Kunstschmieden in den 1950er Jahren - Schmied


Kunstschmieden in den 1950er Jahren - Schmied
Kunstschmieden in den 1950er Jahren - Schmied
Einleitung
Das Kunstschmieden der 1950er Jahre stand zwischen überliefertem Schmiedehandwerk, Wiederaufbau und moderner Metallgestaltung. In vielen Werkstätten wurden weiterhin Kohleessen, Ambosse, Handhämmer, Zuschlägerhämmer und mechanische Feder- oder Lufthämmer eingesetzt. Gleichzeitig nahmen elektrische Schweißverfahren, genormte Walzprofile und arbeitsteilige Fertigung an Bedeutung zu. Für Kunstschmiede entstanden dadurch neue Möglichkeiten, aber auch die Aufgabe, handwerklich geschmiedete Formen von bloß zusammengesetzten Zierteilen unterscheidbar zu machen.
In der Bundesrepublik trug das Handwerk wesentlich zum Wiederaufbau und zum Bauboom der 1950er Jahre bei. Besonders Bau-, Metall- und Elektrohandwerke wuchsen stark.[1] Die Handwerksordnung von 1953 ordnete die Selbstverwaltung des westdeutschen Handwerks neu und nahm das Schmiede-Handwerk in die Anlage A auf; ein Berufsbild für das Schmiede-Handwerk wurde Ende 1959 anerkannt.[2][3] In der DDR arbeiteten Kunstschmiede ebenfalls an Bauaufgaben, Ausstattungen und repräsentativen Kunstwerken. Die Begriffe Schmied, Kunstschmied und Kunstschlosser wurden in der Praxis nicht überall einheitlich verwendet.

Der Berliner Kunstschmied Fritz Kühn im Jahr 1955. Das Bild eignet sich als zeitgenössischer Einstieg in den Beruf und seine öffentliche Wahrnehmung.
Dieser Lernkurs richtet sich an Auszubildende und verbindet Fachgeschichte mit Werkstoffkunde, Fertigungsverfahren, Gestaltung, Arbeitsschutz und der Analyse historischer Schmiedearbeiten. Du sollst nicht nur Jahreszahlen kennen, sondern erkennen, wie technische Möglichkeiten, Bauaufgaben und Formvorstellungen die Arbeit eines Schmieds beeinflussten.
Beobachtungsauftrag: Achte im Film auf Feuerführung, Werkzeughaltung, Arbeitsteilung, Klangkontrolle und die sichtbaren Querschnittsveränderungen am Werkstück.
Lernziele
- Schmiedetechniken: Du beschreibst Recken, Stauchen, Absetzen, Biegen, Tordieren, Lochen und Feuerschweißen fachsprachlich richtig.
- Werkzeuge: Du ordnest Esse, Amboss, Hämmer, Zangen, Gesenke, Dorne und Hilfswerkzeuge ihren Funktionen zu.
- Gestaltung: Du analysierst Proportion, Rhythmus, Materialquerschnitt, Oberfläche, Verbindung und Funktion eines geschmiedeten Bauteils.
- Geschichte: Du erklärst, wie Wiederaufbau, Wohnungsbau und Modernisierung die Auftragslage der 1950er Jahre veränderten.
- Sicherheit: Du vergleichst historische Werkstattpraxis mit heutigen Schutzmaßnahmen.
- Berufsbezug: Du stellst den historischen Kunstschmied heutigen Tätigkeiten im Ausbildungsberuf Metallbauer/in – Fachrichtung Metallgestaltung gegenüber.
Kunstschmieden im historischen Kontext
Wiederaufbau, Bauboom und neue Aufträge
Nach 1945 mussten zerstörte Wohnhäuser, öffentliche Gebäude, Kirchen, Bahnhöfe und Geschäftsbauten instand gesetzt oder neu errichtet werden. Für Metallhandwerke entstanden Aufträge für Treppen- und Balkongeländer, Fenstergitter, Tore, Zäune, Leuchter, Beschläge, Schilder, Raumteiler, Grabmale und sakrale Ausstattungen. Neben Neuanfertigungen gehörten Reparatur, Anpassung und Wiederverwendung zum Alltag. Materialknappheit prägte vor allem die frühen Nachkriegsjahre; im Verlauf der 1950er Jahre verbesserten sich Materialversorgung und Maschinenausstattung vieler Betriebe.

