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Forschendes Lernen - Pädagogik

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Forschendes Lernen - Pädagogik



Forschendes Lernen - Pädagogik

Forschendes Lernen stärkt die Eigenaktivität: Lernende entwickeln Fragen, untersuchen sie methodisch und reflektieren ihre Erkenntnisse.


Einleitung

Forschendes Lernen ist ein didaktischer Ansatz, bei dem Du nicht nur fertiges Wissen aufnimmst, sondern selbst an einem nachvollziehbaren Forschungsprozess teilnimmst. Du entwickelst eine Forschungsfrage, ordnest sie in den Forschungsstand ein, wählst ein begründetes Forschungsdesign, erhebst und analysierst Daten, interpretierst Ergebnisse und kommunizierst sie. Entscheidend ist, dass Lernen und Forschen miteinander verschränkt werden: Du erwirbst Wissen, indem Du an einer offenen, methodisch kontrollierten Frage arbeitest.

Im Studienfach Pädagogik ist Forschendes Lernen besonders bedeutsam, weil pädagogische Situationen komplex, kontextabhängig und von Beziehungen geprägt sind. Wer pädagogisch professionell handeln will, muss Beobachtungen von vorschnellen Urteilen unterscheiden, theoretische Perspektiven nutzen, empirische Befunde kritisch prüfen und die Folgen des eigenen Handelns reflektieren können. Forschendes Lernen fördert deshalb nicht nur Forschungskompetenz, sondern auch eine forschende Haltung: neugierig, skeptisch, selbstkritisch, ethisch verantwortlich und offen für unerwartete Ergebnisse.

Dieser aiMOOC richtet sich vor allem an Studierende der Erziehungswissenschaft, Pädagogik, Sozialpädagogik, Kindheitspädagogik, Schulpädagogik, Berufspädagogik und Lehramtsausbildung. Er kann außerdem in der hochschulischen Weiterbildung, in Praxissemestern und in pädagogischen Forschungswerkstätten eingesetzt werden.

Das Video der Universität Oldenburg ordnet Forschendes Lernen für das Lehramtsstudium ein.


Lernziele

Nach der Bearbeitung dieses aiMOOCs kannst Du Forschendes Lernen fachlich bestimmen, von verwandten Lernformen abgrenzen und für pädagogische Kontexte planen. Du kannst einen Forschungsprozess in sinnvolle Phasen gliedern, eine tragfähige pädagogische Forschungsfrage entwickeln, qualitative und quantitative Methoden begründet auswählen sowie Fragen der Forschungsethik berücksichtigen. Außerdem kannst Du Lernbegleitung, Scaffolding, Feedback und Prüfungsformen so gestalten, dass Selbstständigkeit und wissenschaftliche Qualität miteinander verbunden werden.


Kurzprofil

Aspekt Bedeutung im Forschenden Lernen
Gegenstand Eine offene, fachlich relevante und methodisch bearbeitbare Frage
Lernaktivität Selbstständiges Fragen, Recherchieren, Erheben, Analysieren, Interpretieren und Präsentieren
Rolle der Lehrenden Lernumgebungen gestalten, beraten, strukturieren, Rückmeldung geben und ethische Standards sichern
Rolle der Lernenden Verantwortung für Entscheidungen übernehmen, kooperieren, dokumentieren und reflektieren
Ergebnis Eine begründete Erkenntnis, die auch für andere nachvollziehbar und interessant ist
Prüfung Bewertung von Prozess, Begründungen, Forschungsprodukt und Reflexion


Begriff und pädagogische Einordnung

Forschendes Lernen gehört zur forschungsbezogenen Lehre und ist zugleich eine Form des aktiven Lernens. In der Hochschuldidaktik wird häufig an die Definition von Ludwig Huber angeknüpft: Lernende gestalten die wesentlichen Phasen eines Forschungsvorhabens mit, erfahren dessen Offenheit und reflektieren den Weg von der Frage bis zur Darstellung der Ergebnisse. Drei Merkmale sind besonders wichtig: ein weitgehend vollständiger Forschungsprozess, eine eigene oder aktiv mitentwickelte Fragestellung und ein Erkenntnisinteresse, das über die bloße Erfüllung einer Übungsaufgabe hinausgeht.

John Dewey verband Lernen mit Erfahrung, Untersuchung, Reflexion und demokratischer Teilhabe. Seine pragmatistische Pädagogik ist eine wichtige Bezugslinie aktiver und problemorientierter Lernformen.

Historisch steht Forschendes Lernen im Zusammenhang mit der Idee der Bildung durch Wissenschaft, mit Pragmatismus, Konstruktivismus, entdeckendem Lernen und reformpädagogischen Ansätzen. Für den deutschsprachigen Hochschulraum war die Schrift Forschendes Lernen – Wissenschaftliches Prüfen der Bundesassistentenkonferenz aus dem Jahr 1970 ein wichtiger Bezugspunkt. Seitdem wurde das Konzept in vielen Fachkulturen weiterentwickelt, besonders in der Lehrkräftebildung, in Praxissemestern und in projektförmigen Studienangeboten.

Das Gespräch mit Julian Nida-Rümelin eröffnet eine bildungstheoretische Perspektive auf Forschendes Lernen.


Abgrenzung zu verwandten Lernformen

Lernform Leitidee Verhältnis zum Forschenden Lernen
Entdeckendes Lernen Lernende erschließen Zusammenhänge durch eigenes Erkunden Kann eine Vorstufe oder Teilform sein; ein vollständiger wissenschaftlicher Forschungsprozess ist nicht zwingend
Problembasiertes Lernen Ausgangspunkt ist ein komplexes Problem, für das Lösungswissen aufgebaut wird Die Lösung eines Problems kann Forschung erfordern, muss aber nicht auf neue oder systematisch geprüfte Erkenntnisse zielen
Projektunterricht Ein längerfristiges Vorhaben führt zu einem gemeinsam geplanten Produkt Ein Projekt wird zu Forschendem Lernen, wenn eine Forschungsfrage, methodische Kontrolle und reflektierte Erkenntnisgewinnung zentral sind
Fallbasiertes Lernen Ein konkreter Fall wird theoriegeleitet analysiert Kann Teil eines Forschungsprozesses sein, etwa in einer Fallstudie
Forschungsorientiertes Lernen Forschungsmethoden und wissenschaftliche Denkweisen werden vorbereitet oder eingeübt Forschendes Lernen geht weiter, wenn Lernende selbst einen zusammenhängenden Forschungsprozess verantworten
Service Learning Fachliches Lernen wird mit gesellschaftlichem Engagement verbunden Lässt sich mit Forschendem Lernen kombinieren, wenn eine Praxisfrage systematisch untersucht wird

Die Grenzen sind in der Praxis fließend. Für die didaktische Planung ist deshalb weniger das Etikett als die Frage entscheidend, welche Entscheidungen Lernende selbst treffen, wie offen der Erkenntnisweg ist und wie konsequent wissenschaftliche Qualitätsstandards eingehalten werden.


