Der Arbeitsvertrag im Metallbauerhandwerk - Schmied


Der Arbeitsvertrag im Metallbauerhandwerk - Schmied
Der Arbeitsvertrag im Metallbauerhandwerk - Schmied

Einleitung
Ein Vertrag schafft Klarheit darüber, wer welche Leistung erbringen muss, welche Vergütung gezahlt wird und welche Regeln im Betrieb gelten. Im Metallbauerhandwerk ist die Unterscheidung zwischen dem Berufsausbildungsvertrag und dem späteren Arbeitsvertrag besonders wichtig. Während Deiner Ausbildung bist Du nicht nur Arbeitskraft, sondern vor allem lernende Person. Der Betrieb muss Dir deshalb die berufliche Handlungsfähigkeit planmäßig vermitteln. Nach der Gesellenprüfung kann daraus ein reguläres Arbeitsverhältnis entstehen.
Der traditionelle Begriff Schmied bezeichnet heute im Metallbauerhandwerk typischerweise Tätigkeiten, die zum anerkannten Ausbildungsberuf Metallbauer bzw. Metallbauerin, Fachrichtung Metallgestaltung gehören. Die reguläre Ausbildungsdauer beträgt 42 Monate. Zu den fachlichen Inhalten gehören unter anderem das Handhaben von Schmiedefeuern, das Auswählen schmiedbarer Werkstoffe, das manuelle und maschinelle Schmieden, das Treiben, das Herstellen und Instandhalten von Schmiedewerkzeugen, die Oberflächengestaltung sowie das Montieren und Restaurieren von Bauteilen.

Lernziele: Nach diesem Lernkurs kannst Du einen Berufsausbildungsvertrag von einem Arbeitsvertrag unterscheiden, zentrale Vertragsbestandteile fachgerecht erklären, Rechte und Pflichten beurteilen, tarifliche Regelungen einordnen und typische Besonderheiten eines Arbeitsplatzes in der Schmiede erkennen.
Rechtsstand des Lerntextes: August 2026. Tarifverträge, Vergütungssätze und einzelne gesetzliche Vorgaben können sich ändern. Prüfe bei einem konkreten Vertrag immer die aktuelle Rechtslage und nutze die Beratung der zuständigen Handwerkskammer, einer Gewerkschaft, des Betriebsrats, der Jugend- und Auszubildendenvertretung oder einer rechtsberatenden Stelle.
Berufsausbildungsvertrag und Arbeitsvertrag
Der Berufsausbildungsvertrag
Der Berufsausbildungsvertrag begründet ein Berufsausbildungsverhältnis. Sein Hauptzweck ist der Erwerb beruflicher Handlungsfähigkeit. Im Metallbauerhandwerk muss deshalb die korrekte Berufsbezeichnung aufgenommen werden: Metallbauer bzw. Metallbauerin, Fachrichtung Metallgestaltung. Die bloße Bezeichnung „Schmied“ ist für einen anerkannten Ausbildungsberuf zu ungenau.
Der wesentliche Vertragsinhalt ist in Textform abzufassen. Das kann auch elektronisch geschehen, wenn Du das Dokument speichern und ausdrucken kannst. Der Ausbildungsbetrieb muss den Empfang nachweisen. Bei minderjährigen Auszubildenden werden die gesetzlichen Vertreter einbezogen. Der Vertrag wird der zuständigen Handwerkskammer zur Prüfung und Eintragung in die Lehrlingsrolle vorgelegt.
Der Arbeitsvertrag
Der Arbeitsvertrag begründet ein reguläres Arbeitsverhältnis. Die beschäftigte Person verpflichtet sich zu weisungsgebundener Arbeit, der Arbeitgeber zur Zahlung der vereinbarten Vergütung. Nach der Ausbildung kann ein solcher Vertrag beispielsweise die Tätigkeit als Geselle oder Gesellin in einer Kunstschmiede, Metallgestaltung, Restaurierungswerkstatt oder einem Metallbaubetrieb regeln.