Ein junger Schmied beim Umbau eines Pflugs im Jahr 1951. Das Foto zeigt, dass der Beruf weit über Kunstobjekte hinaus auch Reparatur, Anpassung und landtechnische Arbeit umfasste.
Die Arbeit eines Kunstschmieds war häufig eng mit Architektur, Schlosserei, Metallbau und Kunst am Bau verbunden. Entwürfe mussten nicht nur schön, sondern tragfähig, montierbar, wartbar und für ihren Einbauort geeignet sein. Bei Geländern waren beispielsweise Achsabstände, Handlaufhöhe, Befestigung und Absturzsicherung zu berücksichtigen. Historische Bauteile erfüllen nicht automatisch heutige Normen; bei Restaurierungen müssen Bestandsschutz, Denkmalschutz und aktuelle Sicherheitsanforderungen fachlich geprüft werden.
Berufsbezeichnungen und Ausbildung
In den 1950er Jahren war die berufliche Ordnung regional und politisch unterschiedlich. In Werkstätten begegneten sich die Bezeichnungen Schmied, Kunstschmied, Bauschmied, Kunstschlosser und Schlosser. Sie beschrieben teils Ausbildungswege, teils Tätigkeitsprofile oder betriebliche Traditionen. Ein Kunstschmied musste sowohl freie Formgebung am Feuer als auch Zeichnen, Messen, Anreißen, Fügen, Montieren und Oberflächenbehandeln beherrschen.
Die heutige fachlich verwandte duale Ausbildung heißt in Deutschland Metallbauer/in – Fachrichtung Metallgestaltung. Sie dauert dreieinhalb Jahre und umfasst unter anderem das Herstellen gestalteter Metallarbeiten, das Treiben von Flächen und Körpern sowie Montage- und Instandhaltungsaufgaben.[4] Der historische Vergleich hilft Dir zu verstehen, welche Kompetenzen geblieben sind und welche durch moderne Schweißtechnik, Maschinen, CAD, Normen und Korrosionsschutzsysteme ergänzt wurden.

Fritz Kühn bespricht mit Lehrlingen eine Naturform. Die Aufnahme stammt von 1947 und verdeutlicht die Verbindung von Zeichnen, Formbeobachtung und praktischer Gestaltung, die auch in den 1950er Jahren wichtig blieb.
Werkstatt, Werkzeuge und Maschinen
Typische Arbeitsplätze
Eine handwerkliche Schmiede der 1950er Jahre besaß meist eine oder mehrere Essen mit Gebläse, einen massiven Amboss, einen Schraubstock, Richtplatte oder Richtbank, Werkbänke, Bohr- und Schleifmaschinen sowie Vorrichtungen zum Biegen und Montieren. Größere Betriebe verfügten über Federhämmer, Lufthämmer oder mechanische Hämmer. Die Ausstattung hing stark von Betriebsgröße, Region, Auftragsart und wirtschaftlicher Lage ab.
| Werkzeug oder Einrichtung | Fachliche Funktion |
|---|---|
| Kohleesse mit Gebläse | Erwärmt den Arbeitsbereich des Werkstücks; Luftmenge, Brennstoffbett und Lage des Eisens steuern die Wärme. |
| Amboss | Dient als Gegenlage zum Schmieden; Bahn, Hörner, Rund- und Vierkantloch ermöglichen unterschiedliche Arbeiten. |
| Handhammer und Vorschlaghammer | Übertragen Schlagenergie; Hammerform und Schlagrichtung bestimmen Materialfluss und Oberfläche. |
| Schmiedezange | Hält das heiße Werkstück formschlüssig; Maulform und Werkstückquerschnitt müssen zusammenpassen. |
| Abschrot, Meißel und Lochdorn | Trennen, schlitzen und lochen warmes Material; Dorne kalibrieren und weiten Öffnungen. |
| Setzhammer, Kehlhammer und Gesenk | Erzeugen Absätze, Kehlen, Radien oder wiederholbare Querschnittsformen. |
| Biegegabel und Richtplatte | Unterstützen kontrolliertes Biegen, Richten und Prüfen. |
| Feder- oder Lufthammer | Erhöht Umformleistung und Wiederholgenauigkeit, verlangt aber klare Arbeitsabsprachen und sicheren Werkzeughalt. |

Eine hydraulische Schmiedepresse bei Borsig in Berlin-Tegel, 1954. Das Bild zeigt den Maßstabsunterschied zwischen industriellem Schmieden und kunsthandwerklicher Freiformarbeit.
