KI und Barrierefreiheit entdecken

KI und Barrierefreiheit entdecken
KI und Barrierefreiheit entdecken
Zielgruppe: Klasse 6, Schule Dauer: etwa 1–2 Unterrichtsstunden, flexibel für 45 bis 90 Minuten Schwerpunkte: Künstliche Intelligenz, Digitale Barrierefreiheit, Inklusion, Fairness, Vielfalt, Teilhabe, Medienkompetenz, Quellenkritik und verantwortlicher KI-Einsatz

Einleitung
Künstliche Intelligenz kann Sprache erkennen, Texte vereinfachen, Untertitel erzeugen, Bilder beschreiben oder beim Bedienen digitaler Geräte helfen. Dadurch kann KI manche Barrieren abbauen. Gleichzeitig kann sie neue Barrieren schaffen: Ein automatisch erzeugter Untertitel kann falsch sein, eine Bildbeschreibung kann wichtige Dinge übersehen, eine Bedienoberfläche kann mit einer Tastatur schlecht funktionieren oder ein KI-System kann manche Menschen schlechter berücksichtigen als andere.
In diesem Lernkurs untersuchst Du deshalb nicht nur die Frage „Was kann KI?“, sondern vor allem: „Für wen funktioniert sie, wer wird vielleicht ausgeschlossen und wer entscheidet, was fair ist?“
Barrierefreiheit bedeutet nicht, dass alle Menschen genau dasselbe brauchen. Menschen unterscheiden sich zum Beispiel darin, wie sie sehen, hören, lesen, sprechen, sich bewegen, Informationen verarbeiten oder digitale Geräte bedienen. Manche Behinderungen sind sichtbar, andere nicht. Manche Menschen verwenden Hilfsmittel wie einen Screenreader, eine Braillezeile, Untertitel, Audiodeskription, Gebärdensprache, Tastatursteuerung oder Spracheingabe. Gute Gestaltung versucht deshalb, von Anfang an verschiedene Nutzungsweisen mitzudenken.

Wichtig: Eine Behinderung ist nicht einfach nur eine Eigenschaft einer Person. Eine Barriere entsteht oft erst dann, wenn Umwelt, Technik oder Kommunikation nur für eine bestimmte Art der Nutzung gestaltet sind. Eine Treppe wird für eine Person im Rollstuhl zur Barriere, ein Video ohne Untertitel für manche gehörlosen oder schwerhörigen Menschen und ein Bild ohne Alternativtext für viele blinde oder sehbehinderte Menschen.

Lernziele
Nach dem Kurs kannst Du eine digitale Situation mit einem einfachen Prüfverfahren untersuchen. Du kannst erklären, wie KI Barrieren abbauen, aber auch verstärken kann. Du kannst verschiedene Betroffenenperspektiven berücksichtigen, Verbesserungen entwickeln, KI-Ausgaben kritisch prüfen und eine Entscheidung begründen. Am Ende überträgst Du das Vorgehen selbstständig auf eine neue Situation.
Kurzer Ablauf für 1–2 Unterrichtsstunden
| Phase | Inhalt | Richtzeit |
|---|---|---|
| Aktivierung | Symbole deuten, erste Vermutungen zu Barrieren und KI sammeln | 5–10 Minuten |
| Einführung | KI, Barrierefreiheit, Teilhabe, Repräsentation und Fairness verstehen | 10–15 Minuten |
| Geführtes Beispiel | Gemeinsam eine digitale Situation mit dem FAIR-Check untersuchen | 10–15 Minuten |
| Anwendung | Schulfest-Fall bearbeiten und konkrete Verbesserungen entwickeln | 15–25 Minuten |
| Selbstkontrolle und Reflexion | Quiz, Prüfroutine und Begründung | 10–15 Minuten |
| Transfer | Neue Situation selbstständig beurteilen | 10–15 Minuten |
Für eine einzelne Unterrichtsstunde kann die Lehrkraft die Vertiefungen, das Kreuzworträtsel und einen Teil der offenen Aufgaben auslassen. Für zwei Stunden können zusätzlich die Perspektivkarten, die Mathematik-Aufgabe und ein eigener barrierearmer Medienentwurf bearbeitet werden.
