Zum Inhalt springen

Friedrich Schleiermacher - Pädagoge

Aus MOOCsWiki Staging

Friedrich Schleiermacher - Pädagoge




Friedrich Schleiermacher - Pädagoge


Einleitung

Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher (1768–1834) gehört zu den prägenden Denkern der modernen Pädagogik, obwohl er kein geschlossenes pädagogisches Hauptwerk veröffentlichte. Seine Theorie der Erziehung ist vor allem durch Vorlesungen überliefert, die er in Berlin hielt und deren Inhalte in studentischen Nachschriften sowie amtlichen Voten zur Bildungs- und Schulpolitik erhalten sind. Für das Studium der Erziehungswissenschaft ist Schleiermacher besonders wichtig, weil er Erziehung weder allein vom Kind noch allein von Lehrplänen her denkt. Sein Ausgangspunkt ist das gesellschaftliche Generationenverhältnis: Wie soll die ältere Generation gegenüber der jüngeren handeln, damit junge Menschen am gemeinsamen Leben teilnehmen, ihre Individualität entfalten und zugleich zur Veränderung einer unvollkommenen Gesellschaft beitragen können?

Der aiMOOC führt Dich in Schleiermachers Biografie, seine Theorie-Praxis-Konzeption, seine dialektischen Grundbegriffe und seine Bedeutung für aktuelle pädagogische Fragen ein. Du lernst außerdem, historische Texte quellenkritisch zu lesen und Schleiermachers Ansatz auf gegenwärtige Felder wie Schule, Hochschule, Demokratiebildung, Inklusion, Medienpädagogik und Kinderrechte zu beziehen.

Leitfrage des Kurses: Wie lässt sich Erziehung so gestalten, dass sie gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht, ohne die Selbsttätigkeit und Besonderheit des jungen Menschen zu unterdrücken?


Lernziele

Nach der Bearbeitung dieses aiMOOCs kannst Du

  1. Biografie: zentrale Stationen in Schleiermachers Leben und ihre bildungsgeschichtliche Bedeutung erklären.
  2. Generationenverhältnis: Schleiermachers Grundfrage der Pädagogik erläutern und auf heutige Erziehungsverhältnisse übertragen.
  3. Theorie und Praxis: den Vorrang der pädagogischen Praxis und die Aufgabe wissenschaftlicher Theorie differenziert darstellen.
  4. Dialektik: zentrale Gegensatzpaare seiner Pädagogik analysieren, ohne sie vorschnell aufzulösen.
  5. Individualität: das Verhältnis von persönlicher Entfaltung und gesellschaftlicher Teilhabe beurteilen.
  6. Quellenkritik: zwischen Schleiermachers eigenen Texten, Vorlesungsnachschriften und späteren Editionen unterscheiden.
  7. Transfer: Chancen und Grenzen seines Ansatzes für gegenwärtige pädagogische Situationen begründet diskutieren.


Biografischer und historischer Kontext


Lebensstationen

Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher wurde am 21. November 1768 in Breslau geboren und starb am 12. Februar 1834 in Berlin. Er erhielt zunächst eine von der Herrnhuter Brüdergemeine geprägte Ausbildung in Niesky und Barby. Danach studierte er in Halle Theologie und setzte sich intensiv mit Philosophie, Altertumswissenschaft, Aufklärung und zeitgenössischer Religionskritik auseinander.

Nach Tätigkeiten als Hauslehrer und Prediger wurde Schleiermacher 1804 Professor für Theologie und Philosophie in Halle. Infolge der napoleonischen Umbrüche ging er nach Berlin. Dort wirkte er als Prediger, Gelehrter, Universitätslehrer und Bildungsreformer. Er beteiligte sich an der Konzeption der 1810 eröffneten Berliner Universität, war erster Dekan ihrer Theologischen Fakultät und amtierte 1815/16 als Rektor. Zudem arbeitete er in staatlichen Gremien an Fragen des öffentlichen Unterrichts und der preußischen Bildungsreform mit.

Zeitraum Station Pädagogische Bedeutung
1768–1787 Kindheit und Ausbildung in Breslau, Niesky und Barby Erfahrung religiöser Erziehung, institutioneller Ordnung und persönlicher Zweifel
1787–1790 Studium in Halle Begegnung mit Aufklärung, Philosophie und historisch-kritischem Denken
1790–1793 Tätigkeit als Hauslehrer Unmittelbare Erfahrung privater Erziehungspraxis
1794–1804 Predigertätigkeiten in Berlin, Landsberg und Stolp Auseinandersetzung mit Kommunikation, Gemeinschaft und Bildung
1804–1807 Professur in Halle Verbindung von Forschung, Lehre und akademischer Bildung
1807–1834 Wirken in Berlin Universitätsreform, Vorlesungen über Pädagogik, Schulpolitik und Wissenschaftsorganisation


Berlin, Universität und Bildungsreform

Schleiermachers pädagogisches Denken entstand nicht im Rückzug aus der Praxis. Er lehrte, predigte, organisierte Wissenschaft und nahm an bildungspolitischen Beratungen teil. Diese Mehrfachrolle ist für sein Verständnis der Pädagogik als Wissenschaft zentral: Pädagogische Theorie soll nicht eine ideale Erziehung aus abstrakten Prinzipien erfinden. Sie soll eine bereits vorhandene, geschichtlich gewordene Praxis verstehen, ihre Widersprüche sichtbar machen und zu reflektierterem Handeln beitragen.

Schleiermacher gehörte zu den Mitgestaltern der modernen Universität in Berlin. Wissenschaftliche Bildung sollte nicht in der bloßen Weitergabe fertiger Ergebnisse bestehen. Studierende sollten in Prozesse des Fragens, Forschens und Urteilens eintreten. Darin liegt eine Verbindung zu heutigen Diskussionen über Forschendes Lernen, akademische Freiheit und das Verhältnis von Lehre und Forschung.


