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Gedicht - 16. Einsames Leben - Leopardi, Giacomo

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Deutsche Übersetzung · Lesefassung

16. Einsames Leben

Leopardi, Giacomo

Am frühen Tage, wenn mit Flügelschlagen · 107 Verse. Mit Quell- und Lesefassung, zitiergestütztem Lesequiz und offenen Schreibaufgaben.

GedichtKlasse 9–10 · 11–131 Abschnitte
Historische Darstellung von Leopardi, Giacomo; Kontextbild zur Autorschaft.
Porträt · Leopardi, Giacomo · it:User:Twice25. · Public domain Bildquelle ↗

Deutsche Übersetzung: Paul Heyse

Hinweise für den Unterricht
  • Historische Sprache und Wertvorstellungen im Unterricht kritisch einordnen. Die Stufenzuordnung ist eine Orientierung; Auswahl und Begleitung richten sich nach der Lerngruppe.

Behutsam angepasste Schreibweise nach einer begrenzten Wortliste. Mehrdeutige Formen, erfasste Namen, Sprechernamen, Bühnenanweisungen, Überschriften und Anmerkungen bleiben unverändert. Keine vollständige redaktionelle Überarbeitung nach heutiger Rechtschreibung. Für wortgetreue Quellenzitate die Quellfassung wählen.

