Industriekaufleute und betriebliche Steuerung – Risiken in Liefer- und Absatzketten erkennen
Industriekaufleute und betriebliche Steuerung – Risiken in Liefer- und Absatzketten erkennen
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Einleitung
Dieser aiMOOC richtet sich an Auszubildende im Beruf Industriekaufmann bzw. Industriekauffrau. Du untersuchst, wie Abhängigkeiten in Lieferketten und Absatzketten entstehen, wie sie die betriebliche Steuerung beeinflussen und welche Gegenmaßnahmen wirtschaftlich sinnvoll sein können.
Kurzbeschreibung: Abhängigkeiten erkennen, Risiken bewerten, Gegenmaßnahmen vergleichen und Entscheidungen mit kaufmännischen Daten begründen.

Ausbildungsbezug: Die seit 1. August 2024 geltende Industriekaufleuteausbildungsverordnung betont Prozessverständnis entlang der Wertschöpfungskette, Beschaffung, Logistik sowie kaufmännische Steuerung und Kontrolle.
Datenschutz und Fallkonstruktion: Alle Personen, Unternehmen, Kunden, Lieferanten, Produkte, Preise, Mengen, Umsätze und Ereignisse dieses Kurses sind vollständig fiktiv. Ähnlichkeiten mit realen Personen oder Unternehmen wären zufällig.
Lernziele
Nach dem Kurs kannst Du Abhängigkeiten in Beschaffung und Absatz erkennen, Risiken mit einer einfachen Risikomatrix bewerten, Lieferanten- und Produktalternativen vergleichen, Sicherheitsmaßnahmen kaufmännisch beurteilen und eine begründete Handlungsempfehlung formulieren.
Lerneinheit 1: Die Kette sehen
Eine Liefer- und Absatzkette verbindet Beschaffung, Lager, Produktion, Vertrieb, Kunden und Zahlungsströme. Ein Problem an einer Stelle kann andere Bereiche mitziehen.

Merksatz: Ein niedriger Einkaufspreis ist nicht automatisch günstig, wenn eine Störung hohe Folgekosten verursacht.
Mini-Gespräch: Wo steckt die Abhängigkeit?
Nora Beispiel, Auszubildende: „Lieferant L1 ist am billigsten. Warum kaufen wir nicht alles dort?“
Benno Muster, Einkauf: „Weil der Stückpreis nur ein Teil der Rechnung ist. Was kostet uns ein Produktionsstillstand?“
Tara Fiktiv, Vertrieb: „Und auf der Absatzseite gehen 65 Prozent unserer Stückzahl an einen einzigen Kunden.“
Nora Beispiel: „Dann müssen wir Beschaffungs- und Absatzrisiken gemeinsam betrachten.“
Lerneinheit 2: Konkreter Ausbildungsfall
Du arbeitest im fiktiven Ausbildungsunternehmen Musterwerk Orion Lernfall GmbH. Es produziert die ebenfalls fiktive industrielle Steuereinheit OR-40.
Modellannahmen des Lernfalls: 320 Beschäftigte, Jahresumsatz 5,4 Mio. €, Produktion 1.000 OR-40 pro Woche, fünf Produktionstage pro Woche, ein Steuerungsmodul pro OR-40.
| Kennzahl | Fiktiver Wert |
|---|---|
| Tagesbedarf Steuerungsmodule | 200 Stück |
| Lagerbestand | 1.200 Stück |
| Reichweite ohne Nachschub | 6 Arbeitstage |
| Anteil Lieferant L1 | 80 % |
| Anteil Lieferant L2 | 20 % |
| Anteil größter Kunde K1 | 65 % |
| Nettoverkaufspreis OR-40 | 98,00 € |
| Variable Kosten je OR-40 | 61,00 € |
| Deckungsbeitrag je OR-40 | 37,00 € |
Störung: L1 meldet eine Lieferverzögerung von zehn Arbeitstagen. L2 könnte innerhalb von fünf Arbeitstagen zusätzlich 400 Module liefern.
Sofortcheck
Ohne Nachschub werden in zehn Arbeitstagen 2.000 Module benötigt. Vorhanden sind 1.200 Module. L2 kann zusätzlich 400 liefern.
