Ernährungstagebuch führen - AES

Ernährungstagebuch führen - AES
Einleitung
Ein Ernährungstagebuch hilft Dir dabei, Deine eigenen Ess- und Trinkgewohnheiten bewusst wahrzunehmen. Im Fach AES – Alltagskultur, Ernährung und Soziales geht es dabei nicht um eine Bewertung Deiner Person, sondern um Beobachtung, Reflexion und begründete Entscheidungen im Alltag.
Du hältst für einige Tage fest, was, wann, wo und in welcher Situation Du isst und trinkst. Zusätzlich kannst Du notieren, ob Du vor dem Essen hungrig warst, wie satt Du danach bist und welche Einflüsse eine Rolle gespielt haben. So werden Muster sichtbar, die im Alltag leicht übersehen werden.

Wichtig: Ein Ernährungstagebuch im Unterricht ist kein Diätplan und kein Wettbewerb. Kalorien, Körpergewicht und Aussehen stehen nicht im Mittelpunkt. Persönliche Einträge werden respektvoll und möglichst vertraulich behandelt.
Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst Du
- ein einfaches Ernährungstagebuch sachlich und vollständig führen.
- Einflüsse auf Dein Ess- und Trinkverhalten erkennen.
- Mahlzeiten und Getränke über mehrere Tage vergleichen.
- Beobachtungen mit Grundideen einer ausgewogenen Ernährung verbinden.
- aus Deinen Beobachtungen kleine, realistische Veränderungen für den Alltag ableiten.
Was ist ein Ernährungstagebuch?
Ein Ernährungstagebuch ist eine strukturierte Aufzeichnung über das eigene Essen und Trinken. Es kann über mehrere Tage geführt werden. Entscheidend ist, dass Du möglichst zeitnah einträgst, was tatsächlich gegessen oder getrunken wurde.

Ein Tagebuch kann zum Beispiel diese Angaben enthalten:
- Uhrzeit: Wann hast Du gegessen oder getrunken?
- Lebensmittel und Getränk: Was hast Du gegessen oder getrunken?
- Portion: Wie groß war die Portion ungefähr?
- Esssituation: Wo und mit wem hast Du gegessen?
- Hunger und Sättigung: Wie hungrig warst Du vorher und wie satt danach?
- Gefühl oder Anlass: Warst Du zum Beispiel entspannt, gestresst, gelangweilt oder in Eile?
Beispiel für einen Eintrag
| Uhrzeit | Essen oder Getränk | ungefähre Portion | Situation | Hunger vorher | Sättigung danach |
|---|---|---|---|---|---|
| 7:10 Uhr | Haferflocken mit Joghurt und Apfel, Wasser | eine Schüssel, ein Glas | Frühstück zu Hause | deutlich hungrig | angenehm satt |
Ein einzelner Eintrag sagt wenig aus. Interessant werden erst Muster über mehrere Tage. Deshalb solltest Du nicht vorschnell urteilen.
So führst Du das Tagebuch
Für eine schulische Beobachtungsaufgabe sind einige aufeinanderfolgende Tage sinnvoll. Ein Zeitraum von etwa einer Woche kann Unterschiede zwischen Schultagen und Wochenende sichtbar machen.

Schritt 1: Direkt notieren
Trage Essen und Getränke möglichst bald nach dem Verzehr ein. Je länger Du wartest, desto eher vergisst Du Kleinigkeiten wie Getränke, Snacks oder Soßen.
Schritt 2: Mengen nur grob beschreiben
Für den AES-Unterricht reichen meist alltagstaugliche Angaben wie ein Glas, eine Handvoll, eine Scheibe, eine Schüssel oder ein Teller. Genaues Wiegen ist für diese Reflexionsaufgabe nicht nötig.
Schritt 3: Getränke nicht vergessen
Getränke gehören zum Ernährungstagebuch genauso wie Mahlzeiten und Snacks.

