Literatur im Deutschunterricht Klasse 5 und 6


Literatur im Deutschunterricht Klasse 5 und 6
Literatur entdecken – Deutsch Klasse 5/6
Einleitung
Literatur lädt Dich dazu ein, andere Welten zu betreten, Figuren zu begleiten, Gefühle nachzuvollziehen und über wichtige Fragen des Lebens nachzudenken. Im Deutschunterricht der Klassen 5 und 6 lernst Du, literarische Texte aufmerksam zu lesen, ihre Gestaltung zu untersuchen und eigene Deutungen verständlich zu begründen. Dabei begegnest Du unter anderem Märchen, Fabeln, Sagen, Erzählungen, Kinder- und Jugendromanen, Gedichten und kleinen Dramenszenen.
Literatur ist mehr als eine Sammlung von Geschichten. Sie gestaltet Sprache bewusst. Ein Text kann Spannung erzeugen, Bilder im Kopf entstehen lassen, mit Klängen spielen, verschiedene Sichtweisen zeigen oder Fragen offenlassen. Deshalb geht es beim literarischen Lernen nicht nur darum, was erzählt wird, sondern auch darum, wie ein Text seine Wirkung erreicht.
Dieser aiMOOC hilft Dir, Texte selbstständig zu erschließen. Du lernst Fachbegriffe kennen, erprobst Lesestrategien, untersuchst Figuren und Erzählweisen, deutest sprachliche Bilder und gestaltest eigene Texte, Hörstücke oder Spielszenen. Zu einer überzeugenden Deutung gehören immer drei Schritte: Beobachtung, Textbeleg und Erklärung.

Lernziele
Nach diesem Kurs kannst Du literarische Textsorten unterscheiden, Handlungsverläufe zusammenfassen, Figuren charakterisieren, Erzählperspektiven erkennen, Gedichte in ihrer Form und Sprache beschreiben, dramatische Szenen untersuchen und eigene Deutungen mit Textstellen belegen. Außerdem kannst Du Literatur kreativ weitergestalten und Deine Ergebnisse adressatengerecht präsentieren.
Was ist Literatur?
Im Alltag begegnen Dir sehr unterschiedliche Texte: Nachrichten informieren über Ereignisse, Anleitungen erklären ein Vorgehen und Lexikonartikel vermitteln Wissen. Literarische Texte gestalten Sprache dagegen häufig künstlerisch und eröffnen erfundene, mögliche oder besonders verdichtete Wirklichkeiten. Diese Unterscheidung ist hilfreich, aber nicht starr: Auch Literatur kann Wissen enthalten, und Sachtexte können erzählerisch gestaltet sein.
Ein wichtiger Begriff ist die Fiktion. Fiktion bedeutet, dass eine erzählte Welt gestaltet ist. Selbst wenn Orte, Personen oder Ereignisse aus der Wirklichkeit übernommen werden, ist der Text nicht einfach mit der Wirklichkeit gleichzusetzen. Eine literarische Figur ist deshalb keine reale Person, und der Erzähler ist nicht automatisch der Autor.

Die drei großen literarischen Gattungen
Eine traditionelle Einteilung unterscheidet Epik, Lyrik und Dramatik. Viele moderne Texte verbinden mehrere Formen, dennoch hilft die Einteilung bei der ersten Orientierung.
| Gattung | Typische Gestaltung | Beispiele |
|---|---|---|
| Epik | Eine erzählte Handlung wird durch einen Erzähler vermittelt. | Märchen, Fabel, Sage, Kurzgeschichte, Roman |
| Lyrik | Sprache ist häufig in Verse und Strophen gegliedert und arbeitet besonders verdichtet mit Klang, Rhythmus und Bildern. | Gedicht, Ballade, Lied |
| Dramatik | Eine Handlung wird vor allem durch Figurenrede und Spiel auf einer Bühne dargestellt. | Theaterstück, Szene, Hörspiel |
Erzählende Texte untersuchen
Bei einem erzählenden Text kannst Du verschiedene Ebenen untersuchen: die Handlung, die Figuren, Raum und Zeit, den Erzähler, die Sprache und die Wirkung auf Lesende. Diese Ebenen hängen zusammen. Eine spannende Handlung wirkt zum Beispiel anders, wenn sie aus der begrenzten Sicht einer ängstlichen Figur erzählt wird.