Quellenlage und wissenschaftliche Einordnung


Kein abgeschlossenes Lehrbuch

Schleiermachers Pädagogik liegt nicht als von ihm selbst fertiggestelltes Lehrbuch vor. Besonders wichtig sind Vorlesungen aus den Jahren 1813/14, 1820/21 und 1826 sowie Voten zum öffentlichen Unterricht. Ein Teil der Überlieferung beruht auf studentischen Nachschriften. Für die wissenschaftliche Arbeit folgt daraus:

  1. Quellenkritik: Du musst prüfen, ob eine Aussage aus einem von Schleiermacher veröffentlichten Text, einem Manuskript, einer Nachschrift oder einer späteren Zusammenstellung stammt.
  2. Edition: Verschiedene Ausgaben können Texte unterschiedlich ordnen, ergänzen oder kommentieren.
  3. Historischer Kontext: Begriffe wie Staat, Kirche, Familie, Geselligkeit und Öffentlichkeit haben um 1800 teilweise andere Bedeutungen als heute.
  4. Rekonstruktion: Eine systematische Darstellung seiner Pädagogik ist immer auch eine wissenschaftliche Rekonstruktion.

Die moderne kritische Gesamtausgabe macht die verschiedenen Vorlesungsjahrgänge und amtlichen Texte quellenkritisch zugänglich. Dadurch wird sichtbar, dass Schleiermachers pädagogisches Denken über längere Zeit entwickelt und auf wechselnde politische sowie institutionelle Bedingungen bezogen wurde.


Pädagogik zwischen Anthropologie und Ethik

Schleiermacher ordnet die Pädagogik zwischen Anthropologie und Ethik ein. Anthropologische Fragen betreffen die Voraussetzungen menschlicher Entwicklung: Welche Anlagen, Kräfte, Bedürfnisse und Formen der Selbsttätigkeit bringt ein junger Mensch mit? Ethische Fragen betreffen die Gestalt des gemeinsamen Lebens: Welche Formen des Zusammenlebens gelten als gut, gerecht oder verbesserungsbedürftig?

Pädagogik verbindet beide Perspektiven. Sie fragt, wie die Entwicklung eines konkreten Menschen und seine Teilnahme an gesellschaftlichen Lebensformen miteinander vermittelt werden können. Dabei darf weder das Individuum zum bloßen Mittel gesellschaftlicher Zwecke gemacht noch Gesellschaft als unwichtige Kulisse persönlicher Selbstentfaltung behandelt werden.


Grundlegung der Pädagogik


Das Generationenverhältnis

Schleiermacher beginnt seine Theorie mit einer Frage, die zu den bekanntesten Formulierungen der Pädagogikgeschichte gehört: Was will denn eigentlich die ältere Generation mit der jüngeren? Erziehung erscheint damit als eine gesellschaftlich notwendige Beziehung zwischen Generationen. Die ältere Generation übernimmt Verantwortung für Bedingungen, unter denen die jüngere in eine bereits bestehende Welt hineinwächst.

Dieser Ansatz hat mehrere Folgen:

  1. Erziehung ist nicht bloß eine private Angelegenheit einzelner Familien.
  2. Gesellschaft muss sich fragen, wie sie Wissen, Normen, Institutionen und kulturelle Praktiken weitergibt.
  3. Die jüngere Generation ist nicht nur Empfängerin, sondern bringt eigene Kräfte, Perspektiven und Veränderungsmöglichkeiten hervor.
  4. Pädagogisches Handeln ist immer in Geschichte eingebunden, weil jede Generation eine andere gesellschaftliche Lage vorfindet.
  5. Die ältere Generation besitzt Verantwortung, aber kein unbegrenztes Recht, die Zukunft der Jüngeren festzulegen.

Das Generationenverhältnis ist nicht einfach mit einem biologischen Altersunterschied gleichzusetzen. Pädagogisch entscheidend ist die asymmetrische Verteilung von Erfahrung, Macht, Ressourcen und Verantwortung. In einer Hochschule kann deshalb auch eine jüngere Lehrperson gegenüber älteren Studierenden eine institutionell pädagogische Rolle einnehmen. Ebenso können Lernende über digitales oder kulturelles Wissen verfügen, das Lehrenden fehlt. Moderne Pädagogik muss daher die Asymmetrie anerkennen und zugleich Möglichkeiten wechselseitigen Lernens eröffnen.


Erziehung als gesellschaftliche Praxis

Schleiermacher richtet den Blick auf die Funktion der Erziehung im gesamten gesellschaftlichen Leben. Junge Menschen sollen in vorhandene Lebensformen hineinfinden, urteils- und handlungsfähig werden und an deren Weiterentwicklung teilnehmen. Erziehung ist damit weder reine Anpassung noch grenzenlose Selbstentfaltung.

Für das Studium ist wichtig, zwischen drei Ebenen zu unterscheiden:

  1. Mikroebene: konkrete Interaktionen zwischen Erziehenden und Lernenden.
  2. Mesoebene: pädagogische Institutionen wie Familie, Schule, Hochschule und außerschulische Bildung.
  3. Makroebene: gesellschaftliche Ordnungen, politische Macht, kulturelle Normen und historische Veränderungen.

Schleiermachers Ansatz verbindet diese Ebenen. Eine Unterrichtssituation ist nie nur eine Beziehung zwischen zwei Personen. Sie ist auch durch Lehrpläne, Prüfungen, gesellschaftliche Erwartungen, Ungleichheiten und Zukunftsvorstellungen geprägt.


Theorie und Praxis


Die Dignität der Praxis

Ein Schlüsselgedanke lautet, dass pädagogische Praxis älter ist als pädagogische Theorie. Menschen haben erzogen, lange bevor es wissenschaftliche Pädagogik gab. Theorie erzeugt die Praxis daher nicht aus dem Nichts. Sie findet eine bereits bestehende Praxis vor, untersucht deren Voraussetzungen und unterstützt ihre bewusste Weiterentwicklung.

Die oft zitierte Dignität der Praxis bedeutet nicht, dass jede bestehende Praxis richtig ist. Gemeint ist vielmehr: Praxis besitzt eine eigene Wirklichkeit, Erfahrung und Verantwortungsstruktur, die nicht einfach durch abstrakte Modelle ersetzt werden kann. Wissenschaftliche Theorie soll Praxis weder bevormunden noch bloß bestätigen.

