Katy Perry - I Kissed a Girl

Katy Perry - I Kissed a Girl
Katy Perry – I Kissed a Girl

Katy Perry während der Warped Tour 2008. Die Commons-Datei stammt aus demselben Jahr wie die Veröffentlichung des Songs und steht unter CC BY 2.0.
I Kissed a Girl ist ein 2008 veröffentlichter Song von Katy Perry, geschrieben von Katy Perry, Lukasz Gottwald, Max Martin und Cathy Dennis. Die Aufnahme wurde zum internationalen Durchbruch der Sängerin: Sie erreichte für sieben Wochen Platz 1 der Billboard Hot 100 und brachte Perry ihre erste Grammy-Nominierung ein.[1] Die Single erschien im Frühjahr 2008 im Umfeld des Albums One of the Boys.
Dieser aiMOOC untersucht den Song als konkrete Studioaufnahme: Entstehung, zeitgeschichtlicher Kontext, Stil, Harmonik, Rhythmus, Stimme, Instrumentierung, Arrangement, Produktion, Songform, Textthemen, Rezeption und spätere Fassungen. Geschützte Lyrics oder Melodien werden nicht vollständig wiedergegeben. Die wenigen Notenbeispiele der Extension:Score sind kurze, selbst erstellte Analysemodelle und keine Transkription der Songmelodie.
Offizielles Musikvideo auf dem offiziellen Katy-Perry-Kanal. Das Video ist kein OER; es wird lediglich über YouTube eingebettet. Rechte verbleiben bei den jeweiligen Rechteinhabern.
Entstehung und Veröffentlichung
Katy Perry hatte vor ihrem weltweiten Pop-Durchbruch bereits eine wechselvolle Laufbahn hinter sich. Nach ihrem frühen christlichen Album unter dem Namen Katy Hudson entwickelte sie sich in den folgenden Jahren zu einer Pop-Songwriterin und Interpretin. Als der damalige Labelmanager Jason Flom für ihr neues Album noch einen klaren Hit suchte, brachte er Perry mit Dr. Luke und Max Martin zusammen. Perry beschrieb später die Arbeitsteilung sinngemäß so: Sie selbst sei stark textorientiert gewesen, Martin stark melodieorientiert und Dr. Luke stark auf den Track und dessen klangliche Produktion fokussiert.[2]
Perry berichtete 2009 bei CBS, dass ihr die zentrale Refrainidee eines Morgens in den Kopf gekommen sei. Zugleich sagte sie, dass das Label den Song zeitweise nicht habe verwenden wollen.[3] Diese Aussagen zeigen, dass ein späterer Welthit nicht zwangsläufig von Beginn an als sichere Single gilt.
In einem Interview aus dem Veröffentlichungsjahr erklärte Perry außerdem, dass das Thema für sie mit eigener Erfahrung, Neugier und ihrem Aufwachsen in einem sehr strengen religiösen Umfeld verbunden gewesen sei. Sie betonte zugleich, dass das Album thematisch breiter sei und sie nicht ausschließlich über diesen Aspekt wahrgenommen werden wollte.[4] In einem weiteren Interview nannte sie ein Foto von Scarlett Johansson als einen konkreten Impuls für die Songidee.[5]
Universal Music führt für eine internationale digitale Single-Ausgabe den 29. April 2008 als Veröffentlichungsdatum und nennt Dr. Luke als Produzenten sowie Benny Blanco für zusätzliche Produktion.[6]

Das Capitol Records Building in Los Angeles verweist auf den institutionellen Kontext des Labels. Die Abbildung ist eine freie Wikimedia-Commons-Datei.
Zeitgeschichtlicher Kontext
Der Song erschien 2008 in einer Popkultur, in der Diskussionen über sexuelle Orientierung zwar längst öffentlich geführt wurden, aber Darstellungen von Bisexualität und sexueller Fluidität im Mainstream-Pop häufig vereinfachend oder stereotyp waren. Die enorme Reichweite des Songs machte seine Erzählung deshalb zugleich sichtbar und umstritten. Manche Hörerinnen und Hörer sahen in der offenen Darstellung weiblicher gleichgeschlechtlicher Anziehung eine für damaliges Mainstream-Radio ungewöhnliche Sichtbarkeit; andere kritisierten, dass der Song gleichgeschlechtliche Erfahrung als kurzfristiges Experiment, Regelbruch oder reizvolle Provokation rahme.[7]
Wichtig ist eine saubere Unterscheidung: Eine Songfigur ist nicht automatisch mit der realen Person der Interpretin gleichzusetzen, und eine einzelne gleichgeschlechtliche Erfahrung definiert für sich allein keine sexuelle Orientierung. Für die Interpretation ist daher sinnvoller zu fragen, wie der Text Neugier, Normen und Begehren inszeniert, als einer Figur oder der Sängerin allein aus dem Songtext eine Identität zuzuschreiben.
