Industrieschmieden und Großschmieden - Schmied


Industrieschmieden und Großschmieden - Schmied
Industrieschmieden und Großschmieden - Schmied

Einleitung
Beim Industrieschmieden werden metallische Werkstücke mit maschinell erzeugten Druckkräften umgeformt. Anders als in der handwerklichen Schmiede übernehmen in einer Industrieschmiede vor allem Schmiedepressen, Schmiedehämmer, Öfen, Krane und Schmiedemanipulatoren die schwere Arbeit. Eine Großschmiede ist auf besonders große und schwere Schmiedestücke spezialisiert. Typisch ist dort das Freiformschmieden von Wellen, Ringen, Scheiben, Kurbelwellen, Generator- und Turbinenkomponenten oder Bauteilen für den Energie-, Maschinen- und Schiffbau.
Der Kurs richtet sich an Auszubildende in der Metalltechnik, insbesondere an Lernende mit Bezug zur Stahlumformung, zum Verfahrenstechnologen Metall, zur Fertigungs- und Umformtechnik sowie zur industriellen Schmiedepraxis. Der Begriff Schmied bezeichnet hier die berufliche Rolle in der Schmiedetechnik; in Industriebetrieben sind die konkreten Berufs- und Tätigkeitsbezeichnungen vom Ausbildungsberuf und vom Unternehmen abhängig.
Leitfrage: Wie wird aus einem gegossenen oder gewalzten Vormaterial ein belastbares Großschmiedestück, dessen Form, Gefüge, Maße und Fehlerfreiheit nachgewiesen werden können?
Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst Du den Unterschied zwischen Industrie-, Groß-, Frei- und Gesenkschmieden erklären. Du kannst eine typische Prozesskette planen, Maschinen und Werkzeuge fachgerecht zuordnen, wichtige Umformoperationen beschreiben, Qualitätsprüfungen auswählen und Gefährdungen mit geeigneten Schutzmaßnahmen verbinden. Außerdem kannst Du begründen, warum Temperaturführung, Umformgrad, Schmiedefolge, kontrolliertes Abkühlen und Wärmebehandlung für die Bauteileigenschaften entscheidend sind.

Handwerksschmiede, Industrieschmiede und Großschmiede
| Bereich | Kennzeichen | Typische Werkstücke | Typische Betriebsmittel |
|---|---|---|---|
| Handwerksschmiede | Einzelfertigung, Reparatur, Gestaltung und kleine Werkstücke; hohe manuelle Formgebung | Beschläge, Werkzeuge, Gitter, Kunstobjekte | Esse, Amboss, Handhammer, kleiner Kraft- oder Lufthammer |
| Industrieschmiede | Reproduzierbare, überwachte Fertigung mit mechanisierten oder automatisierten Abläufen | Fahrzeugteile, Werkzeuge, Pleuel, Zahnräder, Wellen | Öfen, Gesenke, Pressen, Hämmer, Förder- und Handhabungstechnik |
| Großschmiede | Sehr große Einzelstücke oder kleine Serien; häufig Freiformschmieden mit mehreren Erwärmungen | Rotoren, Schiffswellen, Turbinen- und Kraftwerkskomponenten, große Ringe | Herdwagen- oder Kammeröfen, hydraulische Großpressen, Manipulatoren, Hallenkrane |
Wichtig: Eine Großschmiede ist nicht automatisch eine Gesenkschmiede. Großschmiedestücke werden wegen ihrer Abmessungen, geringen Stückzahlen und hohen Werkzeugkosten häufig freiformgeschmiedet. Das Gesenkschmieden ist dagegen besonders wirtschaftlich, wenn viele gleichartige Teile hergestellt werden.
Werkstoffe, Gefüge und Schmiedetemperatur
Schmieden ist ein Druckumformverfahren. Das Werkstück wird zwischen Werkzeugen plastisch verformt, ohne dass sein Werkstoffvolumen gezielt abgetragen wird. Bei Großschmiedestücken ist Stahl der häufigste Werkstoff; je nach Anwendung werden auch Nickel-, Titan-, Aluminium- oder Kupferlegierungen geschmiedet. Ob ein Werkstoff schmiedbar ist, hängt unter anderem von seiner chemischen Zusammensetzung, seinem Gefüge, dem Temperaturbereich, der Umformgeschwindigkeit und der Bauteilgeometrie ab.
