Gewerbliche Kälteanlagen und Kälteservice – Kälteanlagenschemata vertieft lesen
Gewerbliche Kälteanlagen und Kälteservice – Kälteanlagenschemata vertieft lesen
Einleitung
Ausbildungs-Lernkurs | Kältetechnik | Gewerbekälte | Kälteservice
Kurzbeschreibung: Du lernst, Kälteanlagenschemata systematisch zu lesen. Im Mittelpunkt stehen Verdichter, Verdampfer, Verflüssiger, Regelorgane, Druckbereiche und Sicherheitsfunktionen.
Lernzeit: ca. 60–90 Minuten, zusätzlich Projektaufgaben.
Lernform: Kurze Lerneinheiten, technische Abbildungen, Prozessanimationen, ein Ausbildungsfall und interaktive Übungen.
Ausbildungsziel: Du kannst aus einem Schema den Kältemittelweg, die Funktion der Bauteile und die wichtigsten Regelzusammenhänge erklären. Du kannst Auffälligkeiten begründet einordnen, ohne unzulässige Arbeiten an einer Anlage durchzuführen.
Sicherheitsgrenze: Alle Aufgaben erfolgen an Zeichnungen, Bildern oder simulierten Daten. Du öffnest keinen Kältekreis, veränderst keine Regler, überbrückst keine Sicherheitseinrichtung und führst keine eigenständigen Mess-, Elektro- oder Servicearbeiten an einer realen Kälteanlage aus. Solche Tätigkeiten erfordern die jeweils notwendige Fachkunde, Freigabe und Sicherheitsorganisation.

Bildauftrag: Zeige die vier Hauptbauteile, den geschlossenen Kältemittelweg sowie die Wärmeaufnahme und Wärmeabgabe.
Dein Lernpfad
| Lerneinheit | Schwerpunkt | Lernprodukt |
|---|---|---|
| 1 | Verdichter erkennen | Bauteilsteckbrief |
| 2 | Kältekreislauf verfolgen | Zustandsfolge |
| 3 | Regelorgane verstehen | Funktionszuordnung |
| 4 | Kälteanlagenschema vertieft lesen | Markierter Plan |
| 5 | Überhitzung und Druck-Enthalpie-Diagramm | Modellrechnung |
| 6 | Kälteservice und Sicherheit | Begründeter Servicebericht |
Lerneinheit 1: Den Verdichter erkennen
Dauer: etwa 8 Minuten.

Praxisbild: Ein kleiner Verflüssigungssatz mit Verdichter, Verflüssiger und weiteren Bauteilen.
Bauteilbild: Ein hermetischer Kältemittelverdichter aus einem Haushaltsgerät als Anschauungsbeispiel. Bauarten in der Gewerbekälte können abweichen.
Die Funktion
Der Verdichter saugt im normalen Betrieb überwiegend gasförmiges Kältemittel auf der Niederdruckseite an. Er verdichtet es auf einen höheren Druck und fördert es weiter zum Verflüssiger.
Merksatz: Der Verdichter erhöht den Druck des Kältemitteldampfes und benötigt dafür Antriebsenergie.
| Anschluss | Bedeutung | Typischer Zustand im Betrieb |
|---|---|---|
| Saugleitung | Eintritt in den Verdichter | Niedriger Druck, gasförmig |
| Druckgasleitung | Austritt aus dem Verdichter | Hoher Druck, heißes Gas |
Basisaufgabe: Markiere im ersten Schema Verdichtereingang und Verdichterausgang.
Feedback: Richtig ist die Zuordnung, wenn die Saugleitung aus Richtung Verdampfer kommt und die Druckgasleitung zum Verflüssiger führt. Die räumliche Lage im Bild allein ist kein sicheres Erkennungsmerkmal.
Lerneinheit 2: Den Kältemittelkreislauf verfolgen
Dauer: etwa 10 Minuten.
Prozessanimation: Refrigeration Cycle, Zebra Learnings. Beobachte die Reihenfolge der vier Zustandsänderungen.
Der Kreislauf in vier Schritten
| Station | Bauteil | Was geschieht? |
|---|---|---|
| A | Verdichter | Gas wird verdichtet. |
| B | Verflüssiger | Wärme wird abgegeben; das Kältemittel kondensiert. |
| C | Expansionsventil | Der Druck sinkt; ein Teil des flüssigen Kältemittels verdampft unmittelbar. |
| D | Verdampfer | Das Kältemittel nimmt Wärme auf und verdampft. |

Praxisbild: Verflüssiger einer großen industriellen Kälteanlage. Die Baugröße unterscheidet sich deutlich von kleinen Gewerbekälteanlagen.