2018 sagte Perry selbst rückblickend, sie würde den Text heute vermutlich verändern, weil er mehrere Stereotype enthalte und sich die öffentliche Sprache über Bisexualität und Fluidität seit 2008 stark weiterentwickelt habe.[8]

Die Bisexual Pride Flag wurde 1998 von Michael Page gestaltet. Die geometrisch einfache Commons-Datei ist gemeinfrei. Sie dient hier zur Einordnung der späteren Debatten über Repräsentation – nicht als Aussage über die sexuelle Identität einer bestimmten Person.
Drei und mehr belegte Besonderheiten genau dieser Aufnahme
Belegte Besonderheit 1 – Hybrid aus programmierten und live eingespielten Drums: Für genau diese Studioaufnahme werden Dr. Luke und Benny Blanco für Drums und Programming sowie Steven Wolf für Live-Drums genannt. Mike Caffrey übernahm Drum-Aufnahme und zusätzliche Drum-Produktion. Dadurch treffen präzise programmierte Pop-Produktion und physisch gespieltes Schlagzeug unmittelbar aufeinander.[9]
Belegte Besonderheit 2 – Mehrfachrollen einzelner Beteiligter: Dr. Luke war nicht nur Produzent, sondern spielte laut Credits auch Gitarre und Bass und arbeitete am Drum-/Programming-Anteil. Cathy Dennis war nicht nur Co-Autorin, sondern sang zusätzlich Background-Vocals. Der Song ist damit ein Beispiel für Popproduktion, bei der Songwriting, Instrumentalspiel, Vocal-Layering und Produktion personell eng verschränkt sind.[10]
Belegte Besonderheit 3 – Räumlich verteilte Produktion: Die Aufnahme wird mit mehreren Studios in Los Angeles und New York in Verbindung gebracht; die Drums wurden bei Monster Island in New York aufgenommen, während der Mix bei MixStar Studios in Virginia Beach entstand. Das Endprodukt ist also nicht das Ergebnis einer einzigen Session in einem Raum, sondern einer arbeitsteiligen Studiokette.[11]
Belegte Besonderheit 4 – Starker Kontrast aus Molltonalität und energiegeladenem Pop-Impuls: Veröffentlichte Notenausgaben führen die Originaltonart als a-Moll und ein Tempo um 130–132 BPM. Gleichzeitig ist eine Ausgabe ausdrücklich mit Swing-Charakter bezeichnet. Diese Kombination erzeugt eine dunklere tonale Grundfarbe, ohne den Song langsam oder balladenhaft wirken zu lassen.[12][13]
Belegte Besonderheit 5 – Co-Autorin als hörbare Stimme im Arrangement: Cathy Dennis ist nicht nur im Copyright-Credit sichtbar, sondern klanglich als Backgroundsängerin Teil der Aufnahme. Das macht die Trennung zwischen „Komposition“ und „Performance“ bei diesem Song besonders anschaulich.[14]

Freies CC0-Beispiel eines modernen DAW-Studios. Es zeigt nicht das tatsächliche Studio der Aufnahme, veranschaulicht aber die arbeitsteilige digitale Produktionsumgebung.
Stil und Genre
Der Song wird je nach Quelle unterschiedlich etikettiert: Pop-Rock, Electropop, New-Wave-beeinflusster Pop, Bubblegum Pop sowie Pop mit Disco- und Glam-Rock-Elementen. Solche Genrebezeichnungen sind keine naturwissenschaftlich festen Kategorien. Für die Höranalyse ist hilfreicher, konkrete Merkmale zu benennen:
- Popmusik: kurze Form, starke Hook, deutliche Wiederholung und sofort erkennbare Refrainwirkung.
- Pop-Rock: Gitarren, Bass und ein druckvoller, körperlicher Schlagzeugcharakter.
- Electropop: Programming, eng kontrollierte Produktion und deutlich bearbeitete Klangschichten.
- New Wave und Glam Rock als Einflussbegriffe: kantige, theatralische Energie und ein stampfender beziehungsweise shuffleartiger Groove.
