Gefahrstoffe erkennen und kennzeichnen - Handwerk


Gefahrstoffe erkennen und kennzeichnen - Handwerk
Gefahrstoffe erkennen und kennzeichnen - Handwerk
Einleitung
Gefahrstoffe begegnen Dir in fast jedem Handwerk: als Lack, Klebstoff, Reiniger, Kraftstoff, Gas, Staub, Rauch oder Dampf. Manche sind sofort am Etikett erkennbar. Andere entstehen erst bei der Arbeit, zum Beispiel Holzstaub, Quarzstaub oder Schweißrauch.
Dein Ziel: Du erkennst Gefahrstoffe, liest Kennzeichnungen richtig und handelst nach Sicherheitsdatenblatt, Betriebsanweisung und betrieblicher Gefährdungsbeurteilung.
Wo Gefahrstoffe im Handwerk vorkommen
| Arbeitsbereich | Typische Gefahrstoffe |
|---|---|
| Maler- und Lackierarbeiten | Lacke, Lösemittel, Verdünner, Abbeizer |
| Bau und Ausbau | Zement, Quarzstaub, PU-Produkte, Altbaustoffe |
| Holzhandwerk | Holzstaub, Lacke, Beizen, Klebstoffe |
| Metallhandwerk | Schweißrauch, Kühlschmierstoffe, Reinigungsmittel, Gase |
| Kfz-Handwerk | Kraftstoffe, Bremsenreiniger, Öle, Batteriesäure |
| Reinigung und Gebäudetechnik | Säuren, Laugen, Desinfektions- und Reinigungsmittel |

Wichtig: Auch ein Stoff ohne sichtbares Etikett kann gefährlich sein. Stäube, Rauche und Dämpfe entstehen häufig erst während des Arbeitsprozesses.
Gefahrstoffe sicher erkennen
Prüfe in dieser Reihenfolge:
- Etikett ansehen: Produktname, Piktogramme, Signalwort sowie Gefahren- und Sicherheitshinweise lesen.
- Sicherheitsdatenblatt prüfen: Besonders wichtig sind die Abschnitte zu Gefahren, Erster Hilfe, Handhabung, Lagerung und persönlicher Schutzausrüstung.
- Betriebsanweisung beachten: Sie überträgt die allgemeinen Angaben auf Deinen Arbeitsplatz.
- Gefahrstoffverzeichnis nutzen: Dort werden die im Betrieb eingesetzten Gefahrstoffe erfasst.
- Arbeitsverfahren beurteilen: Beim Schleifen, Sägen, Bohren oder Schweißen können neue Gefahrstoffe entstehen.
Die Kennzeichnung nach GHS und CLP
Die CLP-Verordnung nutzt neun einheitliche Gefahrenpiktogramme. Ein Piktogramm zeigt die Art einer Gefahr. Die genaue Gefährdung steht in den H-Hinweisen.
Beispiele können je nach Produkt abweichen. Entscheidend sind immer das konkrete Etikett und das Sicherheitsdatenblatt.
Elemente eines Gefahrstoffetiketts
Ein vollständiges Etikett kann folgende Angaben enthalten:
- Produktidentifikator: Name des Stoffes oder Gemisches
- Gefahrenpiktogramme: Bildzeichen für die Gefahrenart
- Signalwort: „Gefahr“ für schwerwiegendere oder „Achtung“ für weniger schwerwiegende Kategorien
- H-Hinweise: Beschreiben die Gefahr
- P-Hinweise: Beschreiben Schutz, Verhalten und Entsorgung
- EUH-Hinweise: Ergänzende europäische Gefahrenhinweise
- Lieferantenangaben: Name, Anschrift und Kontaktdaten
Merksatz: Piktogramm erkennen – Signalwort beachten – H-Hinweise verstehen – P-Hinweise umsetzen.
H-Sätze, P-Sätze und EUH-Sätze
H steht für Hazard und bezeichnet einen Gefahrenhinweis. P steht für Precautionary Statement und bezeichnet einen Sicherheitshinweis. EUH kennzeichnet ergänzende Gefahrenhinweise der Europäischen Union.
