraphit | bei DIN Media als aktuell geführt |
| DIN EN 1563:2019-04 | Gusseisen mit Kugelgraphit | bei DIN Media als aktuell geführt |
| DIN EN 16079:2024-03 | Gusseisen mit Vermiculargraphit | bei DIN Media als aktuell geführt |
| Procedia CIRP: Machinability of graphitic cast iron grades | Vergleich von GJL GJV und GJS bei der Zerspanung | Open-Access-Fachartikel |
| Metallographic Atlas der Universidad Complutense de Madrid | Gefügeeinordnung | Hochschulquelle |
| KIPP Datenblatt EN-GJL-250 | Beispielwerte für Messdaten | Datenblattwerte nicht als allgemeine Abnahmewerte verwenden |
| Fonderie Schlumberger Werkstoffübersicht | Beispielwerte EN-GJS-400-18 | Werte mit Norm und Zeugnis abgleichen |
| Wikipedia Gusseisen | OER-Orientierung und Begriffe | Sekundärquelle |
| Wikipedia Zerspanbarkeit von Gusseisen | Überblick zur Zerspanbarkeit | Sekundärquelle mit Fachliteratur |
Geprüfte Wikimedia-Commons-Medien
| Datei | Lernzweck | Lizenz laut Commons-Dateiseite |
|---|---|---|
| GGV-GGG.jpg | direkter Vergleich GJL GJV GJS | Public Domain |
| Gusseisen mit Lamellengraphit.jpg | Schliffbild GJL | CC BY-SA 4.0, Urheber Hb tuw |
| Gusseisen mit Kugelgraphit.jpg | Schliffbild GJS | CC BY-SA 4.0, Urheber Hb tuw |
| GJV 50e 01 ies.jpg | Schliffbild GJV | CC BY-SA 3.0 und GFDL, Urheber Frank Vincentz |
| Diag FeC fonte grise.svg | Diagramm zu Graphit und Cementit | CC BY-SA und GFDL, Urheber Cdang |
| BrinellHardness.svg | Prüfprinzip Brinell | CC BY-SA und GFDL |
| Brinell calibration block.jpg | reale Messwert- und Prüfansicht | CC BY 4.0, Urheber GarfieldJAustin |
| Disc break wheel.jpg | Anwendungsbild Bremsscheibe | CC BY-SA 3.0, Urheber Majorcaptain |
YouTube-Hinweis: Die eingebetteten Videos verweisen auf die jeweiligen Originalangebote bei YouTube. Die Rechte verbleiben bei den Rechteinhabern. Eingebettet werden nur die oben genannten, fachlich geprüften Bildungsangebote; kein Sofatutor-Inhalt wird verwendet.
OERs zum Thema
Wikimedia Commons: Metallography of cast iron
Wikimedia Commons: Metallography of compacted graphite iron
Verknüpfte Lernbereiche
aiMOOC-Projekte
MOOCwiki · Deutsch
Nach dem Lernen ist vor dem Lernen
Entdecke direkt den nächsten Lernkurs. Weitere Inhalte erscheinen, wenn Du weiter nach unten scrollst.
Zur MOOCwiki-HauptseiteMediathek
Mediathek wird aus dem Wiki geladen ...
Keine passenden Inhalte gefunden. Bitte ändere Suche oder Filter.
NEWSLernweltNOAH fragen