Zum Inhalt springen

Die nationalsozialistische Diktatur - Geschichte

Aus MOOCsWiki Staging

Die nationalsozialistische Diktatur - Geschichte




Die nationalsozialistische Diktatur - Geschichte

Studienfach: Geschichte Themenfeld: Nationalsozialismus, Diktatur, Holocaust, Zweiter Weltkrieg und Erinnerungskultur Niveau: Sekundarstufe I, Sekundarstufe II, Ausbildung und Studium Zeitraum: 1933 bis 1945 mit Vor- und Nachgeschichte

Quellenkritischer Hinweis: Historische Fotografien aus der NS-Zeit sind keine neutralen Fenster in die Vergangenheit. Viele Aufnahmen entstanden im Auftrag staatlicher Stellen oder der Propaganda. Achte deshalb immer auf Urheber, Entstehungssituation, Bildausschnitt, ursprüngliche Beschriftung, Verwendungszweck und das, was nicht gezeigt wird.


Einleitung

Die nationalsozialistische Diktatur in Deutschland bestand von 1933 bis 1945. Sie entstand nicht in einem einzigen Augenblick, sondern durch das Zusammenwirken von Machtübertragung, Gewalt, Terror, gesetzlicher Entgrenzung, institutioneller Anpassung, gesellschaftlicher Zustimmung und bewusster Beteiligung. Am 30. Januar 1933 ernannte Reichspräsident Paul von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler. Innerhalb weniger Monate zerstörten die Nationalsozialisten die demokratische Ordnung der Weimarer Republik, schalteten politische Gegner aus und errichteten einen rassistischen, antisemitischen und expansionistischen Herrschaftsapparat.

Der Begriff „Machtergreifung“ stammt aus der nationalsozialistischen Selbstdarstellung. Historisch genauer sind je nach Zusammenhang die Begriffe Machtübertragung, Machtübernahme und Errichtung der NS-Diktatur, weil konservative Eliten, Reichspräsident, Teile der Wirtschaft, Verwaltung, Justiz und Militär Hitler den Zugang zur Regierungsmacht ermöglichten oder seine Herrschaft stützten. Zugleich nutzte das Regime Terrororganisationen wie SA, SS und Gestapo, um Gegner einzuschüchtern, zu verfolgen und zu ermorden.

Die NS-Herrschaft verband eine auf den „Führer“ ausgerichtete Diktatur mit konkurrierenden Behörden, Parteiinstanzen und Machtzentren. Historikerinnen und Historiker sprechen deshalb auch von einer Polykratie. Entscheidungen wurden häufig in Konkurrenz getroffen und im Sinne eines vermuteten „Führerwillens“ radikalisiert. Die Diktatur lebte nicht nur von Zwang. Sie band Teile der Bevölkerung durch soziale Angebote, Aufstiegschancen, propagandistische Gemeinschaftserlebnisse, materielle Vorteile aus Raub und Krieg sowie durch die Ausgrenzung anderer ein. Die nationalsozialistische „Volksgemeinschaft“ war daher zugleich Versprechen für die als zugehörig Definierten und Gewaltordnung gegen alle Ausgeschlossenen.

Im Zentrum nationalsozialistischer Ideologie standen radikaler Antisemitismus, Rassismus, Sozialdarwinismus, Antikommunismus, Führerprinzip, Militarismus und die Vorstellung von „Lebensraum im Osten“. Diese Ideologie bereitete Entrechtung, Verfolgung, Besatzungsterror, Zwangsarbeit, Krieg und Völkermord vor. Der von Deutschland entfesselte Zweite Weltkrieg und die Shoah waren keine zufälligen Begleiterscheinungen, sondern eng mit den Zielen und Strukturen der NS-Herrschaft verbunden.


Lernziele und Kompetenzen

Nach diesem aiMOOC kannst Du die Errichtung und Stabilisierung der NS-Diktatur erklären, zentrale Herrschaftsinstrumente untersuchen, Ideologie und Praxis miteinander verknüpfen und unterschiedliche Handlungsspielräume in der Bevölkerung beurteilen. Du lernst außerdem, Täter-, Opfer-, Zuschauer- und Widerstandsperspektiven voneinander zu unterscheiden, ohne Verantwortung zu verwischen.

  1. Sachkompetenz: Du ordnest wichtige Ereignisse zwischen 1933 und 1945 zeitlich ein und erklärst ihre Zusammenhänge.
  2. Methodenkompetenz: Du analysierst Gesetze, Reden, Fotografien, Plakate, Statistiken und Erinnerungsberichte quellenkritisch.
  3. Urteilskompetenz: Du entwickelst begründete Sach- und Werturteile über Anpassung, Mitwirkung, Verweigerung und Widerstand.
  4. Orientierungskompetenz: Du beziehst historische Erkenntnisse auf Demokratie, Menschenrechte, Antisemitismus, Rassismus und politische Verantwortung in der Gegenwart.
  5. Medienkompetenz: Du erkennst Propagandatechniken, manipulative Bildsprache und die Bedeutung seriöser Quellen.


Sensibler Umgang mit dem Thema

Die Geschichte der NS-Diktatur umfasst Entrechtung, Gewalt und Massenmord. Verwende menschenverachtende Begriffe aus Täterquellen nur in Anführungszeichen und ordne sie kritisch ein. Vermeide eine Faszination für Uniformen, Symbole oder Täterbiografien. Stelle die Erfahrungen, Namen und Handlungsmöglichkeiten der Verfolgten sichtbar in den Mittelpunkt. Bei Besuchen von Gedenkstätten gelten Würde, Ruhe, Respekt und die Regeln des jeweiligen Ortes.


Voraussetzungen und Krise der Demokratie


Belastungen der Weimarer Republik

Die Weimarer Republik war eine parlamentarische Demokratie mit einer modernen Verfassung, allgemeinen Wahlen und weitreichenden Grundrechten. Sie wurde jedoch durch Folgen des Ersten Weltkriegs, politische Gewalt, antidemokratische Traditionen, den Versailler Vertrag, die Hyperinflation von 1923 und ab 1929 durch die Weltwirtschaftskrise belastet. Massenarbeitslosigkeit, soziale Not und politische Polarisierung schwächten das Vertrauen vieler Menschen in die demokratischen Parteien.

