Erststimme und Zweitstimme - Gemeinschaftskunde


Erststimme und Zweitstimme - Gemeinschaftskunde
Erststimme und Zweitstimme - Gemeinschaftskunde
Einleitung
Bei der Bundestagswahl hast Du zwei Stimmen. Mit der Erststimme wählst Du eine Person aus Deinem Wahlkreis. Mit der Zweitstimme wählst Du die Landesliste einer Partei. Die Zweitstimme entscheidet grundsätzlich darüber, wie stark die Parteien im Deutschen Bundestag vertreten sind.
Das Wahlsystem verbindet Personenwahl und Verhältniswahl. Deshalb heißt es personalisierte Verhältniswahl. Seit der Bundestagswahl 2025 gilt außerdem die Zweitstimmendeckung: Der Sieg einer Parteibewerberin oder eines Parteibewerbers im Wahlkreis führt nur dann zu einem Sitz, wenn dieser Sitz durch genügend Zweitstimmen der Partei im jeweiligen Bundesland gedeckt ist.

Im Reichstagsgebäude in Berlin tagt der Deutsche Bundestag.
Zwei Stimmen auf einem Stimmzettel
Auf dem Stimmzettel stehen die Wahlkreisbewerbenden links und die Landeslisten der Parteien rechts. Du kannst beide Stimmen derselben Partei geben. Du darfst sie aber auch aufteilen. Das nennt man Stimmensplitting.

| Stimme | Du wählst | Hauptwirkung |
|---|---|---|
| Erststimme | Eine Person im Wahlkreis | Sie entscheidet, wer im Wahlkreis die meisten Stimmen erhält. |
| Zweitstimme | Die Landesliste einer Partei | Sie bestimmt grundsätzlich die Sitzanteile der Parteien im Bundestag. |
Die Erststimme
Mit der Erststimme entscheidest Du Dich für eine konkrete Wahlkreisbewerberin oder einen konkreten Wahlkreisbewerber. Deutschland ist für die Bundestagswahl in 299 Wahlkreise eingeteilt. In jedem Wahlkreis gewinnt zunächst die Person mit den meisten Erststimmen. Dafür reicht eine relative Mehrheit.
Bei Bewerbenden einer Partei gilt seit 2025 zusätzlich die Zweitstimmendeckung. Eine parteiunabhängige Einzelbewerberin oder ein parteiunabhängiger Einzelbewerber erhält dagegen den Sitz direkt, wenn sie oder er im Wahlkreis die meisten Erststimmen erreicht.

Merke: Die Erststimme stärkt den Bezug zwischen dem Wahlkreis und einer Person. Sie allein entscheidet bei Parteibewerbenden aber nicht immer über den Einzug in den Bundestag.
Die Zweitstimme
Mit der Zweitstimme wählst Du eine Landesliste einer Partei. Auf dieser Liste stehen Kandidatinnen und Kandidaten in einer von der Partei festgelegten Reihenfolge. Die Wählenden können diese Reihenfolge bei der Bundestagswahl nicht verändern.
Die Zweitstimme ist für die Kräfteverhältnisse im Bundestag besonders wichtig. Aus dem Verhältnis der gültigen Zweitstimmen wird berechnet, wie viele der grundsätzlich 630 Sitze einer Partei zustehen. Parteien nehmen in der Regel an der Sitzverteilung teil, wenn sie mindestens fünf Prozent der gültigen Zweitstimmen erhalten. Bis zu einer gesetzlichen Neuregelung gilt außerdem die vom Bundesverfassungsgericht angeordnete Ausnahme für Parteien, deren Bewerbende in mindestens drei Wahlkreisen die meisten Erststimmen erhalten. Parteien nationaler Minderheiten sind von der Fünf-Prozent-Hürde ausgenommen.