Praxisbild: Verdampfer einer Kompressionskälteanlage.
Niederdruck und Hochdruck
Hochdruckseite: Vom Verdichteraustritt bis zum Eintritt in das Drosselorgan.
Niederdruckseite: Vom Austritt des Drosselorgans bis zum Verdichtereintritt.
Die beiden Wärmeübertrager erfüllen unterschiedliche Aufgaben: Der Verdampfer nimmt Wärme aus dem zu kühlenden Bereich auf. Der Verflüssiger gibt Wärme an eine wärmere Umgebung oder ein Kühlmedium ab.
Anwendungsaufgabe: Erkläre, warum der Verdampfer auf der Niederdruckseite liegt.
Feedback: Beim geringeren Druck kann das Kältemittel bereits bei einer niedrigeren Temperatur sieden. Dadurch kann es Wärme aus dem Kühlraum aufnehmen. Die tatsächliche Siedetemperatur hängt vom Kältemittel und dem Druck ab.
Lerneinheit 3: Regelorgane im Detail
Dauer: etwa 12 Minuten.
Das thermostatische Expansionsventil

Funktionszeichnung eines thermostatischen Expansionsventils.

Technische Bauteilabbildung eines thermostatischen Expansionsventils.

Vereinfachtes Ventilsymbol. Die tatsächlichen Schaltzeichen sind anhand der jeweiligen Planlegende zu prüfen.
Ein thermostatisches Expansionsventil (TEV oder TXV) dosiert den Kältemittelmassenstrom zum Verdampfer. Es regelt die Überhitzung am Verdampferausgang.
Beobachtungsauftrag: Suche in der Funktionszeichnung Membran, Feder, Ventilsitz und Temperaturfühler.
Lernvideo: The Engineering Mindset – Funktionsprinzip des thermostatischen Expansionsventils. Das Video dient dem Verständnis, nicht als Anleitung zum Einstellen.
Merksatz: Ein TEV regelt den Kältemittelstrom anhand der Überhitzung. Es ersetzt weder einen Raumtemperaturregler noch einen Sicherheitsdruckbegrenzer.
Weitere Regel- und Hilfsorgane

Funktionsbild eines Schauglases mit Feuchteindikator.
Ein Schauglas kann die Beobachtung des Kältemittelstroms ermöglichen. Ein integrierter Feuchteindikator zeigt abhängig von Bauart und Kältemittel einen Feuchtezustand an.
Wichtig: Blasen im Schauglas beweisen allein keinen Kältemittelmangel. Auch die Farbbedeutung eines Indikators muss aus der jeweiligen Herstellerinformation hervorgehen.

Allgemeines Schnittbild eines Magnetventils. Nicht jede Ventilkonstruktion ist für Kältemittel geeignet.
Ein Magnetventil kann den Kältemittelstrom elektrisch gesteuert freigeben oder sperren. Es übernimmt eine andere Funktion als das modulierende Expansionsventil.
Weitere Bauteile einer gewerblichen Kälteanlage:
| Bauteil | Aufgabe |
|---|---|
| Flüssigkeitssammler | Bevorratung flüssigen Kältemittels innerhalb seiner Auslegung |
| Filtertrockner | Bindung von Feuchtigkeit und Rückhaltung bestimmter Verunreinigungen |
| Temperaturregler | Regelung anhand eines Temperatursignals |
| Druckschalter | Druckabhängiges Schalten zur Regelung oder Schutzfunktion |
| Elektronisches Expansionsventil | Geregelte Dosierung über elektrische Ansteuerung |
Fachlich abgestimmte Herstelleranimationen:
Danfoss – Animationen von Expansionsventilen, Magnetventilen und Druckschaltern
Basisaufgabe: Vergleiche Magnetventil und thermostatisches Expansionsventil.
Feedback: Das Magnetventil übernimmt in einer typischen Anwendung eine Freigabe- oder Sperrfunktion. Das TEV verändert seinen Öffnungsgrad zur Regelung der Überhitzung. Beide Aufgaben sind nicht gleichzusetzen.
Lerneinheit 4: Ein Kälteanlagenschema vertieft lesen
Dauer: etwa 10 Minuten.
In drei Leseschritten zum Verständnis
Erster Leseschritt: Finde Verdichter, Verflüssiger, Expansionsorgan und Verdampfer.
Zweiter Leseschritt: Folge dem Kältemittelweg und markiere Hochdruck- und Niederdruckseite.