Abschnitt 1 von 1

16. Einsames Leben

1
XVI. Einsames Leben.
2
(1831.)
3
Am frühen Tage, wenn mit Flügelschlagen
4
Die Henne munter im verschlossnen Hause
5
Sich regt und gackert und der Landbewohner
6
Auf den Altan hinaustritt, während zitternd
7
Die Sonnenpfeile durch den Tropfenfall
8
Des Nebels dringen, weckt der Regen mich,
9
Sacht an das Fenster meiner Hütte klopfend.
10
Da steh' ich auf, und jene leichten Wölkchen,
11
Der Vögel erstes Zwitschern und die Frische
12
Der Lüfte segn' ich und die heitren Fluren.
13
Denn euch, der Stadt unsel'ge Mauern, sah ich
14
Nun lang genug und weiß: in euch ist immer
15
Dem Schmerz der Haß gesellt; ach, und in Schmerzen
16
Leb' ich und sterbe so – wohl bald! Nur hier,
17
In diesen Stätten, gönnt Natur, wie karg auch,
18
Ein stilles Mitleid mir, dem sie dereinst
19
So huldvoll sich bewies! Und du auch wendest
20
Vom Unglück ab den Blick; auch du verschmähst
21
Die Armen und Beladnen, o Natur,
22
Und huldigst nur dem Glück. So bleibt im Himmel
23
Kein Freund und auf der Erde keine Zuflucht
Vorlage S. 73
24
Dem Unglücksel'gen als ein scharfer Stahl.
Vorlage S. 73
25
Zuweilen rast' ich einsam irgendwo
Vorlage S. 73
26
Auf einem Hügel, an des Weihers Saum,
Vorlage S. 73
27
Von traurigstummen Pflanzen rings umkränzt.
Vorlage S. 73
28
Dort, wenn der Mittag sich an Himmel neigt,
Vorlage S. 73
29
Spiegelt ihr ruhig Bild die hohe Sonne,
Vorlage S. 73
30
Im Winde regt sich weder Halm noch Blatt,
Vorlage S. 73
31
Kein Wellchen kräuselt sich, kein Heimchen hörst du,
Vorlage S. 73
32
Nicht einen Vogel schwirren im Gezweig;
Vorlage S. 73
33
Kein Falter flattert, weit und breit, vernimmst
Vorlage S. 73
34
Und siehst du Nichts, was tönt und sich bewegt.
Vorlage S. 73
35
Um diese Ufer webt die tiefste Ruhe,
Vorlage S. 73
36
Dass fast der Welt und meiner selbst vergessend
Vorlage S. 73
37
Ich reglos sitze, ja mir ist, als wären
Vorlage S. 73
38
Die Glieder mir gelös't, kein Hauch, kein Fühlen
Vorlage S. 73
39
Bewegte sie, und ihre alte Ruhe
Vorlage S. 73
40
Verschmölze mit der Stille dieses Orts.
Vorlage S. 73
41
O Lieb', o Liebe, wie so weit entflohst du
Vorlage S. 73
42
Von dieser Brust, die einst so warm gefühlt,
Vorlage S. 73
43
Ja, glühend heiß! Mit seiner kalten Hand
Vorlage S. 73
44
Ergriff das Unglück sie, bis sie vereis'te
Vorlage S. 73
45
Im Flor der Jahre. Jener Zeit gedenk' ich,
Vorlage S. 73
46
Da du mein Herz durchbebtest, jener süßen,
Vorlage S. 73
47
Ewig verlornen Zeit, wo sich zuerst
Vorlage S. 73
48
Dem jungen Blick der Schauplatz dieser armen,
Vorlage S. 73
49
Unsel'gen Welt eröffnet, mit dem Lächeln
Vorlage S. 73
50
Des Paradieses. Ach, jungfräulich Hoffen
Vorlage S. 73
51
Und süße Sehnsucht macht das Herz des Jünglings
Vorlage S. 73
52
Im Busen klopfen, und der arme Mensch
Vorlage S. 73
53
Schickt sich zur Arbeit dieses Lebens, wie
Vorlage S. 73
54
Zu Tanz und Spiel. Doch kaum, o Liebe, war
Vorlage S. 73
55
Ich deiner inne worden, als das Schicksal
Vorlage S. 73
56
Mein Leben schon zerbrach, und diesen Augen
Vorlage S. 74
57
Nichts mehr geziemt', als für und für zu weinen.
Vorlage S. 74
58
Zuweilen nur, wenn auf den Frühlingsfluren,
Vorlage S. 74
59
Beim stillen Frühroth, oder wenn im Glanz
Vorlage S. 74
60
Der Sonne Dächer, Au'n und Hügel schimmern,
Vorlage S. 74
61
Ich eines holden Mädchens Antlitz schaue,
Vorlage S. 74
62
Oder so oft ich in der milden Ruhe
Vorlage S. 74
63
Der Sommernacht den Schritt, der ziellos schweift,
Vorlage S. 74
64
Anhaltend vor des Dorfes kleinen Hütten
Vorlage S. 74
65
Das öde Land betrachte, und ein Mädchen,
Vorlage S. 74
66
Das noch die Nacht zu ihrer Arbeit nützt,
Vorlage S. 74
67
Mit heller Stimme im verlassnen Zimmer
Vorlage S. 74
68
Zu singen anhebt: plötzlich klopft mir stürmisch
Vorlage S. 74
69
Dies schon versteinte Herz; doch ach, wie bald
Vorlage S. 74
70
Sinkt es zurück in seine eh'rne Dumpfheit,
Vorlage S. 74
71
Denn allem Süßen fremd ward diese Brust.
Vorlage S. 74
72
O holder Mond, bei dessen sanftem Strahl
Vorlage S. 74
73
Im Wald die Hasen tanzen, – und der Jäger
Vorlage S. 74
74
Schilt dann des Morgens, wenn er alle Fährten
Vorlage S. 74
75
Verwirrt und trüglich findet und die Spur
Vorlage S. 74
76
Vom Nest des Wildes ablenkt, – sei gegrüßt,
Vorlage S. 74
77
Du güt'ge Herrscherin der Nacht! Es gleitet
Vorlage S. 74
78
Verhaßt dein Strahl durch Wald und Klippen oder
Vorlage S. 74
79
In öde Trümmer auf den Dolch herab
Vorlage S. 74
80
Des bleichen Räubers, der gespannten Ohrs
Vorlage S. 74
81
Auf das Geräusch der Räder und der Rosse
Vorlage S. 74
82
Von ferne lauert, oder auf den Fußtritt
Vorlage S. 74
83
Im stillen Hohlweg; plötzlich mit dem Klirren
Vorlage S. 74
84
Der Waffen und dem rauhen Ruf der Stimme
Vorlage S. 74
85
Und der geschwärzten Larve macht zu Eis er
Vorlage S. 74
86
Des Wandrers Herz erstarren, den er blutend
Vorlage S. 74
87
Und nackt im Dickicht lässt. Verhaßt begegnet
Vorlage S. 74
88
Dein weißes Licht dort in der Städte Gassen
Vorlage S. 74
89
Dem feigen Buhler, der entlang den Mauern
Vorlage S. 75
90
Der Häuser schleicht und im verstohlnen Schatten
Vorlage S. 75
91
Sich hält und plötzlich stehen bleibt, erschreckt
Vorlage S. 75
92
Vom Strahle der Laternen und der offnen
Vorlage S. 75
93
Balcone. Arger Menschenbrut verhaßt,
Vorlage S. 75
94
Wird mir dein Anblick immer lieblich sein
Vorlage S. 75
95
In diesen Fluren, wo du Andres nicht
Vorlage S. 75
96
Als heitre Hügel, weitgedehnte Felder
Vorlage S. 75
97
Dem Auge zeigst. Und dennoch pflegt' ich einst,
Vorlage S. 75
98
Obwohl ich schuldlos lebte, deinen zarten
Vorlage S. 75
99
Strahl zu verwünschen an bewohnten Stätten,
Vorlage S. 75
100
Wenn er dem Blick der Menschen mich verrieth,
Vorlage S. 75
101
Menschliche Formen meinem Aug' enthüllte.
Vorlage S. 75
102
Nun will ich stets dich preisen, mag ich durch
Vorlage S. 75
103
Gewölk dich schwimmen sehen, oder heiter
Vorlage S. 75
104
Als Königin des hohen Aetherraumes
Vorlage S. 75
105
Zum Thränenthal der Menschen niederblicken.
Vorlage S. 75
106
Mich wirst du oft noch schauen, stumm und einsam
Vorlage S. 75
107
Durch Wälder irrend und durch grüne Ufer,
Vorlage S. 75
108
Oder im Grase sitzend, hochzufrieden,
Vorlage S. 75
109
Wenn Kraft und Atem nur zum Seufzen bleibt!
Vorlage S. 75