Beispiel: Ein Produkt kann als entzündbar gekennzeichnet sein und zusätzlich den Hinweis tragen, es von Hitze, Funken und offenen Flammen fernzuhalten.
Umfüllen und innerbetriebliche Kennzeichnung
- Fülle Gefahrstoffe nur in geeignete und beständige Behälter.
- Verwende niemals Getränkeflaschen, Lebensmittelbehälter oder unbeschriftete Gefäße.
- Entferne oder überklebe die Originalkennzeichnung nicht.
- Kennzeichne innerbetriebliche Behälter eindeutig nach der betrieblichen Regelung.
- Halte den Behälter geschlossen, wenn Du ihn nicht unmittelbar benutzt.
- Frage die verantwortliche Fachkraft, wenn Angaben fehlen oder widersprüchlich sind.
Unbekannter Inhalt bedeutet: nicht öffnen, nicht riechen, nicht probieren und nicht weiterverwenden.
Sicherheitsdatenblatt und Betriebsanweisung
Das Sicherheitsdatenblatt liefert ausführliche Produktinformationen. Die Betriebsanweisung beschreibt die Regeln für den konkreten Arbeitsplatz.
| Dokument | Wofür Du es nutzt |
|---|---|
| Sicherheitsdatenblatt | Gefahren, Erste Hilfe, Brandbekämpfung, Lagerung, Schutzmaßnahmen und Entsorgung |
| Betriebsanweisung | Arbeitsablauf, Verhalten, Schutzausrüstung und Notfallmaßnahmen im Betrieb |
| Gefahrstoffverzeichnis | Überblick über vorhandene Gefahrstoffe und ihre Einsatzbereiche |
Vor Beginn der Tätigkeit musst Du unterwiesen sein. Bei Unklarheiten unterbrichst Du die Arbeit und fragst nach.
Schutzmaßnahmen nach dem STOP-Prinzip
Das STOP-Prinzip legt die Rangfolge der Schutzmaßnahmen fest:
| Stufe | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| S | Substitution | Gefährlichen Reiniger durch ein weniger gefährliches Produkt ersetzen |
| T | Technische Maßnahmen | Absaugung, geschlossene Anlage oder wirksame Lüftung einsetzen |
| O | Organisatorische Maßnahmen | Zugang begrenzen, Mengen reduzieren, Arbeitszeiten festlegen |
| P | Persönliche Maßnahmen | Geeignete Schutzbrille, Handschuhe oder Atemschutz tragen |

Persönliche Schutzausrüstung ist wichtig, steht aber in der Rangfolge hinter Ersatzstoffen sowie technischen und organisatorischen Maßnahmen.
Besondere Gefahren bei Staub, Rauch und Altbaustoffen
Beim Sägen, Schleifen, Bohren und Schweißen können Gefahrstoffe entstehen, obwohl kein gekennzeichneter Behälter vorhanden ist.
- Holzstaub kann Atemwege belasten und je nach Holzart schwere Langzeitwirkungen verursachen.
- Quarzstaub kann beim Bearbeiten mineralischer Baustoffe entstehen.
- Schweißrauch enthält sehr feine Partikel und Gase.
- Asbest kann in älteren Bauprodukten enthalten sein.
Bei Asbestverdacht gilt: Arbeit stoppen, Bereich sichern und sofort die verantwortliche Person informieren. Bearbeite verdächtige Materialien niemals eigenmächtig.

Lagern und Bereitstellen
- Lagere Gefahrstoffe nur in vorgesehenen Bereichen und geeigneten Schränken.
- Halte unverträgliche Stoffe getrennt.
- Bewahre Gefahrstoffe nicht neben Lebensmitteln, Getränken oder Arzneimitteln auf.
- Begrenze die Menge am Arbeitsplatz auf den notwendigen Bedarf.
- Sichere Gasflaschen gegen Umfallen und schütze sie vor Hitze.
- Halte Auffangmöglichkeiten und Notfallmittel bereit, wenn die Betriebsanweisung dies verlangt.

Verhalten bei Leckage, Kontakt oder Brand
- Arbeit sofort stoppen.
- Andere Personen warnen und den Bereich sichern.
- Vorgesetzte oder zuständige Fachkraft informieren.
- Betriebsanweisung und Notfallplan befolgen.
