Zum Inhalt springen

Gasschmiedefeuer handhaben - Schmied

Aus MOOCsWiki Staging

Gasschmiedefeuer handhaben - Schmied




Gasschmiedefeuer handhaben - Schmied


Einleitung

Ein Gasschmiedeofen, in der Werkstatt häufig auch Gasesse oder Gasschmiedefeuer genannt, erwärmt Werkstücke aus Stahl und anderen schmiedbaren Metallen auf die für das Schmieden erforderliche Temperatur. Als Brennstoff wird meist Propan oder ein Propan-Butan-Gemisch aus einem Flüssiggasbehälter verwendet. Im Unterschied zur kohlebefeuerten Schmiedeesse entsteht die Wärme in einem geschlossenen oder teilweise geschlossenen Brennraum durch einen oder mehrere Gasbrenner.

Das sichere Handhaben umfasst wesentlich mehr als das Einschalten des Brenners. Du musst den Arbeitsplatz vorbereiten, die Flüssiggasanlage kontrollieren, den Ofen nach Betriebsanleitung zünden, die Flamme überwachen, Werkstücke sicher einlegen, Störungen erkennen und die Anlage geordnet außer Betrieb nehmen. In der Ausbildung darfst Du diese Tätigkeiten nur nach Unterweisung und unter Aufsicht einer fachkundigen Person durchführen.

Wichtiger Sicherheitshinweis: Dieser Lernkurs ergänzt die betriebliche Unterweisung, ersetzt aber weder die Hersteller-Betriebsanleitung noch die Gefährdungsbeurteilung, die Betriebsanweisung oder vorgeschriebene Prüfungen. Bei Abweichungen gelten immer die Angaben des Herstellers und die betrieblichen Festlegungen.

Das Video zeigt beispielhaft einen gewerblich angebotenen Gasschmiedeofen. Prüfe beim Ansehen, welche Bauteile für Bedienung, Brennstoffführung und Sicherheit erkennbar sind.


Lernziele

Nach diesem aiMOOC kannst Du:

  1. Aufbau und Funktion: die wesentlichen Bauteile eines Gasschmiedeofens fachgerecht benennen und ihre Funktion erklären.
  2. Sicherheitskontrolle: Gasflasche, Druckregeleinrichtung, Schlauchleitung und Sicherheitseinrichtungen vor dem Betrieb kontrollieren.
  3. Inbetriebnahme: einen freigegebenen Gasschmiedeofen nach Herstellerangaben sicher in Betrieb nehmen und überwachen.
  4. Störungen: bei Gasgeruch, Flammenausfall, ungewöhnlichen Geräuschen oder beschädigten Bauteilen richtig reagieren.
  5. Arbeitsprozess: Werkstücke sicher erwärmen und die Wärmezufuhr an Werkstoff, Querschnitt und Schmiedevorgang anpassen.
  6. Außerbetriebnahme: den Ofen geordnet abschalten, abkühlen lassen und festgestellte Mängel dokumentieren.


Fachlicher Input


Aufgabe und Einsatzbereich

Gasschmiedeöfen werden vor allem zum gleichmäßigen Erwärmen kleiner und mittlerer Werkstücke eingesetzt. Sie finden sich unter anderem in Kunstschmieden, Metallgestaltungsbetrieben, Messer- und Werkzeugschmieden, Hufbeschlagschmieden sowie in Berufsschulen. Die Bauform kann stationär oder mobil sein. Ein mobiler Ofen muss beim Transport und am Einsatzort ebenso sicher betrieben werden wie ein fest installierter Ofen.

Die Gasflamme überträgt Wärme durch Konvektion und Wärmestrahlung auf das Werkstück. Die feuerfeste Ofenauskleidung speichert und reflektiert Wärme. Dadurch kann der Brennraum rasch hohe Temperaturen erreichen. Der genaue Betriebsdruck, die zulässige Brennereinstellung und die erreichbare Temperatur hängen von der Bauart des Ofens ab und dürfen nicht von allgemeinen Erfahrungswerten abgeleitet werden.