Ein Arbeitsvertrag kann grundsätzlich unbefristet oder befristet abgeschlossen werden. Eine Befristung muss die gesetzlichen Formvorgaben erfüllen. Wesentliche Arbeitsbedingungen sind nach dem Nachweisgesetz zu dokumentieren. Auch wenn ein mündlicher Vertrag in bestimmten Fällen wirksam sein kann, solltest Du niemals ohne klaren und nachweisbaren Vertrag beginnen.

Der entscheidende Unterschied
| Merkmal | Berufsausbildungsvertrag | Arbeitsvertrag |
|---|---|---|
| Hauptzweck | Erwerb beruflicher Handlungsfähigkeit und Erreichen des Ausbildungsziels | Erbringen einer vereinbarten Arbeitsleistung gegen Entgelt |
| Bezeichnung der Person | Auszubildender bzw. Auszubildende | Arbeitnehmer bzw. Arbeitnehmerin |
| Vergütung | Ausbildungsvergütung mit mindestens jährlicher Steigerung | Arbeitsentgelt bzw. Lohn oder Gehalt |
| Verantwortliche Stelle | Im Handwerk insbesondere die Handwerkskammer | Keine Eintragung in die Lehrlingsrolle |
| Probezeit | Mindestens ein Monat und höchstens vier Monate | Vertraglich möglich; arbeitsrechtlich anders geregelt |
| Beendigung | Besondere Regeln des Berufsbildungsrechts | Allgemeine Regeln des Arbeitsrechts |
Der Ausbildungsberuf Metallbauer Fachrichtung Metallgestaltung
Die Ausbildung verbindet handwerkliche Gestaltung mit technischer Planung, Werkstoffkunde, Fertigung, Montage und Qualitätssicherung. Der Ausbildungsrahmenplan nennt außerdem ausdrücklich Berufsbildung, Arbeits- und Tarifrecht. Du sollst also nicht nur schmieden können, sondern auch die Bedeutung des Ausbildungs- und Arbeitsvertrags verstehen.

Fachgerechte Tätigkeitsbeschreibung
Eine gute Tätigkeitsbeschreibung verwendet eindeutige Fachbegriffe. Für eine Stelle im Bereich Metallgestaltung können insbesondere folgende Tätigkeiten vereinbart werden:
- Schmiedefeuer: Kohle- oder Gasschmiedefeuer fachgerecht handhaben und warten
- Schmiedbare Werkstoffe: Stähle, legierte Stähle und geeignete Kupferlegierungen auswählen
- Manuelles Schmieden: Werkstücke strecken, breiten, schlichten, absetzen, stauchen, lochen, meißeln, biegen und kröpfen
- Maschinelles Schmieden: Schmiedehämmer und Einsätze sicher handhaben
- Feuerschweißen: Schmiedeteile durch geeignete Wärmeführung verbinden
- Metallgestaltung: Ornamente, Beschläge, Gitter, Geländer, Gebrauchsgegenstände und restauratorische Bauteile herstellen
- Oberflächenbehandlung: Oberflächen durch Schmieden, Bürsten, Schleifen oder weitere vereinbarte Verfahren gestalten
Eine Klausel wie „alle anfallenden Tätigkeiten“ ist zu unbestimmt, wenn sie allein verwendet wird. Im Ausbildungsverhältnis dürfen Dir außerdem nur Aufgaben übertragen werden, die dem Ausbildungszweck dienen und Deinen körperlichen Kräften angemessen sind.