Praxis Theorie Vermittlung
steht unter Handlungsdruck schafft Distanz und Begriffe reflektierte Entscheidung
bezieht sich auf konkrete Personen vergleicht Fälle und Strukturen fallbezogene Urteilsbildung
enthält Erfahrungswissen prüft Voraussetzungen und Folgen professionelles Wissen
muss trotz Unsicherheit handeln kann Alternativen analysieren verantwortete Praxis


Bedeutung für pädagogische Professionalität

Für heutige pädagogische Professionalität lässt sich daraus ableiten: Professionelles Handeln ist weder die mechanische Anwendung von Forschungsergebnissen noch bloße Intuition. Es verlangt die Verbindung von wissenschaftlichem Wissen, situativer Wahrnehmung, ethischer Reflexion, Erfahrung und begründeter Entscheidung.

Ein Beispiel: Eine Lehrkraft beobachtet, dass ein Student regelmäßig zu spät kommt. Eine vorschnelle Theorieanwendung könnte das Verhalten als mangelnde Motivation deuten. Eine rein spontane Reaktion könnte sofort sanktionieren. Professionelles Handeln klärt zunächst den Fall, berücksichtigt institutionelle Regeln, mögliche Belastungen und die Wirkung verschiedener Reaktionen. Theorie erweitert den Blick; sie nimmt der handelnden Person die Entscheidung jedoch nicht ab.


Dialektische Grundstruktur


Denken in Spannungsverhältnissen

Schleiermacher entwickelt seine Pädagogik durch Gegensatzpaare. Dialektisch bedeutet hier nicht, dass ein Pol beseitigt werden soll. Pädagogisches Handeln muss vielmehr widersprüchliche Anforderungen wahrnehmen und in konkreten Situationen vermitteln. Die folgenden Spannungen bilden das gedankliche Gerüst seiner Erziehungstheorie.


Individualität und Universalität

Erziehung soll die besondere Individualität eines Menschen fördern. Zugleich soll sie Fähigkeiten entwickeln, die für gemeinsame Lebensformen notwendig sind. Schleiermacher spricht in diesem Zusammenhang von einer individuellen und einer universellen Richtung der Erziehung.

Individuelle Richtung: Der junge Mensch soll eigene Kräfte, Interessen, Ausdrucksformen und Urteilsfähigkeiten entfalten.

Universelle Richtung: Er soll Sprache, Wissen, Regeln und Praktiken erwerben, die Teilhabe an gemeinsamem Leben ermöglichen.

Eine einseitig universelle Erziehung droht, Unterschiede zu normieren und Menschen an vorgegebene Rollen anzupassen. Eine einseitig individuelle Erziehung droht, Abhängigkeiten, gemeinsame Pflichten und gesellschaftliche Bedingungen zu übersehen. Pädagogisch produktiv wird die Spannung, wenn Teilhabe so gestaltet wird, dass Verschiedenheit nicht ausgelöscht, sondern anerkannt wird.


Erhalten und Verbessern

Erziehung knüpft an eine bestehende Gesellschaft an. Ohne Sprache, Wissen, Regeln und Institutionen wäre Handlungsfähigkeit nicht möglich. Gleichzeitig darf Erziehung bestehende Unvollkommenheiten nicht einfach verewigen. Sie soll junge Menschen dazu befähigen, gesellschaftliche Zustände kritisch zu beurteilen und zu verbessern.

Erhalten Verbessern
kulturelle Orientierung ermöglichen ungerechte Strukturen kritisieren
Wissen und Erfahrungen weitergeben neue Problemlösungen entwickeln
verlässliche Regeln erschließen Regeln demokratisch prüfen
institutionelle Kontinuität sichern Institutionen veränderbar halten

Für aktuelle Bildung ist diese Spannung hoch relevant. Demokratiebildung vermittelt Verfassungsprinzipien und politische Verfahren, soll aber zugleich Kritikfähigkeit fördern. Bildung für nachhaltige Entwicklung gibt naturwissenschaftliches und gesellschaftliches Wissen weiter, fordert jedoch auch Veränderungen gegenwärtiger Produktions- und Lebensweisen.


Unterstützung und Gegenwirkung

Schleiermacher unterscheidet zwei Formen pädagogischer Tätigkeit:

  1. Unterstützung fördert Kräfte, Tätigkeiten und Entwicklungen, die pädagogisch bejaht werden.
  2. Gegenwirkung reagiert auf Handlungen oder Einflüsse, die als schädlich beurteilt werden.

Beide Formen sind aufeinander bezogen. Reine Unterstützung kann notwendige Grenzen übersehen. Reine Gegenwirkung macht Erziehung repressiv und verkennt die Selbsttätigkeit des jungen Menschen. Schleiermacher gewichtet die unterstützende Seite grundsätzlich stärker. Historische Aussagen über Scham, Zwang oder Strafe müssen jedoch kritisch im Kontext ihrer Zeit gelesen und aus heutiger Sicht an Menschenwürde, Kinderrechte, Verhältnismäßigkeit und Gewaltfreiheit gemessen werden.

Ein zeitgemäßes Beispiel ist der Umgang mit digitaler Kommunikation: Pädagogik unterstützt Medienkompetenz, Kreativität und Teilhabe. Gleichzeitig wirkt sie Cybermobbing, Manipulation und Datenschutzverletzungen entgegen. Gegenwirkung ist nur dann legitim, wenn sie transparent, verhältnismäßig und auf den Schutz sowie die zukünftige Selbstständigkeit der Lernenden gerichtet ist.


Behütung und eigene Erfahrung

Erziehung schützt junge Menschen vor Gefahren, darf sie aber nicht dauerhaft von Erfahrungen fernhalten, die für Selbstständigkeit notwendig sind. Zu viel Behütung kann Abhängigkeit erzeugen; zu wenig Schutz kann überfordern oder gefährden.

Diese Spannung begegnet Dir etwa bei Exkursionen, Experimenten, sozialen Medien, politischer Beteiligung oder selbstorganisierten Lernprojekten. Eine pädagogisch begründete Entscheidung berücksichtigt Entwicklungsstand, Risiko, Lernchance, Schutzbedarf und die Möglichkeit schrittweise wachsender Verantwortung.


Gegenwart und Zukunft

Erziehung findet in der Gegenwart statt, ist aber auf zukünftige Handlungsfähigkeit bezogen. Schleiermacher warnt sinngemäß davor, die Gegenwart des Kindes nur als Vorbereitung auf späteres Leben zu behandeln. Eine pädagogische Situation muss daher sowohl ihren aktuellen Eigenwert als auch ihre Zukunftsbedeutung berücksichtigen.

