Der Wein der Lumpensammler - Baudelaire, Charles - Gedichtanalyse
Einleitung
Der Wein der Lumpensammler – Baudelaire, Charles – Gedichtanalyse
Zielgruppe: Klasse 9–10 | Deutsch | Lyrik | Gedichtanalyse
Kurzbeschreibung: Ein armer Lumpensammler läuft nachts durch Paris. Er hat getrunken. In seiner Vorstellung wird er zu einem mächtigen Helden. Doch sein wirkliches Leben ist schwer.
Das Gedicht fragt: Kann ein Traum die Armut für kurze Zeit vergessen lassen?
Du lernst, ein Gedicht zu verstehen, Bilder zu deuten und Deine Meinung mit Textstellen zu begründen.
Lernziele: Du kannst den Inhalt zusammenfassen, sprachliche Mittel erkennen und zwischen Beobachtung und Interpretation unterscheiden.

Charles Baudelaire, fotografiert von Étienne Carjat um 1863. Wikimedia Commons, gemeinfrei.
Autor, Werk und historische Ausgabe
Charles Baudelaire lebte von 1821 bis 1867. Er war ein französischer Dichter.
Sein Gedicht Le Vin des chiffonniers erschien 1857 im Buch Les Fleurs du Mal, auf Deutsch Die Blumen des Bösen.
Unsere deutsche Lesefassung stammt von Wolf von Kalckreuth und erschien 1907 im Insel-Verlag in Leipzig'. Kalckreuth lebte von 1887 bis 1906. Seine Übersetzung erschien nach seinem Tod.
Wichtig: Baudelaire schrieb das französische Original. Kalckreuth übertrug es ins Deutsche. Manche Wörter und Formulierungen sind deshalb unterschiedlich.
Quellen:
- Zeno.org: Der Wein der Lumpensammler – historische deutsche Ausgabe von 1907
- TextGrid Repository: Digitale Textfassung der Übersetzung von Wolf von Kalckreuth
- Wikisource: Französische Erstausgabe von 1857, Seiten 231–232
- Germersheimer Übersetzerlexikon: Wolf von Kalckreuth
Das Gedicht lesen
Die historische Buchausgabe
Datei:Baudelaire - Les Fleurs du mal 1857.djvu
Digitalisat der französischen Erstausgabe von 1857. Bibliothèque nationale de France / Wikimedia Commons, gemeinfrei.
Hinweis: Es gibt unterschiedliche Ausgaben von Baudelaires Gedichten. Für diesen aiMOOC verwenden wir das französische Gedicht aus der Ausgabe von 1857 und die deutsche Übersetzung von 1907.
Beide Textfassungen haben 32 Verse in acht Strophen mit jeweils vier Versen.
Quellfassung: Le Vin des chiffonniers (1857)
Charles Baudelaire – französisches Original
Souvent, à la clarté rouge d’un réverbère
Dont le vent bat la flamme et tourmente le verre,
Au cœur d’un vieux faubourg, labyrinthe fangeux,
Où l’humanité grouille en ferments orageux,
On voit un chiffonnier qui vient, hochant la tête,
Buttant, et se cognant aux murs comme un poète,
Et, sans prendre souci des mouchards, ses sujets,
Épanche tout son cœur en glorieux projets.
Il prête des serments, dicte des lois sublimes,
Terrasse les méchants, relève les victimes,
Et sous le firmament comme un dais suspendu
S’enivre des splendeurs de sa propre vertu.
Oui, ces gens harcelés de chagrins de ménage,
Moulus par le travail et tourmentés par l’âge,
Le dos martyrisé sous de hideux débris,
Trouble vomissement du fastueux Paris,
Reviennent, parfumés d’une odeur de futailles,
Suivis de compagnons blanchis dans les batailles,
Dont la moustache pend comme les vieux drapeaux ;
Les bannières, les fleurs et les arcs triomphaux
Se dressent devant eux, solennelle magie !