Die Karte zeigt, welche Partei bei der Bundestagswahl 2025 in den einzelnen Wahlkreisen die meisten Zweitstimmen erhielt.
Zweitstimmendeckung einfach erklärt
Nach der Wahl wird zuerst berechnet, wie viele Sitze einer Partei bundesweit und in den einzelnen Bundesländern nach ihrem Zweitstimmenergebnis zustehen. Danach werden in jedem Bundesland die Wahlkreisgewinnerinnen und Wahlkreisgewinner einer Partei nach ihrem Erststimmenanteil geordnet.
Reichen die Sitze aus, erhalten alle diese Personen ein Mandat. Hat eine Partei in einem Bundesland jedoch mehr Wahlkreise gewonnen, als ihr dort nach Zweitstimmen Sitze zustehen, erhalten die Wahlkreisgewinnenden mit den niedrigeren Erststimmenanteilen keinen Sitz. Der betreffende Wahlkreis bleibt dann ohne direkt zugeordnetes Mitglied.
Bei der Bundestagswahl 2025 zogen deshalb 23 Erststimmensiegerinnen und Erststimmensieger nicht in den Bundestag ein. Zugleich entfallen nach dem neuen System Überhang- und Ausgleichsmandate. So soll die Größe des Bundestages auf 630 Sitze begrenzt bleiben.
Vom Wahlergebnis zum Mandat
- Zweitstimme: Zuerst wird ermittelt, wie viele Sitze einer Partei nach ihrem Zweitstimmenanteil zustehen.
- Landesliste: Die Sitze einer Partei werden auf ihre Landeslisten in den Bundesländern verteilt.
- Wahlkreis: Wahlkreisgewinnende einer Partei werden nach ihrem Erststimmenanteil gereiht.
- Zweitstimmendeckung: Nur gedeckte Wahlkreissitze werden vergeben.
- Listenmandat: Verbleibende Sitze gehen in der festgelegten Reihenfolge an Personen auf der Landesliste.

Die Sitzverteilung im 21. Deutschen Bundestag verdeutlicht die Wirkung der Zweitstimmen.
Darf ich die Stimmen aufteilen?
Ja. Du kannst mit der Erststimme eine Person wählen und mit der Zweitstimme eine andere Partei. Beide Stimmen werden getrennt gezählt. Du kannst auch nur eine der beiden Stimmen gültig abgeben. Die andere Stimme bleibt dann ungültig oder nicht abgegeben, die gültige Stimme zählt trotzdem.
Ein Beispiel: Du findest eine Person in Deinem Wahlkreis überzeugend, bevorzugst für die Zusammensetzung des Bundestages aber eine andere Partei. Dann kannst Du Deine Erst- und Zweitstimme entsprechend aufteilen.
So bleibt Deine Stimmabgabe gültig
Auf jeder Seite des Stimmzettels darf Dein Wille eindeutig erkennbar sein. Üblicherweise setzt Du je ein Kreuz. Zusätze, Vorbehalte oder mehrere widersprüchliche Kennzeichnungen können eine Stimme ungültig machen. Gewählt wird geheim in der Wahlkabine oder per Briefwahl.


Das historische Beispiel zeigt eine eindeutig gekennzeichnete Erst- und Zweitstimme. Die Parteien und das Wahlrecht können sich im Laufe der Zeit ändern.
Warum gibt es zwei Stimmen?
Die zwei Stimmen verbinden zwei demokratische Ziele. Die Erststimme schafft einen persönlichen und regionalen Bezug. Die Zweitstimme sorgt dafür, dass die Sitzverteilung die Stimmenanteile der Parteien möglichst genau widerspiegelt.
Damit verbindet das System Elemente der Mehrheitswahl und der Verhältniswahl. Entscheidend für die proportionale Zusammensetzung des Bundestages ist jedoch die Zweitstimme.