Die konkrete Anfangs- und Endtemperatur wird nicht nach Glühfarbe geschätzt, sondern aus Arbeitsplan, Werkstoffdatenblatt und Verfahrensanweisung übernommen und messtechnisch überwacht. Pyrometer, Thermoelemente und Ofenaufzeichnungen helfen dabei. Ist das Werkstück zu kalt, steigen Umformwiderstand und Rissgefahr. Ist es zu heiß oder wird es zu lange gehalten, können starkes Kornwachstum, Oxidation, Entkohlung oder eine irreversible Werkstoffschädigung entstehen.
Durch eine geeignete Schmiedefolge kann das Gussgefüge verdichtet und verfeinert werden. Der Werkstofffluss wird an die Bauteilform angepasst; häufig spricht man anschaulich vom Faserverlauf. Schmieden beseitigt jedoch nicht automatisch jeden Ausgangsfehler: Risse, nichtmetallische Einschlüsse oder ungünstige Seigerungen müssen bereits bei der Vormaterialauswahl und Prozessplanung berücksichtigt werden.
Prozesskette eines Großschmiedestücks
| Prozessschritt | Fachliche Aufgabe | Typische Kontrolle |
|---|---|---|
| Vormaterial bereitstellen | Block, Knüppel, Stranggussabschnitt oder Vorform auswählen, kennzeichnen und rückverfolgbar halten | Werkstoffzeugnis, Identität, Abmessungen, Oberflächenzustand |
| Trennen und Vorbereiten | Einsatzmasse herstellen, Kanten und Oberflächen nach Vorgabe vorbereiten | Masse, Länge, Fehlerstellen, Kennzeichnung |
| Erwärmen und Durchwärmen | Gleichmäßige Schmiedetemperatur im erforderlichen Querschnitt erreichen | Ofenkurve, Haltezeit, Temperaturmessung |
| Entzundern | Oxidschichten entfernen, damit sie nicht in die Oberfläche eingeschmiedet werden | Sauberkeit der Oberfläche, Funktion der Entzunderung |
| Vor- und Fertigschmieden | Querschnitt, Länge, Absätze, Bohrungen oder Ringform in geplanter Reihenfolge erzeugen | Temperatur, Presskraft oder Schlagfolge, Maße, Lage |
| Zwischenerwärmen | Erforderlichen Temperaturbereich bei langen Schmiedefolgen wiederherstellen | Temperatur und zulässige Ofenzeit |
| Kontrolliert abkühlen und wärmebehandeln | Gefüge, Härte, Zähigkeit und Eigenspannungen gezielt einstellen | Abkühlkurve, Ofenprotokoll, Härte |
| Richten und spanend bearbeiten | Formabweichungen korrigieren und Prüf- beziehungsweise Fertigmaße herstellen | Rundlauf, Ebenheit, Maßhaltigkeit |
| Prüfen und dokumentieren | Oberflächen- und Innenfehler, Maße und Eigenschaften nachweisen | Prüfplan, Prüfprotokolle, Freigabe |
Der Arbeitsplan legt fest, welche Erwärmungen, Werkzeuge, Zustellungen, Drehungen und Prüfungen notwendig sind. In der Großschmiede müssen Pressenführer, Manipulatorfahrer, Kranführer, Ofenbedienung und Qualitätssicherung ihre Arbeit genau abstimmen. Eindeutige Kommandos und festgelegte Kommunikationswege sind Teil eines sicheren Prozesses.
Freiformschmieden in der Großschmiede
Beim Freiformschmieden umschließen die Werkzeuge das Werkstück nicht vollständig. Meist wirken einfache, flache oder geformte Sättel auf einen begrenzten Bereich. Das Werkstück wird zwischen den Hüben oder Pressungen verschoben und gedreht. Dadurch entsteht die Form schrittweise.