Schritt 4: Die Situation festhalten
Notiere, ob Du zum Beispiel am Tisch, unterwegs, vor einem Bildschirm, in der Mensa oder gemeinsam mit anderen gegessen hast. Solche Situationen können das Essverhalten beeinflussen.
Schritt 5: Wertfrei bleiben
Schreibe nicht „gut“, „schlecht“, „erlaubt“ oder „verboten“. Beschreibe zunächst nur. Die Auswertung kommt später.
Was kann die Auswertung zeigen?
Bei der Auswertung suchst Du nicht nach Perfektion. Du vergleichst Tage und erkennst Gewohnheiten.

Mögliche Fragen sind:
- Gibt es bei mir regelmäßige Mahlzeiten?
- Welche Getränke trinke ich über den Tag?
- Wie abwechslungsreich ist meine Lebensmittelauswahl?
- Kommen Obst, Gemüse, Vollkorn, Hülsenfrüchte oder Nüsse vor?
- Esse ich häufig in Eile oder nebenbei?
- Wann entstehen längere Essenspausen?
- Welche Situationen hängen bei mir mit Hunger, Appetit oder Snacks zusammen?
Ernährung als Gesamtmuster
Eine ausgewogene Ernährung besteht nicht aus einem einzelnen „perfekten“ Lebensmittel. Entscheidend ist das Gesamtmuster über längere Zeit. Pflanzliche Lebensmittel, abwechslungsreiche Auswahl und geeignete Getränke spielen dabei eine wichtige Rolle.

Die aktuellen lebensmittelbezogenen Empfehlungen der DGE betonen eine pflanzenbetonte, vielfältige Ernährung. Für Kinder und Jugendliche gelten altersgerechte Bedürfnisse; deshalb sollte ein schulisches Ernährungstagebuch nicht mit starren Erwachsenen-Mengen verglichen werden.
Hunger, Appetit und Sättigung
Hunger ist ein körperliches Signal für Nahrungsbedarf. Appetit kann zusätzlich durch Geruch, Geschmack, Gewohnheit, Werbung, soziale Situationen oder Gefühle ausgelöst werden. Sättigung beschreibt das Gefühl, genug gegessen zu haben.
Wenn Du Hunger und Sättigung beobachtest, geht es nicht darum, diese Gefühle zu kontrollieren, sondern sie besser wahrzunehmen. Eine einfache Skala mit Begriffen wie gar nicht hungrig, etwas hungrig, hungrig und sehr hungrig kann dafür reichen.
Einflussfaktoren auf unser Essverhalten
Unser Essverhalten wird von vielen Dingen geprägt. Dazu gehören Familie, Kultur, Tagesablauf, Schule, Freunde, Werbung, Preis, Verfügbarkeit, Geschmack, Stress und Gewohnheiten.
Im Fach AES ist deshalb die Frage wichtig: Warum esse ich so, wie ich esse? Ein Ernährungstagebuch kann Hinweise geben, aber es erklärt nicht automatisch jede Ursache.
Vom Beobachten zum Handeln
Nach der Auswertung kannst Du ein kleines persönliches Ziel formulieren. Ein gutes Ziel ist konkret, machbar und überprüfbar.

Beispiele:
- Ich nehme an Schultagen eine gefüllte Trinkflasche mit.
- Ich plane für zwei Pausen pro Woche einen abwechslungsreichen Snack.
- Ich esse an drei Tagen eine Mahlzeit ohne Bildschirm und achte auf mein Sättigungsgefühl.
- Ich probiere in dieser Woche ein mir noch wenig bekanntes Gemüse oder eine Hülsenfrucht.

