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Gedicht - 15. Der Traum - Leopardi, Giacomo

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Deutsche Übersetzung · Lesefassung

15. Der Traum

Leopardi, Giacomo

Noch frühe war's. Durch die geschlossnen Läden · 100 Verse. Mit Quell- und Lesefassung, zitiergestütztem Lesequiz und offenen Schreibaufgaben.

GedichtKlasse 9–10 · 11–131 Abschnitte
Historische Darstellung von Leopardi, Giacomo; Kontextbild zur Autorschaft.
Porträt · Leopardi, Giacomo · it:User:Twice25. · Public domain Bildquelle ↗

Deutsche Übersetzung: Paul Heyse

Hinweise für den Unterricht
  • Historische Sprache und Wertvorstellungen im Unterricht kritisch einordnen. Die Stufenzuordnung ist eine Orientierung; Auswahl und Begleitung richten sich nach der Lerngruppe.

Behutsam angepasste Schreibweise nach einer begrenzten Wortliste. Mehrdeutige Formen, erfasste Namen, Sprechernamen, Bühnenanweisungen, Überschriften und Anmerkungen bleiben unverändert. Keine vollständige redaktionelle Überarbeitung nach heutiger Rechtschreibung. Für wortgetreue Quellenzitate die Quellfassung wählen.

