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De profundis - Trakl, Georg - Gedichtanalyse

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De profundis - Trakl, Georg - Gedichtanalyse

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De profundis - Trakl, Georg - Gedichtanalyse


Einleitung

Zielgruppe: Klasse 9–10; Vertiefung für Klasse 11–13. Thema: Georg Trakl, literarische Moderne und Expressionismus.

Ein Stoppelfeld, schwarzer Regen, eine Waise und ein sprechendes Ich: In 21 Versen zeigt Trakl eine fremde, bedrückende Welt. Du liest genau, belegst Aussagen mit Versen und entwickelst eine eigene Deutung.

Bildimpuls: Ein echtes Stoppelfeld. Was verändert das Wort „schwarzer“ am Regen in Vers 1?


Textgrundlage: Vier Dinge unterscheiden


Quellfassung: Ausgabe von 1913

Quellfassung bedeutet: der Wortlaut einer belegten historischen Ausgabe. Das Gedicht erschien bereits am 15. Dezember 1912 in Der Brenner; hier gilt die Ausgabe Gedichte, Kurt Wolff, Leipzig 1913, Seite 38.

Faksimile der Buchseite: Lies im Scan den Anfang und prüfe die Schreibweise.

Bestehende Textseite: Gedicht - De profundis - Trakl, Georg. Quellenprüfung: Wikisource mit geprüftem Text und Drucktext von 1913 bei Project Gutenberg.


Lesefassung: 21 nummerierte Verse

Lesefassung bedeutet hier: derselbe Wortlaut, aber mit Versnummern als Lesehilfe. Die Zahlen stammen nicht von Trakl. Es sind sechs Strophen mit 4 / 4 / 3 / 3 / 3 / 4 Versen.

1 Es ist ein Stoppelfeld, in das ein schwarzer Regen fällt.
2 Es ist ein brauner Baum, der einsam dasteht.
3 Es ist ein Zischelwind, der leere Hütten umkreist
4 Wie traurig dieser Abend.

5 Am Weiler vorbei
6 Sammelt die sanfte Waise noch spärliche Ähren ein.
7 Ihre Augen weiden rund und goldig in der Dämmerung
8 Und ihr Schoß harrt des himmlischen Bräutigams.

9 Bei der Heimkehr
10 Fanden die Hirten den süßen Leib
11 Verwest im Dornenbusch.

12 Ein Schatten bin ich ferne finsteren Dörfern.
13 Gottes Schweigen
14 Trank ich aus dem Brunnen des Hains.

15 Auf meine Stirne tritt kaltes Metall
16 Spinnen suchen mein Herz.
17 Es ist ein Licht, das in meinem Mund erlöscht.

18 Nachts fand ich mich auf einer Heide,
19 Starrend von Unrat und Staub der Sterne.
20 Im Haselgebüsch
21 Klangen wieder kristallne Engel.

Achtung bei Zitaten: In dieser Ausgabe heißt es „Bei der Heimkehr“ (V. 9), „in meinem Mund“ (V. 17) und „von Unrat“ (V. 19). Andere Webseiten bieten abweichende Lesarten. Mische sie nicht.

Hören: Eine vorhandene YouTube-Lesung, keine historische Originalaufnahme. Vergleiche Tempo und Pausen mit dem Text.


Übersetzung: Titel und schwierige Wörter

Übersetzung heißt: einen Text in eine andere Sprache übertragen. Der lateinische Titel De profundis bedeutet „Aus der Tiefe“ und erinnert an Psalm 130. Das Gedicht selbst ist deutsch; die folgenden Hilfen sind Worterklärungen, keine neue Übersetzung.

Weiler = kleines Dorf; Ähren = Fruchtstände von Getreide; harrt = wartet auf; Hain = kleiner Wald; kristallne = kristallartig, glänzend.


Interpretation: Eine begründete Lesart

Interpretation bedeutet: Du schlägst eine Bedeutung vor und stützt sie durch Wörter aus dem Text. Es gibt nicht nur eine mögliche Deutung. Zwischen bedrückenden Bildern und dem Klang der „Engel“ am Ende bleibt die Hoffnung offen.


Gedichtanalyse


Lyrisches Sprechen

Am Anfang wird eine Landschaft gezeigt: „Es ist ein ...“ (V. 1–3). In Vers 12 sagt die Stimme: „Ein Schatten bin ich“. Jetzt tritt ein lyrisches Ich hervor. Dieses Ich ist die Sprechfigur des Gedichts, nicht automatisch der Dichter.

Prüffrage: Warum darfst Du aus diesem Selbstbildnis nicht direkt auf das lyrische Ich schließen?


Form und Klang

Die 21 Verse stehen in sechs unterschiedlich langen Strophen. Ein durchgehender Endreim und ein festes Metrum sind nicht erkennbar. Die Wiederholung „Es ist ein“ (V. 1–3) heißt Anapher; Vers 17 greift die Wendung erneut auf. „Zischelwind“ (V. 3) lässt Dich ein Geräusch erahnen. Die Wortfolge „Gottes Schweigen / Trank ich“ (V. 13–14) läuft über die Versgrenze: ein Enjambement.

Commons-Audio: Aussprache des Namens „Georg Trakl“; keine Gedichtlesung.


Bilder, Farben und Gegensätze

„schwarzer Regen“ (V. 1) macht ein normales Naturbild bedrohlich. „goldig“ (V. 7) bringt kurz Helligkeit. Der „süße Leib / Verwest im Dornenbusch“ (V. 10–11) verbindet Zärtlichkeit mit Verfall. „Gottes Schweigen“ (V. 13) kann als fehlende Antwort verstanden werden. Das „Licht“, das „in meinem Mund erlöscht“ (V. 17), kann für Sprache, Leben oder Hoffnung stehen.

Commons-Animation und Regenklang zeigen echten Regen, nicht „schwarzen Regen“. Welche zusätzliche Bedeutung erzeugt das Gedicht?


Das offene Ende

„Starrend von Unrat und Staub der Sterne“ (V. 19) verbindet Schmutz mit dem Himmel. In Vers 21 klingen „kristallne Engel“. Das könnte Trost andeuten. Es könnte aber auch ein ferner, unerreichbarer Klang sein. Entscheide selbst und begründe Deine Wahl.

Vergleiche das Foto mit „Staub der Sterne“ (V. 19): Was ist Beobachtung, was ist Sprachbild?


Epochenkontext: Moderne und Expressionismus

Trakls Gedicht gehört zur Moderne und wird dem Expressionismus zugeordnet. Auffällig sind starke Gefühle, ungewöhnliche Bilder und der Verlust von Sicherheit. Wichtig: Das Gedicht wurde schon 1912 veröffentlicht. Es ist deshalb nicht als direkte Reaktion auf den 1914 beginnenden Ersten Weltkrieg zu erklären.

Video für Klasse 9–10: Merkmale expressionistischer Gedichte, Studyflix.

Vertiefung für Klasse 11–13: Das Brenner-Archiv der Universität Innsbruck erklärt Manuskripte und unterschiedliche Textfassungen.


Gestufte Hilfen

Hilfe 1 – leicht: Markiere in V. 1–4 dunkle Wörter. Schreibe: „Das Bild wirkt ..., weil ...“.

Hilfe 2 – standard: Verbinde ein Zitat mit einem Mittel und seiner Wirkung: „Es ist ein“ (V. 1–3) → Wiederholung → eindringlicher Beginn.

Hilfe 3 – schwer: Prüfe zwei Deutungen des Endes. Nutze V. 13, V. 17 und V. 21 und unterscheide Beobachtung von Vermutung.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Lesequiz: Alle Versangaben beziehen sich auf die Lesefassung von 1913.

Was fällt nach V. 1 auf das Stoppelfeld? (schwarzer Regen) (!weißer Schnee) (!goldenes Licht) (!roter Staub)




Was sammelt die „sanfte Waise“ nach V. 6? (!Blumen) (spärliche Ähren) (!Steine) (!Blätter)




Wer findet nach V. 9–11 den „süßen Leib“? (!Bauern) (!Kinder) (Hirten) (!Jäger)




Als was bezeichnet sich das Ich in V. 12? (!als Vogel) (!als Baum) (!als Engel) (als Schatten)




Welche Worte stehen in V. 13? (Gottes Schweigen) (!Gottes Lächeln) (!Gottes Stimme) (!Gottes Licht)




Was tritt laut V. 15 auf die Stirne? (!warmes Wasser) (kaltes Metall) (!goldener Regen) (!weiches Moos)




Wer sucht laut V. 16 das Herz? (!Schlangen) (!Hirten) (Spinnen) (!Vögel)




Wo erlischt das Licht nach V. 17 dieser Quellfassung? (!über den Bäumen) (!im Brunnen) (!vor dem Haus) (in meinem Mund)




Wo findet sich das Ich nach V. 18 nachts? (auf einer Heide) (!im Dorf) (!am Meer) (!im Stall)




Wer klingt nach V. 21 am Ende? (!die Hirten) (kristallne Engel) (!die Waise) (!die Spinnen)





Memory

Stoppelfeld abgeernteter Acker
Weiler kleines Dorf
Waise elternloses Kind
Hain kleiner Wald
Anapher wiederholter Versanfang
Enjambement Satz über Versgrenze
Lyrisches Ich Stimme im Gedicht





Drag and Drop

Ordne die Textbilder ihren Merkmalen zu. Merkmal
schwarzer Regen düstere Farbwirkung
Es ist ein wiederholter Anfang
Gottes Schweigen religiöse Leere
Ein Schatten bin ich sprechendes Ich
kristallne Engel offenes Schlussbild





Kreuzworträtsel

Waise Wer sammelt in Vers sechs Ähren?
Weiler Welches Wort bezeichnet im Gedicht ein kleines Dorf?
Hirten Wer findet den Leib?
Schatten Als was bezeichnet sich das lyrische Ich?
Spinnen Welche Tiere suchen das Herz?
Engel Welche Wesen klingen im letzten Vers?





LearningApps

Hier findest Du vorhandene Übungen zum Thema; es wird keine neue App angelegt.


Lückentext

Vervollständige den Text.
Das Gedicht umfasst

Verse.
Der schwarze Regen fällt auf ein

.
Die sanfte Waise sammelt

.
Später finden die Hirten einen Leib im

.
In Vers zwölf nennt sich das Ich einen

.
Das Ich trinkt Gottes

.
Am Ende klingen kristallne

.
Das wiederholte „Es ist ein“ ist eine

.



Offene Aufgaben

Drei Schreibaufgaben: Wähle je nach Lernstand die erste Aufgabe einer Stufe. Die weiteren neun kurzen Wahlideen sind freiwillig.


Leicht – Klasse 9–10

  1. Schreibaufgabe: Verfasse einen kurzen Tagebucheintrag über die Stimmung nach V. 1–4. Baue ein genaues Verszitat ein.
  2. Wortfeld: Sammle fünf Wörter, die Angst oder Trost ausdrücken, und vergleiche sie mit dem Gedicht.
  3. Bildbeschreibung: Beschreibe das Commons-Stoppelfeld und den Unterschied zu V. 1.
  4. Vorlesen: Lies V. 1–4 mit zwei verschiedenen Betonungen und notiere ihre Wirkung.


Standard – Klasse 9–10 oder 11–13

  1. Schreibaufgabe: Schreibe einen Analyseabsatz zu V. 12–17 mit zwei Zitaten, einem sprachlichen Mittel und seiner Wirkung.
  2. Perspektivwechsel: Formuliere V. 1–3 in Ich-Sätzen um und vergleiche die Wirkung.
  3. Farbsymbolik: Vergleiche Schwarz in V. 1 und Gold in V. 7 in drei Sätzen.
  4. Rezension: Bewerte die YouTube-Lesung anhand von Pausen und Betonung.


Schwer – Klasse 11–13

  1. Schreibaufgabe: Erörtere mit drei Versbelegen, ob der Schluss Trost oder unerreichbare Hoffnung zeigt. Formuliere einen Einwand.
  2. Psalm 130: Vergleiche das Motiv des Rufens mit „Gottes Schweigen“ (V. 13), ohne beide Texte gleichzusetzen.
  3. Textkritik: Vergleiche V. 17 im Faksimile mit einer abweichenden Onlinefassung und begründe Deine Quellenwahl.
  4. Gedichtinterpretation: Entwirf zwei konkurrierende Thesen zur Bedeutung des „Lichts“ (V. 17).




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Wirkungsanalyse: Erkläre, warum die Anapher V. 1–3 anders wirkt als ein sachlicher Landschaftsbericht.
  2. Bildsprache: Übertrage das Bild „schwarzer Regen“ in eine Alltagsszene und erkläre, was dabei verloren geht.
  3. Perspektive: Zeige, was sich mit dem Auftreten des Ichs in V. 12 verändert.
  4. Deutungshypothese: Verteidige zwei gegensätzliche Lesarten des Schlusses mit je einem Versbeleg.
  5. Quellenkritik: Begründe, warum eine Analyse Wortabweichungen zwischen Ausgaben kennzeichnen muss.


Lernnachweis

Dein Lernnachweis enthält eine kurze Deutungsthese, mindestens drei korrekte Verszitate mit Nummern, eine Erklärung zu Form und Klang, die Unterscheidung von lyrischem Ich und Autor sowie eine begründete alternative Lesart. Gib die verwendete Ausgabe an. Keine Medien oder Einbettungen im Lernnachweis.


OERs zum Thema

Bestehende Kurse und Texte: Gedichttext auf MOOCwiki, Autorenkurs auf MOOCwiki, überprüfter Originaltext auf Wikisource und Trakl-Videoführungen der Universität Innsbruck.


Mediennachweise und Lizenzen

Alle folgenden Dateien sind vorhandene Dateien auf Wikimedia Commons; sie wurden nicht neu erzeugt. Keine Datei wurde hier verändert.

  1. Buchseite 1913: Georg Trakl, Gedichte, Seite 38; mechanischer Scan; gemeinfrei / Public Domain Mark.
  2. Stoppelfeld.jpg: Christian Pagenkopf; CC BY-SA 3.0.
  3. Selbstporträt: Georg Trakl, 1913; gemeinfrei.
  4. Namensaussprache: Jeuwre; CC BY-SA 4.0.
  5. Regenanimation: Shisma; CC0 1.0.
  6. Regengeräusch: ジダネ; gemeinfrei.
  7. Nachthimmel: PantheraLeo1359531; CC BY-SA 4.0.

Lizenzen: CC BY-SA 3.0, CC BY-SA 4.0, CC0 1.0. Die verlinkten Dateiseiten enthalten die vollständigen Nachweise. YouTube: Lesung „De Profundis“ (vom Wortmann), Studyflix sowie Universität Innsbruck; diese fremden Videos werden nur eingebettet. Eine freie Weiterverwendungslizenz wird nicht behauptet.


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