Nach einigen Tagen prüfst Du: Hat das Ziel funktioniert? Was war leicht? Was war schwierig? Was möchtest Du beibehalten oder verändern?
Datenschutz und ein sensibler Umgang
Ein Ernährungstagebuch enthält persönliche Informationen. Im Unterricht sollte niemand gezwungen werden, intime Angaben öffentlich vorzulesen. Für gemeinsame Auswertungen können anonymisierte Beispiele oder selbst erfundene Datensätze genutzt werden.
Wenn Essen, Gewicht oder Körperbild für Dich stark belastend werden, das Essen mit Angst verbunden ist oder Du Dich sehr häufig mit Kontrolle und Verzicht beschäftigst, ist ein Ernährungstagebuch allein nicht die passende Hilfe. Dann ist es sinnvoll, mit einer vertrauten erwachsenen Person und gegebenenfalls mit einer geeigneten Beratungs- oder Fachstelle zu sprechen.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Wozu dient ein Ernährungstagebuch im AES-Unterricht vor allem? (Eigene Ess- und Trinkgewohnheiten beobachten und reflektieren) (!Möglichst wenige Lebensmittel essen) (!Das Körpergewicht täglich kontrollieren) (!Alle Mahlzeiten exakt berechnen)
Wann sollte ein Eintrag möglichst gemacht werden? (Möglichst zeitnah nach dem Essen oder Trinken) (!Erst mehrere Wochen später) (!Nur am Wochenende) (!Nur vor dem Schlafengehen)
Welche Angabe gehört sinnvoll zu einem Ernährungstagebuch? (Die Esssituation) (!Die Schuhgröße) (!Die Lieblingsfarbe) (!Die Raumtemperatur im Klassenzimmer)
Warum werden mehrere Tage betrachtet? (Weil dadurch wiederkehrende Muster erkennbar werden) (!Weil ein einzelnes Getränk nie eingetragen werden darf) (!Weil nur Wochenenden wichtig sind) (!Weil jede Mahlzeit identisch sein sollte)
Wie sollen Portionen im schulischen Ernährungstagebuch meist beschrieben werden? (Mit einfachen alltagstauglichen Größen) (!Nur mit Laborgeräten) (!Ausschließlich in Milligramm) (!Gar nicht)
Welche Aussage zu Getränken ist richtig? (Getränke werden ebenfalls eingetragen) (!Getränke zählen nie zur Ernährung) (!Nur süße Getränke werden notiert) (!Wasser darf nicht eingetragen werden)
Was ist bei der ersten Beobachtung wichtig? (Möglichst wertfrei zu beschreiben) (!Lebensmittel sofort als gut oder schlecht einzuordnen) (!Einträge anderer Personen zu bewerten) (!Mahlzeiten absichtlich auszulassen)
Was kann Appetit beeinflussen? (Geruch, Gewohnheiten und Situationen) (!Nur die Uhrzeit) (!Nur die Körpergröße) (!Nur das Wetter)
Wie sollte ein persönliches Veränderungsziel sein? (Konkret und realistisch) (!Möglichst streng und schwer erreichbar) (!Völlig unklar) (!Für alle Menschen identisch)
Wie sollte mit persönlichen Tagebucheinträgen im Unterricht umgegangen werden? (Respektvoll und möglichst vertraulich) (!Öffentlich bewertet) (!Ohne Einwilligung veröffentlicht) (!Als Wettbewerb genutzt)
Memory
| Ernährungstagebuch | Aufzeichnung des eigenen Essens und Trinkens |
| Hunger | körperliches Signal für Nahrungsbedarf |
| Appetit | Lust auf Essen durch innere oder äußere Reize |
| Sättigung | Gefühl nach ausreichender Nahrungsaufnahme |
| Esssituation | Ort und Umstände einer Mahlzeit |
| Reflexion | bewusstes Nachdenken über Beobachtungen |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Beobachten | Sachliche Erfassung |
| Dokumentieren | Zeitnaher Eintrag |
| Vergleichen | Mustererkennung |
| Reflektieren | Einflussfaktoren |
| Verändern | Alltagsziel |
...
Kreuzworträtsel
| Hunger | Welches körperliche Signal kann anzeigen, dass Nahrung benötigt wird? |
| Appetit | Wie heißt die Lust auf Essen, die auch durch Geruch oder Gewohnheit entstehen kann? |
| Mahlzeit | Wie nennt man eine zusammengehörige Essenssituation? |
| Portion | Wie nennt man eine bestimmte Menge eines Lebensmittels oder Gerichts? |
| Reflexion | Wie heißt das bewusste Nachdenken über die eigenen Beobachtungen? |
| Sättigung | Wie heißt das Gefühl, nach dem Essen genug zu haben? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Tagebuchstart: Erstelle eine einfache Vorlage mit den Spalten Uhrzeit, Lebensmittel oder Getränk, Portion und Situation.
- Getränke-Check: Beobachte einen Tag lang nur Deine Getränke und beschreibe, wann und warum Du sie gewählt hast.
- Mahlzeitenfoto: Gestalte eine Zeichnung oder ein Symbolbild zu einer typischen Mahlzeit, ohne persönliche Daten preiszugeben.
- Hunger und Sättigung: Entwickle eine Wortskala mit vier Stufen, mit der sich Hunger vor und Sättigung nach dem Essen beschreiben lassen.
Standard
- Muster erkennen: Werte drei Tage eines eigenen oder anonymisierten Ernährungstagebuchs aus und formuliere drei auffällige Muster.
- Vergleich: Vergleiche ein anonymisiertes Beispiel mit allgemeinen Grundideen einer abwechslungsreichen und pflanzenbetonten Ernährung.
- Werbeeinfluss: Suche ein Beispiel für Lebensmittelwerbung und untersuche, wie sie Appetit oder Kaufentscheidungen beeinflussen kann.
- Schulverpflegung: Plane einen abwechslungsreichen Pausensnack und begründe Auswahl, Transport und Kosten.
Schwer
- Datenschutzkonzept: Entwickle Regeln dafür, wie Ernährungstagebücher in einer Klasse vertraulich und respektvoll genutzt werden können.
- Interviewprojekt: Befrage eine Fachkraft aus Schulmensa, Ernährungsbildung oder Verbraucherberatung zu typischen Ernährungsentscheidungen Jugendlicher und werte die Aussagen aus.
- Alltagsversuch: Formuliere ein kleines realistisches Ernährungsziel, teste es eine Woche lang und dokumentiere Hindernisse sowie hilfreiche Strategien.
- Erklärvideo: Produziere ein kurzes Lernvideo darüber, wie man ein Ernährungstagebuch führt, auswertet und dabei wertfrei bleibt.


