MUSIC FOR ONE APARTMENT AND SIX DRUMMERS

MUSIC FOR ONE APARTMENT AND SIX DRUMMERS
MUSIC FOR ONE APARTMENT AND SIX DRUMMERS
MUSIC FOR ONE APARTMENT AND SIX DRUMMERS ist ein schwedischer Kurzfilm aus dem Jahr 2001 von Ola Simonsson und Johannes Stjärne Nilsson (auch J. Stjärne Nilsson). Der Film verbindet Musik, Rhythmus, Percussion, Film und Performance: Sechs Schlagzeugerinnen und Schlagzeuger betreten während der Abwesenheit eines älteren Paares dessen Wohnung und verwandeln Alltagsgegenstände in Instrumente. Aus Klopfen, Reiben, Schlagen, Schütteln, Fallenlassen, Maschinenklängen und anderen Geräuschen entsteht ein genau organisiertes musikalisches Geschehen.
Zielgruppe: Klasse 5–10
In diesem aiMOOC untersuchst Du den Film vor allem als Musikfilm. Du erforschst, wie Alltagsgeräusche durch Auswahl, Wiederholung, Puls, Rhythmus, Akzent, Tempo, Dynamik, Klangfarbe, Zusammenspiel und filmische Inszenierung als Musik wahrgenommen werden können. Außerdem entwickelst Du eigene Rhythmus-, Klang- und Filmexperimente.
Einleitung
Was unterscheidet Musik von Geräusch? Muss ein Instrument eigens für Musik gebaut worden sein? Kann eine Mikrowelle Teil eines Ensembles werden? Kann das Zuschlagen einer Schranktür einen Beat bilden? Und verändert sich ein Geräusch, wenn mehrere Menschen es bewusst in einem gemeinsamen Rhythmus organisieren?
MUSIC FOR ONE APARTMENT AND SIX DRUMMERS macht aus diesen Fragen eine kurze Filmhandlung. Die sechs Mitglieder der Gruppe Six Drummers warten, bis die Bewohner einer Wohnung das Haus verlassen. Dann führen sie in der Wohnung ein Konzert in vier Sätzen auf. Laut der Filmografie der Regisseure heißen diese Sätze Kitchen, Bedroom, Bathroom und Livingroom. Zu den verwendeten Gegenständen gehören unter anderem Hundenäpfe, Hausschuhe, eine Toilettenbürste und eine Mikrowelle.
Der Film wurde 2001 in Schweden produziert. Das Festival de Cannes führt ihn als Wettbewerbsbeitrag der Kurzfilmsektion mit einer Laufzeit von neun Minuten; die Filmografie der Regisseure bezeichnet ihn als etwa zehnminütigen Film. Er gewann außerdem den schwedischen Guldbagge für den besten Kurzfilm des Jahres 2001.
Das Spannende für den Musikunterricht ist weniger die Handlung als die Frage, wie aus alltäglichen Klängen eine musikalische Form entsteht. Genau dabei helfen Dir Begriffe aus Musik und Film.

Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst Du erklären, wie der Film Alltagsgegenstände als Klangquellen nutzt. Du kannst rhythmische Muster erkennen und beschreiben, Klangfarben vergleichen, die vierteilige Form des Films untersuchen und erläutern, wie Bild, Ton, Bewegung, Schnitt und Spannung zusammenwirken. Außerdem kannst Du eigene sichere Klangexperimente planen, durchführen, notieren, aufnehmen und auswerten.
Filmsteckbrief
| Merkmal | Information |
|---|---|
| Titel | MUSIC FOR ONE APARTMENT AND SIX DRUMMERS |
| Regie | Ola Simonsson und Johannes Stjärne Nilsson |
| Jahr | 2001 |
| Land | Schweden |
| Form | Kurzfilm, Musikfilm, fiktionale Performance |
| Länge | ungefähr 9–10 Minuten |
| Grundidee | Sechs Percussionisten erzeugen in einer Wohnung Musik mit Alltagsgegenständen. |
| Vier Sätze | Kitchen, Bedroom, Bathroom, Livingroom |
| Musikerinnen und Musiker | Magnus Börjeson, Johannes Björk, Marcus Haraldsson Boij, Fredrik Myhr, Sanna Persson Halapi und Anders Vestergård |
| Auszeichnung | Guldbagge für den besten Kurzfilm 2001 |
Der Film als Musikfilm
Ein Musikfilm ist nicht einfach nur ein Film, in dem Musik vorkommt. Bei MUSIC FOR ONE APARTMENT AND SIX DRUMMERS ist Musik das eigentliche Handlungsmittel. Die Figuren betreten die Wohnung, weil sie dort musizieren wollen. Räume werden zu Bühnen, Haushaltsgegenstände zu Instrumenten und alltägliche Handlungen zu musikalischen Gesten.