| Umformoperation | Wirkung | Beispiel |
|---|---|---|
| Stauchen | Länge oder Höhe nimmt ab, der Querschnitt nimmt zu | Vorform für Scheiben, Ringe oder Flansche |
| Recken | Länge nimmt zu, der Querschnitt nimmt ab | Wellen, Stäbe und Rotoren |
| Absetzen | Querschnitt wird örtlich verändert | Stufenwelle oder Wellenbund |
| Lochen und Dornen | Öffnungen oder Hohlräume werden erzeugt und erweitert | Hohlkörper und Ringvorformen |
| Rundschmieden | Ein polygonaler oder ungleichmäßiger Querschnitt wird durch wiederholtes Drehen angenähert rund | Wellen und zylindrische Vorformen |
| Breiten | Werkstoff wird gezielt quer zur ursprünglichen Längsrichtung verteilt | Platten- oder Scheibenvorformen |
Die Zustellung pro Hub, der Vorschub, die Drehung und die Überdeckung der Druckzonen bestimmen gemeinsam den Umformgrad und die Gleichmäßigkeit. Zu große Einzelzustellungen können Falten oder innere Schädigungen begünstigen; zu kleine Zustellungen können unwirtschaftlich sein oder den Kern nicht ausreichend umformen. Deshalb wird die Schmiedefolge werkstoff- und geometrieabhängig festgelegt.
Gesenkschmieden in der Industrie
Beim Gesenkschmieden enthält das Werkzeug eine Negativform des Bauteils. Das erwärmte Vormaterial wird in Vor- und Fertiggravuren umgeformt. Beim Gratgesenkschmieden fließt überschüssiger Werkstoff in die Gratbahn und wird anschließend entgratet. Beim gratlosen Schmieden muss die Einsatzmasse besonders genau stimmen.

Vorteile sind eine hohe Wiederholgenauigkeit, ein günstiger Werkstofffluss und kurze Taktzeiten. Dem stehen hohe Werkzeugkosten, Rüstaufwand und ein begrenzter Formänderungsspielraum gegenüber. Typische Fehler sind Unterfüllung, Falten, Gesenkversatz, Gratfehler, Zundergruben und Risse. Werkzeugtemperatur, Schmierstoff, Einsatzmasse, Vorform und Lage des Werkstücks beeinflussen das Ergebnis.
Pressen, Hämmer und Schmiedemanipulatoren
| Betriebsmittel | Wirkprinzip | Typischer Einsatz | Besondere Aufmerksamkeit |
|---|---|---|---|
| Hydraulische Schmiedepresse | Langsamer, kraftgeregelter oder weggeregelter Presshub | Große Freiformschmiedestücke, tiefe Querschnittswirkung, kontrollierte Zustellung | Quetschzonen, gespeicherte hydraulische Energie, sichere Werkzeugabstützung |
| Schmiedehammer | Kurzer Schlag mit hoher Umformgeschwindigkeit | Gesenkschmieden, Vorformen, kleinere bis mittlere Freiformteile | Lärm, Erschütterung, wegfliegender Zunder, Werkzeugbefestigung |
| Spindelpresse | Energiegebundener Hub über Schwungrad und Spindel | Flexible Gesenkschmiedeprozesse | Hubenergie, Werkzeugschutz, sichere Beschickung |
| Schmiedemanipulator | Greifen, Heben, Drehen, Schwenken und Verschieben des Werkstücks | Präzise Werkstückführung an Großpressen | Lastschwerpunkt, Zangenhalt, Kollisionsraum, Kommunikation |
| Hallenkran | Transport über größere Entfernungen und zwischen Anlagen | Ofenbeschickung, Werkzeug- und Werkstücktransport | Anschlagmittel, Tragfähigkeit, schwebende Lasten, Fahrweg |



Ein Manipulator ersetzt nicht die Prozessplanung. Seine Zange muss zum Werkstück passen, sicher greifen und die vorgesehenen Dreh- und Vorschubbewegungen ausführen. Der Pressenführer gibt nur dann einen Hub frei, wenn Werkstücklage, Personenbereich und Kommunikationssignal eindeutig sind.
Vierbacken- und Radialschmieden
Bei langgestreckten Wellen, Stäben oder Rohren können mehrere Werkzeuge gleichzeitig radial wirken. Ein Vierbackenwerkzeug verteilt die Umformung auf vier Seiten und kann an einer hydraulischen Presse eingesetzt werden. Dadurch lassen sich Querschnitt, Rundheit und Produktivität günstig beeinflussen. Werkzeugführung, Synchronität, Schmierung und Temperatur müssen dabei besonders sorgfältig überwacht werden.

Ringwalzen und große ringförmige Bauteile
Nahtlose Ringe entstehen häufig aus einem abgelängten Rohling, der erwärmt, gestaucht und gelocht wird. Der gelochte Vorformling wird anschließend auf einer Ringwalzmaschine aufgeweitet. Während der Durchmesser wächst, werden Wanddicke und Ringhöhe geführt. Ringwalzen verbindet Schmieden und Walzen und wird beispielsweise für Lager-, Getriebe-, Energie- und Anlagenbauteile eingesetzt.


