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Kunstschmiede in der Architektur um 1900 - Schmied

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Kunstschmiede in der Architektur um 1900 - Schmied



Kunstschmiede in der Architektur um 1900 - Schmied


Einleitung

Um 1900 wurde die Kunstschmiede zu einem sichtbaren Bindeglied zwischen Architektur, Handwerk und Kunst. Geschmiedete Tore, Treppengeländer, Balkongitter, Fenstergitter, Vordächer, Leuchten und Beschläge waren nicht bloß Schmuck. Sie regelten Zugänge, sicherten Absturzkanten, führten Bewegungen, trugen Glasdächer und prägten die Wirkung einer Fassade. Besonders im Jugendstil entwickelten Architektinnen und Architekten gemeinsam mit Werkstätten eine Formensprache aus fließenden Linien, Pflanzenmotiven, rhythmischen Wiederholungen und sorgfältig ausgebildeten Anschlüssen.

Der Begriff Kunstschmiede kann sowohl eine Werkstatt als auch den Bereich der gestalterischen Schmiedearbeit bezeichnen. In Deutschland heißt der einschlägige anerkannte Ausbildungsberuf heute Metallbauerin oder Metallbauer der Fachrichtung Metallgestaltung. Die reguläre Ausbildungsdauer beträgt 42 Monate. Zum Berufsbild gehören unter anderem das Planen, Herstellen, Montieren und Instandsetzen geschmiedeter Bauteile.[1]

Dieser Lernkurs richtet sich an Auszubildende im Metallbau und an Lernende in angrenzenden Bereichen wie Denkmalpflege, Architekturgeschichte, Restaurierung und Gestaltung. Du lernst, historische Kunstschmiedearbeiten fachlich zu beschreiben, Werkstoffe und Fertigungsspuren zu unterscheiden, einen Entwurf in eine fertigungsgerechte Konstruktion zu überführen und bei Erhaltungsmaßnahmen den historischen Bestand zu respektieren.


Lernziele

Nach der Bearbeitung des Kurses kannst Du

  1. Stilkunde: typische Merkmale der Kunstschmiede um 1900 dem Jugendstil, der Wiener Secession, dem Art nouveau und verwandten Reformbewegungen zuordnen.
  2. Werkstoffkunde: historisches Schmiedeeisen, modernen niedriggekohlten Stahl und Gusseisen begrifflich unterscheiden.
  3. Fertigungstechnik: wichtige Arbeitsgänge wie Recken, Stauchen, Biegen, Spalten, Lochen, Treiben, Feuerschweißen und Nieten fachgerecht erklären.
  4. Konstruktion: Funktion, Lastabtragung, Fügung und Verankerung eines Gitters oder Geländers beurteilen.
  5. Gestaltung: aus Naturstudien, Rhythmus und Linienführung einen fertigungsgerechten Entwurf entwickeln.
  6. Denkmalpflege: Schäden dokumentieren und eine zurückhaltende, materialgerechte Vorgehensweise begründen.
  7. Arbeitssicherheit: Gefährdungen an Feuer, Amboss, Maschinen und bei Montagearbeiten erkennen.


Architektur und Kunstschmiede um 1900


Historischer Rahmen

Die Zeit um 1900 war von Industrialisierung, Stadtwachstum, neuen Verkehrssystemen und einem starken Interesse an der Gestaltung des Alltags geprägt. Der Historismus blieb vielerorts wirksam, gleichzeitig wandten sich Reformbewegungen gegen bloße Stilkopien. Der Jugendstil suchte nach einer zeitgemäßen Einheit von Bauform, Innenraum, Möbeln, Grafik und Kunsthandwerk. Für Metallgestalter eröffnete sich dadurch ein besonders anspruchsvolles Arbeitsfeld: Ein Bauteil sollte technisch funktionieren, materialgerecht gefertigt sein und sich in das Gesamtkonzept des Gebäudes einfügen.