Et dans l’étourdissante et lumineuse orgie
Des clairons, du soleil, des cris et du tambour,
Ils apportent la gloire au peuple ivre d’amour !
C’est ainsi qu’à travers l’Humanité frivole
Le vin roule de l’or, éblouissant Pactole ;
Par le gosier de l’homme il chante ses exploits
Et règne par ses dons ainsi que les vrais rois.
Pour noyer la rancœur et bercer l’indolence
De tous ces vieux maudits qui meurent en silence,
Dieu, saisi de remords, avait fait le sommeil ;
L’Homme ajouta le Vin, fils sacré du Soleil !
Quelle: Charles Baudelaire, Les Fleurs du mal, Paris 1857, Abschnitt Le Vin, Gedicht XCIV. Text nach der validierten Fassung von Wikisource.
Lesefassung: Der Wein der Lumpensammler (1907)
Charles Baudelaire – übersetzt von Wolf von Kalckreuth
Oft schauen wir, wie in der Flammen rotem Flirren,
Im wehnden Flackerschein, bei der Laternen Klirren,
Im Schoß der alten Stadt, von Schmutz und Elend voll,
Dort, wo die Menschheit stöhnt in wetterschwangrem Groll,
Ein Lumpensammler kommt, der, wie ein Dichter schwankend,
Wild schüttelt mit dem Kopf, an alte Mauern wankend;
Und voll Verachtung für der Späher feilen Hauf
Läßt seinem Hoffen er im Rausche freien Lauf.
Er schwört Gelübde, gibt erhabene Gesetze,
Er hebt Gestürzte auf, zerreißt der Bösen Netze,
Der Himmel überwölbt ihn wie ein Baldachin,
Wie trunken macht der Glanz der eignen Tugend ihn.
Ja, diese Leute, die in Sorgen niederbrechen,
Die Arbeit schier zermalmt, die lange Jahre schwächen,
Gelähmt, sich bückend vor der Last gehäuften Schutts,
Die ausgespien Paris, ein wirr Gewühl von Schmutz,
Sie kommen vom Geruch der Fässer wie umflossen,
Mit kampfergrauter Schar, mit jubelnden Genossen,
Ihr Schnurrbart hängt herab wie Fahnen greisen Ruhms,
– Siegbogen, Blumen, all der Glanz des Heldentums
Erhebt vor ihnen sich wie eine Zaubersonne,
Sie bringen, ganz betäubt vom Festlärm und der Wonne
Der Trommeln, des Geschreis, des Horns, der Strahlenpracht,
Die Glorie ihrem Volk, das Liebe trunken macht,
So rollt, auf daß er all die nichtge Menschheit letze,
Der Wein sein reiches Gold, ein Paktolos der Schätze;
Im Mund des Menschen singt sein Tun er, siegeshehr,
Gleich wahren Köngen herrscht durch seine Gaben er.
Den Gram zu tilgen und die Gleichmut sanft zu wiegen
All der Verstoßnen, die ergreist und stumm erliegen,
Gab reuig Gott den Schlaf, der tröstlich und gelind.
Der Mensch erschuf den Wein, der Sonne heilges Kind!
Textgrundlage: Wolf von Kalckreuth, Die Blumen des Bösen (Auswahl), Insel-Verlag, Leipzig 1907. Wiedergabe nach der digitalen Überlieferung bei Zeno.org und TextGrid.
Texttreue: Die historische Schreibweise bleibt erhalten. Die digitalen Vorlagen schreiben in Vers 28 „Köngen“. Gemeint sind „Königen“. Diese auffällige Form wird nicht stillschweigend geändert.
Wort-Hilfe
| Schwieriges Wort | Einfache Erklärung |
|---|---|
| Lumpensammler | Mensch, der alte Stoffe und andere verwertbare Abfälle sammelt |
| Späher | Beobachter oder Spitzel |
| Gelübde | feierliches Versprechen |
| Baldachin | prächtiges Stoffdach |
| Siegbogen | Triumphbogen zur Erinnerung an einen Sieg |
| Glorie | großer Ruhm |
| Gram | tiefe Traurigkeit |
| Paktolos | Fluss aus der antiken Überlieferung, der für Goldreichtum steht |
| letzen | erfrischen oder erfreuen |
Lesehilfe in drei Stufen:
Leicht: Lies zuerst nur die Strophen 1–2 und 7–8. Wer wird beschrieben? Welche Rolle spielt Wein?