Ein Seminar ist nicht nur Mittel für eine Prüfung. Es ist zugleich ein gegenwärtiger Raum des Denkens, Sprechens, Zweifelns und gemeinsamen Lernens. Gute Hochschullehre verbindet deshalb langfristige Kompetenzentwicklung mit einer respektvollen, geistig anregenden Gegenwart.


Bildung, Selbsttätigkeit und Individualität


Selbsttätigkeit als Voraussetzung

Schleiermacher begreift den jungen Menschen nicht als passives Material. Entwicklung enthält eigene Aktivität. Pädagogisches Handeln soll Selbsttätigkeit hervorrufen, unterstützen und orientieren. Dieser Gedanke verbindet sich mit modernen Konzepten wie Selbstreguliertes Lernen, Partizipation und konstruktivistische Didaktik, darf aber nicht unhistorisch gleichgesetzt werden.

Selbsttätigkeit bedeutet nicht, Lernende allein zu lassen. Pädagogische Unterstützung schafft Zugänge, stellt Fragen, bietet Material, gibt Rückmeldung und eröffnet steigende Verantwortung. Der Lernende soll nicht nur Ergebnisse übernehmen, sondern Zusammenhänge nachvollziehen und eigene Urteile bilden.


Individualität in Gemeinschaft

Individualität entsteht nicht außerhalb sozialer Beziehungen. Sprache, Anerkennung, Konflikt, Zusammenarbeit und kulturelle Formen prägen, wie eine Person sich selbst versteht. Schleiermachers Pädagogik sucht deshalb eine Vermittlung zwischen persönlicher Eigentümlichkeit und den Anforderungen gemeinsamer Lebensformen.

Für Inklusive Pädagogik ergibt sich eine produktive Frage: Wie können Institutionen gemeinsame Teilhabe ermöglichen, ohne Unterschiede als Defizite zu behandeln? Eine schleiermachersche Antwort wäre nicht einfach Gleichbehandlung. Sie müsste universelle Zugänge mit individueller Förderung verbinden.


Vier gesellschaftliche Bezugsfelder

Schleiermacher betrachtet Erziehung im Zusammenhang größerer gesellschaftlicher Lebensbereiche. In seinen historischen Begriffen stehen besonders Staat, Kirche, freier geselliger Verkehr und Wissen beziehungsweise Wissenschaft im Vordergrund. Für eine heutige Analyse lassen sich daraus vier Fragen entwickeln:

  1. Politische Bildung: Wie werden Menschen zu urteils- und beteiligungsfähigen Bürgerinnen und Bürgern?
  2. Wertebildung: Wie setzen sich Lernende mit Sinn, Religion, Weltanschauung und moralischen Konflikten auseinander?
  3. Soziale Bildung: Wie lernen Menschen Kooperation, Kommunikation, Freundschaft und zivilgesellschaftliches Handeln?
  4. Wissenschaftspropädeutik: Wie erwerben sie die Fähigkeit, Wissen methodisch zu prüfen und selbstständig weiterzuentwickeln?

Diese Übertragung ist eine gegenwartsbezogene Rekonstruktion. Sie ersetzt nicht die historische Analyse von Schleiermachers eigenen Begriffen.


Hermeneutik und pädagogisches Verstehen


Verstehen als pädagogische Aufgabe

Schleiermacher ist auch für die Entwicklung der modernen Hermeneutik bedeutsam. Hermeneutik untersucht Bedingungen des Verstehens. Für Pädagogik ist das relevant, weil Lehrende Äußerungen, Handlungen, Texte und Situationen deuten müssen.

Pädagogisches Verstehen darf nicht mit Gedankenlesen verwechselt werden. Es bleibt fehlbar und muss durch Nachfragen, Perspektivwechsel und Kontextwissen überprüft werden. Eine einzelne Handlung erhält ihre Bedeutung erst im Zusammenhang: Schweigen kann Desinteresse, Nachdenken, Angst, Protest oder sprachliche Unsicherheit ausdrücken.


Der hermeneutische Zirkel

Beim hermeneutischen Zirkel werden Teile aus dem Ganzen und das Ganze aus seinen Teilen verstanden. Für die Interpretation eines pädagogischen Falls bedeutet das:

  1. Eine einzelne Äußerung wird im Zusammenhang der Situation gedeutet.
  2. Das Verständnis der Situation verändert sich durch neue Äußerungen.
  3. Vorwissen und Erwartungen der interpretierenden Person werden reflektiert.
  4. Deutungen werden an weiteren Beobachtungen geprüft und gegebenenfalls revidiert.

Hermeneutisches Verstehen entbindet nicht von empirischer Forschung. Beobachtung, Interview, Statistik und Dokumentenanalyse beantworten unterschiedliche Fragen. In der Erziehungswissenschaft sollten verstehende und erklärende Zugänge methodisch kontrolliert verbunden werden.


Institutionen und öffentliche Erziehung


Familie, Schule und Hochschule

Schleiermacher denkt Erziehung in unterschiedlichen institutionellen Zusammenhängen. Für eine heutige Rekonstruktion lassen sich deren Aufgaben unterscheiden:

Institution Typische pädagogische Aufgabe Zentrale Spannung
Familie Fürsorge, Bindung, erste Orientierung Nähe und wachsende Selbstständigkeit
Schule allgemeine Bildung und gesellschaftliche Teilhabe Gemeinsamkeit und individuelle Förderung
Hochschule wissenschaftliche Bildung und Forschung Anleitung und akademische Freiheit
Außerschulische Bildung freiwillige, soziale und kulturelle Lernräume Offenheit und pädagogische Verantwortung

Institutionen sind nicht neutral. Sie verteilen Chancen, definieren Normalität und üben Macht aus. Eine kritische Aneignung Schleiermachers muss deshalb fragen, wer Zugang erhält, wessen Wissen anerkannt wird und wie Betroffene an Entscheidungen beteiligt werden.


Öffentliche Verantwortung für Bildung

Weil Erziehung gesellschaftliche Zukunft mitgestaltet, kann sie nicht ausschließlich privatem Interesse überlassen bleiben. Zugleich darf öffentliche Bildung nicht zur Indoktrination werden. Der Staat soll verlässliche Bedingungen, Rechte und Zugänge sichern, während pädagogische Institutionen Kritik, Pluralität und eigenständige Urteilsbildung ermöglichen müssen.