Kurz zusammengefasst
| Frage | Antwort |
|---|---|
| Wen wählst Du mit der Erststimme? | Eine Person aus Deinem Wahlkreis. |
| Was wählst Du mit der Zweitstimme? | Die Landesliste einer Partei. |
| Welche Stimme bestimmt die Parteistärke? | Grundsätzlich die Zweitstimme. |
| Reicht ein Erststimmensieg immer für ein Mandat? | Bei Parteibewerbenden seit 2025 nicht immer. |
| Warum? | Der Wahlkreissitz muss durch Zweitstimmen gedeckt sein. |
Quellen und Vertiefung
- Die Bundeswahlleiterin: Das Wahlsystem
- Deutscher Bundestag: Das geltende Wahlrecht nach der Reform 2023
- Bundeswahlgesetz
- Bundeszentrale für politische Bildung: Erst- und Zweitstimme
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Wen wählst Du mit der Erststimme? (Eine Person im eigenen Wahlkreis) (!Eine Landesliste) (!Die Bundesregierung) (!Den Bundespräsidenten)
Was bestimmt grundsätzlich die Sitzanteile der Parteien im Bundestag? (Das Verhältnis der Zweitstimmen) (!Die Zahl der Wahlplakate) (!Die Reihenfolge auf dem Stimmzettel) (!Die Zahl der Wahlkreise einer Partei)
Wie viele Wahlkreise gibt es bei der Bundestagswahl? (299) (!16) (!630) (!736)
Was bedeutet relative Mehrheit im Wahlkreis? (Die meisten Stimmen im Vergleich zu allen anderen) (!Mehr als die Hälfte aller Wahlberechtigten) (!Genau die Hälfte der Stimmen) (!Mindestens fünf Prozent der Zweitstimmen)
Was ist eine Landesliste? (Eine geordnete Liste von Kandidierenden einer Partei in einem Bundesland) (!Eine Liste aller Wahlberechtigten) (!Eine Liste der Wahlkreise in Europa) (!Eine Liste der Mitglieder der Bundesregierung)
Was bedeutet Zweitstimmendeckung? (Ein Parteibewerber erhält den Wahlkreissitz nur bei ausreichenden Zweitstimmen) (!Jede Person darf zwei Zweitstimmen abgeben) (!Die Zweitstimme wird zweimal gezählt) (!Jeder Wahlkreis erhält zwei Abgeordnete)
Kannst Du Erst- und Zweitstimme verschiedenen Parteien geben? (Ja das ist möglich) (!Nein beide Stimmen müssen gleich sein) (!Nur bei einer Landtagswahl) (!Nur bei der Briefwahl)
Wie groß ist der Deutsche Bundestag nach dem geltenden Wahlrecht grundsätzlich? (630 Sitze) (!299 Sitze) (!598 Sitze) (!736 Sitze)
Was geschieht mit einer gültigen Erststimme wenn keine Zweitstimme abgegeben wurde? (Sie wird trotzdem gezählt) (!Sie wird automatisch ungültig) (!Sie wird als Zweitstimme gezählt) (!Sie wird einer Partei zugerechnet)
Welches Wahlsystem verbindet Personenwahl und Verhältniswahl? (Personalisierte Verhältniswahl) (!Reine Mehrheitswahl) (!Losverfahren) (!Direkte Präsidentschaftswahl)
Memory
| Erststimme | Person im Wahlkreis |
| Zweitstimme | Landesliste einer Partei |
| Relative Mehrheit | Mehr Stimmen als jede andere Person |
| Zweitstimmendeckung | Sitz durch Parteistimmen abgesichert |
| Stimmensplitting | Stimmen auf unterschiedliche Parteien verteilen |
| Wahlkabine | Ort der geheimen Stimmabgabe |
| Bundestag | Parlament auf Bundesebene |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Bedeutung |
|---|---|
| Erststimme | Wahl einer Person im Wahlkreis |
| Zweitstimme | Wahl einer Landesliste |
| Wahlkreis | Regionales Gebiet für die Personenwahl |
| Landesliste | Geordnete Kandidierendenliste einer Partei |
| Zweitstimmendeckung | Voraussetzung für den Wahlkreissitz eines Parteibewerbers |
Kreuzworträtsel
| Erststimme | Welche Stimme gilt einer Person im Wahlkreis? |
| Zweitstimme | Welche Stimme bestimmt grundsätzlich die Parteistärke? |
| Wahlkreis | Wie heißt das regionale Gebiet der Personenwahl? |
| Landesliste | Wie heißt die Kandidierendenliste einer Partei im Bundesland? |
| Bundestag | Wie heißt das deutsche Parlament auf Bundesebene? |
| Wahlkabine | Wo wird die Stimme im Wahllokal geheim abgegeben? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Stimmzettel erklären: Gestalte eine einfache Skizze eines Stimmzettels und beschrifte Erststimme und Zweitstimme.
- Merksatz entwickeln: Formuliere einen kurzen Merksatz, der den Unterschied der beiden Stimmen erklärt.
- Begriffe ordnen: Erstelle Karten mit den Begriffen Erststimme, Zweitstimme, Wahlkreis und Landesliste und ergänze passende Erklärungen.
- Erklärplakat: Gestalte ein neutrales Plakat mit der Überschrift „Zwei Stimmen – zwei Wirkungen“.
Standard
- Erklärvideo produzieren: Drehe ein ein- bis zweiminütiges Video, in dem Du Erststimme, Zweitstimme und Zweitstimmendeckung erklärst.
- Wahlkreis recherchieren: Finde heraus, zu welchem Bundestagswahlkreis Dein Wohnort gehört, und dokumentiere Deine Recherchewege.
- Stimmensplitting untersuchen: Erfinde drei begründete Beispiele, warum Menschen ihre Stimmen aufteilen könnten.
- Wahlsystem vergleichen: Vergleiche die personalisierte Verhältniswahl mit einer reinen Mehrheitswahl in einer Tabelle.
Schwer
- Modellwahl durchführen: Organisiere in der Klasse eine neutrale Modellwahl mit Personen- und Listenstimme und werte beide Ergebnisse getrennt aus.
- Zweitstimmendeckung simulieren: Entwickle mit fiktiven Parteien und Wahlkreisen ein Rechenbeispiel, bei dem nicht alle Wahlkreisgewinnenden einen Sitz erhalten.
- Wahlrechtsreform bewerten: Formuliere Argumente für und gegen die Begrenzung des Bundestages auf 630 Sitze und nimm begründet Stellung.
- Interview führen: Befrage eine fachkundige Person zur Bedeutung von Wahlkreisen und Verhältniswahl und fasse die Aussagen kritisch zusammen.