Qualitätssicherung und typische Fehler
Qualität entsteht nicht erst bei der Endprüfung. Sie wird durch geeignetes Vormaterial, saubere Oberflächen, richtige Temperatur, passende Schmiedefolge, ausreichenden Umformgrad, intakte Werkzeuge, kontrolliertes Abkühlen und dokumentierte Wärmebehandlung erzeugt.
| Prüfverfahren | Nachweis | Typische Anwendung |
|---|---|---|
| Sicht- und Maßprüfung | Oberflächenzustand, Form, Abmessungen, Versatz, Grat | Während und nach dem Schmieden |
| Ultraschallprüfung | Innere Reflexionsstellen und Volumenfehler | Große Wellen, Scheiben, Rotoren und Ringe |
| Magnetpulverprüfung | Oberflächennahe Fehler in ferromagnetischen Werkstoffen | Geschliffene Prüfbereiche, Übergänge und hochbeanspruchte Zonen |
| Farbeindringprüfung | Zur Oberfläche offene Fehler bei geeigneten dichten Werkstoffen | Nicht ferromagnetische Legierungen oder ausgewählte Oberflächen |
| Härteprüfung | Ergebnis einer Wärmebehandlung und örtliche Eigenschaftsunterschiede | Prozess- und Endkontrolle |
| Mechanische Werkstoffprüfung | Festigkeit, Dehnung und Zähigkeit an Proben | Abnahme nach Spezifikation |
Typische Fehlerbilder sind Risse, Falten, Zundergruben, Unterfüllungen, Gesenkversatz, Überhitzung, unzulässige Entkohlung, Verzug oder innere Fehlstellen. Bei einer Abweichung gilt: Prozess stoppen oder Teil sperren, Kennzeichnung sichern, Meldung nach betrieblicher Regel abgeben und erst nach fachlicher Entscheidung weiterarbeiten. Ein Fehler darf nicht durch unzulässiges Überschmieden oder Nacharbeiten verdeckt werden.
Arbeitssicherheit in der Großschmiede
In einer Großschmiede wirken hohe Temperaturen, große Kräfte und schwere Lasten zusammen. Gefährdungen entstehen durch Quetsch- und Scherstellen, unerwartete Maschinenbewegungen, gespeicherte Energie, wegfliegenden Zunder, heiße Oberflächen, Lärm, Vibrationen, Gase, Dämpfe, innerbetrieblichen Verkehr und schwebende Lasten.
| Gefährdung | Schutzprinzip | Verhalten in der Ausbildung |
|---|---|---|
| Werkzeugeinbauraum und Pressenhub | Trennende oder berührungslos wirkende Schutzeinrichtungen, sichere Steuerung, festgelegte Betriebsarten | Schutzvorrichtungen niemals umgehen; nur nach Unterweisung und Freigabe arbeiten |
| Störung, Rüsten und Instandhaltung | Energiequellen abschalten, gegen Wiedereinschalten sichern, bewegliche Teile mechanisch sichern, Gefahrenbereich absperren | Keine eigenmächtige Störungsbeseitigung; betriebliche Freigabe- und Sicherungsverfahren einhalten |
| Heiße Werkstücke und Zunder | Abstand, geeignete Hilfswerkzeuge, Abschirmung und persönliche Schutzausrüstung | Werkstücktemperatur nicht am Aussehen allein beurteilen; heiße Teile eindeutig kennzeichnen |
| Lärm | Lärmminderung an Quelle und Raum, gekennzeichnete Lärmbereiche, Gehörschutz | Vorgeschriebenen Gehörschutz richtig tragen und Warnsignale kennen |
| Kran- und Manipulatorbetrieb | Geprüfte Anschlagmittel, freie Fahrwege, eindeutige Signale, Sperrbereiche | Nie unter schwebenden Lasten stehen und nie zwischen Last und festem Gegenstand aufhalten |
| Schmiedehilfswerkzeuge | Sichtprüfung, sichere Form, betriebliche Vorwärmvorgabe, richtige Körperhaltung | Beschädigte Werkzeuge nicht benutzen und Mängel sofort melden |
Zur persönlichen Schutzausrüstung können Schutzhelm, Augen- oder Gesichtsschutz, Gehörschutz, hitzegeeignete Schutzkleidung, Sicherheitsschuhe und geeignete Handschuhe gehören. Maßgeblich sind Gefährdungsbeurteilung, Betriebsanweisung und Unterweisung. Auszubildende bedienen Schmiedepressen und Schmiedehämmer nur im zulässigen Ausbildungsrahmen und unter der vorgeschriebenen Aufsicht.