Pädagogische und lerntheoretische Grundlagen


Konstruktivistische Perspektive

Aus konstruktivistischer Sicht wird Wissen nicht einfach übertragen. Lernende verknüpfen neue Erfahrungen mit Vorwissen, prüfen Deutungen und verändern ihre Vorstellungen. Forschendes Lernen schafft dafür anspruchsvolle Anlässe: Eine irritierende Beobachtung oder ein Widerspruch erzeugt ein Erkenntnisproblem, das durch Theorie, Daten und Diskussion bearbeitet wird. Dabei bleibt wissenschaftliches Wissen korrigierbar und begründungsbedürftig.


Pragmatismus und Lernen aus Erfahrung

Im Pragmatismus von John Dewey beginnt Denken häufig mit einer problematischen Situation. Handeln, Beobachten und Reflektieren bilden keinen linearen Ablauf, sondern eine Schleife. Eine Erfahrung wird pädagogisch erst dann lernwirksam, wenn sie untersucht, sprachlich gefasst, mit Begriffen verbunden und auf mögliche Konsequenzen bezogen wird. Forschendes Lernen ist deshalb mehr als bloßes Tun: Erfahrung muss reflektiert und methodisch geprüft werden.

Der Lernzyklus von David Kolb veranschaulicht die Verbindung von Erfahrung, Reflexion, Begriffsbildung und Erprobung. Forschendes Lernen kann diesen Zyklus vertiefen, indem es ihn mit wissenschaftlichen Methoden verbindet.


Selbstbestimmung, Motivation und Verantwortung

Eigene Fragen können intrinsische Motivation, fachliche Identifikation und Ausdauer fördern. Freiheit allein garantiert jedoch kein erfolgreiches Lernen. Zu große Offenheit kann überfordern, besonders wenn Vorwissen, Methodenkenntnisse oder Zeit fehlen. Deshalb verbindet eine gute Lernumgebung Autonomie mit transparenten Anforderungen, erreichbaren Zwischenzielen, Beratung und verlässlichen Rückmeldungen.


Lernen als sozialer Prozess

Wissenschaft entsteht durch Austausch, Kritik und öffentliche Begründung. Im Forschenden Lernen werden Ideen in Peer-Feedback, Forschungskolloquien, Werkstattgesprächen und Präsentationen geprüft. Kollaboratives Lernen hilft, Perspektiven zu erweitern und blinde Flecken zu erkennen. Zugleich müssen Verantwortlichkeiten, Datenzugriffe und Autorenschaft fair geklärt werden.

Erkundung, Zusammenarbeit, Konstruktion und Wissensaustausch sind eng miteinander verbundene Dimensionen aktiver Lernumgebungen.


Der Forschungsprozess

Ein Forschungsprozess ist selten streng linear. Neue Literatur kann die Fragestellung verändern, Probleme bei der Erhebung können eine Anpassung des Designs erfordern und unerwartete Befunde können zusätzliche Analysen auslösen. Dennoch bietet ein Phasenmodell Orientierung.

Ein schematischer wissenschaftlicher Erkenntnisweg. In der Pädagogik werden solche Modelle an soziale, interpretative und ethische Besonderheiten angepasst.


Phase 1: Irritation und Themenfindung

Am Anfang steht häufig eine Beobachtung, ein Widerspruch, ein Praxisproblem oder eine theoretische Unklarheit. Pädagogisch ergiebige Themen entstehen zum Beispiel aus Fragen nach Beteiligung, Lernmotivation, Inklusion, Übergängen, Mediennutzung, Beratung oder professionellem Handeln. Eine gute Themenfindung verbindet persönliches Interesse mit fachlicher Relevanz und realistischen Rahmenbedingungen.


Phase 2: Forschungsfrage entwickeln

Eine tragfähige Forschungsfrage ist klar, offen, eingrenzbar, theoretisch anschlussfähig, methodisch bearbeitbar und ethisch vertretbar. Die Frage Wie erleben Erstsemester das Peer-Feedback in einem Einführungsseminar? ist beispielsweise präziser als Ist Peer-Feedback gut? Gute Forschungsfragen vermeiden bereits eingebaute Wertungen und lassen zu, dass die Ergebnisse den Erwartungen widersprechen.

Je nach Erkenntnisinteresse können Fragen beschreibend, vergleichend, erklärend, evaluativ, rekonstruktiv oder gestaltungsorientiert formuliert werden. In quantitativen Studien werden häufig Hypothesen abgeleitet; qualitative Forschung arbeitet meist mit offenen Leitfragen und sensibilisierenden Konzepten.


Phase 3: Forschungsstand und Theorie

Eine Literaturrecherche zeigt, was bereits bekannt ist, welche Begriffe verwendet werden und wo Forschungslücken liegen. Theorien helfen, Beobachtungen zu ordnen und begründete Erwartungen zu entwickeln. In der Pädagogik können etwa Sozialisationstheorie, Motivationstheorie, Bildungstheorie, Interaktionismus, Habitus oder Professionstheorie als Bezugsrahmen dienen.

Wissenschaftliche Literatur wird nicht nur gesammelt, sondern kritisch geprüft: Welche Stichprobe wurde untersucht? Wie wurden Begriffe operationalisiert? Welche Alternativerklärungen gibt es? Welche Grenzen nennen die Autorinnen und Autoren? Eine gute Literaturübersicht führt nachvollziehbar zur eigenen Frage.


Phase 4: Forschungsdesign planen

Das Forschungsdesign verbindet Frage, Theorie, Datengrundlage und Auswertungsverfahren. Es legt fest, wer oder was untersucht wird, wann und wo die Erhebung stattfindet, wie Fälle ausgewählt werden und welche Schlussfolgerungen möglich sind. Die Methode folgt der Frage, nicht umgekehrt.