Ab 1930 regierten Reichskanzler zunehmend mit Notverordnungen des Reichspräsidenten. Diese Präsidialkabinette umgingen das Parlament und gewöhnten politische Eliten an autoritäre Regierungsformen. Die NSDAP gewann Wählerinnen und Wähler mit aggressiver Propaganda, einfachen Feindbildern, dem Versprechen nationaler Wiedergeburt und einer bewusst widersprüchlichen Ansprache unterschiedlicher sozialer Gruppen. Trotzdem erreichte sie in freien Reichstagswahlen nie die absolute Mehrheit.


Die Machtübertragung am 30. Januar 1933

Am 30. Januar 1933 ernannte Reichspräsident Hindenburg Hitler zum Reichskanzler. Konservative Politiker um Franz von Papen glaubten, Hitler in einer Koalitionsregierung kontrollieren zu können. Diese Fehleinschätzung war entscheidend. Die neue Regierung besaß zunächst nur wenige nationalsozialistische Minister, verfügte aber mit dem Innenministerium und der Kontrolle über die preußische Polizei über zentrale Machtmittel. Bereits vor der Ernennung hatten politische Gewalt, Elitenkooperation und die Aushöhlung parlamentarischer Verfahren den Weg zur Diktatur erleichtert.

Das Bild vom „Tag von Potsdam“ am 21. März 1933 inszenierte eine scheinbare Verbindung von preußisch-konservativer Tradition und nationalsozialistischer Bewegung. Solche Inszenierungen sollten bürgerliche und konservative Kreise beruhigen und Hitler als legitimen Staatsmann erscheinen lassen.


Die Errichtung der Diktatur 1933 bis 1934


Reichstagsbrandverordnung und Terror

Am 27. Februar 1933 brannte der Reichstag. Die genaue Täterschaft und der Ablauf waren lange Gegenstand historischer Debatten. Unabhängig davon nutzte die Regierung das Ereignis sofort zur Verfolgung politischer Gegner. Die am 28. Februar erlassene Reichstagsbrandverordnung setzte zentrale Grundrechte außer Kraft. Sie ermöglichte willkürliche Verhaftungen, Hausdurchsuchungen, Presseverbote und Eingriffe in Brief- und Telefongeheimnis.

Kommunistinnen und Kommunisten, Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten, Gewerkschafter, Intellektuelle und weitere Gegner wurden inhaftiert. Frühe Konzentrationslager wie Dachau dienten zunächst vor allem der Ausschaltung politischer Gegner und entwickelten sich später zu zentralen Orten des Terrors, der Zwangsarbeit und des Massenmords. Die Gewalt von SA und SS ergänzte staatliche Repression.


Das Ermächtigungsgesetz

Am 23. März 1933 stimmte der Reichstag über das „Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich“, das sogenannte Ermächtigungsgesetz, ab. Es erlaubte der Reichsregierung, Gesetze ohne Zustimmung des Reichstags und sogar abweichend von der Verfassung zu beschließen. Die Sitzung fand unter massiver Einschüchterung statt. Abgeordnete der KPD waren verfolgt, verhaftet oder an der Teilnahme gehindert; zahlreiche Abgeordnete der SPD waren ebenfalls in Haft oder auf der Flucht. Nur die anwesenden SPD-Abgeordneten stimmten dagegen.

Das Gesetz war ein zentraler Schritt zur Beseitigung der Gewaltenteilung. Es zeigt zugleich, wie eine Diktatur rechtliche Formen missbrauchen kann. „Legalität“ bedeutete hier nicht demokratische Legitimität: Abstimmung, Mandatsentzug, Verfolgung und Terror waren untrennbar miteinander verbunden.


Gleichschaltung und Zerschlagung der Opposition

Mit Gleichschaltung bezeichneten die Nationalsozialisten die Unterordnung von Staat und Gesellschaft unter ihre Herrschaft. Die Länder verloren ihre Eigenständigkeit, Beamtinnen und Beamte wurden nach politischen und rassistischen Kriterien entlassen, Gewerkschaften am 2. Mai 1933 zerschlagen und durch die Deutsche Arbeitsfront ersetzt. Parteien lösten sich unter Druck auf oder wurden verboten. Im Juli 1933 erklärte ein Gesetz die NSDAP zur einzigen zugelassenen Partei.

Kultur, Wissenschaft, Bildung, Presse, Rundfunk, Vereine und Berufsverbände wurden kontrolliert. Die Bücherverbrennungen im Mai 1933 standen symbolisch für die Verfolgung unerwünschter Autorinnen und Autoren sowie für die Unterwerfung des geistigen Lebens.

Die „Gleichschaltung“ war jedoch kein völlig einheitlicher Prozess. Manche Institutionen wurden gewaltsam übernommen, andere passten sich vorauseilend an. Dieser Unterschied ist für die historische Verantwortung wichtig: Nicht jede Mitwirkung wurde unmittelbar erzwungen.


Ausschaltung innerparteilicher Rivalen und Führerstaat

Im sogenannten Röhm-Putsch vom 30. Juni bis 2. Juli 1934 ließ Hitler die SA-Führung um Ernst Röhm sowie weitere tatsächliche und vermeintliche Gegner ermorden. Die nachträgliche Legalisierung der Morde als „Staatsnotwehr“ zeigte die Auflösung rechtsstaatlicher Grenzen. Nach Hindenburgs Tod am 2. August 1934 vereinigte Hitler die Ämter von Reichspräsident und Reichskanzler. Die Reichswehr wurde auf ihn persönlich vereidigt. Damit war die Diktatur institutionell weiter gefestigt.


Ideologie und Herrschaftspraxis


Rassismus, Antisemitismus und „Volksgemeinschaft“

Die nationalsozialistische Ideologie teilte Menschen in angeblich höher- und minderwertige „Rassen“ ein. Diese Kategorien waren pseudowissenschaftliche Konstruktionen ohne biologische Grundlage. Der radikale Antisemitismus erklärte Jüdinnen und Juden zu einem vermeintlichen inneren und äußeren Feind. Verschwörungsmythen machten sie zugleich für Kapitalismus, Kommunismus, Kriegsniederlage und gesellschaftliche Modernisierung verantwortlich.