Diese Spannung zeigt sich heute etwa bei Lehrplänen, Schulpflicht, religiöser Vielfalt, politischer Neutralität, digitaler Infrastruktur und Bildungsgerechtigkeit.


Aktualität und Kritik


Bleibende Impulse

Schleiermachers Pädagogik bietet mehrere weiterhin produktive Impulse:

  1. Relationalität: Erziehung wird als Beziehung zwischen Generationen und als gesellschaftliche Praxis verstanden.
  2. Professionalität: Theorie und Praxis müssen vermittelt werden, ohne eine Seite auf die andere zu reduzieren.
  3. Dialektisches Denken: Pädagogische Entscheidungen bewegen sich in Spannungen, die nicht durch einfache Rezepte verschwinden.
  4. Individualität: Persönliche Verschiedenheit besitzt einen eigenen pädagogischen Wert.
  5. Gesellschaftskritik: Bildung soll Bestehendes erschließen und zugleich Verbesserung ermöglichen.
  6. Selbsttätigkeit: Lernende werden als aktive Subjekte ihrer Entwicklung ernst genommen.


Grenzen des Ansatzes

Eine wissenschaftliche Würdigung muss auch Grenzen benennen:

  1. Historische Begrenztheit: Schleiermachers Begriffe sind in die gesellschaftlichen, religiösen und politischen Ordnungen Preußens um 1800 eingebunden.
  2. Machtasymmetrie: Die Frage der älteren an die jüngere Generation kann paternalistisch werden, wenn die Perspektiven der Jüngeren nicht gleichberechtigt gehört werden.
  3. Geschlechterordnung: Seine Texte reflektieren die damalige bürgerlich-patriarchale Ordnung und erfüllen heutige Ansprüche an Geschlechtergerechtigkeit nicht.
  4. Soziale Ungleichheit: Klassenbezogene Ausschlüsse und ungleiche Bildungschancen müssen stärker analysiert werden, als es in seiner Theorie geschieht.
  5. Empirische Begrenzung: Viele Überlegungen sind philosophisch-systematisch; moderne Wirkungsforschung verlangt zusätzliche empirische Methoden.
  6. Strafe und Zwang: Historische Überlegungen zur Gegenwirkung sind mit heutigen Kinder- und Menschenrechten kritisch zu prüfen.

Kritik macht einen Klassiker nicht bedeutungslos. Sie zeigt, wie historische Theorie als Denkangebot genutzt werden kann, ohne sie zu kanonisieren oder unkritisch zu aktualisieren.


Transfer auf aktuelle Felder

Gegenwartsproblem Schleiermachers Spannung Pädagogische Leitfrage
Künstliche Intelligenz in der Lehre Erhalten und Verbessern Wie werden wissenschaftliche Standards gesichert und neue Lernformen erprobt?
Inklusive Bildung Universalität und Individualität Wie entstehen gemeinsame Lernräume ohne Nivellierung von Verschiedenheit?
Social Media Unterstützung und Gegenwirkung Wie lassen sich Teilhabe fördern und Schutzrechte sichern?
Demokratiekrise gesellschaftliche Integration und Kritik Wie wird Zugehörigkeit vermittelt, ohne Konformität zu verlangen?
Klimabildung Gegenwart und Zukunft Wie werden heutige Bedürfnisse und Verantwortung für kommende Generationen vermittelt?


Mediengestützte Vertiefung


Bildquellen lesen

Historische Porträts zeigen nicht einfach, wie eine Person „wirklich war“. Kleidung, Pose, Bildausschnitt und Verwendungszweck erzeugen eine bestimmte öffentliche Darstellung. Vergleiche das Eingangsbild mit der folgenden Darstellung und untersuche, welche Rolle Schleiermacher jeweils zugeschrieben wird.

Auch Denkmäler und Gedenktafeln sind Quellen der Rezeptionsgeschichte. Sie zeigen, wann und wie eine Gesellschaft an einen Gelehrten erinnert. Schleiermachers Grabmal auf dem Dreifaltigkeitskirchhof II in Berlin macht seine öffentliche Bedeutung im 19. Jahrhundert sichtbar.


Video zur historischen Einordnung

Arbeitsauftrag zum Video: Notiere drei biografische Informationen, zwei Deutungen von Schleiermachers Werk und eine offene Frage. Prüfe anschließend mindestens eine Aussage mithilfe einer wissenschaftlichen Quelle.


Zusammenfassung

Schleiermacher begründet Pädagogik vom Generationenverhältnis her. Die ältere Generation trägt Verantwortung dafür, wie die jüngere in eine geschichtlich gewordene Welt eintritt. Erziehung soll gesellschaftliche Teilhabe, Selbsttätigkeit und Individualität verbinden. Theorie besitzt die Aufgabe, vorhandene Praxis zu verstehen, zu prüfen und zu verbessern; sie kann konkrete Verantwortung nicht ersetzen.

Sein dialektisches Denken macht sichtbar, dass pädagogisches Handeln in Spannungen steht: Individualität und Universalität, Erhalten und Verbessern, Unterstützung und Gegenwirkung, Behütung und Erfahrung sowie Gegenwart und Zukunft. Diese Spannungen lassen sich nicht durch starre Regeln auflösen. Sie erfordern fallbezogene, wissenschaftlich informierte und ethisch verantwortete Urteile.

Für die Gegenwart bleibt Schleiermacher anregend, weil er Pädagogik als gesellschaftliche, historische und relationale Wissenschaft denkt. Zugleich müssen Machtasymmetrien, Geschlechterverhältnisse, soziale Ungleichheit, empirische Fragen und Kinderrechte deutlicher berücksichtigt werden.


