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KI-Systemarchitekturen verstehen

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KI-Systemarchitekturen verstehen




Einleitung

KI-Systemarchitekturen verstehen bedeutet mehr, als ein einzelnes KI-Modell zu betrachten. Ein reales KI-System ist ein sozio-technisches System: Es verbindet technische Bausteine mit Zielen, Daten, Menschen, Regeln, Infrastruktur und gesellschaftlichen Folgen. Wenn Du nur auf das Modell schaust, übersiehst Du oft die wichtigsten Ursachen für Fehler, Ungerechtigkeit oder Sicherheitsprobleme.

In diesem Lernkurs für die Klasse 10 lernst Du, KI-Systeme als zusammenhängende Architektur zu untersuchen. Du sollst am Ende die Grundidee sicher erklären, neue Beispiele systematisch analysieren, typische Fehlvorstellungen korrigieren und begründete Verbesserungsvorschläge machen können. Der Kurs ist für etwa 1–2 Unterrichtsstunden angelegt und verbindet besonders Informatik, Mathematik, Technik, Deutsch, Wirtschaft, Geschichte, Ethik und Gemeinschaftskunde.

Die Abbildung zeigt einen vereinfachten technischen Ablauf aus Training, Modell und Nutzung. Für eine vollständige Systemarchitektur musst Du zusätzlich fragen: Wozu wird das System eingesetzt? Wer trifft Entscheidungen? Welche Daten fließen hinein? Welche Oberfläche sehen Nutzende? Welche Infrastruktur ist nötig? Welche Folgen entstehen?


Lernziele

Nach dem Kurs kannst Du eine KI-Anwendung als System aus Zweck, Daten, Modell, Oberfläche, Menschen, Infrastruktur und Folgen beschreiben. Du kannst erklären, warum Systemdesign, Evaluation und Governance zusammengehören, einfache Qualitätsmaße und Fehlerarten deuten, Risiken und Nutzen aus verschiedenen Fachperspektiven abwägen und eine Systemkarte für einen neuen Fall erstellen.


Unterrichtsrahmen für 90 Minuten

Phase Zeit Ziel Aktivität
Diagnose 8 Minuten Vorwissen sichtbar machen Ein Alltagsbeispiel in Bausteine zerlegen und Vermutungen markieren
Einführung 15 Minuten Sozio-technische Sicht verstehen Sieben Bausteine kennenlernen und erste Systemkarte lesen
Vertiefung 20 Minuten Zusammenhänge erkennen Datenfluss, Modell, Oberfläche, Menschen und Infrastruktur untersuchen
Anwendung 22 Minuten Systemdesign und Folgenabschätzung verbinden Fallbeispiel Lernunterstützungssystem analysieren
Evaluation und Governance 15 Minuten Qualität, Fairness, Sicherheit und Verantwortung prüfen Fehlermatrix, Prüffragen und Regeln anwenden
Transfer und Reflexion 10 Minuten Wissen auf neuen Fall übertragen Neue Systemkarte entwerfen und eine Fehlvorstellung korrigieren


Aktivierung und Diagnose

Stell Dir ein System vor, das Schülerleistungen aus Übungsaufgaben auswertet und danach passende Aufgaben empfiehlt. Schreibe in zwei Minuten auf, was Deiner Meinung nach zu diesem System gehört. Markiere anschließend jeden Punkt mit T für technisch, M für menschlich oder G für gesellschaftlich. Wenn Du nur technische Teile notiert hast, ist das bereits eine wichtige Diagnose: KI-Systeme bestehen fast nie nur aus Software.

Eine Leitfrage für den ganzen Kurs lautet: Was verändert sich, wenn dasselbe Modell für einen anderen Zweck eingesetzt wird? Ein Modell, das freiwillige Übungsaufgaben empfiehlt, hat andere Folgen als ein Modell, dessen Score über Kurszuordnungen entscheidet.