Die propagierte „Volksgemeinschaft“ versprach Zugehörigkeit, soziale Anerkennung und nationale Einheit, beruhte aber auf Ausgrenzung. Wer nach rassistischen, politischen, sozialen oder gesundheitlichen Kriterien nicht dazugehören sollte, verlor Rechte, Eigentum, Freiheit und häufig das Leben. Die Begriffe „Volksgemeinschaft“ und „Gemeinschaftsfremde“ müssen daher immer als Herrschafts- und Gewaltbegriffe analysiert werden.


Führerprinzip, Polykratie und Radikalisierung

Das Führerprinzip verlangte bedingungslosen Gehorsam gegenüber hierarchisch übergeordneten Führern und letztlich gegenüber Hitler. Gleichzeitig blieb die Herrschaftspraxis unübersichtlich. Partei, Ministerien, SS, Wehrmacht, Wirtschaftsstellen und Sonderbehörden konkurrierten um Zuständigkeiten und Einfluss. Diese Polykratie schwächte die Diktatur nicht zwangsläufig. Rivalität konnte Maßnahmen beschleunigen und verschärfen, weil Funktionäre versuchten, im Sinne Hitlers besonders radikal zu handeln.

Historische Erklärungen dürfen deshalb weder alles auf Hitler allein reduzieren noch seine zentrale Verantwortung verharmlosen. Die Diktatur beruhte auf einer Verbindung von persönlicher Führergewalt, ideologischen Zielen, institutionellen Interessen, bürokratischer Mitarbeit und gesellschaftlicher Beteiligung.


Propaganda und Kontrolle der Öffentlichkeit

Das von Joseph Goebbels geleitete Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda kontrollierte Presse, Rundfunk, Film, Literatur, Theater und Bildende Kunst. Propaganda arbeitete mit Wiederholung, Emotionalisierung, Feindbildern, Masseninszenierungen und einem Führerkult. Der preisgünstige Volksempfänger sollte Rundfunk in viele Haushalte bringen und erleichterte die Verbreitung staatlich gelenkter Inhalte.

Propaganda war jedoch nicht allmächtig. Menschen deuteten Botschaften unterschiedlich, glaubten nicht alles und konnten ausländische Sender hören, obwohl dies während des Krieges verboten und gefährlich war. Propaganda wirkte besonders dort, wo sie an vorhandene Vorurteile, Hoffnungen und Interessen anknüpfte.


Jugend, Schule und Erziehung

Schule und Jugendorganisationen sollten junge Menschen ideologisch formen. Lehrpläne, Schulbücher und Unterricht wurden rassistisch und militaristisch ausgerichtet; jüdische Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler wurden schrittweise ausgeschlossen. Die Hitlerjugend und der Bund Deutscher Mädel verbanden Freizeit, Gemeinschaft, Körpererziehung, Geschlechterrollen und politische Indoktrination. Seit 1936 beanspruchte die Hitlerjugend die Erfassung der gesamten „deutschen Jugend“, später wurde die Teilnahme verpflichtend.

Die Erfahrungen Jugendlicher waren unterschiedlich. Manche fühlten sich angezogen, andere passten sich an, entzogen sich oder leisteten Widerstand, etwa in Gruppen wie den Edelweißpiraten oder der Swing-Jugend. Eine Analyse muss deshalb zwischen Organisationsanspruch, tatsächlicher Teilnahme und individuellen Erfahrungen unterscheiden.


Wirtschaft, Arbeit und soziale Einbindung

Das Regime senkte die Arbeitslosigkeit durch Aufrüstung, Wehrpflicht, staatliche Investitionen und statistische Ausgrenzung bestimmter Gruppen. Unabhängige Gewerkschaften waren verboten; Löhne, Arbeitsplatzwechsel und Arbeitsbeziehungen wurden staatlich kontrolliert. Organisationen wie Kraft durch Freude boten Freizeitangebote und sollten Loyalität erzeugen. Gleichzeitig bereitete die Wirtschaft systematisch den Krieg vor.

Mit der Expansion stützte sich die deutsche Kriegswirtschaft zunehmend auf Raub, Enteignung und millionenfache Zwangsarbeit. Menschen aus besetzten Ländern, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge arbeiteten unter diskriminierenden, oft tödlichen Bedingungen. Materielle Vorteile für Teile der deutschen Bevölkerung waren daher vielfach mit Ausbeutung und Gewalt verbunden.


Entrechtung, Verfolgung und Massenmord


Die schrittweise Entrechtung jüdischer Menschen

Am 1. April 1933 organisierte die NSDAP einen Boykott jüdischer Geschäfte, Arztpraxen und Kanzleien. Das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 verdrängte jüdische und politisch missliebige Beschäftigte aus dem Staatsdienst. Weitere Verordnungen schlossen Jüdinnen und Juden aus Berufen, Bildung, Kultur und Öffentlichkeit aus.

Die Nürnberger Gesetze von 1935 entzogen jüdischen Menschen zentrale Bürgerrechte und verboten Ehen sowie sexuelle Beziehungen zwischen als „jüdisch“ und „deutschblütig“ kategorisierten Menschen. Bürokratische Definitionen machten Abstammung zum staatlichen Verfolgungskriterium.

In den Novemberpogromen vom 9. und 10. November 1938 zerstörten Nationalsozialisten und ihre Helfer Synagogen, Geschäfte und Wohnungen. Jüdische Menschen wurden misshandelt, ermordet und in Konzentrationslager verschleppt. Behörden, Feuerwehr, Polizei und Teile der Bevölkerung waren beteiligt, schauten zu oder profitierten. Der Pogrom markierte eine massive Eskalation von Entrechtung und Vertreibung zu offener, reichsweiter Gewalt.


Verfolgung weiterer Gruppen

Das Regime verfolgte neben Jüdinnen und Juden zahlreiche weitere Menschen. Dazu gehörten politische Gegner, Sinti und Roma, Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen, Zeugen Jehovas, homosexuelle Männer, als „asozial“ oder „arbeitsscheu“ stigmatisierte Menschen, Schwarze Menschen, Kriegsgefangene, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sowie Bevölkerungen in den besetzten Gebieten.

Im Rahmen der Krankenmorde, häufig mit dem Tarnnamen Aktion T4 bezeichnet, ermordeten Ärzte, Pflegekräfte, Verwaltungsangestellte und Fahrer zehntausende Menschen in Tötungsanstalten. Nach öffentlichen Protesten wurde die zentrale Aktion 1941 offiziell gestoppt, dezentral aber fortgesetzt. Die Krankenmorde waren ein eigenständiges Verbrechen und zugleich ein personelles sowie technisches Vorfeld späterer Vernichtungsaktionen.


Krieg, Besatzung und Holocaust

Mit dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939 begann der Zweite Weltkrieg in Europa. Die Besatzungspolitik zielte auf Ausbeutung, Vertreibung, Germanisierung und die Zerstörung politischer sowie kultureller Eliten. Der Angriff auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 war als rassistischer Vernichtungskrieg geplant. Wehrmacht, SS, Polizei, Zivilverwaltung und lokale Kollaborateure waren in unterschiedlicher Weise an Massenerschießungen, Hungerpolitik, Deportationen und Zwangsarbeit beteiligt.

Die Shoah bezeichnet die systematische Verfolgung und Ermordung von etwa sechs Millionen europäischen Jüdinnen und Juden. Massenerschießungen, Ghettos, Deportationen, Zwangsarbeit sowie Vernichtungslager waren Teile dieses Prozesses. Die Wannseekonferenz vom 20. Januar 1942 setzte den Mord nicht erst in Gang; sie koordinierte die bereits laufende europaweite Deportations- und Vernichtungspolitik zwischen Behörden.

Auschwitz-Birkenau wurde zum größten nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslager. Es steht heute symbolisch für die Shoah, darf aber nicht den Blick auf andere Tatorte verengen: Massenerschießungsstätten, Ghettos, weitere Vernichtungslager, Zwangsarbeitslager und lokale Verfolgung gehörten ebenfalls zum europäischen Tatgeschehen.


Verantwortung und Handlungsebenen

Die Verbrechen wurden von der Führung geplant und ermöglicht, aber von vielen Institutionen umgesetzt. Ministerien formulierten Verordnungen, Verwaltungen erstellten Listen, Polizei und SS organisierten Verhaftungen und Deportationen, Unternehmen nutzten Zwangsarbeit, medizinisches Personal beteiligte sich an Selektionen und Morden, die Reichsbahn transportierte Deportierte und zahlreiche Menschen profitierten von enteignetem Eigentum.

Verantwortung ist dennoch nicht gleichförmig. Historische Analyse muss zwischen Initiatoren, Tätern, Helfern, Profiteuren, Zuschauern, Mitwissenden, Verfolgten, Verweigerern und Widerständigen unterscheiden. Diese Kategorien können sich überschneiden und im Lebenslauf verändern. Entscheidend ist, konkrete Handlungsmöglichkeiten und Folgen im jeweiligen Kontext zu prüfen.


Alltag zwischen Zustimmung, Anpassung und Zwang

Der Alltag in der Diktatur war von unterschiedlichen Erfahrungen geprägt. Für Verfolgte bedeutete er wachsende Unsicherheit, Demütigung, Entrechtung, Flucht, Versteck, Deportation und Todesgefahr. Für als „zugehörig“ geltende Menschen konnte er Normalität, soziale Aufstiegschancen und Gemeinschaftsangebote mit Überwachung, Pflichtorganisationen und Kriegsbelastungen verbinden.

Die Gestapo war gefürchtet, verfügte aber nicht über genügend Personal für eine lückenlose Überwachung. Denunziationen aus der Bevölkerung spielten daher eine wichtige Rolle. Private Konflikte, politische Überzeugung, Antisemitismus, Neid und persönliche Vorteile konnten Anzeigen auslösen. Gleichzeitig gab es Hilfe, Verstecken, heimliches Hören ausländischer Sender, Verweigerung und kleine Formen des Eigensinns.

Die Frage „Warum machten so viele mit?“ hat keine einzige Antwort. Ideologische Zustimmung, Opportunismus, Angst, Karriereinteressen, Gruppendruck, materielle Vorteile, Antisemitismus, Nationalismus und Gewöhnung wirkten zusammen. Ebenso falsch wäre die Annahme, alle Deutschen seien überzeugte Nationalsozialisten gewesen, wie die Vorstellung, die Mehrheit habe nichts gewusst oder keinerlei Wahlmöglichkeiten besessen.


Widerstand und Verweigerung

Widerstand gegen die NS-Diktatur war vielfältig, riskant und gesellschaftlich begrenzt. Er reichte von Flugblättern, Streiks, Hilfe für Verfolgte und kirchlichen Protesten bis zu Attentatsplänen. Motive unterschieden sich erheblich: demokratische, sozialistische, kommunistische, christliche, konservative, militärische, humanitäre und persönliche Gründe konnten eine Rolle spielen.

Zu den bekannten Beispielen gehören der Attentatsversuch von Georg Elser 1939, die studentische Gruppe Weiße Rose, der Kreisauer Kreis, kommunistische und sozialdemokratische Netzwerke, jüdischer Widerstand, die Edelweißpiraten und der Umsturzversuch vom 20. Juli 1944. Nicht alle Widerständigen vertraten demokratische Ziele. Eine angemessene Beurteilung untersucht daher sowohl Mut und Risiko als auch politische Vorstellungen und Grenzen.


Kriegsgesellschaft und Zusammenbruch

Mit zunehmender Kriegsdauer verschärften sich Bombenkrieg, Verlustmeldungen, Mangelwirtschaft, Evakuierung und Zwangsmaßnahmen. Die Propaganda forderte nach der Niederlage von Stalingrad den „totalen Krieg“. Das Regime hielt seine Herrschaft bis zuletzt durch Terror, Durchhalteparolen und die Hinrichtung vermeintlicher „Defätisten“ aufrecht. Noch in den letzten Kriegsmonaten wurden Häftlinge auf Todesmärsche gezwungen.

Am 8. Mai 1945 endete der Krieg in Europa mit der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht. Die NS-Diktatur hinterließ Millionen Tote, zerstörte Gesellschaften, Vertriebene, Überlebende von Verfolgung und Lagern sowie ein verwüstetes Europa. Das Kriegsende war Befreiung von der nationalsozialistischen Herrschaft, zugleich aber für viele Menschen mit Flucht, Gefangenschaft, Verlust und neuer Gewalt verbunden.


Aufarbeitung und Erinnerung


Nürnberger Prozesse und Entnazifizierung

Im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher von 1945 bis 1946 verhandelten die Alliierten über zentrale Vertreter des NS-Regimes. Anklagepunkte waren unter anderem Verbrechen gegen den Frieden, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Die Prozesse stärkten die Idee individueller strafrechtlicher Verantwortung für staatlich organisierte Verbrechen.

Die Entnazifizierung verlief in den Besatzungszonen unterschiedlich und blieb unvollständig. Viele Belastete kehrten später in Verwaltungen, Justiz, Wirtschaft, Wissenschaft und andere Institutionen zurück. Zugleich entstanden frühe Initiativen von Überlebenden, Verfolgtenverbänden und demokratischen Kräften, die Erinnerung und Entschädigung einforderten.


Erinnerungskultur und Gegenwartsbezug

Die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit veränderte sich über Jahrzehnte. Prozesse, historische Forschung, Gedenkstätten, Schulunterricht, Filme, lokale Initiativen und Debatten über Denkmäler machten verdrängte Verbrechen sichtbarer. Projekte wie Stolpersteine erinnern im Alltag an einzelne Menschen, die verfolgt und ermordet wurden.

Erinnerungskultur ist nicht nur Rückblick. Sie stellt Fragen an die Gegenwart: Wie werden demokratische Institutionen geschützt? Wie entstehen Feindbilder? Was bedeutet Zivilcourage? Wie lassen sich Antisemitismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit erkennen und bekämpfen? Historische Vergleiche müssen sorgfältig sein. Nicht jede autoritäre Entwicklung ist mit dem Nationalsozialismus gleichzusetzen, doch die Geschichte schärft den Blick für die Bedeutung von Rechtsstaat, Menschenwürde, pluralistischer Öffentlichkeit und Minderheitenschutz.


Chronologischer Überblick

Zeitraum Ereignis Historische Bedeutung
30. Januar 1933 Ernennung Hitlers zum Reichskanzler Machtübertragung innerhalb einer bereits geschwächten Demokratie
28. Februar 1933 Reichstagsbrandverordnung Außerkraftsetzung zentraler Grundrechte und Beginn massenhafter Verfolgung
23. März 1933 Ermächtigungsgesetz Ausschaltung des Parlaments als wirksame Kontrollinstanz
Frühjahr bis Sommer 1933 Gleichschaltung, Zerschlagung der Gewerkschaften und Verbot anderer Parteien Aufbau des Einparteienstaates
30. Juni bis 2. Juli 1934 Morde im Zusammenhang mit dem sogenannten Röhm-Putsch Festigung von Hitlers persönlicher Herrschaft und Bündnis mit der Reichswehrführung
15. September 1935 Nürnberger Gesetze Gesetzliche Ausgrenzung und Entrechtung jüdischer Menschen
9. und 10. November 1938 Novemberpogrome Offene reichsweite Gewalt und weitere Eskalation der Verfolgung
1. September 1939 Überfall auf Polen Beginn des Zweiten Weltkriegs in Europa
22. Juni 1941 Überfall auf die Sowjetunion Beginn eines besonders radikalen Vernichtungskrieges
20. Januar 1942 Wannseekonferenz Behördenübergreifende Koordination der bereits laufenden Deportations- und Mordpolitik
20. Juli 1944 Umsturz- und Attentatsversuch Bedeutendes Beispiel militärisch-konservativen Widerstands
8. Mai 1945 Bedingungslose Kapitulation Ende der NS-Diktatur und des Krieges in Europa


Quellenkritik: So untersuchst Du NS-Quellen

Eine Quelle aus der NS-Zeit darf nicht nur nach ihrem sichtbaren Inhalt beurteilt werden. Besonders Propagandabilder und amtliche Texte verschleiern Gewalt, verwenden Täterbegriffe oder stellen inszenierte Zustimmung dar.

  1. Urheber: Wer hat die Quelle hergestellt, beauftragt oder verbreitet?
  2. Adressat: An wen richtete sich die Quelle?
  3. Entstehungskontext: In welcher Situation und unter welchen Machtverhältnissen entstand sie?
  4. Intention: Was sollte die Quelle bewirken?
  5. Sprache und Bildgestaltung: Welche Symbole, Perspektiven, Auslassungen und emotionalen Reize werden eingesetzt?
  6. Überlieferung: Ist die Quelle vollständig, bearbeitet, nachträglich beschriftet oder aus einem Archivkontext gelöst?
  7. Vergleich: Welche weiteren Quellen bestätigen, ergänzen oder widersprechen der Darstellung?
  8. Gegenperspektive: Welche Erfahrungen von Verfolgten oder Ausgeschlossenen bleiben unsichtbar?


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Welches Ereignis eröffnete Hitler am 30. Januar 1933 den Zugang zur Regierungsmacht? (Seine Ernennung zum Reichskanzler) (!Eine absolute Mehrheit der NSDAP) (!Ein erfolgreicher Militärputsch) (!Eine Volksabstimmung über die Diktatur)




Welche Wirkung hatte die Reichstagsbrandverordnung? (Sie setzte zentrale Grundrechte außer Kraft) (!Sie stellte die Weimarer Verfassung wieder her) (!Sie verbot ausschließlich die NSDAP) (!Sie übertrug die Regierung an den Reichstag)




Warum war das Ermächtigungsgesetz für die Diktatur zentral? (Die Regierung konnte ohne wirksame parlamentarische Kontrolle Gesetze beschließen) (!Es führte freie und geheime Wahlen ein) (!Es stärkte die Unabhängigkeit der Länder) (!Es löste die SA und die SS auf)




Was bezeichnet der Begriff Gleichschaltung? (Die Unterordnung von Staat und Gesellschaft unter die NS-Herrschaft) (!Die Gleichberechtigung aller politischen Parteien) (!Die Trennung von Partei und Staat) (!Die Wiederherstellung unabhängiger Gewerkschaften)




Welche Aussage beschreibt die nationalsozialistische Volksgemeinschaft am treffendsten? (Sie verband Zugehörigkeitsversprechen mit rassistischer Ausgrenzung) (!Sie garantierte allen Einwohnern gleiche Rechte) (!Sie war eine freiwillige Religionsgemeinschaft) (!Sie schützte politische Minderheiten)




Welche Funktion hatte Propaganda im NS-Staat? (Sie sollte Wahrnehmungen lenken und Zustimmung mobilisieren) (!Sie sicherte eine freie Presse) (!Sie verhinderte den Führerkult) (!Sie machte staatliche Medienkontrolle unmöglich)




Was bewirkten die Nürnberger Gesetze? (Sie entzogen jüdischen Menschen zentrale Rechte) (!Sie beendeten die antisemitische Verfolgung) (!Sie führten das Frauenwahlrecht ein) (!Sie garantierten Religionsfreiheit)




Welche Aussage zur Wannseekonferenz ist richtig? (Sie koordinierte die bereits laufende Deportations- und Vernichtungspolitik) (!Sie beschloss das Ende des Krieges) (!Sie gründete die Weimarer Republik) (!Sie leitete die Entnazifizierung ein)




Was zeigt der Begriff Polykratie für die NS-Herrschaft? (Mehrere konkurrierende Machtzentren wirkten nebeneinander) (!Deutschland hatte mehrere frei gewählte Regierungen) (!Die Länder waren vollständig unabhängig) (!Alle Behörden arbeiteten ohne Konflikte)




Welche Aufgabe hat historische Erinnerungskultur? (Sie verbindet das Gedenken an Opfer mit kritischer Gegenwartsorientierung) (!Sie ersetzt historische Forschung durch Rituale) (!Sie beschränkt sich auf militärische Ereignisse) (!Sie vermeidet die Frage nach Verantwortung)





Memory

Reichstagsbrandverordnung Außerkraftsetzung zentraler Grundrechte
Ermächtigungsgesetz Gesetzgebung ohne wirksame Parlamentskontrolle
Gleichschaltung Unterordnung von Institutionen
Nürnberger Gesetze Rassistische Entrechtung
Volksempfänger Verbreitung staatlich gelenkter Rundfunkinhalte
Weiße Rose Studentischer Widerstand
Auschwitz-Birkenau Konzentrations- und Vernichtungslager
Nürnberger Prozesse Strafrechtliche Verfolgung führender NS-Verbrecher





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Historische Bedeutung
Machtübertragung Ernennung Hitlers zum Reichskanzler durch den Reichspräsidenten
Terror Einschüchterung, Verhaftung und Gewalt gegen Gegner
Propaganda Gezielte Lenkung öffentlicher Wahrnehmung
Ausgrenzung Entzug von Zugehörigkeit, Rechten und Teilhabe
Widerstand Bewusstes Handeln gegen die Diktatur






Kreuzworträtsel

Ermächtigungsgesetz Welches Gesetz schaltete die parlamentarische Kontrolle der Regierung weitgehend aus?
Propaganda Wie heißt die gezielte Beeinflussung öffentlicher Wahrnehmung?
Holocaust Welcher Begriff bezeichnet den systematischen Mord an den europäischen Jüdinnen und Juden?
Gestapo Wie hieß die Geheime Staatspolizei in Kurzform?
Widerstand Wie heißt bewusstes Handeln gegen die Diktatur?
Gleichschaltung Wie hieß die Unterordnung von Staat und Gesellschaft unter die NS-Herrschaft?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Am 30. Januar 1933 wurde Hitler zum

ernannt. Die Reichstagsbrandverordnung setzte zentrale

außer Kraft. Das Ermächtigungsgesetz schwächte die Kontrolle durch das

. Die Unterordnung von Institutionen unter die NS-Herrschaft wird als

bezeichnet. Das Führerprinzip verlangte hierarchischen

. Die nationalsozialistische Volksgemeinschaft beruhte auf rassistischer

. Die Nürnberger Gesetze entzogen jüdischen Menschen zentrale

. Der deutsche Angriff auf Polen begann den Zweiten Weltkrieg in

. Der Angriff auf die Sowjetunion war als

geplant. Die systematische Ermordung der europäischen Jüdinnen und Juden wird als

bezeichnet. Die Weiße Rose verbreitete regimekritische

. Nach 1945 verhandelten die Nürnberger Prozesse über individuelle strafrechtliche

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Zeitleiste: Gestalte eine illustrierte Zeitleiste mit acht Schlüsselereignissen von 1933 bis 1945 und erkläre zu jedem Ereignis in zwei Sätzen seine Bedeutung.
  2. Begriffsnetz: Verbinde die Begriffe Machtübertragung, Terror, Gleichschaltung, Propaganda, Volksgemeinschaft und Ausgrenzung in einem Schaubild.
  3. Bildanalyse: Wähle ein Bild aus diesem Kurs und untersuche Urheber, Motiv, Perspektive, Entstehungskontext und mögliche propagandistische Wirkung.
  4. Biografische Spurensuche: Recherchiere die Biografie eines verfolgten Menschen aus Deiner Region und erstelle eine respektvolle Kurzbiografie mit Quellenangaben.


Standard

  1. Quellenvergleich: Vergleiche einen Abschnitt der Reichstagsbrandverordnung mit einem Grundrechtsartikel des Grundgesetzes und arbeite Unterschiede im Staatsverständnis heraus.
  2. Propagandaanalyse: Analysiere ein NS-Plakat oder eine Rundfunkrede und entwickle anschließend eine sachliche Gegenbotschaft, die die verwendeten Manipulationstechniken offenlegt.
  3. Lokale Geschichte: Erkunde, wie Schule, Verwaltung, Verein oder Unternehmen in Deinem Ort zwischen 1933 und 1945 handelten. Präsentiere Ergebnisse und offene Fragen.
  4. Podcast: Produziere eine fünf- bis achtminütige Folge zur Frage, warum die NS-Diktatur nicht nur durch Zwang stabilisiert wurde.