- Erste Hilfe nach den betrieblichen Vorgaben leisten.
- Bei ernster Gefahr den Notruf 112 absetzen.
- Verschüttete Stoffe nur mit geeigneter Ausbildung und Ausrüstung aufnehmen.
Improvisiere nicht. Wasser, Bindemittel oder Löschmittel können bei manchen Stoffen ungeeignet oder gefährlich sein.
Gefahrstoff und Gefahrgut unterscheiden
Gefahrstoff beschreibt Gefahren bei Tätigkeiten und am Arbeitsplatz. Gefahrgut betrifft vor allem den Transport. GHS-Piktogramme auf Produkten und Gefahrzettel auf Transportverpackungen können ähnlich aussehen, erfüllen aber unterschiedliche Aufgaben.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welche Information zeigt ein GHS-Piktogramm hauptsächlich? (Die Art der Gefahr) (!Den Verkaufspreis) (!Das Herstellungsdatum) (!Die Füllmenge)
Welches Dokument enthält ausführliche Angaben zu Gefahren und Schutzmaßnahmen eines Produkts? (Das Sicherheitsdatenblatt) (!Der Lieferschein) (!Die Rechnung) (!Der Ausbildungsnachweis)
Was bedeutet das Signalwort Gefahr? (Es kennzeichnet schwerwiegendere Gefahrenkategorien) (!Das Produkt ist ungefährlich) (!Das Produkt darf offen gelagert werden) (!Es ist nur für den Transport wichtig)
Wofür steht der Buchstabe H bei H-Hinweisen? (Für Gefahrenhinweise) (!Für Herstellerpreise) (!Für Haltbarkeitsdaten) (!Für Handwerkskammern)
Wofür steht der Buchstabe P bei P-Hinweisen? (Für Sicherheitshinweise) (!Für Produktwerbung) (!Für Personalnummern) (!Für Prüfzeugnisse)
Was ist beim Umfüllen eines Gefahrstoffs richtig? (Einen geeigneten und eindeutig gekennzeichneten Behälter verwenden) (!Eine Getränkeflasche verwenden) (!Das Etikett vollständig entfernen) (!Den Inhalt durch Riechen prüfen)
Welche Maßnahme steht im STOP-Prinzip zuerst? (Substitution) (!Persönliche Schutzausrüstung) (!Überstunden) (!Produktwerbung)
Was tust Du bei einem unbekannten Stoff in einem unbeschrifteten Behälter? (Arbeit stoppen und die verantwortliche Person informieren) (!Den Stoff probieren) (!Den Stoff in den Ausguss schütten) (!Den Behälter offen stehen lassen)
Warum kann auch Schleifstaub ein Gefahrstoff sein? (Weil Gefahrstoffe bei Arbeitsprozessen entstehen können) (!Weil jeder Staub explosiv ist) (!Weil Staub immer sichtbar bleibt) (!Weil nur Behälter gefährlich sind)
Was ist bei Asbestverdacht richtig? (Arbeit stoppen und den Bereich sichern) (!Material trocken abbürsten) (!Mit Druckluft reinigen) (!Eine Probe ohne Auftrag entnehmen)
Memory
| GHS02 | Entzündbar |
| GHS05 | Ätzend |
| GHS08 | Langfristige Gesundheitsgefahr |
| Sicherheitsdatenblatt | Stoffinformationen |
| Betriebsanweisung | Betriebsregeln |
| H-Satz | Gefahrenhinweis |
| P-Satz | Sicherheitshinweis |
| STOP-Prinzip | Schutzrangfolge |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Produktidentifikator | Stoff oder Gemisch |
| Signalwort | Schwere der Gefahr |
| Gefahrenpiktogramm | Art der Gefahr |
| H-Hinweis | Gefährdungsbeschreibung |
| P-Hinweis | Schutzmaßnahme |
Kreuzworträtsel
| Gefahrstoff | Wie heißt ein Stoff oder Gemisch mit gefährlichen Eigenschaften? |
| Etikett | Wo findest Du die Kennzeichnung direkt am Gebinde? |
| Signalwort | Wie heißt das Wort Gefahr oder Achtung auf der Kennzeichnung? |
| Absaugung | Welche technische Maßnahme erfasst Staub oder Rauch an der Entstehungsstelle? |
| Unterweisung | Wie heißt die betriebliche Information vor einer gefährlichen Tätigkeit? |
| Substitution | Wie heißt der Ersatz eines Gefahrstoffs durch eine weniger gefährliche Alternative? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Gefahrstoffsuche: Suche in Deiner Werkstatt drei gekennzeichnete Produkte und notiere Piktogramm, Signalwort und einen H-Hinweis.