Nach dem Lesen

Dein Blick auf das Kapitel

10er-QuizZitate verstehen · Zusammenhänge erkennen · Lernpunkte sammeln10 Fragen

Eine Antwort ist jeweils richtig. Lies den Textbeleg aufmerksam. Bei einer falschen Antwort kannst du es erneut versuchen.

Angemeldet zählen richtige Antworten für deinen Lernstand. Als Gast übst du ohne Kontopunkte.

Je Frage sind beim ersten Versuch 10 Punkte möglich, danach 5, 3 oder 1. Bereits gelöste Fragen bleiben zum Üben verfügbar.

1. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Der Lüfte segn' ich …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

3. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »Obwohl« in diesem Textausschnitt? »Und dennoch pflegt' ich einst, Obwohl ich schuldlos lebte, deinen zarten Strahl zu verwünschen an bewohnten Stätten, Wenn er dem Blick der Menschen mich verrieth, Menschliche Formen meinem Aug' enthüllte.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗ Textstelle 5 ↗

6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse. A: »Im stillen Hohlweg; plötzlich mit dem Klirren« B: »Denn euch, der Stadt unsel'ge Mauern, sah ich« C: »Jener Zeit gedenk' ich, Da du mein Herz durchbebtest, jener süßen,«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

7. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Schilt dann des Morgens, …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗ Textstelle 5 ↗ Textstelle 6 ↗ Textstelle 7 ↗

9. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »Obwohl« in diesem Textausschnitt? »Obwohl ich schuldlos lebte, deinen zarten«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle nachlesen ↗

10. Welcher Ausschnitt verweist mit einer Zeitangabe ausdrücklich auf eine frühere Zeit? Achte auf ein ausdrücklich genanntes Signalwort.

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗ Textstelle 5 ↗ Textstelle 6 ↗ Textstelle 7 ↗ Textstelle 8 ↗ Textstelle 9 ↗ Textstelle 10 ↗ Textstelle 11 ↗ Textstelle 12 ↗
Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte

1. Beschreibe die Sprechsituation. Was erfährst du über Stimme, angesprochene Person und Umgebung? Belege zwei Beobachtungen mit kurzen Zitaten.

Impulse zur Selbstprüfung

Unterscheide die lyrische Stimme von der biografischen Person. Wo der Text keine eindeutige Angabe macht, formuliere eine begründete Vermutung.

Textstelle nachlesen ↗

2. Untersuche zwei sprachliche Bilder, Wiederholungen oder Klangwirkungen. Welche Wirkung ist an den jeweiligen Stellen plausibel?

Impulse zur Selbstprüfung

Nenne jeweils Vers oder Absatz und Wortlaut; Deutungen können sich unterscheiden, müssen aber zum Text passen.

Textstelle nachlesen ↗

3. Formuliere eine Deutungshypothese und eine mögliche Gegenlesart. Welche Stelle stützt oder begrenzt deine Deutung?

Impulse zur Selbstprüfung

Trenne Textbeobachtung und Interpretation. Eine begründete Gegenlesart ist kein automatisch falsches Ergebnis.

Textstelle nachlesen ↗
Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte

Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.

Niveau 1 · Einstieg

1. Wähle zwei Wörter aus dem Gedicht. Schreibe damit vier eigene Verse. Du kannst mit „Ich sehe …“ oder „Ich höre …“ beginnen. Reime sind freiwillig.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Kennzeichne den neuen Text als eigene Bearbeitung; belege deine Entscheidungen mit dem Gedicht.

  • Zwei Wörter aus der Vorlage werden aufgegriffen.
  • Eigene Verse und übernommene Zitate sind unterscheidbar.
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 2 · Vertiefung

2. Schreibe eine eigene Strophe aus einer anderen Perspektive. Übernimm ein sprachliches Bild und verändere es bewusst. Erkläre anschließend kurz, was sich an der Wirkung ändert.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Kennzeichne den neuen Text als eigene Bearbeitung; belege deine Entscheidungen mit dem Gedicht.

  • Die neue Perspektive ist erkennbar.
  • Ein genauer Textbeleg begründet die Gestaltung.
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 3 · Gestaltung

3. Entwirf ein Antwortgedicht mit einer Gegenposition oder einer heutigen Situation. Begründe zwei sprachliche Entscheidungen mit kurzen Zitaten aus der Vorlage. Unterscheide eigene Deutung und belegbare Beobachtung.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Kennzeichne den neuen Text als eigene Bearbeitung; belege deine Entscheidungen mit dem Gedicht.

  • Die Antwort setzt sich mit konkreten Stellen auseinander.
  • Zwei korrekt gekennzeichnete Zitate stützen die Begründung.
Textstelle nachlesen ↗

Ausgabe, Herkunft und Rechte

Autorenschaft und Übersetzung nach dokumentierten Lebensdaten in Deutschland gemeinfrei. Quellenedition mit Namensnennung übernommen.

16. Einsames Leben

Leopardi, Giacomo: Gedichte und Prosaschriften. Übers. v. Paul Heyse, Berlin: Verlag von Wilhelm Hertz, 1889. Leopardi, Giacomo 73- Berlin

TextGrid, www.editura.de; Digitale Bibliothek. Die historischen Texte und Übersetzungen bleiben unverändert in der Quellfassung.

Quelltext und Ausgabe ↗ · Originaltext gemeinfrei in Deutschland; annotierte TextGrid-Ausgabe CC BY 3.0 DE Lizenz

Welche Änderungen enthält die Lesefassung?

Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.