Standard: Unterstreiche alle Wörter, die Not oder Armut zeigen. Markiere anschließend Wörter, die Ruhm oder Macht ausdrücken.
Schwer: Erkläre, warum die Bilder von Elend und Triumph im selben Gedicht stehen.
Gedichtanalyse in einfacher Sprache
Inhalt und Handlung
Strophen 1–2 (Verse 1–8): Es ist Nacht in Paris. Ein Lumpensammler schwankt durch die Straßen. Er denkt an große Pläne.
Strophe 3 (Verse 9–12): In seiner Vorstellung kann er Gesetze erlassen und Schwache beschützen.
Strophe 4 (Verse 13–16): Das Gedicht zeigt das schwere Leben der Lumpensammler. Sie leiden unter harter Arbeit und Armut.
Strophen 5–6 (Verse 17–24): Die Männer erscheinen wie Sieger bei einem großen Fest. Die Bilder wirken fast wie eine Traumwelt.
Strophe 7 (Verse 25–28): Der Wein wird wie ein mächtiger Herrscher dargestellt.
Strophe 8 (Verse 29–32): Schlaf und Wein erscheinen als Mittel gegen Kummer und Sorgen.
Merksatz: Die wirkliche Welt ist hart. Im Rausch scheint sie für kurze Zeit schöner und gerechter.
Der Ort: Paris im 19. Jahrhundert

Eine historische Pariser Straßenlaterne, fotografiert von Charles Marville zwischen 1858 und 1871. Musée Carnavalet / Wikimedia Commons, CC0.
Textbeleg: „Im Schoß der alten Stadt, von Schmutz und Elend voll“ (Vers 3).
Paris war im 19. Jahrhundert eine schnell wachsende Großstadt. Reichtum und Armut lagen oft nahe beieinander.
Lumpensammler suchten nach Dingen, die verkauft oder wiederverwertet werden konnten.
Das Gedicht zeigt besonders Menschen, die wenig Geld und gesellschaftliches Ansehen haben.

Darstellung eines Pariser Lumpensammlers, 1852, nach Blanchard. Wikimedia Commons, gemeinfrei.
Bildauftrag: Vergleiche das Bild mit Vers 5. Welche Merkmale der Arbeit erkennst Du? Welche Einzelheiten beschreibt das Gedicht anders?
Armut und soziale Ungleichheit

Szenen aus dem Alltag der Pariser Lumpensammler, Stich von 1858, Just L'Hernault. Musée Carnavalet / Wikimedia Commons, CC0.
Textbeleg: „Die Arbeit schier zermalmt“ (Vers 14).
Das Wort „zermalmt“ klingt sehr stark. Es zeigt, wie erschöpfend die Arbeit ist.
Mögliche Deutung: Das Gedicht macht Menschen sichtbar, die in einer reichen Stadt leicht übersehen werden.
Der Gegensatz ist deutlich: Paris erscheint prächtig, aber manche Menschen leben im Elend.
Denkfrage: Warum beschreibt das Gedicht auch die Not hinter dem Reichtum einer Stadt?
Der Lumpensammler als Dichter
Textbeleg: „wie ein Dichter schwankend“ (Vers 5).
Der Lumpensammler wird mit einem Dichter verglichen. Beide können sich andere Welten vorstellen.
Der Lumpensammler denkt sich eine Welt aus, in der er mächtig ist und Gutes tun kann.
Mögliche Deutung: Der Vergleich könnte zeigen, wie eng Fantasie und das Leben von Außenseitern verbunden sind.
Wichtig: Das bedeutet nicht, dass der Lumpensammler Baudelaire selbst ist.