- Piktogrammkarte: Gestalte eine Lernkarte zu einem GHS-Piktogramm mit einem handwerklichen Beispiel.
- Etikettencheck: Prüfe ein ungefährliches Übungsgebinde auf Produktname, Signalwort, H-Hinweise und P-Hinweise.
- STOP-Merksatz: Formuliere einen eigenen Merksatz für die vier Stufen des STOP-Prinzips.
Standard
- Sicherheitsdatenblatt analysieren: Untersuche ein betrieblich freigegebenes Sicherheitsdatenblatt und markiere die wichtigsten Abschnitte.
- Betriebsanweisung erklären: Erstelle ein kurzes Erklärvideo zu Aufbau und Zweck einer Betriebsanweisung.
- Werkstattplan: Zeichne einen Plan mit Lagerort, Augenspülmöglichkeit, Notausgang und Gefahrstoffbereich.
- Umfüllfehler erkennen: Fotografiere oder zeichne fünf sichere und unsichere Umfüllsituationen und begründe Deine Bewertung.
Schwer
- Gefährdungsbeurteilung: Entwickle für eine typische Tätigkeit eine vereinfachte Gefährdungsbeurteilung mit Gefahren, Exposition und Schutzmaßnahmen.
- Substitutionsprüfung: Vergleiche zwei Produkte für denselben Arbeitszweck und begründe, welches weniger gefährlich ist.
- Unterweisung planen: Erstelle eine zehnminütige Unterweisung für neue Auszubildende mit Praxisbeispiel und Lernkontrolle.
- Notfallszenario: Plane eine Übung für eine verschüttete Chemikalie, ohne einen realen Gefahrstoff zu verwenden.


Lernkontrolle
- Etikett bewerten: Analysiere ein Musteretikett und leite daraus geeignete technische, organisatorische und persönliche Schutzmaßnahmen ab.
- Arbeitsverfahren vergleichen: Vergleiche Schleifen mit und ohne Absaugung und erkläre die Wirkung auf die Exposition.
- Umfüllsituation beurteilen: Bewerte ein Szenario mit einem unbeschrifteten Behälter und entwickle einen sicheren Handlungsablauf.
- STOP-Prinzip anwenden: Entwickle für einen lösemittelhaltigen Reiniger je eine mögliche Maßnahme auf allen vier STOP-Stufen.
- Dokumente verknüpfen: Erkläre, wie Sicherheitsdatenblatt, Gefahrstoffverzeichnis, Gefährdungsbeurteilung und Betriebsanweisung zusammenwirken.
- Störfall übertragen: Formuliere für eine Leckage einen Ablauf, der Warnung, Absicherung, Meldung und Erste Hilfe verbindet.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis solltest Du zeigen, dass Du:
- Gefahrstoffe an Etikett, Dokumenten und Arbeitsverfahren erkennst.
- die neun GHS-Piktogramme sicher zuordnest.
- Signalwort, H-Hinweise, P-Hinweise und EUH-Hinweise unterscheidest.
- Sicherheitsdatenblatt und Betriebsanweisung zielgerichtet nutzt.
- innerbetriebliche Behälter sicher beurteilst.
- das STOP-Prinzip auf handwerkliche Tätigkeiten anwendest.
- bei unbekannten Stoffen, Leckagen und Asbestverdacht richtig reagierst.
- Deine Entscheidungen fachlich begründest.
OERs zum Thema
- BAuA: Gefahrenpiktogramme und Signalwörter
- Gefahrstoffverordnung
- TRGS 201: Einstufung und Kennzeichnung bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen
- TRGS 555: Betriebsanweisung und Information der Beschäftigten
- TRGS 510: Lagerung von Gefahrstoffen
Verknüpfte Lernbereiche
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