Die Mischung dieser Elemente erklärt, warum der Song gleichzeitig rockig, elektronisch, tanzbar und stark auf Radiohörbarkeit hin produziert wirkt.
Melodie und Harmonik
Veröffentlichte Notenausgaben nennen a-Moll als Originaltonart. Für Perrys Gesang wird ein Umfang von ungefähr A3 bis E5 angegeben.[15] Die melodische Wirkung lebt weniger von virtuosen Läufen als von kurzen, wiedererkennbaren Motiven, Wiederholungen und einem klaren Kontrast zwischen erzählender Strophe und stärker zugespitztem Refrain.
Harmonisch bleibt der Song über weite Strecken in einem gut nachvollziehbaren Mollfeld und nutzt Akkordwechsel, die zwischen dunkler Grundfarbe und helleren Duranteilen pendeln. Das ist für die Textwirkung interessant: Die Harmonik liefert keine romantisch-weiche Auflösung, sondern hält eine gewisse Spannung aufrecht.
Extension:Score – selbst erstelltes Harmoniemodell
Das folgende Beispiel ist nicht der Akkordverlauf des Songs. Es zeigt lediglich, wie in a-Moll durch einfache Dreiklänge eine ähnliche Spannung zwischen Mollzentrum und wechselnden Klangfarben erzeugt werden kann.

Höre darauf, wie ein Mollzentrum auch bei schnellem Tempo dunkel gefärbt bleiben kann. Übertrage diese Beobachtung anschließend auf die Originalaufnahme, ohne die Beispielakkorde mit dem tatsächlichen Song gleichzusetzen.
Rhythmus und Metrum
Die Notation wird in Quellen nicht immer gleich behandelt. Eine veröffentlichte Musicnotes-Fassung verwendet 4/4-Takt; andere Analysen und Arrangements betonen die triolische beziehungsweise swingende Unterteilung so stark, dass sie sich auch als 12/8-artiges Empfinden beschreiben lässt.[16] Das ist kein zwingender Widerspruch: Ein 4/4-Takt kann mit triolischer Unterteilung gespielt werden und dadurch ähnlich fließen wie eine 12/8-Notation.
Das Tempo liegt ungefähr bei 130 BPM. Der Groove wirkt dadurch energisch, aber wegen der triolisch gefärbten Binnenbewegung nicht vollständig „gerade“. Für die Produktion ist diese Mischung wichtig: Sie erzeugt Vorwärtsdrang, während der Schlagzeugklang gleichzeitig schwer und stampfend bleibt.
Extension:Score – selbst erstelltes Triolenmodell
Dieses rhythmische Beispiel ist frei erfunden und enthält keine Songmelodie. Es demonstriert nur eine gleichmäßige triolische Unterteilung innerhalb eines 4/4-Taktes.

Wenn Du beim Original eine swingende oder shuffleartige Wirkung hörst, kannst Du prüfen, ob Du eher vier große Grundschläge oder zwölf kleinere Unterteilungen wahrnimmst.
Gesang
Perrys Leadgesang ist stark auf Verständlichkeit, Attack und Wiedererkennbarkeit angelegt. In der Strophe wirkt die Stimme vergleichsweise erzählend und direkt; im Refrain wird sie stärker verdichtet und als Hook ins Zentrum der Produktion gestellt. Mehrspurigkeit und Background-Vocals tragen dazu bei, dass einzelne Schlüsselstellen größer erscheinen als die Strophen.
Cathy Dennis ist als Backgroundsängerin belegt. Dadurch entsteht eine interessante Verbindung zwischen dem Autorenraum und dem Klangbild: Eine der Personen, die am Songwriting beteiligt war, ist auch als Stimme innerhalb des fertigen Tracks vorhanden.
Für eine Höranalyse kannst Du auf drei Ebenen achten: Artikulation, Dynamik und Layering. Frage Dich, an welchen Stellen Perrys Stimme eher sprechend, eher gesungen, eher weich oder eher attackreich erscheint und wann zusätzliche Vocalspuren die Wirkung vergrößern.
Instrumentierung und Arrangement
Die belegten Credits nennen Gitarre und Bass von Dr. Luke, programmierte Drums von Dr. Luke und Benny Blanco, Live-Drums von Steven Wolf sowie Background-Vocals von Cathy Dennis. Diese Besetzung ist für die Aufnahme besonders wichtig, weil sie akustische beziehungsweise physisch eingespielte Elemente mit digital kontrollierten Produktionsmitteln verbindet.