Rechnerischer Fehlbestand: 2.000 − 1.200 − 400 = 400 Module. Das entspricht zwei Produktionstagen.
Wichtig: Diese Rechnung ist eine Modellrechnung. In realen Betrieben musst Du zusätzlich offene Bestellungen, Ausschuss, Losgrößen, Liefertermine, Sicherheitsbestände, Kapazitäten und Vertragsbedingungen prüfen.
Lerneinheit 3: Risiken strukturiert bewerten
Eine einfache Risikobewertung kann mit zwei Skalen arbeiten:
| Faktor | Skala | Bedeutung |
|---|---|---|
| Eintrittswahrscheinlichkeit | 1 bis 5 | sehr gering bis sehr hoch |
| Schadensausmaß | 1 bis 5 | gering bis existenzbedrohend |
| Risikowert | Wahrscheinlichkeit × Ausmaß | Priorisierungshilfe |
| Fiktives Risiko | Wahrscheinlichkeit | Ausmaß | Risikowert |
|---|---|---|---|
| Ausfall Hauptlieferant L1 | 4 | 5 | 20 |
| Transportverzögerung | 3 | 4 | 12 |
| Qualitätsabweichung bei Modul | 3 | 4 | 12 |
| Auftragsrückgang Kunde K1 | 2 | 5 | 10 |
| Störung im Bestellsystem | 2 | 4 | 8 |
Begründung statt Scheingenauigkeit: Die Zahlen sind keine objektiven Wahrheiten. Sie helfen, Annahmen sichtbar zu machen und Entscheidungen zu diskutieren.

Lerneinheit 4: Gegenmaßnahmen vergleichen
Typische Gegenmaßnahmen sind Multiple Sourcing, Sicherheitsbestände, alternative Transportwege, Lieferantenentwicklung, Vertragsgestaltung, Absatzdiversifikation, Bonitätsprüfung, flexible Produktionsplanung und bessere Datenüberwachung.
| Maßnahme | Möglicher Nutzen | Möglicher Nachteil |
|---|---|---|
| Zweitlieferant | geringere Abhängigkeit | höhere Preise oder kleinere Rabatte |
| Sicherheitsbestand | Zeitpuffer bei Störungen | Kapitalbindung und Lagerkosten |
| Regionalere Beschaffung | kürzere Wege möglich | nicht automatisch billiger oder risikofrei |
| Mehrere Kundensegmente | geringere Absatzabhängigkeit | höherer Vertriebsaufwand |
| Frühwarnkennzahlen | frühere Reaktion | Datenpflege und Systemkosten |

Beschaffungsproduktvergleich mit fiktiven Daten
Alle drei Module sind im Lernfall technisch als Ersatz für das Steuerungsmodul P-40 geeignet.
| Fiktive Alternative | Preis je Stück | Lieferzeit | Mindestmenge | Fehlerquote im Lernmodell | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|---|
| P-40 Alpha bei L1 | 42,90 € | 12 Arbeitstage | 400 | 0,8 % | günstigster Preis |
| P-40 Beta bei L2 | 46,50 € | 5 Arbeitstage | 200 | 0,5 % | kürzere Wiederbeschaffung |
| P-40 Gamma bei L3 | 49,20 € | 3 Arbeitstage | 100 | 0,4 % | höchste Flexibilität |
Kaufmännische Frage: Wie viel Mehrkosten sind akzeptabel, wenn dadurch Stillstandsrisiken deutlich sinken?
Beispiel: Werden pro Woche 200 Stück von L1 zu L2 verlagert, steigen die modellhaften Einkaufskosten um 200 × 3,60 € = 720 € pro Woche. Diesen Mehrkosten müssen vermiedene Risiko- und Folgekosten gegenübergestellt werden.
Lerneinheit 5: Interaktiver Fall – Beschaffungsrisiko
Auftrag: Entscheide, wie Du auf die angekündigte Verzögerung bei L1 reagierst.
Basisaufgabe: Nenne zwei konkrete Abhängigkeiten aus dem Fall.
Hilfe 1: Suche nach besonders hohen Anteilen.