Dritter Leseschritt: Unterscheide Kältemittelleitungen, elektrische Steuerverbindungen, Messsignale und Sicherheitsfunktionen.
Vereinfachtes Schulungsschema K1
KÄLTEMITTELWEG – FUNKTIONSSCHEMA K1
[V1 Verdichter]
|
v
[C1 Verflüssiger]
|
v
[R1 Sammler]
|
v
[F1 Filtertrockner]
|
v
[SG1 Schauglas]
|
v
[Y1 Magnetventil]
|
v
[X1 Thermostatisches Expansionsventil]
|
v
[E1 Verdampfer]
|
+---- Saugleitung ----> [V1 Verdichter]
Vereinfachter Signalzusammenhang:
[Raumtemperaturfühler]
|
v
[Temperaturregler] ---> [Y1 Magnetventil]
[HD-Drucküberwachung] ---> [Schutzfunktion]
[ND-Drucküberwachung] ---> [Regel-/Schutzfunktion]
Hinweis: Dies ist ein didaktisches Funktionsschema, kein normgerechter Installationsplan. Die Bezeichnungen V1, C1 und weitere Kürzel sind nur für diesen Ausbildungsfall festgelegt. Tatsächliche Symbole, Signalrichtungen, Regelketten und Sicherheitsschaltungen können abweichen.
Druckschalter und Sicherheitseinrichtungen

Anschauungsbeispiel eines einstellbaren Druckschalters; kein Nachweis einer Eignung als Kälteanlagen-Sicherheitsschalter.
Ein Druckschalter reagiert auf einen Druckzustand. Seine konkrete Funktion ergibt sich aus der Planung: Ein Gerät kann betrieblich regeln, ein anderes eine Schutzfunktion erfüllen.
Entscheidend: Ein Sicherheitsdruckbegrenzer ist nicht einfach durch einen gewöhnlichen Betriebsdruckschalter austauschbar.
Anwendungsaufgabe: Markiere im Schulungsschema das Magnetventil und die Drucküberwachungen. Erkläre ihre unterschiedlichen Aufgaben.
Feedback: Das Magnetventil beeinflusst den Kältemittelstrom. Die Drucküberwachung erfasst einen Druckzustand und löst eine festgelegte Reaktion aus. Welche Reaktion zulässig ist, geht aus der konkreten Steuerungs- und Sicherheitsdokumentation hervor.
Lerneinheit 5: Überhitzung und Zustandsdiagramme verstehen
Dauer: etwa 10 Minuten.

Beispiel eines log-p-h-Diagramms für Propan R290. Die Zustandsänderungen zeigen den Kreisprozess. Es handelt sich nicht um Betriebsdaten des Ausbildungsfalls.

Weiteres p-h-Diagramm, hier beispielhaft für R134a. Kältemittelspezifische Zustandsdaten sind nicht austauschbar.
Was zeigen die Achsen?
Im Druck-Enthalpie-Diagramm steht der Druck auf der vertikalen Achse und die spezifische Enthalpie auf der horizontalen Achse.
| Prozess | Beobachtung |
|---|---|
| Verdichtung | Druck und Enthalpie steigen. |
| Verflüssigung | Wärme wird auf hohem Druckniveau abgegeben. |
| Drosselung | Der Druck sinkt; die spezifische Enthalpie bleibt bei idealisierter Drosselung näherungsweise konstant. |
| Verdampfung | Wärme wird auf niedrigem Druckniveau aufgenommen. |
Modellrechnung: Überhitzung
Die Überhitzung ist die Differenz zwischen der tatsächlichen Temperatur des Sauggases und seiner Sättigungstemperatur beim zugehörigen Druck.
Formel:
Überhitzung in K = Sauggastemperatur in °C − Sättigungstemperatur in °C.
Simulierte Daten:
| Größe | Wert |
|---|---|
| Aus dem Modell bereits bestimmte Sättigungstemperatur | −8 °C |
| Simulierte Temperatur des Sauggases am gleichen Bezugspunkt | 0 °C |
| Überhitzung | 8 K |
Feedback: 0 °C − (−8 °C) = 8 K. Eine Temperaturdifferenz in Kelvin hat denselben Zahlenwert wie die entsprechende Differenz in Grad Celsius.
Wichtig: Für eine echte Bestimmung müssen Kältemittel, Druckbezug, Sättigungseigenschaften, Messort und gegebenenfalls Temperaturgleit berücksichtigt werden. Ein einzelner Wert erlaubt noch keine sichere Fehlerdiagnose.
Lerneinheit 6: Ausbildungsfall Kühlraum K1
Dauer: etwa 15 Minuten.