Aktivierung und Diagnose
Schau Dir die folgenden Symbole an. Welche Formen von Zugang oder Unterstützung erkennst Du? Welche Menschen könnten davon profitieren? Gibt es auch Bedürfnisse, die durch kein Symbol dargestellt werden?




Schnell-Diagnose: Entscheide zunächst ohne Recherche, ob Du den folgenden Aussagen eher zustimmst oder widersprichst. Notiere jeweils einen Grund. Am Ende des Kurses prüfst Du Deine Antworten erneut.
- Automatisierung: Wenn eine KI Untertitel erzeugt, ist ein Video automatisch barrierefrei.
- Fairness: Ein System ist fair, wenn es für alle exakt dieselbe Funktion anbietet.
- Verantwortung: Wenn eine KI einen Fehler macht, trägt nur die KI die Verantwortung.
- Vielfalt: Gute Technik sollte mit möglichst unterschiedlichen Menschen getestet werden.
Was ist Künstliche Intelligenz?
Künstliche Intelligenz ist ein Gebiet der Informatik. Viele heutige KI-Systeme erkennen Muster in großen Datenmengen. Sie können beispielsweise Sprache in Text umwandeln, Bilder beschreiben oder aus einer Eingabe einen neuen Text erzeugen. Dabei „wissen“ sie nicht automatisch, was für einen bestimmten Menschen richtig, hilfreich oder fair ist. KI kann überzeugend klingende Fehler machen.
Merksatz: KI ist ein Werkzeug. Sie kann Menschen unterstützen, aber sie ersetzt nicht die menschliche Prüfung, Verantwortung und Entscheidung.
Wo KI Barrieren abbauen kann
| KI-Unterstützung | Möglicher Nutzen | Was trotzdem geprüft werden muss |
|---|---|---|
| Automatische Untertitel | Gesprochenes wird als Text sichtbar | Sind Wörter, Namen und wichtige Geräusche korrekt? |
| Automatische Bildbeschreibung | Bildinhalte können als Text ausgegeben werden | Ist die Beschreibung sachlich, vollständig und ohne erfundene Details? |
| Spracheingabe | Bedienung kann ohne Tastatur oder Maus möglich werden | Erkennt das System unterschiedliche Stimmen und Sprechweisen zuverlässig? |
| Textvereinfachung | Komplizierte Texte können verständlicher werden | Ist der Inhalt noch korrekt und fehlen keine wichtigen Informationen? |
| Vorlesefunktion | Geschriebene Inhalte können hörbar werden | Ist die Struktur so angelegt, dass Überschriften, Tabellen und Links verständlich vorgelesen werden? |
Was bedeutet Barrierefreiheit?
Digitale Barrierefreiheit bedeutet, dass digitale Informationen und Funktionen für möglichst viele Menschen wahrnehmbar, bedienbar und verständlich sind. Barrierefreiheit betrifft nicht nur Menschen im Rollstuhl. Digitale Barrieren können zum Beispiel beim Sehen, Hören, Lesen, Verstehen, Sprechen oder Bedienen entstehen.
Einige typische Hilfen sind Alternativtexte für Bilder, Untertitel, Audiodeskription, Gebärdensprache, klare Sprache, ausreichende Kontraste, eine logische Seitenstruktur und die Bedienbarkeit ohne Maus.
Das folgende Video zeigt denselben Themenbereich mit Audiodeskription. Vergleiche beide Fassungen: Was ist in der Audiodeskription zusätzlich hörbar? Welche Informationen wären ohne diese Beschreibung nur visuell verfügbar?
Denkfrage: Eine barrierefreie Funktion ist oft nicht nur für eine einzige Gruppe hilfreich. Untertitel können zum Beispiel gehörlosen und schwerhörigen Menschen helfen, aber auch beim Lernen einer Sprache, in lauter Umgebung oder wenn ein Gerät stummgeschaltet ist.
Perspektiven: Wer erlebt welche Barriere?