Aufbau eines Gasschmiedeofens

Bauteil Fachliche Funktion Wichtiger Kontrollpunkt
Flüssiggasbehälter Bevorratet Propan, Butan oder ein Gemisch unter Druck. Aufrechte, gesicherte Aufstellung; Schutz vor Erwärmung und Beschädigung.
Behälterabsperrventil Öffnet oder schließt die Gasentnahme direkt an der Gasflasche. Muss zugänglich, unbeschädigt und eindeutig bedienbar sein.
Druckregeleinrichtung Reduziert den Flaschendruck auf den für den Ofen vorgesehenen Betriebsdruck. Nur eine für Flüssiggas und den Ofen geeignete Ausführung verwenden.
Schlauchbruchsicherung Unterbricht den Gasstrom bei stark erhöhtem Durchfluss, etwa nach einem Schlauchabriss. Richtige Einbaurichtung, unbeschädigter Zustand und freie Funktion.
Schlauchleitung Führt das gasförmige Flüssiggas vom Druckminderer zum Ofen. Normkennzeichnung, Herstellungsdatum, verpresste Anschlüsse und keine Risse oder Scheuerstellen.
Flammrückschlagsicherung Verhindert unter festgelegten Bedingungen einen Flammenrückschlag in Richtung Gasversorgung. Vorhandensein und Prüfnachweis entsprechend Anlagenkonzept kontrollieren.
Zündeinrichtung Entzündet das Gas-Luft-Gemisch, meist durch einen Piezozünder. Funktionsfähig; niemals durch ein Feuerzeug ersetzen.
Flammenüberwachungseinrichtung Sperrt die Gaszufuhr, wenn die Flamme erlischt. Thermoelement oder Flammenwächter dürfen niemals überbrückt werden.
Brenner Mischt Gas und Verbrennungsluft und führt das Gemisch dem Brennraum zu. Fester Sitz, freie Öffnungen und unveränderte Herstellereinstellung.
Brennraum und Ofenauskleidung Bündeln und speichern die Wärme. Keine losen Teile, größeren Risse oder freiliegenden Fasern.
Ofenabsperreinrichtung Regelt oder sperrt die Gaszufuhr am Gasschmiedeofen. Leichtgängig, eindeutig gekennzeichnet und im Notfall erreichbar.


Technische Sicherheitseinrichtungen

Die Druckregeleinrichtung passt den Druck aus dem Flüssiggasbehälter an den Betriebsdruck des Ofens an. Sie ist kein gewöhnliches Ventil, sondern ein sicherheitsrelevantes Bauteil. Eigenmächtige Veränderungen, ungeeignete Adapter oder nicht freigegebene Druckbereiche sind unzulässig.

Eine Schlauchbruchsicherung ist bei Gasschmiedeöfen erforderlich, wenn die Schlauchleitung länger als 40 Zentimeter ist. Sie soll verhindern, dass nach einem plötzlichen Schlauchabriss weiter große Gasmengen austreten. Die Sicherung ersetzt weder die Sichtprüfung noch die Dichtheitskontrolle.

Die Flammrückschlagsicherung begrenzt das Risiko eines Flammenrückschlags. Die Flammenüberwachungseinrichtung erkennt einen Flammenausfall und unterbricht die Gaszufuhr. Bei Anlagen, die nicht ständig in unmittelbarer Nähe und mit Sichtkontakt überwacht werden, sind diese Schutzfunktionen besonders wichtig. In der Ausbildung gilt trotzdem: Ein brennender Ofen bleibt unter unmittelbarer Aufsicht.


Gefährdungen verstehen

Für eine Verbrennung werden Brennstoff, Sauerstoff und Zündenergie benötigt. Beim Gasschmiedefeuer sind alle drei Voraussetzungen vorhanden. Deshalb können Undichtigkeiten, verspätete Zündung oder eine Ansammlung unverbrannten Gases zu Brand oder Explosion führen.

Gefährdung Mögliche Ursache Schutzmaßnahme
Brand und Explosion Undichte Verbindung, ausströmendes Flüssiggas, falsches Zünden oder brennbare Stoffe im Umfeld. Dichtheitskontrolle, freie Sicherheitsabstände, vorgeschriebene Zündeinrichtung und ständige Aufsicht.
Verbrennung Berühren von Ofengehäuse, Tür, Werkstück oder Zange. Geeignete PSA, sichere Ablage und Kennzeichnung heißer Teile.
Schädliche Verbrennungsprodukte Unvollständige Verbrennung oder unzureichende Lüftung. Betrieb nur bei ausreichender Lüftung beziehungsweise nach betrieblichem Lüftungskonzept.
Flammenaustritt Falsche Brennereinstellung, Druckänderung oder teilweise verschlossene Ofenöffnung. Herstellereinstellung einhalten und Flammenbild fortlaufend beobachten.
Schlauchschaden Hitze, Funken, Quetschen, Scheuern oder Alterung. Schlauch geschützt, sichtbar und außerhalb heißer Bereiche verlegen.
Umstürzende Gasflasche Fehlende Sicherung oder ungeeigneter Untergrund. Flasche aufrecht aufstellen und gegen Umfallen sichern.
Faser- und Mineralstaub Beschädigung oder Austausch der Hochtemperaturdämmung. Arbeiten nur nach Betriebsanweisung, Gefährdungsbeurteilung und mit festgelegten Schutzmaßnahmen.