Lernkontrolle
- Wirkung der Stimmen erklären: Erkläre an einem selbst erfundenen Beispiel, warum die Zweitstimme für die Zusammensetzung des Bundestages maßgeblich ist.
- Wahlkreissieg beurteilen: Beurteile den Fall, dass eine Parteibewerberin die meisten Erststimmen erhält, ihr Sitz aber nicht durch Zweitstimmen gedeckt ist.
- Stimmensplitting analysieren: Zeige, welche politischen Überlegungen hinter einer Aufteilung von Erst- und Zweitstimme stehen können, ohne eine Partei zu empfehlen.
- Wahlsystem abwägen: Vergleiche regionale Repräsentation und proportionale Sitzverteilung als zwei Ziele des Wahlsystems.
- Reform diskutieren: Erörtere, ob eine feste Parlamentsgröße wichtiger ist als ein garantiertes Mandat für jede Wahlkreisgewinnerin und jeden Wahlkreisgewinner.
- Transfer auf eine Schulwahl: Entwirf Regeln für eine Schulwahl, die Personenwahl und Verhältniswahl sinnvoll verbindet.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis solltest Du zeigen, dass Du
- Erststimme und Zweitstimme sicher unterscheiden kannst,
- die besondere Bedeutung der Zweitstimme erklären kannst,
- die Begriffe Wahlkreis, Landesliste, relative Mehrheit und Zweitstimmendeckung korrekt verwendest,
- den Weg von Stimmen zu Sitzen vereinfacht darstellen kannst,
- Stimmensplitting an einem Beispiel erklären kannst,
- Vor- und Nachteile der Verbindung von Personenwahl und Verhältniswahl abwägen kannst,
- Deine Aussagen sachlich, neutral und mit geeigneten Quellen begründest.
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