Die Situation
Du bist in einem Ausbildungsbetrieb für Mechatronik für Kältetechnik. Ein gewerblicher Kühlraum erreicht seine Solltemperatur nicht.
Die Ausbildungskraft übergibt Dir ein vereinfachtes Schema, eine simulierte Meldung der Steuerung und eine Übungsdatentabelle.
Anlage K1: Vereinfachte Direktverdampfungsanlage mit gekennzeichnetem Kältemittel R290 (Propan). Alle Werte sind erfundene Schulungsdaten, keine Messwerte einer realen Anlage.
| Beobachtung | Schulungsdatum |
|---|---|
| Solltemperatur Kühlraum | +4 °C |
| Angezeigte Raumtemperatur | +9 °C |
| Verdichterstatus | Betrieb gemeldet |
| Verflüssigerlüfter | Betrieb gemeldet |
| Verdampferlüfter | Störmeldung |
| Kältemittel | R290 |
| Sättigungstemperatur im Modell | −8 °C |
| Sauggastemperatur im Modell | +6 °C |
Basisaufgabe B: Schema lesen
Auftrag: Markiere V1, C1, X1 und E1. Beschreibe für jedes Bauteil eine Funktion.
Gestufte Hilfen zur Basisaufgabe
Hilfe 1: Beginne beim Verdichter.
Hilfe 2: Folge dem Kältemittelweg bis zum Verflüssiger, dann zum Expansionsventil und zum Verdampfer.
Hilfe 3: Ordne die vier Begriffe Druckanhebung, Wärmeabgabe, Drosselung und Wärmeaufnahme zu.
Begründetes Feedback: V1 erhöht den Druck. C1 gibt Wärme ab. X1 bewirkt die Druckabsenkung und dosiert den Kältemittelstrom. E1 nimmt Wärme auf. Nur diese Kombination beschreibt den dargestellten einfachen Kompressionskreislauf vollständig.
Anwendungsaufgabe A: Modelldaten auswerten
Auftrag: Berechne die Überhitzung. Formuliere zwei fachlich begründete Erklärungsansätze für die erhöhte Raumtemperatur. Trenne Beobachtungen von Vermutungen.
Gestufte Hilfen zur Anwendungsaufgabe
Hilfe 1: Die Überhitzung ergibt sich aus einer Temperaturdifferenz.
Hilfe 2: Vergleiche die berechnete Überhitzung mit der Raumtemperaturmeldung. Suche nach einem zusätzlichen auffälligen Signal.
Hilfe 3: Ein gestörter Verdampferlüfter kann die Wärmeübertragung auf der Luftseite beeinträchtigen. Auch andere Ursachen sind möglich. Ein einzelner Überhitzungswert beweist keinen bestimmten Defekt.
Musterlösung: +6 °C − (−8 °C) = 14 K. Der angezeigte Kühlraum ist wärmer als der Sollwert. Die Lüfterstörmeldung ist ein wichtiger Hinweis auf eine mögliche Beeinträchtigung der Wärmeübertragung. Ebenso könnte ein Problem im Kältemittel- oder Regelkreis vorliegen. Die Daten reichen nicht aus, um eine eindeutige Ursache oder einen Sollwert für die Überhitzung festzulegen.
Begründetes Feedback: Eine gute Auswertung verbindet Schaltbild, Temperaturverlauf und Steuerungsstatus. Die Zahl 14 K ist ohne Anlagen- und Betriebsbedingungen kein eindeutiger Fehlerbeweis. Weitere Prüfungen werden ausschließlich durch entsprechend befugte Fachkräfte geplant.
Transferaufgabe T: Sichere Serviceentscheidung
Auftrag: Erstelle einen kurzen schriftlichen Servicebericht mit den Rubriken Beobachtung, mögliche Zusammenhänge, Sicherheitsrisiken und Übergabe an die Fachkraft.
Gestufte Hilfen zur Transferaufgabe
Hilfe 1: Welche Angaben stammen unmittelbar aus der Modellmeldung?
Hilfe 2: Welche Schlussfolgerungen sind nur Hypothesen?
Hilfe 3: R290 ist brennbar. Deshalb sind Verdachtsmomente auf Kältemittelaustritt oder unsicheren Anlagenzustand nicht durch eigenständige Eingriffe zu überprüfen.