Die Bilder von Macht und Ruhm
Textbeleg: „Siegbogen, Blumen, all der Glanz des Heldentums“ (Vers 20).
Ein Triumphbogen erinnert an einen großen Sieg. Die Lumpensammler werden im Gedicht wie Helden dargestellt.
Das steht im Gegensatz zu ihrer wirklichen Lebenslage.
Mögliche Deutung: Die Fantasie schenkt ihnen eine Würde, die ihnen die Gesellschaft oft nicht zugesteht.

Lumpensammler in Paris, Fotografie von Paul Géniaux, 1895–1905. Musée Carnavalet / Wikimedia Commons, CC0.
Achtung zur Bildquelle: Das Foto entstand Jahrzehnte nach der Erstveröffentlichung des Gedichts. Es ist eine historische Vergleichsquelle und keine Aufnahme der im Gedicht beschriebenen Person.
Bildauftrag: Schreibe zwei Sätze zur wirklichen Arbeit der Lumpensammler und zwei Sätze zu ihrer Darstellung als Helden.
Was bedeutet der Wein?
Textbeleg: „Der Wein sein reiches Gold“ (Vers 26).
Der Wein wird mit einem Goldschatz verbunden. In den Versen 25–28 scheint er sogar wie ein König zu handeln.
Hier liegt eine Personifikation vor: Etwas Nichtmenschliches erhält menschliche Eigenschaften.
Mögliche Deutung: Der Wein steht für eine kurze Flucht aus Sorgen und Armut. Doch er beseitigt die wirklichen Probleme nicht.
Der Text ist deshalb nicht einfach als Lob des Alkohols zu verstehen. Er lässt auch eine kritische Lesart zu.
Denkfrage: Ist der Wein im Gedicht eine Hilfe, eine Täuschung oder beides? Begründe mit Vers 25–32.
Sprache und Form
Das Gedicht hat acht Strophen mit je vier Versen. In der deutschen Übersetzung reimen sich jeweils zwei aufeinanderfolgende Verse.
Beispiel:
„Flirren“ – „Klirren“
„voll“ – „Groll“
Das nennt man Paarreim. Das Reimschema ist jeweils aabb.
| Sprachliches Mittel | Beispiel | Wirkung |
|---|---|---|
| Vergleich | „wie ein Dichter“ (V. 5) | Verbindet den Lumpensammler mit Fantasie |
| Personifikation | „Der Wein ... singt“ (V. 26–27) | Der Wein wirkt lebendig und mächtig |
| Metapher | „Die Arbeit schier zermalmt“ (V. 14) | Macht das Leid anschaulich |
| Symbol | Gold des Weines (V. 25–26) | Kann für erträumten Reichtum stehen |
| Gegensatz | Elend und Heldentum | Zeigt den Abstand zwischen Wirklichkeit und Wunsch |
Sprachhilfe für Deine Analyse:
„In Vers ... steht ... . Das ist ein Beispiel für ... . Dadurch wirkt ... .“
Wer spricht im Gedicht?
In Vers 1 heißt es: „Oft schauen wir“.
Das „wir“ gehört zur lyrischen bzw. sprechenden Stimme des Textes.
Du musst drei Ebenen unterscheiden:
- Autor: Charles Baudelaire schrieb das französische Gedicht.
- Übersetzer: Wolf von Kalckreuth gestaltete 1907 die deutsche Fassung.
- Lyrische Stimme: Die sprechende Stimme beschreibt die Szene innerhalb des Gedichts.
Nicht jede Aussage im Gedicht ist automatisch die persönliche Meinung des Autors.
Französisch und Deutsch vergleichen
In der französischen Fassung beginnt Vers 5 mit „On voit un chiffonnier“. Sinngemäß bedeutet das: Man sieht einen Lumpensammler.
Die deutsche Übersetzung beginnt bereits in Vers 1 mit „Oft schauen wir“.
Das französische „on“ und das deutsche „wir“ wirken unterschiedlich. Die Übersetzung rückt die Betrachtenden stärker in den Vordergrund.