Wesentliche Inhalte des Berufsausbildungsvertrags
Ein vollständiger Berufsausbildungsvertrag sollte mindestens die folgenden Bereiche eindeutig regeln:
| Vertragsbereich | Bedeutung für Deine Ausbildung |
|---|---|
| Vertragsparteien | Namen und Anschriften des Ausbildungsbetriebs, der auszubildenden Person und gegebenenfalls der gesetzlichen Vertretung |
| Ausbildungsberuf | Metallbauer bzw. Metallbauerin, Fachrichtung Metallgestaltung |
| Ausbildungsziel und Gliederung | Bezug zur Ausbildungsordnung, zum Ausbildungsrahmenplan und zum betrieblichen Ausbildungsplan |
| Beginn und Dauer | Vereinbarter Ausbildungsbeginn und reguläres oder verkürztes Ausbildungsende |
| Ausbildungsstätten | Werkstatt, Baustelle, überbetriebliche Bildungsstätte und weitere Lernorte |
| Tägliche Ausbildungszeit | Regelmäßige tägliche und wöchentliche Ausbildungszeit einschließlich betrieblicher Arbeitszeitmodelle |
| Probezeit | Mindestens ein Monat und höchstens vier Monate |
| Ausbildungsvergütung | Höhe, Zusammensetzung, Fälligkeit und Steigerung nach Ausbildungsjahren |
| Mehrarbeit | Ausgleich oder Vergütung zulässiger zusätzlicher Ausbildungszeit |
| Urlaub | Zahl der Urlaubstage unter Beachtung des Alters und der geltenden Rechtsgrundlagen |
| Kündigung | Voraussetzungen, Form und Fristen |
| Ausbildungsnachweis | Schriftliche oder elektronische Führung des Berichtshefts |
| Tarifliche Regelungen | Hinweis auf anwendbare Tarifverträge, Betriebs- oder Dienstvereinbarungen |
| Form des Vertrags | Textform, Speichermöglichkeit, Ausdruckmöglichkeit und Empfangsnachweis |
Ausbildungsvergütung
Die Ausbildungsvergütung ist kein gewöhnlicher Gesellenlohn. Sie soll mit fortschreitender Ausbildung mindestens jährlich steigen und muss angemessen sein. Gesetzliche Mindestbeträge bilden nur eine Untergrenze. Ein einschlägiger Tarifvertrag kann höhere Vergütungen vorsehen.
Prüfe im Vertrag:
- ob Monatsbetrag und Ausbildungsjahr eindeutig genannt sind
- wann die Zahlung fällig ist
- ob Zuschläge, Sonderzahlungen oder vermögenswirksame Leistungen geregelt sind
- wie zulässige Mehrarbeit ausgeglichen wird
- ob ein Tarifvertrag durch Tarifbindung, Allgemeinverbindlichkeit oder vertragliche Bezugnahme gilt
Probezeit und Beendigung
Die Probezeit im Berufsausbildungsverhältnis dauert mindestens einen und höchstens vier Monate. Während dieser Zeit kann das Ausbildungsverhältnis von beiden Seiten ohne Kündigungsfrist beendet werden.
Nach der Probezeit gelten strengere Regeln. Der Ausbildungsbetrieb kann grundsätzlich nur aus einem wichtigen Grund fristlos kündigen. Du kannst mit einer Frist von vier Wochen kündigen, wenn Du die Berufsausbildung aufgeben oder Dich für eine andere Berufstätigkeit ausbilden lassen möchtest. Eine Kündigung muss schriftlich erfolgen; die elektronische Form ist ausgeschlossen. Nach der Probezeit müssen die Kündigungsgründe angegeben werden.
Bestehst Du die Gesellen- oder Abschlussprüfung vor dem vertraglich vorgesehenen Ende, endet das Ausbildungsverhältnis mit der Bekanntgabe des Prüfungsergebnisses. Arbeitest Du danach mit Wissen des Betriebs weiter, ohne dass ausdrücklich etwas anderes vereinbart wurde, kann dadurch ein unbefristetes Arbeitsverhältnis entstehen.