KI als sozio-technisches System


Die sieben Bausteine

  1. Zweck: Welche Aufgabe soll das System erfüllen, für wen und mit welchem Erfolgskriterium?
  2. Daten: Welche Daten werden gesammelt, ausgewählt, bereinigt, gespeichert und eventuell gelöscht?
  3. Modell: Nach welcher mathematischen oder algorithmischen Struktur werden Muster erkannt oder Ausgaben erzeugt?
  4. Oberfläche: Wie gelangen Eingaben in das System und wie werden Ergebnisse, Unsicherheiten oder Warnungen dargestellt?
  5. Menschen: Wer entwickelt, betreibt, nutzt, kontrolliert oder ist von Entscheidungen betroffen?
  6. Infrastruktur: Welche Geräte, Netze, Server, Sensoren, Speicher und Energiequellen ermöglichen den Betrieb?
  7. Folgen: Welche beabsichtigten und unbeabsichtigten Wirkungen entstehen für Einzelne, Gruppen, Umwelt und Gesellschaft?


Systemkarte: Zusammenhänge statt Einzelteile

Zweck Daten Modell Oberfläche
↑ beeinflusst durch Menschen, Regeln und Infrastruktur
Betroffene Nutzung Entscheidungen Folgen

Diese Karte ist absichtlich nicht rein technisch. Änderungen an einem Baustein können andere Teile verändern. Ein neues Ziel kann andere Daten verlangen. Eine neue Oberfläche kann dazu führen, dass Menschen einem Ergebnis mehr oder weniger vertrauen. Ein neues Rechenzentrum kann Kosten, Latenz und Energiebedarf verändern. Eine Regel zur menschlichen Kontrolle kann verhindern, dass ein fehlerhafter Score automatisch eine folgenreiche Entscheidung auslöst.


Datenfluss und Lebenszyklus

Ein typischer Machine-Learning-Ablauf umfasst Datenaufbereitung, Training, Testen und Anwendung. Wichtig ist die Trennung zwischen Trainingsdaten und neuen Eingaben im Betrieb. Ein System kann im Test gut funktionieren und später schlechter werden, wenn sich die Realität verändert. Dieses Problem wird oft als Verteilungsverschiebung bezeichnet.

Datei:Data lifecycle.svg

Daten entstehen außerdem nicht neutral. Menschen entscheiden, was gemessen wird, wer in einem Datensatz vorkommt, welche Kategorien verwendet werden und welche Fehler als akzeptabel gelten. Deshalb ist Quellenkritik auch Datenkritik: Woher kommen die Daten? Welche Gruppen fehlen? Welche Messfehler sind möglich? Welche Interessen beeinflussen die Auswahl?


Das Modell ist wichtig, aber nicht das ganze System

Ein neuronales Netz ist ein mögliches Modell. Andere KI-Systeme verwenden zum Beispiel Entscheidungsbäume, Wahrscheinlichkeitsmodelle oder Kombinationen mehrerer Verfahren. Das Modell verarbeitet Eingaben nach gelernten oder festgelegten Strukturen und liefert Ausgaben. Es besitzt dadurch aber nicht automatisch menschliches Verstehen, Absichten oder Verantwortung.

Eine typische Fehlvorstellung lautet: „Wenn das Modell sehr leistungsfähig ist, ist auch das Gesamtsystem gut.“ Das stimmt nicht. Ein leistungsfähiges Modell kann in einem schlecht gestalteten System zu falschen Entscheidungen führen, etwa wenn ungeeignete Daten verwendet werden, die Oberfläche Unsicherheit versteckt oder Menschen keine Möglichkeit haben, eine Entscheidung anzufechten.


Gestaltung: Oberfläche und Human Agency

Die Benutzerschnittstelle beeinflusst, wie Menschen ein KI-Ergebnis verstehen. Ein bloßer Wert wie „Risiko: 82 %“ kann autoritär wirken, obwohl das Modell unsicher ist. Eine bessere Oberfläche kann zusätzlich Datenquelle, Unsicherheit, Alternativen, Grenzen und eine Möglichkeit zur menschlichen Korrektur zeigen.

Human Agency bedeutet hier: Menschen sollen relevante Handlungsmöglichkeiten behalten. Dazu gehören das Recht oder die praktische Möglichkeit, Ergebnisse zu hinterfragen, zusätzliche Informationen einzubringen, Entscheidungen zu korrigieren und in wichtigen Situationen nicht vollständig von automatisierten Vorschlägen abhängig zu sein.