Das englischsprachige Video verdeutlicht die Bedeutung der Lüftung in einer Schmiedewerkstatt. Eine offene Tür allein ist nicht automatisch ein ausreichender Nachweis für sichere Lüftungsverhältnisse.


Persönliche Schutzausrüstung

Die erforderliche PSA ergibt sich aus der betrieblichen Gefährdungsbeurteilung. Typischerweise gehören dazu:

  1. Augenschutz: Schutzbrille mit Seitenschutz; bei besonderem Funken- oder Zunderflug zusätzlich ein geeigneter Gesichtsschutz.
  2. Schutzkleidung: eng anliegende, langärmlige Arbeitskleidung aus schwer entflammbarem Material; keine leicht schmelzenden Kunstfasern.
  3. Körperschutz: Lederschürze oder vergleichbarer Schutz gegen Strahlungswärme, Funken und Zunder.
  4. Fußschutz: knöchelhohe Sicherheitsschuhe entsprechend der betrieblichen Festlegung.
  5. Handschutz: geeignete Handschuhe für heiße Werkstücke und raue Oberflächen; heiße Werkstücke werden dennoch mit der passenden Schmiedezange geführt.
  6. Gehörschutz: verwenden, wenn die Lärmbelastung durch Brenner, Hammer oder Maschinen dies erfordert.

Handschuhe machen ein heißes Werkstück nicht sicher greifbar. Sie schützen nur begrenzt und können bei langer Wärmeeinwirkung selbst stark erhitzen.


Arbeitsplatz vorbereiten

Vor jedem Arbeitsbeginn führst Du eine systematische Kontrolle durch:

  1. Arbeitsbereich: Flucht- und Verkehrswege freihalten, Unbeteiligte fernhalten und Stolperstellen beseitigen.
  2. Brandlasten: Holz, Papier, Textilien, Lösemittel, Kraftstoffe und andere brennbare Stoffe aus dem Gefahrenbereich entfernen.
  3. Flüssiggasbehälter: aufrecht, standsicher und gegen Umfallen geschützt aufstellen; niemals erwärmen.
  4. Abstände: Nach der DGUV-Musterbetriebsanweisung sind zu Brandlasten und fremden Zündquellen mindestens fünf Meter Abstand zum Flüssiggasbehälter einzuhalten; für den zugehörigen Gasschmiedeofen wird ein Abstand von mindestens 0,7 Metern genannt. Weitergehende Hersteller- oder Betriebsvorgaben haben Vorrang.
  5. Luftführung: vorgesehene Lüftungs- oder Absaugeinrichtungen einschalten und freie Zu- und Abluft sicherstellen.
  6. Gasweg: Schlauch auf Risse, Versprödung, Scheuerstellen, Quetschungen und Wärmeeinwirkung prüfen.
  7. Verbindungen: Nach Montage oder erneutem Anschrauben die Verbindungen mit zugelassenem Lecksuchspray prüfen. Eine offene Flamme ist zur Lecksuche verboten.
  8. Löschmittel: geeigneten und geprüften Feuerlöscher sowie weitere betriebliche Löschmittel zugänglich halten.
  9. Arbeitsmittel: passende Schmiedezange, Ablage, Hammer und Werkstück vor dem Zünden bereitlegen.


Inbetriebnehmen und Zünden

Die folgende Reihenfolge ist ein allgemeines Ausbildungsschema. Die konkrete Reihenfolge der Ventile, Bedienelemente und Zündschritte richtet sich nach der Hersteller-Betriebsanleitung und der betrieblichen Betriebsanweisung.

  1. Freigabe prüfen: Nur einen mängelfreien, geprüften und für den vorgesehenen Einsatz freigegebenen Gasschmiedeofen benutzen.
  2. Bedienelemente kontrollieren: Ofenabsperreinrichtung und Brennerregler müssen sich in der vorgeschriebenen Ausgangsstellung befinden.
  3. Gasweg prüfen: Druckregeleinrichtung, Schlauchbruchsicherung, Schlauchleitung und Anschlüsse nochmals visuell kontrollieren.
  4. Behälterabsperrventil öffnen: Das Ventil langsam und ohne Gewalt nach der festgelegten Reihenfolge öffnen.
  5. Schlauchbruchsicherung aktivieren: Falls die Bauart eine manuelle Betätigung verlangt, genau nach Herstellerangabe vorgehen.
  6. Zündeinrichtung betätigen: Ausschließlich die am Ofen vorgesehene Zündvorrichtung verwenden. Ein Feuerzeug, Streichholz oder improvisierter Zündbrenner ist nicht zulässig.
  7. Flamme kontrollieren: Das Zünden muss unmittelbar und gleichmäßig erfolgen. Bei verzögerter Zündung, Verpuffung, Gasgeruch oder ungewöhnlichem Flammenbild sofort nach Betriebsanweisung abschalten.
  8. Sicherheitsfunktion beobachten: Prüfen, ob Flammenwächter oder Thermoelement ordnungsgemäß wirksam werden.
  9. Aufheizphase überwachen: Der Ofen bleibt während des Aufheizens unter direkter Aufsicht. Brennergeräusch, Flammenbild, Schlauchlage und Umgebung werden beobachtet.