Digitalisierung und nachhaltige Prozessführung
Moderne Schmieden erfassen Ofentemperaturen, Presskräfte, Wege, Zeiten, Manipulatorbewegungen und Prüfergebnisse digital. Kraft-Weg-Kurven und Prozessdaten helfen, Abweichungen früh zu erkennen. Umformsimulationen unterstützen die Planung von Vorformen, Werkzeugen und Schmiedefolgen. Digitale Rückverfolgbarkeit verbindet Werkstoffcharge, Fertigungsauftrag, Wärmebehandlung und Prüfung.
Schmieden ist energieintensiv. Verbesserungen entstehen durch gut ausgelastete Öfen, kurze Transportwege, Wärmerückgewinnung, geeignete Induktionserwärmung, vermiedene Fehlteile, langlebige Werkzeuge, Kreislaufführung von Prozesswasser und eine endkonturnahe Vorform. Nachhaltigkeit bedeutet dabei nicht nur weniger Energie, sondern auch hohe Bauteillebensdauer, Werkstoffausnutzung, Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit.
Ausbildungsbezug und berufliche Handlungskompetenz
Ein wichtiger Ausbildungsbezug ist in Deutschland der anerkannte Beruf Verfahrenstechnologe Metall – Fachrichtung Stahlumformung. Die Ausbildung umfasst unter anderem das Umformen von Werkstoffen, das Steuern und Regeln von Produktionsprozessen, das Einrichten von Handhabungs- und Materialflusssystemen, Wärmebehandlung, Werkstoffprüfung, Qualitätssicherung, Instandhaltung, Logistik sowie Umwelt- und Arbeitsschutz.
Für die betriebliche Handlungskompetenz reicht es nicht, einzelne Maschinen zu benennen. Du musst einen Auftrag lesen, Vormaterial und Werkzeuge prüfen, Prozessparameter verstehen, Abweichungen erkennen, sicher kommunizieren, Prüfungen dokumentieren und die Folgen Deiner Entscheidungen für Qualität, Sicherheit, Termine, Energie und Kosten einschätzen.
Merksatz: In der Großschmiede entsteht Qualität durch das abgestimmte Zusammenspiel von Werkstoff, Wärme, Kraft, Weg, Zeit, Werkzeug, Bewegung, Prüfung und sicherem Handeln.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welchem Fertigungsverfahren wird Schmieden zugeordnet? (Druckumformen) (!Zerspanen) (!Urformen) (!Beschichten)
Was kennzeichnet das Freiformschmieden? (Das Werkstück wird zwischen nicht vollständig formschließenden Werkzeugen schrittweise bewegt) (!Das Werkstück erstarrt in einer Gussform) (!Das Werkstück wird ausschließlich spanend bearbeitet) (!Das Werkstück bleibt während des gesamten Prozesses unbewegt)
Welche Wirkung hat das Recken? (Die Länge nimmt zu und der Querschnitt nimmt ab) (!Die Länge nimmt ab und der Querschnitt nimmt zu) (!Nur die Oberfläche wird poliert) (!Das Werkstück wird ohne Formänderung abgekühlt)
Wozu dient ein Schmiedemanipulator? (Zum sicheren Greifen, Drehen und Positionieren großer Werkstücke) (!Zum Messen der chemischen Zusammensetzung) (!Zum Härten kleiner Werkzeuge im Wasserbad) (!Zum Schleifen der fertigen Oberfläche)
Welches Merkmal ist typisch für eine hydraulische Schmiedepresse? (Ein vergleichsweise langsamer und kontrollierbarer Presshub) (!Ausschließlich handgeführte Schläge) (!Formgebung nur durch Schwerkraft ohne Werkzeugkontakt) (!Spanabtrag durch eine rotierende Schneide)
Warum wird ein Werkstück vor dem Schmieden entzundert? (Damit Oxidschichten nicht in die Oberfläche eingeschmiedet werden) (!Damit der Werkstoff vollständig schmilzt) (!Damit die Masse des Werkstücks verdoppelt wird) (!Damit keine Temperaturmessung mehr nötig ist)