Erkenntnisinteresse Geeignete Zugänge Pädagogisches Beispiel
Erfahrungen und Deutungen verstehen Qualitatives Interview, Gruppendiskussion, offene Beobachtung Wie erleben Schülerinnen und Schüler Mitbestimmung im Klassenrat?
Verteilungen und Zusammenhänge untersuchen Fragebogen, standardisierte Tests, Sekundärdatenanalyse Wie hängen akademisches Selbstkonzept und Studienzufriedenheit zusammen?
Prozesse im Alltag rekonstruieren Teilnehmende Beobachtung, Videoanalyse, Ethnografie Wie werden Regeln in einer offenen Ganztagsgruppe ausgehandelt?
Wirkungen prüfen Experiment, Quasi-Experiment, Längsschnitt Verändert strukturiertes Peer-Feedback die Qualität von Überarbeitungen?
Praxis gemeinsam weiterentwickeln Aktionsforschung, Design-Based Research Wie kann ein Beteiligungsformat in einer Jugendhilfeeinrichtung verbessert werden?
Dokumente und Diskurse analysieren Inhaltsanalyse, Diskursanalyse, Dokumentenanalyse Welches Bildungsverständnis zeigen pädagogische Leitbilder?


Phase 5: Forschungsethik und Datenschutz

Pädagogische Forschung berührt häufig Kinder, Jugendliche, Familien, Studierende oder Fachkräfte in Abhängigkeitsverhältnissen. Deshalb ist Forschungsethik keine Zusatzaufgabe, sondern Teil der Forschungsqualität. Zu klären sind insbesondere informierte und freiwillige Einwilligung, altersangemessene Information, Widerrufsmöglichkeiten, Vertraulichkeit, sichere Datenspeicherung, Datenminimierung und der Schutz vor Belastungen.

Bei Minderjährigen genügt es nicht, nur formale Zustimmungen einzuholen. Auch die Perspektive und Zustimmung des Kindes oder Jugendlichen muss angemessen berücksichtigt werden. In Lehrveranstaltungen ist außerdem zu prüfen, ob Teilnehmende sich wegen Leistungsabhängigkeiten tatsächlich frei gegen eine Teilnahme entscheiden können. Forschung soll Nutzen und Risiken abwägen, Machtasymmetrien reflektieren und sensible Daten besonders schützen.


Phase 6: Daten erheben und dokumentieren

Eine sorgfältige Erhebung folgt festgelegten Verfahren und wird nachvollziehbar dokumentiert. Interviewleitfäden, Beobachtungsbögen, Fragebogenitems oder Testinstrumente sollten vorab erprobt werden. In einem Pretest lassen sich unklare Fragen, technische Probleme und unrealistische Zeitplanungen erkennen.

Handlungsorientierte Untersuchungen ermöglichen Beobachtung und Hypothesenprüfung. Entscheidend bleiben eine klare Frage, kontrollierte Bedingungen und eine nachvollziehbare Dokumentation.

Forschendes Lernen verbindet fachliche Tätigkeit, Zusammenarbeit und die Reflexion wissenschaftlicher Verfahren.


Phase 7: Daten auswerten

In der quantitativen Forschung werden Daten bereinigt, beschrieben und mit geeigneten statistischen Verfahren geprüft. Dabei müssen Messniveau, Stichprobengröße, Unsicherheit und mögliche Verzerrungen berücksichtigt werden. Eine statistische Auffälligkeit ist nicht automatisch pädagogisch bedeutsam.

Qualitative Daten werden beispielsweise codiert, sequenziell interpretiert, typisiert oder fallvergleichend ausgewertet. Wichtig sind ein offengelegtes Vorgehen, die Rückbindung an das Material und die Prüfung alternativer Lesarten. Software kann organisieren und rechnen, ersetzt aber nicht die theoretische und methodische Begründung.


Phase 8: Interpretieren und Grenzen bestimmen

Interpretation beantwortet die Forschungsfrage, ohne mehr zu behaupten, als Daten und Design erlauben. Dazu gehört die Unterscheidung zwischen Korrelation und Kausalität, zwischen Einzelfall und Verallgemeinerung sowie zwischen Datenbefund und normativer Bewertung. Widersprüchliche oder unerwartete Ergebnisse sind kein Scheitern, sondern können neue Fragen eröffnen.

Zu jeder Studie gehören Grenzen: kleine oder selektive Stichproben, fehlende Vergleichsgruppen, mögliche Reaktivität, unvollständige Daten, eingeschränkte Übertragbarkeit oder alternative Erklärungen. Wissenschaftliche Qualität zeigt sich auch darin, diese Grenzen transparent zu benennen.


Phase 9: Ergebnisse kommunizieren

Ergebnisse können als Forschungsbericht, Poster, Podcast, Video, Präsentation, Datengeschichte oder Praxiswerkstatt aufbereitet werden. Die Form muss zum Publikum passen, ohne wissenschaftliche Genauigkeit aufzugeben. Eine gute Darstellung trennt Frage, Methode, Befund, Interpretation und Schlussfolgerung deutlich voneinander.

Studentische Forschung wird öffentlich, wenn Ergebnisse in Postersessions diskutiert und kritisiert werden.

Ein wissenschaftliches Poster verdichtet Fragestellung, Methode, Ergebnisse und Grenzen für den fachlichen Austausch.


Phase 10: Reflexion und Anschlussfragen

Am Ende wird nicht nur das Ergebnis, sondern auch der Lern- und Forschungsprozess reflektiert. Welche Entscheidungen waren tragfähig? Wo wirkten Vorannahmen? Wie veränderte sich das Verständnis des Gegenstands? Welche ethischen Spannungen traten auf? Welche Fragen bleiben offen? Diese Reflexion verbindet Forschungskompetenz mit pädagogischer Professionalisierung.

Die systematische Übersichtsarbeit von Pedaste und weiteren Autorinnen und Autoren beschreibt einen Inquiry-Zyklus mit den übergreifenden Phasen Orientierung, Konzeptualisierung, Untersuchung, Schlussfolgerung und Diskussion. Diskussion umfasst Kommunikation und Reflexion und kann den gesamten Prozess begleiten.[1]

Der Vortrag von Malte Brinkmann problematisiert das Verhältnis von Forschen und Lernen aus methodologischer und didaktischer Sicht.


Rolle der Lehrenden: Begleiten statt allein steuern

Forschendes Lernen bedeutet nicht, Lernende ohne Unterstützung arbeiten zu lassen. Lehrende entwerfen einen verlässlichen Rahmen, sichern Ressourcen, helfen bei der Eingrenzung von Fragen und geben methodisches Feedback. Diese Unterstützung wird als Scaffolding bezeichnet: Hilfen werden so bereitgestellt, dass Lernende eine anspruchsvolle Aufgabe bewältigen können, und schrittweise reduziert, sobald Selbstständigkeit wächst.

