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Gedicht - 18. Je seltsamer gestaltet - Petrarca, Francesco

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Deutsche Übersetzung · Lesefassung

18. Je seltsamer gestaltet

Petrarca, Francesco

Je seltsamer gestaltet · 97 Verse. Mit Quell- und Lesefassung, zitiergestütztem Lesequiz und offenen Schreibaufgaben.

GedichtKlasse 9–10 · 11–131 Abschnitte
Historische Darstellung von Petrarca, Francesco; Kontextbild zur Autorschaft.
Porträt · Petrarca, Francesco · · Public domain Bildquelle ↗

Deutsche Übersetzung: Carl Förster

Hinweise für den Unterricht
  • Historische Sprache und Wertvorstellungen im Unterricht kritisch einordnen. Die Stufenzuordnung ist eine Orientierung; Auswahl und Begleitung richten sich nach der Lerngruppe.

Behutsam angepasste Schreibweise nach einer begrenzten Wortliste. Mehrdeutige Formen, erfasste Namen, Sprechernamen, Bühnenanweisungen, Überschriften und Anmerkungen bleiben unverändert. Keine vollständige redaktionelle Überarbeitung nach heutiger Rechtschreibung. Für wortgetreue Quellenzitate die Quellfassung wählen.

Abschnitt 1 von 1

18. Je seltsamer gestaltet

1
XVIII.
2
Je seltsamer gestaltet
3
Ein Wesen fremden Zonen wohnet inne,
4
Vor unbefangnem Sinne
5
Gleicht's mir; so weit ach! hab' ich mich verloren! –
6
Dort an des Morgens Thoren
7
Ein Vogel fleugt, der, ferne von Genossen,
8
Aus Tode, frei beschlossen,
9
Zum Leben neugeboren sich entfaltet.
10
So abgeschieden waltet,
11
Wie er, mein Will', und hebt sich von der Zinne
12
Erhabener Gedanken auf zur Sonnen,
13
Dass er, in Staub zerronnen,
14
Das alte Sein, dem Phönix gleich, gewinne;
15
Er brennt und stirbt, regt munter sein Gefieder,
16
Bis er dann wieder jenem gleich veraltet.
17
Ein Fels soll sich erheben
18
In Indiens Meer, der von Gelüst entzündet,
19
Das Eisen oft entwindet
20
Den Schiffen, dass zertheilt sie untergehen.
21
So ist auch mir geschehen
22
Auf bittrer Tränen Fluth; mit stolzem Zwange
23
Zu sicherm Untergange
24
Hat ach! ein schöner Fels geführt mein Leben.
25
Ihm ward zum Raub gegeben
26
Mein Herz, das mich, sonst fest und stark begründet,
27
Beysammenhielt, und nun durch ihn entfliehet,
28
Der Fleisch mehr an sich ziehet
29
Als Stahl. O herbes Schicksal, unergründet!
Vorlage S. 70
30
Dass ich bereits in Fleischeshülle sehe
Vorlage S. 70
31
So süßem Wehe mich dahingegeben!
Vorlage S. 70
32
In Westens fernsten Auen
Vorlage S. 70
33
Da soll ein zahmes Wild und sanftes weiden
Vorlage S. 70
34
Wie keines sonst; doch Leiden
Vorlage S. 70
35
Und Schmach und Tod ihm in den Augen wohnen
Vorlage S. 70
36
Nur den mag es verschonen,
Vorlage S. 70
37
Der seinen Blick, vom Auge abgewendet,
Vorlage S. 70
38
Mit Vorsicht nach ihm sendet:
Vorlage S. 70
39
Das Andere doch kann man fahrlos schauen.
Vorlage S. 70
40
Ich Armer voll Vertrauen
Vorlage S. 70
41
Renn' in mein Weh', obwohl ich weiß von beiden,
Vorlage S. 70
42
Von dem, was ist und sein wird; aber gierig
Vorlage S. 70
43
Und blind und taub nun spür' ich,
Vorlage S. 70
44
Dass, weil ich nicht den heil'gen Blick kann meiden,
Vorlage S. 70
45
Mir Untergang und Tod von ihm muss kommen,
Vorlage S. 70
46
Vom Wild, dem frommen, Engeln gleich zu schauen.
Vorlage S. 70
47
An wunderbarer Stelle,
Vorlage S. 70
48
Fern an des Mittags Gränzen, quillt ein Bronnen,
Vorlage S. 70
49
Sein Nahm' ist: Quell der Sonnen.
Vorlage S. 70
50
Zur Nachtzeit siedend ist er kalt bey Tage,
Vorlage S. 70
51
Und – also geht die Sage –
Vorlage S. 70
52
Wird, wie die Sonne steigt, gemach zu Eise.
Vorlage S. 70
