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Gedicht - 10. Die erste Liebe - Leopardi, Giacomo

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Deutsche Übersetzung · Lesefassung

10. Die erste Liebe

Leopardi, Giacomo

Ich weiß den Tag, da ich zum ersten Mal · 103 Verse. Mit Quell- und Lesefassung, zitiergestütztem Lesequiz und offenen Schreibaufgaben.

GedichtKlasse 9–10 · 11–131 Abschnitte
Historische Darstellung von Leopardi, Giacomo; Kontextbild zur Autorschaft.
Porträt · Leopardi, Giacomo · it:User:Twice25. · Public domain Bildquelle ↗

Deutsche Übersetzung: Paul Heyse

Hinweise für den Unterricht
  • Historische Sprache und Wertvorstellungen im Unterricht kritisch einordnen. Die Stufenzuordnung ist eine Orientierung; Auswahl und Begleitung richten sich nach der Lerngruppe.

Behutsam angepasste Schreibweise nach einer begrenzten Wortliste. Mehrdeutige Formen, erfasste Namen, Sprechernamen, Bühnenanweisungen, Überschriften und Anmerkungen bleiben unverändert. Keine vollständige redaktionelle Überarbeitung nach heutiger Rechtschreibung. Für wortgetreue Quellenzitate die Quellfassung wählen.