Eine Metaanalyse von 72 Studien zum Inquiry-based Learning zeigte positive Effekte von Anleitung auf Lernaktivitäten, erfolgreiche Durchführung und Lernergebnisse. Daraus folgt kein Gegensatz zwischen Selbstständigkeit und Instruktion. Entscheidend ist eine adaptive Lernbegleitung, die weder jeden Schritt vorgibt noch notwendige Orientierung verweigert.[2]


Formen des Scaffolding

  1. Strukturierung: Meilensteine, Forschungspläne, Checklisten und realistische Zeitfenster machen den Prozess überschaubar.
  2. Modellierung: Lehrende demonstrieren, wie eine Frage geschärft, ein Interviewausschnitt codiert oder ein Befund vorsichtig interpretiert wird.
  3. Prompting: Leitfragen regen zum Begründen an, ohne die Lösung vorwegzunehmen.
  4. Feedback: Rückmeldungen beziehen sich auf Kriterien, Entscheidungen und nächste Schritte.
  5. Peer-Feedback: Lernende prüfen wechselseitig Fragen, Instrumente, Analysen und Darstellungen.
  6. Methodenberatung: Sprechstunden und Werkstätten unterstützen bei konkreten forschungspraktischen Problemen.
  7. Reflexionsimpulse: Forschungstagebücher und Portfolios machen Lernwege, Unsicherheiten und Rollen sichtbar.


Adaptive Öffnung

Der Grad der Offenheit kann variiert werden. Bei strukturierter Forschung sind Frage und Methode vorgegeben. Bei angeleiteter Forschung entwickeln Lernende eigene Lösungswege innerhalb eines Rahmens. Bei offener Forschung verantworten sie Thema, Frage, Design und Kommunikation weitgehend selbst. Die Öffnung sollte zum Vorwissen, zur verfügbaren Zeit, zur Gruppengröße und zum Risiko des Feldzugangs passen.

Der Beitrag zeigt Inquiry-based Learning in einer Lernwerkstatt und verdeutlicht die Bedeutung vorbereiteter Räume und begleitender Impulse.


Forschendes Lernen in pädagogischen Handlungsfeldern


Schule und Lehrkräftebildung

Im Praxissemester können Studierende Unterricht, Schulentwicklung oder professionelle Interaktionen untersuchen. Ein sinnvolles Studienprojekt verbindet eine eng begrenzte Frage mit dem schulischen Alltag, ohne Unterricht und Lernende unnötig zu belasten. Forschendes Lernen soll professionelle Wahrnehmung schärfen, darf aber nicht dazu führen, dass einzelne Schülerinnen, Schüler oder Lehrkräfte vorschnell bewertet werden.

Mögliche Themen sind Feedbackkultur, Beteiligung im Klassenrat, Umgang mit Heterogenität, Sprachhandlungen im Unterricht oder Übergänge zwischen Lernphasen. Besonders wichtig ist die Trennung von Forschungsrolle, Praktikumsrolle und Bewertung.


Kindheitspädagogik und frühe Bildung

Kinder entwickeln eigene Fragen zu Natur, Technik, Sprache und sozialem Zusammenleben. Pädagogische Fachkräfte können diese Fragen aufgreifen, Materialien zugänglich machen, Beobachtungen versprachlichen und Dokumentation ermöglichen. Forschendes Lernen in der frühen Bildung ist nicht mit akademischer Forschung gleichzusetzen, teilt aber zentrale Haltungen: Neugier, genaues Beobachten, Vermutungen, Erproben und gemeinsames Nachdenken.


Sozialpädagogik und Soziale Arbeit

In Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, Gemeinwesenarbeit oder Erwachsenenbildung bietet sich Partizipative Forschung an. Adressatinnen und Adressaten werden nicht nur untersucht, sondern an Fragestellung, Datenerhebung, Interpretation oder Veränderungsprozessen beteiligt. Dies kann Praxiswissen sichtbar machen, verlangt aber besondere Aufmerksamkeit für Macht, Repräsentation und die faire Verteilung von Nutzen.


Erwachsenenbildung und Weiterbildung

Berufserfahrene Lernende können eigene Praxisprobleme systematisch untersuchen. Aktionsforschung eignet sich, wenn Erkenntnis und Veränderung verbunden werden sollen. Damit die Untersuchung nicht zur bloßen Bestätigung einer gewünschten Maßnahme wird, müssen Gegenargumente, Nebenwirkungen und alternative Erklärungen ausdrücklich geprüft werden.


Digitale und hybride Lernräume

Digitale Werkzeuge unterstützen Literaturverwaltung, kollaboratives Schreiben, Onlinebefragungen, Transkription, Datenanalyse und Wissenschaftskommunikation. Sie erleichtern außerdem Open Science, etwa durch offene Materialien, dokumentierte Auswertungsschritte oder zugängliche Forschungsprodukte. Zugleich entstehen Risiken durch Datenschutzprobleme, intransparente Algorithmen, ungleiche Zugänge und eine unkritische Delegation wissenschaftlicher Urteile an Künstliche Intelligenz.

Bei der Nutzung generativer KI musst Du Eingaben datenschutzsensibel gestalten, Ergebnisse prüfen, Quellen selbst kontrollieren und den Einsatz transparent dokumentieren. KI kann Ideen strukturieren oder Formulierungen überarbeiten, darf aber nicht die Verantwortung für Forschungsentscheidungen, Interpretation und Autorenschaft übernehmen.

Lehrende verschiedener Disziplinen erläutern Inquiry-based Learning als fachübergreifendes Hochschulkonzept.


Chancen, Grenzen und typische Fehlentwicklungen


Chancen

Forschendes Lernen kann fachliches Verstehen vertiefen, Methodenkompetenz aufbauen und die Fähigkeit stärken, begründete Entscheidungen unter Unsicherheit zu treffen. Es ermöglicht, Wissenschaft als vorläufigen, sozialen und kritikoffenen Prozess zu erleben. Für pädagogische Professionen ist besonders wertvoll, dass Theorie und Praxis nicht einfach gleichgesetzt, sondern systematisch aufeinander bezogen werden.

Eine Metaanalyse zum forschenden naturwissenschaftlichen Unterricht zeigt insgesamt positive Lernwirkungen, weist aber zugleich darauf hin, dass die konkrete Gestaltung und der Grad der Anleitung bedeutsam sind.[3]


Grenzen und Risiken

Hoher Zeitbedarf, schwierige Feldzugänge, ungleiche Vorkenntnisse und Gruppenprobleme können den Lernprozess beeinträchtigen. Ergebnisoffenheit kann Unsicherheit auslösen. Ohne methodische Unterstützung entstehen leicht oberflächliche Befragungen, unklare Begriffe oder überzogene Schlussfolgerungen. Offene Formate können bestehende Ungleichheiten verstärken, wenn manche Lernende bereits Forschungserfahrung, sichere Sprache oder bessere Netzwerke besitzen.