Das Video zeigt ein mögliches Vorgehen an einem bestimmten Ofentyp. Übertrage die Bedienfolge nicht ungeprüft auf andere Anlagen, sondern vergleiche sie mit der Betriebsanleitung Deines Ausbildungsbetriebs.


Gasschmiedefeuer im Betrieb handhaben

Während des Betriebs führst Du das Werkstück mit einer geeigneten Schmiedezange in den Brennraum. Es muss sicher gehalten werden und darf den Brenner nicht blockieren. Türen und Öffnungen werden nur so weit geschlossen, wie es der Hersteller zulässt. Ein vollständiges Abdichten des Brennraums kann zu gefährlichem Druckaufbau und unkontrolliertem Flammenaustritt führen.

Die Erwärmung soll möglichst gleichmäßig erfolgen. Dünne Querschnitte erreichen die Schmiedetemperatur schneller als massive Werkstücke. Scharfe Kanten und Spitzen überhitzen besonders leicht. Das Werkstück wird deshalb regelmäßig beobachtet und gegebenenfalls gedreht oder anders positioniert.

Die Glühfarbe liefert nur eine Orientierung. Umgebungslicht, Werkstoff, Zunder und persönliche Wahrnehmung beeinflussen die Beurteilung. Für qualitätsrelevante Arbeiten werden betriebliche Temperaturvorgaben und geeignete Messverfahren verwendet. Funkenbildung oder ein beginnendes „Verbrennen“ des Stahls sind Warnzeichen für Überhitzung.

Datei:Blacksmith Working at Möhkön Ruukki.webm


Flammenbild und Betriebszustand beurteilen

Ein stabiler Brenner arbeitet mit gleichmäßigem Geräusch und einem reproduzierbaren Flammenbild. Eine plötzlich abhebende, zurückschlagende, flackernde oder erlöschende Flamme ist eine Störung. Auch auffälliges Dröhnen, Pfeifen, Knallen oder eine starke Veränderung des Flammenaustritts muss ernst genommen werden.

Du veränderst Luftzufuhr, Gasdruck, Düse oder Brennerposition nur, wenn dies Teil der Betriebsanleitung ist und Du dafür unterwiesen wurdest. Eigenmächtiges „Tuning“ kann Verbrennung, Leistung und Sicherheitseinrichtungen unzulässig verändern.

Nutze das Video zur Beobachtung allgemeiner Schmiedesicherheit. Erstelle dabei eine Liste der Punkte, die mit Deiner betrieblichen Unterweisung übereinstimmen oder von ihr abweichen.


Außerbetriebnehmen

Nach Arbeitsende wird der Ofen nach Betriebsanweisung abgeschaltet. Die DGUV-Musterbetriebsanweisung sieht vor, die Ventile beginnend am Behälterabsperrventil bis zur Ofenabsperreinrichtung zu schließen. Beim erneuten Inbetriebnehmen werden sie in derselben Reihenfolge geöffnet. Die Herstellerangaben bleiben verbindlich.

Nach dem Abschalten:

  1. Flammenfreiheit kontrollieren: Prüfen, ob alle Brenner vollständig erloschen sind.
  2. Ventilstellungen prüfen: Behälterabsperrventil und Ofenabsperreinrichtung müssen eindeutig geschlossen sein.
  3. Abkühlbereich sichern: Ofen, Werkstücke, Zangen und Ablagen bleiben lange heiß und werden gegen unbeabsichtigtes Berühren gesichert.
  4. Lüftung nachlaufen lassen: Lüftung entsprechend Betriebsanweisung weiterbetreiben.
  5. Arbeitsplatz kontrollieren: Nach Glutnestern, brennbaren Rückständen, Zunder und sonstigen Brandgefahren suchen.
  6. Mängel dokumentieren: Auffälligkeiten im vorgesehenen Prüf- oder Übergabedokument eintragen und der verantwortlichen Person melden.