Der Zeitraum ist keine scharf begrenzte Epoche. Als Orientierung kann für den europäischen Jugendstil etwa die Phase von den 1890er-Jahren bis zum Ersten Weltkrieg gelten. Regionale Bezeichnungen und Ausprägungen unterscheiden sich: Art nouveau in Frankreich und Belgien, Secessionsstil in Österreich, Modernisme in Katalonien und der Glasgow Style in Schottland. In Deutschland wurde die Bezeichnung Jugendstil durch die Zeitschrift Jugend bekannt.


Gestaltungsideen des Jugendstils

Kennzeichnend ist häufig die sogenannte Peitschenhieblinie: eine gespannte, beschleunigte Kurve, die sich verdickt, verjüngt, verzweigt oder in eine Spirale übergeht. Hinzu kommen stilisierte Pflanzen, Blüten, Samenstände, Insekten, Vögel und abstrakte Liniengefüge. Nicht jedes Werk ist asymmetrisch. Viele Gitter verbinden eine symmetrische Grundordnung mit frei bewegten Einzelmotiven.

Für die Ausbildung ist wichtig, Ornament nicht als aufgesetzte Dekoration zu betrachten. Gute Kunstschmiedearbeit entwickelt das Motiv aus dem Stab, dem Blech oder der Verbindung. Ein Blatt kann aus einem ausgeschmiedeten Stabende entstehen; eine Volute kann gleichzeitig aussteifen; eine Schelle kann verbinden und den Rhythmus betonen. Die Materialstärke folgt dabei sichtbar der Beanspruchung und der Formidee.


Das Prinzip des Gesamtkunstwerks

Beim Gesamtkunstwerk werden Architektur und Ausstattung als zusammengehörige Gestaltung verstanden. Der Verlauf eines Geländers kann Motive aus Bodenmosaik, Wandmalerei, Türbeschlag oder Leuchte aufnehmen. Für die Kunstschmiede bedeutet das enge Abstimmung mit Planung, Steinmetzarbeit, Holzbau, Glaserei und Bauausführung. Maße, Achsen, Anschlusspunkte und Oberflächen sind deshalb nicht erst bei der Montage zu klären.

Ein bekanntes Beispiel ist das von Victor Horta entworfene Hôtel Tassel in Brüssel. Die geschwungenen Linien der Treppe, des Metallgeländers und der übrigen Innenausstattung bilden eine zusammenhängende Raumkomposition. Beim Hôtel Saint-Cyr von Gustave Strauven treten geschmiedete Balkone als prägende Schicht vor die Fassade.


Werkstoffe richtig unterscheiden


Historisches Schmiedeeisen, Stahl und Gusseisen

Historisches Schmiedeeisen bezeichnet im Zusammenhang mit Bauteilen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts häufig ein schmiedbares Eisen, das unter anderem im Puddelverfahren hergestellt wurde. Es kann schlackenhaltige, faserartige Strukturen besitzen. Der heute im Handel als Schmiedeeisen bezeichnete Werkstoff ist in der Regel ein gut umformbarer, niedriggekohlter Stahl in Form von Rund-, Vierkant-, Flach- oder Profilmaterial.[2]

Gusseisen wird in eine Form gegossen. Es eignet sich für wiederholbare, detailreiche Elemente, ist jedoch deutlich spröder als schmiedbarer Stahl. Um 1900 wurden geschmiedete, gegossene, gewalzte und maschinell bearbeitete Teile häufig kombiniert. Deshalb darf ein historisches Geländer nicht allein aufgrund seines Aussehens als vollständig handgeschmiedet bezeichnet werden. Fachgerechte Bestandsaufnahme fragt nach jedem einzelnen Bauteil und seiner Herstellungsweise. Historische Tore und Geländer können aus Schmiedeeisen, Gusseisen, Stahl oder Mischkonstruktionen bestehen.[3]


Fertigungsspuren lesen

Am geschmiedeten Teil können unregelmäßige Querschnittsübergänge, Hammerschläge, ausgeschmiedete Spitzen, lokale Stauchungen und individuell abweichende Formen erkennbar sein. Gussstücke zeigen häufig wiederkehrende identische Motive, Formteilungen oder gusstypische Oberflächen. Walzmaterial besitzt meist einen gleichmäßigen Querschnitt; maschinell erzeugte Spiralen und Stanzteile wiederholen sich sehr genau.