Abschnitt 1 von 1

10. Die erste Liebe

1
X. Die erste Liebe.
2
(1831.)
3
Ich weiß den Tag, da ich zum ersten Mal
4
Den Kampf der Liebe stritt und zu mir sprach:
5
Ist das die Liebe, weh, wie schafft sie Qual!
6
Am Boden haftete der Blick, doch ach,
Vorlage S. 61
7
Ich sah nur Sie, die mit unschuld'gem Triebe
Vorlage S. 61
8
Zuerst sich Bahn zu diesem Herzen brach.
Vorlage S. 61
9
Wie schlimm mißhandelt hast du mich, o Liebe!
Vorlage S. 61
10
Warum nur stürzt uns diese süße Lust
Vorlage S. 61
11
In solcher Schmerzen sehnliches Getriebe!
Vorlage S. 61
12
Nicht sanft, nicht heiter ward ich mir bewusst
Vorlage S. 61
13
Der neuen Macht. Sie kam mit Weh und Klagen
Vorlage S. 61
14
Und schnürte mir mit dunkler Angst die Brust.
Vorlage S. 61
15
Sprich, zärtlich Herz, was machte dich verzagen,
Vorlage S. 61
16
Was bebtest du so tief vor dem Gedanken,
Vorlage S. 61
17
Der aller Wonnen Preis davongetragen?
Vorlage S. 61
18
Bei dem Gedanken, der sich ohne Wanken
Vorlage S. 61
19
Dir Tags gesellt' und Nachts dir raunte zu
Vorlage S. 61
20
Süßschmeichelnd, wenn in Schlaf die Fluren sanken?
Vorlage S. 61
21
In Unruh', Glück und Jammer stürmtest du
Vorlage S. 61
22
Lautpochend fort und fort an dein Gefängnis
Vorlage S. 61
23
Und scheuchtest mir von meinem Pfühl die Ruh'.
Vorlage S. 61
24
Und wenn ich, matt von glühender Bedrängniß,
Vorlage S. 61
25
Die Augen schloss zum Schlummer, o wie bald
Vorlage S. 61
26
Verstört' ihn, wie im Fieber, Traumesbängniß!
Vorlage S. 61
27
Wie leibhaft stand die reizende Gestalt
Vorlage S. 61
28
Im Finstern da, und ob ich auch die Lider
Vorlage S. 61
29
Zudrückte, sie erblickt' ich tausendfalt.
Vorlage S. 61
30
Wie floss mit süßem Grau'n durch meine Glieder
Vorlage S. 61
31
Verworrne Glut, wie wogten ohne Stocken
Vorlage S. 61
32
Gedanken durch den Geist mir auf und nieder.
Vorlage S. 61
33
So fährt ein Zephyr durch die dichten Locken
Vorlage S. 61
34
Des alten Waldes, im Vorüberschweben
Vorlage S. 61
35
Ihm lange, bange Klagen zu entlocken.
Vorlage S. 61
36
Und da ich schweigend stand, wehrlos ergeben,
Vorlage S. 62
37
Was sagtest du, o Herz, als sie nun ging,
Vorlage S. 62
38
Um die in tiefer Noth du solltest beben?
Vorlage S. 62
39
Kaum, dass ich völlig an zu lodern fing,
Vorlage S. 62
40
So war des Lüftchens linder Hauch entschwunden,
Vorlage S. 62
41
Durch das ich Kühlung meiner Glut empfing.
Vorlage S. 62
42
Wach lag ich noch in frühen Morgenstunden,
Vorlage S. 62
43
Da stampfend schon an unsres Hauses Thor
Vorlage S. 62
44
Die Räuber meines Glücks, die Rosse stunden.
Vorlage S. 62
45
Und ich, verzagt und stumm, ein blöder Thor,
Vorlage S. 62
46
Hielt zum Balcon hin in den Finsternissen
Vorlage S. 62
47
Umsonst mein Aug' und mein begierig Ohr,
Vorlage S. 62
48
Ob ich noch einmal, eh' sie würd' entrissen,
Vorlage S. 62
49
Die Stimme hörte, die geliebte, traute,
Vorlage S. 62
50
Die Stimme nur! Mehr sollt' ich ewig missen.
Vorlage S. 62
51
Doch immer trafen nur gemeine Laute
Vorlage S. 62
52
Mein zweifelnd Ohr; ein Frösteln fiel mich an,
Vorlage S. 62
53
Indeß ich kaum zu athmen mir getraute.
Vorlage S. 62
54
Und als die theure Stimme endlich dann
Vorlage S. 62
55
Mir an die Seele drang und von den Rossen
Vorlage S. 62
56
Und Rädern schlug der Lärm zu mir hinan,
Vorlage S. 62
57
Da, nun verwais't, die Augen fest geschlossen,
Vorlage S. 62
58
Vergrub im Pfühl ich zuckend mein Gesicht,
Vorlage S. 62
59
Die Hand aufs Herz gepresst, in Gram zerflossen.
Vorlage S. 62
60
Dann wankend unter meines Grams Gewicht
Vorlage S. 62
61
Schleppt' ich mich dumpf durchs schweigende Gemach
Vorlage S. 62
62
Und sprach: Was nun auch kommt, es rührt dich nicht!
Vorlage S. 62
63
Und bitterlich ward die Erinnrung wach
Vorlage S. 62
64
In meiner Brust, für jedes Bild verschlossen,
Vorlage S. 62
65
Für jede Stimme, die zum Herzen sprach.
Vorlage S. 62
66
Ein öder Schmerz war über mich ergossen,
Vorlage S. 63
67
Wie wenn der Regen weit und breit ins Land
Vorlage S. 63
68
Herniederrieselt, traurig und verdrossen.
Vorlage S. 63
69
Noch hatt' ich dich, o Liebe, nicht gekannt,
Vorlage S. 63
70
Und achtzehn Sommer lebt' ich bis zum Tage,
Vorlage S. 63
71
Wo ich mit Tränen deine Macht empfand.
Vorlage S. 63
72
Entwerthet war mir wie mit einem Schlage
Vorlage S. 63
73
Jedwede Lust, die heil'ge Morgenfrühe,
Vorlage S. 63
74
Der Sterne Glanz, des Frühlings Blütenhage.
Vorlage S. 63
75
Ich fühlte, wie die Sehnsucht selbst verglühe
Vorlage S. 63
76
Nach Ruhm, von der so heiß mein Busen brannte;
Vorlage S. 63
77
Nur Schönheit noch erschien mir werth der Mühe.
Vorlage S. 63
78
Nicht mehr zu den vertrauten Büchern wandte
Vorlage S. 63
79
Sich Aug' und Sinn. Leer schien mir auf einmal,
Vorlage S. 63
80
Was ich zuvor als einzig werth erkannte.
Vorlage S. 63
81
Wie hatt' ich mich verwandelt! ach, wie stahl
Vorlage S. 63
82
Die neue Leidenschaft mein Herz der alten!
Vorlage S. 63
83
Traun, eitle Menschen sind wir allzumal.
Vorlage S. 63
84
Nur noch mein Herz gefiel mir, Zwiesprach halten
Vorlage S. 63
85
Mit ihm, in ew'ge Träumerei begraben,
Vorlage S. 63
86
Und meinen Kummer hüten vorm Erkalten.
Vorlage S. 63
87
Nichts wollte mehr der Blick zu schauen haben,
Vorlage S. 63
88
Ob schön, ob hässlich; in sich selbst gekehrt,
Vorlage S. 63
89
Am eignen Licht nur wollt' er sich erlaben;
Vorlage S. 63
90
Aus Furcht, das reine Bild, so keusch verklärt,
Vorlage S. 63
91
Getrübt zu sehn im Spiegel meiner Brust,
Vorlage S. 63
92
Wie Seeflut, über die ein Lüftchen fährt.
Vorlage S. 63
93
Und jene Reue, dass ich nicht gewusst
Vorlage S. 63
94
Voll auszukosten, was so schön und gut,
Vorlage S. 63
95
Sie, die Vergifterin entschwundner Lust,
Vorlage S. 63
96
Trieb ihren Dorn mir rastlos in das Blut
Vorlage S. 64
97
Im Rückgedenken; ob auch noch die Pein
Vorlage S. 64
98
Der Schuld nicht an mir nagt' in wilder Glut.
Vorlage S. 64
99
Euch, edle Seelen, dir, du Sonnenschein,
Vorlage S. 64
100
Schwör' ich's: kein niedrer Wunsch hat mich verzehrt;
Vorlage S. 64
101
Die Glut in mir war sündelos und rein.
Vorlage S. 64
102
Und noch wird diese Flamme fortgenährt,
Vorlage S. 64
103
Noch lebt das schöne Bild in meiner Seele,
Vorlage S. 64
104
Und ob sie nur ein Traumglück mir gewährt –
Vorlage S. 64
105
Sie bleibt der Trost, den ich allein erwähle!
Vorlage S. 64

Nach dem Lesen

Dein Blick auf das Kapitel

10er-QuizZitate verstehen · Zusammenhänge erkennen · Lernpunkte sammeln10 Fragen

Eine Antwort ist jeweils richtig. Lies den Textbeleg aufmerksam. Bei einer falschen Antwort kannst du es erneut versuchen.