Schwer

  1. Historisches Urteil: Erörtere die Aussage „Die NS-Diktatur war zugleich Führerstaat und Polykratie“ anhand konkreter Institutionen und Entscheidungen.
  2. Handlungsspielräume: Entwickle eine Fallstudie zu einer Person oder Gruppe und beurteile, welche Möglichkeiten zwischen Zustimmung, Anpassung, Verweigerung und Widerstand bestanden.
  3. Kontinuität und Bruch: Untersuche an einem Berufsfeld, wie personelle und institutionelle Kontinuitäten nach 1945 die Aufarbeitung beeinflussten.
  4. Ausstellungskonzept: Entwirf eine digitale Ausstellung mit dem Titel „Diktatur im Alltag“. Nutze mindestens fünf unterschiedliche Quellengattungen und begründe Auswahl, Reihenfolge und Kontextualisierung.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Demokratieabbau analysieren: Erkläre in einer Ursache-Wirkungs-Kette, wie wirtschaftliche Krise, Präsidialkabinette, Elitenentscheidung, Terror und gesetzliche Maßnahmen zusammenwirkten. Markiere Stellen, an denen andere Entscheidungen möglich gewesen wären.
  2. Herrschaft erklären: Beurteile, warum das Modell einer ausschließlich von oben erzwungenen Diktatur nicht ausreicht. Beziehe Zustimmung, Mitwirkung, Nutzen, Denunziation und Angst ein.
  3. Ideologie und Praxis verknüpfen: Zeige an zwei Beispielen, wie rassistische Ideologie in Verwaltungshandeln, Gesetzgebung oder wirtschaftliche Ausbeutung übersetzt wurde.
  4. Quellenkritisches Urteil: Vergleiche eine Propagandafotografie mit einem Bericht eines Verfolgten. Erkläre, warum beide Quellen unterschiedliche Erkenntnisse ermöglichen und unterschiedliche Prüfungen benötigen.
  5. Widerstand beurteilen: Entwickle Kriterien für Widerstand und wende sie auf drei verschiedene Formen oppositionellen Handelns an. Begründe, ob und warum Du Abstufungen vornimmst.
  6. Erinnerung gestalten: Entwirf ein Konzept für einen lokalen Gedenktag, das Opferperspektiven, historische Genauigkeit und Gegenwartsbezug verbindet, ohne Geschichte zu vereinfachen.
  7. Transfer zur Gegenwart: Formuliere fünf Warnsignale für den Abbau einer Demokratie. Erkläre zugleich, warum direkte Gleichsetzungen heutiger Konflikte mit dem Nationalsozialismus historisch problematisch sein können.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema sind folgende Leistungen wichtig:

  1. Chronologische Orientierung: Du kannst zentrale Ereignisse von 1933 bis 1945 zeitlich einordnen und ihre Bedeutung erklären.
  2. Kausales Denken: Du erklärst das Zusammenwirken von Krise, Elitenentscheidungen, Gewalt, Recht, Propaganda und gesellschaftlicher Beteiligung.
  3. Begriffsgenauigkeit: Du verwendest Begriffe wie Machtübertragung, Gleichschaltung, Polykratie, Volksgemeinschaft, Shoah und Vernichtungskrieg korrekt und kritisch.
  4. Quellenanalyse: Du untersuchst Autor, Kontext, Intention, Sprache, Bildgestaltung, Überlieferung und Aussagegrenzen.
  5. Multiperspektivität: Du unterscheidest Perspektiven von Verfolgten, Tätern, Helfern, Zuschauern, Profiteuren und Widerständigen.
  6. Urteilsbildung: Du formulierst begründete Sach- und Werturteile und weist vereinfachende Deutungen zurück.
  7. Regionaler Bezug: Du kannst mindestens ein Beispiel aus Deiner Region oder Institution historisch einordnen.
  8. Gegenwartsorientierung: Du leitest Bedeutung für Menschenrechte, Rechtsstaat, Minderheitenschutz und Zivilcourage ab.
  9. Dokumentation: Du gibst verwendete Quellen vollständig an und trennst belegte Aussagen von Vermutungen.




OERs zum Thema

  1. Bundeszentrale für politische Bildung: Dossier Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg
  2. Lebendiges Museum Online: NS-Regime
  3. Holocaust-Enzyklopädie des United States Holocaust Memorial Museum
  4. Yad Vashem: Internationale Holocaust-Gedenkstätte
  5. Arolsen Archives: Internationales Zentrum über NS-Verfolgung
  6. Wikimedia Commons: Freie Medien zur Geschichte des NS-Staates


Medien zur Vertiefung

Die Videos dienen als Einstieg oder Vertiefung. Prüfe bei jedem Video Kanal, Autorenschaft, Veröffentlichungsdatum, Quellenhinweise, Auswahl der Beispiele und mögliche Vereinfachungen. Ein Erklärvideo ersetzt keine eigenständige Quellenanalyse.


Verknüpfte Lernbereiche


Zusammenfassung

Die nationalsozialistische Diktatur entstand aus der Krise der Weimarer Republik, wurde aber nicht zwangsläufig durch diese Krise verursacht. Politische Entscheidungen, konservative Machtstrategien, Gewalt und gesellschaftliche Unterstützung ermöglichten Hitlers Ernennung und die schnelle Zerstörung demokratischer Kontrolle. Reichstagsbrandverordnung, Ermächtigungsgesetz, Gleichschaltung, Terror und Führerkult schufen eine Diktatur, in der konkurrierende Institutionen die Politik häufig weiter radikalisierten.