Handwerkliches und industrielles Schmieden unterscheiden
Beim handwerklichen Freiformschmieden wird ein Werkstück schrittweise zwischen einfachen Werkzeugflächen umgeformt. Die endgültige Form entsteht durch Schlagfolge, Drehen, Erwärmen, Prüfen und Richten. Beim Gesenkschmieden fließt das Material in eine festgelegte Werkzeugkontur; damit lassen sich viele ähnliche Teile herstellen. Eine Schmiedepresse verformt eher drückend, ein Hammer eher schlagend. Kunstschmieden kann Maschinen nutzen, bleibt aber durch Entwurf, individuelle Formgebung, Nacharbeit und Montage geprägt.
Ein wichtiges Qualitätsmerkmal ist der kontrollierte Materialfluss. Beim echten Schmieden verändert sich der Querschnitt: Material wird gestreckt, gestaucht, abgesetzt, aufgeweitet oder verdrillt. Nur ein serienmäßig gewalztes Zierteil an einen Rahmen zu schweißen, ist keine geschmiedete Formgebung, auch wenn das Endprodukt als „Schmiedeeisen“ beworben wird.
Analyseauftrag: Notiere, welche Bauteile am Tor tatsächlich umgeformt werden, welche Verbindungen eingesetzt werden und an welchen Stellen moderne Maschinen die Handarbeit ergänzen.
Werkstoff und Schmiedetemperatur
Eisen, Stahl und der Begriff Schmiedeeisen
In historischen Quellen wird häufig allgemein von Eisen oder Schmiedeeisen gesprochen. Werkstoffkundlich musst Du genauer unterscheiden:
- Historisches Schmiedeeisen: Durch Frischen und Ausschmieden hergestelltes, sehr kohlenstoffarmes Eisen mit Schlackeneinschlüssen; im 20. Jahrhundert zunehmend durch Stahl ersetzt.
- Unlegierter Baustahl: In vielen Werkstätten der 1950er Jahre der wichtigste Werkstoff für Stäbe, Flach-, Rund- und Vierkantmaterial; gut warm umformbar und schweißbar, sofern Zusammensetzung und Zustand passen.
- Werkzeugstahl: Für Meißel, Dorne und bestimmte Werkzeuge; Wärmebehandlung und Schlagbeanspruchung verlangen besondere Sorgfalt.
- Nichteisenmetalle: Kupfer, Messing, Bronze und Aluminium wurden für Akzente, Beschläge, Reliefs oder eigenständige Gestaltungen verwendet.
Die Glühfarbe war ein zentrales Orientierungsmerkmal, ersetzt aber keine Werkstoffkenntnis. Bei normaler Werkstattbeleuchtung liegt der gut umformbare Bereich vieler niedriggekohlter Stähle ungefähr im orangefarbenen bis gelben Bereich. Zu kaltes Schmieden begünstigt Risse und überhöhte Schlagbelastung; Überhitzen kann zu starkem Zunder, Grobkorn oder Verbrennen führen. Die Farbe wirkt bei Tageslicht anders als in einer abgedunkelten Schmiede, weshalb erfahrene Schmiede zusätzlich Funken, Oberfläche, Widerstand und Klang beachten.