Auf Makroebene lässt sich die Songform als Strophe – Refrain – Strophe – Refrain – Bridge – Schlussrefrain beschreiben. Ein solches ABABCB-Schema ist im Pop sehr verbreitet. Entscheidend ist hier weniger die formale Neuheit als die Frage, wie Klangdichte und Energie gesteigert werden.
In einer höranalytischen Betrachtung wirkt die Strophe funktional zurückgenommener, damit der Refrain größer und unmittelbarer erscheinen kann. Das Arrangement arbeitet damit nach dem Prinzip Kontrast erzeugt Größe: Ein Refrain muss nicht nur absolut laut sein, sondern vor allem gegenüber dem Vorangegangenen dichter, breiter oder stärker akzentuiert wirken.
Produktion und Klangbild
Dr. Luke wird als Hauptproduzent geführt, Benny Blanco als zusätzlicher Produzent. Serban Ghenea mischte die Aufnahme; John Hanes war als Mix Engineer beteiligt, Tim Roberts als Assistant Mixer. Zahlreiche weitere Engineers waren in die Produktion eingebunden.[17]
Aus diesen Credits lassen sich mehrere typische Merkmale moderner Popproduktion erklären:
- Layering: Mehrere Instrumental- und Vocalspuren werden zu einem kompakten Gesamtklang geschichtet.
- Programming: Rhythmische und klangliche Elemente werden digital erstellt oder präzise bearbeitet.
- Live-Recording: Eingespielte Drums liefern physische Dynamik und klangliche Varianz.
- Mixing: Einzelspuren werden in Lautstärke, Panorama, Frequenzbild und Raumwirkung aufeinander abgestimmt.
- Mastering: Die finale Aufnahme wird für Veröffentlichung und konsistente Wiedergabe vorbereitet.
Die Aufnahme zeigt damit, dass „elektronisch“ und „live“ keine Gegensätze sein müssen. Gerade der hybride Charakter ist ein wichtiger Teil ihrer Wirkung.
Textthemen, Bildsprache und sinngemäße Übersetzung
Der vollständige Songtext wird aus urheberrechtlichen Gründen nicht wiedergegeben. Als sehr kurzes Analysezitat genügt die zentrale Hook: „I kissed a girl and I liked it“. Diese Aussage verbindet Handlung und unmittelbare Bewertung in einem extrem kompakten Satz.
Inhaltlich beschreibt die Songfigur eine unerwartete gleichgeschlechtliche Begegnung als Mischung aus Neugier, Reiz, Grenzüberschreitung und innerem Konflikt. Der Text stellt nicht eine langfristige Beziehung in den Mittelpunkt, sondern einen Moment des Ausprobierens. Gleichzeitig werden gesellschaftliche Erwartungen an „richtiges“ Verhalten und die eigene Reaktion darauf thematisiert.
Sinngemäße Inhaltserschließung der Abschnitte:
- Erste Strophe: Die Figur schildert, dass die Situation nicht geplant war. Mut und reduzierte Selbstkontrolle führen dazu, dass sie ihrer Neugier nachgeht.
- Refrain: Der Kuss wird positiv erlebt, gleichzeitig aber als normativ widersprüchlich markiert. Die Figur grenzt das Erlebnis von einer festen Liebesbeziehung ab.
- Zweite Strophe: Die Begegnung wird noch stärker als Experiment und als Überschreitung erwarteten Verhaltens beschrieben.
- Bridge: Weibliche körperliche Attraktivität wird idealisiert und stark sinnlich beschrieben; die Figur versucht, das Erlebnis als harmlos zu rahmen.
- Schluss: Die Hook wird wiederholt und dadurch stärker als unmittelbare Erfahrung denn als ausgearbeitete Identitätsaussage verankert.
Zur Bildsprache gehören Geschmack, Farbe, Lippen, Berührung und Körperlichkeit. Diese Sinnesbilder machen das Thema leicht visualisierbar und poptauglich. Gleichzeitig liegt genau darin ein Teil der späteren Kritik: Weibliche gleichgeschlechtliche Anziehung kann dadurch wie ein konsumierbares, spektakuläres Bild behandelt werden.