Handlung und Aufbau
Die Handlung besteht aus Ereignissen, die miteinander verbunden sind. Viele Geschichten lassen sich in Ausgangssituation, Entwicklung, Höhepunkt oder Wendepunkt und Schluss gliedern. Dieses Muster ist kein Gesetz: Manche Texte beginnen mitten im Geschehen, erzählen rückwärts oder enden offen.
Ein Konflikt treibt die Handlung häufig an. Eine Figur möchte etwas erreichen, wird aber durch eine andere Figur, eine Regel, eine Gefahr oder einen inneren Zweifel daran gehindert. Achte darauf, welches Ziel eine Figur verfolgt, welche Hindernisse auftreten und ob sich die Figur verändert.
Eine Rückblende führt zu einem früheren Ereignis. Eine Vorausdeutung weist auf etwas hin, das später geschehen könnte. Beide Mittel beeinflussen Spannung und Erwartung.
Figuren charakterisieren
Eine Charakterisierung beschreibt nicht nur das Aussehen einer Figur. Sie untersucht auch Verhalten, Gedanken, Gefühle, Beziehungen, Ziele, Stärken, Schwächen und mögliche Entwicklungen.
Eine gute Charakterisierung folgt häufig diesem Muster:
| Schritt | Leitfrage | Beispiel |
|---|---|---|
| Behauptung | Welche Eigenschaft erkennst Du? | Die Figur wirkt zunächst unsicher. |
| Beleg | Welche Textstelle zeigt das? | Sie spricht leise, weicht Blicken aus und zögert vor der Tür. |
| Erklärung | Warum passt der Beleg zur Behauptung? | Das zögernde Verhalten zeigt, dass sie der Situation noch nicht vertraut. |
Unterscheide zwischen direkter Charakterisierung und indirekter Charakterisierung. Direkt ist eine Aussage wie „Ravi war geduldig“. Indirekt zeigt ein Text die Eigenschaft durch Handlungen oder Sprache: „Ravi erklärte den Weg ein drittes Mal, ohne unruhig zu werden.“
Erzähler und Erzählperspektive
Der Erzähler ist die Stimme, die eine Geschichte vermittelt. Er gehört zur Gestaltung des Textes und ist nicht mit dem Autor gleichzusetzen.
| Erzählweise | Kennzeichen | Mögliche Wirkung |
|---|---|---|
| Ich-Erzähler | Erzählt mit „ich“ und berichtet aus der eigenen Wahrnehmung. | Nähe zur Figur, aber begrenztes Wissen |
| Personaler Erzähler | Erzählt in der dritten Person und folgt meist der Wahrnehmung einer Figur. | Lesende erleben das Geschehen eng aus einer bestimmten Sicht. |
| Auktorialer Erzähler | Überblickt häufig mehrere Figuren, Zeiten und Zusammenhänge und kann kommentieren. | Orientierung und Überblick |
| Neutraler Erzähler | Beschreibt vor allem äußerlich Wahrnehmbares, ohne Gedanken ausführlich zu erklären. | Distanz und Raum für eigene Schlüsse |
Die Übergänge können fließend sein. Entscheidend ist deshalb nicht nur die Bezeichnung, sondern die Frage: Was weiß die erzählende Stimme, wessen Gedanken erfahren wir und wie beeinflusst das unsere Sicht?
Raum, Zeit und Atmosphäre
Der Handlungsort kann mehr sein als eine Kulisse. Ein enger Keller kann Bedrohung erzeugen, ein heller Marktplatz Offenheit oder Unruhe. Auch die Tageszeit, das Wetter, Geräusche und Farben prägen die Atmosphäre.
Die Erzählzeit ist die Zeit, die das Lesen oder Erzählen ungefähr benötigt. Die erzählte Zeit umfasst den Zeitraum der Handlung. Eine Geschichte kann zehn Jahre in wenigen Sätzen zusammenfassen oder einen einzigen Augenblick sehr ausführlich darstellen.