53
Das ist auch meine Weise,
Vorlage S. 70
54
Der ich der Tränen Sammelort und Quelle.
Vorlage S. 70
55
Entflieht des Lichtes Helle,
Vorlage S. 70
56
So meine Sonne ist, dann weint umsponnen
Vorlage S. 70
57
Der Blick des Glühenden von nächt'gem Dunkel;
Vorlage S. 70
58
Doch kann ich im Gefunkel
Vorlage S. 70
59
Und Golde des lebend'gen Lichts mich sonnen,
Vorlage S. 70
60
Fühl' Alles ich von außen und von innen
Vorlage S. 71
61
Zu Eis gerinnen, gleich der Wunderwelle.
Vorlage S. 71
62
Auch an Epirus Strande
Vorlage S. 71
63
Vergleicht ein kalter Quell sich meinem Herzen,
Vorlage S. 71
64
Der die erloschnen Kerzen
Vorlage S. 71
65
Entflammt, und auslöscht, die er brennend findet.
Vorlage S. 71
66
So ich, der nie entzündet
Vorlage S. 71
67
Zuvor mich fühlte von der Liebe Walten,
Vorlage S. 71
68
Mich nahend jener Kalten,
Vorlage S. 71
69
Nach der ich seufzend immerdar mich wandte,
Vorlage S. 71
70
Stand gleich in vollem Brande.
Vorlage S. 71
71
Nicht Sonne je und Stern sah solche Schmerzen,
Vorlage S. 71
72
Der Jammer hätt' ein Herz von Stein erbarmet;
Vorlage S. 71
73
Doch kaum dass ich erwarmet,
Vorlage S. 71
74
Beschwor Vernunft die heiße Flamm' im Herzen.
Vorlage S. 71
75
So geh von Gluth ich stets zu Kälte über, –
Vorlage S. 71
76
Ich fühl's, und drüber zürn' ich meinem Stande.
Vorlage S. 71
77
In fernem Meere baute
Vorlage S. 71
78
Natur Fortunens Inselreich; da fließen
Vorlage S. 71
79
Zwei Quellen. Lachend grüßen
Vorlage S. 71
80
Den Tod die, so die eine tränkt; daneben
Vorlage S. 71
81
Quillt aus der andern Leben.
Vorlage S. 71
82
So mein Geschick; denn lachend könnt' ich scheiden
Vorlage S. 71
83
Im Uebermaß der Freuden,
Vorlage S. 71
84
Mäßigten sie nicht bittre Wehelaute.
Vorlage S. 71
85
O Liebe du, Vertraute,
Vorlage S. 71
86
Die mich zu dunkelm Ruhme hingewiesen,
Vorlage S. 71
87
Kein Wort von jenem Quell, dem ewig vollen,
Vorlage S. 71
88
Dem reich're Adern rollen,
Vorlage S. 71
89
Tritt in den Stier die Sonne. So ergießen
Vorlage S. 71
90
Sich meine Tränen und entquellen stärker
Vorlage S. 72
91
Zur Zeit dem Kerker, wo ich Laura schaute.
Vorlage S. 72
92
Fragt wer, was ich beginne,
Vorlage S. 72
93
Canzone, sprich, dort weilt er unterm Steine
Vorlage S. 72
94
Verschloss'nen Thals, dem sich die Sorge entwindet,
Vorlage S. 72
95
Wo Amor nur ihn findet,
Vorlage S. 72
96
Der keinen Augenblick ihn lässt alleine,
Vorlage S. 72
97
Und Jener Bild, die ihn mit Weh umnachtet,
Vorlage S. 72
98
Dass er verachtet jede andre Minne.
Vorlage S. 72

Nach dem Lesen

Dein Blick auf das Kapitel

10er-QuizZitate verstehen · Zusammenhänge erkennen · Lernpunkte sammeln10 Fragen

Eine Antwort ist jeweils richtig. Lies den Textbeleg aufmerksam. Bei einer falschen Antwort kannst du es erneut versuchen.

Angemeldet zählen richtige Antworten für deinen Lernstand. Als Gast übst du ohne Kontopunkte.

Je Frage sind beim ersten Versuch 10 Punkte möglich, danach 5, 3 oder 1. Bereits gelöste Fragen bleiben zum Üben verfügbar.

1. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Er brennt und stirbt, regt munter sein …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗ Textstelle 5 ↗ Textstelle 6 ↗ Textstelle 7 ↗ Textstelle 8 ↗ Textstelle 9 ↗

3. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »obwohl« in diesem Textausschnitt? »Renn' in mein Weh', obwohl ich weiß von beiden,«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle nachlesen ↗

4. Welcher Ausschnitt enthält ausdrücklich einen Grund oder eine daraus gezogene Folge? Achte auf ein ausdrücklich genanntes Signalwort.