Hilfe 2: Vergleiche 80 Prozent Beschaffungsanteil und 65 Prozent Absatzanteil.
Begründetes Feedback: Eine starke Antwort nennt L1 als Beschaffungsabhängigkeit und K1 als Absatzabhängigkeit. Die Begründung ist wichtig, weil hohe Konzentrationen den Ausfall einzelner Partner stärker auf das Gesamtsystem übertragen.
Anwendungsaufgabe: Prüfe, ob der aktuelle Bestand plus Zusatzlieferung von L2 für zehn Arbeitstage reicht.
Hilfe 1: Tagesbedarf × Störungstage.
Hilfe 2: 200 × 10 und anschließend Bestand sowie Zusatzmenge abziehen.
Begründetes Feedback: Es fehlen 400 Module. Die Aussage „L2 liefert zusätzlich“ reicht nicht; erst die Mengenrechnung zeigt, dass trotz Gegenmaßnahme ein Restproblem besteht.
Transferaufgabe: Empfiehl einen Liefermix für die nächsten drei Monate und begründe ihn mit Kosten, Lieferzeit und Risiko.
Hilfe 1: Es gibt nicht nur eine richtige Quote.
Hilfe 2: Prüfe, ob ein höherer Anteil L2 oder ein kleiner Anteil L3 die Abhängigkeit ausreichend reduziert.
Begründetes Feedback: Eine überzeugende Lösung verbindet Risikoreduktion mit Mehrkosten. Ein Mix wie 60/30/10 kann begründbar sein, ist aber keine Musterpflicht. Entscheidend ist, dass Du Wirkung, Kosten und Umsetzbarkeit nachvollziehbar vergleichst.
Lerneinheit 6: Interaktiver Fall – Absatzrisiko
Kunde K1 nimmt im Lernfall 650 OR-40 pro Woche ab. Angenommen, K1 setzt Bestellungen vier Wochen vollständig aus.
Rechnerischer Mengeneffekt: 650 × 4 = 2.600 OR-40.
Modellhafter entgangener Deckungsbeitrag: 2.600 × 37 € = 96.200 €.
Achtung: Deckungsbeitrag ist nicht gleich Gewinn. Fixkosten, Ersatzaufträge, Preisänderungen und weitere Effekte sind hier nicht berücksichtigt.
Basisaufgabe: Erkläre, weshalb 65 Prozent Kundenanteil ein Konzentrationsrisiko darstellen.
Begründetes Feedback: Fällt K1 aus, kann ein großer Teil des geplanten Absatzes gleichzeitig wegfallen. Die hohe Quote macht die Wirkung einzelner Kundenentscheidungen besonders groß.
Anwendungsaufgabe: Entwickle zwei Gegenmaßnahmen, die nicht nur aus Preissenkungen bestehen.
Begründetes Feedback: Beispielsweise neue Kundensegmente, Rahmenverträge, bessere Absatzprognosen oder zusätzliche Vertriebskanäle mindern Abhängigkeit strukturell. Eine reine Preissenkung kann dagegen Marge kosten, ohne das Konzentrationsproblem zu lösen.
Transferaufgabe: Beurteile einen Zielkonflikt: stabile Großkundenbeziehung oder breitere Kundenbasis.
Begründetes Feedback: Großkunden können Planungssicherheit und geringe Vertriebskosten bringen. Diversifikation senkt Abhängigkeit, verursacht aber Akquise- und Betreuungskosten. Eine gute Entscheidung macht diesen Zielkonflikt sichtbar.
Lerneinheit 7: Gesprächsmedium – Krisenrunde
Tara Fiktiv, Vertrieb: „K1 möchte eine Liefergarantie, obwohl unser Hauptlieferant ausfällt.“
Benno Muster, Einkauf: „Für eine Expressquelle zahlen wir 6,30 € mehr je Modul.“
Nora Beispiel, Auszubildende: „Dann sollten wir Mehrkosten mit drohendem Deckungsbeitragsverlust vergleichen.“
Controlling-Rolle C1: „Genau. Außerdem prüfen wir, ob eine Teillieferung die wichtigsten Kunden absichert.“
Arbeitsimpuls: Spiele das Gespräch zu viert nach. Jede Rolle muss eine Kennzahl nennen und mindestens einen Zielkonflikt begründen.