Angemeldet zählen richtige Antworten für deinen Lernstand. Als Gast übst du ohne Kontopunkte.

Je Frage sind beim ersten Versuch 10 Punkte möglich, danach 5, 3 oder 1. Bereits gelöste Fragen bleiben zum Üben verfügbar.

1. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Wie schlimm mißhandelt hast …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

5. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Und ich, verzagt und stumm, ein blöder Thor, Hielt zum Balcon hin …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗ Textstelle 5 ↗ Textstelle 6 ↗ Textstelle 7 ↗ Textstelle 8 ↗ Textstelle 9 ↗ Textstelle 10 ↗ Textstelle 11 ↗

6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse. A: »Wie hatt' ich mich verwandelt! ach, wie stahl« B: »Nicht sanft, nicht heiter ward ich mir bewusst Der neuen Macht.« C: »Mein zweifelnd Ohr; ein Frösteln fiel mich an, Indeß ich kaum zu athmen mir getraute.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗ Textstelle 5 ↗
Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte

1. Beschreibe die Sprechsituation. Was erfährst du über Stimme, angesprochene Person und Umgebung? Belege zwei Beobachtungen mit kurzen Zitaten.

Impulse zur Selbstprüfung

Unterscheide die lyrische Stimme von der biografischen Person. Wo der Text keine eindeutige Angabe macht, formuliere eine begründete Vermutung.

Textstelle nachlesen ↗

2. Untersuche zwei sprachliche Bilder, Wiederholungen oder Klangwirkungen. Welche Wirkung ist an den jeweiligen Stellen plausibel?

Impulse zur Selbstprüfung

Nenne jeweils Vers oder Absatz und Wortlaut; Deutungen können sich unterscheiden, müssen aber zum Text passen.

Textstelle nachlesen ↗

3. Formuliere eine Deutungshypothese und eine mögliche Gegenlesart. Welche Stelle stützt oder begrenzt deine Deutung?

Impulse zur Selbstprüfung

Trenne Textbeobachtung und Interpretation. Eine begründete Gegenlesart ist kein automatisch falsches Ergebnis.

Textstelle nachlesen ↗
Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte

Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.

Niveau 1 · Einstieg

1. Wähle zwei Wörter aus dem Gedicht. Schreibe damit vier eigene Verse. Du kannst mit „Ich sehe …“ oder „Ich höre …“ beginnen. Reime sind freiwillig.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Kennzeichne den neuen Text als eigene Bearbeitung; belege deine Entscheidungen mit dem Gedicht.

  • Zwei Wörter aus der Vorlage werden aufgegriffen.
  • Eigene Verse und übernommene Zitate sind unterscheidbar.
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 2 · Vertiefung

2. Schreibe eine eigene Strophe aus einer anderen Perspektive. Übernimm ein sprachliches Bild und verändere es bewusst. Erkläre anschließend kurz, was sich an der Wirkung ändert.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Kennzeichne den neuen Text als eigene Bearbeitung; belege deine Entscheidungen mit dem Gedicht.

  • Die neue Perspektive ist erkennbar.
  • Ein genauer Textbeleg begründet die Gestaltung.
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 3 · Gestaltung

3. Entwirf ein Antwortgedicht mit einer Gegenposition oder einer heutigen Situation. Begründe zwei sprachliche Entscheidungen mit kurzen Zitaten aus der Vorlage. Unterscheide eigene Deutung und belegbare Beobachtung.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Kennzeichne den neuen Text als eigene Bearbeitung; belege deine Entscheidungen mit dem Gedicht.

  • Die Antwort setzt sich mit konkreten Stellen auseinander.
  • Zwei korrekt gekennzeichnete Zitate stützen die Begründung.
Textstelle nachlesen ↗

Ausgabe, Herkunft und Rechte

Autorenschaft und Übersetzung nach dokumentierten Lebensdaten in Deutschland gemeinfrei. Quellenedition mit Namensnennung übernommen.

10. Die erste Liebe

Leopardi, Giacomo: Gedichte und Prosaschriften. Übers. v. Paul Heyse, Berlin: Verlag von Wilhelm Hertz, 1889. Leopardi, Giacomo 61- Berlin

TextGrid, www.editura.de; Digitale Bibliothek. Die historischen Texte und Übersetzungen bleiben unverändert in der Quellfassung.

Quelltext und Ausgabe ↗ · Originaltext gemeinfrei in Deutschland; annotierte TextGrid-Ausgabe CC BY 3.0 DE Lizenz

Welche Änderungen enthält die Lesefassung?

Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.