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗ Textstelle 5 ↗ Textstelle 6 ↗ Textstelle 7 ↗ Textstelle 8 ↗ Textstelle 9 ↗

5. Welcher Ausschnitt enthält eine ausdrückliche Verneinung oder einen Ausschluss? Achte auf ein ausdrücklich genanntes Signalwort.

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗ Textstelle 5 ↗ Textstelle 6 ↗ Textstelle 7 ↗

6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse. A: »Der Jammer hätt' ein Herz von Stein erbarmet;« B: »Ein Fels soll sich erheben In Indiens Meer, der von Gelüst entzündet,« C: »An wunderbarer Stelle, Fern an des Mittags Gränzen, quillt ein Bronnen, Sein Nahm' ist: Quell der Sonnen.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗ Textstelle 5 ↗ Textstelle 6 ↗

7. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Doch kaum dass ich erwarmet, Beschwor …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗ Textstelle 5 ↗ Textstelle 6 ↗ Textstelle 7 ↗
Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte

1. Beschreibe die Sprechsituation. Was erfährst du über Stimme, angesprochene Person und Umgebung? Belege zwei Beobachtungen mit kurzen Zitaten.

Impulse zur Selbstprüfung

Unterscheide die lyrische Stimme von der biografischen Person. Wo der Text keine eindeutige Angabe macht, formuliere eine begründete Vermutung.

Textstelle nachlesen ↗

2. Untersuche zwei sprachliche Bilder, Wiederholungen oder Klangwirkungen. Welche Wirkung ist an den jeweiligen Stellen plausibel?

Impulse zur Selbstprüfung

Nenne jeweils Vers oder Absatz und Wortlaut; Deutungen können sich unterscheiden, müssen aber zum Text passen.

Textstelle nachlesen ↗

3. Formuliere eine Deutungshypothese und eine mögliche Gegenlesart. Welche Stelle stützt oder begrenzt deine Deutung?

Impulse zur Selbstprüfung

Trenne Textbeobachtung und Interpretation. Eine begründete Gegenlesart ist kein automatisch falsches Ergebnis.

Textstelle nachlesen ↗
Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte

Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.

Niveau 1 · Einstieg

1. Wähle zwei Wörter aus dem Gedicht. Schreibe damit vier eigene Verse. Du kannst mit „Ich sehe …“ oder „Ich höre …“ beginnen. Reime sind freiwillig.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Kennzeichne den neuen Text als eigene Bearbeitung; belege deine Entscheidungen mit dem Gedicht.

  • Zwei Wörter aus der Vorlage werden aufgegriffen.
  • Eigene Verse und übernommene Zitate sind unterscheidbar.
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 2 · Vertiefung

2. Schreibe eine eigene Strophe aus einer anderen Perspektive. Übernimm ein sprachliches Bild und verändere es bewusst. Erkläre anschließend kurz, was sich an der Wirkung ändert.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Kennzeichne den neuen Text als eigene Bearbeitung; belege deine Entscheidungen mit dem Gedicht.

  • Die neue Perspektive ist erkennbar.
  • Ein genauer Textbeleg begründet die Gestaltung.
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 3 · Gestaltung

3. Entwirf ein Antwortgedicht mit einer Gegenposition oder einer heutigen Situation. Begründe zwei sprachliche Entscheidungen mit kurzen Zitaten aus der Vorlage. Unterscheide eigene Deutung und belegbare Beobachtung.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Kennzeichne den neuen Text als eigene Bearbeitung; belege deine Entscheidungen mit dem Gedicht.

  • Die Antwort setzt sich mit konkreten Stellen auseinander.
  • Zwei korrekt gekennzeichnete Zitate stützen die Begründung.
Textstelle nachlesen ↗

Ausgabe, Herkunft und Rechte

Autorenschaft und Übersetzung nach dokumentierten Lebensdaten in Deutschland gemeinfrei. Quellenedition mit Namensnennung übernommen.

18. [Je seltsamer gestaltet]

Petrarca, Francesco: Italienische Gedichte. 3 Bände in einem, übers. v. Carl Förster, Wien: Chr. Fr. Schade, 1827 Petrarca, Francesco 70- Wien

TextGrid, www.editura.de; Digitale Bibliothek. Die historischen Texte und Übersetzungen bleiben unverändert in der Quellfassung.

Quelltext und Ausgabe ↗ · Originaltext gemeinfrei in Deutschland; annotierte TextGrid-Ausgabe CC BY 3.0 DE Lizenz

Welche Änderungen enthält die Lesefassung?

Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.