Grundverfahren des Kunstschmiedens
| Fachbegriff | Veränderung am Werkstück | Typische Anwendung |
|---|---|---|
| Recken | Werkstück wird länger, der Querschnitt kleiner. | Spitzen, verjüngte Stäbe, Blätter, Übergänge |
| Stauchen | Werkstück wird örtlich kürzer und dicker. | Köpfe, Verdickungen, Materialreserve für Lochungen |
| Absetzen | Ein Querschnittswechsel wird mit klarer Schulter erzeugt. | Zapfen, Rahmenanschlüsse, gegliederte Stäbe |
| Biegen | Die Längsachse wird gekrümmt, ohne den Querschnitt unkontrolliert einzuschnüren. | Voluten, Bögen, Haken, Ranken |
| Tordieren | Ein Stab wird um seine Längsachse verdreht. | Rhythmische Zierstäbe, Füllungen, Griffe |
| Spalten | Material wird längs getrennt und anschließend auseinandergearbeitet. | Blattformen, Gabelungen, Tier- und Pflanzenmotive |
| Lochen und Dornen | Material wird verdrängt; ein Dorn weitet und kalibriert die Öffnung. | Ösen, Durchzüge, konstruktive Verbindungen |
| Feuerschweißen | Saubere, passend erwärmte Flächen werden durch Druck und Schläge stoffschlüssig verbunden. | Ringe, Rahmen, Bündelungen, traditionelle Reparaturen |
| Nieten und Bunden | Teile werden mechanisch durch Niet oder umgelegtes Band verbunden. | Gitter, Tore, Rahmen, sichtbar gestaltete Knotenpunkte |
Sicherheits- und Fachauftrag: Beschreibe nach dem Video nicht nur die Schläge, sondern auch Vorbereitung, Passung, Temperaturführung und Reinigung der Fügeflächen.
Gestaltungssprache der 1950er Jahre
Zwischen Tradition und Moderne
Es gab nicht den einheitlichen Stil der 1950er Jahre. Historische Ranken, Voluten und symmetrische Gitter wurden weiterhin bestellt. Daneben setzte sich eine reduzierte, materialbetonte Gestaltung durch. Typisch konnten klare Stabrhythmen, asymmetrische Füllungen, abstrahierte Pflanzenformen, sichtbare Hammerstrukturen und bewusst wechselnde Querschnitte sein. Moderne Architektur verlangte oft leichtere, transparentere und funktional eingebundene Metallarbeiten als der schwere historistische Dekor früherer Jahrzehnte.
Für eine fachliche Analyse helfen Dir folgende Fragen:
- Wie reagiert die Metallarbeit auf Baukörper, Öffnung, Maßstab und Blickrichtung?
- Werden Tragfunktion und Schmuckfunktion getrennt oder gestalterisch verbunden?
- Entsteht das Ornament aus dem Materialfluss oder wurde es nur aufgesetzt?
- Welche Wiederholungen, Achsen, Kontraste und Leerflächen bestimmen den Rhythmus?
- Sind Niet, Bund, Schweißnaht und Befestigung verborgen oder bewusst sichtbar gestaltet?
- Welche Bearbeitungsspuren wurden belassen, geglättet oder durch Beschichtung überdeckt?
Fritz Kühn als Beispiel für materialbezogene Gestaltung
Der Berliner Kunstschmied Fritz Kühn baute seine im Krieg zerstörte Werkstatt nach 1945 mit Gesellen wieder auf und erhielt Aufträge für den Wiederaufbau bedeutender Berliner Gebäude. Seine Werkstatt bildete Lehrlinge aus; Kühn verband Entwurf, Fotografie, Oberflächenuntersuchung und Schmiedetechnik. 1954 entstand der DEFA-Film Lebendiges Eisen, und im selben Jahr wurde Kühn mit einem Nationalpreis der DDR ausgezeichnet.[5]

Fritz Kühn erhält 1954 den Nationalpreis der DDR. Die Aufnahme zeigt, welchen öffentlichen Rang gestaltetes Metallhandwerk in dieser Zeit erreichen konnte.
Ein 1959 entstandenes Aluminiumbild mit der Silhouette Stralsunds zeigt, dass Kunstschmiede nicht ausschließlich Eisen bearbeiteten. Entscheidend war die gestaltende Auseinandersetzung mit Metall, Oberfläche, Licht und Raum.

Die 1959 dokumentierte Stralsunder Stadtsilhouette von Fritz Kühn bestand aus geschwärztem Aluminium und war für den Speisesaal einer Schwedenfähre bestimmt.
Weitere berufliche Wege der Zeit
Karl Bergmann schuf um 1950 Fenstergitter und um 1955 Brüstungsgeländer für Dresdner Bauten. Fritz Ulrich legte 1951 die Meisterprüfung ab, eröffnete 1952 ein Atelier und übernahm 1955 die Leitung einer Werkgruppe Kunstschmiede an der Werkkunstschule Aachen. Paul Zimmermann begann 1953 eine Ausbildung als Kunstschlosser. Diese Beispiele zeigen, dass sich Werkstattpraxis, Meisterqualifikation, künstlerischer Entwurf und schulische Weiterbildung überschneiden konnten.
