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DER DA VINCI TIME CODE

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DER DA VINCI TIME CODE



DER DA VINCI TIME CODE

DER DA VINCI TIME CODE ist ein kurzer Experimental- und Animationsfilm von Gil Alkabetz aus dem Jahr 2009. Der Film nimmt kein bewegtes Ausgangsmaterial, sondern ein einziges berühmtes Bild: Leonardo da Vincis „Abendmahl“. Alkabetz zerlegt das Wandgemälde in einzelne Ausschnitte und ordnet formähnliche Details so schnell hintereinander an, dass aus dem unbewegten Kunstwerk der Eindruck von Bewegung entsteht. Hände, Füße, Gesichter, Fenster und andere Formen werden zu Bausteinen einer neuen filmischen Zeit.

Der aiMOOC richtet sich an Lernende der Klassen 7 bis 13. Du erschließt die Zerlegung des „Abendmahls“ in Fragmente, verbindest Kunstgeschichte mit Filmanalyse und untersuchst, wie Filmschnitt, Montage, Rhythmus, Musik und Klang ein statisches Bild zeitlich erfahrbar machen. Für höhere Jahrgangsstufen kommen Begriffe wie Simultanität, Sequenzialität, grafischer Anschluss und die Frage hinzu, wie ein Film die Wahrnehmung eines historischen Kunstwerks verändert.


Einleitung

Ein Gemälde zeigt seine sichtbaren Elemente grundsätzlich gleichzeitig: Du kannst Deinen Blick frei über die Bildfläche bewegen, bei einem Gesicht verweilen, zur Hand einer Figur springen oder die gesamte Komposition betrachten. Film dagegen organisiert Bilder in einer zeitlichen Folge. DER DA VINCI TIME CODE macht genau diesen Unterschied zum Thema. Der Film verwandelt räumliche Nachbarschaft in zeitliche Nachfolge.

Die Grundidee ist einfach und zugleich kunsttheoretisch ergiebig: Aus einem einzigen Bild werden viele Fragmente gewonnen. Diese Fragmente werden nach visuellen Ähnlichkeiten ausgewählt und montiert. Ein Arm kann auf einen anderen Arm folgen, ein Gesicht auf ein anderes Gesicht, eine Fensterform auf eine ähnliche Form. Durch die schnelle Folge beginnt Dein Wahrnehmungssystem, zwischen den Einzelbildern Beziehungen und Bewegungen zu bilden. So „bewegt“ sich nicht das historische Wandbild selbst; vielmehr erzeugt die Montage aus seinen Details eine neue Bewegungsillusion.

Der Film kommt ohne Dialog aus. Gerade deshalb gewinnen Bildrhythmus, Schnitt, Musik und Klang besondere Bedeutung. Der Rhythmus steuert, wann Du ein Detail erkennst, wann es schon wieder verschwindet und wann eine Folge als Bewegung, Tanz, Gespräch oder Streit gelesen werden kann.


Filmsteckbrief

Merkmal Information
Titel DER DA VINCI TIME CODE; in Filmkatalogen auch „Der Da Vinci Timecode“ bzw. „The Da Vinci Time Code“
Regie Gil Alkabetz
Jahr 2009
Produktionsland Deutschland
Form Experimentalfilm, Animationsfilm, Kurzfilm
Laufzeit knapp drei Minuten; Animafest Zagreb führt 2 Minuten 48 Sekunden
Sprache ohne Dialog
Produktion Sweet Home Studio
Drehbuch, Schnitt und Animation Gil Alkabetz
Musik und Sound Alexander Zlamal

Die FBW zeichnete den Film mit dem Prädikat besonders wertvoll aus. In ihrer Begründung hebt sie die schnelle Einzelbildfolge, die detailorientierte Montage und die enge Verbindung von Bildrhythmus, Tonspur und Musik hervor.


Gil Alkabetz

Gil Alkabetz wurde 1957 in Israel geboren und starb 2022. Er studierte Grafikdesign an der Bezalel Academy of Art and Design in Jerusalem, arbeitete als Animator, Illustrator, Regisseur und Lehrender und lebte seit Mitte der 1990er Jahre in Deutschland. Seine Ausbildung im Grafikdesign ist für DER DA VINCI TIME CODE besonders interessant: Der Film denkt nicht zuerst in Figurenhandlungen, sondern in Flächen, Formen, Richtungen, Wiederholungen und visuellen Entsprechungen.

Alkabetz übernimmt bei dem Film mehrere zentrale Funktionen selbst, darunter Regie, Drehbuch, Animation und Schnitt. Dadurch lassen sich Gestaltung und Montage besonders eng zusammendenken: Die Auswahl eines Fragments ist bereits eine Entscheidung darüber, welche Bewegung später durch die Abfolge entstehen kann.


Kunsthistorischer Ausgangspunkt: Leonardos „Abendmahl“

Leonardo da Vinci schuf sein berühmtes „Abendmahl“ in den 1490er Jahren für das Refektorium des Dominikanerklosters Santa Maria delle Grazie in Mailand. Das großformatige Wandbild zeigt Jesus und die zwölf Apostel am Tisch. Dargestellt ist die hochdramatische Reaktion der Jünger auf die Ankündigung, dass einer von ihnen Jesus verraten werde.

Leonardos Komposition verbindet strenge räumliche Ordnung mit lebhaften Gesten. Jesus befindet sich im Zentrum der Zentralperspektive. Die Apostel sind in Gruppen gegliedert und reagieren mit Händen, Armen, Köpfen und Körperhaltungen unterschiedlich stark. Genau diese Spannungen zwischen Ordnung und Bewegung werden für Alkabetz zu filmischem Material.


Ort, Technik und Erhaltungszustand

Das Werk befindet sich bis heute in Santa Maria delle Grazie in Mailand. Leonardo arbeitete nicht in der klassischen Freskotechnik auf frischem Putz, sondern experimentierte mit einer Malweise auf trockenem Untergrund. Diese Technik erlaubte differenzierte malerische Effekte, erwies sich aber als empfindlich. Das Wandbild wurde im Lauf der Jahrhunderte stark beschädigt und vielfach restauriert.

Für die Filmanalyse ist dieser materielle Zustand wichtig: Alkabetz behandelt keine neutrale digitale Grafik, sondern die Reproduktion eines alten, verletzlichen und historisch aufgeladenen Kunstwerks. Die digitale Fragmentierung steht damit in einem spannenden Gegensatz zur materiellen Einmaligkeit des Originals.


Zentralperspektive und Bildzentrum

Leonardos Raum ist zentralperspektivisch konstruiert. Die Perspektivlinien führen auf die Christusfigur zu; der Fluchtpunkt liegt im Bereich des Kopfes Jesu. Diese Ordnung stabilisiert die gesamte Szene. Gleichzeitig erzeugen die Körper der Apostel starke diagonale und seitliche Bewegungsimpulse.

Im Originalbild bleibt Jesus als Zentrum dauerhaft sichtbar, solange Du das ganze Werk betrachtest. Der Film kann dieses Zentrum dagegen zeitweise ausblenden, isolieren oder erst nach anderen Details zeigen. Schon dadurch verändert der Schnitt die Hierarchie des Bildes.


Gesten und Gruppenbildung

Leonardo ordnet die zwölf Apostel in Gruppen. Hände, Arme, Köpfe und Blickrichtungen vermitteln Überraschung, Zweifel, Abwehr, Frage, Gespräch und Erregung. Die Figuren wirken deshalb im Gemälde bereits potenziell bewegt, obwohl sie selbstverständlich unbewegte Farbformen auf einer Wand sind.

Für Alkabetz sind solche Gesten ideale Fragmente. Wenn ähnliche Armstellungen, Hände oder Gesichter schnell aufeinander folgen, kann eine Bewegung entstehen, die im Einzelbild nicht vorhanden ist. Die Montage aktiviert damit Eigenschaften, die in der Komposition als Formen und Gesten angelegt sind.


Vom Gemälde zum Film


Fragmentierung als Methode

Fragmentierung bedeutet hier die Zerlegung des Gesamtbildes in kleinere Ausschnitte. Dabei wird ein Detail aus seinem ursprünglichen Zusammenhang gelöst. Eine Hand gehört im Gemälde eindeutig zu einer bestimmten Figur; als Filmfragment kann sie dagegen mit Händen anderer Figuren verbunden werden. Ihr ursprünglicher Kontext wird geschwächt, ihre Form gewinnt an Bedeutung.

Dieser Vorgang verändert die Art des Sehens. Im Museum oder in einer Reproduktion kannst Du selbst entscheiden, wohin Du blickst. Im Film entscheidet die Montage, welches Fragment Du wann siehst. Aus freier Bildbetrachtung wird eine gelenkte Wahrnehmung.


Formähnlichkeit und grafischer Anschluss

Der Film verbindet unterschiedliche Ausschnitte, die sich in Form, Richtung, Position oder Bewegungsandeutung ähneln. In der Filmanalyse kann man solche Übergänge als grafische Anschlüsse oder Graphic Matches beschreiben. Entscheidend ist nicht, dass zwei Fragmente dieselbe Person zeigen, sondern dass ihre sichtbare Form den Übergang plausibel oder überraschend macht.

So kann aus mehreren verschiedenen Händen eine scheinbar zusammenhängende Geste werden. Aus verschiedenen Gesichtern kann eine mimische Folge entstehen. Die Identität der gemalten Figuren tritt für einen Moment hinter die Ähnlichkeit der Formen zurück.


Montage erzeugt eine neue Zeit

Ein Gemälde ist als Ganzes gleichzeitig vorhanden. Film ist dagegen an Dauer gebunden: Ein Bild erscheint vor oder nach einem anderen Bild. DER DA VINCI TIME CODE übersetzt deshalb Simultanität in Sequenzialität. Aus „nebeneinander“ wird „nacheinander“.

Diese Umwandlung ist der Kern des Titels: Der Film legt keinen historischen Geheimcode in Leonardos Bild frei. Der „Time Code“ lässt sich vielmehr als spielerischer Hinweis auf die zeitliche Neuordnung verstehen. Das Ausgangsbild wird in eine Folge von Zeitpunkten verwandelt.


Dynamisierender Schnitt

Mit dynamisierendem Schnitt ist hier die Wirkung gemeint, dass Montage ein statisches Ausgangsmaterial lebendig und bewegt erscheinen lässt. Die FBW beschreibt eine schnelle, teils videoclipartig wirkende Folge von Detailansichten. Die Schnitte zwischen Fenstern, Händen, Füßen und Gesichtern erzeugen Tempo, Verdichtung und Bewegungsenergie.

Mehrere Faktoren wirken zusammen: kurze Einstellungsdauern, Wiederholung ähnlicher Formen, Richtungswechsel, Steigerungen des Tempos und die Synchronisierung mit der Tonspur. Ein Schnitt ist deshalb nicht bloß eine Trennstelle. Er ist ein aktiver Bedeutungs- und Bewegungsimpuls.


Rhythmus: Sehen in Takten und Impulsen

Rhythmus entsteht durch die Verteilung von Wiederholung und Veränderung in der Zeit. Im Film kann er durch die Länge der Fragmente, die Häufigkeit der Schnitte, visuelle Ähnlichkeit und akustische Akzente erzeugt werden. Wenn Schnitte eng auf musikalische Impulse reagieren, entsteht der Eindruck, als würden die Bilddetails „mitspielen“.

Wichtig ist dabei: Rhythmus ist mehr als Geschwindigkeit. Auch Pausen, Verzögerungen und Kontraste gehören dazu. Ein langsamer Abschnitt kann Aufmerksamkeit bündeln; eine plötzliche Beschleunigung kann Erregung oder Komik erzeugen. Ein abruptes Ende kann die zuvor aufgebaute Bewegungsenergie brechen.


Musik, Klang und zeitliche Wahrnehmung

Die Musik und das Sounddesign stammen von Alexander Zlamal. Da der Film ohne Dialog auskommt, trägt die Tonspur einen großen Teil der zeitlichen Organisation. Akustische Akzente können Schnitte markieren, Bewegungen verstärken oder Übergänge glätten.

Wenn Bildwechsel und musikalische Impulse zusammenfallen, nimmst Du die Montage leichter als zusammenhängenden Bewegungsfluss wahr. Wenn Bild und Ton gegeneinander laufen, kann dagegen Spannung entstehen. Für die Analyse solltest Du deshalb nicht nur fragen, was Du siehst, sondern auch wann ein Bildwechsel in Bezug auf einen Klang, einen Schlag oder eine musikalische Phrase erfolgt.


Ein Analyseverfahren für den Unterricht

Für eine genaue Untersuchung eignet sich eine kurze Sequenz von wenigen Sekunden. Sieh sie mehrfach: zuerst mit Ton, dann ohne Ton und schließlich nur hörend. Notiere anschließend für jeden markanten Wechsel das sichtbare Fragment, seine Form, die ungefähre Dauer, den Schnitt zum nächsten Fragment und den zugehörigen Klangimpuls.

Eine einfache Analysetabelle kann so aussehen:

Beobachtung Leitfrage
Fragment Welcher Bildausschnitt ist zu sehen?
Form Welche Linie, Richtung oder Kontur dominiert?
Schnitt Was bleibt ähnlich, was verändert sich?
Dauer Wie lange ist das Fragment ungefähr sichtbar?
Ton Welcher musikalische oder klangliche Impuls fällt auf?
Wirkung Entsteht Ruhe, Beschleunigung, Bewegung, Komik, Spannung oder Irritation?


Bilddetails neu angeordnet


Hände

Hände sind im „Abendmahl“ zentrale Bedeutungsträger. Sie zeigen, fragen, greifen, weisen zurück oder öffnen sich. Isoliert der Film Hände aus verschiedenen Figurengruppen und setzt sie hintereinander, entsteht eine neue, über die einzelnen Apostel hinweggehende Gestenfolge. Die Montage verwandelt viele getrennte Gesten in eine scheinbar kontinuierliche Aktion.


Füße und Körperachsen

Füße und Körperteile wirken im Gesamtgemälde weniger dominant als Gesichter und Hände. Der Ausschnitt kann diese Hierarchie umkehren. Ein kleines Detail wird plötzlich bildfüllend und erhält durch schnelle Wiederholung kinetische Energie. Dadurch lernst Du, dass filmische Bedeutung nicht nur im Motiv, sondern auch in Auswahl, Größe, Reihenfolge und Dauer eines Ausschnitts entsteht.


Gesichter

Gesichter tragen im Gemälde unterschiedliche Reaktionen. Durch die Montage werden sie aus den ursprünglichen Gruppen gelöst. Schnelle Wechsel können aus einzelnen mimischen Zuständen eine emotionale Entwicklung machen. Die Abfolge kann dadurch wie Gespräch oder Streit wirken, obwohl zwischen den dargestellten Personen im gemalten Moment keine reale Bewegung abläuft.


Fenster, Architektur und geometrische Formen

Auch scheinbar unbelebte Elemente wie Fenster oder architektonische Linien können rhythmisiert werden. Werden ähnliche Rechtecke, Kanten oder Richtungen aufeinander geschnitten, entsteht Bewegung aus Geometrie. Der Film zeigt damit, dass Animation nicht zwingend eine Figur benötigt: Schon die zeitliche Organisation visueller Formen kann dynamisch wirken.


Was verändert der Film am Kunstwerk?

Der Film ist weder bloße Reproduktion noch klassische Nacherzählung. Er ist eine Transformation. Er übernimmt sichtbares Material des „Abendmahls“, verändert aber Maßstab, Reihenfolge, Dauer und Kontext. Dadurch entstehen Bedeutungen, die im Gesamtbild so nicht vorgegeben sind.

Diese Transformation kann zugleich als genaue Bildbeobachtung verstanden werden. Gerade weil das Gemälde zerlegt wird, rücken Details in den Vordergrund, die bei einer flüchtigen Gesamtbetrachtung leicht übersehen werden. Dekonstruktion und Aufmerksamkeit sind hier keine Gegensätze: Das Zerschneiden des Bildes kann ein besonders intensives Sehen ermöglichen.


Verlust und Gewinn durch Fragmentierung

Durch die Fragmentierung geht zunächst etwas verloren: die Gesamtkomposition, die räumliche Beziehung der Figuren, die zentrale Perspektive und die historische Szene als zusammenhängendes Ganzes. Gleichzeitig wird etwas gewonnen: einzelne Formen werden vergleichbar, Gesten werden rhythmisch lesbar und kleinste Details werden zu Hauptmotiven.

Eine gute Filmanalyse bewertet diesen Vorgang nicht vorschnell als „Verfälschung“ oder „Verbesserung“. Sie untersucht, welche neuen Wahrnehmungsangebote die Bearbeitung schafft und welche Eigenschaften des Originals dabei zurücktreten.


Zeit als Gestaltungsmaterial

Bei einem Gemälde ist Zeit vor allem in der dargestellten Handlung, in Deinem Betrachtungsprozess und in der Geschichte des Werkes vorhanden. Im Film kommt eine weitere Ebene hinzu: die technisch festgelegte Dauer jedes Fragments. Alkabetz kann bestimmen, ob Du ein Detail lange erkennst oder nur als visuellen Impuls wahrnimmst.

Damit wird Dauer selbst zu Gestaltungsmaterial. Das ist ein Grundprinzip von Film und Animation: Nicht nur welches Bild gezeigt wird, sondern wie lange und in welcher Reihenfolge es erscheint, prägt seine Bedeutung.


Vergleich: Renaissance-Komposition und filmische Montage

Renaissance-Wandbild Filmische Bearbeitung
Gesamtkomposition ist gleichzeitig sichtbar Fragmente erscheinen nacheinander
Zentralperspektive ordnet den Raum Schnitt ordnet die Zeit
Figuren besitzen feste Positionen Details wechseln ihre Nachbarschaften
Gesten sind in einem Moment eingefroren Gestenfolgen erzeugen Bewegungsillusion
Betrachter steuert den Blick relativ frei Montage lenkt Reihenfolge und Dauer der Wahrnehmung
Bildrhythmus entsteht räumlich Rhythmus entsteht zusätzlich zeitlich und akustisch

Die Gegenüberstellung zeigt: Der Film ersetzt die Kunstgeschichte nicht, sondern macht bestimmte Eigenschaften des Originals durch ein anderes Medium neu sichtbar. Besonders spannend ist die Frage, wie räumliche Ordnung und zeitliche Ordnung miteinander übersetzt werden.


Leitfragen für eine vertiefte Filmanalyse

  1. Fragmentierung: Nach welchen sichtbaren Ähnlichkeiten werden Fragmente verbunden, und wann bricht der Film solche Ähnlichkeiten bewusst?
  2. Montage: Welche Bewegungen entstehen erst zwischen zwei oder mehreren Einzelbildern?
  3. Rhythmus: Wie verändern kurze und längere Bilddauern Deine Aufmerksamkeit?
  4. Filmmusik: Wann unterstützt der Ton einen Schnitt, und wann erzeugt er einen Kontrast?
  5. Bildanalyse: Welche Elemente von Leonardos Gesamtkomposition gehen durch den Ausschnitt verloren?
  6. Medienästhetik: Was kann Film mit einem Gemälde tun, was eine unbewegte Reproduktion nicht kann?
  7. Wahrnehmung: Ab welchem Tempo erkennst Du einzelne Details nicht mehr bewusst, sondern nimmst vor allem Bewegung und Rhythmus wahr?


Weiterführende Medien und Quellen

  1. Deutsche Film- und Medienbewertung: Der Da Vinci Timecode – Filminformationen und Jurybegründung.
  2. Animafest Zagreb: The Da Vinci Time Code – Festivalarchiv mit Stabangaben und Synopsis.
  3. Acme Filmworks: The Da Vinci Time Code, Preview – Vorschau zum Film.
  4. Wikimedia Commons: Details of Last Supper by Leonardo da Vinci – frei zugängliche Detailbilder mit jeweiligen Lizenzangaben.
  5. Wikipedia: Das Abendmahl von Leonardo da Vinci – Überblick zu Werk, Darstellung, Technik und Perspektive.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Wer führte bei DER DA VINCI TIME CODE Regie? (Gil Alkabetz) (!Alexander Zlamal) (!Leonardo da Vinci) (!Nurit Israeli)




Welches Kunstwerk bildet das Ausgangsmaterial des Films? (Das Abendmahl von Leonardo da Vinci) (!Die Mona Lisa von Leonardo da Vinci) (!Die Schule von Athen von Raffael) (!Die Erschaffung Adams von Michelangelo)




Welche Grundoperation prägt die Gestaltung des Films? (Die Zerlegung des Gemäldes in Fragmente und ihre neue Montage) (!Die vollständige Neumalung des Gemäldes als Ölgemälde) (!Die Aufnahme einer Theateraufführung mit Schauspielern) (!Die Vertonung eines gesprochenen kunsthistorischen Vortrags)




Wodurch wird das statische Bild im Film zeitlich erfahrbar? (Durch die Abfolge und Dauer der montierten Bilddetails) (!Durch eine Veränderung des historischen Entstehungsjahres) (!Durch eine neue Signatur unter dem Wandbild) (!Durch eine Übersetzung des Filmtitels)




Aus welchem Jahr stammt der Film? (2009) (!1995) (!2019) (!1498)




Welche sprachliche Besonderheit hat der Film? (Er kommt ohne Dialog aus) (!Er besteht vollständig aus einem gesprochenen Interview) (!Er verwendet nur italienische Dialoge) (!Er enthält einen deutsch gesprochenen Off-Kommentar)




Welche Details nennt die FBW als Bestandteile der schnell rhythmisierten Fragmentfolge? (Fenster Hände Füße und Gesichter) (!Nur Landschaften und Wolken) (!Ausschließlich Schriftzeichen und Zahlen) (!Nur Werkzeuge aus Leonardos Skizzenbüchern)




Welche Funktion hat die Zentralperspektive im Abendmahl? (Sie bündelt die räumliche Ordnung auf die Christusfigur) (!Sie verteilt alle Figuren zufällig im Raum) (!Sie beseitigt jede Tiefenwirkung) (!Sie macht den Tisch unsichtbar)




Was bedeutet im Zusammenhang dieses Films der Übergang von Simultanität zu Sequenzialität? (Aus gleichzeitig sichtbaren Bildteilen wird eine zeitliche Folge) (!Aus Musik wird ein unbewegtes Gemälde) (!Aus Farbe wird ausschließlich Schwarzweiß) (!Aus einem Kurzfilm wird ein Spielfilm)




Wer verantwortete Musik und Sound des Films? (Alexander Zlamal) (!Gil Alkabetz) (!Ludovico Sforza) (!Steven Zucker)





Memory

Fragmentierung Zerlegung eines Bildes in Ausschnitte
Montage Anordnung von Einzelbildern in zeitlicher Folge
Bildrhythmus Wechseltempo visueller Elemente
Zentralperspektive Raumordnung mit einem Fluchtpunkt
Graphic Match Schnitt zwischen formähnlichen Bilddetails
Alexander Zlamal Musik und Sound





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Funktion im Film
Statisches Wandbild Ausgangsmaterial
Bildfragment Isolierter Ausschnitt
Filmschnitt Übergang zwischen Ausschnitten
Bildrhythmus Zeitliche Ordnung
Musikimpuls Akustische Taktgebung






Kreuzworträtsel

Alkabetz Wie lautet der Nachname des Regisseurs?
Leonardo Wie lautet der Vorname des Künstlers des Abendmahls?
Montage Wie heißt die zeitliche Anordnung von Einstellungen im Film?
Fragment Wie nennt man einen aus dem Gesamtbild herausgelösten Ausschnitt?
Rhythmus Welcher Begriff beschreibt die zeitliche Gliederung von Bildwechseln und Impulsen?
Perspektive Welcher Begriff bezeichnet die räumliche Konstruktion mit einem Fluchtpunkt?





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Lückentext

Vervollständige den Text.

DER DA VINCI TIME CODE wurde von

inszeniert. Der Film verwendet Leonardo da Vincis

als visuelles Ausgangsmaterial. Das Gemälde wird in einzelne

zerlegt. Durch ihre zeitliche Anordnung entsteht eine filmische

. Formähnliche Übergänge können als

beschrieben werden. Die schnelle Folge der Ausschnitte erzeugt einen ausgeprägten

. Musik und Sound stammen von

. Im Gegensatz zur gleichzeitigen Sichtbarkeit des Gemäldes organisiert der Film die Details als

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Bilddetail-Suche: Wähle fünf auffällige Details im „Abendmahl“ aus und beschreibe jeweils Form, Richtung, Farbe und mögliche Bewegung.
  2. Storyboard: Zeichne sechs Kästchen und übertrage sechs Bildfragmente so, dass beim Durchsehen eine einfache Bewegungsfolge entsteht.
  3. Rhythmus klatschen: Entwickle zu einer kurzen Fragmentfolge einen Klatsch- oder Tischrhythmus und erkläre, welche Bildwechsel Du akustisch betonst.
  4. Vorher-Nachher-Vergleich: Vergleiche das vollständige Wandbild mit drei Detailausschnitten und notiere, welche Informationen durch das Zuschneiden verloren gehen und welche deutlicher werden.


Standard

  1. Schnittprotokoll: Analysiere ungefähr zehn Sekunden des Films und protokolliere Fragment, Schnitt, Dauer, Klang und Wirkung möglichst genau.
  2. Stummfilm-Versuch: Sieh eine kurze Sequenz zunächst mit und dann ohne Ton. Beschreibe, wie sich Tempo, Bewegungseindruck und emotionale Wirkung verändern.
  3. Graphic Match: Fotografiere oder zeichne zehn formähnliche Alltagsdetails und montiere sie in einer kurzen Bildfolge, die eine scheinbare Bewegung erzeugt.
  4. Kunstvergleich: Vergleiche Alkabetz’ Umgang mit Leonardos Werk mit einer anderen filmischen, fotografischen oder digitalen Bearbeitung eines historischen Kunstwerks und begründe Gemeinsamkeiten und Unterschiede.


Schwer

  1. Montageexperiment: Erstelle aus einer einzigen selbst gewählten Abbildung einen Kurzfilm von 20 bis 40 Sekunden, der ausschließlich durch Ausschnitte, Reihenfolge, Dauer und Ton Bewegung erzeugt.
  2. Filmästhetische Analyse: Untersuche, wie der Film Simultanität in Sequenzialität übersetzt, und belege Deine Argumentation an mindestens drei präzise beschriebenen Schnittfolgen.
  3. Musik-Bild-Experiment: Lege dieselbe Fragmentfolge unter zwei deutlich unterschiedliche Musikstücke oder selbst produzierte Klangspuren und analysiere, wie sich Bedeutung und Rhythmus verändern.
  4. Kuratorisches Projekt: Entwickle ein Ausstellungskonzept „Ein Bild wird Film“, das Leonardos Originalkomposition, ausgewählte Fragmente, eine Schnittanalyse und eine eigene audiovisuelle Transformation miteinander verbindet.




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Lernkontrolle

  1. Transfer Bild zu Film: Erkläre an einem selbst gewählten Gemälde, welche Bilddetails sich für eine Alkabetz-ähnliche Fragmentmontage eignen würden. Begründe Deine Auswahl mit Form, Richtung und Rhythmus.
  2. Wirkung des Schnitts: Entwirf zwei unterschiedliche Reihenfolgen aus denselben sechs Bildfragmenten. Beschreibe, wie sich durch die Reihenfolge jeweils eine andere Bewegung oder Bedeutung ergeben könnte.
  3. Ton-Bild-Beziehung: Analysiere eine kurze Sequenz und begründe, ob Musik und Bildrhythmus eher synchron, ergänzend oder kontrastierend wirken.
  4. Kunsthistorische Transformation: Beurteile, welche Eigenschaften von Leonardos Renaissance-Komposition durch die Fragmentierung geschwächt und welche neu sichtbar gemacht werden.
  5. Medienvergleich: Vergleiche die Betrachtungsfreiheit bei einem Gemälde mit der Blicklenkung durch eine Filmmontage. Entwickle daraus eine These zur Macht des Schnitts.
  6. Eigene Gestaltung: Plane eine zehnsekündige Sequenz aus einem statischen Bild. Lege fest, welche Ausschnitte Du verwendest, wie lange sie erscheinen, wo Schnitte liegen und welche Klangimpulse die Wahrnehmung steuern sollen.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu DER DA VINCI TIME CODE ist wichtig, dass Du nicht nur Fakten wiedergeben kannst, sondern die Gestaltung nachvollziehbar analysierst. Dazu gehören die kunsthistorische Einordnung von Leonardos „Abendmahl“, die Beschreibung seiner Komposition, die Erklärung der Fragmentierung, die Unterscheidung von räumlicher Simultanität und filmischer Sequenzialität, die Analyse des dynamisierenden Schnitts sowie die Untersuchung des Zusammenspiels von Bildrhythmus, Musik und Klang.

Ein überzeugender Lernnachweis enthält außerdem konkrete Beobachtungen an einer kurzen Filmsequenz, passende Fachbegriffe, eine begründete Deutung der Wirkung und eine kleine Transferleistung. Diese kann beispielsweise in einem eigenen Storyboard, einer Fragmentmontage, einem Schnittplan oder einer vergleichenden Analyse bestehen. Aussagen über die Wirkung sollten immer an sichtbaren oder hörbaren Gestaltungsmitteln belegt werden.




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