Infrastruktur: Unsichtbare Grundlage

KI-Anwendungen laufen nicht „in der Luft“. Sie benötigen Hardware, Speicher, Netzwerke, Rechenleistung, Softwarebibliotheken, Wartung und Strom. Manche Modelle werden auf leistungsfähigen Servern betrieben, andere direkt auf Geräten. Architekturentscheidungen beeinflussen Geschwindigkeit, Datenschutz, Kosten, Ausfallsicherheit und Energieverbrauch.

Aus Sicht von Technik und Wirtschaft lohnt es sich deshalb zu fragen: Muss jede Anfrage an einen entfernten Server gesendet werden? Welche Kosten entstehen pro Nutzung? Wer kontrolliert die Infrastruktur? Was passiert bei einem Ausfall? Welche Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern entstehen?


Historischer Mini-Impuls: Architektur verändert sich

Die Geschichte der KI zeigt Phasen mit unterschiedlichen Schwerpunkten: regelbasierte Systeme, statistisches Lernen und heutige daten- und rechenintensive Verfahren. Für die Systemperspektive ist wichtig: Mit neuen technischen Möglichkeiten verändern sich auch Datenquellen, Infrastruktur, Kosten, menschliche Rollen und gesellschaftliche Erwartungen. Geschichte hilft deshalb, heutige KI nicht als plötzliche, völlig losgelöste Neuerung zu betrachten, sondern als Teil längerer Entwicklungen von Automatisierung, Messung und Entscheidungsunterstützung.


Systemdesign


Vom Problem zur Architektur

Gutes Systemdesign beginnt nicht mit der Frage „Welches Modell nehmen wir?“, sondern mit der Frage „Welches Problem soll für wen gelöst werden?“ Danach werden Anforderungen formuliert. Dazu gehören fachliche Qualität, Datenschutz, Sicherheit, Fairness, Verständlichkeit, Kosten, Wartbarkeit und menschliche Kontrolle.

Ein nützliches Designmuster für die Schule ist:

Designfrage Beispiel
Zweck Lernende erhalten freiwillig passende Übungsaufgaben
Daten Ergebnisse aus Übungsaufgaben, keine unnötigen privaten Zusatzdaten
Modell Schätzt, welche Aufgabenschwierigkeit wahrscheinlich passt
Oberfläche Zeigt Empfehlung, Begründung und alternative Aufgabe
Menschen Lernende wählen selbst; Lehrkraft kann Empfehlungen prüfen
Infrastruktur Schulgerät, Server, Zugriffsschutz und Protokollierung
Folgen Mehr Unterstützung möglich, aber Gefahr von Etikettierung oder Abhängigkeit


Realistische Anwendungssituation: Das Lernunterstützungssystem LUS

Eine Schule erwägt ein KI-gestütztes Lernunterstützungssystem. Es analysiert Ergebnisse freiwilliger Mathematikübungen und schlägt die nächste Aufgabe vor. Nach einigen Monaten entsteht eine neue Idee: Der erzeugte Score soll zusätzlich beeinflussen, wer in einen anspruchsvolleren Kurs aufgenommen wird.

Auftrag: Vergleiche beide Nutzungen. Das Modell könnte gleich bleiben, aber Zweck, Bedeutung der Fehler, betroffene Rechte, notwendige Transparenz und menschliche Verantwortung ändern sich stark. Genau daran erkennst Du, warum Systemarchitektur eine sozio-technische Aufgabe ist.


Systemkarte zum Fall LUS

Baustein Freiwillige Übungsempfehlung Kurszuordnung
Zweck Lernen unterstützen Zugang zu Bildungsweg beeinflussen
Daten Übungsergebnisse Übungsergebnisse werden zu einem folgenreichen Score
Modell Empfehlung einer passenden Schwierigkeit Bewertung wird für Auswahlentscheidung verwendet
Oberfläche Lernende sehen Vorschläge Entscheidungsträger sehen Score und eventuell Rangfolge
Menschen Lernende und Lehrkraft Zusätzlich Schulleitung, Auswahlgremium und Betroffene
Infrastruktur Lernplattform und Server Zusätzlich Nachweis, Zugriffskontrolle und sichere Dokumentation
Folgen Motivation oder Frustration Chancen auf Bildung, mögliche Benachteiligung und Konflikte


Evaluation: Woran erkennst Du ein gutes KI-System?