Dadurch sind Bild und Ton eng voneinander abhängig. Wenn Du siehst, wie ein Gegenstand angeschlagen wird, erwartest Du gleichzeitig einen bestimmten Klang. Wenn mehrere Bewegungen exakt zusammenfallen, wirkt das wie eine Choreografie. Der Film erzählt deshalb nicht nur mit Dialog oder Handlung, sondern besonders mit Rhythmus, Körperbewegung, Geräusch und Montage.
In der Filmanalyse spricht man von diegetischem Ton, wenn eine Klangquelle zur dargestellten Welt gehört. Die Klänge der sechs Drummer sind überwiegend sichtbar oder als Teil des Geschehens nachvollziehbar. Die Musik wird also nicht einfach wie eine Hintergrundmusik über die Bilder gelegt, sondern im Bild erzeugt.
Die Handlung als Rahmen für Musik
Die Inszenierung erinnert zunächst an einen sorgfältig geplanten Einbruch. Die Gruppe beobachtet die Wohnung, wartet auf die Abwesenheit der Bewohner und arbeitet unter Zeitdruck. Dadurch entsteht Spannung. Gleichzeitig wird dieser kriminalfilmähnliche Rahmen humorvoll umgedeutet: Das Ziel ist kein Diebstahl, sondern ein Konzert.
Diese Gegenüberstellung verstärkt die Wirkung der Musik. Die sechs Personen handeln sehr konzentriert und ernst, während die verwendeten Klangquellen teilweise gewöhnlich oder überraschend erscheinen. Gerade dieser Kontrast kann komisch wirken. Die Inszenierung macht deutlich, dass die Gegenstände nicht zufällig Geräusche produzieren. Sie werden bewusst ausgewählt, rhythmisch eingesetzt und im Ensemble koordiniert.
Vier Räume – vier musikalische Sätze
Die vier Sätze Kitchen, Bedroom, Bathroom und Livingroom strukturieren den Film wie Teile eines Musikstücks. Jeder Raum besitzt andere Gegenstände, Oberflächen und Geräte. Dadurch verändert sich das verfügbare Klangmaterial.
| Satz | Raum | Beobachtungsauftrag | Musikalische Frage |
|---|---|---|---|
| Kitchen | Küche | Achte auf Metall, Geschirr, Geräte, Klappen und kurze Anschläge. | Welche Gegenstände eignen sich für einen klaren Puls? |
| Bedroom | Schlafzimmer | Achte auf weichere Materialien, Möbel, Bewegung und ungewöhnliche Aktionen. | Wie verändert das Material die Klangfarbe? |
| Bathroom | Badezimmer | Achte auf Wasser, Bürsten, Geräte, Flächen und sich wiederholende Bewegungen. | Wie können verschiedene Geräusche zu mehreren rhythmischen Schichten werden? |
| Livingroom | Wohnzimmer | Achte auf Steigerung, größere Gesten, dichteres Zusammenspiel und den Schluss. | Wie wird musikalische Spannung aufgebaut? |
Die genaue Wirkung solltest Du beim Sehen selbst überprüfen. Gute Filmanalyse unterscheidet zwischen Beobachtung und Deutung: Zuerst beschreibst Du möglichst genau, was Du hörst und siehst. Danach erklärst Du, welche Wirkung dadurch entsteht.
Vom Alltagsgeräusch zur Musik
Ein Geräusch wird nicht allein dadurch zu Musik, dass es angenehm klingt. Für die Wirkung des Films ist entscheidend, dass die Drummer Geräusche ordnen. Sie wählen Klangquellen aus, setzen Einsätze fest, wiederholen Muster, kombinieren mehrere Stimmen und gestalten Lautstärke sowie Dichte.
Ein einzelnes Klopfen kann zufällig wirken. Vier gleichmäßig wiederholte Klopfgeräusche können bereits einen Puls bilden. Werden dazu andere Geräusche in einem wiederkehrenden Muster ergänzt, entsteht ein Rhythmus. Hebt die Gruppe bestimmte Schläge hervor, entstehen Akzente. Wiederholt sich ein Muster längere Zeit, kann man von einem Ostinato sprechen.

Puls, Rhythmus und Tempo
Der Puls ist ein regelmäßig wahrnehmbares Grundraster. Er kann mit einem gleichmäßigen Ticken verglichen werden. Der Rhythmus ist die konkrete zeitliche Anordnung längerer und kürzerer Klangereignisse auf oder zwischen diesen Pulsschlägen. Das Tempo beschreibt, wie schnell der Grundpuls verläuft.