Die folgenden Personen sind erfundene Lernbeispiele. Sie zeigen unterschiedliche mögliche Perspektiven. Kein Mensch lässt sich auf eine einzelne Eigenschaft reduzieren, und nicht alle Menschen mit derselben Behinderung haben dieselben Wünsche.
| Perspektive | Situation | Mögliche Barriere | Mögliche Verbesserung |
|---|---|---|---|
| Mina | Sie nutzt einen Screenreader und kann Bilder nicht zuverlässig visuell erfassen. | Ein Veranstaltungsplakat enthält alle wichtigen Informationen nur als Bild. | Ein sinnvoller Alternativtext und ein zusätzlicher Text mit Datum, Ort und Programm. |
| Deniz | Er ist schwerhörig und schaut ein Erklärvideo. | Das Video hat keine Untertitel und wichtige Geräusche werden nicht beschrieben. | Geprüfte Untertitel und ein Transkript. |
| Leni | Sie liest langsam und verliert bei langen, komplizierten Sätzen leicht den Überblick. | Die Schulhomepage enthält sehr lange Sätze und viele Fachwörter. | Klare Gliederung, kurze Sätze und eine verständliche Sprachfassung. |
| Sam | Sam bedient einen Computer überwiegend mit der Tastatur. | Ein wichtiges Menü lässt sich nur mit der Maus öffnen. | Vollständige Tastaturbedienung und sichtbarer Fokus. |
| Noor | Noor lernt Deutsch als weitere Sprache. | Ein automatischer Untertitel enthält viele Fehler und verschluckt Fachbegriffe. | Untertitel prüfen, schwierige Begriffe erklären und wichtige Informationen zusätzlich schriftlich anbieten. |
Perspektivwechsel: Frage nicht nur „Ist die Technik gut?“, sondern „Für wen ist sie in welcher Situation gut?“.
Repräsentation, Vielfalt und Fairness
KI-Systeme lernen häufig aus Beispieldaten. Wenn bestimmte Menschen, Sprechweisen, Situationen oder Nutzungsarten in diesen Daten kaum vorkommen, kann das System für sie schlechter funktionieren. Das nennt man eine Form von Verzerrung. Deshalb sind Vielfalt bei Daten, Tests und Entwicklung wichtig.
Repräsentation fragt: Wer kommt in den Daten, Bildern, Beispielen und Tests vor? Fairness fragt: Werden Menschen angemessen und gerecht behandelt? Teilhabe fragt: Können Menschen wirklich mitmachen, Informationen erhalten und Entscheidungen beeinflussen? Vielfalt erinnert daran, dass Menschen verschiedene Fähigkeiten, Sprachen, Erfahrungen und Bedürfnisse haben.
Fairness bedeutet nicht immer, allen exakt dasselbe zu geben. Ein Beispiel: Wenn alle Schülerinnen und Schüler denselben gedruckten Text bekommen, ist die Verteilung gleich. Für eine blinde Person kann derselbe Inhalt zusätzlich digital für einen Screenreader oder in Braille nötig sein. Eine gerechte Lösung berücksichtigt unterschiedliche Zugänge.
Ein kleines Mathematik-Beispiel
Eine Klasse testet eine automatische Spracherkennung. In drei kurzen Testaufnahmen werden jeweils 20 Wörter gesprochen. Das Beispiel ist erfunden und dient nur zum Üben.
| Test | Richtig erkannte Wörter | Anteil |
|---|---|---|
| Aufnahme A | 18 von 20 | 90 Prozent |
| Aufnahme B | 15 von 20 | 75 Prozent |
| Aufnahme C | 12 von 20 | 60 Prozent |
Bevor Du sagst „Das System ist fair“ oder „Das System ist unfair“, brauchst Du mehr Informationen: Waren die Aufnahmen gleich laut? Gab es Hintergrundgeräusche? Wurden verschiedene Stimmen getestet? Wurden alle Fehler gleich gewichtet? Welche Folgen hätte ein Fehler?
Mathematik trifft Ethik: Zahlen können Unterschiede sichtbar machen. Ob ein Unterschied akzeptabel, problematisch oder ungerecht ist, ist aber zusätzlich eine Wertfrage. Sie lässt sich nicht allein durch Rechnen beantworten.