Rechte und Pflichten in der Ausbildung
Pflichten des Ausbildungsbetriebs
Der Betrieb muss die Ausbildung so organisieren, dass Du das Ausbildungsziel in der vorgesehenen Zeit erreichen kannst. Dazu gehören insbesondere:
- Ausbildungspflicht: planmäßige, sachlich und zeitlich gegliederte Vermittlung der beruflichen Handlungsfähigkeit
- Geeignete Ausbilder: persönliche und fachliche Eignung der verantwortlichen Ausbilderinnen und Ausbilder
- Ausbildungsmittel: kostenlose Bereitstellung erforderlicher Werkzeuge, Werkstoffe und Ausbildungsmittel
- Freistellung: Freistellung für Berufsschule, Prüfungen und vorgeschriebene Ausbildungsmaßnahmen
- Ausbildungsnachweis: Gelegenheit, das Berichtsheft während der Ausbildungszeit zu führen
- Fürsorgepflicht: Schutz von Gesundheit und Persönlichkeit sowie Einhaltung der Arbeitsschutzregeln
- Ausbildungszweck: keine dauerhafte Beschäftigung mit ausbildungsfremden Routinearbeiten
- Sozialversicherung: ordnungsgemäße Anmeldung und Beitragsabführung
- Zeugnis: Ausstellung eines Zeugnisses nach Beendigung der Ausbildung
Pflichten der Auszubildenden
Du musst Dich bemühen, die berufliche Handlungsfähigkeit zu erwerben. Dazu gehören Lernbereitschaft, sorgfältiges Arbeiten, die Teilnahme an Berufsschule und Ausbildungsmaßnahmen, das Befolgen berechtigter Weisungen, das Führen des Ausbildungsnachweises, die pflegliche Behandlung von Werkzeugen und Werkstoffen sowie die Wahrung von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen.
In der Schmiede ist außerdem die konsequente Beachtung von Sicherheitsanweisungen unverzichtbar. Eigenmächtige Veränderungen an Schmiedefeuer, Schmiedehammer, Absaugung, Schutzeinrichtungen oder Gasversorgung können Dich und andere gefährden.
Arbeitszeit, Urlaub und Berufsschule
Die vertragliche Arbeitszeit ist von der gesetzlichen Höchstarbeitszeit zu unterscheiden. Für volljährige Beschäftigte ist vor allem das Arbeitszeitgesetz maßgeblich. Für Jugendliche gelten die strengeren Bestimmungen des Jugendarbeitsschutzgesetzes. Tarifverträge können zusätzliche oder günstigere Regelungen enthalten.
Berufsschulzeiten und bestimmte Wege-, Prüfungs- oder Freistellungszeiten werden nach den gesetzlichen Vorgaben auf die Ausbildungszeit angerechnet. Der Betrieb darf die Berufsschule nicht als „Freizeit“ behandeln. Urlaub muss im Vertrag in Arbeitstagen oder Werktagen eindeutig angegeben werden. Bei Jugendlichen richtet sich der gesetzliche Mindesturlaub nach dem Alter zu Beginn des Kalenderjahres.
In Schmiede- und Montagebetrieben solltest Du außerdem prüfen, wie Schichtbeginn, Rüstzeit, Wege zu Baustellen, Reisezeit, Pausen, Bereitschaft, Rufbereitschaft und Mehrarbeit behandelt werden. Nicht jede dieser Zeiten ist automatisch gleich zu bewerten; die konkrete Regelung muss mit Gesetz und Tarifvertrag vereinbar sein.
Tarifvertrag, Innung und betriebliche Regelungen
Ein Tarifvertrag kann unter anderem Vergütung, Arbeitszeit, Urlaub, Zuschläge, Sonderzahlungen, Kündigungsfristen und Ausschlussfristen regeln. Im Metallbauerhandwerk bestehen häufig regionale Unterschiede. Ein Tarifvertrag gilt nicht allein deshalb, weil ein Betrieb Metall verarbeitet.
Eine tarifliche Regelung kann insbesondere gelten, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer tarifgebunden sind, ein Tarifvertrag allgemeinverbindlich ist oder der Vertrag ausdrücklich auf einen Tarifvertrag verweist. Formulierungen wie „es gelten die einschlägigen tariflichen Bestimmungen“ solltest Du klären lassen: Welcher Tarifvertrag ist gemeint, in welcher Fassung gilt er und wo kannst Du ihn einsehen?
Die Innung ist eine freiwillige berufsständische Organisation selbstständiger Handwerksbetriebe. Die Handwerkskammer ist dagegen die gesetzlich zuständige Körperschaft für viele Aufgaben der handwerklichen Berufsbildung. Diese beiden Einrichtungen dürfen nicht verwechselt werden.