Rezeption und kulturelle Debatte
Der kommerzielle Erfolg war außergewöhnlich. Der Song wurde Perrys erster Nummer-eins-Hit in den USA und blieb dort sieben Wochen an der Spitze. Bei den 51. Grammy Awards wurde die Aufnahme in der Kategorie Best Female Pop Vocal Performance nominiert; gewonnen hat in dieser Kategorie Adele mit Chasing Pavements.[18]
Die Rezeption war von Anfang an geteilt. Ein Teil der Kritik lobte Eingängigkeit, Produktion und provokante Direktheit. Andere Stimmen kritisierten, dass die Darstellung gleichgeschlechtlicher Anziehung auf ein reizvolles Experiment reduziert werde oder Stereotype über bisexuelle Frauen bediene. Diese Spannung ist für eine heutige Analyse besonders wertvoll: Der Song kann gleichzeitig als historisch auffällige Sichtbarkeit und als problematische Vereinfachung untersucht werden, ohne eine dieser Perspektiven zu verschweigen.[19]
Perrys eigene spätere Distanz zu Teilen des Textes zeigt außerdem, dass Popwerke nicht nur im Moment ihrer Veröffentlichung gelesen werden. Gesellschaftliche Sprache, Selbstverständnisse und Rezeptionskontexte verändern sich.
Bedeutung im Werk von Katy Perry
I Kissed a Girl markiert den entscheidenden internationalen Durchbruch von Katy Perry. Der Song verband eine provokante, leicht zusammenfassbare Textidee mit einer sehr effizienten Popproduktion und machte Perry weltweit bekannt. Er war ihre erste Nummer 1 in den Billboard Hot 100 und führte zu ihrer ersten Grammy-Nominierung.[20]
Für Perrys weitere Karriere war das Stück deshalb doppelt bedeutend: Einerseits etablierte es ihre öffentliche Persona als farbenfrohe, direkte und provokationsbereite Popsängerin; andererseits setzte es eine Messlatte für die Hook-orientierte Zusammenarbeit mit Produzenten und Songwritern wie Dr. Luke und Max Martin, die auch bei späteren Erfolgen wichtig wurde.
Vergleich von Fassungen
Studioaufnahme 2008
Die Originalaufnahme ist kompakt, stark verdichtet und auf unmittelbaren Pop-Impact ausgerichtet. Die Kombination aus programmierten Drums, Live-Drums, Gitarren, Bass und Vocal-Layern erzeugt einen massiven, kontrollierten Klang. Das Tempo liegt um 130 BPM; die Molltonalität und der shuffleartige Impuls schaffen einen markanten Gegensatz zwischen dunkler Färbung und hoher Energie.
MTV Unplugged 2009
Für MTV Unplugged wurde der Song 2009 deutlich umgedeutet. Eine Dokumentation von Universal Music beschreibt die Performance als weitgehend akustisch und den Song speziell als loungeartig neu gestaltet; die Fassung wirkt weicher, offener und dramatischer als die komprimierte Studioaufnahme.[21]
Hörvergleich: Achte auf Instrumentierung, Raum, Dynamik, Gesangsnuancen und die Länge musikalischer Übergänge. Frage Dich, wie sich die Bedeutung verändert, wenn ein stark produzierter Pop-Hit als Live-Arrangement neu gerahmt wird.
Prismatic World Tour Live 2015
Auch spätere Konzertfassungen verschieben den Fokus von der kompakten Studioaufnahme hin zu Bühnendramaturgie, Publikumswirkung und sichtbarer Performance.
Offizielle Live-Veröffentlichung vom Katy-Perry-Kanal. Vergleiche insbesondere Attack, Bühnenenergie und die Funktion instrumentaler Übergänge mit der Studioversion.
Coverfassung durch den Glee Cast
Eine Coverversion ermöglicht eine zusätzliche Perspektive: Was geschieht mit einem Song, wenn er aus der individuellen Ich-Perspektive einer Solosängerin in einen Ensemble- und Serienkontext übertragen wird?
Offizielles Audio des Glee Cast. Nutze es als Hörmaterial, um Stimmenverteilung, Arrangement und Bedeutungsrahmen zu vergleichen. Formuliere Unterschiede nur anhand dessen, was Du tatsächlich hörst.
Medienkompetenz und Urheberrecht
Für diesen aiMOOC werden drei Medientypen bewusst unterschieden:
- Wikimedia Commons: Eingebundene Dateien sind frei lizenziert oder gemeinfrei. Die jeweilige Dateibeschreibungsseite nennt Lizenz und Urheber.