Der FAIR-Check: Deine einfache Prüfroutine
Mit dem FAIR-Check kannst Du KI und digitale Medien systematisch untersuchen.
| Buchstabe | Frage | Beispiel |
|---|---|---|
| F – Für wen? | Wer soll das Angebot nutzen können? Wer könnte ausgeschlossen werden? | Denke an Sehen, Hören, Lesen, Verstehen, Sprache, Motorik und unterschiedliche Geräte. |
| A – Alternativen? | Gibt es mehrere Zugangswege? | Text plus Bildbeschreibung, Video plus Untertitel, Maus plus Tastatur. |
| I – Irrtümer und Informationen prüfen? | Kann die KI falsch liegen? Woher kommt die Information? | Untertitel gegenhören, Bildbeschreibung vergleichen, Quelle prüfen. |
| R – Verantwortung? | Wer entscheidet am Ende und wer wird beteiligt? | Menschen prüfen, Betroffene einbeziehen, Datenschutz beachten und begründen. |
Kurzform für den Kopf: Für wen? – Alternativen? – Irrtum? – Verantwortung?
Sicherheits- und Quellencheck
Bevor Du ein KI-Werkzeug für eine Schulaufgabe nutzt, prüfe zusätzlich:
- Datenschutz: Lade keine privaten Fotos, Sprachaufnahmen, Namen, Gesundheitsdaten oder andere persönliche Informationen von Mitschülerinnen und Mitschülern hoch, wenn dafür keine klare Erlaubnis und schulische Freigabe vorliegt.
- Quellenkritik: Übernimm keine wichtige Information nur deshalb, weil eine KI sie sicher formuliert. Prüfe sie mit geeigneten Quellen.
- Transparenz: Mache kenntlich, wenn KI wesentlich geholfen hat.
- Menschliche Entscheidung: Nutze KI als Unterstützung. Deine begründete Entscheidung bleibt Deine Aufgabe.
Geführtes Beispiel: Ein KI-generiertes Schulplakat
Die Schülervertretung erstellt mit KI ein digitales Plakat für einen Aktionstag. Auf dem Plakat stehen Datum und Raum nur als Text innerhalb eines Bildes. Die Schrift ist klein. Die Farben haben wenig Kontrast. Eine KI erzeugt automatisch einen Alternativtext: „Buntes Plakat mit Menschen.“ Der Alternativtext nennt aber weder Datum noch Ort. Das Plakat zeigt nur Kinder ohne sichtbare Behinderung, obwohl der Aktionstag für die ganze Schule gedacht ist.
Wende gemeinsam den FAIR-Check an.
| FAIR-Schritt | Beobachtung | Verbesserung |
|---|---|---|
| Für wen? | Screenreader-Nutzende erhalten Datum und Raum nicht. Kleine Schrift kann weitere Menschen ausschließen. | Wichtige Informationen zusätzlich als echten Text anbieten und gut lesbar gestalten. |
| Alternativen? | Es gibt nur das Bild. | Textversion, guter Alternativtext und bei Bedarf Vorlesemöglichkeit ergänzen. |
| Irrtümer? | Die KI-Beschreibung ist zu allgemein. | Alternativtext von einem Menschen prüfen und auf den Zweck des Bildes abstimmen. |
| Verantwortung? | Die KI hat das Plakat vorgeschlagen, aber die Schule veröffentlicht es. | Menschen entscheiden, testen und beziehen unterschiedliche Perspektiven ein. |
Repräsentationsfrage: Muss jedes einzelne Bild alle Menschen zeigen? Nein. Aber wenn eine Schule immer nur dieselben Menschen zeigt, entsteht ein einseitiges Bild davon, wer dazugehört. Repräsentation sollte deshalb über mehrere Medien hinweg bewusst geprüft werden.
Realistische Anwendungssituation: Das Schulfest
Deine Klasse organisiert ein Schulfest. Ein KI-Werkzeug hat drei Dinge vorbereitet:
- Einladung: einen langen Einladungstext mit schwierigen Wörtern.
- Video: einen 45-Sekunden-Clip mit automatisch erzeugten Untertiteln, in denen mehrere Namen falsch geschrieben sind.
- Lageplan: eine bunte Grafik, auf der barrierearme Zugänge nur über Farben markiert sind und deren Bildbeschreibung lediglich „Plan des Schulhofs“ lautet.
Dein Team soll die Materialien verbessern. Arbeitet zuerst mit dem FAIR-Check. Prüft danach aus mindestens drei Perspektiven, welche Barrieren bestehen. Erst dann entwickelt Ihr konkrete Änderungen.