Arbeitsschutz in der Schmiede

Beim Schmieden treten besondere Gefährdungen auf: hohe Temperaturen, Funkenflug, Zunder, Quetsch- und Schlagstellen, Lärm, Vibrationen, Brandgefahr, Rauch, Gase, heiße Werkstücke, schwere Lasten und rotierende oder kraftbetriebene Maschinen. Der Arbeitgeber muss die Gefährdungen beurteilen, Schutzmaßnahmen festlegen, unterweisen und geeignete Arbeitsmittel bereitstellen.


Zur persönlichen Schutzausrüstung können je nach Gefährdungsbeurteilung Augen- oder Gesichtsschutz, Gehörschutz, Sicherheitsschuhe, geeignete Schutzkleidung und weitere Ausrüstung gehören. Normale Arbeitskleidung ist nicht automatisch persönliche Schutzausrüstung. Der Vertrag oder eine Betriebsvereinbarung sollte deshalb klarstellen, welche Kleidung und Ausrüstung gestellt, gereinigt oder ersetzt wird.
Arbeitsschutz ist kein freiwilliger Zusatz und darf nicht gegen eine Lohnzulage „abgekauft“ werden. Auch Zeitdruck oder ein dringender Kundenauftrag rechtfertigen nicht das Entfernen von Schutzeinrichtungen oder das Arbeiten ohne Unterweisung.
Vom Ausbildungsvertrag zum Gesellenarbeitsvertrag
Vor der Übernahme solltest Du einen neuen Arbeitsvertrag sorgfältig prüfen. Eine mündliche Zusage wie „Du kannst nach der Prüfung bleiben“ ersetzt keine klare Regelung zu Entgelt, Tätigkeit und Arbeitszeit.
| Prüffeld | Leitfrage |
|---|---|
| Tätigkeit | Ist die Arbeit als Metallbauer oder Metallbauerin der Fachrichtung Metallgestaltung fachgerecht beschrieben? |
| Eingruppierung | Welche Entgeltgruppe, Lohngruppe oder tarifliche Tätigkeitsstufe gilt? |
| Arbeitsort | Arbeitest Du nur in der Werkstatt oder auch auf Baustellen, bei Kunden und auf Montage? |
| Arbeitszeit | Wie werden Schichtarbeit, Reisezeit, Rüstzeit, Mehrarbeit und Zuschläge behandelt? |
| Entgelt | Wie hoch sind Grundlohn, Zulagen, Zuschläge und mögliche Sonderzahlungen? |
| Befristung | Ist die Befristung wirksam vereinbart und sachlich nachvollziehbar? |
| Probezeit | Wird trotz vorheriger Ausbildung im selben Betrieb eine neue Probezeit vereinbart? |
| Kündigung | Welche gesetzlichen oder tariflichen Kündigungsfristen gelten? |
| Urlaub | Wie viele Arbeitstage stehen Dir zu und wie wird Betriebsurlaub behandelt? |
| Arbeitsmittel | Wer stellt Werkzeuge, Messmittel, Arbeitskleidung und persönliche Schutzausrüstung? |
| Ausschlussfristen | Bis wann müssen offene Ansprüche schriftlich oder in Textform geltend gemacht werden? |
Praxisfall: Unklare Übernahme
Lena besteht an einem Mittwoch ihre Gesellenprüfung. Am Donnerstag arbeitet sie wie gewohnt weiter. Der Meister gratuliert und sagt: „Über den Vertrag reden wir nächste Woche.“ Lena erhält weiterhin Arbeitsaufträge, nutzt die Werkstatt und wird in den Dienstplan aufgenommen.
Bewertung: Das Ausbildungsverhältnis ist mit Bekanntgabe des Prüfungsergebnisses beendet. Wird Lena anschließend ohne ausdrückliche andere Vereinbarung weiterbeschäftigt, kann ein unbefristetes Arbeitsverhältnis entstehen. Trotzdem sollte sie unverzüglich einen schriftlich bzw. in der erforderlichen Form dokumentierten Arbeitsvertrag mit klarer Vergütung und Tätigkeitsbeschreibung verlangen.