Vergleichsauftrag: Welche historischen Techniken leben in einer heutigen Kunstschmiede weiter, und welche Maschinen, Schutzmaßnahmen oder Planungsmittel sind neu?
Vom Entwurf zum montierten Werkstück
Beispielhafter Arbeitsablauf eines Geländerfeldes
- Aufmaß und Funktionsklärung: Einbauort, Maße, Anschlüsse, Belastung, Nutzung und gestalterischer Bezug zur Architektur werden erfasst.
- Entwurf: Skizzen klären Proportion, Rhythmus und Motiv. Eine Werkzeichnung oder Aufrisszeichnung im Maßstab 1:1 hilft beim Biegen, Ausrichten und Prüfen.
- Materialplanung: Querschnitte, Längen, Schmiedezugaben, Verschnitt und Verbindungsmittel werden festgelegt.
- Zurichten: Stäbe werden abgelängt, gekennzeichnet und in sinnvoller Reihenfolge bereitgelegt.
- Warmumformen: Recken, Stauchen, Biegen, Tordieren, Lochen oder Spalten erzeugen die Einzelteile.
- Fügen: Niete, Bunde, Zapfen, Durchzüge und Schweißverbindungen werden entsprechend Konstruktion und Gestaltung eingesetzt.
- Richten und Probeaufbau: Diagonalen, Ebenheit, Achsen, Teilung, Anschlüsse und Beweglichkeit werden geprüft.
- Oberflächenbearbeitung: Zunder wird je nach Gestaltung belassen, gebürstet oder entfernt; Kanten, Schweißstellen und Übergänge werden nachgearbeitet.
- Korrosionsschutz: Historisch kamen unter anderem Anstriche, Öle und Wachse zum Einsatz. Heute muss das System zu Nutzung, Umgebung, Werkstoff, Denkmalschutz und späterer Wartung passen.
- Montage und Abnahme: Befestigungen, Lot, Flucht, Funktion, sichere Benutzung und Dokumentation werden kontrolliert.

Schmied und Landmaschinenschlosser bei einer Pflugreparatur im Jahr 1954. Das Foto eignet sich, um Arbeitsorganisation, Werkzeugbestand und historische Schutzkleidung kritisch zu untersuchen.
Arbeitsschutz: historische Bilder richtig lesen
Historische Fotografien zeigen häufig offene Feuerstellen, geringe Absaugung, fehlenden Gehörschutz und kaum Augen- oder Gesichtsschutz. Sie sind wichtige Quellen, aber keine Vorbilder für heutiges sicheres Arbeiten. In der Ausbildung gelten Gefährdungsbeurteilung, Unterweisung, geeignete persönliche Schutzausrüstung und die Betriebsanweisungen für Maschinen und Gefahrstoffe.
- Augen und Gesicht: Schutzbrille beziehungsweise geeigneter Gesichtsschutz gegen Zunder, Funken und Splitter.
- Gehör: Gehörschutz bei Hammer-, Schleif- und Maschinenlärm.
- Kleidung: Eng anliegende, schwer entflammbare Arbeitskleidung, Lederschürze nach Gefährdung und Sicherheitsschuhe; schmelzende Kunstfasern sind am Feuer problematisch.
- Werkzeugzustand: Hammerköpfe, Stiele, Zangen und Gesenke müssen fest, passend und frei von gefährlichen Graten oder Ausbrüchen sein. Handwerkzeuge dürfen nicht zweckentfremdet werden.[6]
- Abstand und Kommunikation: Beim Zuschlagen sind Standplatz, Schlagfolge, Kommandos und Fluchtwege eindeutig.
- Lüftung und Gefahrstoffe: Beschichtete, verzinkte oder unbekannte Werkstücke dürfen nicht unkontrolliert erhitzt werden; Rauch und Metalloxide können schwere Gesundheitsgefahren verursachen.
- Maschinen: Schmiedehämmer und Pressen benötigen wirksame Schutzeinrichtungen, sichere Werkzeugaufnahme und festgelegte Bedienabläufe.[7]
Beobachtungsauftrag: Erstelle eine Gefährdungsliste für die gezeigten Arbeitsplätze und ordne jeder Gefährdung eine technische, organisatorische oder persönliche Schutzmaßnahme zu.