Quellen und weiterführende Literatur

  1. Universität Rostock: Edition der Vorlesungen Schleiermachers über Pädagogik und Psychologie
  2. Humboldt-Universität zu Berlin: Biografie Friedrich Schleiermacher
  3. Otto Friedrich Bollnow: Einige Bemerkungen zu Schleiermachers Pädagogik
  4. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften: Schleiermacher in Berlin 1808–1834
  5. Wikipedia: Friedrich Schleiermacher
  6. Wikimedia Commons: Medien zu Friedrich Schleiermacher


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Von welchem Verhältnis geht Schleiermacher bei der Grundlegung der Pädagogik aus? (Vom Verhältnis der älteren zur jüngeren Generation) (!Vom Verhältnis zwischen Staat und Markt) (!Vom Verhältnis zwischen Kunst und Natur) (!Vom Verhältnis zwischen Stadt und Land)




Welche Aussage beschreibt Schleiermachers Verhältnis von Theorie und Praxis am besten? (Pädagogische Theorie reflektiert eine bereits vorhandene Praxis) (!Pädagogische Praxis darf ohne Theorie nicht beginnen) (!Theorie ersetzt die Entscheidung im Einzelfall) (!Praxis ist für wissenschaftliche Pädagogik bedeutungslos)




Was meint die individuelle Richtung der Erziehung? (Die Entfaltung der besonderen Kräfte und Eigentümlichkeiten eines Menschen) (!Die Anpassung aller Lernenden an dieselbe Rolle) (!Die Abschaffung gemeinsamer Bildungsinhalte) (!Die ausschließliche Vorbereitung auf einen Beruf)




Welche beiden Aufgaben sollen nach Schleiermacher miteinander verbunden werden? (Erhalten und Verbessern) (!Vergessen und Wiederholen) (!Belohnen und Benoten) (!Spielen und Arbeiten)




Was kennzeichnet pädagogische Unterstützung? (Sie fördert bejahte Kräfte und Tätigkeiten) (!Sie verhindert jede selbstständige Erfahrung) (!Sie ersetzt die Aktivität der Lernenden) (!Sie beschränkt sich auf Bestrafung)




Warum ist Schleiermachers Pädagogik quellenkritisch anspruchsvoll? (Sie ist wesentlich durch Vorlesungsnachschriften und verschiedene Textfassungen überliefert) (!Sie wurde ausschließlich mündlich und ohne Aufzeichnungen tradiert) (!Alle Texte wurden erst im zwanzigsten Jahrhundert erfunden) (!Es existiert nur ein kurzer Brief zur Erziehung)




Welche Bedeutung hat Selbsttätigkeit in Schleiermachers Pädagogik? (Lernende werden als aktive Subjekte ihrer Entwicklung verstanden) (!Lernende sollen ohne jede Unterstützung bleiben) (!Nur Lehrende dürfen Bildungsziele formulieren) (!Erziehung besteht ausschließlich aus Gewöhnung)




Was verlangt dialektisches pädagogisches Denken? (Spannungen wahrzunehmen und situationsbezogen zu vermitteln) (!Jeden Gegensatz durch einen festen Lehrsatz zu beseitigen) (!Immer den gesellschaftlichen Pol zu bevorzugen) (!Auf begründete Entscheidungen zu verzichten)




Welche Aufgabe hat Hermeneutik in pädagogischen Situationen? (Sie unterstützt das methodisch reflektierte Verstehen von Äußerungen und Handlungen) (!Sie berechnet Lernerfolg ausschließlich statistisch) (!Sie ersetzt Gespräche durch Diagnosetests) (!Sie beweist die Unfehlbarkeit pädagogischer Deutungen)




Welche Kritik ist aus heutiger Sicht besonders wichtig? (Machtasymmetrien und historische Begrenzungen müssen mitreflektiert werden) (!Schleiermacher kannte keine gesellschaftlichen Institutionen) (!Seine Theorie behandelt nur naturwissenschaftliche Experimente) (!Seine Pädagogik lehnt jede Form von Individualität ab)





Memory

Generationenverhältnis Verantwortung der älteren gegenüber der jüngeren Generation
Dignität der Praxis Eigenständiger Wert bereits vorhandenen pädagogischen Handelns
Individualität Besondere Ausprägung der Kräfte eines Menschen
Universalität Befähigung zur Teilnahme an gemeinsamen Lebensformen
Unterstützung Förderung erwünschter Tätigkeit und Entwicklung
Gegenwirkung Begrenzende Reaktion auf schädliche Handlungen oder Einflüsse
Hermeneutik Methodisch reflektiertes Verstehen
Erhalten Anschluss an überlieferte kulturelle und institutionelle Formen
Verbessern Kritische Weiterentwicklung des Bestehenden





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Pädagogische Bedeutung
Generationenverhältnis Ausgangspunkt der Theorie der Erziehung
Selbsttätigkeit Eigene Aktivität des lernenden Subjekts
Individualität Entwicklung persönlicher Besonderheit
Universalität Teilnahme an gemeinsamen Lebensformen
Unterstützung Förderung bejahter Entwicklung
Gegenwirkung Begrenzung schädlicher Tendenzen
Hermeneutik Reflektiertes Verstehen von Sinnzusammenhängen






Kreuzworträtsel

Generation Welche soziale Beziehung bildet den Ausgangspunkt von Schleiermachers Pädagogik?
Praxis Was besitzt gegenüber der später entstehenden Theorie eine eigene Dignität?
Dialektik Wie heißt das Denken in zu vermittelnden Gegensätzen?
Individualität Welcher Begriff bezeichnet die besondere Eigentümlichkeit eines Menschen?
Hermeneutik Wie heißt die Lehre vom methodisch reflektierten Verstehen?
Erziehung Welche gesellschaftliche Tätigkeit vermittelt zwischen den Generationen?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Schleiermacher bestimmt das Verhältnis der älteren zur jüngeren

als Ausgangspunkt der Pädagogik. Pädagogische

besteht bereits, bevor eine wissenschaftliche Theorie über sie entsteht. Theorie soll Praxis verstehen, prüfen und zu bewussterem

beitragen. Die individuelle Richtung der Erziehung fördert die besondere

eines Menschen. Die universelle Richtung befähigt zur Teilnahme an gemeinsamen

. Erziehung soll das Bestehende nicht nur erhalten, sondern auch

. Als Unterstützung bezeichnet Schleiermacher die Förderung bejahter

. Gegenwirkung reagiert auf als schädlich beurteilte

. Beide Formen müssen verantwortungsvoll aufeinander bezogen werden. Die

des jungen Menschen verhindert, dass Erziehung als bloße Formung passiven Materials verstanden wird. Hermeneutik unterstützt das reflektierte

von Texten, Handlungen und Situationen. Schleiermachers Vorlesungen sind teilweise durch studentische