Praxisfall: Ausbildungsfremde Dauerarbeit
Noah soll über mehrere Monate fast ausschließlich Serienbauteile entgraten und die Werkstatt reinigen. Das manuelle Schmieden, Treiben, Feuerschweißen und Herstellen von Schmiedewerkzeugen wird nicht vermittelt.
Bewertung: Reinigen und Entgraten können in angemessenem Umfang zum betrieblichen Alltag gehören. Eine dauerhafte einseitige Beschäftigung, durch die wesentliche Ausbildungsinhalte fehlen, verletzt jedoch den Ausbildungszweck. Noah sollte zuerst das Gespräch mit dem Ausbilder suchen, den Ausbildungsnachweis sorgfältig führen und bei ausbleibender Verbesserung die Ausbildungsberatung der Handwerkskammer einschalten.
Vertragsprüfung in sieben Schritten
- Vertragsart bestimmen: Handelt es sich um einen Berufsausbildungsvertrag, einen Arbeitsvertrag, ein Praktikum oder eine andere Vereinbarung?
- Vertragsparteien prüfen: Stimmen Namen, Anschriften, Vertretungsberechtigung und Ansprechpartner?
- Tätigkeit prüfen: Ist die Fachrichtung Metallgestaltung korrekt bezeichnet und sind Schmiedetätigkeiten fachgerecht beschrieben?
- Zeit und Geld prüfen: Sind Beginn, Dauer, Probezeit, Arbeitszeit, Vergütung, Zuschläge und Urlaub eindeutig?
- Tarifbezug prüfen: Wird ein konkreter Tarifvertrag genannt und gilt er tatsächlich?
- Beendigung prüfen: Sind Befristung, Kündigung, Übernahme und Ausschlussfristen verständlich?
- Beratung nutzen: Unklare oder nachteilige Klauseln vor der Unterzeichnung klären lassen
Rechtsquellen und verlässliche Beratung
- Berufsbildungsgesetz
- Handwerksordnung
- Bürgerliches Gesetzbuch § 611a Arbeitsvertrag
- Nachweisgesetz
- Arbeitszeitgesetz
- Jugendarbeitsschutzgesetz
- BIBB: Metallbauer Fachrichtung Metallgestaltung
- DGUV: Themenfeld Manuelles Schmieden
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welcher Vertrag steht während einer dualen Ausbildung im Vordergrund? (Der Berufsausbildungsvertrag) (!Der Werkvertrag) (!Der Kaufvertrag) (!Der Mietvertrag)
Wie lautet die anerkannte Berufsbezeichnung für typische Schmiedetätigkeiten im Metallbauerhandwerk? (Metallbauer Fachrichtung Metallgestaltung) (!Metallbauer Fachrichtung Schmiedetechnik) (!Industrieschmied Fachrichtung Kunst) (!Stahlbauer Fachrichtung Feuerarbeit)
Wie lange dauert die reguläre Ausbildung zum Metallbauer in der Fachrichtung Metallgestaltung? (42 Monate) (!24 Monate) (!30 Monate) (!60 Monate)
Was muss bei einer elektronischen Vertragsabfassung des Berufsausbildungsvertrags möglich sein? (Das Dokument muss speicherbar und ausdruckbar sein) (!Das Dokument darf nur im Browser gelesen werden) (!Das Dokument muss nach einem Tag gelöscht werden) (!Das Dokument benötigt immer einen Notarstempel)
Welche Dauer ist für die Probezeit im Berufsausbildungsverhältnis zulässig? (Mindestens ein und höchstens vier Monate) (!Genau sechs Monate) (!Mindestens sechs und höchstens zwölf Monate) (!Eine Probezeit ist verboten)
Welche Aufgaben darf ein Betrieb einem Auszubildenden übertragen? (Aufgaben, die dem Ausbildungszweck dienen und angemessen sind) (!Beliebige private Arbeiten für den Meister) (!Ausschließlich ausbildungsfremde Hilfsarbeiten) (!Nur Tätigkeiten ohne Unterweisung)