Sprache und Wirkung
Literarische Sprache erzeugt Vorstellungen und Gefühle. Untersuche nie nur den Namen eines Stilmittels, sondern immer seine Wirkung im Zusammenhang.
| Stilmittel | Erklärung | Beispiel | Mögliche Wirkung |
|---|---|---|---|
| Vergleich | Verknüpft zwei Bereiche häufig mit „wie“ oder „als“. | Der See lag da wie ein Spiegel. | Macht eine Vorstellung anschaulich. |
| Metapher | Überträgt einen Ausdruck in einen neuen Bedeutungsbereich. | Ein Meer aus Lichtern | Verdichtet eine Vorstellung. |
| Personifikation | Gibt Tieren, Dingen oder Naturerscheinungen menschliche Eigenschaften. | Der Wind flüstert. | Belebt eine Szene. |
| Wiederholung | Ein Wort oder eine Struktur erscheint mehrfach. | Weiter, weiter lief sie. | Verstärkt einen Eindruck. |
| Alliteration | Benachbarte Wörter beginnen mit demselben Laut. | Wilde Wellen | Hebt eine Formulierung klanglich hervor. |
| Lautmalerei | Ein Wort ahmt ein Geräusch nach. | knistern, plätschern | Macht Geräusche hörbar. |
Mini-Beispiel: Eine Textstelle erschließen
Text: „Nela legte die Hand auf die rostige Klinke. Hinter der Tür knackte etwas. Sie wollte nach Tom rufen, doch ihre Stimme blieb in der Kehle stecken.“
Beobachtung: Die Handlung wird aus Nelas Wahrnehmung gezeigt. Das Geräusch wird nicht erklärt.
Beleg: Nela hört ein Knacken und kann vor Angst nicht rufen.
Erklärung: Das begrenzte Wissen der Figur überträgt ihre Unsicherheit auf die Lesenden. Die kurze Folge der Sätze und das unbekannte Geräusch steigern die Spannung.
Wichtige Textsorten in Klasse 5/6
Märchen
Märchen erzählen von wunderbaren Ereignissen. Häufig erscheinen Zaubergegenstände, sprechende Tiere, Hexen, Riesen oder andere übernatürliche Wesen. Ort und Zeit bleiben oft unbestimmt. Formelhafte Anfänge und Schlüsse, deutliche Gegensätze sowie besondere Zahlen wie drei oder sieben kommen häufig vor. Nicht jedes Märchen besitzt alle Merkmale.
Bei Volksmärchen wurden Geschichten lange mündlich weitergegeben und später gesammelt oder bearbeitet. Die Brüder Jacob Grimm und Wilhelm Grimm veröffentlichten im 19. Jahrhundert ihre Sammlung der „Kinder- und Hausmärchen“. Kunstmärchen werden dagegen einer bestimmten Autorin oder einem bestimmten Autor zugeschrieben und können typische Märchenmuster verändern.


Untersuche bei einem Märchen besonders die Aufgaben der Hauptfigur, Helfer und Gegenspieler, magische Elemente, wiederkehrende Formeln und die Frage, welche Werte oder Konflikte die Geschichte sichtbar macht.
Fabel
Eine Fabel ist meist kurz und stellt einen überschaubaren Konflikt dar. Häufig handeln Tiere, die sprechen und menschliche Eigenschaften verkörpern. Der Fuchs gilt in vielen Fabeltraditionen als schlau, der Löwe als mächtig oder der Esel als störrisch. Solche Zuordnungen sind Rollenbilder der Textsorte und keine Aussagen über echte Tiere.
Am Ende lässt sich eine Moral oder Lehre formulieren. Sie kann ausdrücklich genannt sein oder muss aus Handlung und Ausgang erschlossen werden. Eine überzeugende Lehre ist nicht einfach ein beliebiger Spruch, sondern passt genau zum Konflikt.

Beispielidee: Ein schneller Vogel verspottet eine langsam kriechende Schnecke. Als ein Sturm aufzieht, findet die Schnecke Schutz unter einem Stein, während der Vogel lange nach einem sicheren Ort suchen muss. Eine passende Lehre könnte lauten: Wer nur eine Stärke bewundert, übersieht den Wert anderer Fähigkeiten.
Sage, Legende und Mythos
Eine Sage ist häufig mit einem bestimmten Ort, einer historischen Person oder einem auffälligen Naturereignis verbunden. Sie erhebt oft einen Wirklichkeitsanspruch, enthält aber zugleich wunderbare oder fantastische Elemente.