Auch der Schluss unterscheidet sich: „L’Homme ajouta le Vin“ bedeutet sinngemäß, dass der Mensch den Wein hinzufügte. Kalckreuth schreibt: „Der Mensch erschuf den Wein“.
Merke: Eine Gedichtübersetzung ist nicht immer Wort für Wort gleich. Sie kann Klang, Rhythmus und Bedeutung unterschiedlich gewichten.
Medienwerkstatt: Sehen und Hören
Historische Filmaufnahme: Paris um 1900
Datei:Panorama of Place de L'Opera (1900).webm
Historischer Stummfilm: Place de l'Opéra, Paris, 9. August 1900. Edison-Produktion / Library of Congress, gemeinfrei.
Wichtig: Der Film entstand 43 Jahre nach der Veröffentlichung des Gedichts. Er zeigt nicht das Paris von 1857, sondern ist eine spätere Vergleichsquelle.
Beobachtungsauftrag: Was zeigt der Film über die belebte Großstadt? Was bleibt über die Lebensbedingungen armer Menschen unsichtbar?
Animation: Das moderne Paris

Animierter Ausschnitt eines Lumière-Films vom beweglichen Gehweg der Pariser Weltausstellung 1900. Wikimedia Commons, gemeinfrei.
Die Animation zeigt technischen Fortschritt in Paris. Sie stammt aus einer späteren Zeit als das Gedicht.
Vergleichsauftrag: Beschreibe den Unterschied zwischen den Bildern des Fortschritts und der schweren Arbeit der Lumpensammler.
Eine französische Lesung des Gedichts
Comédie-Française: Le Vin des chiffonniers
Lesung von Pierre Louis-Calixte, veröffentlicht 2022.
Hörauftrag: Achte auf das Sprechtempo und die Betonung. Wann klingt die Lesung ruhig und wann feierlich?
Diese Lesung verwendet den französischen Text und ist keine Aufnahme der deutschen Übersetzung von 1907.
Baudelaire und sein Gedichtband
Lumni: Les Fleurs du mal de Charles Baudelaire
Das französischsprachige Lernvideo erklärt den Gedichtband. Es ist eine freiwillige Vertiefung.
Arbeitsauftrag: Suche im Video nach Informationen über das Leben in der Großstadt und die Bedeutung von Baudelaires Gedichten.
Freie Tonaufnahme auf Wikimedia Commons
Aufnahme von „Au lecteur“, vorgetragen von Labé, 2007. Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0.
Hinweis: Dies ist ein anderes Gedicht aus Baudelaires Sammlung, nicht „Le Vin des chiffonniers“. Die Aufnahme dient dazu, französische Gedichtsprache kennenzulernen.
Hörauftrag: Wie verändert eine gesprochene Stimme die Wirkung eines Gedichts gegenüber dem stillen Lesen?
Zweites historisches Bild zum Vergleichen

Eugène Atget: Chiffonier, um 1899–1901. J. Paul Getty Museum / Wikimedia Commons, gemeinfrei.
Arbeitsauftrag: Beschreibe die Körperhaltung und die Arbeitsmittel. Vergleiche Deine Beobachtung mit den Versen 13–16.
Interaktive Aufgaben
So arbeitest Du: Löse zuerst das Lesequiz. Suche bei Unsicherheit die genannte Versstelle. Danach kannst Du die weiteren Spiele bearbeiten.
Quiz: Teste Dein Wissen
Zehn Fragen mit Textbelegen zur historischen deutschen Lesefassung.