Nicht nur Genauigkeit messen

Evaluation bedeutet, ein System mit passenden Kriterien zu prüfen. Die Fehlerquote lässt sich einfach als Anteil falscher Ergebnisse an allen geprüften Fällen beschreiben. Doch eine einzige Zahl kann wichtige Unterschiede verdecken.

Eine Konfusionsmatrix unterscheidet verschiedene Fehlerarten. Bei einem System, das Unterstützungsbedarf erkennt, kann es einen Unterschied machen, ob ein Schüler fälschlich als unterstützungsbedürftig markiert wird oder ob tatsächlicher Unterstützungsbedarf übersehen wird. Welche Fehler schwerer wiegen, hängt vom Zweck und den Folgen ab.

Aus Mathematik-Sicht kannst Du Häufigkeiten, Anteile und bedingte Wahrscheinlichkeiten untersuchen. Aus Ethik-Sicht musst Du zusätzlich fragen, ob bestimmte Gruppen häufiger nachteilig betroffen sind. Aus Deutsch-Sicht kann bei sprachgenerierenden Systemen wichtig sein, ob Aussagen verständlich, belegt und frei von irreführender Sicherheit formuliert sind.


Sechs Prüfdimensionen

  1. Validität: Misst oder erzeugt das System wirklich das, was zum Zweck passt?
  2. Robustheit: Funktioniert es auch bei Tippfehlern, ungewöhnlichen Eingaben oder veränderten Bedingungen?
  3. Fairness: Sind Fehler und Chancen zwischen relevanten Gruppen vertretbar verteilt?
  4. Sicherheit: Können Missbrauch, Datenverlust oder Manipulation begrenzt werden?
  5. Transparenz: Können Betroffene Zweck, Grenzen und wichtige Entscheidungswege nachvollziehen?
  6. Menschliche Aufsicht: Können qualifizierte Menschen eingreifen, korrigieren und Verantwortung übernehmen?


Mini-Evaluation mit Zahlen

Ein Test umfasst 100 Fälle. Das System entscheidet in 84 Fällen richtig und in 16 Fällen falsch. Die Gesamtgenauigkeit beträgt damit 84 %. Nun stellst Du fest: In Gruppe A sind 95 % der Entscheidungen richtig, in Gruppe B nur 65 %. Die Gesamtzahl allein reicht also nicht. Du musst untersuchen, ob Datenmenge, Datenqualität, Messverfahren, Modell oder Einsatzbedingungen den Unterschied erklären.

Die entscheidende Frage lautet nicht nur „Wie hoch ist die Genauigkeit?“, sondern auch „Für wen, unter welchen Bedingungen und mit welchen Folgen funktioniert das System?“


Governance, Verantwortung und Regeln


Was bedeutet Governance?

Governance umfasst Regeln, Rollen und Verfahren, mit denen ein KI-System gesteuert und kontrolliert wird. Dazu gehören Zuständigkeiten, Dokumentation, Zugriffsrechte, Prüfungen, Beschwerdewege, Sicherheitsmaßnahmen, Änderungsprozesse und Kriterien dafür, wann ein System gestoppt werden muss.

Governance beantwortet deshalb Fragen wie: Wer darf das System einsetzen? Wer ist verantwortlich, wenn es schadet? Wer prüft Daten und Ergebnisse? Wie können Betroffene widersprechen? Welche Protokolle werden gespeichert? Wann wird ein Modell neu getestet? Welche Informationen müssen öffentlich oder intern dokumentiert werden?


Beispiel EU-KI-Verordnung

Die KI-Verordnung der Europäischen Union verfolgt einen risikobasierten Ansatz. Bestimmte KI-Systeme im Bildungsbereich können als Hochrisiko-Systeme eingeordnet werden, etwa wenn sie den Zugang zu Bildung, die Zuordnung zu Bildungsgängen oder die Bewertung von Lernergebnissen wesentlich beeinflussen. Die Verordnung verbietet außerdem grundsätzlich den Einsatz von KI zur Emotionserkennung in Bildungseinrichtungen, außer wenn dies aus medizinischen oder Sicherheitsgründen geschieht.