Im Film entsteht musikalische Ordnung häufig dadurch, dass eine Person ein regelmäßiges Muster beginnt und andere Stimmen hinzukommen. So kann aus einem Geräusch ein mehrschichtiges Ensemble werden.
Ein einfaches Unterrichtsexperiment:
- Puls: Klopfe vier gleichmäßige Schläge auf den Tisch.
- Rhythmus: Spiele darüber mit zwei Fingern ein anderes wiederkehrendes Muster.
- Akzent: Betone jeden vierten Schlag.
- Ostinato: Wiederhole das Muster mehrere Takte ohne Unterbrechung.

Klangfarbe
Die Klangfarbe hilft Dir zu unterscheiden, wie ein Klang klingt. Ein Metalltopf klingt anders als ein Karton, ein Holzbrett anders als eine Kunststoffdose. Dabei spielen Material, Größe, Form, Resonanzraum und Spielweise eine Rolle.
Du kannst einen Gegenstand auf verschiedene Arten anregen:
- Anschlag: kurz mit Hand, Finger oder weichem Schlägel anschlagen.
- Reibung: über eine Oberfläche streichen oder reiben.
- Schütteln: bewegliche Teile oder Füllmaterial in Bewegung bringen.
- Rascheln: Papier, Stoff oder Folien bewegen.
- Klopfen: mit Fingerknöcheln oder einem ungefährlichen Gegenstand spielen.
- Fallenlassen: nur leichte und unzerbrechliche Gegenstände aus sehr geringer Höhe einsetzen.
Der gleiche Gegenstand kann also mehrere Klangfarben besitzen. Für ein eigenes Stück ist nicht nur wichtig, welcher Gegenstand verwendet wird, sondern auch wie er gespielt wird.
Dynamik und Dichte
Dynamik beschreibt Lautstärke und Lautstärkeverläufe. Eine Gruppe kann sehr leise beginnen und sich allmählich steigern. Ebenso wichtig ist die Dichte: Spielen nur ein oder zwei Klangquellen, wirkt die Musik oft durchsichtig. Kommen immer mehr Stimmen hinzu, kann die Wirkung voller und energischer werden.
Im Film lässt sich beobachten, wie die musikalische Spannung durch wechselnde Besetzungen, neue Klangquellen, Wiederholung und Steigerung gestaltet wird. Du kannst deshalb beim Sehen nicht nur einzelne Geräusche notieren, sondern auch fragen: Wann wird die Musik dichter? Wann entsteht eine Pause? Wann wirkt eine Stelle wie ein Höhepunkt?
Gegenstände als Instrumente
Ein klassisches Schlagzeug besteht aus Instrumenten, die ausdrücklich zum Musizieren gebaut wurden. Die Six Drummers kehren dieses Prinzip um: Sie suchen musikalische Möglichkeiten in Gegenständen, die eigentlich andere Funktionen besitzen.

Ein Vergleich macht die Idee deutlich:
| Gewöhnliches Schlaginstrument | Mögliche Alltags-Entsprechung | Gemeinsames Prinzip |
|---|---|---|
| Trommel | Karton oder Dose | Eine Fläche wird angeschlagen. |
| Becken | Metalldeckel | Metall wird in Schwingung versetzt. |
| Shaker | verschlossene Dose mit ungefährlicher Füllung | Kleine Teile erzeugen beim Bewegen Impulse. |
| Holzblock | Holzbrett | Ein kurzer trockener Anschlag erzeugt einen klaren Klang. |
| Guiro | geriffelte ungefährliche Oberfläche | Eine Struktur wird rhythmisch gerieben. |

Der Vergleich bedeutet nicht, dass jeder Gegenstand ein vollwertiger Ersatz für ein Instrument ist. Interessant ist vielmehr, dass viele musikalische Prinzipien auch außerhalb traditioneller Instrumente auftreten: Schwingung, Resonanz, Anschlag, Reibung, Wiederholung und Koordination.
Ungewöhnliche Klangquellen und die Grenze des Instrumentbegriffs
Musikgeschichte und Gegenwart zeigen viele Instrumente, deren Klangquellen zunächst ungewöhnlich wirken. Eine Singende Säge ist ein Beispiel dafür, dass ein Gegenstand durch eine besondere Spielweise zu einem Musikinstrument werden kann.

Für den Film ist diese Idee zentral: Die Funktion eines Gegenstands wird vorübergehend verändert. Eine Mikrowelle ist im Alltag ein Küchengerät. In der Performance kann ihr Signalton, ihre Tür, ihr Innenraum oder ein anderer ungefährlicher Klangaspekt als musikalisches Material wahrgenommen werden. Entscheidend ist die bewusste Gestaltung.