1. Welcher Ort wird mit „Schmutz und Elend“ beschrieben (V. 3–4)? (Die alte Stadt Paris) (!Ein Schloss in Frankreich) (!Ein friedliches Dorf) (!Ein Garten auf dem Land)
2. Wer wird in Vers 5 als „Lumpensammler“ vorgestellt? (Ein Mensch, der verwertbare Abfälle sammelt) (!Ein reicher Weinhändler) (!Ein berühmter König) (!Ein Dichter am Königshof)
3. Was bewirkt der Vergleich „wie ein Dichter“ (V. 5)? (Er verbindet den Lumpensammler mit Fantasie) (!Er nennt den Beruf des Mannes) (!Er beweist seinen großen Reichtum) (!Er beschreibt einen Besuch im Theater)
4. Was lässt der Mann laut Vers 8 „freien Lauf“? (Seinem Hoffen) (!Seinem Pferd) (!Seinem Geld) (!Seinem Wagen)
5. Was stellt sich der Lumpensammler vor, wenn er „erhabene Gesetze“ gibt (V. 9)? (Er hat Macht und kann die Welt gerechter machen) (!Er arbeitet als Straßenverkäufer) (!Er sitzt schweigend im Gefängnis) (!Er reinigt eine Laterne)
6. Was bedeutet das Bild „Die Arbeit schier zermalmt“ (V. 14)? (Die Arbeit erschöpft die Menschen sehr) (!Die Arbeit macht alle Menschen reich) (!Die Arbeit dauert nur wenige Minuten) (!Die Arbeit findet auf einem Fest statt)
7. Wofür stehen „Siegbogen“ und „Heldentum“ in Vers 20? (Für erträumten Ruhm und Triumph) (!Für das Ende aller Städte) (!Für einen gewöhnlichen Arbeitstag) (!Für ein ruhiges Schlafzimmer)
8. Wie wirkt das Bild vom Wein, der „singt“ (V. 27)? (Der Wein wird wie ein Mensch dargestellt) (!Der Wein ist eine echte Person) (!Der Wein ist ein Vogel) (!Der Wein ist ein Musikinstrument)
9. Worum geht es in den letzten vier Versen (V. 29–32)? (Um Schlaf und Wein als Mittel gegen Kummer) (!Um die Gründung einer neuen Stadt) (!Um den Bau eines großen Palastes) (!Um die Reise eines Königs)
10. Was zeigt die Formulierung „Oft schauen wir“ (V. 1)? (Eine sprechende Stimme betrachtet die Szene) (!Baudelaire erzählt nachweislich ein eigenes Erlebnis) (!Der Lumpensammler spricht zu seiner Familie) (!Der Übersetzer beschreibt seine Reise)
Memory
Finde sieben passende Begriffspaare.
| Lumpensammler | Sammler verwertbarer Abfälle |
| Baldachin | Prächtiges Stoffdach |
| Paarreim | Reim benachbarter Verse |
| Personifikation | Menschliche Eigenschaft für eine Sache |
| Metapher | Sprachliches Bild |
| Glorie | Großer Ruhm |
| Lyrische Stimme | Sprechende Instanz im Gedicht |
Drag and Drop
Ordne die passenden Begriffe zu.
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Bedeutung |
|---|---|
| Straßenlaterne | Nächtlicher Schauplatz |
| Armut | Soziale Not |
| Heldentraum | Vorgestellte Macht |
| Wein | Vorübergehender Trost |
| Dichtervergleich | Verbindung zur Fantasie |
| Paarreim | Aufbau des Gedichts |
Kreuzworträtsel
| Lumpensammler | Welcher Beruf wird im Gedicht beschrieben? |
| Paris | In welcher Stadt spielt das Gedicht? |
| Baldachin | Welches prächtige Dach wird in Vers elf erwähnt? |
| Reime | Wie heißen ähnliche Klänge am Ende von Versen? |
| Kalckreuth | Wie lautet der Nachname des Übersetzers von 1907? |
| Glorie | Welches Wort bezeichnet großen Ruhm? |
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Lückentext
Ergänze jeweils ein Wort.
Offene Aufgaben
Diese Aufgaben werden nicht automatisch bewertet. Du kannst sie schriftlich, mündlich oder kreativ bearbeiten. Verwende nach Möglichkeit passende Versangaben.
Leicht
- Gedicht lesen: Lies die ersten acht Verse laut vor. Wähle drei Wörter, die die Stimmung zeigen. Hilfe: Achte auf Licht, Geräusche und Bewegungen.