Eine Legende erzählt traditionell von religiös bedeutsamen Personen oder wundersamen Ereignissen. Im heutigen Alltag wird das Wort „Legende“ auch für eine außergewöhnlich berühmte Person verwendet; das ist eine andere Bedeutung.
Ein Mythos erzählt von Göttern, Weltentstehung, Naturkräften oder grundlegenden menschlichen Fragen. Mythen gehören zu kulturellen Überlieferungen und erklären Weltzusammenhänge in bildhaften Geschichten.
Erzählung, Kurzgeschichte und Jugendroman
Eine Erzählung ist ein Oberbegriff für viele erzählende Texte und kann sehr unterschiedlich lang sein. Eine Kurzgeschichte konzentriert sich meist auf einen begrenzten Ausschnitt, beginnt häufig ohne lange Einleitung und endet manchmal offen. Solche Merkmale sind Tendenzen, keine unveränderlichen Regeln.
Ein Kinderroman oder Jugendroman entfaltet eine längere Handlung. Mehrere Figuren, Konflikte und Schauplätze können miteinander verbunden werden. Beim Lesen eines Romans hilft ein Lesetagebuch, in dem Du Kapitel zusammenfasst, Fragen notierst, Figurenbeziehungen festhältst und wichtige Textstellen sammelst.
Gedichte untersuchen
Ein Gedicht ist häufig in Verse und Strophen gegliedert. Seine Sprache ist meist stark verdichtet: Wenige Wörter können viele Vorstellungen auslösen. Das sprechende Ich oder die sprechende Stimme im Gedicht heißt lyrisches Ich. Es ist nicht automatisch mit der Dichterin oder dem Dichter identisch.
Form, Klang und Rhythmus
Achte auf die Anzahl der Strophen und Verse, auf Satzzeichen, Zeilensprünge, Wiederholungen und Klang. Ein Reim entsteht, wenn Wörter vom letzten betonten Vokal an ähnlich klingen.
| Reimschema | Muster | Beispiel der Zeilenenden |
|---|---|---|
| Paarreim | aabb | Haus – Maus – Wind – Kind |
| Kreuzreim | abab | Haus – Wind – Maus – Kind |
| Umarmender Reim | abba | Haus – Wind – Kind – Maus |
Nicht jedes Gedicht reimt sich. Auch freie Verse können durch Rhythmus, Wiederholung, Wortwahl und Zeilenbau gestaltet sein.
Sprachliche Bilder deuten
Gehe bei einem sprachlichen Bild in drei Schritten vor: Beschreibe zuerst, was wörtlich gesagt wird. Erkläre dann, welche Vorstellung entsteht. Begründe schließlich, wie diese Vorstellung zum Thema oder zur Stimmung des Gedichts passt.
Beispiel: „Der Morgen öffnet sein Fenster.“ Wörtlich kann ein Morgen kein Fenster öffnen. Die Personifikation lässt den Tagesbeginn wie eine handelnde Figur erscheinen. Das Bild kann Offenheit, Neubeginn oder Helligkeit vermitteln.
Eigenes Beispielgedicht
Im Hof erwacht ein leiser Ton,
ein Rad zieht Kreise auf dem Stein.
Die Sonne klettert auf den Thron,
der neue Tag tritt bei uns ein.
Ein Fenster blinzelt in das Licht,
die alte Mauer wird ganz warm.
Der Wind erzählt ein Kurzgedicht
und trägt den Duft von Baum zu Baum.
Du kannst hier einen Kreuzreim erkennen. Personifikationen wie „Die Sonne klettert“, „Ein Fenster blinzelt“ und „Der Wind erzählt“ beleben den Morgen.
Drama und szenisches Spiel
Ein Drama ist für die Aufführung gedacht. Figuren sprechen in Dialogen oder längeren Monologen. Regieanweisungen geben Hinweise zu Bewegungen, Stimme, Raum, Licht oder Geräuschen. Ein Theaterstück ist oft in Akte und Szenen gegliedert.

Beim Lesen einer Szene stellst Du Dir die Aufführung mit vor. Frage Dich: Wo stehen die Figuren? Wie sprechen sie? Welche Pausen sind wichtig? Was zeigen Gestik und Mimik? Eine Regieentscheidung ist überzeugend, wenn sie durch den Text begründet werden kann.