Lerneinheit 8: Produktion als Teil der Risikokette
Eine Lieferstörung wird erst dann zum Produktionsproblem, wenn Material, Zeitpuffer oder Alternativen nicht reichen. Deshalb gehören Einkauf, Lager, Produktion, Vertrieb und Controlling in eine gemeinsame Lagebewertung.
Lerneinheit 9: Recht und Pflichtangaben – Stand 9. Oktober 2026
Hinweis: Dieser Abschnitt gibt einen Lernüberblick und keine Rechts- oder Steuerberatung. Für betriebliche Einzelfälle sind die jeweils aktuellen Rechtsquellen und fachkundige Stellen maßgeblich.
Umsatzsteuer im Lernfall
Nach § 12 UStG beträgt der allgemeine Umsatzsteuersatz aktuell 19 Prozent. Für gesetzlich bestimmte Umsätze gilt ein ermäßigter Satz von 7 Prozent.
Für die fiktive industrielle OR-40 wird im Lernfall der allgemeine Satz von 19 Prozent angenommen.
Rechenbeispiel: 50 OR-40 × 98,00 € = 4.900,00 € netto. 19 Prozent Umsatzsteuer = 931,00 €. Rechnungsbetrag = 5.831,00 €.
Pflichtangaben einer Rechnung
Für eine reguläre Rechnung nach § 14 Abs. 4 UStG gehören insbesondere dazu:
- vollständiger Name und vollständige Anschrift von leistendem Unternehmen und Leistungsempfänger
- Steuernummer oder Umsatzsteuer-Identifikationsnummer des leistenden Unternehmens
- Ausstellungsdatum
- einmalig vergebene fortlaufende Rechnungsnummer
- Menge und handelsübliche Bezeichnung der gelieferten Gegenstände oder Art und Umfang der Leistung
- Zeitpunkt der Lieferung oder sonstigen Leistung
- nach Steuersätzen bzw. Steuerbefreiungen aufgeschlüsseltes Entgelt und vereinbarte Minderungen, soweit nicht bereits berücksichtigt
- anzuwendender Steuersatz und Steuerbetrag oder Hinweis auf eine Steuerbefreiung
- gegebenenfalls gesetzlich verlangter Hinweis auf eine Aufbewahrungspflicht
- bei einer Abrechnung durch den Leistungsempfänger gegebenenfalls die Angabe „Gutschrift“
E-Rechnung im Jahr 2026
Seit 1. Januar 2025 müssen inländische Unternehmen grundsätzlich E-Rechnungen empfangen können. Eine E-Rechnung im umsatzsteuerlichen Sinn ist seitdem ein strukturiertes elektronisches Format, das elektronische Verarbeitung ermöglicht; ein einfaches PDF allein ist keine E-Rechnung in diesem Sinn.
Für die Ausstellung gelten Übergangsregeln: Bis 31. Dezember 2026 dürfen Rechnungsaussteller unter den gesetzlichen Voraussetzungen noch sonstige Rechnungen verwenden. Bei einem Vorjahresumsatz bis 800.000 € reicht eine zusätzliche Übergangsregel bis Ende 2027.
Modellannahme: Die Musterwerk Orion Lernfall GmbH hat 5,4 Mio. € Vorjahresumsatz. Deshalb würde die spezielle 800.000-€-Verlängerung im Lernfall nicht greifen.
Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz
Nach der aktuell abrufbaren Fassung des § 1 LkSG gilt der gesetzliche Anwendungsbereich seit 1. Januar 2024 grundsätzlich ab 1.000 Arbeitnehmern im Inland unter den weiteren gesetzlichen Voraussetzungen.
Die fiktive Musterwerk Orion Lernfall GmbH hat im Lernfall 320 Beschäftigte und liegt damit unter diesem Schwellenwert. Dennoch können menschenrechtliche, umweltbezogene und vertragliche Anforderungen über Kunden, Konzernbeziehungen oder Lieferbedingungen praktisch relevant sein.