Historische Schmiedearbeiten fachlich untersuchen
Bei einer Bestandsaufnahme oder Exkursion solltest Du Beobachtung und Bewertung trennen. Fotografiere nur mit Erlaubnis und lege einen Maßstab an, ohne das Objekt zu beschädigen.
| Untersuchungsschritt | Leitfragen |
|---|---|
| Funktion und Einbauort | Ist es Tor, Geländer, Gitter, Leuchter, Zeichen oder freie Plastik? Welche Belastung und Nutzung liegt vor? |
| Material und Querschnitt | Welche Profile wurden verwendet? Gibt es ausgeschmiedete Übergänge, Stauchungen oder angesetzte Zierelemente? |
| Herstellungsspuren | Sind Hammerschläge, Gesenkeindrücke, Sägeschnitte, Bohrungen, Schleifspuren oder Schweißnähte erkennbar? |
| Verbindungen | Wurden Niete, Bunde, Zapfen, Durchzüge, Schrauben oder Schweißungen eingesetzt? |
| Gestaltung | Wie wirken Rhythmus, Symmetrie, Leerraum, Oberfläche, Materialstärke und Bezug zur Architektur? |
| Erhaltung | Wo befinden sich Rost, Risse, Verformungen, lockere Verbindungen, Beschichtungsabplatzungen oder ungeeignete Reparaturen? |
| Datierung | Welche Merkmale sprechen für die 1950er Jahre? Gibt es Signaturen, Bauakten, Werkstattstempel, Rechnungen oder historische Fotografien? |
Eine Datierung allein nach „typischem Stil“ ist unsicher. Bauteile können älter sein, später umgesetzt, seriell ergänzt oder bei einer Renovierung verändert worden sein. Verlässlicher ist die Kombination aus Objektbefund, Archivquelle, Baugeschichte und Vergleichswerken.
Quellen und Mediennachweise
- ↑ Zentralverband des Deutschen Handwerks: Wegmarken des Handwerks und des ZDH
- ↑ ZDH: Die Handwerksordnung von 1953
- ↑ Bundesinstitut für Berufsbildung: Genealogie des Ausbildungsberufs Schmied
- ↑ BIBB: Metallbauer/Metallbauerin – Fachrichtung Metallgestaltung
- ↑ Wikipedia: Fritz Kühn
- ↑ Berufsgenossenschaft Holz und Metall: Handwerkzeuge
- ↑ DGUV: Schutz bei Schmiedepressen und Schmiedehämmern
Die eingebundenen historischen Fotografien stammen aus Beständen des Bundesarchivs und sind über Wikimedia Commons verfügbar. Originale Bildunterschriften können zeitgebundene oder politisch geprägte Formulierungen enthalten. Prüfe deshalb immer Entstehungsdatum, Urheber, Auftraggeber, Zweck und Überlieferungszusammenhang einer Quelle.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welches Fertigungsverfahren ist Schmieden grundsätzlich? (Warm- oder Kaltumformen durch Druck und Schlag) (!Spanen durch Abtragen von Spänen) (!Gießen in eine verlorene Form) (!Beschichten durch Aufsprühen)
Was geschieht beim Recken eines Stabes? (Der Stab wird länger und sein Querschnitt kleiner) (!Der Stab wird kürzer und sein Querschnitt größer) (!Der Stab wird ausschließlich oberflächlich gehärtet) (!Der Stab wird ohne Formänderung gereinigt)
Was ist das Ziel des Stauchens? (Eine örtliche Verdickung durch Verkürzen) (!Eine vollständige Trennung des Werkstücks) (!Eine Verringerung der Werkstücktemperatur) (!Eine Beschichtung mit Zink)
Wozu dient eine Aufrisszeichnung im Maßstab eins zu eins? (Zum Prüfen von Form Maß und Lage der Bauteile) (!Zum Bestimmen der chemischen Stahlzusammensetzung) (!Zum Härten eines Werkzeugstahls) (!Zum Ersetzen aller Messwerkzeuge)
Welche Verbindung gehört zu traditionellen sichtbaren Gitterkonstruktionen? (Nietverbindung) (!Klebeverbindung mit Holzleim) (!Lötverbindung mit Elektroniklot) (!Steckverbindung aus Kunststoff)