Für den Unterricht ist daran besonders wichtig: Regeln hängen nicht nur vom Modell ab, sondern vom Einsatzzweck und den möglichen Folgen. Ein und dasselbe technische Verfahren kann in unterschiedlichen Kontexten unterschiedlich riskant sein.

Europäische Union: Verordnung (EU) 2024/1689 über künstliche Intelligenz


Governance als Architekturbaustein

Eine gute Systemkarte zeigt Governance nicht erst am Ende. Regeln beeinflussen bereits die Datenerhebung, die Auswahl des Modells, die Oberfläche und die menschlichen Rollen. Beispielsweise kann eine Regel festlegen, dass eine folgenreiche Entscheidung nie allein durch einen Score getroffen werden darf. Dann muss die Oberfläche zusätzliche Belege anzeigen und einen menschlichen Prüfschritt ermöglichen.


Folgenabschätzung


Nutzen, Risiken und Nebenwirkungen

Technikfolgenabschätzung fragt vor dem Einsatz und während des Betriebs nach möglichen Wirkungen. Dabei solltest Du direkte und indirekte Folgen unterscheiden. Ein Lernsystem kann direkt schneller Aufgaben empfehlen. Indirekt könnte es dazu führen, dass Lernende sich zu stark an Vorschläge gewöhnen, Lehrkräfte ihre Aufmerksamkeit anders verteilen oder bestimmte Aufgabenformate bevorzugt werden, weil sie leichter messbar sind.

Für eine Folgenabschätzung helfen vier Perspektiven: Wer profitiert? Wer trägt Risiken? Wer entscheidet? Wer kann widersprechen? Ergänze außerdem die Zeitperspektive: Was passiert sofort, nach einem Schuljahr und nach mehreren Jahren?


Fächerübergreifende Perspektiven

Fach Leitfrage an die KI-Systemarchitektur
Informatik Wie fließen Daten durch Komponenten, Schnittstellen und Modelle?
Mathematik Wie werden Fehlerquoten, Wahrscheinlichkeiten und Gruppenunterschiede gemessen?
Technik Welche Hardware, Netze, Energie und Sicherheitsmechanismen sind nötig?
Deutsch Wie werden Ergebnisse sprachlich dargestellt, begründet und quellenkritisch geprüft?
Wirtschaft Welche Kosten, Geschäftsmodelle, Arbeitsfolgen und Abhängigkeiten entstehen?
Geschichte Welche Kontinuitäten und Veränderungen gibt es gegenüber früheren Formen von Automatisierung und Klassifikation?
Ethik Welche Werte, Rechte, Pflichten und Gerechtigkeitsfragen sind berührt?
Gemeinschaftskunde Welche Regeln, Institutionen, Beteiligungs- und Beschwerdewege braucht ein demokratisch verantwortbarer Einsatz?


Medienimpuls: KI im gesellschaftlichen Kontext

Achte beim Video nicht nur auf technische Fähigkeiten. Notiere zu jedem Beispiel mindestens einen Bezug zu Daten, Menschen, Infrastruktur oder Folgen. So trainierst Du die Systemperspektive statt nur Produktwissen.


Typische Fehlvorstellungen korrigieren

Fehlvorstellung Korrektur
„Die KI ist das Modell.“ Ein reales KI-System umfasst zusätzlich Zweck, Daten, Oberfläche, Menschen, Infrastruktur, Regeln und Folgen.
„Mehr Daten machen ein System automatisch besser.“ Mehr Daten helfen nur, wenn sie geeignet, rechtmäßig nutzbar, ausreichend vielfältig und qualitativ brauchbar sind.
„Hohe Gesamtgenauigkeit bedeutet Fairness.“ Unterschiede zwischen Gruppen und verschiedene Fehlerarten können trotz hoher Gesamtgenauigkeit problematisch sein.
„Ein Mensch in der Entscheidungskette macht das System automatisch sicher.“ Menschliche Kontrolle hilft nur, wenn Menschen Informationen, Zeit, Kompetenz und echte Eingriffsmöglichkeiten haben.
„Automatisierte Entscheidungen sind neutral.“ Ziele, Messgrößen, Daten, Schwellenwerte und Einsatzregeln beruhen auf menschlichen und institutionellen Entscheidungen.
„Wenn ein System einmal getestet wurde, bleibt es zuverlässig.“ Daten, Nutzerverhalten, Software und Umweltbedingungen können sich ändern; Systeme müssen weiter überwacht und erneut evaluiert werden.