Welches Prüfverfahren eignet sich besonders zum Auffinden innerer Fehlstellen in großen Schmiedestücken? (Ultraschallprüfung) (!Sichtprüfung ohne Hilfsmittel) (!Lackieren) (!Feilenprobe)
Was geschieht beim Gesenkschmieden? (Eine Werkzeuggravur bestimmt weitgehend die Bauteilform) (!Das Werkstück wird nur zwischen ebenen Blechen geklebt) (!Die Form entsteht ausschließlich durch Gießen) (!Das Werkstück wird ohne Druckkräfte hergestellt)
Welche Regel gilt beim Krantransport? (Niemals unter einer schwebenden Last aufhalten) (!Lasten dürfen über Personen hinweggeführt werden) (!Anschlagmittel müssen nicht geprüft werden) (!Warnsignale können bei Zeitdruck entfallen)
Warum ist kontrolliertes Abkühlen wichtig? (Es hilft Gefüge, Eigenschaften und Eigenspannungen zu beherrschen) (!Es ersetzt jede Werkstoffprüfung) (!Es macht die Rückverfolgbarkeit überflüssig) (!Es verhindert grundsätzlich jede Oxidation im Ofen)
Memory
| Freiformschmieden | Formgebung zwischen einfachen Sätteln |
| Gesenkschmieden | Formgebung durch eine Werkzeuggravur |
| Recken | Verlängern bei Querschnittsverringerung |
| Stauchen | Verkürzen bei Querschnittsvergrößerung |
| Schmiedemanipulator | Greifen, Drehen und Positionieren |
| Zunder | Oxidschicht auf heißem Metall |
| Ultraschallprüfung | Auffinden innerer Fehlstellen |
| Ringwalzen | Aufweiten eines gelochten Vorformlings |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Aufgabe im Prozess |
|---|---|
| Vormaterialprüfung | Werkstoffidentität und Abmessungen kontrollieren |
| Erwärmen | Vorgeschriebenen Schmiedetemperaturbereich herstellen |
| Entzundern | Oxidschicht von der Oberfläche entfernen |
| Umformen | Geometrie und Werkstofffluss erzeugen |
| Wärmebehandeln | Gefüge und Eigenschaften gezielt einstellen |
| Endprüfen | Maße, Oberfläche und Fehlerfreiheit nachweisen |
Ordne anschließend dieselben Prozessschritte in eine sinnvolle zeitliche Reihenfolge und begründe, an welcher Stelle eine Zwischenerwärmung notwendig werden kann.
Kreuzworträtsel
| Freiformen | Wie heißt das schrittweise Schmieden zwischen nicht vollständig formschließenden Werkzeugen? |
| Manipulator | Welche Maschine greift, dreht und verschiebt ein großes Schmiedestück? |
| Zunder | Wie heißt die Oxidschicht auf einer heißen Metalloberfläche? |
| Recken | Welche Umformoperation verlängert das Werkstück und verringert den Querschnitt? |
| Ultraschall | Welches Prüfprinzip dient häufig zum Auffinden innerer Fehlstellen? |
| Gesenk | Wie heißt das formgebende Werkzeug mit einer Gravur? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Fachbegriffe Industrieschmieden: Erstelle zwölf Karteikarten mit Begriff, Definition und einem betrieblichen Beispiel.
- Medienanalyse Schmiedepresse: Wähle ein Bild aus dem Kurs und markiere Maschine, Werkzeug, Werkstück, Bewegungsrichtung und Gefahrenbereich.
- Prozesskette Großschmieden: Zeichne die Prozesskette vom Vormaterial bis zur Endprüfung als Ablaufdiagramm.
- Arbeitsschutz Großschmiede: Gestalte ein Unterweisungsplakat mit fünf Gefährdungen und jeweils einer technischen, organisatorischen oder persönlichen Schutzmaßnahme.
Standard
- Freiformschmieden und Gesenkschmieden vergleichen: Erstelle eine Vergleichsmatrix zu Werkzeug, Stückzahl, Bauteilgröße, Genauigkeit, Kosten und Flexibilität.
- Schmiedefolge Stufenwelle: Plane für eine einfache Stufenwelle eine Folge aus Erwärmen, Stauchen, Recken, Absetzen, Drehen und Prüfen.