Lernkontrolle
- Fallanalyse: Ein Schüler vergisst tagsüber Getränke und trinkt abends sehr viel. Erkläre, welche Beobachtungen im Ernährungstagebuch helfen könnten und welche alltagstaugliche Veränderung er testen könnte.
- Situationen vergleichen: Vergleiche zwei Tage mit ähnlichen Lebensmitteln, aber unterschiedlichen Esssituationen. Erkläre, warum Ort, Zeit und Begleitung für die Auswertung wichtig sein können.
- Ziel bewerten: Beurteile das Ziel „Ab morgen esse ich perfekt“ und formuliere daraus ein konkretes, realistisches Ziel.
- Unterrichtssituation: Eine Klasse soll persönliche Tagebücher gegenseitig benoten. Erkläre Probleme dieses Vorgehens und entwickle eine bessere Alternative.
- Muster deuten: In einem anonymisierten Tagebuch treten Snacks häufig nach langen Essenspausen auf. Formuliere mindestens zwei mögliche Erklärungen, ohne vorschnell eine Ursache festzulegen.
- Transfer: Entwickle aus einem Ernährungstagebuch eine kleine Veränderung für den Schulalltag und beschreibe, woran Du nach einer Woche erkennst, ob sie hilfreich war.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du
- ein Ernährungstagebuch übersichtlich und nachvollziehbar führen kannst.
- zwischen Beobachtung und Bewertung unterscheiden kannst.
- Muster über mehrere Tage erkennst und vorsichtig deutest.
- Einflüsse wie Alltag, soziale Situation, Werbung, Stress oder Gewohnheit berücksichtigen kannst.
- ein realistisches Veränderungsziel begründen und überprüfen kannst.
- persönliche Daten und sensible Informationen respektvoll behandelst.
- Deine Ergebnisse verständlich präsentieren kannst, ohne andere Ernährungsweisen vorschnell zu bewerten.
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