Auch die Verbindung von Forschung und Prüfung erzeugt Spannungen. Lernende sollen Risiken eingehen und Irrtümer produktiv nutzen, erwarten aber zugleich verlässliche Bewertung. Deshalb dürfen überraschende oder nicht signifikante Ergebnisse nicht abgewertet werden. Bewertet werden sollten die Qualität der Frage, die Begründung des Designs, Sorgfalt, ethische Verantwortung, Transparenz, Reflexion und Kommunikation.


Typische Fehlentwicklungen und Gegenmaßnahmen

Fehlentwicklung Pädagogische Gegenmaßnahme
Thema ist zu groß Frage eingrenzen, Fälle reduzieren und einen realistischen Zeitplan erstellen
Methode wird gewählt, bevor die Frage klar ist Erkenntnisinteresse zuerst formulieren und Methoden vergleichend prüfen
Offenheit wird mit fehlender Begleitung verwechselt Verbindliche Meilensteine, Beratung und formatives Feedback einplanen
Daten werden nur gesammelt, nicht theoriegeleitet ausgewertet Kategorien, Vergleichsdimensionen und Interpretationsregeln vorab klären
Bestätigung der eigenen Meinung steht im Vordergrund Gegenhypothesen, abweichende Fälle und alternative Erklärungen suchen
Forschungsethik wird erst nach der Erhebung bedacht Ethik- und Datenschutzprüfung in die Designphase integrieren
Gruppenarbeit verteilt Arbeit ungerecht Rollen, Beiträge, Entscheidungswege und Autorenschaft dokumentieren
Das Endprodukt zählt mehr als der Lernprozess Portfolio, Forschungstagebuch, Zwischenfeedback und Reflexion bewerten


Gütekriterien und wissenschaftliche Qualität

Wissenschaftliche Qualität hängt vom Forschungsansatz ab. In der quantitativen Forschung werden häufig Objektivität, Reliabilität und Validität geprüft. In qualitativen Ansätzen stehen unter anderem Transparenz des Vorgehens, Gegenstandsangemessenheit, Reflexivität, intersubjektive Nachvollziehbarkeit, Nähe zum Material und die Prüfung alternativer Interpretationen im Vordergrund. Triangulation kann unterschiedliche Daten, Methoden oder Perspektiven zusammenführen, ersetzt aber keine sorgfältige Einzelanalyse.

Für studentische Projekte ist ein Audit Trail hilfreich: Entscheidungen, Änderungen, Auswertungsschritte und Unsicherheiten werden fortlaufend dokumentiert. So können andere nachvollziehen, wie aus der Ausgangsfrage eine Schlussfolgerung entstand.


Leistungsbewertung im Forschenden Lernen

Eine passende Prüfung folgt dem Prinzip des Constructive Alignment: Lernziele, Lernaktivitäten und Bewertungskriterien werden aufeinander abgestimmt. Da Forschung ergebnisoffen ist, darf die Bewertung nicht davon abhängen, ob eine erwartete Hypothese bestätigt wurde.

Geeignete Prüfungsleistungen sind Forschungsberichte, Poster, Portfolios, mündliche Verteidigungen, kommentierte Datenauszüge, Forschungspräsentationen oder eine Kombination mehrerer Produkte. Ein transparentes Bewertungsraster kann folgende Dimensionen enthalten: Relevanz und Präzision der Frage, Qualität der Literaturarbeit, Passung des Designs, ethische Sorgfalt, nachvollziehbare Analyse, vorsichtige Interpretation, Reflexion von Grenzen, Qualität der Kommunikation und dokumentierte Zusammenarbeit.


Beispiel für ein Bewertungsraster

Kriterium Leitfrage
Forschungsfrage Ist die Frage klar, relevant, offen und im gegebenen Rahmen bearbeitbar?
Theoriebezug Werden Begriffe und Forschungsstand korrekt genutzt, um die Untersuchung zu begründen?
Methodische Passung Passt das Design zur Frage und sind die Entscheidungen nachvollziehbar?
Forschungsethik Werden Einwilligung, Schutz, Vertraulichkeit und Machtverhältnisse angemessen berücksichtigt?
Auswertung Ist der Weg von den Daten zu den Ergebnissen transparent und fachlich begründet?
Interpretation Werden Reichweite, Alternativerklärungen und Grenzen berücksichtigt?
Reflexion Werden Lernprozess, Rollen, Irrtümer und Veränderungen der eigenen Annahmen analysiert?
Kommunikation Ist das Ergebnis adressatengerecht, präzise und wissenschaftlich redlich dargestellt?

Ein Beispiel aus der Mathematikdidaktik zeigt, wie fachliche Probleme zu forschenden Lernwegen werden können.


Beispielprojekt: Beteiligung im Hochschulseminar untersuchen

Ausgangslage: In einem pädagogischen Seminar beteiligen sich manche Studierende häufig, andere selten. Eine Forschungsgruppe möchte nicht vorschnell mangelndes Interesse unterstellen, sondern Bedingungen der Beteiligung untersuchen.

Forschungsfrage: Wie erleben Studierende unterschiedliche Beteiligungsformen in einem pädagogischen Seminar, und welche Bedingungen beschreiben sie als unterstützend oder hemmend?

Design: Die Gruppe verbindet eine anonyme Kurzbefragung mit freiwilligen leitfadengestützten Interviews. Sie klärt Einwilligung, Trennung von Forschung und Benotung, Anonymisierung sowie sichere Speicherung. Die Interviews werden thematisch codiert; die Kurzbefragung liefert beschreibende Kontextdaten.

Mögliche Erkenntnis: Beteiligung zeigt sich nicht nur im Sprechen im Plenum. Auch Chatbeiträge, Kleingruppenarbeit, schriftliche Reflexionen und vorbereitende Lektüre können aktive Teilnahme ausdrücken. Die Gruppe entwickelt daraus keine allgemeingültige Regel, sondern begründete Vorschläge für dieses Seminar und kennzeichnet die Grenzen der kleinen, freiwilligen Stichprobe.