Reflexion und Selbstkontrolle

Prüfe Dich ohne Nachschlagen: Kannst Du in höchstens 60 Sekunden erklären, warum ein KI-System mehr ist als ein Modell? Kannst Du an einem neuen Beispiel alle sieben Bausteine finden? Kannst Du eine Aussage wie „90 % Genauigkeit bedeutet 90 % faire Entscheidungen“ begründet korrigieren?

Reflektiere außerdem Deine eigene Rolle: Wann würdest Du einer KI-Empfehlung folgen, wann würdest Du nachfragen und wann würdest Du sie ablehnen? Welche Information müsste die Oberfläche zeigen, damit Du eine verantwortliche Entscheidung treffen kannst? Die beste Antwort ist nicht pauschales Vertrauen oder pauschale Ablehnung, sondern eine begründete Entscheidung anhand von Zweck, Evidenz, Risiken und Handlungsmöglichkeiten.


Transfer auf neue Fälle

Wähle eine neue Anwendung, zum Beispiel KI-gestützte Verkehrssteuerung, medizinische Bilderkennung, automatische Übersetzung, Bewerbungsunterstützung oder Erkennung von Wartungsbedarf an Maschinen. Zeichne zuerst die sieben Bausteine. Ergänze dann Pfeile für Datenflüsse und Entscheidungspunkte. Markiere schließlich mit N möglichen Nutzen, mit R Risiken und mit K Stellen, an denen menschliche Kontrolle oder Governance nötig ist.

Dein Transfer ist gelungen, wenn eine andere Person anhand Deiner Systemkarte erklären kann, welcher Zweck verfolgt wird, wie Daten und Modell zusammenwirken, wo Menschen eingreifen und welche Folgen entstehen können.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Welche Aussage beschreibt ein KI-System am vollständigsten? (Ein Zusammenspiel aus Zweck Daten Modell Oberfläche Menschen Infrastruktur und Folgen) (!Nur ein mathematisches Modell) (!Nur ein Programm mit Benutzeroberfläche) (!Nur ein Datensatz und ein Server)




Warum beginnt gutes Systemdesign mit dem Zweck? (Der Zweck bestimmt welche Anforderungen Daten und Folgen relevant sind) (!Der Zweck ersetzt die Evaluation) (!Der Zweck macht Datenqualität unwichtig) (!Der Zweck legt automatisch das beste Modell fest)




Warum kann dieselbe Modellleistung in zwei Anwendungen unterschiedlich bewertet werden? (Weil Zweck Betroffene und Folgen unterschiedlich sein können) (!Weil Modelle nur in Schulen getestet werden) (!Weil Genauigkeit keine Zahl ist) (!Weil Daten im Betrieb nie eine Rolle spielen)




Was zeigt eine Konfusionsmatrix besonders gut? (Unterschiedliche Arten richtiger und falscher Entscheidungen) (!Den Stromverbrauch eines Servers) (!Die Lizenz eines Datensatzes) (!Die Länge eines Quellcodes)




Welche Frage gehört zur Fairnessprüfung? (Sind Fehler zwischen relevanten Gruppen vertretbar verteilt) (!Ist die Oberfläche besonders bunt) (!Ist das Modell möglichst groß) (!Ist der Server im selben Raum)




Was bedeutet Human Agency in einem KI-System? (Menschen behalten sinnvolle Möglichkeiten zu prüfen zu entscheiden und einzugreifen) (!Menschen geben jede Entscheidung an Software ab) (!Menschen dürfen nur Trainingsdaten liefern) (!Menschen müssen jedes Ergebnis akzeptieren)