Welche Aussage zur Gestaltung der 1950er Jahre ist fachlich richtig? (Traditionelle und moderne Formsprachen bestanden nebeneinander) (!Alle Kunstschmiede arbeiteten ausschließlich abstrakt) (!Voluten waren seit 1950 gesetzlich verboten) (!Jedes Geländer war industriell seriengefertigt)
Welche berufliche Ausbildung ist heute eng mit dem historischen Kunstschmieden verwandt? (Metallbauer Fachrichtung Metallgestaltung) (!Fachinformatiker Systemintegration) (!Chemielaborant) (!Mediengestalter Bild und Ton)
Woran lässt sich echte geschmiedete Formgebung häufig erkennen? (An gezielten Querschnittsänderungen und Materialfluss) (!Nur an schwarzer Lackfarbe) (!Nur an einem hohen Bauteilgewicht) (!Nur an verdeckten Schrauben)
Welche Aussage zu historischen Werkstattfotos ist richtig? (Sie sind Quellen aber keine Sicherheitsanweisungen) (!Sie ersetzen heutige Betriebsanweisungen) (!Sie beweisen dass Schutzbrillen unnötig sind) (!Sie erlauben das Erhitzen unbekannter Beschichtungen)
Warum dürfen verzinkte oder unbekannt beschichtete Teile nicht unkontrolliert erhitzt werden? (Es können gesundheitsschädliche Rauche und Metalloxide entstehen) (!Der Amboss könnte dadurch magnetisch werden) (!Der Hammer verliert sofort seinen Stiel) (!Das Werkstück wird grundsätzlich zu Kupfer)
Memory
| Recken | Verlängern bei kleiner werdendem Querschnitt |
| Stauchen | Verkürzen bei größer werdendem Querschnitt |
| Tordieren | Verdrehen um die Längsachse |
| Absetzen | Herstellen einer klaren Querschnittsschulter |
| Dornen | Weiten und Kalibrieren einer Öffnung |
| Bunden | Verbinden mit einem umgelegten Metallband |
| Zunder | Oxidschicht auf heißem Stahl |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Arbeitsschritt |
|---|---|
| Aufmaß | Einbauort und Anschlussmaße erfassen |
| Aufriss | Form in Originalgröße zeichnen |
| Warmumformen | Querschnitt und Verlauf am Feuer gestalten |
| Fügen | Einzelteile konstruktiv verbinden |
| Richten | Flucht Ebenheit und Maßhaltigkeit herstellen |
Kreuzworträtsel
| Amboss | Welche feste Gegenlage besitzt Bahn Horn und Werkzeuglöcher? |
| Recken | Wie heißt das Verlängern eines Werkstücks bei kleiner werdendem Querschnitt? |
| Stauchen | Wie heißt das Verkürzen mit örtlicher Verdickung? |
| Tordieren | Wie heißt das Verdrehen eines Stabes um seine Längsachse? |
| Zunder | Wie heißt die Oxidschicht die beim Erhitzen auf Stahl entsteht? |
| Kunstschmied | Welche Berufsbezeichnung verbindet Schmiedetechnik und Gestaltung? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Werkzeugsteckbrief: Wähle fünf Werkzeuge aus dem Lerntext, zeichne sie vereinfacht und beschrifte Arbeitsfläche, Griff, Funktion und eine Sicherheitsregel.
- Formspuren suchen: Fotografiere mit Erlaubnis ein Tor oder Geländer in Deiner Umgebung und markiere vermutete Schmiede-, Schweiß- und Schraubverbindungen.
- Linien und Leerraum: Übertrage ein historisches Gitter in eine Schwarz-Weiß-Skizze und untersuche, wie Stäbe und Zwischenräume zusammenwirken.
- Fachwortkarten: Erstelle zwölf Lernkarten mit Fachbegriff, Definition und einer kleinen Anwendungsskizze.
Standard
- Geländerfeld entwerfen: Zeichne ein Geländerfeld im Stil einer zurückhaltenden 1950er-Jahre-Metallgestaltung und gib Querschnitte, Teilungen und Verbindungen an.
- Werkstattgeschichte: Befrage eine ältere Fachkraft, einen Restaurator oder einen Museumsmitarbeiter zu Werkzeugen, Ausbildung und Aufträgen früherer Schmieden und dokumentiere die Quelle.
- Umformfolge planen: Entwickle für einen Blattabschluss eine Folge aus Recken, Absetzen, Spalten und Richten; begründe die Reihenfolge, ohne das Werkstück praktisch herzustellen.
- Gefährdungsbeurteilung: Analysiere eines der eingebundenen historischen Fotos und ordne mindestens acht Gefährdungen technischen, organisatorischen und persönlichen Maßnahmen zu.
Schwer
- Rekonstruktionsplanung: Plane die fachgerechte Rekonstruktion eines beschädigten Gittermotivs aus den 1950er Jahren einschließlich Befundaufnahme, Materialprüfung, Probeteil und Dokumentation.
- Restaurierungskonzept: Entwickle für ein korrodiertes Außengeländer zwei Varianten zwischen maximalem Originalerhalt und teilweiser Erneuerung; diskutiere Sicherheit, Authentizität und Kosten.
- Vergleich Ost und West: Vergleiche je ein Metallkunstwerk aus der Bundesrepublik und der DDR der 1950er Jahre anhand von Auftrag, Einbauort, Form, Material und öffentlicher Funktion.
- Lehrprojekt: Entwirf eine vollständige Lernsituation für Auszubildende, in der ein kleines Gitterfeld geplant, kalkuliert, sicher gefertigt, geprüft und präsentiert wird.


Lernkontrolle
- Materialentscheidung: Für ein Außentor soll zwischen niedriglegiertem Stahl, Edelstahl und historischem Schmiedeeisen gewählt werden. Entwickle Kriterien und begründe eine Entscheidung für Neubau oder Restaurierung.
- Arbeitsfolge: Ein Vierkantstab soll einen gestauchten Kopf, eine Tordierung und einen ausgeschmiedeten Blattabschluss erhalten. Lege eine sinnvolle Arbeitsfolge fest und begründe, wann neu erwärmt werden muss.
- Verbindung bewerten: Vergleiche Niet, Bund und Schweißnaht für einen sichtbaren Knotenpunkt. Beurteile Tragwirkung, Reparierbarkeit, historische Angemessenheit und Gestaltung.
- Fotografie auswerten: Untersuche ein historisches Werkstattfoto darauf, was es sicher belegt, was nur vermutet werden kann und welche zusätzlichen Quellen Du zur Überprüfung benötigst.
- Schutzkonzept: Entwickle für einen Arbeitsplatz mit Kohleesse, Amboss, Zuschläger und Schleifmaschine ein Schutzkonzept nach technischen, organisatorischen und persönlichen Maßnahmen.
- Entwurfsvergleich: Vergleiche ein symmetrisches Rankengitter mit einem asymmetrischen geometrischen Entwurf. Erkläre, wie beide auf ein Wohnhaus der 1950er Jahre wirken und welche Variante Du für welchen Bau wählen würdest.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema sind folgende Leistungen wichtig:
- Fachbegriffe: Sichere und richtige Verwendung der Begriffe Recken, Stauchen, Absetzen, Tordieren, Lochen, Dornen, Feuerschweißen, Nieten und Richten.
- Historischer Zusammenhang: Nachvollziehbare Erklärung von Wiederaufbau, Handwerksentwicklung und Gestaltungswandel in den 1950er Jahren.
- Werkzeug- und Werkstoffkunde: Begründete Auswahl von Werkzeugen, Maschinen, Stahlquerschnitten und Verbindungstechniken.
- Gestaltungsanalyse: Untersuchung von Proportion, Rhythmus, Leerraum, Oberfläche, Materialfluss und Architekturbezug.
- Fertigungsplanung: Logische Arbeitsfolge mit Aufmaß, Aufriss, Umformen, Fügen, Richten, Oberflächenbehandlung und Montage.
- Arbeitsschutz: Erkennen von Gefährdungen und Zuordnung wirksamer Schutzmaßnahmen.
- Quellenkritik: Trennung von gesichertem Befund, plausibler Deutung und unbelegter Annahme.
- Dokumentation: Verständliche Zeichnungen, Fotos, Quellenangaben, Maßangaben und fachsprachliche Reflexion.
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