Mini-Szene:
MARA: Du hast den Schlüssel doch eingesteckt.
ELI: Ich dachte, du nimmst ihn.
(Mara schaut auf die dunkle Tür. Von innen ist ein leises Klopfen zu hören.)
MARA: Dann sollten wir zuerst klären, wer dort drin ist.
Die Figurenrede gibt Informationen, während die Regieanweisung Spannung erzeugt. Beim Spielen könntest Du erproben, wie eine lange Pause vor Maras letztem Satz die Wirkung verändert.
Lesestrategien
Gute Leserinnen und Leser verstehen nicht immer sofort alles. Sie setzen bewusst Strategien ein und prüfen ihr Verständnis.
| Phase | Strategie | Leitfragen |
|---|---|---|
| Vor dem Lesen | Titel, Bilder und Textsorte betrachten; Vorwissen aktivieren | Was erwarte ich? Was weiß ich schon? |
| Während des Lesens | Schlüsselstellen markieren; unbekannte Wörter klären; Fragen und Vermutungen notieren | Was ist wichtig? Was überrascht mich? Was bleibt unklar? |
| Nach dem Lesen | Abschnitte zusammenfassen; Beziehungen darstellen; Deutungen mit Belegen prüfen | Wie hängt alles zusammen? Welche Aussage kann ich belegen? |
Markiere sparsam. Wenn fast jede Zeile farbig ist, hilft die Markierung kaum. Verwende Randzeichen, zum Beispiel „?“ für eine offene Frage, „!“ für eine überraschende Stelle und „F“ für eine wichtige Figureninformation.

Auch Vorlesen ist eine Lesestrategie. Betonung, Lautstärke, Tempo und Pausen zeigen, wie Du einen Text verstehst. Vergleiche verschiedene Vorleseweisen und begründe, welche Wirkung sie haben.
Inhaltsangabe und Zusammenfassung
Eine Inhaltsangabe gibt die wesentlichen Handlungsschritte knapp und sachlich wieder. Sie wird in der Regel im Präsens geschrieben. Eine Einleitung nennt Textsorte, Titel, Autorin oder Autor und das zentrale Thema, sofern diese Angaben vorliegen. Im Hauptteil ordnest Du die wichtigsten Ereignisse logisch. Unwichtige Einzelheiten, Spannungseffekte und lange Zitate lässt Du weg.
Ungeeignet: „Dann passiert plötzlich etwas total Krasses, das ich noch nicht verraten will.“
Geeignet: „Als die Figur die verschlossene Kammer öffnet, entdeckt sie den Grund für das Verschwinden ihres Bruders.“
Eine Zusammenfassung zeigt nicht jede Einzelheit, sondern den Zusammenhang. Prüfe nach dem Schreiben: Kann jemand den Handlungsverlauf verstehen, ohne den Originaltext zu kennen?
Deuten und mit Textbelegen arbeiten
Eine Interpretation erklärt eine mögliche Bedeutung und Wirkung des Textes. Gute Deutungen sind nicht bloß Geschmacksurteile. Sie stützen sich auf Beobachtungen am Text.
Verwende die B-B-E-Kette:
| Schritt | Funktion | Satzanfang |
|---|---|---|
| Behauptung | Formuliert Deine Deutung. | Die Szene zeigt, dass … |
| Beleg | Verweist auf eine passende Textstelle. | Das wird deutlich, als … |
| Erklärung | Verbindet Beleg und Behauptung. | Die Formulierung wirkt …, weil … |
Mehrere Deutungen können vertretbar sein, wenn sie den Text genau berücksichtigen. Ein Beleg allein erklärt noch nichts; erst Deine Erklärung zeigt den Zusammenhang.
Literatur kreativ gestalten
Beim kreativen Schreiben zeigst Du Textverständnis, indem Du Gestaltungsmittel bewusst übernimmst oder veränderst. Du kannst eine Leerstelle füllen, einen inneren Monolog schreiben, die Perspektive wechseln, eine Szene dramatisieren, ein Gedicht vertonen oder ein alternatives Ende entwickeln.
Achte darauf, dass Deine Gestaltung zum Ausgangstext passt. Ein Perspektivwechsel gelingt zum Beispiel nur, wenn das Wissen der neuen Erzählerin oder des neuen Erzählers glaubwürdig begrenzt ist.