Was gehört zur Governance eines KI-Systems? (Zuständigkeiten Regeln Prüfungen und Beschwerdewege) (!Nur die Anzahl der Modellparameter) (!Nur die Bildschirmauflösung) (!Nur die Geschwindigkeit des Netzes)




Warum muss ein KI-System nach der Einführung weiter beobachtet werden? (Weil Daten Nutzung und Umweltbedingungen sich verändern können) (!Weil Modelle nach jedem Start verschwinden) (!Weil jede Vorhersage immer falsch wird) (!Weil Evaluation nur vor dem Training erlaubt ist)




Welche Aussage über Gesamtgenauigkeit ist richtig? (Sie kann wichtige Unterschiede zwischen Gruppen oder Fehlerarten verdecken) (!Sie beweist automatisch Fairness) (!Sie ersetzt jede Folgenabschätzung) (!Sie misst direkt den Energieverbrauch)




Was ist bei einer Systemkarte besonders wichtig? (Beziehungen und Rückwirkungen zwischen mehreren Bausteinen sichtbar zu machen) (!Nur den Namen des Modells aufzuschreiben) (!Nur Vorteile zu sammeln) (!Alle menschlichen Rollen wegzulassen)





Memory

Zweck gewünschte Aufgabe und Ziel
Daten Grundlage für Training oder Eingaben
Modell algorithmische Verarbeitung von Mustern
Oberfläche sichtbare Interaktion mit Nutzenden
Infrastruktur technische Betriebsgrundlage
Governance Regeln Rollen und Kontrolle
Folgen beabsichtigte und unbeabsichtigte Wirkungen





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Zweck Welche Aufgabe soll das System für wen erfüllen
Daten Welche Informationen werden gesammelt und verarbeitet
Evaluation Wie werden Qualität Fehler Fairness und Robustheit geprüft
Governance Wer entscheidet kontrolliert dokumentiert und ermöglicht Beschwerden
Folgenabschätzung Welche direkten und indirekten Wirkungen entstehen können




...


Kreuzworträtsel

Modell Welcher Baustein verarbeitet Eingaben nach gelernten oder festgelegten Strukturen?
Daten Welche Grundlage wird für Training Tests oder neue Eingaben verwendet?
Zweck Welcher Begriff bezeichnet die Aufgabe die ein System erfüllen soll?
Governance Wie heißt die Gesamtheit aus Regeln Rollen und Kontrollverfahren?
Infrastruktur Welcher Baustein umfasst Server Netze Speicher und Hardware?
Fairness Welcher Begriff fragt nach einer gerechten Verteilung von Chancen und Fehlern?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Ein KI-System verfolgt immer einen bestimmten

. Die Informationen für Training oder Nutzung werden als

bezeichnet. Ein

verarbeitet Eingaben nach mathematischen oder algorithmischen Strukturen. Über die

treten Menschen mit dem System in Kontakt. Server, Speicher und Netzwerke gehören zur

. Die systematische Prüfung von Qualität und Fehlern heißt

. Regeln, Zuständigkeiten und Kontrollverfahren gehören zur

. Eine Prüfung möglicher gesellschaftlicher Wirkungen ist Teil der

. Eine hohe Gesamtgenauigkeit beweist nicht automatisch

. Menschen sollen durch sinnvolle Eingriffsmöglichkeiten ihre

behalten.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Systemkarte: Zeichne für eine automatische Übersetzungsanwendung die sieben Bausteine Zweck, Daten, Modell, Oberfläche, Menschen, Infrastruktur und Folgen.
  2. Fehlvorstellung: Wähle eine typische Fehlvorstellung aus dem Kurs und gestalte eine kleine Vorher-Nachher-Grafik, die sie korrigiert.
  3. Quellenkritik: Untersuche die Beschreibung eines KI-Angebots und markiere Aussagen, die belegt, unklar oder werbend formuliert sind.
  4. Schnittstelle: Skizziere eine Oberfläche, die neben einem KI-Ergebnis auch Unsicherheit, Quelle und eine Korrekturmöglichkeit sichtbar macht.