- Qualitätsfehler Schmiedestück: Erstelle einen Fehlerkatalog mit Ursache, Erkennungsmerkmal, Prüfverfahren und möglicher Reaktion.
- Sicherheitsgespräch Schmiedeanlage: Führt zu zweit ein Rollenspiel zwischen Ausbilder und Auszubildendem vor dem Rüsten einer Schmiedepresse durch.
Schwer
- Arbeitsplan Großschmiedestück: Entwickle einen Arbeitsplan für einen großen Ring oder eine Welle mit Vormaterial, Ofenfolge, Umformoperationen, Handhabung, Zwischenmaßen und Prüfungen.
- Energieanalyse Schmiedeprozess: Untersuche, an welchen Stellen Wärme, Strom, Druckluft, Hydraulikenergie und Material verloren gehen können, und entwickle Verbesserungen.
- Betriebserkundung Schmiede: Bereite ein Interview mit Fachkräften aus Produktion, Qualitätssicherung und Arbeitsschutz vor und werte Gemeinsamkeiten sowie Zielkonflikte aus.
- Prozessdaten Schmiedepresse: Entwirf ein digitales Prüfblatt für Temperatur, Presskraft, Weg, Hubzahl, Zwischenmaß, Abweichung und Freigabe und begründe die gewählten Felder.


Lernkontrolle
- Transferfall zu kaltes Werkstück: Ein Werkstück unterschreitet vor dem nächsten Presshub die zulässige Temperatur. Analysiere mögliche Folgen für Umformkraft, Rissrisiko, Maßhaltigkeit und Prozessentscheidung.
- Transferfall Gesenkunterfüllung: Bei einer Serie tritt Unterfüllung auf. Entwickle eine systematische Fehlersuche zu Einsatzmasse, Temperatur, Vorform, Werkzeug, Schmierung und Maschinenhub.
- Auswahl einer Schmiedemaschine: Entscheide für eine große Einzelwelle und für ein Pleuel in hoher Stückzahl jeweils zwischen hydraulischer Presse, Hammer und Spindelpresse. Begründe technisch und wirtschaftlich.
- Prüfplan Großschmiedestück: Stelle einen Prüfplan zusammen, der Oberflächenfehler, innere Fehler, Maße und mechanische Eigenschaften abdeckt. Begründe Zeitpunkt und Reihenfolge.
- Sicheres Störungsmanagement: Entwickle einen Ablauf für ein festsitzendes Werkstück, ohne selbst eine Reparaturanweisung zu formulieren. Berücksichtige Meldung, Stillsetzen, Sicherung, Absperrung, Freigabe und Dokumentation.
- Nachhaltigkeitsbewertung Schmieden: Bewerte zwei Prozessvarianten anhand von Energiebedarf, Ausschuss, Materialausnutzung, Werkzeugverschleiß, Transport und Bauteillebensdauer.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema sind folgende Leistungen wichtig:
- Fachsprachliche Sicherheit: Du verwendest Begriffe wie Freiformschmieden, Gesenkschmieden, Recken, Stauchen, Sattel, Gesenk, Umformgrad, Zunder und Schmiedemanipulator korrekt.
- Prozessverständnis: Du stellst eine vollständige Prozesskette dar und begründest kritische Übergänge.
- Maschinenkompetenz: Du ordnest Presse, Hammer, Manipulator, Kran, Ofen und Prüfmittel ihren Aufgaben zu.
- Qualitätssicherung: Du leitest aus möglichen Fehlern geeignete Prüfungen und betriebliche Reaktionen ab.
- Arbeitssicherheit: Du erkennst Gefahrenbereiche und beschreibst das Zusammenwirken technischer, organisatorischer und persönlicher Schutzmaßnahmen.
- Transferleistung: Du entwickelst für ein neues Bauteil eine begründete Schmiedefolge oder einen Arbeits- und Prüfplan.
- Dokumentation und Reflexion: Du dokumentierst Annahmen, Prozessdaten, Abweichungen und Verbesserungsmöglichkeiten nachvollziehbar.
OERs zum Thema
- Wikimedia Commons: Freie Medien zum Schmieden
- BIBB: Verfahrenstechnologe Metall – Stahlumformung
- DGUV: Schmiedepressen und Schmiedehämmer – Schutz vor Bewegungen im Werkzeugeinbauraum
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