Literatur in anderen Medien
Geschichten erscheinen als Buch, Hörbuch, Comic, Graphic Novel, Theaterstück, Film oder digitales Spiel. Eine Adaption überträgt einen Stoff in ein anderes Medium und verändert ihn dabei. Ein Film kann Musik, Kamera und Schnitt nutzen; ein Hörspiel arbeitet besonders mit Stimmen, Geräuschen und Stille; ein Comic erzählt durch Bildfolge, Perspektive, Farbe und Sprechblasen.
Bewerte eine Adaption nicht nur danach, ob sie „genau wie das Buch“ ist. Frage, welche Entscheidungen getroffen wurden, welche Wirkung sie erzeugen und ob zentrale Konflikte oder Figuren neu gedeutet werden.
Fachwortschatz kompakt
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Handlung | Folge miteinander verbundener Ereignisse |
| Konflikt | Zusammenstoß von Zielen, Interessen oder inneren Bedürfnissen |
| Erzähler | Vermittlungsinstanz einer erzählten Geschichte |
| Erzählperspektive | Blickwinkel, aus dem das Geschehen vermittelt wird |
| Figurenkonstellation | Beziehungen der Figuren zueinander |
| Motiv | Wiederkehrendes bedeutungsvolles Element, etwa eine Reise oder eine Prüfung |
| Symbol | Konkretes Zeichen mit weiterführender Bedeutung |
| Atmosphäre | Grundstimmung einer Szene |
| Textbeleg | Passende Stelle, die eine Aussage stützt |
| Deutung | Begründete Erklärung von Bedeutung und Wirkung |
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Warum ist der Erzähler nicht automatisch mit dem Autor gleichzusetzen? (Der Erzähler ist eine vom Text gestaltete Vermittlungsinstanz) (!Der Erzähler veröffentlicht immer das Buch) (!Der Erzähler ist stets die Hauptfigur) (!Der Erzähler kennt grundsätzlich alle Gedanken)
Wie heißt eine einzelne Zeile eines Gedichts? (Vers) (!Strophe) (!Kapitel) (!Akt)
Welches Merkmal ist für viele Fabeln typisch? (Tiere verkörpern menschliche Eigenschaften) (!Die Handlung umfasst immer mehrere Jahrhunderte) (!Alle Figuren besitzen Zauberkräfte) (!Der Text besteht nur aus Regieanweisungen)
Was kennzeichnet einen personalen Erzähler häufig? (Er vermittelt das Geschehen eng aus der Sicht einer Figur) (!Er spricht ausschließlich in Reimen) (!Er gibt nur Bühnenbilder wieder) (!Er ist immer die Autorin oder der Autor)
Welche Formulierung enthält einen Vergleich? (Die Wolke schwimmt wie ein Schiff) (!Die Wolke ist ein grauer Vorhang) (!Die Wolke grollt) (!Wolken wandern weit)
Welche Aufgabe hat eine Regieanweisung? (Sie gibt Hinweise für Spiel und Inszenierung) (!Sie fasst einen Roman vollständig zusammen) (!Sie nennt das Reimschema eines Gedichts) (!Sie erklärt die Moral einer Fabel)
In welcher Zeitform wird eine Inhaltsangabe in der Regel geschrieben? (Präsens) (!Plusquamperfekt) (!Futur zwei) (!Konjunktiv zwei)
Welche Reihenfolge führt zu einer überzeugenden Deutung? (Behauptung Beleg Erklärung) (!Beleg Überschrift Seitenzahl) (!Meinung Vermutung Wiederholung) (!Titel Reim Figurenliste)
Welches Merkmal kommt in vielen Märchen vor? (Unbestimmte Zeit und wunderbare Elemente) (!Exakte wissenschaftliche Messdaten) (!Ausschließlich reale Zeitungsberichte) (!Nur Dialoge ohne Handlung)
Welche Strategie hilft beim Lesen eines schwierigen Abschnitts? (Fragen notieren und Schlüsselstellen zusammenfassen) (!Jedes unbekannte Wort übergehen) (!Möglichst alle Sätze gleich stark markieren) (!Nur den letzten Satz lesen)
Memory
| Erzähler | Vermittelt eine erzählte Geschichte |
| Strophe | Abschnitt eines Gedichts |