Mögliche Verbesserungsrichtungen: verständlicher Text, klare Überschriften, korrekte Untertitel, Alternativtext mit wichtigen Wegen, Symbole zusätzlich zu Farben, ausreichender Kontrast, Tastaturbedienbarkeit einer digitalen Version und ein klarer Hinweis, an wen man sich bei weiteren Unterstützungsbedarfen wenden kann.
Wertfrage: Wenn Zeit und Geld begrenzt sind, welche Verbesserungen werden zuerst umgesetzt? Eine Technik kann diese Priorität nicht neutral bestimmen. Dazu braucht es menschliche Abwägung, Betroffenenperspektiven und die Frage, welche Teilhabe besonders gefährdet ist.
Fächerübergreifende Bezüge
| Fach | Bezug | Mögliche Aktivität |
|---|---|---|
| Informatik | KI, Daten, Muster, Fehler, Bias und Mensch-Maschine-Zusammenarbeit | KI-Ausgabe prüfen und FAIR-Check anwenden |
| Deutsch | verständliche Sprache, Alternativtexte, Argumentieren und Begründen | einen komplizierten Text überarbeiten und Änderungen erklären |
| Mathematik | Anteile, Fehlerquoten und Vergleiche | Testergebnisse einer Spracherkennung auswerten |
| Naturwissenschaften | Wahrnehmung, Hören, Sehen und technische Hilfsmittel | untersuchen, wie Informationen über verschiedene Sinneskanäle zugänglich werden |
| Kunst | Kontrast, Bildgestaltung, Symbolik und Repräsentation | ein inklusiveres Plakat entwerfen |
| Ethik | Gerechtigkeit, Verantwortung, Menschenwürde und Werte | begründen, was in einer Situation fair ist |
| Gemeinschaftskunde | Teilhabe, Mitbestimmung, Inklusion und gesellschaftliche Regeln | eine Entscheidung für die Schulgemeinschaft diskutieren |
| Medienbildung | Quellenkritik, Transparenz, Datenschutz und verantwortlicher KI-Einsatz | KI-Ausgaben kennzeichnen und mit Quellen abgleichen |
Warum Wertfragen nicht nur technisch lösbar sind
Eine KI kann messen, sortieren oder Vorschläge machen. Sie kann aber nicht für eine Gesellschaft festlegen, was gerecht sein soll. Menschen müssen entscheiden, welche Rechte, Bedürfnisse und Risiken besonders wichtig sind. Dabei können verschiedene vernünftige Sichtweisen aufeinandertreffen.
Beispiel: Eine Schule hat nur Zeit, zuerst zwei von fünf Barrieren zu beseitigen. Soll sie die Barrieren auswählen, die die meisten Menschen betreffen? Oder jene, die einzelne Menschen vollständig ausschließen? Soll sie schnelle Verbesserungen zuerst umsetzen oder länger an einer grundlegenden Lösung arbeiten? Das sind Fragen von Werten, Rechten und Prioritäten.
Deshalb gilt: Technik liefert Möglichkeiten. Menschen tragen Verantwortung für Ziele, Regeln, Folgen und Entscheidungen.
Schrittweise zu mehr Selbstständigkeit
Nutze diese Lernfolge:
- Gemeinsam prüfen: Untersuche zuerst ein Beispiel mit der Klasse und dem FAIR-Check.
- Zu zweit prüfen: Bearbeite danach die Schulfest-Situation mit einer Partnerin oder einem Partner.
- Selbstständig entscheiden: Untersuche am Ende eine neue Situation allein, entwickle eine Verbesserung und begründe Deine Entscheidung.
- Rückblick: Vergleiche Deine Begründung mit Deiner ersten Diagnose. Was würdest Du jetzt anders sagen?
