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D9 M - Prädikat, Satzglieder und Valenz

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D9 M - Prädikat, Satzglieder und Valenz




D9 M - Prädikat, Satzglieder und Valenz


Einleitung

Ein Satz ist nicht einfach eine beliebige Folge von Wörtern. Besonders wichtig ist das Prädikat: Es bildet den grammatischen Kern des Satzes und bestimmt zusammen mit seiner Bedeutung, welche weiteren Satzglieder auftreten können oder müssen. Genau hier setzt die Valenz an.

Du kannst Dir ein Verb wie ein Wort mit bestimmten Leerstellen vorstellen. Das Verb schlafen verlangt normalerweise nur jemanden, der schläft: Mila schläft. Das Verb geben eröffnet dagegen mehrere Stellen: Jemand gibt jemandem etwas. Aus dem Verb entstehen dadurch typische Satzmodelle.

In diesem aiMOOC untersuchst Du auf dem M-Niveau der Klasse 9, wie Prädikate, Satzglieder und Valenz zusammenhängen. Du lernst, vom Verb abhängige Ergänzungen von frei hinzufügbaren Angaben zu unterscheiden, verschiedene Ergänzungstypen zu bestimmen und Satzmodelle selbst zu analysieren.

Das Bild zeigt einen Dependenzbaum zu einem deutschen Satz. Solche Darstellungen machen sichtbar, dass andere Satzteile in bestimmten Beziehungen zum Verb stehen.


Lernziele

Nach diesem aiMOOC kannst Du erklären, warum das Prädikat als Zentrum eines Satzes betrachtet werden kann. Du kannst verschiedene Satzglieder bestimmen, die Valenz ausgewählter Verben untersuchen, Satzmodelle aufstellen und zwischen Ergänzungen und Angaben unterscheiden. Außerdem kannst Du begründen, warum unterschiedliche Verben unterschiedliche Satzstrukturen verlangen.


Das Prädikat als Satzkern

Das Prädikat sagt aus, was geschieht, was jemand tut oder in welchem Zustand sich jemand befindet. Im Deutschen besteht es aus mindestens einer Verbform. Es kann einteilig oder mehrteilig sein.

Einteiliges Prädikat:

Noah liest.

Das Prädikat lautet: liest.

Mehrteiliges Prädikat:

Noah hat einen Roman gelesen.

Das Prädikat lautet: hat gelesen.

Auch bei trennbaren Verben kann ein Prädikat aus mehreren Teilen bestehen:

Noah schlägt das Wörterbuch auf.

Das Prädikat lautet: schlägt ... auf.

Für die Valenz ist vor allem die Bedeutung des Vollverbs beziehungsweise des gesamten bedeutungstragenden Prädikats wichtig. Bei hat gelesen bestimmt inhaltlich insbesondere lesen, welche Ergänzungen möglich sind.

Ein Syntaxbaum kann zeigen, wie die Verbform mit anderen Teilen des Satzes zusammenhängt. Die genaue Darstellung hängt vom grammatischen Modell ab.


Die Satzklammer

Mehrteilige Prädikate können im deutschen Hauptsatz eine Satzklammer bilden.

Vorfeld linke Satzklammer Mittelfeld rechte Satzklammer
Mia hat ihrem Bruder das Buch gegeben.
Der Zug wird vermutlich pünktlich ankommen.
Ben räumt sein Zimmer auf.

Die Satzklammer ist für die Valenzanalyse wichtig, weil Du alle Teile des Prädikats gemeinsam betrachten musst.


Satzglieder erkennen

Satzglieder sind Einheiten, die innerhalb eines Satzes bestimmte syntaktische Funktionen übernehmen. Typische Satzglieder sind Subjekt, Objekte, Adverbiale und Prädikative.

Eine wichtige Methode ist die Verschiebeprobe. Was gemeinsam an eine andere Stelle im Satz verschoben werden kann, bildet häufig ein Satzglied.

Ausgangssatz:

Am Nachmittag erklärt die Lehrerin den Schülerinnen die Aufgabe.

Verschoben:

Den Schülerinnen erklärt die Lehrerin am Nachmittag die Aufgabe.

Die Aufgabe erklärt die Lehrerin den Schülerinnen am Nachmittag.

Die Gruppen am Nachmittag, die Lehrerin, den Schülerinnen und die Aufgabe verhalten sich jeweils als Satzglieder.

Die Verschiebeprobe zeigt Dir jedoch nicht automatisch, ob ein Satzglied vom Verb verlangt wird. Dafür brauchst Du die Valenzanalyse.


Valenz: Was verlangt ein Verb?

Die Valenz beschreibt die Fähigkeit eines Verbs oder Prädikats, bestimmte Ergänzungen zu eröffnen und deren Form mitzubestimmen. Man spricht auch von der Wertigkeit eines Verbs.