- YouTube: Offizielle Videos werden nur eingebettet. Sie sind dadurch nicht automatisch frei lizenziert und dürfen nicht einfach kopiert oder neu hochgeladen werden.
- Extension:Score: Die kurzen Notenbeispiele in diesem aiMOOC sind selbst erstellt. Sie demonstrieren analytische Prinzipien, ohne die geschützte Originalmelodie oder eine vollständige Partitur zu reproduzieren.
Das Albumcover wird bewusst nicht als vermeintlich „freies“ Bild eingebunden, und der vollständige Songtext wird nicht wiedergegeben.
Hörleitfaden
Höre den Song mehrfach mit jeweils anderem Fokus:
- Form: Markiere Strophe, Refrain, Bridge und Schluss.
- Rhythmus: Klopfe zunächst vier Grundschläge pro Takt und achte danach auf die triolische Binnenbewegung.
- Harmonik: Beschreibe die Mollwirkung und notiere, wo sich die Klangfarbe aufhellt oder verdunkelt.
- Produktion: Versuche Live-Drums, programmierte Elemente, Gitarren, Bass und Vocal-Layer zu unterscheiden.
- Text: Trenne Handlung, sinnliche Bildsprache und gesellschaftliche Wertung.
- Vergleich: Höre anschließend die Unplugged-Fassung und notiere mindestens fünf Unterschiede.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
In welcher Tonart wird die Originalfassung in veröffentlichten Notenausgaben geführt? (a-Moll) (!C-Dur) (!e-Moll) (!d-Moll)
Wer ist als Hauptproduzent der Studioaufnahme genannt? (Dr. Luke) (!Greg Wells) (!Butch Walker) (!Rick Rubin)
Welche Besonderheit ist für das Schlagzeug der Aufnahme belegt? (Programmiertes und live eingespieltes Schlagzeug werden kombiniert) (!Es gibt ausschließlich ein akustisches Solo-Schlagzeug) (!Der Song enthält gar kein Schlagzeug) (!Das Schlagzeug wurde vollständig durch Handclaps ersetzt)
Wer sang zusätzlich Background-Vocals und war zugleich Co-Autorin? (Cathy Dennis) (!Adele) (!Kesha) (!Madonna)
Welche ungefähre Temporegion wird für den Song angegeben? (Etwa 130 BPM) (!Etwa 60 BPM) (!Etwa 90 BPM) (!Etwa 200 BPM)
Welche Form beschreibt die Makrostruktur am besten? (Strophe Refrain Strophe Refrain Bridge Schlussrefrain) (!Nur eine durchgehende Strophe) (!Instrumentalkonzert in drei Sätzen) (!Zwölfteilige Fuge)
Welche Aussage zur MTV-Unplugged-Fassung trifft zu? (Sie deutet den Song deutlich akustischer und loungeartiger um) (!Sie ist identisch mit dem Studiomaster) (!Sie besteht nur aus einem Schlagzeugsolo) (!Sie ist eine rein elektronische Clubfassung ohne Live-Musiker)
Welche Rolle hatte Steven Wolf bei der Studioaufnahme? (Live-Drums) (!Leadgesang) (!Mastering) (!Songtextübersetzung)
Welche Aussage zur Rezeption ist fachlich angemessen? (Der Song war kommerziell erfolgreich und zugleich wegen seiner Darstellung gleichgeschlechtlicher Anziehung umstritten) (!Der Song wurde nie öffentlich diskutiert) (!Der Song blieb vollständig unbekannt) (!Der Song war ausschließlich ein Instrumentalstück)
Warum werden im aiMOOC nur kurze selbst erstellte Score-Beispiele verwendet? (Um musikalische Prinzipien zu zeigen ohne die geschützte Originalmelodie vollständig zu notieren) (!Weil Notenschrift grundsätzlich verboten ist) (!Weil der Song keine Melodie besitzt) (!Weil nur Schlagzeug notiert werden darf)
Memory
| Dr. Luke | Produktion sowie Gitarre und Bass |
| Benny Blanco | zusätzliche Produktion und Programming |
| Steven Wolf | Live-Drums |
| Cathy Dennis | Co-Autorin und Background-Vocals |
| Serban Ghenea | Mixing |
| a-Moll | Originaltonart in veröffentlichten Notenausgaben |
| circa 130 BPM | ungefähres Tempo |
| MTV Unplugged | akustischere Neuinterpretation von 2009 |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Hybridproduktion | Live-Drums und Programming werden kombiniert |
| Refrain | zentrale Hook und größter Wiedererkennungswert |
| Bridge | kontrastierender Abschnitt vor dem Schlussrefrain |
| Mixing | Einzelspuren werden zu einem Gesamtklang ausbalanciert |
| Unplugged | Neuarrangement mit deutlich akustischerem Charakter |
Kreuzworträtsel
| Moll | Welche Tongeschlechtsfärbung prägt die Originaltonart? |
| Dennis | Wie lautet der Nachname der Co-Autorin und Backgroundsängerin Cathy? |
| Mixing | Wie heißt der Produktionsschritt, bei dem Einzelspuren klanglich zusammengeführt werden? |
| Bridge | Wie heißt der kontrastierende Formteil vor dem Schlussrefrain? |
| Unplugged | Wie heißt das MTV-Format der akustischeren Live-Neudeutung? |
| Programming | Wie heißt das digitale Erstellen oder Steuern von Klang- und Rhythmuselementen? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Hörprotokoll: Höre die Studioversion und notiere für jeden Formteil drei hörbare Merkmale zu Stimme, Rhythmus und Instrumentierung.