Musterbericht:
„Bei Kühlraum K1 liegt die angezeigte Raumtemperatur bei +9 °C gegenüber einem Sollwert von +4 °C. Die Steuerung meldet eine Störung des Verdampferlüfters. Die aus den Modellwerten berechnete Überhitzung beträgt 14 K. Eine Beeinträchtigung der Wärmeübertragung ist möglich, jedoch nicht nachgewiesen. Wegen des Kältemittels R290 dürfen keine unbefugten Eingriffe erfolgen. Die Anlagenunterlagen und Beobachtungen werden an die verantwortliche Fachkraft übergeben.“
Begründetes Feedback: Die Lösung ist fachlich überzeugend, weil sie Beobachtungen, Rechenergebnis und Vermutungen sauber trennt. Außerdem vermeidet sie gefährliche Sofortmaßnahmen und berücksichtigt das Kältemittelrisiko.
Sicherheitsmodul: Kältemittel, Druck und Fachkunde
Dieses Modul ist vor jeder Praxisübertragung verbindlich zu behandeln.
Kältemittelrisiken gesondert prüfen
| Kältemittel | Wesentliches Risiko | Konsequenz für die Ausbildung |
|---|---|---|
| Propan R290 | Hohe Brennbarkeit; Brand- und Explosionsgefahr bei geeigneten Freisetzungs- und Zündbedingungen | Ausschließlich Papier-, Bild- und Simulationsaufgaben ohne Eingriff |
| Kohlenstoffdioxid R744 | Hohe Betriebsdrücke; gefährliche Konzentrationen bei Freisetzung und Erstickungsgefahr | Keine Druckarbeiten; druckfeste Auslegung und Gefährdungsbeurteilung beachten |
| Ammoniak R717 | Giftigkeit, Reizwirkung und begrenzte Brennbarkeit | Keine eigenständigen Tätigkeiten; besondere Sicherheitsorganisation |
| Fluorierte Kältemittel | Stoffabhängige Brennbarkeit, Druck-, Gesundheits- und Umweltrisiken | Konkretes Sicherheitsdatenblatt und rechtliche Vorgaben prüfen |
Sicherheitsgrundsatz: Die Kältemittelbezeichnung, die Gefährdungsbeurteilung, das Sicherheitsdatenblatt und die Anlagenunterlagen müssen bekannt sein. Eine Stoffgruppe allein reicht für eine vollständige Risikobewertung nicht aus.
Brand- und Explosionsgefahr
R290 gehört zu den hochentzündlichen Kältemitteln der Sicherheitsgruppe A3. Schon bei einem Verdacht auf einen gefährlichen Austritt gelten die betriebliche Notfallplanung und die Anweisungen der verantwortlichen Personen.
Du vermeidest jede unbefugte Betätigung, jeden Eingriff und mögliche Zündquellen. Warnungen, Alarmierungen und gegebenenfalls das Verlassen des Gefahrenbereichs erfolgen nach den geltenden Sicherheitsanweisungen.
Nicht Bestandteil dieses Kurses: Arbeiten mit offenen Rohrleitungen, Kältemittelentnahme, Befüllung, Löten, Lecksuche am realen System, Einstellen von Sicherheitsorganen oder Druckprüfungen.
Druck- und Temperaturrisiken
Kälteanlagen enthalten druckbeaufschlagte Bauteile. Je nach Kältemittel und Betriebszustand können erhebliche Drücke und extreme Temperaturen auftreten.
Eine stillstehende Anlage ist nicht automatisch drucklos. Bei R744 sind besonders hohe Druckniveaus möglich.
Lernregel: Du leitest aus einem Schema niemals die Erlaubnis ab, eine Verbindung zu öffnen oder einen Schutzmechanismus außer Kraft zu setzen.
Sachkunde und Vorschriften: geprüfter Rechtsstand Oktober 2026
Europäische Union: Die Verordnung (EU) 2024/573 über fluorierte Treibhausgase gilt seit dem 11. März 2024. Ihre Zertifizierungsbestimmungen beziehen ausdrücklich auch bestimmte Tätigkeiten mit alternativen Kältemitteln ein.
Die Durchführungsverordnung (EU) 2024/2215 legt unter anderem Anforderungen an die Zertifizierung für Tätigkeiten an bestimmten Kälte-, Klima- und Wärmepumpeneinrichtungen fest.
Deutschland: Die neue Chemikalien-Klimaschutzverordnung vom 14. April 2026 trat am 17. April 2026 in Kraft. Sie konkretisiert Sachkunde, Unternehmenszertifizierung, Auffrischung und Betreiberpflichten.
§ 5 enthält Anforderungen an Personen, die zertifizierungspflichtige Tätigkeiten ausüben. Für neue Sachkundenachweise sind Auffrischungen grundsätzlich spätestens nach sieben Jahren relevant. § 17 enthält Übergangsregeln, unter anderem für bestimmte ältere Nachweise bis zum 12. März 2029.