Diese Merkmale sind Hinweise, keine alleinigen Beweise. Oberflächen können überarbeitet, Schweißnähte verschliffen und Gussteile nachziseliert sein. Bei denkmalpflegerischen Arbeiten gehören deshalb Fotodokumentation, Maßaufnahme, Prüfung der Verbindungen und gegebenenfalls materialkundliche Untersuchung zusammen.


Bauteile und Funktionen


Tore, Gitter und Einfriedungen

Ein Tor muss Eigengewicht, Windbeanspruchung und Bedienkräfte aufnehmen. Bänder, Kloben, Rahmen, Anschläge und Verriegelung sind konstruktiv entscheidend. Ornamentfelder dürfen die Bewegung nicht behindern und sollen keine ungewollten Schwachstellen erzeugen. Bei historischen Anlagen ist zudem zu prüfen, wie Pfosten im Mauerwerk oder im Sockel verankert sind und ob eindringendes Wasser Korrosion fördert.

Fenstergitter und Einfriedungen verbinden Schutzfunktion mit der Gliederung einer Fassade. Der Wechsel aus kräftigen Tragstäben und feineren Füllstäben erzeugt Hierarchie. Niete, Bünde oder Schellen können sichtbar bleiben und als Gestaltungsmittel dienen.


Geländer, Brüstungen und Balkone

Beim Geländer sind Handlauf, Pfosten, Untergurt, Füllung, Befestigung und Baukörperanschluss als System zu betrachten. Die Ornamentik ersetzt keine tragfähige Konstruktion. Besonders bei historischen Balkonen müssen Korrosionsquerschnitte, gelockerte Verankerungen, Risse im Mauerwerk und Wasseransammlungen untersucht werden. Änderungen an Absturzsicherungen sind mit verantwortlichen Fachplanenden und gegebenenfalls der Denkmalpflege abzustimmen.

Die Treppe des Reök-Palasts in Szeged zeigt, wie Blütenformen und geschwungene Stäbe zu einem räumlichen Geländer verbunden werden. Die Gestaltung folgt dem Treppenlauf und führt den Blick nach oben.


Vordächer, Leuchten, Schilder und Beschläge

Vordächer aus Metall und Glas verlangen eine klare Lastabtragung, entwässerte Anschlüsse und sorgfältige Glasauflager. Konsolen können aus geschmiedeten Zug- und Druckstäben aufgebaut sein. Leuchten, Hausnummern und Ausleger verbinden Fernwirkung mit Detailarbeit. Türbänder, Drücker, Schlösser und Schutzbleche werden aus der Nähe wahrgenommen; hier sind saubere Übergänge und ergonomische Formen besonders wichtig.

Die Glasgow School of Art machte Metallornament zu einem Bestandteil der Fassadenkomposition. Stilisierte Pflanzen- und Tierformen stehen dort im Zusammenhang mit Fensterachsen, Mauerwerk und Innenraumgestaltung.


Vom Entwurf zum Bauteil


Bestandsaufnahme und Maßplanung

Bei einer Neuanfertigung beginnt die Arbeit mit dem Auftrag, dem Verwendungszweck und dem Einbauort. Bei einer Restaurierung kommt die Befundaufnahme hinzu. Erfasst werden Gesamtmaße, Achsen, Querschnitte, Radien, Material, Verbindungen, Verformungen, Korrosion, Beschichtungen und Fehlstellen. Ein Maßfoto ohne Maßstab reicht nicht aus.