| Fabel | Führt zu einer Lehre |
| Regieanweisung | Hinweis für die Aufführung |
| Personifikation | Gibt Nichtmenschlichem menschliche Eigenschaften |
| Rückblende | Sprung zu einem früheren Ereignis |
| Textbeleg | Stützt eine Aussage am Text |
| Atmosphäre | Grundstimmung einer Szene |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Märchen | Wunderbare Ereignisse und häufig unbestimmte Zeit |
| Fabel | Kurzer Konflikt mit übertragbarer Lehre |
| Sage | Überlieferung mit Ortsbezug oder historischem Kern |
| Gedicht | Gestaltung durch Verse Klang und sprachliche Verdichtung |
| Drama | Handlung durch Figurenrede und szenisches Spiel |
| Ich-Erzähler | Vermittlung des Geschehens mit ich |
| Metapher | Bildhafte Bedeutungsübertragung |
| Inhaltsangabe | Knappe sachliche Wiedergabe der Hauptereignisse |
Kreuzworträtsel
| Erzähler | Welche Instanz vermittelt die Handlung einer Geschichte? |
| Strophe | Wie heißt ein Abschnitt aus mehreren Versen? |
| Metapher | Welches Stilmittel überträgt einen Ausdruck bildhaft? |
| Dialog | Wie heißt ein Gespräch zwischen Figuren? |
| Märchen | Welche Textsorte enthält häufig Zauber und unbestimmte Orte? |
| Handlung | Wie heißt die Folge der Ereignisse in einer Geschichte? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Lesetagebuch: Wähle eine kurze Erzählung und gestalte zu drei Abschnitten jeweils eine Überschrift, eine Ein-Satz-Zusammenfassung, eine Frage und eine wichtige Textstelle.
- Figurensteckbrief: Erstelle zu einer literarischen Figur ein übersichtliches Blatt mit äußeren Merkmalen, Eigenschaften, Zielen, Beziehungen und zwei passenden Textbelegen.
- Vorlesen: Nimm eine einminütige Vorleseprobe auf. Plane Betonung, Tempo, Lautstärke und Pausen und erkläre anschließend zwei Deiner Entscheidungen.
- Textsortenplakat: Gestalte ein Lernplakat zu Märchen, Fabel, Sage, Gedicht oder Drama. Nutze Merkmale, ein selbst erfundenes Beispiel und eine kleine Prüfaufgabe.
Standard
- Perspektivwechsel: Schreibe eine bekannte Szene aus der Sicht einer anderen Figur neu. Begrenze das Wissen der Figur glaubwürdig und markiere drei Stellen, an denen die neue Perspektive sichtbar wird.
- Fabelwerkstatt: Verfasse eine eigene Fabel zu einem Konflikt aus dem Schulalltag. Wähle passende Tierrollen, entwickle eine klare Handlung und formuliere eine Lehre, die genau zum Ausgang passt.
- Gedichtgestaltung: Schreibe ein Gedicht mit mindestens zwei Strophen. Verwende bewusst Wiederholung, ein sprachliches Bild und ein Klangmittel und erläutere ihre Wirkung.
- Standbild: Entwickelt in einer Gruppe drei Standbilder zu Ausgangssituation, Wendepunkt und Schluss einer Erzählung. Fotografiert oder beschreibt die Bilder und begründet Körperhaltung, Abstand und Blickrichtung.
Schwer
- Medienvergleich: Vergleiche eine kurze Buchszene mit ihrer Umsetzung als Film, Hörspiel oder Comic. Untersuche mindestens drei Gestaltungsmittel und bewerte ihre Wirkung mit Belegen.
- Literaturinterview: Befrage eine Bibliothekarin, einen Bibliothekar, eine Buchhändlerin, einen Buchhändler oder eine lesebegeisterte Person dazu, wie Bücher ausgewählt und empfohlen werden. Werte die Antworten in einem Bericht aus.
- Literaturpodcast: Produziere einen fünf- bis achtminütigen Podcast zu einem Kinder- oder Jugendroman. Verbinde Inhaltsüberblick, Figurenanalyse, eine kurze rechtlich zulässige Leseprobe und eine begründete Empfehlung.