Wichtig: Eine Berufsausbildung allein ist keine pauschale Erlaubnis für sämtliche Tätigkeiten an allen Kältemitteln und Anlagentypen. Die konkret erforderlichen Nachweise, Tätigkeitsumfänge und Übergangsregelungen sind im Einzelfall zu prüfen.
Maßgebliche Quellen:
- Verordnung (EU) 2024/573
- Durchführungsverordnung (EU) 2024/2215
- Chemikalien-Klimaschutzverordnung 2026
- ChemKlimaschutzV § 5 – Persönliche Voraussetzungen
- ChemKlimaschutzV § 17 – Übergangsvorschriften
- Umweltbundesamt – FAQ zur F-Gas-Verordnung
Die aktuelle Fassung der Vorschriften, einschlägige Druckgeräte- und Arbeitsschutzanforderungen, Herstellerangaben und die für die konkrete Anlage maßgeblichen technischen Regeln sind vor praktischen Tätigkeiten erneut zu prüfen. Die Normenreihe DIN EN 378 ist ein wichtiger technischer Bezugsrahmen; ihre konkrete Ausgabe und Anwendung sind gesondert zu ermitteln.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welches Bauteil erhöht im einfachen Kompressionskältekreislauf den Druck des Kältemitteldampfes? (Verdichter) (!Verdampfer) (!Filtertrockner) (!Schauglas)
Wo nimmt das Kältemittel im normalen Kälteprozess Wärme aus dem Kühlraum auf? (Im Verdampfer) (!Im Verflüssiger) (!Im Flüssigkeitssammler) (!Im Druckschalter)
Was ist die Hauptaufgabe des Verflüssigers? (Wärme an die Umgebung abgeben) (!Den Verdampferdruck erhöhen) (!Den Kältemittelfluss elektrisch sperren) (!Den Druckschalter ersetzen)
Welches Bauteil bewirkt im einfachen Kreislauf die Druckabsenkung vor dem Verdampfer? (Drosselorgan) (!Verdichter) (!Schauglas) (!Saugleitung)
Welche Aufgabe hat ein thermostatisches Expansionsventil? (Den Kältemittelstrom anhand der Überhitzung regeln) (!Den Raumtemperaturfühler ersetzen) (!Den Verdichter elektrisch antreiben) (!Den Verflüssiger belüften)
Wo befindet sich beim einfachen Kreislauf die Saugleitung? (Zwischen Verdampferausgang und Verdichtereintritt) (!Zwischen Verdichterausgang und Verflüssigereintritt) (!Zwischen Verflüssiger und Sammler) (!Zwischen Sammler und Schauglas)
Was gilt für Blasen in einem Kältemittelschauglas? (Sie beweisen allein keinen Kältemittelmangel) (!Sie beweisen immer ein Leck) (!Sie zeigen immer einen Verdichterschaden) (!Sie machen jede weitere Prüfung überflüssig)
Welches Risiko steht bei R290 besonders im Vordergrund? (Hohe Brennbarkeit) (!Radioaktive Strahlung) (!Bildung von Sauerstoff) (!Fehlende Druckbelastung)
Welche Aussage zur berechneten Überhitzung ist korrekt? (Ein einzelner Wert erlaubt noch keine eindeutige Fehlerdiagnose) (!Jeder hohe Wert beweist einen Kältemittelmangel) (!Der Wert ersetzt die Anlagenunterlagen) (!Die Überhitzung entspricht immer der Raumtemperatur)
Was ist bei einer unklaren Störmeldung an einer gewerblichen Kälteanlage die richtige Ausbildungsentscheidung? (Beobachtungen dokumentieren und an die verantwortliche Fachkraft übergeben) (!Sicherheitsschalter überbrücken) (!Kältemittel eigenständig nachfüllen) (!Den Kältekreis ohne Freigabe öffnen)
Memory
Ordne den Fachbegriffen die passenden Funktionen zu.