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Ein Erklärvideo hat automatisch erzeugte Untertitel. Was ist der beste nächste Schritt? (Die Untertitel prüfen und wichtige Fehler verbessern) (!Die Untertitel ungeprüft veröffentlichen) (!Nur die Schriftfarbe der Untertitel ändern) (!Das Video ohne Ton abspielen)
Eine KI erzeugt für ein Veranstaltungsbild den Alternativtext Buntes Bild. Was sollte verbessert werden? (Die für den Zweck wichtigen Bildinformationen sollten beschrieben werden) (!Der Alternativtext sollte vollständig gelöscht werden) (!Der Alternativtext sollte nur den Dateinamen enthalten) (!Der Alternativtext sollte möglichst viele zufällige Adjektive enthalten)
Welche Aussage beschreibt Fairness am besten? (Fairness kann unterschiedliche Zugänge erfordern, damit Menschen teilhaben können) (!Fairness bedeutet immer für alle exakt dieselbe Lösung) (!Fairness kann vollständig von einer KI berechnet werden) (!Fairness spielt bei digitaler Gestaltung keine Rolle)
Warum ist Vielfalt in Testdaten und Tests wichtig? (Weil ein System sonst für manche Menschen oder Situationen schlechter funktionieren kann) (!Weil dadurch jede KI immer fehlerfrei wird) (!Weil dadurch keine menschliche Prüfung mehr nötig ist) (!Weil nur die Menge der Daten über Fairness entscheidet)
Wer trägt die Verantwortung für eine schulische Entscheidung mit KI-Unterstützung? (Die beteiligten Menschen müssen die Entscheidung prüfen und verantworten) (!Die KI trägt allein die Verantwortung) (!Der Computerhersteller entscheidet automatisch) (!Niemand trägt Verantwortung, wenn KI beteiligt ist)
Was ist beim Datenschutz besonders sinnvoll? (Keine persönlichen Daten anderer ohne klare Erlaubnis und Freigabe in KI-Dienste eingeben) (!Alle privaten Fotos der Klasse zum Testen hochladen) (!Passwörter mit der KI teilen, damit sie besser helfen kann) (!Persönliche Daten veröffentlichen, wenn das Ergebnis gut aussieht)
Welche Frage gehört zum F im FAIR-Check? (Für wen soll das Angebot nutzbar sein) (!Funktioniert die Maus besonders schnell) (!Fühlt sich die KI wie ein Mensch) (!Folgt das Design einer bestimmten Mode)
Warum kann verständliche Sprache Barrieren abbauen? (Weil Informationen dadurch für mehr Menschen leichter zugänglich werden können) (!Weil schwierige Inhalte dadurch immer unwichtig werden) (!Weil verständliche Sprache jede Übersetzung ersetzt) (!Weil nur kurze Texte wahr sein können)
Was bedeutet Transparenz bei der Nutzung von KI in einer Schulaufgabe? (Wesentliche KI-Unterstützung kenntlich machen und die eigene Prüfung erklären) (!Die KI-Nutzung immer verheimlichen) (!Nur das Ergebnis zeigen und keine Quellen prüfen) (!Jede KI-Antwort als sichere Quelle behandeln)
Du bekommst eine neue Schul-App zum Prüfen. Was ist die beste Vorgehensweise? (Mehrere Perspektiven testen, Barrieren suchen, KI-Ausgaben prüfen und die Entscheidung begründen) (!Nur prüfen, ob die App Dir persönlich gefällt) (!Nur auf die Farbe des Logos achten) (!Annehmen, dass eine neue App automatisch barrierefrei ist)
Memory
| Alternativtext | Macht wichtige Bildinformationen als Text zugänglich |
| Untertitel | Stellen Gesprochenes und wichtige Geräusche schriftlich dar |
| Audiodeskription | Beschreibt wichtige visuelle Informationen hörbar |
| Screenreader | Liest digitale Inhalte strukturiert vor |
| Bias | Bezeichnet eine systematische Verzerrung |
| Teilhabe | Bedeutet gleichberechtigt mitmachen zu können |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Untertitel | Gesprochenes auch lesbar machen |
| Alternativtext | Wichtige Bildinformation als Text zugänglich machen |
| Tastaturbedienung | Eine digitale Oberfläche ohne Maus steuern |
| Verständliche Sprache | Komplizierte Informationen leichter erfassbar machen |
| Menschliche Prüfung | Fehler, fehlende Perspektiven und problematische KI-Ausgaben erkennen |
Kreuzworträtsel
| Untertitel | Welche Texteinblendungen machen Gesprochenes in einem Video lesbar? |
| Screenreader | Wie heißt eine Software, die digitale Inhalte vorliest? |
| Teilhabe | Welches Wort bedeutet, gleichberechtigt mitmachen zu können? |
| Fairness | Welcher Begriff beschreibt die Frage nach gerechter Behandlung? |
| Barriere | Wie heißt ein Hindernis, das Zugang oder Nutzung erschwert? |
| Vielfalt | Welcher Begriff steht für unterschiedliche Menschen, Perspektiven und Erfahrungen? |
LearningApps
Lückentext
Selbstkontrolle und Reflexion
Prüfe Deine erste Diagnose noch einmal. Hat sich Deine Einschätzung verändert?
- Automatische Untertitel: Erkläre, warum automatisch erzeugte Untertitel hilfreich sein können und trotzdem geprüft werden müssen.
- Gleichheit und Gerechtigkeit: Formuliere mit eigenen Worten den Unterschied zwischen „alle bekommen dasselbe“ und „alle erhalten einen passenden Zugang“.
- Betroffenenperspektive: Nenne eine Situation, in der die Person, die von einer Barriere betroffen ist, bei der Verbesserung beteiligt werden sollte.
- Human Agency: Beschreibe eine Entscheidung, die Du nicht einfach an eine KI abgeben würdest.
- Transparenz: Erkläre, wie Du in einer Schulaufgabe zeigen kannst, wo KI geholfen hat und was Du selbst geprüft hast.
Transfer: Neue Situation selbstständig prüfen
Neue Situation: Die Schulbibliothek plant einen digitalen Ausleih-Automaten. Eine KI soll Sprache verstehen, Buchempfehlungen geben und Hinweise auf dem Bildschirm erzeugen. Der erste Entwurf hat kleine Schrift, lässt sich nur per Touchscreen bedienen und speichert Sprachaufnahmen für spätere Verbesserungen. Die Buchempfehlungen zeigen fast nur bekannte Bestseller.
Bearbeite die Aufgabe nun ohne vorgegebene Lösung.
- FAIR-Check anwenden: Untersuche die Situation mit allen vier Schritten.
- Repräsentation prüfen: Welche Menschen, Interessen oder Bücher könnten im Empfehlungssystem zu wenig vorkommen?
- Sicherheit prüfen: Welche Fragen entstehen durch die gespeicherten Sprachaufnahmen?
- Verbesserung entwickeln: Schlage mindestens drei konkrete Änderungen vor.
- Entscheidung begründen: Wähle die wichtigste Änderung aus und begründe, warum Du sie zuerst umsetzen würdest.
- Wertfrage reflektieren: Erkläre, warum Deine Priorität nicht allein durch die Technik entschieden werden kann.
Offene Aufgaben
Leicht
- Barrieren-Detektiv: Untersuche eine Schulwebsite, ein Arbeitsblatt oder einen Aushang und finde drei mögliche Barrieren. Formuliere zu jeder Barriere eine Verbesserung.
- Alternativtext-Werkstatt: Wähle ein frei verwendbares Bild und schreibe zwei Alternativtexte für unterschiedliche Zwecke. Erkläre, warum sich die Texte unterscheiden.
- Untertitel-Check: Vergleiche einen kurzen automatisch erzeugten Untertitel mit dem gesprochenen Inhalt. Markiere Fehler und verbessere sie.
- Symbol-Galerie: Recherchiere vier Symbole für Barrierefreiheit und gestalte eine kleine Erklärung, was sie anzeigen und was sie nicht über eine Person aussagen.
Standard
- FAIR-Prüfung: Prüfe ein digitales Lernangebot mit dem FAIR-Check und dokumentiere Deine Ergebnisse in einer Tabelle.
- Perspektivwechsel: Beschreibe dieselbe digitale Situation aus drei unterschiedlichen Nutzerperspektiven und entwickle eine Lösung, die mehrere davon berücksichtigt.
- Inklusives Plakat: Gestalte ein Plakat für eine Schulveranstaltung mit gutem Kontrast, verständlichem Text, sinnvollem Alternativtext und vielfältiger Repräsentation.
- KI-Transparenzprotokoll: Nutze ein schulisch freigegebenes KI-Werkzeug für einen Entwurf. Notiere, welche Eingabe Du verwendet hast, was die KI vorgeschlagen hat, welche Fehler Du gefunden hast und was Du selbst geändert hast.