- Songform: Erstelle ein farbiges Formdiagramm aus Strophe, Refrain, Bridge und Schluss und markiere Stellen mit steigender Klangdichte.
- Medienvergleich: Vergleiche das offizielle Musikvideo mit einem Livevideo. Beschreibe, wie Bildsprache und Bühnenpräsenz die Wirkung der Musik verändern.
- Rhythmus: Klopfe vier Grundschläge mit und sprich darüber triolische Silben. Erkläre anschließend, warum sich 4/4 und 12/8-artiges Empfinden nicht zwingend widersprechen.
Standard
- Produktionsanalyse: Erstelle eine schematische Studio-Grafik mit Leadgesang, Background-Vocals, Gitarre, Bass, Programming, Live-Drums, Mix und Master.
- Textanalyse: Schreibe eine Analyse der Themen Neugier, Norm, Begehren und Selbstbild. Nutze nur sehr kurze Zitate und paraphrasiere den übrigen Inhalt.
- Übersetzung: Formuliere eine sinngemäße deutsche Zusammenfassung jeder Songsektion, ohne den englischen Text Zeile für Zeile zu übersetzen.
- Arrangement: Entwickle ein eigenes kurzes Unplugged-Arrangement für einen selbst gewählten, gemeinfreien oder selbst geschriebenen Refrain und erkläre Deine Entscheidungen.
Schwer
- Rezeptionsgeschichte: Vergleiche zeitgenössische Kritiken von 2008 mit Perrys rückblickender Aussage von 2018. Untersuche, welche Begriffe und Wertungen sich verändert haben.
- Popproduktion: Rekonstruiere aus den Credits einen möglichen Produktionsworkflow vom Songwriting bis zum finalen Mix und kennzeichne gesicherte Fakten gegenüber plausiblen Annahmen.
- Musikanalyse: Erstelle eine eigene kurze harmonische Studie in a-Moll bei ungefähr 130 BPM, die mit Kontrast zwischen Strophe und Refrain arbeitet, aber keine Melodie des Originals übernimmt.
- Fassungsvergleich: Vergleiche Studioaufnahme, MTV-Unplugged-Version und eine Coverfassung anhand eines selbst entwickelten Kriterienrasters aus Form, Tempo, Groove, Instrumentierung, Stimme, Dynamik, Raumklang und Bedeutungsrahmen.


Lernkontrolle
- Produktion und Wirkung: Erkläre, wie die Kombination aus programmierten und live eingespielten Drums die Wahrnehmung von Präzision und Körperlichkeit beeinflussen kann. Beziehe Dich auf konkrete Hörbeobachtungen.
- Form und Dramaturgie: Zeige an mindestens zwei Stellen, wie der Wechsel zwischen Strophe, Refrain und Bridge musikalische Spannung erzeugt. Trenne Beschreibung und Interpretation.
- Text und Kontext: Diskutiere, wie ein Popsong gleichzeitig als Sichtbarkeit einer Erfahrung und als stereotype Vereinfachung kritisiert werden kann. Formuliere beide Perspektiven fair.
- Versionenvergleich: Erkläre, warum die MTV-Unplugged-Fassung trotz gleichem Songmaterial eine andere emotionale Wirkung entfalten kann. Nutze Begriffe aus Arrangement, Klangfarbe und Dynamik.