| Verdichter | Druckanhebung |
| Verdampfer | Wärmeaufnahme |
| Verflüssiger | Wärmeabgabe |
| Expansionsorgan | Druckabsenkung |
| Magnetventil | Elektrische Durchflussfreigabe |
| Filtertrockner | Feuchtigkeitsbindung |
| Schauglas | Sichtkontrolle |
| Druckschalter | Druckabhängiger Schaltkontakt |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Funktion |
|---|---|
| Saugleitung | Verbindung zum Verdichtereintritt |
| Druckgasleitung | Verbindung vom Verdichteraustritt |
| Überhitzung | Temperaturdifferenz gegenüber dem Sättigungszustand |
| Raumtemperaturregler | Temperaturabhängige Steuerungsentscheidung |
| Sicherheitsdruckbegrenzer | Druckabhängige Schutzabschaltung |
Kreuzworträtsel
| Verdichter | Welches Bauteil erhöht den Druck des Kältemitteldampfes? |
| Verdampfer | In welchem Bauteil nimmt das Kältemittel Wärme auf? |
| Sammler | Welcher Behälter kann flüssiges Kältemittel bevorraten? |
| Schauglas | Welches Bauteil ermöglicht die Sichtkontrolle in einer Leitung? |
| Druckschalter | Welches Bauteil betätigt einen Kontakt abhängig vom Druck? |
| Saugleitung | Wie heißt die Leitung zum Verdichtereintritt? |
LearningApps
Die Suche zeigt gegebenenfalls vorhandene LearningApps. Die fachliche Richtigkeit einzelner fremder Lernspiele ist vor ihrem Einsatz zu prüfen.
Lückentext
Offene Aufgaben
Arbeitsregel: Alle Aufgaben verwenden Bilder, Schaltbildkopien, freigegebene Unterlagen oder simulierte Daten. Es sind keine eigenständigen Arbeiten an realen Kältekreisen vorgesehen.
Leicht
- Bauteilposter: Erstelle ein A3-Poster mit Verdichter, Verflüssiger, Expansionsventil und Verdampfer. Beschrifte die Funktionen.
- Bildanalyse: Markiere auf einem freigegebenen Bauteilbild den Verdichter und beschreibe zwei Erkennungsmerkmale.
- Begriffskarten: Gestalte acht Lernkarten mit Fachbegriffen und kurzen Erklärungen.
- Sicherheitsplakat: Entwirf ein Plakat mit fünf Regeln für Lernende beim Umgang mit Kälteanlagenschemata und Störungsmeldungen.
Standard
- Plananalyse: Markiere im Schulungsschema K1 Hochdruck- und Niederdruckseite sowie die vier Hauptbauteile.
- Vergleichszeichnung: Zeichne das Wirkprinzip eines thermostatischen und eines elektronischen Expansionsventils. Erkläre zwei Unterschiede.
- Rechenblatt: Erstelle drei eigene, eindeutig als fiktiv gekennzeichnete Datensätze und berechne die Überhitzung.
- Serviceprotokoll: Formuliere aus den simulierten Fallinformationen einen Bericht, der Beobachtung, Hypothese und Sicherheitsentscheidung trennt.
Schwer
- Zustandsanalyse: Erkläre anhand eines vorhandenen p-h-Diagramms, welche Prozessabschnitte Wärme aufnehmen, Wärme abgeben und Antriebsenergie benötigen.
- Steuerungsvergleich: Untersuche an zwei Dokumentationsbeispielen, wie Raumtemperaturregelung und Expansionsregelung unterschiedliche Aufgaben erfüllen.
- Diagnosekonferenz: Entwickle zu einer simulierten Störungsmeldung drei plausible Erklärungen. Begründe, warum die Informationen noch keine eindeutige Diagnose ermöglichen.
- Sicherheitsvergleich: Erstelle ein fachlich belegtes Informationsposter für R290, R744 und R717. Unterscheide Brennbarkeit, Druckrisiken, Gesundheitsgefahren und erforderliche Qualifikation.


Lernkontrolle
Bearbeite mindestens fünf der folgenden Transferaufgaben.
- Systemverständnis: Erkläre, warum Verdichter, Verflüssiger, Drosselorgan und Verdampfer für den einfachen Kompressionsprozess zusammenwirken müssen.
- Funktionsvergleich: Ein Plan enthält Temperaturregler, Magnetventil und TEV. Erläutere, welche drei unterschiedlichen Aufgaben diese Komponenten erfüllen.
- Fehlerfolgen: Im simulierten Kühlraum steht eine Verdampferlüfterstörung an. Entwickle eine mögliche Wirkungskette zur unzureichenden Kühlleistung und benenne die Unsicherheiten.
- Datenbewertung: Ein Modell weist eine stark erhöhte Überhitzung aus. Begründe, welche zusätzlichen Kontextinformationen für eine belastbare Auswertung fehlen.
- Schutzkonzept: Begründe, warum ein Sicherheitsdruckbegrenzer nicht durch eine beliebige Temperaturregelung ersetzt werden kann.