Die Gruppe Six Drummers beschreibt ihr eigenes künstlerisches Ziel als Erforschung der Grenzen zwischen Klang, Musik und Bild. Dadurch eignet sich der Film besonders gut, um über die Frage zu diskutieren: Wann hören wir nur ein Geräusch – und wann beginnen wir, darin Musik zu erkennen?
Rhythmus als Zusammenarbeit
Sechs Personen können nur dann präzise gemeinsam spielen, wenn sie aufeinander achten. Dafür sind mehrere Fähigkeiten wichtig:
- Timing: Ein Klang muss zum vorgesehenen Zeitpunkt erklingen.
- Zuhören: Jede Person muss die anderen Stimmen wahrnehmen.
- Koordination: Bewegungen müssen vorbereitet und abgestimmt werden.
- Wiederholung: Ein Muster muss möglichst stabil wiederholt werden.
- Einsatz: Der Beginn einer Stimme muss klar erkennbar sein.
- Pause: Auch bewusstes Nicht-Spielen gehört zur Gestaltung.
Ein Ensemble besteht deshalb nicht nur aus sechs Einzelpersonen. Es entsteht ein gemeinsames musikalisches System, in dem jede Stimme eine Funktion hat.
Schichten und Ostinati
Ein besonders wirkungsvolles Verfahren ist das Übereinanderschichten mehrerer Ostinati. Eine Person spielt beispielsweise einen gleichmäßigen Grundpuls. Eine zweite ergänzt ein kurzes Muster. Eine dritte setzt nur auf ausgewählten Schlägen Akzente. Eine vierte fügt eine andere Klangfarbe hinzu.
So kann schon mit einfachen Mustern eine komplexe Gesamtwirkung entstehen.
Beispiel für ein Vierer-Ensemble:
| Stimme | Aufgabe | Beispiel |
|---|---|---|
| Grundpuls | hält das Tempo stabil | vier gleichmäßige Tischklopfer |
| Ostinato | liefert ein wiederkehrendes Muster | zwei kurze Klänge und eine Pause |
| Akzentstimme | hebt einzelne Zeitpunkte hervor | kräftiger Kartonklang am Ende einer Vierergruppe |
| Farbklang | verändert die Klangfarbe | leises Papiergeräusch zwischen den Schlägen |
Inszenierung: Wie der Film Musik sichtbar macht
Im Film wird Musik nicht nur gehört, sondern gesehen. Die Körperbewegungen der Drummer, die Wahl der Räume, die Anordnung der Gegenstände und die Kameraführung machen rhythmische Strukturen sichtbar.
Zur Mise-en-scène gehören unter anderem Raum, Gegenstände, Figuren, Kostüm, Licht und Bewegung innerhalb des Bildes. Im Film wirken viele Handlungen sehr geplant. Dadurch erinnert die Performance an eine Choreografie.
Kamera und Bildausschnitt
Ein Nahbild kann einen Gegenstand oder eine Handbewegung hervorheben. Eine weitere Einstellung kann dagegen zeigen, wie mehrere Personen zusammenspielen. Der Bildausschnitt entscheidet deshalb darüber, ob Du gerade eine einzelne Klangquelle oder das Ensemble als Ganzes wahrnimmst.
Beobachte beim Film:
- Wann wird die Klangquelle deutlich gezeigt?
- Wann siehst Du mehrere Drummer gleichzeitig?
- Wann entsteht Spannung dadurch, dass Du mehr hörst als Du im Bild sofort erkennen kannst?
- Wie verändern schnelle oder ruhige Bildwechsel Deine Wahrnehmung des Rhythmus?
Montage und Schnittrhythmus
Montage bedeutet, dass einzelne Filmeinstellungen in einer bestimmten Reihenfolge zusammengesetzt werden. Schnitt kann selbst rhythmisch wirken. Kurze Einstellungen können Energie erzeugen, längere Einstellungen Ruhe. Besonders spannend wird es, wenn Bildwechsel mit musikalischen Akzenten zusammenfallen.
Du kannst beim Sehen eine Strichliste führen: Setze bei jedem auffälligen Schnitt einen Strich und vergleiche anschließend, ob Schnitte häufig auf musikalischen Schwerpunkten liegen. So untersuchst Du den Zusammenhang zwischen Schnittrhythmus und musikalischem Rhythmus.
Synchronität von Bild und Ton
Wenn eine sichtbare Bewegung genau mit einem Klang zusammenfällt, entsteht Synchronität. Das ist im Film besonders wichtig, weil die Zuschauenden den Eindruck bekommen sollen, dass die gezeigten Gegenstände tatsächlich Teil des musikalischen Spiels sind.