Schwer
- Fairness-Debatte: Entwickle zwei unterschiedliche faire Lösungen für eine Situation mit begrenzten Ressourcen. Begründe, welche Werte jeweils dahinterstehen.
- Nutzertest planen: Entwirf einen kleinen Test für ein digitales Schulangebot. Lege fest, welche unterschiedlichen Nutzungsweisen geprüft werden sollen und wie Betroffene beteiligt werden könnten.
- Fehlerquoten untersuchen: Erfinde oder erhebe mit erlaubten Testdaten mehrere Ergebnisse einer Spracherkennung, berechne einfache Trefferquoten und diskutiere, welche zusätzlichen Informationen Du für eine Fairnessbewertung brauchst.
- Transfer-Projekt: Wähle eine neue KI-Anwendung aus Schule oder Alltag, untersuche Repräsentation, Fairness, Vielfalt, Teilhabe, Datenschutz und menschliche Verantwortung und präsentiere eine begründete Verbesserung.


Lernkontrolle
- Barrierefreiheit analysieren: Du erhältst einen digitalen Aushang mit Bild, Text und Video. Erkläre aus mindestens drei Perspektiven, welche Barrieren auftreten könnten, und entwickle passende Verbesserungen.
- Fairness begründen: Zwei Gruppen schlagen unterschiedliche Lösungen für dasselbe Zugangsproblem vor. Vergleiche die Lösungen und begründe, welche Du bevorzugst oder wie Du beide verbinden würdest.
- KI-Ausgabe bewerten: Eine KI liefert einen automatisch erzeugten Alternativtext oder Untertitel. Prüfe ihn auf Genauigkeit, Relevanz und mögliche Verzerrung und überarbeite ihn.
- Daten kritisch deuten: Vergleiche mehrere einfache Testergebnisse eines KI-Systems. Erkläre, was die Zahlen zeigen und welche Fairnessfrage sie noch nicht beantworten.
- Gesellschaftliche Entscheidung: Begründe, warum eine wichtige Entscheidung über Teilhabe nicht allein einer KI überlassen werden sollte.
- Transfer leisten: Wende den FAIR-Check auf eine unbekannte digitale Situation an und formuliere eine begründete Entscheidung mit mindestens einer möglichen Gegenposition.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur Begriffe kennst, sondern eine Situation selbstständig untersuchen kannst.
- Prüfroutine: Du kannst den FAIR-Check ohne Hilfe auf eine neue Situation anwenden.
- Perspektiven: Du berücksichtigst mehrere mögliche Nutzerperspektiven und vermeidest die Annahme, dass alle Menschen dieselben Bedürfnisse haben.
- Verbesserung: Du entwickelst konkrete, umsetzbare Maßnahmen zur Barrierefreiheit.
- Fairness: Du kannst zwischen gleicher Behandlung und gerechtem Zugang unterscheiden.
- Quellenkritik: Du prüfst KI-Ausgaben und wichtige Informationen mit geeigneten Quellen.
- Transparenz: Du machst wesentliche KI-Unterstützung kenntlich.
- Sicherheit: Du achtest auf Datenschutz und gibst keine sensiblen Daten anderer unbedacht an KI-Dienste weiter.
- Begründung: Du erklärst, warum eine gesellschaftliche Wertentscheidung menschliche Abwägung benötigt.
OERs zum Thema
Frei nutzbare Medien und weiterführende Quellen
- Wikimedia Commons: Die im Kurs eingesetzten Piktogramme und Grafiken stammen aus Wikimedia Commons. Dort findest Du auf den jeweiligen Dateiseiten die Lizenzangaben.
- Aktion Mensch – KI und Barrierefreiheit: Überblick über Chancen, Grenzen und inklusive Entwicklung.
- Aktion Mensch – Barrierefreie Videos: Erklärungen zu Untertiteln, Audiodeskription und Gebärdensprache.
- UNESCO – Recommendation on the Ethics of Artificial Intelligence: Internationale Grundsätze zu Fairness, Nichtdiskriminierung, Transparenz und menschlicher Verantwortung.
- Universität Leipzig – KI-Kids: Projekt zu inklusiver und diskriminierungsfreier KI-Entwicklung.
- Bundesfachstelle Barrierefreiheit – Barrierefreie Online-Videos: Fachinformationen zur digitalen Barrierefreiheit.
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