Welches Gesetz enthält besondere Schutzvorschriften für minderjährige Auszubildende? (Das Jugendarbeitsschutzgesetz) (!Das Straßenverkehrsgesetz) (!Das Markengesetz) (!Das Wohnungseigentumsgesetz)
Wann gilt ein Tarifvertrag im Metallbauerhandwerk nicht automatisch? (Allein weil der Betrieb Metall bearbeitet) (!Bei wirksamer beiderseitiger Tarifbindung) (!Bei wirksamer vertraglicher Bezugnahme) (!Bei einer geltenden Allgemeinverbindlicherklärung)
Wann kann der Ausbildungsbetrieb nach der Probezeit grundsätzlich fristlos kündigen? (Bei einem wichtigen Grund) (!Bei jedem kleinen Fehler) (!Ohne Angabe eines Grundes) (!Weil ein anderer Bewerber günstiger ist)
Was kann entstehen, wenn ein Auszubildender nach bestandener Prüfung ohne ausdrückliche Vereinbarung weiterbeschäftigt wird? (Ein unbefristetes Arbeitsverhältnis) (!Ein neuer Schulvertrag) (!Ein unbezahltes Praktikum) (!Ein Kaufvertrag über Werkzeuge)
Memory
| Berufsausbildungsvertrag | Regelt das Lernen im anerkannten Ausbildungsberuf |
| Arbeitsvertrag | Regelt Arbeitsleistung und Entgelt nach der Ausbildung |
| Textform | Lesbare Erklärung auf einem dauerhaften Datenträger |
| Probezeit | Zeitraum von mindestens einem und höchstens vier Monaten |
| Lehrlingsrolle | Verzeichnis der Berufsausbildungsverhältnisse im Handwerk |
| Ausbildungsvergütung | Angemessene Zahlung mit jährlicher Steigerung |
| Tarifvertrag | Kollektive Regelung von Arbeitsbedingungen |
| Gefährdungsbeurteilung | Systematische Ermittlung betrieblicher Gefahren |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Bedeutung im Vertrag oder in der Schmiedepraxis |
|---|---|
| Tätigkeitsbeschreibung | Legt die fachlichen Arbeitsaufgaben fest |
| Ausbildungsvergütung | Bezeichnet die Zahlung während der Berufsausbildung |
| Strecken | Verlängert ein Werkstück beim Schmieden |
| Stauchen | Verdickt einen Werkstückbereich durch Umformen |
| Feuerschweißen | Verbindet geeignete Werkstücke bei hoher Schmiedetemperatur |
Kreuzworträtsel
| Textform | Welche Form erlaubt eine speicherbare und ausdruckbare elektronische Vertragsabfassung? |
| Probezeit | Welcher Vertragsabschnitt dauert in der Ausbildung ein bis vier Monate? |
| Vergütung | Wie heißt die Zahlung des Betriebs an Auszubildende? |
| Lehrlingsrolle | In welches Verzeichnis trägt die Handwerkskammer Ausbildungsverhältnisse ein? |
| Tarifvertrag | Welche kollektive Vereinbarung kann Lohn und Arbeitszeit regeln? |
| Schmiedefeuer | Welche Einrichtung erhitzt das Werkstück vor dem Schmieden? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Vertragsbegriffe erklären: Erstelle ein Glossar mit zehn Begriffen aus dem Lernkurs und formuliere zu jedem Begriff ein Beispiel aus einer Schmiede.
- Vertragsarten vergleichen: Zeichne ein Schaubild, das Berufsausbildungsvertrag und Arbeitsvertrag gegenüberstellt.
- Tätigkeiten fotografisch dokumentieren: Fotografiere mit Erlaubnis fünf typische Arbeitsbereiche einer Metallgestaltungswerkstatt und ordne passende Fachbegriffe zu.
- Sicherheitszeichen untersuchen: Suche in Deiner Werkstatt nach Gebots-, Warn- und Verbotszeichen und erkläre ihre Bedeutung.
Standard
- Mustervertrag prüfen: Untersuche einen anonymisierten Berufsausbildungsvertrag mithilfe der sieben Prüfschritte und markiere unklare Formulierungen.
- Ausbilderinterview führen: Befrage eine Ausbilderin oder einen Ausbilder dazu, wie Ausbildungsplan, Berichtsheft und Vertragsinhalte im Alltag zusammenwirken.
- Tarifvergleich erstellen: Recherchiere, ob für einen Beispielbetrieb ein Tarifvertrag gelten könnte, und erkläre die Voraussetzungen ohne personenbezogene Daten zu verwenden.
- Arbeitsplatzanalyse Schmiede: Erstelle für Schmiedefeuer, Amboss und Schmiedehammer eine vereinfachte Gefährdungsanalyse mit Schutzmaßnahmen.
Schwer
- Übernahmevertrag entwerfen: Formuliere einen ausgewogenen Musterarbeitsvertrag für eine übernommene Gesellin oder einen übernommenen Gesellen und begründe jede Hauptklausel.
- Konfliktfall bearbeiten: Entwickle ein Rollenspiel zu ausbildungsfremder Dauerarbeit und stelle Lösungswege über Ausbilder, Betriebsrat, Jugendvertretung und Handwerkskammer dar.
- Video zur Vertragsprüfung produzieren: Produziere ein fünfminütiges Erklärvideo, in dem Du einen fiktiven Vertrag Schritt für Schritt fachlich prüfst.
- Exkursion zur Handwerkskammer planen: Organisiere eine Lernerkundung zur Ausbildungsberatung und erarbeite vorab einen Fragenkatalog zu Probezeit, Vergütung, Kündigung und Übernahme.


Lernkontrolle
- Fallanalyse Berufsausbildungsvertrag: Ein Vertrag nennt nur „Schmied“ als Ausbildungsberuf. Erkläre das Problem und formuliere eine fachlich korrekte Bezeichnung.
- Transfer Arbeitszeit: Beurteile einen Fall, in dem ein minderjähriger Auszubildender nach einem langen Berufsschultag noch mehrere Stunden in der Schmiede arbeiten soll. Nenne die zu prüfenden Rechtsbereiche und betrieblichen Schritte.
- Tarifbindung beurteilen: Ein Betrieb schreibt im Vertrag „Bezahlung nach Tarif“, nennt aber keinen Tarifvertrag. Entwickle fünf konkrete Rückfragen.
- Ausbildungsqualität bewerten: Analysiere anhand eines vierwöchigen Berichtshefts, ob die Inhalte der Fachrichtung Metallgestaltung ausreichend vermittelt werden.
- Übernahmefall lösen: Eine Auszubildende arbeitet nach der Bekanntgabe des Prüfungsergebnisses drei Tage weiter. Erkläre mögliche Rechtsfolgen und empfehle ein sachgerechtes Vorgehen.
- Arbeitsschutz und Vertrag verknüpfen: Zeige an einem Schmiedehammer, welche Pflichten aus Vertrag, Unterweisung und Gefährdungsbeurteilung zusammenwirken.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis solltest Du zeigen, dass Du:
- Berufsausbildungsvertrag und Arbeitsvertrag sicher unterscheiden kannst
- die korrekte Berufsbezeichnung Metallbauer bzw. Metallbauerin, Fachrichtung Metallgestaltung verwendest
- wesentliche Vertragsbestandteile vollständig und fachsprachlich erläuterst
- Rechte und Pflichten beider Vertragsparteien auf einen Praxisfall überträgst
- Probezeit, Kündigung und Übergang in ein Arbeitsverhältnis beurteilst
- Tarifbindung und vertragliche Bezugnahme unterscheiden kannst
- Arbeitszeit, Berufsschule, Urlaub und Jugendarbeitsschutz in Beziehung setzt
- typische Gefährdungen der Schmiede erkennt und geeignete Schutzmaßnahmen begründet
- einen anonymisierten Vertrag strukturiert prüfst
- verlässliche Beratungsstellen und aktuelle Rechtsquellen findest
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