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Gedicht - 29. August 1818 - Brentano, Clemens

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Originalwerk · Lesefassung

29. August 1818

Brentano, Clemens

»Ach wär' ich doch der Welt schon los!« · 60 Verse. Mit Quell- und Lesefassung, zitiergestütztem Lesequiz und offenen Schreibaufgaben.

GedichtKlasse 9–10 · 11–131 Abschnitte
Porträt von Brentano, Clemens; Kontextbild zur Autorin oder zum Autor, keine Szene aus dem Buch.
Porträt · Brentano, Clemens · Urheber nicht angegeben; Reproduktion in Meyers Konversationslexikon (1906) · Public domain Bildquelle ↗
Hinweise für den Unterricht
  • Historische Sprache und Wertvorstellungen im Unterricht kritisch einordnen. Die Stufenzuordnung ist eine Orientierung; Auswahl und Begleitung richten sich nach der Lerngruppe.

Behutsam angepasste Schreibweise nach einer begrenzten Wortliste. Mehrdeutige Formen, erfasste Namen, Sprechernamen, Bühnenanweisungen, Überschriften und Anmerkungen bleiben unverändert. Keine vollständige redaktionelle Überarbeitung nach heutiger Rechtschreibung. Für wortgetreue Quellenzitate die Quellfassung wählen.

Abschnitt 1 von 1

29. August 1818

1
29. August 1818
2
»Ach wär' ich doch der Welt schon los!«
3
»Was haben Sie denn nun schon wieder?«
4
»Ich sage, wird die Last zu groß,
5
So seufzt der Träger und es zieht ihn nieder.
6
Was ich heut sah, fällt mir da ein,
7
Kaum konnte ich des Weinens mich erwehren,
8
Am Markte saß auf einem Stein
9
Ein altes bleiches Weib in bittern Zähren.
10
Sie hatte bei den Bauren sich
11
Ein bisschen Grüns und Rüben beigeschnurret
12
Es sah kein Mensch sie an, als ich
13
Sie weinte still vor sich, hat nicht gemurret.«
14
»Warum gabst du nicht alles Ihr,
15
Gott giebt's mir wieder, gern bin ich dein Leiher,«
16
»Ich hatte selbst nicht viel bei mir,
17
Ich gab ihr, was ich hatte hin, sechs Dreier.
18
Als ich am Knoten zerren musst'
19
In den das Geld im Schnupftuch war geschlungen,
20
Ist ihr so recht aus tiefer Brust
21
Ein schwergefühltes Klagewort gedrungen.
22
In ihren Schoß sprach sie gar schwer,
23
Wo sie die Armut deckt mit welken Händen,
24
›Ach wer doch erst da drunten wär',
25
Hier wird doch nimmermehr die Sorge enden!‹
26
Ich dacht', das konnt' ich wohl verstehn,
Vorlage S. 438
27
Das brauchtest du mir gar nicht erst zu sagen,
Vorlage S. 438
28
Ich hab' es dir gleich angesehn,
Vorlage S. 438
29
Und wollte dich darum auch gar nicht fragen.
Vorlage S. 438
30
Warum denn fragst du mich, lieb Kind!
Vorlage S. 438
31
›Was haben Sie denn nun schon wieder?‹
Vorlage S. 438
32
Wird denn an mir dein Scharfblick blind?
Vorlage S. 438
33
Mich zieht es wie die Arme auch ja nieder.
Vorlage S. 438
34
Auch ich sitz' alt und bleich am Stein,
Vorlage S. 438
35
Hab' mir ein bisschen Grüns von dir erschnurret,
Vorlage S. 438
36
Mein Weinen siehst auch du allein,
Vorlage S. 438
37
Auch ich hab' nur geseufzt und nicht gemurret.
Vorlage S. 438
38
Auch mir reichst aus dem Schnupftuch du
Vorlage S. 438
39
Den Schatz, sechs Dreier, gestern, heute, morgen
Vorlage S. 438
40
Auch ich möcht' bald hinab zur Ruh'
Vorlage S. 438
41
Denn hier wird doch kein Ende je der Sorgen.
Vorlage S. 438
42
Ich sorg', es nahe eine Zeit
Vorlage S. 438
43
Wo du den Knoten allzu fest wirst schlingen,
Vorlage S. 438
44
Da tun dir dann die Finger leid,
Vorlage S. 438
45
Die milde Gabe mir herauszuzwingen.
Vorlage S. 438
46
Ich sorg', es steigt ein Tag empor,
Vorlage S. 438
47
Ich mein' er guckt schon aus dem Keller drüben,
Vorlage S. 438
48
Da wirfst du mir die Dreier vor,
Vorlage S. 438
49
Und gönnst mir nicht das bisschen Grüns und Rüben.
Vorlage S. 438
50
Ich sorg', es kömmt die Stunde bald,
Vorlage S. 438
51
Wo meines Wegs zu gehn du dich wirst schämen,
Vorlage S. 438
52
Nicht lang mehr tust du dir Gewalt,
Vorlage S. 438
53
Drum wünsch' ich, Gott mög' mich hinunternehmen.
Vorlage S. 438
54
Hab Dank, hab Dank viel tausendmal
Vorlage S. 438
55
Für Dreier, Rüben und die grünen Gaben,
Vorlage S. 438
56
Man soll mit mein und deiner Qual
Vorlage S. 438
57
Man soll mit meiner Liebe sie begraben.
Vorlage S. 438
58
Nur eines flehe ich von dir,
Vorlage S. 439
59
Gehst du mit andern längs dem leeren Steine,
Vorlage S. 439
60
Ach dann, erzähle nicht von mir,
Vorlage S. 439
61
Schweig, denk, wein', bet' für mich alleine.«
Vorlage S. 439

Nach dem Lesen

Dein Blick auf das Kapitel

10er-QuizZitate verstehen · Zusammenhänge erkennen · Lernpunkte sammeln10 Fragen

Eine Antwort ist jeweils richtig. Lies den Textbeleg aufmerksam. Bei einer falschen Antwort kannst du es erneut versuchen.