Standard

  1. Evaluation: Entwickle für ein KI-System zur Erkennung von Unterstützungsbedarf drei Qualitätskriterien und begründe, warum eine einzige Genauigkeitszahl nicht genügt.
  2. Fairness: Erfinde zwei Nutzergruppen mit unterschiedlichen Fehlerquoten und erkläre, welche zusätzlichen Daten Du brauchst, bevor Du von unfairer Behandlung sprichst.
  3. Governance: Entwirf für das Lernunterstützungssystem fünf Regeln zu Zuständigkeit, Zugriff, Prüfung, Beschwerde und Abschaltung.
  4. Technikfolgenabschätzung: Erstelle eine Folgenmatrix mit kurzfristigen und langfristigen Chancen und Risiken für Lernende, Lehrkräfte, Schule und Gesellschaft.


Schwer

  1. Systemdesign: Entwirf eine KI-Systemarchitektur für eine kommunale Verkehrssteuerung und begründe jede Komponente mit mindestens einem Ziel und einem Risiko.
  2. Transfer: Vergleiche ein freiwilliges Empfehlungssystem mit einem System, das über Zugangschancen entscheidet, und zeige, warum sich Governance und Evaluation ändern müssen.
  3. Fächerübergreifendes Lernen: Untersuche einen KI-Fall gleichzeitig aus Informatik, Mathematik, Ethik, Wirtschaft und Gemeinschaftskunde und führe die Ergebnisse in einer gemeinsamen Systemkarte zusammen.
  4. Audit: Entwickle einen Prüfplan für ein bereits eingesetztes KI-System mit Testdaten, Gruppenvergleich, Sicherheitsprüfung, Nutzerfeedback, Dokumentation und Abbruchkriterien.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Architekturanalyse: Du erhältst die Beschreibung eines unbekannten KI-Systems. Erstelle eine Systemkarte, identifiziere mindestens zwei fehlende Informationen und begründe, warum diese für eine Bewertung wichtig sind.
  2. Zweckänderung: Zeige an einem selbst gewählten Beispiel, wie sich Risiken und Regeln verändern, wenn dasselbe Modell für einen folgenreicheren Zweck eingesetzt wird.
  3. Evaluationsdesign: Entwirf einen Test, der nicht nur Gesamtgenauigkeit, sondern auch Fehlerarten, Robustheit und Unterschiede zwischen Gruppen untersucht.
  4. Governance-Entscheidung: Formuliere eine Regel für menschliche Aufsicht und erkläre, welche Informationen, Kompetenzen und Eingriffsrechte nötig sind, damit diese Aufsicht tatsächlich wirksam ist.
  5. Folgenabschätzung: Beurteile eine KI-Einführung aus Sicht mindestens dreier betroffener Gruppen und unterscheide direkte, indirekte, kurzfristige und langfristige Folgen.
  6. Fehlvorstellungen: Korrigiere die Aussage „Wenn ein Mensch am Ende klickt, ist die Entscheidung automatisch menschlich“ mit einem Gegenbeispiel und einer verbesserten Systemgestaltung.




Lernnachweis

Für einen überzeugenden Lernnachweis solltest Du zeigen, dass Du nicht nur Begriffe wiedergeben kannst. Wichtig sind eine verständliche Erklärung der sozio-technischen Grundidee, eine vollständige Systemkarte, nachvollziehbare Daten- und Entscheidungsflüsse, passende Evaluationskriterien, eine begründete Betrachtung von Fairness, Sicherheit und Transparenz, konkrete Governance-Regeln, eine Folgenabschätzung aus mehreren Perspektiven und ein Transfer auf einen neuen Fall.

Besonders stark ist Dein Lernnachweis, wenn Du Zusammenhänge erklärst: Wie verändert ein anderer Zweck die Bedeutung von Fehlern? Wie beeinflusst die Oberfläche menschliches Vertrauen? Wie verändern Datenlücken die Modellleistung? Wie greifen rechtliche oder schulische Regeln in die technische Architektur ein?




OERs zum Thema

Wikimedia Commons: Machine learning workflow de.svg – freie Grafik Wikimedia Commons: Cloud Computing Stack.svg – CC0 Wikimedia Commons: Confusion Matrix.png – CC0 bpb: KI und Ethik mit Judith Simon – CC BY-SA 4.0


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