Aus Skizze und Aufmaß entsteht der Aufriss. Für komplexe Gitter ist eine Zeichnung im Maßstab 1:1 besonders wertvoll. Auf ihr lassen sich Teilungen, Kurven, Anschlüsse und Überdeckungen prüfen. Schablonen und Biegelehren übertragen die Geometrie in die Werkstatt. Die Materialliste ordnet jedem Bauteil Querschnitt, Länge, Bearbeitung und Position zu.


Gestaltungsentwicklung

Ein fertigungsgerechter Entwurf berücksichtigt die Richtung des Materialflusses. Beginne mit Primärlinien: Rahmen, Handlauf, Pfosten und Hauptvoluten. Ergänze danach Sekundärlinien und Füllformen. Achte auf ruhige Übergänge, ausreichend große Innenradien, sinnvolle Querschnittswechsel und eine klare Rangordnung.

Naturstudien liefern Anregungen, dürfen aber abstrahiert werden. Eine reale Pflanzenranke wird nicht einfach kopiert. Ihre Wachstumsrichtung, Verzweigung und Spannung können in ein metallgerechtes Liniengefüge übersetzt werden. Gute Entwürfe lassen erkennen, an welcher Stelle ein Stab beginnt, wie er geführt wird und wo er konstruktiv endet.


Schmiedetechniken

Zu den grundlegenden Warmformverfahren gehören:

  1. Recken: Der Querschnitt wird verringert und das Werkstück verlängert.
  2. Stauchen: Der Querschnitt wird vergrößert und das Werkstück verkürzt.
  3. Breiten: Material wird gezielt in die Breite getrieben.
  4. Absetzen: Ein Querschnittsübergang oder Absatz wird hergestellt.
  5. Biegen: Stäbe und Profile werden über Ambosskante, Horn, Gabel oder Lehre geformt.
  6. Lochen und Dornen: Eine Öffnung wird hergestellt und auf Maß beziehungsweise Form erweitert.
  7. Spalten: Ein Werkstück wird längs geteilt, etwa zur Ausbildung von Blättern oder Gabelungen.
  8. Treiben: Blech wird plastisch zu reliefartigen oder räumlichen Formen umgeformt.
  9. Feuerschweißen: Erwärmte Fügeflächen werden durch Druck und Hammerschläge stoffschlüssig verbunden.

Um 1900 ergänzten Maschinenhämmer, Walzprofile, Bohrmaschinen und weitere Werkstatteinrichtungen die Handarbeit. Der gestalterische Wert liegt daher nicht in der Behauptung reiner Handarbeit, sondern in der materialgerechten Planung, der Qualität der Form und der beherrschten Verbindungstechnik.


Verbindungen und Montage

Historische Kunstschmiedearbeiten verwenden häufig Niete, Zapfen, Durchsteckungen, Bünde, Schellen, Schrauben und Feuerschweißungen. Eine Nietverbindung kann Kräfte übertragen und zugleich den Aufbau ablesbar machen. Ein Bund fasst mehrere Stäbe zusammen. Ein durchgesteckter und vernietet ausgeführter Zapfen verbindet Bauteile formschlüssig.

Moderne Schweißverfahren können bei Neuanfertigungen sinnvoll sein. Bei historischen Objekten muss ihre Verwendung jedoch begründet werden. Eine verdeckte Schweißnaht darf nicht zu unnötigem Verlust von Originalmaterial, zu starken Wärmeeinträgen oder zu einer falschen Rekonstruktion führen. Vor der Montage werden Passung, Diagonalen, Beweglichkeit, Oberflächenaufbau und Anschlusspunkte kontrolliert.


Bedeutende Beispiele


Hector Guimard und die Pariser Métro

Hector Guimard entwarf um 1900 ein System von Eingängen für die Pariser Métro. Die Konstruktionen verbinden Pflanzenassoziationen, Schrift, Beleuchtung und städtische Wegführung. Viele Teile wurden serienmäßig hergestellt und zu unterschiedlichen Eingangstypen kombiniert. Das Beispiel zeigt, dass Jugendstilgestaltung und industrielle Vervielfältigung kein Widerspruch sein mussten.