- Bildbeschreibung: Beschreibe ein historisches Bild eines Lumpensammlers in fünf einfachen Sätzen. Hilfe: Beginne mit „Ich sehe ...“.
- Inhaltsangabe: Fasse die Handlung in sechs Sätzen zusammen. Hilfe: Schreibe zu jedem wichtigen Abschnitt einen Satz.
- Wortschatz: Erstelle ein kleines Wörterbuch mit acht alten oder schwierigen Wörtern aus dem Gedicht. Ergänze einfache Erklärungen.
Standard
- Sprachliche Bilder: Gestalte ein Plakat mit drei Bildern aus dem Gedicht. Notiere jeweils die Versstelle und erkläre die Wirkung.
- Perspektivwechsel: Schreibe einen Tagebucheintrag aus Sicht des Lumpensammlers. Zeige seinen wirklichen Alltag und seine Wünsche. Hilfe: Nutze die Verse 9–16.
- Gedichtinterpretation: Erkläre in etwa 120 Wörtern, warum der Lumpensammler mit einem Dichter verglichen wird.
- Medienvergleich: Vergleiche die historische Filmaufnahme von Paris mit den Bildern im Gedicht. Erkläre, warum eine Aufnahme von 1900 nicht als direkter Beleg für 1857 gelten kann.
Schwer
- Literarische Übersetzung: Vergleiche die französischen Verse 29–32 mit Kalckreuths Übersetzung. Erkläre mit Hilfe eines Wörterbuchs zwei Unterschiede.
- Gesellschaftskritik: Verfasse einen Kommentar darüber, wie eine wohlhabende Stadt mit armen Menschen umgeht. Verwende mindestens zwei Belege aus dem Gedicht.
- Kreatives Schreiben: Schreibe ein eigenes Gedicht über einen übersehenen Menschen in einer heutigen Stadt. Verwende einen Vergleich und eine Metapher. Ergänze eine kurze Erklärung.
- Erörterung: Diskutiere die Frage: „Ist der Wein im Gedicht Trost oder Täuschung?“ Entwickle zwei begründete Deutungen und ziehe ein eigenes Fazit.


Lernkontrolle
Hier zählt nicht nur das Faktenwissen. Zeige, dass Du Zusammenhänge verstehst.
- Realität und Fantasie: Erkläre, wie das Gedicht zwischen wirklicher Not und erträumtem Ruhm wechselt. Nutze mindestens zwei verschiedene Strophen.
- Soziale Ungleichheit: Übertrage die Frage nach gesellschaftlicher Unsichtbarkeit auf einen heutigen Beruf. Vergleiche respektvoll und ohne Menschen abzuwerten.
- Ambivalenz: Stelle zwei unterschiedliche Deutungen des Weins dar. Belege beide mit dem Gedicht.
- Lyrische Stimme: Prüfe die Aussage „Baudelaire spricht in Vers 1 selbst“. Erkläre, warum sie nicht als gesicherte Tatsache gelten darf.
- Übersetzungskritik: Erkläre am Unterschied zwischen „L’Homme ajouta le Vin“ und „Der Mensch erschuf den Wein“, wie eine Übersetzung die Wirkung verändern kann.
- Bildquellen: Entscheide, was eine Fotografie aus der Zeit um 1900 über ein Gedicht von 1857 zeigen kann und was sie nicht beweist.
Beurteilungshilfe: Eine gute Antwort enthält eine klare Aussage, einen passenden Textbeleg und eine Erklärung. Andere Deutungen sind möglich, wenn sie am Text begründet werden.
Lernnachweis
Für Deinen Lernnachweis erstellst Du eine kurze, eigene Gedichtanalyse. Sie kann schriftlich abgegeben oder als Vortrag vorgestellt werden.
Wichtig sind:
- Einleitung einer Gedichtanalyse: Nenne Titel, Autor, Entstehungskontext und die verwendete Übersetzung von 1907.
- Inhaltsangabe: Gib die Handlung in eigenen Worten wieder.