- Klassenanthologie: Plant eine Sammlung eigener Märchen, Fabeln, Gedichte oder Kurzgeschichten. Entwickelt Auswahlkriterien, gebt einander Rückmeldungen, überarbeitet die Texte und verfasst ein gemeinsames Vorwort.


Lernkontrolle
- Unzuverlässiges Erzählen: Eine Ich-Figur behauptet, mutig zu sein, flieht aber in jeder schwierigen Situation. Erkläre, wie dieser Widerspruch die Glaubwürdigkeit und Wirkung der Erzählung verändert. Beziehe mindestens zwei erfundene oder vorgegebene Textsignale ein.
- Textsorten begründen: Ein Text enthält sprechende Tiere, endet offen und nennt keine ausdrückliche Moral. Entscheide, ob er als Fabel gelesen werden kann. Begründe Deine Entscheidung mit Merkmalen und Gegenargumenten.
- Figurenentwicklung: Vergleiche eine Figur am Anfang und am Ende einer gelesenen Geschichte. Erkläre, welche Ereignisse die Veränderung ausgelöst haben und welche Textstellen Deine Deutung tragen.
- Sprachwirkung: Formuliere eine nüchterne Beschreibung eines Gewitters und anschließend eine literarische Version mit Metapher, Personifikation und Lautmalerei. Vergleiche die Wirkung beider Fassungen.
- Szenische Umsetzung: Verwandle einen erzählenden Absatz in eine kurze Theaterszene. Entscheide, welche Informationen in Dialog, Handlung oder Regieanweisung erscheinen, und begründe Deine Auswahl.
- Offener Schluss: Entwickle zwei unterschiedliche Fortsetzungen zu einem offenen Ende. Zeige, welche Hinweise des Ausgangstextes jeweils aufgegriffen werden und wie sich die Aussage der Geschichte verändert.
- Lesestrategie: Plane für einen unbekannten längeren Text eine Strategie vor, während und nach dem Lesen. Begründe, welche Schwierigkeiten jede Maßnahme lösen soll.
Lernnachweis
Ein Lernnachweis zu diesem Thema sollte zeigen, dass Du Texte nicht nur wiedergeben, sondern selbstständig untersuchen, deuten und gestalten kannst. Wichtig sind:
- Textverständnis: Du erfasst zentrale Handlungsschritte, Konflikte und Zusammenhänge.
- Fachbegriffe: Du verwendest Begriffe wie Erzähler, Perspektive, Strophe, Metapher, Regieanweisung und Textbeleg richtig.
- Analyse: Du untersuchst Figuren, Aufbau, Sprache, Form und Wirkung.
- Begründung: Du verbindest Deutungen mit passenden Textstellen und erklärst den Zusammenhang.
- Vergleich: Du erkennst Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Textsorten oder medialen Umsetzungen.
- Gestaltung: Du setzt Merkmale literarischer Texte in einer eigenen Schreib-, Sprech- oder Spielaufgabe bewusst ein.
- Überarbeitung: Du nutzt Rückmeldungen, verbesserst Inhalt und Sprache und kannst Änderungen begründen.
- Präsentation: Du stellst Ergebnisse klar, strukturiert und adressatengerecht vor.
Als Lernnachweis eignet sich ein Portfolio mit Lesetagebuch, Analyse, kreativem Text, Überarbeitung und kurzer Reflexion. Ebenso möglich sind eine schriftliche Lernaufgabe, ein Buchgespräch oder eine szenische Präsentation mit schriftlicher Begründung.
OERs zum Thema
Weitere freie Lern- und Medienzugänge findest Du über Wikisource, Wikibooks, Wikimedia Commons und die Artikel zu Kinder- und Jugendliteratur, Erzähltheorie, Lyrik und Drama.
Wikimedia Commons: Lesende Kinder
Wikimedia Commons: Brüder Grimm
Verknüpfte Lernbereiche
Der Lernbereich verbindet Lesekompetenz, Schreibkompetenz, Sprechen und Zuhören, Sprachbewusstsein, Medienkompetenz und kulturelle Bildung. Literaturunterricht fördert dabei sowohl genaues Beobachten als auch begründetes Deuten, kreatives Gestalten und den Austausch über unterschiedliche Sichtweisen.
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