Angemeldet zählen richtige Antworten für deinen Lernstand. Als Gast übst du ohne Kontopunkte.

Je Frage sind beim ersten Versuch 10 Punkte möglich, danach 5, 3 oder 1. Bereits gelöste Fragen bleiben zum Üben verfügbar.

3. Welcher Ausschnitt verweist mit einer Zeitangabe ausdrücklich auf eine frühere Zeit? Achte auf ein ausdrücklich genanntes Signalwort.

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗ Textstelle 5 ↗ Textstelle 6 ↗ Textstelle 7 ↗ Textstelle 8 ↗ Textstelle 9 ↗ Textstelle 10 ↗ Textstelle 11 ↗ Textstelle 12 ↗ Textstelle 13 ↗ Textstelle 14 ↗

6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse. A: »Hab' mir ein bisschen Grüns von dir erschnurret,« B: »Ich gab ihr, was ich hatte hin, sechs Dreier.« C: »Hab Dank, hab Dank viel tausendmal Für Dreier, Rüben und die grünen Gaben,«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

7. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Ich sorg', es steigt ein Tag empor, Ich mein' er guckt …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗ Textstelle 5 ↗ Textstelle 6 ↗ Textstelle 7 ↗ Textstelle 8 ↗

8. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Und gönnst mir nicht …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

9. Was bedeutet »nimmermehr« in diesem Ausschnitt? »Hier wird doch nimmermehr die Sorge enden!‹«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle nachlesen ↗

10. Was bedeutet »nimmermehr« in diesem Ausschnitt? »In ihren Schoß sprach sie gar schwer, Wo sie die Armut deckt mit welken Händen, ›Ach wer doch erst da drunten wär', Hier wird doch nimmermehr die Sorge enden!‹«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗
Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte

1. Beschreibe die Sprechsituation. Was erfährst du über Stimme, angesprochene Person und Umgebung? Belege zwei Beobachtungen mit kurzen Zitaten.

Impulse zur Selbstprüfung

Unterscheide die lyrische Stimme von der biografischen Person. Wo der Text keine eindeutige Angabe macht, formuliere eine begründete Vermutung.

Textstelle nachlesen ↗

2. Untersuche zwei sprachliche Bilder, Wiederholungen oder Klangwirkungen. Welche Wirkung ist an den jeweiligen Stellen plausibel?

Impulse zur Selbstprüfung

Nenne jeweils Vers oder Absatz und Wortlaut; Deutungen können sich unterscheiden, müssen aber zum Text passen.

Textstelle nachlesen ↗

3. Formuliere eine Deutungshypothese und eine mögliche Gegenlesart. Welche Stelle stützt oder begrenzt deine Deutung?

Impulse zur Selbstprüfung

Trenne Textbeobachtung und Interpretation. Eine begründete Gegenlesart ist kein automatisch falsches Ergebnis.

Textstelle nachlesen ↗
Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte

Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.

Niveau 1 · Einstieg

1. Wähle zwei Wörter aus dem Gedicht. Schreibe damit vier eigene Verse. Du kannst mit „Ich sehe …“ oder „Ich höre …“ beginnen. Reime sind freiwillig.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Kennzeichne den neuen Text als eigene Bearbeitung; belege deine Entscheidungen mit dem Gedicht.

  • Zwei Wörter aus der Vorlage werden aufgegriffen.
  • Eigene Verse und übernommene Zitate sind unterscheidbar.
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 2 · Vertiefung

2. Schreibe eine eigene Strophe aus einer anderen Perspektive. Übernimm ein sprachliches Bild und verändere es bewusst. Erkläre anschließend kurz, was sich an der Wirkung ändert.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Kennzeichne den neuen Text als eigene Bearbeitung; belege deine Entscheidungen mit dem Gedicht.

  • Die neue Perspektive ist erkennbar.
  • Ein genauer Textbeleg begründet die Gestaltung.
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 3 · Gestaltung

3. Entwirf ein Antwortgedicht mit einer Gegenposition oder einer heutigen Situation. Begründe zwei sprachliche Entscheidungen mit kurzen Zitaten aus der Vorlage. Unterscheide eigene Deutung und belegbare Beobachtung.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Kennzeichne den neuen Text als eigene Bearbeitung; belege deine Entscheidungen mit dem Gedicht.

  • Die Antwort setzt sich mit konkreten Stellen auseinander.
  • Zwei korrekt gekennzeichnete Zitate stützen die Begründung.
Textstelle nachlesen ↗

Ausgabe, Herkunft und Rechte

Autorenschaft nach dokumentierten Lebensdaten in Deutschland gemeinfrei. Quellenedition mit Namensnennung übernommen.

29. August 1818

Clemens Brentano: Werke. Herausgegeben von Friedhelm Kemp, Band 1–4, München: Hanser, [1963–1968]. Brentano, Clemens 438- München

TextGrid, www.editura.de; Digitale Bibliothek. Die historischen Texte und Übersetzungen bleiben unverändert in der Quellfassung.

Quelltext und Ausgabe ↗ · Originaltext gemeinfrei in Deutschland; annotierte TextGrid-Ausgabe CC BY 3.0 DE Lizenz

Welche Änderungen enthält die Lesefassung?

Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.