Transfer: Das Beispiel verdeutlicht, wie Forschendes Lernen professionelle Wahrnehmung verändert: Aus einem schnellen Urteil wird eine prüfbare Frage; aus Einzelbeobachtungen werden systematisch erhobene Daten; aus Daten entstehen vorsichtige, kontextbezogene Schlussfolgerungen.


Planungshilfe für ein eigenes Forschungsprojekt

Planungsschritt Leitfragen
Anlass Welche Irritation oder welches Praxisproblem interessiert mich?
Relevanz Warum ist die Frage pädagogisch und wissenschaftlich bedeutsam?
Forschungsstand Was ist bereits bekannt und welche Begriffe sind zentral?
Frage Ist sie offen, präzise, bearbeitbar und ethisch vertretbar?
Design Welche Daten brauche ich, und mit welcher Methode kann ich sie gewinnen?
Feldzugang Wer muss zustimmen, und welche Abhängigkeiten bestehen?
Ethik Wie sichere ich Freiwilligkeit, Schutz, Vertraulichkeit und Datenminimierung?
Analyse Nach welchen nachvollziehbaren Regeln werte ich aus?
Qualität Wie prüfe ich alternative Erklärungen und dokumentiere Entscheidungen?
Kommunikation Für wen sind die Ergebnisse relevant, und in welcher Form werden sie dargestellt?
Reflexion Was habe ich über den Gegenstand, Forschung und meine eigene Rolle gelernt?


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was kennzeichnet Forschendes Lernen besonders? (Lernende gestalten wesentliche Phasen eines Forschungsprozesses mit) (!Lernende übernehmen ausschließlich fertige Forschungsergebnisse) (!Lehrende vermeiden jede Form von Rückmeldung) (!Der Lernerfolg hängt von einer bestätigten Hypothese ab)




Welche Forschungsfrage ist für ein kleines pädagogisches Studienprojekt am besten eingegrenzt? (Wie erleben Erstsemester Peer-Feedback in einem Einführungsseminar?) (!Wie funktioniert Bildung?) (!Ist Schule gut?) (!Warum sind Menschen unterschiedlich?)




Woran orientiert sich die Wahl einer Forschungsmethode? (An der Forschungsfrage und dem Erkenntnisinteresse) (!An der Methode mit der meisten Software) (!An der kürzesten möglichen Erhebung) (!An der persönlichen Vorliebe ohne weitere Begründung)




Welche Aussage zu Forschungsethik ist richtig? (Freiwilligkeit und informierte Einwilligung müssen frühzeitig geklärt werden) (!Ethische Fragen entstehen erst nach der Datenauswertung) (!Bei Minderjährigen spielt die Perspektive der Kinder keine Rolle) (!Anonymisierung macht jede Erhebung automatisch unbedenklich)




Was bedeutet Scaffolding im Forschenden Lernen? (Vorübergehende und adaptive Unterstützung beim selbstständigen Lernen) (!Vollständige Steuerung aller Entscheidungen durch die Lehrperson) (!Verzicht auf Ziele und Bewertungskriterien) (!Ausschließliche Nutzung digitaler Lernplattformen)




Welche Aussage zur Ergebnisoffenheit ist korrekt? (Auch unerwartete oder nicht signifikante Ergebnisse können wissenschaftlich wertvoll sein) (!Nur die Bestätigung einer Hypothese zählt als Forschungserfolg) (!Ergebnisse dürfen während der Erhebung an Erwartungen angepasst werden) (!Grenzen einer Studie sollen nicht dargestellt werden)




Welche Methode eignet sich besonders zum Verstehen subjektiver Erfahrungen? (Ein qualitatives Interview) (!Eine zufällige Notenvergabe) (!Eine reine Häufigkeitszählung ohne Kontext) (!Ein vorgegebenes Lösungsblatt)




Was gehört zu einer wissenschaftlich verantwortlichen Interpretation? (Alternative Erklärungen und Grenzen der Untersuchung prüfen) (!Korrelationen grundsätzlich als Ursachen darstellen) (!Einzelfälle ohne Begründung verallgemeinern) (!Widersprüchliche Daten aus der Analyse entfernen)




Wie sollte Leistung im Forschenden Lernen bewertet werden? (Anhand von Prozessqualität, Begründungen, Produkt und Reflexion) (!Nur danach ob die erwartete Hypothese bestätigt wurde) (!Nur anhand der Länge des Forschungsberichts) (!Ausschließlich anhand der Zahl erhobener Daten)




Welche Haltung unterstützt Forschendes Lernen? (Neugier, methodische Skepsis und Reflexionsbereitschaft) (!Gewissheit dass die erste Erklärung richtig ist) (!Ablehnung von Kritik) (!Verzicht auf Dokumentation)





Memory

Forschungsfrage Erkenntnisleitende und methodisch bearbeitbare Frage
Scaffolding Vorübergehende adaptive Unterstützung
Triangulation Verbindung unterschiedlicher Daten oder Perspektiven
Reflexivität Prüfung der eigenen Rolle und Vorannahmen
Validität Gültigkeit einer Messung oder Schlussfolgerung
Peer-Feedback Rückmeldung durch Mitlernende
Forschungsethik Schutz und verantwortliche Beteiligung von Personen
Audit Trail Dokumentation zentraler Forschungsentscheidungen





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Bedeutung
Themenfindung Eine Irritation oder ein relevantes Praxisproblem bestimmen
Forschungsfrage Das Erkenntnisinteresse präzise und offen formulieren
Literaturrecherche Forschungsstand und theoretische Begriffe erschließen
Forschungsdesign Frage, Daten, Auswahl und Auswertung aufeinander abstimmen
Datenerhebung Material nach einem begründeten Verfahren gewinnen
Datenanalyse Material systematisch ordnen und auswerten
Interpretation Ergebnisse auf die Frage beziehen und ihre Reichweite bestimmen
Reflexion Prozess, Rollen, Grenzen und Anschlussfragen prüfen




...