überliefert. Seine Theorie muss deshalb historisch und quellenkritisch

werden. Aus heutiger Sicht sind insbesondere Macht, soziale Ungleichheit und

stärker zu berücksichtigen.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Begriffslandkarte: Erstelle eine Concept-Map mit den Begriffen Generationenverhältnis, Praxis, Theorie, Individualität, Universalität, Unterstützung und Gegenwirkung. Markiere mindestens fünf Beziehungen mit Verben.
  2. Biografische Zeitleiste: Gestalte eine digitale oder analoge Zeitleiste mit acht Stationen aus Schleiermachers Leben. Ergänze zu jeder Station eine mögliche Bedeutung für sein pädagogisches Denken.
  3. Bildanalyse: Vergleiche zwei Porträts oder Denkmäler Schleiermachers aus dem Kurs. Beschreibe Pose, Kleidung, Perspektive und die vermittelte gesellschaftliche Rolle.
  4. Alltagsbeispiel: Beobachte eine pädagogische Situation aus Studium, Praktikum oder Alltag. Zeige, wo Unterstützung und Gegenwirkung erkennbar sind.


Standard

  1. Fallanalyse: Analysiere einen Konflikt in einem Seminar oder einer Schulklasse mithilfe der Spannungen Individualität und Universalität sowie Erhalten und Verbessern.
  2. Quellenvergleich: Vergleiche einen Abschnitt aus einer historischen Ausgabe von Schleiermachers Pädagogik mit einer modernen Sekundärdarstellung. Untersuche Unterschiede in Begriffen, Auswahl und Bewertung.
  3. Podcast: Produziere einen fünf- bis achtminütigen Podcast zur Frage, ob die ältere Generation das Recht hat, Bildungsziele für die jüngere festzulegen. Beziehe mindestens zwei Gegenargumente ein.
  4. Interview: Befrage eine pädagogische Fachkraft zum Verhältnis von Theorie und Praxis. Werte aus, welche Aussagen Schleiermachers Dignität der Praxis stützen oder relativieren.


Schwer

  1. Forschungsessay: Verfasse einen Essay zur Aktualität des Generationenverhältnisses in einer durch Migration, Digitalisierung und Klimakrise geprägten Gesellschaft.
  2. Theorievergleich: Vergleiche Schleiermachers Erziehungsbegriff systematisch mit einem Ansatz von Jean-Jacques Rousseau, Johann Friedrich Herbart, Wilhelm von Humboldt oder John Dewey. Entwickle eigene Vergleichskriterien.
  3. Forschungsdesign: Entwirf eine kleine empirische Studie zur Frage, wie Studierende pädagogische Unterstützung und institutionelle Gegenwirkung erleben. Begründe Methode, Stichprobe, Datenschutz und Auswertung.
  4. Hochschulkonzept: Entwickle ein Seminarkonzept, das Schleiermachers Idee wissenschaftlicher Selbsttätigkeit mit inklusiver Didaktik und verantwortlicher Nutzung künstlicher Intelligenz verbindet.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Transferfall Bildungsgerechtigkeit: Eine Hochschule führt ein verpflichtendes digitales Auswahlverfahren ein, das formal für alle gleich ist. Analysiere den Fall mit den Begriffen Universalität, Individualität, Erhalten und Verbessern. Formuliere eine begründete Empfehlung.
  2. Professionelles Urteil: Eine Lehrkraft muss entscheiden, ob sie bei wiederholtem störendem Verhalten sanktioniert oder unterstützend interveniert. Entwickle drei Handlungsoptionen und beurteile sie nach Transparenz, Verhältnismäßigkeit, Lernchance und Schutz der Gruppe.
  3. Generationenvertrag: Übertrage Schleiermachers Grundfrage auf Klimabildung. Zeige, welche Verantwortung ältere und jüngere Generationen jeweils tragen und wo das klassische asymmetrische Modell zu kurz greift.
  4. Theorie-Praxis-Problem: Erkläre an einem selbst gewählten Praxisbeispiel, warum wissenschaftliche Evidenz wichtig ist, aber keine automatische Handlungsanweisung liefert. Beziehe situatives Wissen und ethische Verantwortung ein.
  5. Institutionenkritik: Untersuche eine pädagogische Regel Deiner Hochschule oder Schule. Welche Funktion erhält sie, welche Veränderung wäre denkbar und welche unbeabsichtigten Folgen könnte eine Reform haben?
  6. Hermeneutische Fallarbeit: Eine Studentin schweigt in Gruppendiskussionen. Entwickle mindestens vier plausible Deutungen, nenne benötigte Kontextinformationen und zeige, wie Du vorschnelle Zuschreibungen vermeidest.
  7. Klassikerkritik: Beurteile die Aussage, Schleiermachers Pädagogik sei wegen ihrer historischen Begrenzungen für die Gegenwart unbrauchbar. Formuliere eine differenzierte Position mit mindestens zwei bleibenden Impulsen und zwei Grenzen.
  8. Konzeptentwicklung: Entwirf Kriterien für eine pädagogische Praxis, die gesellschaftliche Teilhabe fördert, Individualität schützt und Veränderungsfähigkeit stärkt. Begründe die Gewichtung Deiner Kriterien.




Lernnachweis

Für einen qualifizierten Lernnachweis zu diesem Thema solltest Du zeigen, dass Du

  1. Schleiermachers biografische und institutionelle Einbindung historisch korrekt darstellen kannst.
  2. die besondere Quellenlage seiner pädagogischen Vorlesungen quellenkritisch berücksichtigst.
  3. das Generationenverhältnis als gesellschaftliche Grundstruktur der Erziehung erklärst.
  4. die Dignität der Praxis ohne eine Abwertung wissenschaftlicher Theorie interpretierst.
  5. mindestens drei dialektische Spannungspaare auf konkrete Fälle anwenden kannst.
  6. Individualität und gesellschaftliche Teilhabe nicht als einfache Gegensätze behandelst.
  7. historische Aussagen zu Macht, Zwang und Strafe an heutigen ethischen und rechtlichen Maßstäben prüfst.
  8. einen aktuellen pädagogischen Fall mit Fachbegriffen analysierst und eine begründete Entscheidung entwickelst.
  9. zwischen Darstellung, Interpretation, Kritik und eigener Position klar unterscheidest.
  10. wissenschaftliche Quellen korrekt angibst und fremde Aussagen nachvollziehbar belegst.