Victor Horta und Gustave Strauven in Brüssel

Bei Victor Horta gehen Metalllinien in Architektur, Boden- und Wandgestaltung über. Gustave Strauven steigerte die Fassadenwirkung durch stark plastische Balkone, Stützen und Gitter. Für die Analyse ist interessant, wie Metall vor dem Mauerwerk räumliche Tiefe erzeugt und wie wiederkehrende Kurven verschiedene Geschosse verbinden.


Louis Majorelle und die École de Nancy

Louis Majorelle ist vor allem als Möbel- und Kunsthandwerksgestalter bekannt, arbeitete jedoch auch mit Metall. Geländer der École de Nancy zeigen, wie Pflanzenmotive in tragende und füllende Elemente übersetzt werden. Die Naturform bleibt erkennbar, wird aber an Querschnitt, Fügung und Bewegungsrichtung des Metalls angepasst.


Erhaltung und Restaurierung


Schadensbilder

Typische Probleme sind abblätternde Beschichtungen, flächige Korrosion, Lochfraß, Querschnittsverlust, aufgeweitete Nietlöcher, gelockerte Verankerungen, Verformungen, Risse in Gussstücken und Wasserfallen an waagerechten Anschlüssen. Kontakt zwischen unterschiedlichen Metallen kann die Korrosion beeinflussen. Auch spätere Reparaturen können Schäden verursachen, etwa durch zu starre Schweißungen oder ungeeignete Profile.

Eine seriöse Zustandsbewertung trennt Verschmutzung, Patina, Altbeschichtung und aktive Korrosion. Nicht jede unregelmäßige Oberfläche ist ein Schaden. Schmiedespuren und historische Farbfassungen können wichtige Befunde sein.


Grundsätze der Denkmalpflege

Vor jedem Eingriff stehen Dokumentation und Zielklärung. Originalsubstanz, Fertigungsspuren und historische Verbindungen sollen möglichst erhalten bleiben. Reinigung beginnt mit der schonendsten geeigneten Methode. Unkontrolliertes Strahlen oder vollständiges Abschleifen kann Werkzeugspuren und Altbeschichtungen zerstören. Auch eine nachträgliche Feuerverzinkung historischer Stahlobjekte ist denkmalpflegerisch häufig problematisch, weil Vorbereitung und Zinkschicht den Bestand stark verändern können.[4]

Fehlstellen werden nur nach Befund ergänzt. Neue Teile sollen technisch funktionieren und sich in Material, Querschnitt und Herstellungsweise einfügen. Gleichzeitig muss die Maßnahme dokumentiert und möglichst nachvollziehbar bleiben. Bei tragenden oder absturzsichernden Bauteilen sind qualifizierte Planung, statische Beurteilung und die geltenden Anforderungen unverzichtbar.


Korrosionsschutz und Wartung

Ein dauerhafter Schutz besteht nicht nur aus Farbe. Konstruktiver Korrosionsschutz vermeidet Wasserfallen, offene Spalten und unzugängliche Hohlräume. Oberflächenvorbereitung, Grundbeschichtung, Zwischen- und Deckbeschichtung müssen als System auf Werkstoff, Bestand und Umgebung abgestimmt sein. Historische Eisenarbeiten waren üblicherweise beschichtet; regelmäßige Kontrolle und Wartung sind entscheidend.[3]

Ein Wartungsplan nennt Kontrollintervalle, gefährdete Anschlüsse, zulässige Reinigungsverfahren und den Aufbau der Beschichtung. Kleine Schäden früh zu behandeln ist meist substanzschonender als eine spätere Totalüberarbeitung.