Kreuzworträtsel

Erkenntnis Worauf zielt ein Forschungsvorhaben über das bloße Bearbeiten einer Übung hinaus?
Hypothese Wie heißt eine empirisch prüfbare Annahme?
Interview Welche Methode erfasst Erfahrungen in einem geleiteten Gespräch?
Reflexion Wie heißt die systematische Prüfung des eigenen Lern- und Forschungsprozesses?
Ethik Welcher Bereich behandelt Schutz, Freiwilligkeit und Verantwortung in der Forschung?
Validitaet Wie heißt die Gültigkeit einer Messung ohne Umlaut geschrieben?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Forschendes Lernen beginnt häufig mit einer pädagogisch bedeutsamen

. Aus dem Thema wird eine präzise

entwickelt. Der Forschungsstand wird durch eine systematische

erschlossen. Frage, Daten und Auswertung verbindet das

. Der Schutz beteiligter Personen gehört zur

. Vorübergehende adaptive Unterstützung wird als

bezeichnet. Qualitative Interviews können subjektive

zugänglich machen. Eine Korrelation belegt nicht automatisch eine

. Grenzen und Alternativerklärungen gehören zur wissenschaftlichen

. Am Ende werden Ergebnis und Lernweg kritisch

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Beobachtungsfrage: Formuliere zu einer alltäglichen pädagogischen Situation drei mögliche Forschungsfragen und begründe, welche davon am klarsten, offensten und realistischsten ist.
  2. Begriffslandkarte: Erstelle eine Concept-Map zu Forschungsfrage, Theorie, Methode, Daten, Analyse, Ethik und Reflexion. Markiere die wichtigsten Abhängigkeiten.
  3. Medienanalyse: Wähle ein eingebettetes Bild oder Video dieses aiMOOCs und erläutere, welchen Aspekt Forschenden Lernens es veranschaulicht und wo seine Aussagegrenzen liegen.
  4. Forschungstagebuch: Dokumentiere eine Woche lang Situationen, in denen Du eine Annahme über Lernen oder Erziehung gebildet hast. Unterscheide Beobachtung, Deutung und offene Frage.


Standard

  1. Interviewleitfaden: Entwickle einen kurzen Leitfaden mit sechs offenen Fragen zum Erleben von Feedback in einem pädagogischen Lernsetting. Ergänze eine Einleitung zu Freiwilligkeit und Vertraulichkeit.
  2. Methodenvergleich: Vergleiche Interview, Fragebogen und Beobachtung für dieselbe Forschungsfrage. Entscheide Dich begründet für eine Methode und benenne zwei Grenzen.
  3. Mini-Erhebung: Führe nach informierter Einwilligung ein kurzes Probeinterview zu einer nicht sensiblen Lernfrage, transkribiere einen kleinen Ausschnitt und entwickle erste Kategorien.
  4. Posterentwurf: Gestalte ein wissenschaftliches Poster für ein fiktives Forschungsprojekt mit Frage, Theorie, Methode, erwartetem Datentyp, Ethik, möglichen Grenzen und Transfer.


Schwer

  1. Forschungsdesign: Plane ein vollständiges kleines pädagogisches Forschungsprojekt. Begründe Fallauswahl, Erhebungsmethode, Auswertung, Qualitätssicherung, Ethik und Zeitplan.
  2. Kritische Replikation: Analysiere eine veröffentlichte pädagogische Studie. Entwickle einen Plan, wie Du einen zentralen Befund replizieren oder in einem anderen Kontext prüfen würdest.
  3. Partizipative Forschung: Entwirf ein Projekt, in dem Betroffene an Fragestellung, Interpretation und Ergebnisdarstellung beteiligt werden. Analysiere Machtfragen und mögliche Konflikte.
  4. Forschungswerkstatt: Organisiere eine simulierte Werkstattsitzung, in der ein Datenausschnitt mit mindestens zwei alternativen Deutungen analysiert wird. Dokumentiere, wie die Gruppe zu einer begründeten Interpretation gelangt.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Transfer in die Hochschullehre: Ein Seminar soll Forschendes Lernen enthalten, dauert aber nur acht Wochen und umfasst sechzig Studierende. Entwickle ein realistisches Design mit abgestufter Offenheit, Gruppenstruktur, Meilensteinen und Feedback.
  2. Ethikfall: Eine Studentin möchte Kinder aus ihrer Praktikumsklasse zu Konflikten befragen, während sie zugleich an der Bewertung ihrer Mitarbeit beteiligt ist. Analysiere Risiken und entwirf eine ethisch vertretbare Alternative.
  3. Methodenentscheidung: Für die Frage nach Beteiligung in hybriden Seminaren liegen Chatprotokolle, Beobachtungsnotizen und eine freiwillige Befragung vor. Entwickle eine begründete Auswertungsstrategie und erläutere den Mehrwert sowie die Grenzen der Triangulation.
  4. Umgang mit Nullbefunden: Eine Intervention zeigt keinen erkennbaren Unterschied zur Vergleichsgruppe. Erläutere, welche methodischen, theoretischen und praktischen Schlussfolgerungen zulässig sind und welche nicht.
  5. Bewertungsdilemma: Zwei Gruppen liefern unterschiedlich überzeugende Ergebnisse. Die erste hat sorgfältig gearbeitet, aber keine klare Antwort gefunden; die zweite präsentiert ein starkes Ergebnis bei schwacher Dokumentation. Entwickle eine faire Bewertung anhand transparenter Kriterien.
  6. Professionelle Reflexion: Zeige an einem selbst gewählten pädagogischen Beispiel, wie eine forschende Haltung vorschnelle Gewissheiten irritieren und professionelles Handeln verbessern kann.
  7. KI und Forschung: Entwirf Regeln für den verantwortlichen Einsatz generativer KI in einem studentischen Forschungsprojekt. Berücksichtige Datenschutz, Quellenprüfung, Transparenz, Urheberschaft und Grenzen automatisierter Interpretation.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur Begriffe wiedergibst, sondern einen pädagogischen Forschungsprozess begründet planen, durchführen oder anhand eines realistischen Materials analysieren kannst.

  1. Forschungsfrage: Du formulierst eine klare, relevante, offene und bearbeitbare Frage.
  2. Theoriebezug: Du ordnest die Frage in geeignete Begriffe und den Forschungsstand ein.
  3. Methodenkompetenz: Du begründest die Passung von Design, Erhebung und Auswertung.
  4. Forschungsethik: Du berücksichtigst Freiwilligkeit, Schutz, Machtverhältnisse, Vertraulichkeit und Datenminimierung.
  5. Wissenschaftliche Qualität: Du dokumentierst Entscheidungen, prüfst Alternativerklärungen und kennzeichnest Grenzen.
  6. Reflexion: Du analysierst Deinen Lernprozess, Deine Rolle und mögliche Vorannahmen.
  7. Wissenschaftskommunikation: Du stellst Frage, Vorgehen, Befunde und Reichweite adressatengerecht dar.
  8. Kooperation: Du machst Beiträge, Entscheidungen und Verantwortlichkeiten in der Gruppe transparent.

Als Lernnachweis eignet sich besonders ein Forschungsportfolio mit Forschungsplan, Literaturübersicht, Instrument, Ethikreflexion, exemplarischer Analyse, Forschungsprodukt und abschließender Prozessreflexion.