Die Idee einer rassistisch definierten Volksgemeinschaft verband Integration und Ausgrenzung. Propaganda, Jugendorganisationen, soziale Angebote und wirtschaftliche Mobilisierung banden Teile der Bevölkerung ein, während Verfolgte entrechtet, beraubt, vertrieben und ermordet wurden. Krieg und Völkermord waren eng mit der nationalsozialistischen Ideologie verbunden. Widerstand existierte in unterschiedlichen Formen, blieb aber gefährlich und begrenzt. Die Aufarbeitung nach 1945 war notwendig, konfliktreich und unvollständig. Aus dieser Geschichte folgt die bleibende Bedeutung von Menschenwürde, Rechtsstaat, kritischer Öffentlichkeit und verantwortlichem Handeln.


aiMOOC-Projekte





Schulfach+

Prüfungsliteratur 2026
Bundesland Bücher Kurzbeschreibung
Baden-Württemberg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Mittlere Reife

  1. Der Markisenmann - Jan Weiler oder Als die Welt uns gehörte - Liz Kessler
  2. Ein Schatten wie ein Leopard - Myron Levoy oder Pampa Blues - Rolf Lappert

Abitur Dorfrichter-Komödie über Wahrheit/Schuld; Roman über einen Ort und deutsche Geschichte. Mittlere Reife Wahllektüren (Roadtrip-Vater-Sohn / Jugendroman im NS-Kontext / Coming-of-age / Provinzroman).

Bayern

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Lustspiel über Machtmissbrauch und Recht; Roman als Zeitschnitt deutscher Geschichte an einem Haus/Grundstück.

Berlin/Brandenburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Der Biberpelz - Gerhart Hauptmann
  4. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Gerichtskomödie; soziales Drama um Ausbeutung/Armut; Komödie/Satire um Diebstahl und Obrigkeit; Roman über Erinnerungsräume und Umbrüche.

Bremen

Abitur

  1. Nach Mitternacht - Irmgard Keun
  2. Mario und der Zauberer - Thomas Mann
  3. Emilia Galotti - Gotthold Ephraim Lessing oder Miss Sara Sampson - Gotthold Ephraim Lessing

Abitur Roman in der NS-Zeit (Alltag, Anpassung, Angst); Novelle über Verführung/Massenpsychologie; bürgerliche Trauerspiele (Moral, Macht, Stand).

Hamburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun

Abitur Justiz-/Machtkritik als Komödie; Großstadtroman der Weimarer Zeit (Rollenbilder, Aufstiegsträume, soziale Realität).

Hessen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  4. Der Prozess - Franz Kafka

Abitur Gerichtskomödie; Fragmentdrama über Gewalt/Entmenschlichung; Erinnerungsroman über deutsche Brüche; moderner Roman über Schuld, Macht und Bürokratie.

Niedersachsen

Abitur

  1. Der zerbrochene Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun
  3. Die Marquise von O. - Heinrich von Kleist
  4. Über das Marionettentheater - Heinrich von Kleist

Abitur Schwerpunkt auf Drama/Roman sowie Kleist-Prosatext und Essay (Ehre, Gewalt, Unschuld; Ästhetik/„Anmut“).

Nordrhein-Westfalen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Komödie über Wahrheit und Autorität; Roman als literarische „Geschichtsschichtung“ an einem Ort.

Saarland

Abitur

  1. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  2. Furor - Lutz Hübner und Sarah Nemitz
  3. Bahnwärter Thiel - Gerhart Hauptmann

Abitur Erinnerungsroman an einem Ort; zeitgenössisches Drama über Eskalation/Populismus; naturalistische Novelle (Pflicht/Überforderung/Abgrund).

Sachsen (berufliches Gymnasium)

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Irrungen, Wirrungen - Theodor Fontane
  4. Der gute Mensch von Sezuan - Bertolt Brecht
  5. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  6. Der Trafikant - Robert Seethaler

Abitur Mischung aus Klassiker-Drama, sozialem Drama, realistischem Roman, epischem Theater und Gegenwarts-/Erinnerungsroman; zusätzlich Coming-of-age im historischen Kontext.

Sachsen-Anhalt

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Themenfelder)

Abitur Schwerpunktsetzung über Themenfelder (u. a. Literatur um 1900; Sprache in politisch-gesellschaftlichen Kontexten), ohne feste Einzeltitel.

Schleswig-Holstein

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Recht/Gerechtigkeit und historische Tiefenschichten eines Ortes – umgesetzt über Drama und Gegenwartsroman.

Thüringen

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool)

Abitur In der Praxis häufig Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool; landesweite Einzeltitel je nach Vorgabe/Handreichung nicht einheitlich ausgewiesen.

Mecklenburg-Vorpommern

Abitur

  1. (Quelle aktuell technisch nicht abrufbar; Beteiligung am gemeinsamen Aufgabenpool bekannt)

Abitur Land beteiligt sich am länderübergreifenden Aufgabenpool; konkrete, veröffentlichte Einzeltitel konnten hier nicht ausgelesen werden.

Rheinland-Pfalz

Abitur

  1. (keine landesweit einheitliche Pflichtlektüre; schulische Auswahl)

Abitur Keine landesweite Einheitsliste; Auswahl kann schul-/kursbezogen erfolgen.




aiMOOCs



aiMOOC Projekte












THE MONKEY DANCE




The Monkey DanceaiMOOCs

  1. Trust Me It's True: #Verschwörungstheorie #FakeNews
  2. Gregor Samsa Is You: #Kafka #Verwandlung
  3. Who Owns Who: #Musk #Geld
  4. Lump: #Trump #Manipulation
  5. Filth Like You: #Konsum #Heuchelei
  6. Your Poverty Pisses Me Off: #SozialeUngerechtigkeit #Musk
  7. Hello I'm Pump: #Trump #Kapitalismus
  8. Monkey Dance Party: #Lebensfreude
  9. God Hates You Too: #Religionsfanatiker
  10. You You You: #Klimawandel #Klimaleugner
  11. Monkey Free: #Konformität #Macht #Kontrolle
  12. Pure Blood: #Rassismus
  13. Monkey World: #Chaos #Illusion #Manipulation
  14. Uh Uh Uh Poor You: #Kafka #BerichtAkademie #Doppelmoral
  15. The Monkey Dance Song: #Gesellschaftskritik
  16. Will You Be Mine: #Love
  17. Arbeitsheft
  18. And Thanks for Your Meat: #AntiFactoryFarming #AnimalRights #MeatIndustry


© The Monkey Dance on Spotify, YouTube, Amazon, MOOCit, Deezer, ...



Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen