Die Staufer - Baden-Württemberg

Die Staufer - Baden-Württemberg
Die Staufer – Baden-Württemberg: Herrschaft, Burgen und europäische Verbindungen
Die Staufer waren eine der bedeutenden Herrscherfamilien des Hochmittelalters. Ihre frühen Machtzentren lagen in Schwaben – also auch im Gebiet des heutigen Baden-Württemberg. Von hier aus stiegen Angehörige der Familie zu Herzögen, römisch-deutschen Königen und Kaisern auf. Ihre Geschichte führt deshalb von der Burg Hohenstaufen bei Göppingen über Kloster Lorch und die Kaiserpfalz Bad Wimpfen bis nach Norditalien, Burgund, Sizilien und in den östlichen Mittelmeerraum.
Wenn Du die Staufer untersuchst, kannst Du erkennen, wie Herrschaft im Mittelalter funktionierte: Ein König regierte nicht von einer einzigen Hauptstadt aus. Er reiste durch sein Reich, stützte sich auf Burgen, Pfalzen, Klöster, Adelige, geistliche Fürsten und Ministerialen und versuchte, durch Bündnisse, Heiraten und persönliche Anwesenheit seine Macht zu sichern.

Vom schwäbischen Adelsgeschlecht zur Herrscherfamilie
Ein wichtiger Schritt im Aufstieg der Familie erfolgte 1079: König Heinrich IV. aus dem Geschlecht der Salier übertrug Friedrich I. von Staufen das Herzogtum Schwaben. Friedrich heiratete außerdem Agnes, eine Tochter Heinrichs IV. Damit verbanden sich politische Macht, Besitz und Verwandtschaft.
Um 1070 entstand auf dem Berg Hohenstaufen eine Burg, die später als Stammburg der Familie galt. 1102 stifteten Friedrich I. und seine Familie das Kloster Lorch als Hauskloster. Dort wurden Angehörige der Familie bestattet. 1138 wurde Konrad III. zum römisch-deutschen König gewählt. Damit stand erstmals ein Staufer als allgemein anerkannter König an der Spitze des Reiches.
Besonders bekannt wurde Friedrich I., genannt Barbarossa. Er wurde 1152 zum König gewählt und 1155 zum Kaiser gekrönt. Nach ihm herrschten weitere Staufer, darunter Heinrich VI. und Friedrich II. Die Stauferzeit war jedoch keine ununterbrochene Familienherrschaft: Könige wurden gewählt, es gab Gegenkönige, Konflikte mit Fürsten, Päpsten und Städten sowie Zeiten, in denen andere Dynastien den Thron beanspruchten.


Wie staufische Herrschaft funktionierte
Das römisch-deutsche Reich des 12. und 13. Jahrhunderts war kein moderner Zentralstaat. Der König musste seine Herrschaft immer wieder sichtbar machen. Deshalb zog der Hof von Ort zu Ort. Solche Reiseherrschaft bedeutete, dass Pfalzen, Burgen, Bischofsstädte und Klöster wichtige Stationen waren.
Eine Pfalz war ein zeitweiliger Aufenthalts- und Herrschaftsort des Königs. Dort konnten Hoftage stattfinden, Urkunden ausgestellt, Streitfälle entschieden und politische Bündnisse ausgehandelt werden. Burgen schützten wichtige Räume, dienten als Wohn- und Verwaltungsorte und machten Herrschaft sichtbar. Klöster waren religiöse Zentren, konnten aber zugleich Grablegen, Erinnerungsorte und Partner einer Adelsfamilie sein.
Für die praktische Herrschaft waren außerdem Ministerialen wichtig. Das waren ursprünglich unfreie Dienstleute, die im Hochmittelalter militärische und administrative Aufgaben übernahmen und sozial zum ritterlichen Adel aufsteigen konnten. Gerade kleinere Burgen in der Umgebung großer Herrschaftszentren wurden häufig von solchen Dienstleuten verwaltet.
Hohenstaufen: Stammburg und Symbol
Der Berg Hohenstaufen bei Göppingen gab der Familie später ihren heute üblichen Namen. Die Burg wurde um 1070 von Friedrich I. ausgebaut beziehungsweise neu befestigt und entwickelte sich zum Stammsitz. Ein Aufenthalt Kaiser Barbarossas auf der Burg ist für 1181 urkundlich belegt.
Von der mittelalterlichen Anlage sind heute nur Ruinen erhalten. Im Bauernkrieg wurde die Burg 1525 zerstört. Für die Beschäftigung mit Geschichte ist der Ort dennoch wichtig: An ihm lässt sich fragen, wie aus wenigen Mauerresten, Schriftquellen, archäologischen Befunden und späterer Erinnerung ein Bild der Vergangenheit entsteht.

Kloster Lorch: Hauskloster und Grablege
Das 1102 gestiftete Kloster Lorch war eng mit der frühen Stauferfamilie verbunden. Es diente als Hauskloster und Grablege. Das heute sichtbare Staufergrabmal entstand allerdings erst 1475 – also mehr als zweihundert Jahre nach dem Ende der staufischen Herrschaft. Das ist für die Quellenkritik wichtig: Ein Denkmal kann an eine ältere Zeit erinnern, ohne selbst aus dieser Zeit zu stammen.
Auch Irene von Byzanz, die Ehefrau König Philipps von Schwaben, ist mit Lorch verbunden. Sie starb 1208 auf dem Hohenstaufen und wurde in Lorch bestattet. Ihre Herkunft aus der byzantinischen Kaiserfamilie zeigt besonders deutlich, wie weit die dynastischen Beziehungen der Staufer reichten.



Burg Wäscherschloss: Stauferzeit statt Gründungsmythos
Die Burg Wäscherschloss bei Wäschenbeuren wird häufig mit der frühen Geschichte der Staufer verbunden. Die heute erhaltene Burg stammt jedoch aus dem frühen 13. Jahrhundert und damit aus einer späteren Phase der Stauferzeit. Sie gehörte einem Ministerialen im Dienst der Staufer und sicherte den Raum in der Nähe des Hohenstaufen.
Gerade hier kannst Du gut zwischen Geschichte und Legende unterscheiden. Die Vorstellung, das Wäscherschloss sei der ursprüngliche Stammsitz der Staufer, lässt sich mit den erhaltenen Baubefunden nicht belegen. Solche Erzählungen sind trotzdem interessant, weil sie zeigen, wie sich spätere Generationen an das Mittelalter erinnern.


Bad Wimpfen: Eine staufische Pfalz am Neckar
In Bad Wimpfen ist eine bedeutende staufische Pfalzanlage erhalten. Um 1170 wurden wichtige Teile der Königspfalz errichtet; Friedrich I. Barbarossa ist 1182 in Wimpfen urkundlich nachweisbar. Zur Anlage gehörten unter anderem der Palas sowie der Rote und der Blaue Turm.
Die Lage über dem Neckar war günstig: Verkehrswege, Flussraum und umliegende Siedlungen konnten kontrolliert werden. Wenn der König oder Kaiser anwesend war, wurde die Pfalz zeitweise zu einem politischen Mittelpunkt. Danach zog der Hof weiter. Bad Wimpfen macht deshalb das Prinzip der mittelalterlichen Reiseherrschaft besonders anschaulich.


Europäische Verbindungen der Staufer
Die Staufer waren in Schwaben verwurzelt, aber ihre Politik war europäisch vernetzt. Heiraten verbanden die Familie mit anderen Herrscherhäusern. Barbarossa heiratete 1156 Beatrix von Burgund. Sein Sohn Heinrich VI. heiratete Konstanze von Sizilien. Als Ehemann Konstanzes erhob Heinrich Ansprüche auf das Königreich Sizilien, setzte sie 1194 militärisch durch und wurde in Palermo zum König von Sizilien gekrönt. Damit verband sich die staufische Politik besonders eng mit Italien und dem Mittelmeerraum.
Auch Konflikte schufen Verbindungen. Barbarossa versuchte, kaiserliche Rechte in Norditalien durchzusetzen und geriet dabei mit oberitalienischen Städten und dem Papsttum in Auseinandersetzungen. Nach langjährigen Kämpfen kam es 1183 im Frieden von Konstanz zu einem Ausgleich mit dem Lombardenbund.
Friedrich II. wurde 1194 in Jesi in Mittelitalien geboren und wuchs vor allem im Königreich Sizilien auf. 1220 wurde er zum Kaiser gekrönt. Sein Herrschaftsraum verband Gebiete nördlich und südlich der Alpen. Sein Hof in Süditalien stand mit lateinischen, griechischen und arabischen Wissens- und Verwaltungstraditionen in Kontakt. Das berühmte Werk De arte venandi cum avibus über die Falkenjagd zeigt sein Interesse an genauer Naturbeobachtung.


Zwischen Burg, Familie und Europa
Die Geschichte der Staufer lässt sich deshalb auf drei Ebenen betrachten. Regional zeigen Hohenstaufen, Lorch, Wäscherschloss und Bad Wimpfen, wie Herrschaft in Schwaben verankert war. Im Reich mussten die Könige mit Fürsten, Bischöfen und Städten zusammenarbeiten oder um Einfluss ringen. Auf europäischer Ebene verbanden Heiraten, Italienpolitik, Kreuzzüge, Handel, Diplomatie und Konflikte die Staufer mit vielen Regionen.
Nach dem Tod Friedrichs II. 1250 verlor die Dynastie rasch an politischer Macht. Konrad IV. starb 1254. Konradin, ein Enkel Friedrichs II., wurde 1268 nach einem gescheiterten Versuch, seine Ansprüche in Süditalien durchzusetzen, in Neapel hingerichtet. Damit endete die staufische Herrschaft als bedeutende europäische Dynastie.
In Baden-Württemberg lebt die Erinnerung an die Staufer bis heute weiter. Burgruinen, Klöster, Pfalzbauten, Museen und Stauferstelen machen Geschichte im Raum sichtbar. Wichtig bleibt dabei immer die Frage: Was stammt wirklich aus der Stauferzeit – und was wurde erst später zur Erinnerung an sie geschaffen?
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welcher Ort gilt als Stammburg der Staufer? (Hohenstaufen) (!Wäscherschloss) (!Bad Wimpfen) (!Castel del Monte)
Welches Amt erhielt Friedrich I. von Staufen im Jahr 1079? (Herzog von Schwaben) (!König von Sizilien) (!Papst) (!Herzog von Sachsen)
Welche Aufgabe hatte Kloster Lorch für die Staufer? (Hauskloster und Grablege) (!Kaiserliche Münzstätte) (!Hafen am Neckar) (!Sitz des Papstes)
Warum waren Pfalzen für mittelalterliche Könige wichtig? (Sie waren zeitweilige Herrschaftsorte) (!Sie waren dauerhafte Hauptstädte) (!Sie waren nur Bauernhöfe) (!Sie waren ausschließlich Klosterschulen)
Was kennzeichnet die Burg Wäscherschloss historisch am besten? (Sie gehörte in der Stauferzeit einem Ministerialen) (!Sie war Barbarossas Geburtsort) (!Sie war die Hauptstadt Siziliens) (!Sie wurde erst im 18. Jahrhundert gebaut)
Welche staufische Anlage liegt in Bad Wimpfen? (Eine Königspfalz) (!Eine römische Arena) (!Ein Hansehafen) (!Eine frühneuzeitliche Festung)
Mit welchem Raum verband Heinrich VI. die Stauferherrschaft besonders eng? (Sizilien) (!Skandinavien) (!Irland) (!Island)
Wer war Friedrich I. Barbarossa? (Ein staufischer König und Kaiser) (!Ein byzantinischer Kaiser) (!Ein französischer Bischof) (!Ein venezianischer Kaufmann)
Was zeigt Irene von Byzanz besonders deutlich? (Die weiten dynastischen Verbindungen der Staufer) (!Die Gründung des Deutschen Ordens) (!Die Entstehung der Hanse) (!Die Erfindung des Buchdrucks)
Welches Jahr markiert das Ende von Konradins Versuch staufische Ansprüche durchzusetzen? (1268) (!1079) (!1155) (!1492)
Memory
| Hohenstaufen | Stammburg |
| Kloster Lorch | Hauskloster |
| Bad Wimpfen | Kaiserpfalz |
| Ministerialen | Dienstadel |
| Konrad III. | staufischer König |
| Barbarossa | Friedrich I. |
| Konstanze von Sizilien | Heinrich VI. |
| Irene von Byzanz | Philipp von Schwaben |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Bedeutung |
|---|---|
| Hohenstaufen | Stammburg |
| Lorch | Grablege |
| Wäscherschloss | Ministerialenburg |
| Bad Wimpfen | Königspfalz |
| Sizilien | Mittelmeerherrschaft |
| Norditalien | Konfliktraum |
...
Kreuzworträtsel
| Hohenstaufen | Wie heißt die Stammburg der Staufer bei Göppingen? |
| Lorch | In welchem Kloster lag eine wichtige Grablege der Familie? |
| Wimpfen | Welche Neckarstadt besitzt eine bedeutende staufische Pfalz? |
| Barbarossa | Wie lautet der Beiname Kaiser Friedrichs I.? |
| Sizilien | Welches Königreich verband Heinrich VI. mit der staufischen Herrschaft? |
| Ministeriale | Wie nennt man einen Angehörigen des mittelalterlichen Dienstadels im Singular? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Staufer-Zeitstrahl: Gestalte einen Zeitstrahl mit sechs wichtigen Stationen zwischen 1079 und 1268 und ergänze zu jeder Station einen kurzen Erklärungssatz.
- Burgenbild lesen: Beschreibe anhand eines Fotos der Ruine Hohenstaufen, welche Informationen ein heutiges Bild liefern kann und welche nicht.
- Erinnerungsort Lorch: Erkläre in einem kurzen Text, warum ein Grabmal von 1475 trotzdem etwas über die Erinnerung an die Staufer aussagen kann.
- Pfalz entdecken: Markiere auf einem selbst gezeichneten Plan Palas und Türme und erkläre, wozu diese Gebäude dienten.
Standard
- Herrschaft unterwegs: Erstelle ein Schaubild, das zeigt, warum ein König im Mittelalter reisen musste und welche Orte er dafür nutzte.
- Legende oder Befund: Vergleiche die Erzählung von der „Wiege der Staufer“ mit der Datierung der erhaltenen Burg. Formuliere Kriterien, mit denen Historikerinnen und Historiker beide Aussagen prüfen.
- Heirat als Politik: Untersuche die Verbindungen Barbarossas mit Burgund oder Heinrichs VI. mit Sizilien und erkläre, welchen politischen Nutzen eine Heirat haben konnte.
- Historische Exkursion: Plane eine eintägige Exkursion zu zwei Stauferorten in Baden-Württemberg. Begründe die Auswahl und formuliere je drei Beobachtungsaufträge.
Schwer
- Quellenwerkstatt: Vergleiche eine mittelalterliche Bildquelle zu Barbarossa mit einem modernen Erinnerungsdenkmal. Untersuche Entstehungszeit, Absicht und Aussagegrenzen.
- Machtanalyse: Beurteile die Aussage „Wer viele Burgen besitzt, beherrscht automatisch ein Land“. Nutze Beispiele aus dem Stauferland und berücksichtige Pfalzen, Klöster, Adelige und Städte.
- Netzwerk Europa: Erstelle eine Karte der staufischen Verbindungen zwischen Schwaben, Burgund, Norditalien, Sizilien und Byzanz. Kennzeichne Heiraten, Herrschaftsräume und Konflikte unterschiedlich.
- Staufer heute: Produziere ein kurzes Video oder einen Audioguide zu einem Erinnerungsort in Baden-Württemberg. Trenne dabei sichtbar zwischen mittelalterlichem Befund, späterer Erinnerung und eigener Bewertung.