- Gedichtaufbau: Beschreibe Strophen, Verse und Reimschema.
- Sprachliche Mittel: Erkläre mindestens zwei Mittel mit genauen Versstellen.
- Interpretation: Zeige den Gegensatz zwischen Armut und Fantasie.
- Textbeleg: Begründe Deine Aussagen durch kurze Zitate.
- Quellenkritik: Unterscheide Autor, Übersetzer und sprechende Stimme.
- Eigene Stellungnahme: Erkläre, welche Deutung Du überzeugend findest und warum.
Mögliche Bewertung: Textverständnis, treffende Belege, verständliche Erklärungen, eigene begründete Gedanken und sprachliche Klarheit.
OERs zum Thema
Wikipedia: Der Gedichtband
Der deutsche Wikipedia-Artikel zum Gedichtband Les Fleurs du Mal bietet historische Hintergrundinformationen. Für das hier behandelte Einzelgedicht verwenden wir die oben genannten historischen Textquellen.
Kostenfrei zugängliche Text- und Lernquellen
- Zeno.org – Die gewünschte deutsche Fassung.
- TextGrid – Digitale Überlieferung der deutschen Übersetzung von 1907.
- Wikisource – Französisches Original der Erstausgabe.
- Bibliothèque nationale de France – Hintergrund zur Veröffentlichung und Geschichte des Gedichtbandes.
- Germersheimer Übersetzerlexikon – Informationen zu Wolf von Kalckreuth.
Bild-, Ton- und Filmnachweise
Alle eingebundenen Commons-Dateien wurden anhand ihrer jeweiligen Dateibeschreibungen ausgewählt. Die Rechteangaben beziehen sich auf die angegebenen Dateien, nicht pauschal auf alle Inhalte der verlinkten Websites.
| Medium | Urheber und Herkunft | Rechtehinweis |
|---|---|---|
| Étienne Carjat, Baudelaire-Porträt, um 1863; Wikimedia Commons | Gemeinfrei | |
| Originalausgabe von 1857 | Charles Baudelaire; Scan aus der Bibliothèque nationale de France | Gemeinfrei |
| Blanchard, Darstellung aus dem Jahr 1852; Wikimedia Commons | Gemeinfrei | |
| Charles Marville, 1858–1871; Musée Carnavalet, Paris Musées | CC0 1.0 | |
| Just L'Hernault, 1858; Musée Carnavalet | CC0 1.0 | |
| Paul Géniaux, 1895–1905; Musée Carnavalet | CC0 1.0 | |
| Eugène Atget, um 1899–1901; J. Paul Getty Museum | Gemeinfrei | |
| Historischer Film von 1900 | Edison-Produktion; Library of Congress | Gemeinfrei |
| Animierter Filmausschnitt | Film der Brüder Lumière, 1900; Animation aus historischem Filmmaterial | Gemeinfrei |
| Gesprochene Aufnahme | Labé, 2007; Wikimedia Commons | CC BY-SA 3.0, Lizenztext |
Lizenzhinweis: Gemeinfreie und CC0-Materialien können grundsätzlich frei weiterverwendet werden. Die Autorennennung bleibt als gute wissenschaftliche Praxis erhalten. Bei CC BY-SA 3.0 müssen insbesondere Urheber, Lizenz und Lizenzlink angegeben werden; bei Bearbeitungen sind die geltenden Bedingungen zu beachten.
YouTube: Die Lesung der Comédie-Française und das Lernvideo von Lumni werden über YouTube eingebettet. Ihre Einbettung bedeutet nicht, dass diese Videos als freie OER lizenziert sind. Sie dürfen deshalb nicht ohne entsprechende Rechte einfach kopiert oder neu veröffentlicht werden.
Historischer Hinweis: Die Fotos, Filmaufnahmen und die Animation zeigen unterschiedliche Zeitpunkte. Sie dienen als Anschauungs- und Vergleichsmaterial, nicht als direkte Dokumentation der Handlung des Gedichts.
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