- Risikotransfer: Vergleiche einen Ausbildungsfall mit R290 mit einem Fall mit R744. Erkläre, weshalb das Kältemittel die Sicherheitsbewertung beeinflusst.
Bewertungskriterien: Fachlich richtige Zusammenhänge, nachvollziehbare Begründungen, Verwendung der Schemaangaben, Kennzeichnung von Unsicherheit und Einhaltung der Sicherheitsgrenzen.
Lernnachweis
Für einen erfolgreichen Lernnachweis legst Du eine kleine Dokumentationsmappe vor.
- Bauteilübersicht: Die vier Hauptbauteile sind im Kälteanlagenschema korrekt markiert.
- Prozessbeschreibung: Hochdruckseite, Niederdruckseite, Wärmeaufnahme und Wärmeabgabe sind richtig erläutert.
- Regelorgane: Der Unterschied zwischen Expansionsventil, Magnetventil und Drucküberwachung ist verständlich erklärt.
- Modellrechnung: Die Überhitzung ist mit Formel, Rechenweg und Einheit berechnet.
- Ausbildungsfall: Die Kühlraumstörung wurde anhand der vorliegenden Daten ausgewertet.
- Sicherheitsnachweis: Brennbarkeit, Druckgefahren, Kältemittelkennzeichnung und Tätigkeitsgrenzen sind berücksichtigt.
- Quellenarbeit: Verwendete Fachinformationen und Abbildungen sind nachvollziehbar belegt.
Mögliche Leistungsstufen:
| Niveau | Nachweis |
|---|---|
| Basis | Du erkennst die Bauteile und erklärst den einfachen Kreislauf. |
| Anwendung | Du wertest ein Schema mit Regelsignalen und simulierten Zustandsdaten aus. |
| Transfer | Du erstellst eine begründete, sicherheitsorientierte Dokumentation zu einem neuen Ausbildungsfall. |
OERs zum Thema
Wikipedia: Kompressionskältemaschine
Weitere frei zugängliche Fachinformationen:
- Umweltbundesamt – Natürliche Kältemittel
- Umweltbundesamt – R744
- Umweltbundesamt – R717
- Danfoss Learning – Herstellerfachkurse
- Danfoss – Funktionsanimationen zu Regelorganen
Frei zugängliche Herstellerinformationen sind nicht automatisch Open Educational Resources. Danfoss-Material und YouTube-Videos bleiben urheberrechtlich geschützt und werden hier ausschließlich verlinkt beziehungsweise über den jeweiligen Videodienst eingebunden.
Mediennachweise und Rechte
Die folgenden Bilddateien wurden über ihre Wikimedia-Commons-Dateiseiten geprüft. Es gelten jeweils die dort dokumentierten Lizenzbedingungen, insbesondere Namensnennung und gegebenenfalls Weitergabe unter gleichen Bedingungen.
| Medium | Urheber | Lizenz |
|---|---|---|
| Kreislaufschema | Kaboldy | CC BY-SA 3.0 |
| Verflüssigungssatz | AnyNameWillExpire | CC BY-SA 4.0 |
| Verdichterfoto | Ente75 | CC0 1.0 |
| Industrielle Verflüssiger | Endora6398 | CC BY-SA 4.0 |
| Verdampferfoto | Echoray | CC BY-SA 3.0 |
| TEV-Funktionszeichnung | MasterTriangle12 | CC BY-SA 4.0 |
| TEV-Bauteilabbildung | Neurotronix | CC BY-SA 4.0 |
| Ventilsymbol | KoenB | Public Domain |
| Feuchteindikator | Andrew.wittkamper | CC BY-SA 3.0 |
| Magnetventilschnitt | SimonOrJ, nach Alfonso Gonzalez | Public Domain |
| Druckschalter | Sarah Adrita | Creative Commons BY-SA |
| Log-p-h-Diagramm | TLK Energy GmbH | CC BY-SA 4.0 |
| P-h-Diagramm | Shoji Yamauchi | CC BY-SA 4.0 |
Medienprüfung: Die technischen Grundprinzipien der eingebundenen Prozesse wurden mit den angegebenen Herstellerinformationen und der Fachliteratur zum Kompressionskälteprozess abgeglichen. Beispielmedien ersetzen keine anlagenspezifischen Pläne, Geräteunterlagen oder Sicherheitsfreigaben. Änderungen an den Dateien wurden für diesen Kurs nicht vorgenommen.
Prüfstand: 11. Oktober 2026. Externe Links, Verfügbarkeit, Lizenzen und rechtliche Anforderungen sind vor einer erneuten Verwendung zu kontrollieren.
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