Das LkSG zeigt zugleich ein wichtiges Prinzip des Risikomanagements: Risiken sollen erkannt, bewertet, gesteuert und überwacht werden.
Lerneinheit 10: E-Rechnungsfall
Die fiktive Rechnung R-OR-204 enthält folgende Angaben: Verkäufername, Rechnungsdatum, 50 Stück OR-40, Nettobetrag und Gesamtbetrag. Es fehlen Anschrift des Kunden, Rechnungsnummer, Steuer-ID bzw. USt-IdNr., Lieferdatum und gesonderter Umsatzsteuerbetrag.
Basisaufgabe: Markiere die fehlenden Pflichtangaben.
Begründetes Feedback: Mehrere Kernelemente nach § 14 Abs. 4 UStG fehlen. Ein Gesamtbetrag allein ersetzt nicht die erforderliche steuerliche Aufschlüsselung.
Anwendungsaufgabe: Berechne bei 4.900,00 € netto den Steuerbetrag und Bruttobetrag.
Begründetes Feedback: 4.900,00 € × 19 Prozent = 931,00 € Umsatzsteuer; brutto 5.831,00 €. Die Berechnung folgt der im Lernfall zutreffenden Modellannahme „Regelsteuersatz“.
Transferaufgabe: Beschreibe, warum fehlerhafte Rechnungsdaten selbst ein Prozessrisiko in der Absatzkette sind.
Begründetes Feedback: Fehler können Zahlung verzögern, Rückfragen erzeugen, automatische Verarbeitung verhindern und steuerliche Risiken auslösen. Datenqualität gehört deshalb zur betrieblichen Steuerung.
Lerneinheit 11: Frühwarnsystem
Ein einfaches Dashboard kann wenige Kennzahlen verbinden:
| Kennzahl | Beispielhafte Warnschwelle im Lernfall | Reaktion |
|---|---|---|
| Anteil größter Lieferant | über 70 % | Alternativen prüfen |
| Lagerreichweite | unter 5 Arbeitstage | Beschaffung und Produktion abstimmen |
| Termintreue Lieferant | unter 95 % | Ursachenanalyse |
| Anteil größter Kunde | über 50 % | Absatzdiversifikation prüfen |
| Überfällige Forderungen | über interner Toleranz | Mahn- und Bonitätsprozess prüfen |
Modellhinweis: Diese Schwellenwerte sind didaktische Annahmen, keine gesetzlichen Vorgaben und keine allgemeingültigen Branchenstandards.

Lerneinheit 12: Entscheidungsregel
Eine gute kaufmännische Gegenmaßnahme beantwortet vier Fragen: Wie stark sinkt das Risiko? Was kostet die Maßnahme? Wie schnell wirkt sie? Welche neuen Risiken entstehen?
Kurzformel: Nicht „billigste Lösung“, sondern wirtschaftlich begründete Resilienz.
Quellen- und Medienprüfung
Fachlicher Rechts- und Ausbildungsstand: 9. Oktober 2026.
- Industriekaufleuteausbildungsverordnung
- BIBB: Industriekaufmann/Industriekauffrau – Umsetzungshilfe
- § 12 UStG – Steuersätze
- § 14 UStG – Ausstellung von Rechnungen
- Bundesministerium der Finanzen: FAQ E-Rechnung, Stand März 2026
- § 1 LkSG – Anwendungsbereich
- § 4 LkSG – Risikomanagement
- § 5 LkSG – Risikoanalyse
Medienrechte
: Wikimedia Commons, Urheber Shixart1985, CC BY 2.0.
: Wikimedia Commons, Urheber そらみみ, CC BY-SA 4.0.
: Wikimedia Commons, Urheber MicroSYST Systemelectronic GmbH, CC BY-SA 4.0.
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: Wikimedia Commons, Urheber 298YGH20, CC BY 3.0.- Datei:Assembly line.webm: Wikimedia Commons, Urheber Automotive garage, CC BY 4.0.
- YouTube-Videos werden ausschließlich über den offiziellen eingebetteten YouTube-Player eingebunden. Es wird keine lokale Kopie erstellt. Die Inhalte bleiben bei den jeweiligen Rechteinhabern; eingebettet sind das verifizierte BMAS-Video „Das Lieferkettengesetz kurz erklärt“ und ein verifiziertes Studyflix-Video zum Supply Chain Management.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welche Abhängigkeit ist im Ausbildungsfall auf der Beschaffungsseite am stärksten? (80 Prozent Bezug bei Lieferant L1) (!20 Prozent Bezug bei Lieferant L2) (!6 Arbeitstage Lagerreichweite) (!19 Prozent Umsatzsteuer)
Wie viele Arbeitstage reicht der Lagerbestand von 1.200 Modulen bei einem Tagesbedarf von 200 Stück? (6 Arbeitstage) (!4 Arbeitstage) (!8 Arbeitstage) (!12 Arbeitstage)
Welcher Fehlbestand entsteht bei zehn Tagen Bedarf, 1.200 Stück Bestand und 400 Stück Zusatzlieferung? (400 Stück) (!200 Stück) (!800 Stück) (!1.200 Stück)
Was ist das Hauptziel von Multiple Sourcing? (Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten verringern) (!Umsatzsteuer reduzieren) (!Rechnungsnummern ersetzen) (!Kunden vollständig vermeiden)
Wie wird im Kurs der einfache Risikowert berechnet? (Eintrittswahrscheinlichkeit mal Schadensausmaß) (!Umsatz geteilt durch Lagerbestand) (!Einkaufspreis plus Umsatzsteuer) (!Absatzmenge minus Rechnungsnummer)
Welcher aktuelle allgemeine Umsatzsteuersatz wird im Lernfall verwendet? (19 Prozent) (!7 Prozent) (!16 Prozent) (!25 Prozent)
Welche Angabe gehört grundsätzlich zu den Rechnungsangaben nach § 14 Abs. 4 UStG? (Rechnungsnummer) (!Risikowert des Lieferanten) (!Lagerreichweite des Kunden) (!Marktanteil des Wettbewerbers)
Was ist seit 1. Januar 2025 für inländische Unternehmen grundsätzlich erforderlich? (E-Rechnungen empfangen können) (!Nur Papierrechnungen empfangen) (!Keine Rechnungsnummern mehr verwenden) (!Alle Produkte mit 7 Prozent versteuern)
Warum ist ein Kundenanteil von 65 Prozent ein mögliches Absatzrisiko? (Ein Ausfall dieses Kunden wirkt stark auf den Gesamtabsatz) (!Der Umsatzsteuersatz steigt automatisch) (!Der Lagerbestand wird immer größer) (!Jede Rechnung wird dadurch ungültig)
Welche Aussage beschreibt eine wirtschaftlich begründete Resilienz am besten? (Risikominderung wird mit Kosten und Nebenwirkungen abgewogen) (!Jedes Risiko wird unabhängig von Kosten vollständig beseitigt) (!Immer wird ausschließlich der billigste Lieferant gewählt) (!Sicherheitsbestände haben keine Kostenwirkung)
Memory
| Multiple Sourcing | mehrere Bezugsquellen |
| Sicherheitsbestand | Zeitpuffer bei Lieferstörungen |
| Absatzdiversifikation | breitere Kundenbasis |
| Risikomatrix | Wahrscheinlichkeit und Ausmaß |
| Lagerreichweite | Bestand im Verhältnis zum Verbrauch |
| E-Rechnung | strukturiert elektronisch verarbeitbare Rechnung |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Lieferantenkonzentration | Abhängigkeit von wenigen Bezugsquellen |
| Kundenkonzentration | Abhängigkeit von wenigen Abnehmern |
| Sicherheitsbestand | zusätzlicher Materialpuffer |
| Bonitätsprüfung | Einschätzung eines Zahlungsausfallrisikos |
| Frühwarnkennzahl | Signal für rechtzeitige Reaktion |
Kreuzworträtsel
| Diversifikation | Wie heißt die Verteilung auf mehrere Lieferanten, Kunden oder Märkte? |
| Sicherheitsbestand | Wie heißt ein zusätzlicher Lagerpuffer gegen Störungen? |
| Lieferant | Wer stellt dem Unternehmen Waren oder Vorleistungen bereit? |
| Absatzmarkt | Wo trifft das Unternehmen auf potenzielle Abnehmer? |
| Resilienz | Wie heißt die Fähigkeit eines Systems, Störungen zu bewältigen? |
| Bonitaet | Wie heißt die Einschätzung der Zahlungsfähigkeit eines Geschäftspartners? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Lieferkette analysieren: Zeichne für den Lernfall eine Kette aus Lieferant, Lager, Produktion, Vertrieb und Kunde und markiere zwei Schwachstellen.
- Kennzahlen erklären: Erkläre in eigenen Worten Lagerreichweite, Lieferantenanteil und Kundenanteil.
- Risikomatrix erstellen: Ordne drei selbst gewählte Risiken auf einer Skala von 1 bis 5 für Wahrscheinlichkeit und Ausmaß ein.
- Gespräch führen: Spiele mit einer Partnerperson ein zweiminütiges Gespräch zwischen Einkauf und Vertrieb über die L1-Störung.
Standard
- Lieferantenvergleich: Vergleiche P-40 Alpha, Beta und Gamma und entscheide für einen Liefermix. Begründe mit mindestens drei Kriterien.
- Sicherheitsbestand berechnen: Entwickle einen Sicherheitsbestand für fünf zusätzliche Produktionstage und erkläre die Folgen für Kapitalbindung und Versorgungssicherheit.
- Absatzszenario: Entwickle einen Plan für den Fall, dass K1 seine Bestellungen für vier Wochen halbiert.
- Rechnungsprüfung: Erstelle für den Lernfall eine Checkliste, mit der eine Ausgangsrechnung vor dem Versand geprüft wird.
Schwer
- Stresstest Lieferkette: Kombiniere Lieferausfall, Qualitätsproblem und Nachfragerückgang in einem Szenario und priorisiere Maßnahmen.
- Make-or-Buy-Abwägung: Prüfe qualitativ, ob eine teilweise Eigenfertigung des Steuerungsmoduls als langfristige Gegenmaßnahme denkbar wäre.
- Frühwarnsystem entwickeln: Erstelle ein Dashboard mit fünf Kennzahlen, Schwellenwerten, Verantwortlichkeiten und Reaktionen.
- Managementvorlage: Verfasse eine einseitige Entscheidungsvorlage für die Geschäftsleitung mit Problem, Daten, Optionen, Kostenwirkung, Risiken und Empfehlung.


Lernkontrolle
- Liefermix begründen: Entwickle für L1, L2 und L3 eine Beschaffungsstrategie und begründe, weshalb sie gegenüber 100 Prozent L1 wirtschaftlich robuster sein kann.
- Zielkonflikt analysieren: Erkläre, warum ein höherer Sicherheitsbestand zugleich Versorgungssicherheit erhöht und Wirtschaftlichkeit belasten kann.
- Absatzabhängigkeit übertragen: Übertrage das Prinzip der Lieferantenkonzentration auf die Kundenseite und zeige Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede.
- Prozessrisiko Rechnung: Begründe, wie fehlerhafte Rechnungsdaten Liquidität, Kundenbeziehung und interne Prozesskosten beeinflussen können.
- Krisenentscheidung: Entscheide zwischen Expressbeschaffung, Produktionskürzung und Priorisierung von Kundenaufträgen. Entwickle Kriterien für eine nachvollziehbare Reihenfolge.
- Kennzahlen kritisch prüfen: Erkläre, warum Risikowerte und Warnschwellen Entscheidungen unterstützen, aber keine automatische Entscheidung ersetzen.
Lernnachweis
Für einen guten Lernnachweis solltest Du zeigen, dass Du Abhängigkeiten in Beschaffung und Absatz erkennst, Daten korrekt auswertest, Risiken nachvollziehbar priorisierst, Gegenmaßnahmen mit Kosten und Wirkung vergleichst, rechtliche Basisangaben von Modellannahmen trennst und eine begründete kaufmännische Empfehlung formulieren kannst.
Ein geeigneter Lernnachweis besteht beispielsweise aus einer Risikomatrix, einer kurzen Mengen- oder Deckungsbeitragsrechnung, einem Lieferantenvergleich und einer begründeten Managementempfehlung.
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