Abschnitt 1 von 1

15. Der Traum

1
XV. Der Traum.
2
(1831.)
3
Noch frühe war's. Durch die geschlossnen Läden
4
Stahl über den Balcon der erste Schein
5
Des Morgenroths sich in mein dunkles Zimmer.
6
Da, um die Zeit, wo leichter schon und süßer
7
Der Schlummer uns die Wimpern überschattet,
8
Stand plötzlich neben mir und sah mich an
9
Das Bildniß Jener, die zuerst mich Liebe
10
Gelehrt und dann in Thränen mich verlassen.
11
Nicht todt, nur traurig schien sie mir, das Antlitz
12
Verwandelt wie von schwerem Leid. Die Rechte
13
Bewegte sie nach meinem Haupt und sprach
14
Mit Seufzen: Lebst du und gedenkst noch irgend
15
An mich? – Woher, entgegnet' ich, und wie
16
Kommst du, geliebte Schönheit? Ach, wie trug ich,
17
Wie trag' ich Leid um dich, und glaubte nicht,
18
Du könnest darum wissen, und mein Schmerz
19
Ward ärmer nur an Trost durch diesen Wahn.
20
Doch willst du nun mich abermals verlassen?
21
Ich fürcht' es sehr. O sage, wie erging dir's?
22
Bist du noch, die du warst? Und was bekümmert
23
Die Seele dir? – Vergessenheit umnachtet
24
Deine Gedanken, und der Schlaf umhüllt sie,
25
Sprach Jene. Ich bin todt. Du schautest mich
26
Zum letzten Mal vor Monden. – Bei den Worten
27
Drang ein unendlich Weh durch meine Brust.
Vorlage S. 70
28
Und sie fuhr fort: Im Flor der Jahre starb ich,
Vorlage S. 70
29
Wo Leben uns am süßesten, und eh' noch
Vorlage S. 70
30
Das Herz begriffen, wie so völlig eitel
Vorlage S. 70
31
Der Menschen Hoffnung. Den herbeizuwünschen,
Vorlage S. 70
32
Der ihn erlös't von allem Leid, wie liegt's
Vorlage S. 70
33
Dem kranken Menschen nah! Doch trostlos naht
Vorlage S. 70
34
Der Tod der Jugend, und ein hartes Schicksal
Vorlage S. 70
35
Ereilt die Hoffnung, die im Grab erlischt.
Vorlage S. 70
36
Nicht frommt's zu wissen, was Natur verbirgt
Vorlage S. 70
37
Den Neulingen im Leben; und um Vieles
Vorlage S. 70
38
Ist unerfahrner Weisheit vorzuziehn
Vorlage S. 70
39
Der blinde Schmerz. – O Unglücksel'ge, Theure,
Vorlage S. 70
40
O schweige, rief ich, schweige! Deine Worte
Vorlage S. 70
41
Zerreißen mir das Herz. So bist du wirklich
Vorlage S. 70
42
Todt, o Geliebte, und ich leb', und so
Vorlage S. 70
43
War es verhängt, dass dieser theure Leib,
Vorlage S. 70
44
Der zärtliche, im bangen Todesschweiß
Vorlage S. 70
45
Vergehen sollt' und ich behielte diese
Vorlage S. 70
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Elende Hülle? Ach, so oft ich auch
Vorlage S. 70
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Bedenke, dass du nicht mehr lebst und ich
Vorlage S. 70
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Nie in der Welt dich werde wiederfinden,
Vorlage S. 70
49
Nie kann ich's glauben! Wehe mir! was ist
Vorlage S. 70
50
Das Wesen, das man Tod nennt? Heut einmal
Vorlage S. 70
51
Könnt' ich's erfahren und mein wehrlos Haupt
Vorlage S. 70
52
Dem grimmen Hasse des Geschicks entziehn.
Vorlage S. 70
53
Jung bin ich noch, doch schwindet und verzehrt sich
Vorlage S. 70
54
Mein junges Leben wie ein Greisenthum,
Vorlage S. 70
55
Vor dem mir graut, obwohl mirs noch so fern.
Vorlage S. 70
56
Doch kaum vom Greisenalter unterscheidet
Vorlage S. 70
57
Sich meine Blütezeit. – Zum Weinen wurden
Vorlage S. 70
58
Wir Zwei geboren, sprach sie. Unserm Leben
Vorlage S. 70
59
Hat nie das Glück gelacht; der Himmel freute
Vorlage S. 70
60
Sich unsrer Qual. – Wenn denn das Aug' von Thränen,
Vorlage S. 70
61
Sprach ich, von Blässe das Gesicht verschleiert
Vorlage S. 71
62
Um deines Scheidens willen und das Herz
Vorlage S. 71
63
Mir schwer von Angst ist, sage mir: hat je
Vorlage S. 71
64
Von Lieb' ein Funken oder Mitleid gegen
Vorlage S. 71
65
Den armen Liebenden dein Herz bewegt,
Vorlage S. 71
66
So lang du lebtest? In Verzweiflung damals,
Vorlage S. 71
67
Dann wieder hoffend lebt' ich Tag' und Nächte;
Vorlage S. 71
68
Am leeren Zweifel müdet heut die Seele
Vorlage S. 71
69
Sich ab. Drum wenn auch nur ein einzig Mal
Vorlage S. 71
70
Du Leid gefühlt um mein verdüstert Leben,
Vorlage S. 71
71
Verbirg mir's nicht, ich flehe, und Erinnrung,
Vorlage S. 71
72
Jetzt da die Zukunft unserm Leben fehlt,
Vorlage S. 71
73
Sei mir ein Trost. Und sie: Getröste dich,
Vorlage S. 71
74
Unglücklicher! Ich war an Mitleid nie
Vorlage S. 71
75
Dir karg, so lang ich lebte, noch auch jetzt;
Vorlage S. 71
76
Denn elend war auch ich. Beklage nicht
Vorlage S. 71
77
Dies unglückseligste von allen Mädchen. –
Vorlage S. 71
78
Bei unsern Leiden, bei der heißen Liebe,
Vorlage S. 71
79
Die in mir lodert, rief ich, bei dem holden
Vorlage S. 71
80
Namen der Jugend, unsrer Tage früh
Vorlage S. 71
81
Verlorner Hoffnung, o vergönn es, Theure,
Vorlage S. 71
82
Dass ich die Hand dir fassen darf! – Da reichte
Vorlage S. 71
83
Sie sanft und traurig sie mir hin. Und als ich
Vorlage S. 71
84
Mit Küssen sie bedecke und, erbebend
Vorlage S. 71
85
Von bittrem Weh und Wonne, an die Brust,
Vorlage S. 71
86
Die wallende, sie drücke, Brust und Antlitz
Vorlage S. 71
87
In feuchte Glut getaucht und mir im Halse
Vorlage S. 71
88
Die Stimme stockt, wankt schon der Tag vorm Auge.
Vorlage S. 71
89
Und sie darauf, in meine Augen zärtlich
Vorlage S. 71
90
Die ihren heftend: Freund, vergissest du,
Vorlage S. 71
91
Sprach sie, dass ich von jedem Reiz entblößt bin?
Vorlage S. 71
92
Und doch umsonst, Unglücklicher, in Liebe
Vorlage S. 71
93
Bebst und erglühst du! Aber nun lebwohl;
Vorlage S. 71
94
Denn unsre armen Seelen, unsre Körper
Vorlage S. 71
95
Sind ewiglich getrennt. Nicht mehr für mich
Vorlage S. 72
96
Lebst du und sollst du leben. Deinen Schwur
Vorlage S. 72
97
Zerriß das Schicksal. – Da in meiner Angst
Vorlage S. 72
98
Aufschreien wollt' ich, und vergehend fast,
Vorlage S. 72
99
Die Augen schwer von hoffnungslosen Thränen,
Vorlage S. 72
100
Erwacht' ich aus dem Schlaf. Vor meinen Blicken
Vorlage S. 72
101
Stand sie noch immer, und noch immer glaubt' ich
Vorlage S. 72
102
Ihr Bild zu sehn im schwanken Strahl der Sonne.
Vorlage S. 72

Nach dem Lesen

Dein Blick auf das Kapitel

10er-QuizZitate verstehen · Zusammenhänge erkennen · Lernpunkte sammeln10 Fragen

Eine Antwort ist jeweils richtig. Lies den Textbeleg aufmerksam. Bei einer falschen Antwort kannst du es erneut versuchen.

Angemeldet zählen richtige Antworten für deinen Lernstand. Als Gast übst du ohne Kontopunkte.

Je Frage sind beim ersten Versuch 10 Punkte möglich, danach 5, 3 oder 1. Bereits gelöste Fragen bleiben zum Üben verfügbar.

3. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »obwohl« in diesem Textausschnitt? »Jung bin ich noch, doch schwindet und verzehrt sich Mein junges Leben wie ein Greisenthum, Vor dem mir graut, obwohl mirs noch so fern.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗

4. Welcher Ausschnitt enthält eine ausdrückliche Verneinung oder einen Ausschluss? Achte auf ein ausdrücklich genanntes Signalwort.

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗ Textstelle 5 ↗ Textstelle 6 ↗ Textstelle 7 ↗ Textstelle 8 ↗ Textstelle 9 ↗ Textstelle 10 ↗ Textstelle 11 ↗ Textstelle 12 ↗ Textstelle 13 ↗ Textstelle 14 ↗

6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse. A: »Doch kaum vom Greisenalter unterscheidet Sich meine Blütezeit. – Zum Weinen wurden Wir Zwei geboren, sprach sie.« B: »Und was bekümmert Die Seele dir? – Vergessenheit umnachtet« C: »Die Stimme stockt, wankt schon der Tag vorm Auge.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗ Textstelle 5 ↗ Textstelle 6 ↗

7. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Drum wenn auch nur ein einzig Mal Du Leid gefühlt um mein …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗ Textstelle 5 ↗ Textstelle 6 ↗ Textstelle 7 ↗ Textstelle 8 ↗ Textstelle 9 ↗ Textstelle 10 ↗ Textstelle 11 ↗ Textstelle 12 ↗

9. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Die Stimme stockt, wankt …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

10. Welcher Ausschnitt enthält ausdrücklich etwas, das trotz eines Gegengrunds gilt? Achte auf ein ausdrücklich genanntes Signalwort.

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗ Textstelle 5 ↗ Textstelle 6 ↗ Textstelle 7 ↗ Textstelle 8 ↗ Textstelle 9 ↗ Textstelle 10 ↗ Textstelle 11 ↗
Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte

1. Beschreibe die Sprechsituation. Was erfährst du über Stimme, angesprochene Person und Umgebung? Belege zwei Beobachtungen mit kurzen Zitaten.

Impulse zur Selbstprüfung

Unterscheide die lyrische Stimme von der biografischen Person. Wo der Text keine eindeutige Angabe macht, formuliere eine begründete Vermutung.

Textstelle nachlesen ↗

2. Untersuche zwei sprachliche Bilder, Wiederholungen oder Klangwirkungen. Welche Wirkung ist an den jeweiligen Stellen plausibel?

Impulse zur Selbstprüfung

Nenne jeweils Vers oder Absatz und Wortlaut; Deutungen können sich unterscheiden, müssen aber zum Text passen.

Textstelle nachlesen ↗

3. Formuliere eine Deutungshypothese und eine mögliche Gegenlesart. Welche Stelle stützt oder begrenzt deine Deutung?

Impulse zur Selbstprüfung

Trenne Textbeobachtung und Interpretation. Eine begründete Gegenlesart ist kein automatisch falsches Ergebnis.

Textstelle nachlesen ↗
Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte

Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.

Niveau 1 · Einstieg

1. Wähle zwei Wörter aus dem Gedicht. Schreibe damit vier eigene Verse. Du kannst mit „Ich sehe …“ oder „Ich höre …“ beginnen. Reime sind freiwillig.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Kennzeichne den neuen Text als eigene Bearbeitung; belege deine Entscheidungen mit dem Gedicht.

  • Zwei Wörter aus der Vorlage werden aufgegriffen.
  • Eigene Verse und übernommene Zitate sind unterscheidbar.
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 2 · Vertiefung

2. Schreibe eine eigene Strophe aus einer anderen Perspektive. Übernimm ein sprachliches Bild und verändere es bewusst. Erkläre anschließend kurz, was sich an der Wirkung ändert.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Kennzeichne den neuen Text als eigene Bearbeitung; belege deine Entscheidungen mit dem Gedicht.

  • Die neue Perspektive ist erkennbar.
  • Ein genauer Textbeleg begründet die Gestaltung.
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 3 · Gestaltung

3. Entwirf ein Antwortgedicht mit einer Gegenposition oder einer heutigen Situation. Begründe zwei sprachliche Entscheidungen mit kurzen Zitaten aus der Vorlage. Unterscheide eigene Deutung und belegbare Beobachtung.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Kennzeichne den neuen Text als eigene Bearbeitung; belege deine Entscheidungen mit dem Gedicht.

  • Die Antwort setzt sich mit konkreten Stellen auseinander.
  • Zwei korrekt gekennzeichnete Zitate stützen die Begründung.
Textstelle nachlesen ↗

Ausgabe, Herkunft und Rechte

Autorenschaft und Übersetzung nach dokumentierten Lebensdaten in Deutschland gemeinfrei. Quellenedition mit Namensnennung übernommen.

15. Der Traum

Leopardi, Giacomo: Gedichte und Prosaschriften. Übers. v. Paul Heyse, Berlin: Verlag von Wilhelm Hertz, 1889. Leopardi, Giacomo 70- Berlin

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Quelltext und Ausgabe ↗ · Originaltext gemeinfrei in Deutschland; annotierte TextGrid-Ausgabe CC BY 3.0 DE Lizenz

Welche Änderungen enthält die Lesefassung?

Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.