Lernkontrolle
- Herrschaft erklären: Erkläre anhand von Bad Wimpfen, warum eine mittelalterliche Pfalz für einen reisenden König wichtig war, obwohl sie keine dauerhafte Hauptstadt war.
- Herrschaft vergleichen: Vergleiche Hohenstaufen und Kloster Lorch. Zeige, welche unterschiedlichen Funktionen Burg und Kloster für eine Herrscherfamilie erfüllen konnten.
- Befund und Erinnerung: Ein Reiseführer nennt das Wäscherschloss die „Wiege der Staufer“. Entwickle eine begründete Antwort darauf, wie diese Aussage historisch geprüft werden müsste.
- Verbindungen beurteilen: Erkläre, wie eine Heirat die politischen Möglichkeiten einer Dynastie verändern konnte. Nutze Heinrich VI. und Konstanze von Sizilien als Beispiel.
- Maßstab wechseln: Zeige an zwei Beispielen, wie ein Ort im heutigen Baden-Württemberg mit Entwicklungen in anderen Teilen Europas verbunden war.
- Transfer: Stell Dir vor, ein König könnte nur noch an einem einzigen Ort bleiben. Begründe, welche Probleme dadurch für die staufische Herrschaft im 12. Jahrhundert entstanden wären.
Lernnachweis
Für einen erfolgreichen Lernnachweis solltest Du nicht nur Namen und Jahreszahlen kennen, sondern Zusammenhänge erklären und Quellen kritisch beurteilen können.
- Staufer: Du kannst den Aufstieg der Familie von Schwaben zur Königs- und Kaiserdynastie in Grundzügen erklären.
- Herrschaft im Mittelalter: Du kannst Reiseherrschaft, Pfalz, Burg, Kloster und Ministerialen in ihrem Zusammenspiel beschreiben.
- Baden-Württemberg: Du kannst Hohenstaufen, Lorch, Wäscherschloss und Bad Wimpfen historisch einordnen.
- Europäische Verbindungen: Du kannst Verbindungen nach Burgund, Norditalien, Sizilien und Byzanz an Beispielen erläutern.
- Quellenkritik: Du kannst zwischen einem mittelalterlichen Befund, einer späteren Darstellung und einer Legende unterscheiden.
- Transfer: Du kannst erklären, wie regionale Herrschaftsorte mit überregionaler Politik zusammenhängen.
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