Bei einer eigenen Filmaufnahme kannst Du testen, wie stark sich die Wirkung verändert, wenn Bild und Ton leicht gegeneinander verschoben werden. Bereits kleine Abweichungen können ein präzises rhythmisches Ereignis ungenau wirken lassen.
Spannung, Humor und Regelbruch
Der Film kombiniert eine scheinbar streng geplante Aktion mit einer ungewöhnlichen musikalischen Idee. Daraus entsteht Humor. Die sechs Drummer behandeln Haushaltsgegenstände mit der Konzentration professioneller Musikerinnen und Musiker. Gleichzeitig bleibt die Situation absurd, weil eine fremde Wohnung plötzlich zum Konzertsaal wird.
Die Handlung erzeugt zusätzlich Zeitdruck: Die Bewohner können zurückkehren. Dadurch besitzt das Konzert eine Grenze. Musik, Handlung und Spannung laufen gleichzeitig.
Der Film spielt außerdem mit Regeln. Ein Konzert findet normalerweise in einem dafür vorgesehenen Raum statt. Instrumente sind normalerweise dafür gebaut, Musik zu machen. Hier werden beide Erwartungen verändert. Für die schulische Praxis gilt jedoch: Das unerlaubte Betreten fremder Räume oder die Beschädigung von Eigentum wird nicht nachgeahmt. Das künstlerische Konzept wird ausschließlich mit erlaubten, sicheren Gegenständen und vereinbarten Räumen erprobt.
Sicheres Klanglabor
Bevor Du mit Alltagsgegenständen experimentierst, gilt: Sicherheit geht vor Klangwirkung.
- Gehörschutz: Spiele nie direkt am Ohr und vermeide extrem laute Schläge.
- Materialwahl: Verwende keine Glasgegenstände, Messer, scharfen Kanten oder zerbrechlichen Objekte.
- Elektrische Geräte: Öffne keine Geräte und schlage nicht auf angeschlossene Elektrogeräte.
- Eigentum: Nutze nur Gegenstände, deren Verwendung ausdrücklich erlaubt wurde.
- Bewegungsraum: Halte genügend Abstand zu anderen Personen.
- Lautstärke: Vereinbart vor Beginn ein klares Stoppsignal und eine maximale Lautstärke.
Für den Unterricht eignen sich besonders Kartons, Papier, Holzlöffel, leere Kunststoffbehälter, Stifte, Federmäppchen, Bücher, Tischflächen und andere robuste Gegenstände, sofern die Lehrkraft ihre Verwendung erlaubt.
Eigene Klangexperimente
Experiment: Klanginventur
Wähle fünf erlaubte Gegenstände aus einem Klassenraum oder aus Deinem Zuhause. Untersuche jeden Gegenstand mit mindestens drei ungefährlichen Spielweisen. Beschreibe die entstehenden Klänge mit Adjektiven wie hell, dunkel, trocken, metallisch, weich, kurz, lang, raschelnd, dumpf oder scharf.
Erstelle anschließend eine Tabelle:
| Gegenstand | Spielweise | Klangfarbe | Lautstärke | Eignung |
|---|---|---|---|---|
| Beispiel Karton | mit Fingerspitzen klopfen | trocken | leise | Grundpuls |
| eigener Gegenstand | eigene Spielweise | eigene Beschreibung | leise oder mittel | eigene Funktion |
Experiment: Ein Gegenstand – fünf Rhythmen
Wähle einen einzigen ungefährlichen Gegenstand. Entwickle damit fünf unterschiedliche rhythmische Muster. Verändere dabei jeweils nur einen Parameter: Tempo, Akzent, Pausen, Lautstärke oder Spielweise.
Dadurch erfährst Du, dass musikalische Vielfalt nicht zwingend viele Instrumente erfordert. Schon eine einzige Klangquelle kann durch Organisation sehr unterschiedliche Wirkungen erzeugen.
Experiment: Klassenraum-Orchester
Bildet Gruppen mit vier bis sechs Personen. Jede Person übernimmt eine klar definierte Stimme. Beginnt mit einem Grundpuls. Fügt nacheinander weitere Ostinati hinzu. Plant eine Steigerung und einen gemeinsamen Schluss.
Eine mögliche Form ist A – B – A – Coda: Im A-Teil erklingt das Grundmuster. Im B-Teil kommt eine neue Klangfarbe hinzu. Danach kehrt A zurück. Die Coda bildet einen kurzen gemeinsam geplanten Abschluss.
Experiment: Vier Räume als Formmodell
Übertragt das Prinzip des Films auf vier erlaubte Bereiche der Schule, ohne fremde Räume unerlaubt zu betreten. Jeder Bereich erhält eine eigene Klangidee. Das können zum Beispiel Klassenzimmer, Flur, Aula und Schulhof sein.
Wichtig ist nicht, den Film nachzuspielen. Entwickelt stattdessen eine eigene musikalische Logik: Jeder Ort soll eine charakteristische Klangfarbe und eine eigene rhythmische Funktion erhalten.
Vertiefung: Geräusch, Klang und Musik
Im Alltag unterscheiden Menschen oft zwischen Musik und Lärm. Diese Unterscheidung hängt aber auch von Situation, Absicht und Wahrnehmung ab. Ein regelmäßiges Klopfen kann in einer stillen Prüfung störend wirken, in einem Musikstück dagegen den Puls bilden.
Akustisch lassen sich Schallereignisse nach Eigenschaften wie Dauer, Frequenzspektrum, Lautstärke und zeitlichem Verlauf untersuchen. Musikalisch kommt eine weitere Ebene hinzu: Menschen können Schallereignisse strukturieren, wiederholen, kombinieren und interpretieren.
Darum stellt der Film keine einfache Behauptung auf, dass jedes Geräusch automatisch Musik sei. Er zeigt vielmehr, wie Alltagsschall durch kompositorische Entscheidungen in einen musikalischen Zusammenhang gebracht werden kann.
Bezug zu experimenteller Musik
Auch in experimenteller Musik, Musique concrète, Klangkunst und Performancekunst werden Alltagsklänge, Aufnahmen und ungewöhnliche Klangquellen eingesetzt. Solche Vergleiche können helfen, den Film in einen größeren kulturellen Zusammenhang einzuordnen.
Ein direkter Einfluss bestimmter Künstlerinnen oder Künstler auf den Kurzfilm sollte jedoch nur behauptet werden, wenn er belegt ist. Für die Analyse genügt die gemeinsame Fragestellung: Welche Klänge können Teil von Musik sein?
Vergleich mit konventioneller Percussion

Bei klassischen Percussioninstrumenten wurden Material, Form und Bauweise gezielt für musikalische Zwecke entwickelt. Bei den Alltagsobjekten des Films entdecken die Drummer dagegen Klangeigenschaften in bereits vorhandenen Dingen.
Beide Situationen verlangen dennoch ähnliche musikalische Fähigkeiten: Timing, Anschlag, Dynamik, Koordination, Formgefühl und aufmerksames Zuhören.
Beobachtungsbogen für den Film
Nutze beim Anschauen eine Tabelle. Trage möglichst konkrete Beobachtungen ein.
| Zeit oder Abschnitt | Was sehe ich? | Was höre ich? | Rhythmisches Prinzip | Filmisches Mittel | Wirkung |
|---|---|---|---|---|---|
| Anfang | |||||
| Kitchen | |||||
| Bedroom | |||||
| Bathroom | |||||
| Livingroom | |||||
| Schluss |
Differenzierung nach Klassenstufe
Klasse 5–6
Konzentriere Dich auf das Hören und Beschreiben. Erkenne Puls, Wiederholung, laut und leise, schnell und langsam sowie unterschiedliche Klangfarben. Entwickle kurze Rhythmen mit ungefährlichen Gegenständen und spiele sie gemeinsam mit anderen.
Klasse 7–8
Untersuche zusätzlich Ostinati, Akzente, musikalische Schichten, Form, Spannung und Zusammenspiel. Beschreibe, wie Kamera, Schnitt und Körperbewegung die Musik unterstützen. Entwickle ein kurzes Gruppenstück mit klarer Form.
Klasse 9–10
Analysiere das Verhältnis von diegetischem Ton, Montage, Inszenierung, Rhythmus und Bedeutung. Diskutiere den erweiterten Musik- und Instrumentbegriff. Produziere eine kurze audiovisuelle Performance, begründe Deine kompositorischen Entscheidungen und reflektiere die Wirkung von Synchronität zwischen Bild und Ton.
Weiterführende Medien
Das folgende Beispiel der Six Drummers überträgt das Grundprinzip auf eine andere Alltagssituation. Vergleiche, welche Elemente gleich bleiben und welche neuen Klangquellen hinzukommen.
Achte beim Vergleich auf Form, Ort, Gegenstände, Bewegungen, Rhythmus, Klangfarbe und Humor.
Quellen und Nachweise
- Festival de Cannes: MUSIC FOR ONE APARTMENT AND SIX DRUMMERS – Jahr, Regie, Land, Kurzfilmwettbewerb, Laufzeit und Besetzung.
- Kostr-Film: Filmography – Beschreibung des Films, vier Sätze und Beispiele verwendeter Alltagsgegenstände.
- Six Drummers: About – Selbstbeschreibung der Gruppe und Mitglieder.
- Guldbaggen: Music for One Apartment and Six Drummers – Auszeichnung als bester Kurzfilm 2001.
- Svensk Filmdatabas – Eintrag zum Kurzfilm.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Wer führte bei MUSIC FOR ONE APARTMENT AND SIX DRUMMERS Regie? (Ola Simonsson und Johannes Stjärne Nilsson) (!Steven Spielberg und John Williams) (!Sanna Persson und Fred Avril) (!Magnus Börjeson und Anders Vestergård)
Aus welchem Jahr stammt der Kurzfilm? (2001) (!1991) (!2010) (!2021)
Wie viele musikalische Sätze besitzt das Wohnungskonzert? (Vier) (!Zwei) (!Sechs) (!Acht)
Welcher Raum gehört zu den vier Sätzen des Films? (Kitchen) (!Garage) (!Garden) (!Cellar)
Was macht aus wiederholten Alltagsgeräuschen besonders deutlich musikalisches Material? (Rhythmische Organisation) (!Zufällige Unordnung) (!Völlige Bewegungslosigkeit) (!Unsichtbare Schrift)
Was bezeichnet ein Ostinato? (Ein wiederkehrendes musikalisches Muster) (!Eine Filmkamera) (!Eine einmalige Pause ohne Zusammenhang) (!Eine Farbe im Bühnenbild)
Welcher Begriff beschreibt die charakteristische Qualität eines Klangs? (Klangfarbe) (!Filmlänge) (!Bildformat) (!Untertitel)
Was bedeutet diegetischer Ton im Zusammenhang mit diesem Film? (Der Ton gehört zur dargestellten Filmwelt) (!Der Ton ist immer völlig stumm) (!Der Ton wird nur im Abspann verwendet) (!Der Ton entsteht ausschließlich außerhalb des Films)
Welches filmische Mittel kann selbst einen rhythmischen Eindruck erzeugen? (Montage) (!Filmtitel) (!Plakatgröße) (!Altersfreigabe)
Welche Regel gilt für eigene Klangexperimente im Unterricht? (Nur erlaubte und sichere Gegenstände verwenden) (!Glas möglichst kräftig anschlagen) (!Elektrische Geräte öffnen) (!Möglichst nah am Ohr spielen)
Memory
| Puls | regelmäßiges Grundraster |
| Ostinato | wiederkehrendes Muster |
| Klangfarbe | charakteristische Qualität eines Klangs |
| Montage | Anordnung von Filmeinstellungen |
| Dynamik | Gestaltung der Lautstärke |
| Percussion | Klangerzeugung vor allem durch Schlagen Schütteln oder Reiben |
| Synchronität | zeitliches Zusammenfallen von Bildbewegung und Klang |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Ostinato | wiederkehrendes rhythmisches Muster |
| Akzent | hervorgehobenes Klangereignis |
| Montage | rhythmische Verbindung von Filmeinstellungen |
| Klangfarbe | charakteristische Qualität einer Klangquelle |
| Synchronisation | präzise zeitliche Abstimmung von Bild und Ton |
Kreuzworträtsel
| Rhythmus | Wie heißt die zeitliche Ordnung von Klangereignissen? |
| Ostinato | Wie heißt ein wiederkehrendes musikalisches Muster? |
| Klangfarbe | Welcher Begriff beschreibt den charakteristischen Höreindruck eines Klangs? |
| Montage | Wie heißt die Zusammenstellung einzelner Filmeinstellungen? |
| Percussion | Welcher Sammelbegriff bezeichnet Schlaginstrumente und verwandte Spielweisen? |
| Synchronität | Wie heißt das genaue zeitliche Zusammenfallen von Bild und Ton? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Klangtagebuch: Finde fünf sichere Alltagsgegenstände und beschreibe jeweils mindestens zwei unterschiedliche Klänge, die Du damit erzeugen kannst.
- Rhythmus: Erfinde ein viertaktiges Rhythmusmuster mit Klatschen, Schnipsen, Tischklopfen oder einem erlaubten Gegenstand und führe es vor.
- Klangfarbe: Sortiere mindestens acht ungefährliche Gegenstände nach den Kategorien hell, dunkel, weich, hart, kurz oder lang und begründe Deine Entscheidungen.
- Filmbeobachtung: Wähle einen Satz des Films aus und notiere möglichst genau, welche Bewegungen, Geräusche und Wiederholungen Du wahrnimmst.
Standard
- Ostinato: Entwickle mit einer Gruppe drei unterschiedliche Ostinati und kombiniere sie zu einem einminütigen Stück mit gemeinsamem Anfang und Schluss.
- Sounddesign: Nimm fünf Alltagsgeräusche auf und ordne sie am Computer oder Tablet zu einer kurzen rhythmischen Klangcollage. Nutze nur Aufnahmen, die Du selbst und mit Erlaubnis erstellt hast.
- Montage: Drehe eine kurze Szene mit drei verschiedenen Kameraeinstellungen und schneide sie so, dass die Bildwechsel mit rhythmischen Akzenten zusammenfallen.
- Musikfilm: Vergleiche den Satz Kitchen mit einem selbst gewählten anderen Satz des Films. Untersuche Klangquellen, Tempo, Dichte, Kamera und Wirkung.
Schwer
- Komposition: Entwirf ein zwei- bis dreiminütiges Werk für vier bis sechs Alltagsklangquellen mit mindestens zwei Ostinati, einer Dynamiksteigerung, einer Pause und einer Coda.
- Filmanalyse: Analysiere eine Sequenz des Films als Zusammenspiel von Mise-en-scène, diegetischem Ton, Rhythmus, Montage und Spannung. Belege jede Deutung mit einer konkreten Beobachtung.
- Experimentelle Musik: Recherchiere eine Position aus experimenteller Musik oder Klangkunst, die Alltagsklänge nutzt, und vergleiche ihre Idee mit dem Film. Unterscheide Gemeinsamkeiten, Unterschiede und belegbare Einflüsse.
- Audiovisuelle Performance: Produziere in einer Gruppe einen eigenen ein- bis zweiminütigen Musikfilm mit sicheren Alltagsgegenständen. Erstellt vorher Partitur, Storyboard und Sicherheitsplan und reflektiert anschließend die Synchronität von Bild und Ton.


Lernkontrolle
- Transfer Alltagsgeräusch: Du hörst in einem Klassenzimmer zehn Sekunden lang unregelmäßiges Stifteklopfen. Entwickle drei konkrete Veränderungen, durch die daraus ein bewusst gestalteter musikalischer Abschnitt werden könnte, und begründe jede Veränderung mit einem Fachbegriff.
- Filmanalyse: Erkläre an einer selbst gewählten Szene, wie Bildgestaltung und Rhythmus zusammenwirken. Trenne dabei Beobachtung und Interpretation klar voneinander.
- Klanggestaltung: Plane für vier sichere Gegenstände ein Ensemble. Begründe, welcher Gegenstand Grundpuls, Ostinato, Akzent und Farbklang übernimmt und warum seine Klangfarbe zur Aufgabe passt.
- Montage: Zwei Filmfassungen zeigen dieselbe Performance. In Fassung A wechseln die Bilder genau auf musikalischen Akzenten, in Fassung B liegen die Schnitte dazwischen. Erkläre, welche unterschiedlichen Wirkungen entstehen könnten.
- Musikbegriff: Nimm begründet Stellung zur Aussage „Ein Geräusch wird erst durch bewusste Organisation zu Musik“. Nutze Beispiele aus dem Film und mindestens ein eigenes Gegenbeispiel oder eine Einschränkung.
- Form: Übertrage das Vier-Satz-Prinzip Kitchen, Bedroom, Bathroom und Livingroom auf vier Bereiche Deiner Schule. Entwickle für jeden Ort eine eigene musikalische Funktion und erkläre, wie alle vier Teile zusammen eine Gesamtform bilden.
- Ensemble: Eine Gruppe spielt rhythmisch sauber, aber jede Person wird immer lauter. Entwickle eine Probenstrategie, die Timing, Dynamik, Zuhören und Sicherheit gleichzeitig verbessert.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur Fakten zum Film kennst, sondern musikalische und filmische Zusammenhänge erklären und praktisch anwenden kannst.
- Du kannst die Grundidee des Films als Verbindung von Alltagsklang, Rhythmus, Performance und Film beschreiben.
- Du kannst die vier Sätze Kitchen, Bedroom, Bathroom und Livingroom als formale Gliederung erkennen.
- Du kannst die Begriffe Puls, Rhythmus, Tempo, Akzent, Ostinato, Dynamik und Klangfarbe korrekt anwenden.
- Du kannst erklären, wie Alltagsgegenstände durch Spielweise und Organisation zu musikalischen Klangquellen werden.
- Du kannst diegetischen Ton, Montage, Bildausschnitt und Synchronität an einer Filmszene untersuchen.
- Du kannst zwischen genauer Beobachtung und eigener Deutung unterscheiden.
- Du kannst ein eigenes kurzes Rhythmus- oder Klangstück planen und im Ensemble zuverlässig ausführen.
- Du kannst Sicherheitsregeln beim Experimentieren mit Gegenständen einhalten und begründen.
- Du kannst die Wirkung einer eigenen Komposition oder Filmaufnahme reflektieren und Verbesserungsvorschläge entwickeln.
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