Verhalten bei Störungen und Gasgeruch

Bei Gasgeruch, Ausströmgeräuschen oder einem vermuteten Leck gilt:

  1. Gaszufuhr stoppen: Behälterabsperrventil nur schließen, wenn dies gefahrlos möglich ist.
  2. Zündquellen vermeiden: Keine offenen Flammen, keine Funken, nicht rauchen und keine elektrischen Schalter betätigen.
  3. Personen entfernen: Gefahrenbereich räumen und Unbeteiligte warnen.
  4. Lüften: Türen und Fenster gefahrlos öffnen; keine Geräte einschalten, die einen Zündfunken erzeugen könnten.
  5. Verantwortliche informieren: Ausbilder, Vorgesetzte oder zuständige Fachkraft benachrichtigen.
  6. Notruf absetzen: Bei akuter Gefahr, Brand oder nicht beherrschbarer Gasfreisetzung die Feuerwehr unter 112 alarmieren.

Ein erloschener Brenner darf nicht sofort neu gezündet werden. Zuerst muss die Gaszufuhr geschlossen, die Ursache geklärt und der Brennraum nach Herstellerangabe sicher belüftet werden. Beschädigte oder auffällige Anlagen werden gegen Wiederbenutzung gesichert.


Brandbekämpfung und Erste Hilfe

Ein Entstehungsbrand wird nur bekämpft, wenn Du unterwiesen bist, ein geeigneter Feuerlöscher verfügbar ist und ein sicherer Rückzugsweg besteht. Menschenrettung, Warnung und Notruf haben Vorrang. Eine brennende Gasfreisetzung darf nicht unüberlegt gelöscht werden, solange weiter Gas austritt. Entscheidend ist das sichere Unterbrechen der Gaszufuhr durch dafür ausgebildete Personen oder die Feuerwehr.

Bei Verbrennungen wird die betroffene Person aus dem Gefahrenbereich gebracht und Erste Hilfe geleistet. Großflächige oder schwere Verbrennungen sind ein medizinischer Notfall. Festgeklebte Kleidung wird nicht gewaltsam entfernt. Betriebliche Erste-Hilfe-Regeln und aktuelle Rettungsdienstempfehlungen sind einzuhalten.


Gasflasche, Schlauchleitung und Transport

Flüssiggas ist schwerer als Luft. Austretendes Gas kann sich deshalb in Gruben, Schächten, Kellern oder anderen tiefer liegenden Bereichen sammeln. Gasflaschen werden nicht in solchen Bereichen aufgestellt oder gelagert.

Für den innerbetrieblichen oder fahrzeuggebundenen Transport gelten besondere Vorgaben. Gasflaschen müssen gegen Verrutschen und Umfallen gesichert sein. Ventile sind zu schließen, Leitungen nach Vorgabe drucklos zu machen und Lüftungsöffnungen freizuhalten. Für Schmiedefahrzeuge gelten die betrieblichen Transportanweisungen, die Gefahrgutregelungen und die vorgeschriebenen Prüfungen der eingebauten Flüssiggasanlage.

Die Schlauchleitung muss sichtbar und vor heißen Teilen, scharfen Kanten, Funkenflug und mechanischer Beschädigung geschützt verlegt sein. In Europa ist eine geeignete Flüssiggasschlauchleitung typischerweise orange gekennzeichnet. Sie trägt unter anderem Normangabe, Hersteller, zulässigen Betriebsdruck und Herstellungsdatum. Nach der DGUV Information 209-076 darf der Schlauch nicht älter als acht Jahre sein; bei Beschädigung oder Herstellerforderung ist er früher auszutauschen.


Prüfung, Wartung und Ofenauskleidung

Die tägliche Sichtkontrolle durch die Bedienperson ersetzt keine wiederkehrende Prüfung. Der sichere Zustand von Druckregeleinrichtung, Schlauchbruchsicherung, Flammrückschlagsicherung, Schlauchleitung, Zündeinrichtung und Flammenüberwachung muss entsprechend Gefährdungsbeurteilung und Herstellerangaben geprüft werden. Prüfungen an eingebauten Anlagen dürfen nur von einer dafür befähigten Person durchgeführt und müssen dokumentiert werden.

Typische Mängel sind:

  1. Schlauchmängel: Risse, Verhärtung, Verfärbung, Scheuerstellen oder fehlende Kennzeichnung.
  2. Reglermängel: beschädigtes Gehäuse, undichte Anschlüsse oder nicht plausibler Druck.
  3. Zündmängel: schwacher oder fehlender Zündfunke und verzögerte Zündung.
  4. Sicherheitsmängel: Gaszufuhr wird nach Flammenausfall nicht zuverlässig gesperrt.
  5. Auskleidungsmängel: lose Steine, Risse, Ausbrüche oder freiliegende Fasern.
  6. Brennermängel: Verformung, Verschmutzung, lockerer Sitz oder Rückbrandspuren.

Ofenauskleidungen können Hochtemperaturwollen oder andere feuerfeste Materialien enthalten. Beim Entfernen gealterter Auskleidungen können gefährliche Faser- und mineralische Stäube entstehen. Der Austausch wird deshalb nicht als gewöhnliche Reinigungsarbeit behandelt, sondern nach besonderer Betriebsanweisung und Gefährdungsbeurteilung durchgeführt. Je nach Material sind technische Lüftung, staubarmes Arbeiten, dichtschließende Schutzbrille, geeigneter Atemschutz und besondere Entsorgung notwendig. In vielen Fällen ist ein Fachbetrieb die sicherste Lösung.


Qualitätsmerkmale fachgerechten Handelns

Beobachtung Fachgerechtes Verhalten
Der Ofen soll schnell gestartet werden. Sicherheitsschritte werden nicht übersprungen; Zündung erfolgt ausschließlich mit der vorgesehenen Einrichtung.
Eine Verbindung wurde neu montiert. Dichtheit wird mit zugelassenem Lecksuchspray geprüft.
Die Flamme erlischt. Gaszufuhr schließen, Ursache klären, sicher lüften und nicht sofort neu zünden.
Der Schlauch weist eine Scheuerstelle auf. Anlage außer Betrieb nehmen und Schlauch fachgerecht ersetzen lassen.
Das Werkstück wird an einer Kante sehr hell. Wärmezufuhr und Lage korrigieren, um Überhitzung zu vermeiden.
Die Flammenüberwachung verzögert den Start. Sicherheitseinrichtung nicht überbrücken, sondern ordnungsgemäß bedienen oder prüfen lassen.
Der Arbeitsschritt ist beendet. Gasweg schließen, Nachkontrolle durchführen und heißen Bereich sichern.


Vergleich mit dem Kohleschmiedefeuer

Ein Gasschmiedefeuer lässt sich meist schneller starten und erzeugt eine relativ gleichmäßige Wärme im Brennraum. Ein Kohleschmiedefeuer ermöglicht dagegen eine örtlich stärker formbare Feuerführung und kann für große oder unregelmäßige Werkstücke Vorteile bieten. Beide Verfahren besitzen unterschiedliche Gefährdungen. Beim Kohlefeuer stehen unter anderem Rauch, Staub, Funkenflug und die Führung der Brennstoffzone im Vordergrund. Beim Gasschmiedeofen sind Dichtheit, Gasführung, Zündung und Flammenüberwachung besonders wichtig.

Nutze das Video für einen Vergleich: Welche Arbeitsschritte entfallen beim Gasschmiedeofen, und welche zusätzlichen Kontrollen der Flüssiggasanlage kommen hinzu?


Fachbegriffe im Überblick

Fachbegriff Bedeutung
Gasschmiedeofen Gasbeheizte Thermoprozessanlage zum Erwärmen von Schmiedewerkstücken.
Flüssiggas Unter Druck verflüssigtes Propan, Butan oder ein Gemisch daraus.
Druckregeleinrichtung Bauteil zur Reduzierung und Regelung des Gasdrucks.
Behälterabsperrventil Hauptabsperrung unmittelbar an der Gasflasche.
Schlauchbruchsicherung Sicherheitseinrichtung gegen starken Gasaustritt nach Schlauchbeschädigung.
Flammrückschlagsicherung Sicherheitseinrichtung gegen Rückschlagen einer Flamme in Richtung Gasversorgung.
Flammenüberwachungseinrichtung Einrichtung, die bei Flammenausfall die Gaszufuhr sperrt.
Thermoelement Temperaturabhängiger Fühler einer thermoelektrischen Zündsicherung.
Lecksuchspray Zugelassenes Mittel zum Sichtbarmachen undichter Verbindungen.
Brandlast Brennbarer Stoff, der zur Entstehung oder Ausbreitung eines Brandes beitragen kann.
Betriebsanweisung Betriebsbezogene schriftliche Festlegung von Gefahren, Schutzmaßnahmen und Verhalten.
Befähigte Person Person mit vorgeschriebener Fachkenntnis, Erfahrung und Qualifikation für bestimmte Prüfungen.


Fachliche Grundlagen und Quellen

  1. DGUV Fachbereich AKTUELL FBHM-106: Sicherer Betrieb von Gasschmiedeöfen
  2. DGUV Information 209-076: Sicherheit und Gesundheitsschutz beim Hufbeschlag
  3. DGUV Regel 110-010: Verwendung von Flüssiggas
  4. DGUV Themenfeld Manuelles Schmieden


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Womit wird eine neu montierte Gasverbindung auf Dichtheit geprüft? (Mit zugelassenem Lecksuchspray) (!Mit einer offenen Flamme) (!Mit Schmiedeöl) (!Mit Kühlwasser)




Welche Einrichtung darf zum Zünden des Gasschmiedeofens verwendet werden? (Die vorgesehene Zündeinrichtung) (!Ein Feuerzeug) (!Ein Schweißbrenner) (!Ein glühendes Werkstück)




Welche Aufgabe hat die Schlauchbruchsicherung? (Sie begrenzt den Gasaustritt bei einem Schlauchabriss) (!Sie misst die Werkstücktemperatur) (!Sie kühlt den Brenner) (!Sie hält die Gasflasche senkrecht)




Was ist bei Gasgeruch in einem Gebäude richtig? (Gaszufuhr gefahrlos schließen und ohne Schalterbetätigung lüften) (!Das Licht einschalten und nachsehen) (!Den Brenner erneut zünden) (!Mit einer Flamme nach dem Leck suchen)




Was bewirkt eine Flammenüberwachungseinrichtung? (Sie sperrt die Gaszufuhr bei Flammenausfall) (!Sie öffnet die Ofentür) (!Sie misst den Werkstückquerschnitt) (!Sie erhöht automatisch den Flaschendruck)




Wie wird eine Flüssiggasflasche beim Betrieb aufgestellt? (Aufrecht und gegen Umfallen gesichert) (!Liegend unter dem Ofen) (!In einer Arbeitsgrube) (!Direkt an einer heißen Ofenwand)




Was ist bei einer beschädigten Schlauchleitung zu tun? (Die Anlage außer Betrieb nehmen) (!Die Stelle mit Klebeband abdichten) (!Den Gasdruck erhöhen) (!Die Beschädigung mit Wasser kühlen)




Welche Aussage zur Flammenüberwachung ist richtig? (Sie darf niemals überbrückt werden) (!Sie ist nur eine Komfortfunktion) (!Sie wird beim Schmieden abgeschaltet) (!Sie ersetzt die Lüftung)




Wo beginnt nach der DGUV-Musterbetriebsanweisung das Schließen der Ventile? (Am Behälterabsperrventil) (!Am Werkstück) (!An der Lüftungsöffnung) (!Am Amboss)




Wie ist eine beschädigte Hochtemperaturauskleidung zu behandeln? (Nach Betriebsanweisung und Gefährdungsbeurteilung) (!Durch trockenes Ausblasen mit Druckluft) (!Durch Abklopfen ohne Schutzmaßnahmen) (!Durch Entsorgung im gewöhnlichen Papierkorb)





Memory

Druckregeleinrichtung Reduziert den Flaschendruck
Schlauchbruchsicherung Stoppt starken Gasfluss nach Schlauchabriss
Flammrückschlagsicherung Verhindert Flammenrückschlag
Thermoelement Erkennt die wirksame Brennerflamme
Piezozünder Erzeugt den Zündfunken
Lecksuchspray Macht undichte Verbindungen sichtbar
Behälterabsperrventil Sperrt die Gasflasche ab
Betriebsanweisung Legt betriebliche Schutzmaßnahmen fest





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Sicht- und Dichtheitskontrolle Vor Arbeitsbeginn
Zünden nach Herstellerangabe Inbetriebnahme
Flamme und Arbeitsbereich beobachten Normalbetrieb
Gaszufuhr geordnet schließen Außerbetriebnahme
Anlage sichern und Personen warnen Störung






Kreuzworträtsel

Propan Welches Flüssiggas wird häufig als Brennstoff für Gasschmiedeöfen verwendet?
Druckminderer Welches Bauteil reduziert den Flaschendruck?
Piezozünder Welche Einrichtung erzeugt häufig den Zündfunken?
Lecksuchspray Welches Mittel zeigt undichte Schraubverbindungen an?
Thermoelement Welcher Fühler gehört häufig zur Flammenüberwachung?
Brandlast Wie heißt ein brennbarer Stoff im Gefahrenbereich?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Ein Gasschmiedeofen wird häufig mit

betrieben. Der Flaschendruck wird durch die

an den Betriebsdruck des Ofens angepasst. Eine längere Schlauchleitung wird durch eine

abgesichert. Zum Zünden ist ausschließlich die vorgesehene

zu verwenden. Undichte Verbindungen werden mit

erkannt. Erlischt die Flamme, sperrt die

die Gaszufuhr. Eine Gasflasche muss aufrecht stehen und gegen

gesichert sein. Bei Gasgeruch dürfen keine elektrischen

betätigt werden. Beschädigte Schlauchleitungen führen zur sofortigen

der Anlage. Nach Arbeitsende beginnt das Schließen der Ventile am

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Bauteilskizze: Zeichne einen Gasschmiedeofen mit Gasflasche, Druckregeleinrichtung, Schlauchbruchsicherung, Schlauchleitung, Brenner, Brennraum und Absperreinrichtungen. Beschrifte jedes Bauteil.
  2. PSA-Prüfung: Stelle die für Deinen Ausbildungsplatz vorgeschriebene PSA zusammen und erkläre zu jedem Teil die Schutzwirkung.
  3. Kontrollkarte: Gestalte eine handliche Vor-Start-Kontrollkarte mit höchstens zehn Prüfpunkten.
  4. Begriffekarten: Erstelle Karten mit zehn Fachbegriffen und jeweils einer fachlich genauen Erklärung.