OERs zum Thema


Freie und wissenschaftliche Vertiefung

  1. Universität Oldenburg: Forschendes Lernen
  2. Ruhr-Universität Bochum: Begriff, Begründungen und Herausforderungen
  3. TH Köln: Steckbrief Forschendes Lernen
  4. Universität Hohenheim: Forschendes Lehren und Lernen
  5. Deutsche Kinder- und Jugendstiftung: Forschendes Lernen und Lernwerkstätten
  6. Pedaste et al.: Inquiry-Zyklus
  7. Lazonder und Harmsen: Metaanalyse zur Anleitung
  8. Furtak et al.: Metaanalyse zum forschenden naturwissenschaftlichen Unterricht


Einzelnachweise


Verknüpfte Lernbereiche


aiMOOC-Projekte





Schulfach+

Prüfungsliteratur 2026
Bundesland Bücher Kurzbeschreibung
Baden-Württemberg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Mittlere Reife

  1. Der Markisenmann - Jan Weiler oder Als die Welt uns gehörte - Liz Kessler
  2. Ein Schatten wie ein Leopard - Myron Levoy oder Pampa Blues - Rolf Lappert

Abitur Dorfrichter-Komödie über Wahrheit/Schuld; Roman über einen Ort und deutsche Geschichte. Mittlere Reife Wahllektüren (Roadtrip-Vater-Sohn / Jugendroman im NS-Kontext / Coming-of-age / Provinzroman).

Bayern

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Lustspiel über Machtmissbrauch und Recht; Roman als Zeitschnitt deutscher Geschichte an einem Haus/Grundstück.

Berlin/Brandenburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Der Biberpelz - Gerhart Hauptmann
  4. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Gerichtskomödie; soziales Drama um Ausbeutung/Armut; Komödie/Satire um Diebstahl und Obrigkeit; Roman über Erinnerungsräume und Umbrüche.

Bremen

Abitur

  1. Nach Mitternacht - Irmgard Keun
  2. Mario und der Zauberer - Thomas Mann
  3. Emilia Galotti - Gotthold Ephraim Lessing oder Miss Sara Sampson - Gotthold Ephraim Lessing

Abitur Roman in der NS-Zeit (Alltag, Anpassung, Angst); Novelle über Verführung/Massenpsychologie; bürgerliche Trauerspiele (Moral, Macht, Stand).

Hamburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun

Abitur Justiz-/Machtkritik als Komödie; Großstadtroman der Weimarer Zeit (Rollenbilder, Aufstiegsträume, soziale Realität).

Hessen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  4. Der Prozess - Franz Kafka

Abitur Gerichtskomödie; Fragmentdrama über Gewalt/Entmenschlichung; Erinnerungsroman über deutsche Brüche; moderner Roman über Schuld, Macht und Bürokratie.

Niedersachsen

Abitur

  1. Der zerbrochene Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun
  3. Die Marquise von O. - Heinrich von Kleist
  4. Über das Marionettentheater - Heinrich von Kleist

Abitur Schwerpunkt auf Drama/Roman sowie Kleist-Prosatext und Essay (Ehre, Gewalt, Unschuld; Ästhetik/„Anmut“).

Nordrhein-Westfalen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Komödie über Wahrheit und Autorität; Roman als literarische „Geschichtsschichtung“ an einem Ort.

Saarland

Abitur

  1. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  2. Furor - Lutz Hübner und Sarah Nemitz
  3. Bahnwärter Thiel - Gerhart Hauptmann

Abitur Erinnerungsroman an einem Ort; zeitgenössisches Drama über Eskalation/Populismus; naturalistische Novelle (Pflicht/Überforderung/Abgrund).

Sachsen (berufliches Gymnasium)

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Irrungen, Wirrungen - Theodor Fontane
  4. Der gute Mensch von Sezuan - Bertolt Brecht
  5. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  6. Der Trafikant - Robert Seethaler

Abitur Mischung aus Klassiker-Drama, sozialem Drama, realistischem Roman, epischem Theater und Gegenwarts-/Erinnerungsroman; zusätzlich Coming-of-age im historischen Kontext.

Sachsen-Anhalt

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Themenfelder)

Abitur Schwerpunktsetzung über Themenfelder (u. a. Literatur um 1900; Sprache in politisch-gesellschaftlichen Kontexten), ohne feste Einzeltitel.

Schleswig-Holstein

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Recht/Gerechtigkeit und historische Tiefenschichten eines Ortes – umgesetzt über Drama und Gegenwartsroman.

Thüringen

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool)

Abitur In der Praxis häufig Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool; landesweite Einzeltitel je nach Vorgabe/Handreichung nicht einheitlich ausgewiesen.

Mecklenburg-Vorpommern

Abitur

  1. (Quelle aktuell technisch nicht abrufbar; Beteiligung am gemeinsamen Aufgabenpool bekannt)

Abitur Land beteiligt sich am länderübergreifenden Aufgabenpool; konkrete, veröffentlichte Einzeltitel konnten hier nicht ausgelesen werden.

Rheinland-Pfalz

Abitur

  1. (keine landesweit einheitliche Pflichtlektüre; schulische Auswahl)

Abitur Keine landesweite Einheitsliste; Auswahl kann schul-/kursbezogen erfolgen.




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THE MONKEY DANCE




The Monkey DanceaiMOOCs

  1. Trust Me It's True: #Verschwörungstheorie #FakeNews
  2. Gregor Samsa Is You: #Kafka #Verwandlung
  3. Who Owns Who: #Musk #Geld
  4. Lump: #Trump #Manipulation
  5. Filth Like You: #Konsum #Heuchelei
  6. Your Poverty Pisses Me Off: #SozialeUngerechtigkeit #Musk
  7. Hello I'm Pump: #Trump #Kapitalismus
  8. Monkey Dance Party: #Lebensfreude
  9. God Hates You Too: #Religionsfanatiker
  10. You You You: #Klimawandel #Klimaleugner
  11. Monkey Free: #Konformität #Macht #Kontrolle
  12. Pure Blood: #Rassismus
  13. Monkey World: #Chaos #Illusion #Manipulation
  14. Uh Uh Uh Poor You: #Kafka #BerichtAkademie #Doppelmoral
  15. The Monkey Dance Song: #Gesellschaftskritik
  16. Will You Be Mine: #Love
  17. Arbeitsheft
  18. And Thanks for Your Meat: #AntiFactoryFarming #AnimalRights #MeatIndustry


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