Arbeitssicherheit in der Kunstschmiede

Heißes Metall kann bei schwachem Licht ähnlich aussehen wie kaltes Metall. Werkstücke werden deshalb eindeutig abgelegt und mit passenden Zangen geführt. Schutzbrille, Gehörschutz, geeignete Arbeitskleidung und Sicherheitsschuhe gehören zur Gefährdungsbeurteilung. Synthetische, leicht schmelzende Kleidung ist am Schmiedefeuer ungeeignet.

Schmiedefeuer und Erwärmungsanlagen benötigen sichere Brennstoffführung und ausreichende Lüftung. Beschichtete, verzinkte oder unbekannte Altteile dürfen nicht ohne Werkstoff- und Schadstoffklärung erhitzt werden. An Maschinenhämmern, Schleifmaschinen, Bohrmaschinen und Schweißarbeitsplätzen gelten die betrieblichen Schutzmaßnahmen, Unterweisungen und Prüfpflichten. Bei Montagearbeiten kommen Lastenhandhabung, Absturzgefahr, Baustellenverkehr und Sicherung des Arbeitsbereichs hinzu.


Fachbegriffe im Überblick

  1. Aufriss: maßstäbliche oder maßgleiche Zeichnung zur Planung und Übertragung der Geometrie.
  2. Volute: spiral- oder schneckenförmiges Ornament.
  3. Bund: umgelegtes oder aufgeschobenes Verbindungselement, das mehrere Teile umfasst.
  4. Niete: Verbindungselement, dessen Schaft durch Bauteile geführt und dessen Ende zum Schließkopf umgeformt wird.
  5. Zunder: Oxidschicht, die sich beim Erwärmen von Eisenwerkstoffen bildet.
  6. Puddeleisen: historisch im Puddelverfahren erzeugtes schmiedbares Eisen.
  7. Gusseisen: kohlenstoffreicher Eisenwerkstoff, der in Formen gegossen wird und vergleichsweise spröde ist.
  8. Schmiedeeisen: historisch und modern unterschiedlich verwendeter Begriff für schmiedbares Eisen beziehungsweise gut umformbaren Stahl.
  9. Fassung: historischer oder neuer Farb- und Beschichtungsaufbau auf einem Bauteil.
  10. Befund: beobachtete und dokumentierte materielle Spur, etwa eine alte Farbschicht oder Verbindung.


Quellen und Vertiefung

Die Bildauswahl stammt aus freien Beständen von Wikimedia Commons, insbesondere aus den Kategorien zu Jugendstil-Schmiedeeisen und Jugendstil-Metallarbeiten.[5]


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Wie heißt der einschlägige Ausbildungsberuf in Deutschland heute? (Metallbauer Fachrichtung Metallgestaltung) (!Konstruktionsmechaniker Fachrichtung Gießerei) (!Steinmetz Fachrichtung Ornament) (!Tischler Fachrichtung Innenausbau)




Welche Linie gilt als typisches Gestaltungsmittel des Jugendstils? (Peitschenhieblinie) (!Fluchtpunktlinie) (!Bruchkante) (!Schraffurlinie)




Wodurch entsteht ein geschmiedetes Bauteil hauptsächlich? (Durch plastisches Umformen mit Druck und Schlägen) (!Durch Eingießen in eine Sandform) (!Durch Abbinden eines mineralischen Mörtels) (!Durch Verkleben von Holzlamellen)




Wozu dient ein Aufriss im Maßstab eins zu eins? (Zur Prüfung und Übertragung der Bauteilgeometrie) (!Zur chemischen Bestimmung des Kohlenstoffgehalts) (!Zur Ermittlung der Raumtemperatur) (!Zur Berechnung der Stromkosten)




Welcher Schmiedevorgang verlängert ein Werkstück und verringert meist seinen Querschnitt? (Recken) (!Stauchen) (!Anlassen) (!Lackieren)




Welche Verbindung ist für historische Kunstschmiedearbeiten besonders typisch? (Nietverbindung) (!Klettverbindung) (!Kunststoffclip) (!Klebefolie)




Welche Aussage zu Ornament und Konstruktion ist fachlich richtig? (Ein Ornament kann zugleich verbinden oder aussteifen) (!Ornament darf niemals eine technische Funktion haben) (!Jedes Ornament muss aus Gusseisen bestehen) (!Ornament wird erst nach der Montage aufgeklebt)




Was steht bei einer denkmalgerechten Bearbeitung zuerst an? (Dokumentation und Zustandsbewertung) (!Vollständiges Sandstrahlen) (!Austausch aller alten Teile) (!Feuerverzinken ohne Prüfung)




Mit welchem Bauwerk ist Hector Guimards Metallgestaltung besonders verbunden? (Mit den Eingängen der Pariser Metro) (!Mit der Golden Gate Bridge) (!Mit dem Eiffelturm) (!Mit dem Kölner Dom)




Welche Maßnahme unterstützt den dauerhaften Korrosionsschutz? (Wasserfallen vermeiden und Beschichtungen warten) (!Spalten dauerhaft mit Wasser füllen) (!Lose Beschichtungen unbeachtet lassen) (!Alle Oberflächen ungeschützt belassen)





Memory

Peitschenhieblinie Dynamisch geschwungene Jugendstillinie
Volute Spiral- oder schneckenförmiges Ornament
Recken Verlängern bei kleiner werdendem Querschnitt
Stauchen Verkürzen bei größer werdendem Querschnitt
Aufriss Maßgleiche Fertigungszeichnung
Niete Dauerhafte formschlüssige Verbindung
Zunder Oxidschicht beim Erwärmen
Befund Dokumentierte historische Materialspur





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Recken Werkstück verlängern und Querschnitt verringern
Stauchen Werkstück verkürzen und Querschnitt vergrößern
Lochen Öffnung im warmen Werkstück herstellen
Dornen Öffnung auf Maß oder Form erweitern
Treiben Blech räumlich oder reliefartig umformen
Nieten Bauteile mit geformtem Schließkopf verbinden
Dokumentieren Zustand und Fertigungsspuren nachvollziehbar festhalten






Kreuzworträtsel

Jugendstil Wie heißt die Kunstrichtung mit fließenden Linien und Pflanzenmotiven um 1900?
Volute Wie heißt ein spiral- oder schneckenförmiges Ornament?
Puddeleisen Wie heißt ein historisch im Puddelverfahren erzeugtes schmiedbares Eisen?
Nietung Wie heißt eine dauerhafte Verbindung mit einem umgeformten Schließkopf?
Korrosion Wie heißt die schädigende Reaktion eines Metalls mit seiner Umgebung?
Aufriss Wie heißt die maßgleiche Zeichnung für die Fertigungsplanung?





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Lückentext

Vervollständige den Text.

Die Kunstschmiede verband um 1900 technische Funktion und

. Ein typisches Stilmittel des Jugendstils ist die

. Historisches Schmiedeeisen darf nicht pauschal mit modernem

gleichgesetzt werden. Ein Bauteil aus Gusseisen entsteht durch das

. Der Aufriss im Maßstab eins zu eins unterstützt die genaue

. Beim Recken wird das Werkstück länger und sein Querschnitt meist

. Eine historische formschlüssige Verbindung ist die

. Vor einer Restaurierung müssen Zustand und Fertigungsspuren

werden. Schonende Reinigung soll möglichst viel

bewahren. Konstruktiver Korrosionsschutz vermeidet stehendes

. Bei tragenden Geländern müssen Gestaltung und

gemeinsam beurteilt werden. Der heutige Ausbildungsberuf heißt Metallbauer Fachrichtung

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Motivsammlung: Fotografiere in Deiner Umgebung drei Tore, Gitter oder Geländer und markiere auf den Bildern Hauptlinie, Füllung und Verbindung.
  2. Fachwortkarte: Gestalte eine Karte zu den Begriffen Volute, Bund, Niete und Zunder mit eigener Skizze und kurzer Erklärung.
  3. Naturstudie: Zeichne eine Pflanze und vereinfache sie in drei Schritten zu einem schmiedbaren Linienornament.
  4. Werkstoffvergleich: Stelle in einer Tabelle beobachtbare Hinweise auf Schmiedeteil, Gussteil und Walzprofil gegenüber.


Standard

  1. Aufmaß: Nimm ein kleines Gitterfeld oder ein Übungsmodell auf und fertige einen bemaßten Aufriss an.
  2. Schablonenbau: Entwickle für eine Volute eine Papp- oder Sperrholzschablone und prüfe den Linienverlauf am Originalmaß.
  3. Fertigungsplanung: Plane ein Jugendstil-Gitterfeld mit Materialliste, Arbeitsfolge, Werkzeugauswahl und Qualitätskontrollen.
  4. Schadenskartierung: Untersuche ein freigegebenes Metallobjekt, kennzeichne Korrosion, Beschichtungsverlust und Verformung und schlage eine Wartungsreihenfolge vor.


Schwer

  1. Rekonstruktionsentwurf: Ergänze ein fehlendes Ornament anhand vorhandener Symmetrien und Fertigungsspuren, ohne unbelegte Formen zu erfinden.
  2. Restaurierungskonzept: Entwickle für ein historisches Geländer zwei Erhaltungsvarianten und begründe die substanzschonendere Lösung.
  3. Gesamtkunstwerk: Entwirf Tor, Leuchte und Hausnummer als zusammengehörige Serie für eine Fassade um 1900 und dokumentiere die gemeinsamen Gestaltungsregeln.
  4. Werkstattprojekt: Fertige im Team ein verkleinertes Gitterfeld mit mindestens einer geschmiedeten Volute, einer Nietverbindung und einer dokumentierten Oberflächenbehandlung.




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Lernkontrolle

  1. Stilanalyse: Vergleiche zwei Geländer, von denen eines historistisch und eines jugendstiltypisch gestaltet ist. Begründe Deine Zuordnung anhand von Linienführung, Ornament und Konstruktion.
  2. Werkstoffdiagnose: Du findest an einem Tor identische Blüten, unregelmäßige Stäbe und gleichmäßige Profile. Entwickle eine begründete Hypothese zu den verwendeten Herstellungsverfahren.
  3. Konstruktionskritik: Beurteile einen Entwurf, bei dem alle dünnen Zierstäbe die Last des Handlaufs aufnehmen sollen. Erkläre Risiken und verbessere den Aufbau.
  4. Fertigungsentscheidung: Entscheide für eine geschwungene Ranke, welche Bereiche gereckt, gebogen, gespalten oder genietet werden sollen. Begründe die Reihenfolge.
  5. Denkmalpflegerischer Fall: Ein historisches Geländer soll vollständig sandgestrahlt und feuerverzinkt werden. Prüfe den Vorschlag und formuliere eine fachlich begründete Alternative.
  6. Transferaufgabe: Übertrage das Prinzip des Gesamtkunstwerks auf einen heutigen Eingangsbereich, ohne historische Formen lediglich zu kopieren.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema sind besonders wichtig:

  1. eine korrekte Verwendung der Fachbegriffe aus Gestaltung, Werkstoffkunde, Fertigung und Denkmalpflege,
  2. die begründete Unterscheidung von geschmiedeten, gegossenen und gewalzten Bauteilen,
  3. ein bemaßter und fertigungsgerechter Aufriss,
  4. eine nachvollziehbare Arbeitsfolge mit Werkzeug-, Maschinen- und Sicherheitsplanung,
  5. die technische Beurteilung von Rahmen, Füllung, Verbindung und Verankerung,
  6. die gestalterische Qualität von Linie, Rhythmus, Querschnitt und Detail,
  7. eine dokumentierte Qualitätskontrolle des Werkstücks,
  8. bei historischen Objekten eine substanzschonende, befundorientierte Vorgehensweise.




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