Standard

  1. Gefahrenanalyse: Untersuche einen beispielhaften Schmiedearbeitsplatz und ordne Gefährdungen technischen, organisatorischen und personenbezogenen Schutzmaßnahmen zu.
  2. Betriebsanweisung prüfen: Vergleiche die betriebliche Betriebsanweisung mit der Herstelleranleitung und markiere übereinstimmende sowie zusätzliche Regeln.
  3. Medienanalyse: Analysiere eines der eingebetteten Videos. Notiere richtige Sicherheitsmaßnahmen, fehlende Hinweise und mögliche Fehlinterpretationen.
  4. Verfahrensvergleich: Vergleiche Gas- und Kohleschmiedefeuer hinsichtlich Start, Temperaturführung, Emissionen, Arbeitsplatzkontrolle und Störfällen.


Schwer

  1. Unterweisungssequenz: Plane eine zehnminütige Unterweisung zur Kontrolle vor dem Zünden. Führe sie unter Aufsicht im Ausbildungsbetrieb durch.
  2. Störungsszenario: Entwickle ein Rollenspiel zu Gasgeruch in der Werkstatt. Lege Handlungsreihenfolge, Warnung, Räumung und Notruf fest.
  3. Erwärmungsversuch: Untersuche unter fachlicher Aufsicht, wie Querschnitt und Lage eines Werkstücks die Erwärmungszeit beeinflussen. Dokumentiere Beobachtungen ohne die freigegebenen Betriebsparameter zu verändern.
  4. Ausbildungsmedium: Produziere ein kurzes Lehrvideo zur sicheren Außerbetriebnahme. Lass das Drehbuch vor der praktischen Aufnahme von einer fachkundigen Person prüfen.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Fehleranalyse: An einem Arbeitsplatz liegt die Schlauchleitung nahe am heißen Ofengehäuse, die Gasflasche ist nicht gesichert und ein Karton steht neben dem Brenner. Begründe die Reihenfolge, in der Du die Mängel beseitigst.
  2. Flammenausfall: Die Flamme erlischt während des Erwärmens. Entwickle eine sichere Handlungskette und erkläre, warum sofortiges Wiederzünden gefährlich sein kann.
  3. Temperaturführung: Ein dünnes Werkstück wird an den Enden deutlich heller als in der Mitte. Leite daraus Maßnahmen für Werkstücklage, Beobachtung und Bearbeitungsablauf ab.
  4. Prüfkonzept: Unterscheide tägliche Sichtkontrolle, Funktionskontrolle und Prüfung durch eine befähigte Person. Ordne beispielhafte Tätigkeiten zu.
  5. Unterweisungsgespräch: Ein Auszubildender möchte die Flammenüberwachung überbrücken, weil der Start zu lange dauert. Formuliere eine fachlich begründete Reaktion.
  6. Mobiler Schmiedeeinsatz: Plane die sichere Aufstellung eines Gasschmiedeofens an einem fremden Einsatzort. Berücksichtige Gasflasche, Verkehrswege, Brandlasten, Lüftung, Fremdpersonen und Notfallorganisation.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du:

  1. die Baugruppen und Sicherheitseinrichtungen des Gasschmiedeofens korrekt benennst,
  2. die tägliche Sichtkontrolle vollständig und in sinnvoller Reihenfolge ausführst,
  3. Verbindungen nach Montage mit einem geeigneten Lecksuchmittel kontrollierst,
  4. den Ofen unter Aufsicht nach Betriebs- und Herstelleranweisung in Betrieb nimmst,
  5. Flammenbild, Brennergeräusch, Werkstück und Arbeitsumgebung während des Betriebs beobachtest,
  6. eine sichere Erwärmung ohne Überhitzung des Werkstücks demonstrierst,
  7. die Anlage geordnet außer Betrieb nimmst und den Abkühlbereich sicherst,
  8. bei Gasgeruch, Flammenausfall und Schlauchschaden die richtige Handlungskette erklärst,
  9. festgestellte Mängel eindeutig meldest und dokumentierst,
  10. die Grenzen der eigenen Befugnis erkennt und Prüf- oder Reparaturarbeiten einer befähigten Person überlässt.




OERs zum Thema



Verknüpfte Lernbereiche


aiMOOC-Projekte