- Quellenkritik: Vergleiche einen offiziellen Credit, eine veröffentlichte Notenausgabe und eine journalistische Rezension. Erkläre, welche Art von Aussage jede Quelle besonders gut oder weniger gut belegen kann.
- Transfer: Wähle einen anderen Popsong und entwickle ein Analysemodell, das Entstehung, Form, Rhythmus, Harmonik, Text, Produktion, Rezeption und Urheberrecht ähnlich systematisch untersucht.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema solltest Du zeigen können, dass Du nicht nur Fakten auswendig kennst, sondern musikalische und mediale Zusammenhänge begründet analysieren kannst.
- Du kannst die wichtigsten Stationen der Entstehung und Veröffentlichung quellenbasiert darstellen.
- Du kannst mindestens drei aufnahmespezifische Besonderheiten erklären.
- Du kannst Tonart, ungefähres Tempo, Groove und Makroform fachsprachlich beschreiben.
- Du kannst Instrumentierung, Vocal-Layer und Produktionsschritte voneinander unterscheiden.
- Du kannst geschützten Songtext sinngemäß erschließen, ohne ihn vollständig zu reproduzieren.
- Du kannst unterschiedliche Perspektiven der Rezeption sachlich gegenüberstellen.
- Du kannst Studio-, Live- und Coverfassung anhand hörbarer Kriterien vergleichen.
- Du kannst zwischen freier Commons-Datei, offiziellem YouTube-Embed und urheberrechtlich geschütztem Werk unterscheiden.
- Du kannst eigene kurze Analysebeispiele erstellen, ohne eine geschützte Melodie oder Partitur zu kopieren.
Quellen und Nachweise
- ↑ Recording Academy: Katy Perry – Biografie, Chart- und Grammy-Angaben.
- ↑ John Seabrook: The Doctor Is In, The New Yorker, 2013.
- ↑ CBS News: All Access: Katy Perry, 4. Februar 2009.
- ↑ The Advocate: Katy Perry Isn’t One of the Boys, 23. Juni 2008.
- ↑ NME: Katy Perry reveals I Kissed A Girl inspiration, 22. August 2008.
- ↑ Universal Music Italia: I Kissed A Girl – Release- und Credit-Angaben.
- ↑ The Washington Post: Rückblick auf die Debatte um Darstellungen von Bisexualität, 16. Mai 2018.
- ↑ Recording Academy: Katy Perry Would Rewrite I Kissed A Girl To Remove Stereotypes, 8. Februar 2018.
- ↑ MusicBrainz: Release- und Recording-Credits für I Kissed a Girl.
- ↑ Universal Music Italia: Credits.
- ↑ MusicBrainz: Aufnahme- und Mixorte.
- ↑ Musicnotes: Piano/Vocal/Guitar-Ausgabe – a-Moll, ca. 132 BPM, Stimmumfang.
- ↑ Musicnotes: Signature-Artist-Pianoausgabe – a-Moll, Swing, ca. 130 BPM.
- ↑ Shazam: Recording-Credits mit Lead- und Background-Vocals.
- ↑ Musicnotes: Originaltonart und Stimmumfang.
- ↑ Musicnotes: Leadsheet-Ausgabe – 4/4.
- ↑ Universal Music Italia: technische Credits.
- ↑ Recording Academy: Best Female Pop Vocal Performance 2009.
- ↑ The Guardian: Chart-topping lesbian love song divides gay community, 7. August 2008.
- ↑ Recording Academy: Katy Perry.
- ↑ uDiscover Music: MTV Unplugged: Revealing The True Katy Perry Beneath The Persona.
Weiterführende, nachprüfbare Quellen:
- Wikipedia: I Kissed a Girl
- Recording Academy: Katy Perry
- Recording Academy: Grammy-Kategorie 2009
- The New Yorker: The Doctor Is In
- Universal Music: Release- und Credit-Daten
- MusicBrainz: I Kissed a Girl
- Musicnotes: Piano/Vocal/Guitar-Ausgabe
- CBS News: All Access Katy Perry
- The Advocate: Katy Perry Isn’t One of the Boys
- Recording Academy: Perrys Rückblick 2018
- uDiscover Music: MTV Unplugged
- Wikimedia Commons: Katy Perry.jpg, CC BY 2.0
- Wikimedia Commons: Katy Perry warped tour.jpg, gemeinfrei
- Wikimedia Commons: Bisexual Pride Flag.svg, gemeinfrei
- Wikimedia Commons: DAW-Studio, CC0
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