Als Lernprodukt eignet sich ein Portfolio aus Quellenanalyse, Fallstudie, Theorievergleich und reflektiertem Transfer. Bewertet werden fachliche Genauigkeit, Argumentationsqualität, Quellenkritik, begriffliche Klarheit und die Fähigkeit, widersprüchliche Anforderungen abzuwägen.




OERs zum Thema



Verknüpfte Lernbereiche


aiMOOC-Projekte





Schulfach+

Prüfungsliteratur 2026
Bundesland Bücher Kurzbeschreibung
Baden-Württemberg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Mittlere Reife

  1. Der Markisenmann - Jan Weiler oder Als die Welt uns gehörte - Liz Kessler
  2. Ein Schatten wie ein Leopard - Myron Levoy oder Pampa Blues - Rolf Lappert

Abitur Dorfrichter-Komödie über Wahrheit/Schuld; Roman über einen Ort und deutsche Geschichte. Mittlere Reife Wahllektüren (Roadtrip-Vater-Sohn / Jugendroman im NS-Kontext / Coming-of-age / Provinzroman).

Bayern

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Lustspiel über Machtmissbrauch und Recht; Roman als Zeitschnitt deutscher Geschichte an einem Haus/Grundstück.

Berlin/Brandenburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Der Biberpelz - Gerhart Hauptmann
  4. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Gerichtskomödie; soziales Drama um Ausbeutung/Armut; Komödie/Satire um Diebstahl und Obrigkeit; Roman über Erinnerungsräume und Umbrüche.

Bremen

Abitur

  1. Nach Mitternacht - Irmgard Keun
  2. Mario und der Zauberer - Thomas Mann
  3. Emilia Galotti - Gotthold Ephraim Lessing oder Miss Sara Sampson - Gotthold Ephraim Lessing

Abitur Roman in der NS-Zeit (Alltag, Anpassung, Angst); Novelle über Verführung/Massenpsychologie; bürgerliche Trauerspiele (Moral, Macht, Stand).

Hamburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun

Abitur Justiz-/Machtkritik als Komödie; Großstadtroman der Weimarer Zeit (Rollenbilder, Aufstiegsträume, soziale Realität).

Hessen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  4. Der Prozess - Franz Kafka

Abitur Gerichtskomödie; Fragmentdrama über Gewalt/Entmenschlichung; Erinnerungsroman über deutsche Brüche; moderner Roman über Schuld, Macht und Bürokratie.

Niedersachsen

Abitur

  1. Der zerbrochene Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun
  3. Die Marquise von O. - Heinrich von Kleist
  4. Über das Marionettentheater - Heinrich von Kleist

Abitur Schwerpunkt auf Drama/Roman sowie Kleist-Prosatext und Essay (Ehre, Gewalt, Unschuld; Ästhetik/„Anmut“).

Nordrhein-Westfalen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Komödie über Wahrheit und Autorität; Roman als literarische „Geschichtsschichtung“ an einem Ort.

Saarland

Abitur

  1. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  2. Furor - Lutz Hübner und Sarah Nemitz
  3. Bahnwärter Thiel - Gerhart Hauptmann

Abitur Erinnerungsroman an einem Ort; zeitgenössisches Drama über Eskalation/Populismus; naturalistische Novelle (Pflicht/Überforderung/Abgrund).

Sachsen (berufliches Gymnasium)

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Irrungen, Wirrungen - Theodor Fontane
  4. Der gute Mensch von Sezuan - Bertolt Brecht
  5. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  6. Der Trafikant - Robert Seethaler

Abitur Mischung aus Klassiker-Drama, sozialem Drama, realistischem Roman, epischem Theater und Gegenwarts-/Erinnerungsroman; zusätzlich Coming-of-age im historischen Kontext.

Sachsen-Anhalt

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Themenfelder)

Abitur Schwerpunktsetzung über Themenfelder (u. a. Literatur um 1900; Sprache in politisch-gesellschaftlichen Kontexten), ohne feste Einzeltitel.

Schleswig-Holstein

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Recht/Gerechtigkeit und historische Tiefenschichten eines Ortes – umgesetzt über Drama und Gegenwartsroman.

Thüringen

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool)

Abitur In der Praxis häufig Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool; landesweite Einzeltitel je nach Vorgabe/Handreichung nicht einheitlich ausgewiesen.

Mecklenburg-Vorpommern

Abitur

  1. (Quelle aktuell technisch nicht abrufbar; Beteiligung am gemeinsamen Aufgabenpool bekannt)

Abitur Land beteiligt sich am länderübergreifenden Aufgabenpool; konkrete, veröffentlichte Einzeltitel konnten hier nicht ausgelesen werden.

Rheinland-Pfalz

Abitur

  1. (keine landesweit einheitliche Pflichtlektüre; schulische Auswahl)

Abitur Keine landesweite Einheitsliste; Auswahl kann schul-/kursbezogen erfolgen.




aiMOOCs



aiMOOC Projekte












THE MONKEY DANCE




The Monkey DanceaiMOOCs

  1. Trust Me It's True: #Verschwörungstheorie #FakeNews
  2. Gregor Samsa Is You: #Kafka #Verwandlung
  3. Who Owns Who: #Musk #Geld
  4. Lump: #Trump #Manipulation
  5. Filth Like You: #Konsum #Heuchelei
  6. Your Poverty Pisses Me Off: #SozialeUngerechtigkeit #Musk
  7. Hello I'm Pump: #Trump #Kapitalismus
  8. Monkey Dance Party: #Lebensfreude
  9. God Hates You Too: #Religionsfanatiker
  10. You You You: #Klimawandel #Klimaleugner
  11. Monkey Free: #Konformität #Macht #Kontrolle
  12. Pure Blood: #Rassismus
  13. Monkey World: #Chaos #Illusion #Manipulation
  14. Uh Uh Uh Poor You: #Kafka #BerichtAkademie #Doppelmoral
  15. The Monkey Dance Song: #Gesellschaftskritik
  16. Will You Be Mine: #Love
  17. Arbeitsheft
  18. And Thanks for Your Meat: #AntiFactoryFarming #AnimalRights #MeatIndustry


© The Monkey Dance on Spotify, YouTube, Amazon, MOOCit, Deezer, ...



Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen