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D9 M - Sprachvarietäten bewusst einsetzen

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D9 M - Sprachvarietäten bewusst einsetzen




D9 M - Sprachvarietäten bewusst einsetzen


Einleitung

Deutsch klingt nicht immer gleich. Du sprichst mit einer Lehrkraft meist anders als mit Deiner besten Freundin, in einer Bewerbung anders als im Gruppenchat und zu Hause vielleicht anders als in einer Präsentation. Solche unterschiedlichen Formen einer Sprache nennt man Sprachvarietäten.

In diesem aiMOOC lernst Du, Standardsprache, Umgangssprache, Jugendsprache und Dialekt zu erkennen, ihre Wirkung zu untersuchen und sie bewusst einzusetzen. Entscheidend ist dabei nicht die Frage, welche Sprachform „besser“ ist. Entscheidend ist, ob Deine Sprache zur Situation, zum Adressaten, zum Ziel und zum Medium passt.

Der Schwerpunkt liegt auf dem sprachlichen Handeln: Du sollst nicht nur Begriffe auswendig lernen, sondern sprachliche Entscheidungen treffen, begründen und Texte oder Äußerungen gezielt umformulieren können. Das entspricht dem M-Niveau der Klasse 9: Sprachliche Formen werden untersucht, miteinander verglichen und situationsgerecht angewendet.

Beobachtungsauftrag zur Karte: Die Karte zeigt, dass Dialekte regional verteilt sind. Überlege: Warum kann eine überregional verständliche Standardsprache trotzdem sinnvoll sein? Und warum können Dialekte gleichzeitig wichtig für Zugehörigkeit und Identität sein?


Lernziele

Nach diesem aiMOOC kannst Du sprachliche Varietäten nicht nur benennen, sondern funktional beurteilen.

  1. Sprachvarietät: Du erklärst, warum Sprecherinnen und Sprecher je nach Situation unterschiedliche Sprachformen verwenden.
  2. Standardsprache: Du erkennst typische Merkmale und kannst sie in schulischen, öffentlichen und formellen Situationen einsetzen.
  3. Umgangssprache: Du untersuchst alltagssprachliche Verkürzungen, Wörter und Satzmuster und beurteilst ihre Wirkung.
  4. Jugendsprache: Du analysierst gruppenbezogene, kreative und wandelbare sprachliche Mittel, ohne „die Jugendsprache“ als einheitliche Sprache zu behandeln.
  5. Dialekt: Du erkennst regionale Merkmale in Aussprache, Wortschatz und Grammatik und reflektierst ihre kommunikative Funktion.
  6. Adressatengerechtes Schreiben: Du passt Wortwahl, Satzbau, Anrede und Grad der Formalität an Empfänger und Zweck an.
  7. Situationsgerechtes Sprechen: Du wechselst bewusst zwischen sprachlichen Registern und begründest diesen Wechsel.


Was sind Sprachvarietäten?

Eine Sprachvarietät ist eine Variante einer Sprache, die mit bestimmten Situationen, Regionen, Gruppen oder kommunikativen Zwecken verbunden ist. In Deinem Alltag nutzt Du oft mehrere Varietäten, ohne bewusst darüber nachzudenken.

Ein Beispiel: Du möchtest wissen, wann ein Praktikum beginnt.

Situation mögliche Formulierung Wirkung
formelle E-Mail an einen Betrieb „Sehr geehrte Frau Weber, könnten Sie mir bitte mitteilen, um wie viel Uhr mein Praktikum am Montag beginnt?“ höflich, präzise, distanziert
Gespräch mit einer Lehrkraft „Könnten Sie mir noch sagen, wann wir am Montag anfangen?“ höflich, mündlich, weniger formell
Nachricht an einen Freund „Weißt du, wann wir Montag anfangen?“ alltagssprachlich, direkt
enger Freundeskreis „Wann geht’s Montag eigentlich los?“ locker, vertraut

Keine dieser Formulierungen ist grundsätzlich „die einzig richtige“. Ihre Angemessenheit hängt vom Kontext ab.


Sprache als Werkzeug: Situation, Adressat, Ziel und Medium

Bevor Du sprichst oder schreibst, kannst Du vier Fragen stellen:

  1. Kommunikationssituation: Wo findet die Kommunikation statt – Unterricht, Familie, Bewerbungsgespräch, Sportverein oder Chat?
  2. Adressat: Mit wem kommunizierst Du – Freundin, Mitschüler, Lehrkraft, Ausbildungsbetrieb oder unbekannte Öffentlichkeit?
  3. Kommunikationsziel: Willst Du informieren, überzeugen, bitten, erklären, erzählen, unterhalten oder Zugehörigkeit zeigen?
  4. Medium: Sprichst Du direkt, telefonierst Du, schreibst Du eine E-Mail, einen Chat oder einen formellen Text?

Merksatz: Sprachkompetenz bedeutet nicht, immer möglichst formell zu sprechen. Sprachkompetenz bedeutet, passend wählen und wechseln zu können.


Hörimpuls: Sprachvarietäten

Dieses kurze Audio spricht das Wort „Sprachvarietäten“ standardsprachlich aus. Ein einzelnes Wort reicht natürlich noch nicht, um eine Varietät zu bestimmen. Für eine sichere Analyse brauchst Du mehrere Merkmale aus Aussprache, Wortwahl, Grammatik, Satzbau und Situation.


Standardsprache

Die Standardsprache ist die überregional verständliche und in Wörterbüchern, Grammatiken und Rechtschreibregeln beschriebene Form des Deutschen. Sie wird besonders häufig in Schule, Verwaltung, Nachrichten, Sachtexten, formellen Gesprächen und vielen schriftlichen Texten verwendet.

Standardsprache bedeutet nicht, dass alle Menschen exakt gleich sprechen. Auch standardsprachliches Deutsch kann regional gefärbt sein. Wichtig ist vor allem, dass es sich an allgemein anerkannten sprachlichen Normen orientiert und überregional verständlich ist.


Typische Merkmale der Standardsprache

Bereich eher standardsprachlich mögliche nichtstandardsprachliche Variante
Wortwahl „Ich habe keine Zeit.“ „Ich hab keine Zeit.“
Satzbau „Könntest Du mir bitte helfen?“ „Kannste mir mal helfen?“
Aussprache deutlich artikulierte Wortformen regionale oder umgangssprachliche Lautformen
Schreiben vollständige Sätze und normgerechte Rechtschreibung Verkürzungen, Emojis oder lautnahe Schreibweisen
Anrede „Sehr geehrte Damen und Herren“ „Hi zusammen“

Wichtig: Umgangssprachliche Formen sind nicht automatisch Fehler. In einem Chat können sie völlig passend sein. In einer formellen Bewerbung würden sie dagegen meist unprofessionell wirken.


Textbeispiele Standardsprache

Beispiel A – schulische Präsentation: „Unsere Untersuchung zeigt, dass sich die Wortwahl deutlich verändert, wenn Jugendliche mit Freunden statt mit Lehrkräften sprechen.“

Beispiel B – E-Mail an einen Betrieb: „Ich möchte mich erkundigen, ob für den ersten Praktikumstag besondere Unterlagen erforderlich sind.“

Beispiel C – Nachricht an eine unbekannte Person: „Entschuldigen Sie bitte die Störung. Können Sie mir sagen, ob dieser Platz noch frei ist?“

Analysefrage: Welche Wörter oder Satzformen erzeugen in diesen Beispielen Sachlichkeit, Höflichkeit und Distanz?


Umgangssprache

Umgangssprache oder Alltagssprache bezeichnet sprachliche Formen, die besonders häufig in lockeren, alltäglichen Situationen vorkommen. Sie liegt oft zwischen Standardsprache und stärker regionalen oder gruppenspezifischen Formen.

Umgangssprache ist nicht überall gleich. Sie kann regionale Färbungen enthalten und verändert sich. Typisch sind häufig Verkürzungen, lockere Formulierungen, Partikeln und eine stärkere Orientierung am mündlichen Gespräch.


Typische Merkmale der Umgangssprache

Merkmal Beispiel standardsprachlichere Form
Verkürzung „Ich hab’s schon gemacht.“ „Ich habe es bereits gemacht.“
Verschmelzung „Wie geht’s dir?“ „Wie geht es dir?“
Gesprächspartikel „Das ist halt so.“ „Das lässt sich in dieser Situation kaum ändern.“
lockere Wortwahl „Das klappt schon.“ „Das wird voraussichtlich funktionieren.“
Ellipse „Noch Fragen?“ „Gibt es noch Fragen?“


Textbeispiele Umgangssprache

Beispiel A – nach dem Unterricht: „Kommst du nachher noch mit? Wir holen uns was zu essen.“

Beispiel B – Sportverein: „Passt schon, beim nächsten Mal klappt’s bestimmt.“

Beispiel C – Familie: „Ich bin gleich da, ich muss nur noch kurz was fertig machen.“

Beispiel D – Chat: „Bin in zehn Minuten da. Wart kurz!“

Die Beispiele wirken natürlich und alltagsnah. In einem Praktikumsbericht wären Formulierungen wie „was zu essen“ oder „passt schon“ meist weniger geeignet, weil dort Präzision und sachliche Darstellung wichtiger sind.


Jugendsprache

Jugendsprache ist keine einheitliche Sprache, die alle Jugendlichen gleich verwenden. Vielmehr gibt es unterschiedliche jugendsprachliche Stile, die sich nach Freundeskreis, Region, Szene, Mediennutzung und persönlichem Sprachgebrauch unterscheiden können.

Jugendsprachliche Formen können Zugehörigkeit ausdrücken, Humor erzeugen, Gefühle verstärken, Abgrenzung ermöglichen oder sprachliche Kreativität zeigen. Wörter entstehen neu, verändern ihre Bedeutung, werden aus anderen Sprachen übernommen oder verschwinden wieder.

Beobachtungsauftrag zum Video: Notiere drei sprachliche Merkmale, die als gruppenbezogen oder jugendsprachlich beschrieben werden. Prüfe anschließend kritisch: Würdest Du diese Merkmale selbst verwenden? In welcher Situation wären sie passend oder unpassend?


Typische Tendenzen der Jugendsprache

Tendenz konstruiertes Beispiel mögliche Funktion
kreative Neubildung „Das ist komplett wild.“ starke Bewertung
Verstärkung „Das war mega unangenehm.“ Intensivierung
englischer Einfluss „Das ist irgendwie random.“ Gruppennähe, Kürze, Stil
ironische Bewertung „Ja, richtig schlau gelaufen.“ Humor oder Kritik
verkürzte Chat-Sprache „Kommst später?“ Schnelligkeit und Nähe

Diese Beispiele sind bewusst konstruiert. Welche Ausdrücke tatsächlich als jugendsprachlich empfunden werden, kann sich schnell verändern.


Jugendsprache und Identität

Jugendsprachliche Formen können zeigen: „Ich gehöre zu dieser Gruppe“, „Ich kenne diesen Trend“ oder „Ich spreche bewusst locker“. Gleichzeitig kann derselbe Ausdruck bei anderen Personen fremd, aufgesetzt oder unverständlich wirken.

Deshalb ist Adressatenorientierung besonders wichtig. Ein Ausdruck, der im Freundeskreis humorvoll wirkt, kann in einem Bewerbungsgespräch respektlos oder unpassend erscheinen. Umgekehrt kann eine extrem formelle Sprache im Gruppenchat distanziert oder ironisch wirken.


Dialekt

Ein Dialekt ist eine regional gebundene Sprachvarietät. Dialekte können sich von der Standardsprache in Aussprache, Wortschatz, Grammatik und Satzbau unterscheiden. Sie sind nicht bloß „falsch ausgesprochenes Hochdeutsch“, sondern historisch gewachsene sprachliche Systeme.

Dialekte können Heimatverbundenheit, Nähe und regionale Identität ausdrücken. Gleichzeitig kann ein sehr ausgeprägter Dialekt für Menschen aus anderen Regionen schwer verständlich sein.


Hörbeispiel: Bairisch

Hörauftrag: Höre zunächst nur auf die Sprachmelodie. Höre danach noch einmal und achte auf Wörter, Lautformen oder Satzstrukturen, die Du von der Standardsprache unterscheiden kannst.


Hörbeispiel: Ostwestfälisches Niederdeutsch

Vergleichsauftrag: Welche Unterschiede hörst Du gegenüber dem bairischen Beispiel? Notiere Beobachtungen, ohne den Dialekt zu bewerten.


Hörbeispiel: Kölsch

Die Aufnahme entspricht inhaltlich der Frage „Wie geht es?“. Sie zeigt, dass sich Dialekt nicht nur durch einen „Akzent“, sondern auch durch eigene Lautformen und Schreibweisen sichtbar machen lässt.

Hier hörst Du einen kölschen Morgengruß. Überlege, in welchen Situationen ein regionaler Gruß Nähe schaffen kann und wann Du eher eine überregional verständliche Form wählen würdest.

Auch kurze Abschiedsformen können regionale Zugehörigkeit markieren.


Hörbeispiel: Alemannische Aussprache

Das Beispiel zeigt eine alemannische Aussprache. Vergleiche die Lautung mit der Form, die Du selbst verwenden würdest.


Video: Geschichte und Vielfalt deutscher Dialekte

Arbeitsauftrag: Erkläre nach dem Video, warum Dialekte historische Entwicklungen widerspiegeln. Unterscheide dabei zwischen der Entstehung regionaler Varietäten und der Funktion einer überregionalen Standardsprache.


Vier Varietäten im direkten Vergleich

Die folgenden Beispiele sind konstruiert, damit Du die Unterschiede möglichst klar vergleichen kannst. In der Wirklichkeit gibt es Übergänge und Mischformen.

Situation Standardsprache Umgangssprache mögliche Jugendsprache beispielhafte regionale Färbung
Verabredung „Treffen wir uns um 17 Uhr vor der Sporthalle?“ „Treffen wir uns um fünf vor der Halle?“ „Seid ihr um fünf am Start?“ „Treffe mer uns um fünf vor de Hall?“
Überraschung „Das überrascht mich wirklich.“ „Echt jetzt? Das hätte ich nicht gedacht.“ „Das ist ja komplett wild.“ „Des glaub i jetzt net.“
Zustimmung „Das halte ich für eine gute Idee.“ „Ja, klingt gut.“ „Safe, machen wir.“ „Jo, des passt.“
Aufforderung „Bitte beeil dich ein wenig.“ „Mach ein bisschen schneller.“ „Komm, zieh durch.“ „Mach hi, mir müsse los.“
Ablehnung „Das möchte ich nicht.“ „Nee, lieber nicht.“ „Fühl ich gar nicht.“ „Des will i net.“

Hinweis: Die regional gefärbten Beispiele sind keine vollständige Darstellung eines bestimmten Dialekts. Dialekte unterscheiden sich kleinräumig und lassen sich nicht zuverlässig durch wenige Schreibmerkmale abbilden.


Dasselbe Anliegen – verschiedene Adressaten

Ein besonders gutes Training besteht darin, denselben Inhalt für unterschiedliche Adressaten neu zu formulieren.

Ausgangssituation: Du kannst morgen nicht zu einem vereinbarten Termin kommen.

Adressat passende Formulierung Begründung
Freundin „Hey, ich schaff’s morgen leider doch nicht. Können wir verschieben?“ persönlich, knapp, freundlich
Klassenlehrer „Guten Tag Herr Klein, ich kann morgen leider nicht am vereinbarten Termin teilnehmen. Wäre ein Ersatztermin möglich?“ respektvoll und klar
Ausbildungsbetrieb „Sehr geehrte Frau Maier, leider kann ich den vereinbarten Termin morgen nicht wahrnehmen. Ich bitte um Entschuldigung und würde mich über einen Ersatztermin freuen.“ formell, höflich, vollständig
Team-Chat „Bin morgen leider nicht dabei. Könnt ihr mir danach kurz sagen, was besprochen wurde?“ informell, zweckorientiert


Code-Switching und Registerwechsel

Wenn Menschen zwischen Sprachen oder Sprachformen wechseln, spricht man je nach Fall von Code-Switching oder von einem Registerwechsel. Für diesen aiMOOC ist vor allem wichtig: Du kannst Deine Ausdrucksweise bewusst verändern.

Beispiel:

Auf dem Pausenhof: „Ey, hast du die Aufgabe schon?“

Im Unterricht zur Lehrkraft: „Entschuldigung, könnten Sie die Aufgabe noch einmal erklären?“

In einer E-Mail: „Sehr geehrte Frau König, ich habe eine Rückfrage zur Aufgabe für Freitag.“

Die sprechende Person hat nicht plötzlich „eine andere Persönlichkeit“. Sie nutzt verschiedene sprachliche Mittel, weil sich Situation und Adressat ändern.


Warum Sprachwechsel Kompetenz zeigen kann

Wer nur eine einzige Sprachform verwenden kann, ist kommunikativ weniger flexibel. Wer dagegen erkennt, welche Wirkung bestimmte sprachliche Mittel haben, kann bewusster entscheiden.

Ein Dialekt kann Nähe erzeugen. Standardsprache kann Verständlichkeit sichern. Jugendsprache kann Gruppenzugehörigkeit markieren. Umgangssprache kann Gespräche locker und natürlich wirken lassen.

Sprachbewusst handeln bedeutet deshalb: Wirkung einschätzen, Verantwortung übernehmen und bei Bedarf die eigene Formulierung anpassen.


Sprachliche Wirkung untersuchen

Eine gute Analyse benennt nicht nur ein Merkmal, sondern erklärt seine Wirkung.

Schwach: „Das ist Umgangssprache.“

Besser: „Die Verkürzung ‚hab’s‘ und die lockere Wendung ‚passt schon‘ wirken mündlich und vertraut. Deshalb passt die Äußerung gut zu einem Gespräch unter Freunden, aber weniger zu einem formellen Praktikumsbericht.“

Nutze für Analysen das Muster:

Merkmal → Beispiel → Wirkung → Situation → Bewertung


Analysemodell

Schritt Leitfrage
Merkmal Welche sprachliche Besonderheit fällt auf?
Beleg An welchem Wort oder Satzteil erkennst Du sie?
Wirkung Wirkt die Äußerung sachlich, locker, vertraut, distanziert, witzig, regional oder gruppenbezogen?
Situation Wer spricht mit wem, wo und mit welchem Ziel?
Bewertung Ist die Sprachwahl für diese Situation angemessen?


Video: Überblick über Sprachvarietäten

Videoanalyse: Erstelle während des Sehens eine Tabelle mit den Begriffen Standardsprache, Umgangssprache, Soziolekt, Regiolekt und Dialekt. Notiere jeweils Definition, Beispiel und typische Verwendungssituation.


Video: Sprache, Wandel und Varietäten

Transferfrage: Warum verändert sich Sprache überhaupt? Verbinde Deine Antwort mit Jugendsprache, Medien, regionalen Unterschieden und neuen Kommunikationsformen.


Typische Fehler bei der Beurteilung von Sprachvarietäten

Fehler 1: „Dialekt ist falsches Deutsch.“ Korrektur: Dialekte sind historisch gewachsene regionale Sprachsysteme mit eigenen Regeln.

Fehler 2: „Jugendsprache sprechen alle Jugendlichen gleich.“ Korrektur: Jugendliche verwenden sehr unterschiedliche Stile. Alter allein erklärt Sprachgebrauch nicht.

Fehler 3: „Umgangssprache ist immer grammatisch falsch.“ Korrektur: Viele umgangssprachliche Formen folgen eigenen, im Alltag üblichen Mustern. Entscheidend ist die Situation.

Fehler 4: „Standardsprache ist immer die beste Wahl.“ Korrektur: Eine sehr formelle Ausdrucksweise kann unter Freunden unnatürlich oder distanziert wirken.

Fehler 5: „Wer Dialekt oder Jugendsprache verwendet, kann keine Standardsprache.“ Korrektur: Viele Menschen beherrschen mehrere Varietäten und wechseln bewusst zwischen ihnen.


Entscheidungstraining: Welche Sprachform passt?

Situation 1: Bewerbungsgespräch Du möchtest zuverlässig und kompetent wirken. Standardsprache ist in der Regel die sicherste Wahl. Eine leichte regionale Färbung muss dabei kein Problem sein.

Situation 2: Gespräch mit Freunden Umgangssprache oder gruppentypische Ausdrücke können Nähe schaffen. Eine übertrieben formelle Sprache könnte distanziert wirken.

Situation 3: Referat in der Schule Standardsprache hilft bei Verständlichkeit und Sachlichkeit. Einzelne lockere Formulierungen können möglich sein, wenn sie bewusst eingesetzt werden und zum Thema passen.

Situation 4: Familienfeier in einer Dialektregion Dialekt kann Zugehörigkeit und Vertrautheit ausdrücken. Wenn Personen aus anderen Regionen teilnehmen, kann ein Wechsel zu einer verständlicheren Form sinnvoll sein.

Situation 5: öffentlicher Social-Media-Beitrag Du weißt nicht genau, wer Deinen Beitrag liest. Deshalb solltest Du überlegen, ob gruppenspezifische oder sehr regionale Ausdrücke missverstanden werden könnten.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was kennzeichnet Standardsprache am besten? (Sie ist überregional verständlich und an sprachlichen Normen orientiert) (!Sie wird ausschließlich in Büchern verwendet) (!Sie enthält grundsätzlich keine regionalen Merkmale) (!Sie darf nur von Erwachsenen gesprochen werden)




Welche Aussage zur Umgangssprache ist richtig? (Sie wird häufig in informellen Alltagssituationen verwendet) (!Sie ist immer grammatisch falsch) (!Sie kommt ausschließlich in schriftlichen Texten vor) (!Sie ist mit jedem Dialekt identisch)




Welche Aussage über Jugendsprache trifft zu? (Es gibt unterschiedliche jugendsprachliche Stile und keine einheitliche Jugendsprache) (!Alle Jugendlichen verwenden dieselben Wörter) (!Jugendsprache verändert sich nie) (!Jugendsprache besteht nur aus englischen Wörtern)




Was ist ein Dialekt? (Eine regional gebundene Sprachvarietät) (!Eine offizielle Rechtschreibregel) (!Eine ausschließlich schriftliche Sprachform) (!Eine Fremdsprache ohne Bezug zum Deutschen)




Was bedeutet adressatengerechter Sprachgebrauch? (Die Ausdrucksweise wird an die angesprochene Person angepasst) (!Jede Person erhält exakt dieselbe Formulierung) (!Man verwendet immer Jugendsprache) (!Man vermeidet jede Form von Standardsprache)




Welche Formulierung passt am ehesten in eine formelle E-Mail an einen Betrieb? (Könnten Sie mir bitte den Termin bestätigen) (!Ey wann geht das morgen los) (!Bin morgen safe am Start) (!Wann gehts denn los Leute)




Welche Wirkung kann ein Dialekt in einer vertrauten regionalen Situation haben? (Er kann Nähe und regionale Zugehörigkeit ausdrücken) (!Er verhindert grundsätzlich jede Verständigung) (!Er macht jede Aussage automatisch unhöflich) (!Er ist nur in historischen Texten möglich)




Welche Beobachtung ist für eine Varietätenanalyse besonders sinnvoll? (Wortwahl Aussprache Satzbau und Situation gemeinsam untersuchen) (!Nur auf die Länge des Textes achten) (!Nur die Zahl der Satzzeichen zählen) (!Nur das Alter der sprechenden Person betrachten)




Was zeigt ein bewusster Registerwechsel? (Die sprechende Person kann ihre Sprache an verschiedene Situationen anpassen) (!Die sprechende Person hat ihre Meinung geändert) (!Die sprechende Person kennt keine Standardsprache) (!Die sprechende Person macht automatisch einen Fehler)




Welche Begründung beurteilt Sprachgebrauch am besten? (Die Formulierung wirkt locker und passt deshalb gut zu einem Gespräch unter Freunden) (!Der Satz ist kurz und deshalb immer Umgangssprache) (!Das Wort klingt komisch und ist deshalb falsch) (!Jugendliche sprechen grundsätzlich keinen Dialekt)





Memory

Standardsprache überregionale Verständlichkeit
Umgangssprache informeller Alltag
Jugendsprache gruppenbezogene Kreativität
Dialekt regionale Sprachform
Adressat angesprochene Person
Registerwechsel situationsbezogene Anpassung
Sprachwirkung Eindruck einer Formulierung
Kommunikationsziel beabsichtigte Wirkung





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Standardsprache formelle Präsentation
Umgangssprache Gespräch unter Bekannten
Jugendsprache gruppenbezogener Sprachstil
Dialekt regionale Zugehörigkeit
Adressatenorientierung Anpassung an die angesprochene Person
Situationsorientierung Anpassung an den kommunikativen Rahmen
Registerwechsel bewusster Wechsel der Ausdrucksweise
Sprachwirkung Eindruck beim Gegenüber






Kreuzworträtsel

Standardsprache Welche Varietät ist besonders überregional verständlich und normorientiert?
Dialekt Wie heißt eine regional gebundene Sprachvarietät?
Adressat Wie nennt man die Person an die sich eine Äußerung richtet?
Register Wie nennt man eine situationsabhängige sprachliche Ausdrucksebene?
Soziolekt Wie heißt eine Sprachvarietät die mit einer sozialen Gruppe verbunden ist?
Wortwahl Welcher sprachliche Bereich verändert sich häufig zwischen formellen und informellen Situationen?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Eine überregional verständliche und normorientierte Form des Deutschen nennt man

. Im informellen Alltag wird häufig

verwendet. Gruppenbezogene sprachliche Stile Jugendlicher werden unter dem Begriff

zusammengefasst. Eine regional gebundene Sprachvarietät heißt

. Die Person, an die eine Äußerung gerichtet ist, nennt man

. Wer seine Sprache an die jeweilige Situation anpasst, handelt

. Wer die Bedürfnisse und Erwartungen der angesprochenen Person berücksichtigt, formuliert

. Ein bewusster Wechsel zwischen unterschiedlichen Ausdrucksweisen kann als

beschrieben werden. Bei einer guten Analyse wird nicht nur das Merkmal genannt, sondern auch seine

erklärt. Sprachliche Flexibilität zeigt sich darin, dass man zwischen unterschiedlichen Varietäten bewusst

kann.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Sprachdetektiv: Sammle fünf Formulierungen aus Deinem Alltag und ordne sie Standardsprache, Umgangssprache, Jugendsprache oder Dialekt zu. Begründe jede Zuordnung mit mindestens einem Merkmal.
  2. Vier Versionen: Formuliere die Aussage „Ich komme heute später“ in vier verschiedenen Sprachstilen. Erkläre, für welche Adressaten die Versionen geeignet sind.
  3. Hörvergleich: Höre zwei Dialektaufnahmen aus diesem aiMOOC und notiere Unterschiede in Aussprache, Sprachmelodie und Wortformen.
  4. Chat und E-Mail: Schreibe denselben Terminwunsch einmal als Nachricht an einen Freund und einmal als formelle E-Mail an einen Ausbildungsbetrieb.


Standard

  1. Sprachporträt: Beobachte einen Tag lang Deine eigene Sprache. Dokumentiere mindestens sechs Situationen und beschreibe, wie Du Deine Ausdrucksweise jeweils verändert hast.
  2. Interview zu Dialekt: Befrage eine Person aus Deiner Region dazu, wann sie Dialekt, Umgangssprache oder Standardsprache verwendet. Werte die Antworten nach Situation, Adressat und Wirkung aus.
  3. Jugendsprache im Wandel: Sammle zehn Ausdrücke, die in verschiedenen Altersgruppen unterschiedlich bekannt sind. Befrage mindestens drei Personen verschiedener Altersgruppen und werte die Ergebnisse aus.
  4. Rollenspiel Sprachwechsel: Entwickelt zu zweit eine Szene, in der dieselbe Person zuerst mit einer Freundin, dann mit einer Lehrkraft und anschließend mit einem Betrieb spricht. Führt die Szene auf und markiert die Registerwechsel.


Schwer

  1. Sprachwirkung im Video: Wähle ein öffentlich zugängliches Interview oder Video ohne beleidigenden Inhalt. Analysiere mindestens acht sprachliche Merkmale und erkläre ihre Wirkung auf die angesprochene Zielgruppe.
  2. Varietäten-Podcast: Produziere einen drei- bis fünfminütigen Podcast, in dem Du Standardsprache, Umgangssprache, Jugendsprache und Dialekt erklärst und mit selbst entwickelten Beispielen vergleichst.
  3. Sprachberatung: Erstelle einen Leitfaden für jüngere Schülerinnen und Schüler mit dem Titel „Welche Sprache passt wann?“. Entwickle mindestens sechs Situationen und begründe jeweils eine geeignete Sprachwahl.
  4. Sprachliche Identität: Verfasse einen reflektierenden Text darüber, wie Region, Freundeskreis, Familie, Schule und digitale Medien Deinen eigenen Sprachgebrauch beeinflussen. Unterscheide Beobachtung, Beispiel und Bewertung.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Kommunikationsanalyse: Eine Schülerin schreibt an einen Praktikumsbetrieb: „Hi, wollte mal fragen, wann ich morgen da sein soll.“ Analysiere die Sprachform, erkläre zwei mögliche Wirkungen und formuliere eine passendere Version.
  2. Registerwechsel begründen: Erkläre anhand eines selbst gewählten Beispiels, warum dieselbe Person innerhalb eines Tages zwischen Standardsprache, Umgangssprache und Dialekt wechseln kann, ohne sich zu widersprechen.
  3. Sprachwirkung vergleichen: Vergleiche „Könnten Sie mir bitte helfen?“ mit „Kannste mir mal helfen?“ Untersuche Wortform, Beziehung zwischen den Gesprächspartnern, mögliche Situation und Wirkung.
  4. Jugendsprache bewerten: Begründe, warum die Aussage „Jugendsprache ist schlechtes Deutsch“ sprachwissenschaftlich zu einfach ist. Beziehe Funktionen wie Zugehörigkeit, Kreativität und Situationsangemessenheit ein.
  5. Dialekt und Verständlichkeit: Entwickle eine Situation, in der Dialekt besonders passend ist, und eine zweite, in der Standardsprache sinnvoller wäre. Begründe Deine Entscheidung jeweils aus Sicht der Adressaten.
  6. Medienwechsel: Formuliere dieselbe Bitte als mündliche Äußerung, Chatnachricht und formelle E-Mail. Erkläre danach, welche sprachlichen Veränderungen durch das jeweilige Medium nötig wurden.




Lernnachweis

Für einen erfolgreichen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du Zusammenhänge erklären und Sprache bewusst anwenden kannst.

  1. Du definierst Standardsprache, Umgangssprache, Jugendsprache und Dialekt fachlich korrekt.
  2. Du erkennst typische Merkmale in Wortwahl, Aussprache, Satzbau und Grammatik.
  3. Du vermeidest pauschale Wertungen wie „richtig“ gegen „falsch“, wenn eigentlich die Angemessenheit einer Sprachform beurteilt werden muss.
  4. Du analysierst sprachliche Beispiele mit dem Muster Merkmal, Beleg, Wirkung, Situation und Bewertung.
  5. Du formulierst dieselbe Aussage für unterschiedliche Adressaten und Kommunikationssituationen neu.
  6. Du begründest, warum ein Registerwechsel kommunikativ sinnvoll sein kann.
  7. Du reflektierst den Zusammenhang von Sprache, Gruppe, Region, Identität und Medien.
  8. Du kannst eine unangemessene Äußerung überarbeiten und Deine Änderungen nachvollziehbar begründen.




OERs zum Thema

Weitere frei zugängliche Vertiefung:

  1. Landesbildungsserver Baden-Württemberg: Materialien zu Sprachvarietäten des Neuhochdeutschen und Unterrichtsideen für die Sekundarstufe.
  2. Bildungsplan Baden-Württemberg: Kompetenzbereich „Funktion von Äußerungen“ mit dem Schwerpunkt auf der angemessenen Verwendung von Standardsprache, Umgangssprache, Dialekt sowie Gruppen- und Jugendsprachen.
  3. Goethe-Institut: Unterrichtsmaterialien zu Jugendlichen und Jugendsprache.
  4. Wikimedia Commons: freie Karten und Hörbeispiele zu deutschen Dialekten.


Verknüpfte Lernbereiche


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