Das Verb schlafen eröffnet in einem einfachen Satz typischerweise eine Stelle:

Lea schläft.

Das Verb helfen eröffnet typischerweise zwei Stellen:

Lea hilft ihrem Bruder.

Das Verb geben kann drei Stellen eröffnen:

Lea gibt ihrem Bruder ein Heft.

Du kannst die Struktur so lesen:

geben → jemand gibt jemandem etwas

Damit liefert das Verb einen Satzbauplan.

Ein Dependenzbaum verdeutlicht die Idee, dass Wörter und Satzteile in Abhängigkeitsbeziehungen stehen. Für Deine schulische Analyse genügt es, diese Beziehungen in Satzmodellen auszudrücken.


Ergänzungen und Angaben

Eine Ergänzung ist eng an die Bedeutung und den Satzbauplan eines Verbs gebunden. Eine Angabe liefert zusätzliche Informationen, etwa über Zeit, Ort, Grund oder Art und Weise, ohne dass sie von genau diesem Verb gefordert wird.

Vergleiche:

Lina legt das Buch auf den Tisch.

Das Verb legen verlangt außer einem Handelnden und dem bewegten Gegenstand typischerweise auch ein Ziel oder einen Ort, an dem etwas abgelegt wird. auf den Tisch ist deshalb eine vom Verb abhängige Ergänzung.

Nun erweitern wir den Satz:

Lina legt das Buch am Morgen vorsichtig auf den Tisch.

am Morgen und vorsichtig können frei ergänzt werden. Sie sind Angaben.

Ein wichtiges Prinzip lautet:

Ergänzungen gehören zum Satzbauplan des Verbs. Angaben beschreiben zusätzliche Umstände.

Die Grenze ist nicht immer allein mit einer Weglassprobe bestimmbar. Manche Ergänzungen können im Kontext unausgesprochen bleiben. Deshalb musst Du immer die Bedeutung des Verbs und den konkreten Satz berücksichtigen.


Obligatorische und fakultative Ergänzungen

Manche Ergänzungen sind im gegebenen Satzmodell praktisch notwendig.

Mara wohnt in Freiburg.

Bei wohnen erwartet man normalerweise eine Ortsangabe, wenn die Aussage vollständig konkretisiert werden soll.

Andere Ergänzungen können im Kontext entfallen:

Tom liest.

Tom liest den Artikel.

Das Akkusativobjekt den Artikel gehört zu einer möglichen Lesart des Verbs lesen, kann aber unausgesprochen bleiben, wenn nur die Tätigkeit gemeint ist oder aus dem Kontext klar ist, was gelesen wird.

Deshalb ist die Frage Kann ich das Satzglied weglassen? hilfreich, aber nicht allein entscheidend.


Typische Ergänzungen


Subjektergänzung

In vielen schulischen Valenzmodellen wird auch das Subjekt als Ergänzung des Verbs betrachtet.

Sara schläft.

Sara steht im Nominativ und ist die Subjektergänzung.

Satzmodell:

Subjekt + Prädikat


Akkusativergänzung

Viele Verben verlangen oder ermöglichen ein Akkusativobjekt.

Sara öffnet die Tür.

Frageprobe:

Wen oder was öffnet Sara?die Tür

Satzmodell:

Subjekt + Prädikat + Akkusativobjekt


Dativergänzung

Einige Verben verlangen ein Dativobjekt.

Sara hilft ihrem Bruder.

Frageprobe:

Wem hilft Sara?ihrem Bruder

Satzmodell:

Subjekt + Prädikat + Dativobjekt


Dativ- und Akkusativergänzung

Dreiwertige Verben können zwei Objekte verlangen oder ermöglichen.

Sara gibt ihrem Bruder einen Schlüssel.

ihrem Bruder = Dativobjekt

einen Schlüssel = Akkusativobjekt

Satzmodell:

Subjekt + Prädikat + Dativobjekt + Akkusativobjekt


Präpositionalergänzung

Bei einem Präpositionalobjekt legt das Verb häufig eine bestimmte Präposition fest.

Sara wartet auf den Bus.

Das Verb warten verbindet sich in dieser Bedeutung mit auf.

Sara spricht über den Film.

Das Verb sprechen kann in dieser Bedeutung mit über verbunden werden.

Die Präposition ist hier nicht beliebig austauschbar.

Das Video zeigt besonders den Unterschied zwischen Präpositionalobjekt und adverbialer Bestimmung. Genau diese Unterscheidung ist für die Valenzanalyse wichtig.


Genitivergänzung

Einige Verben können ein Genitivobjekt verlangen. Solche Verben sind im heutigen Deutsch vergleichsweise selten und wirken teilweise gehoben.

Wir gedenken der Opfer.

Frageprobe:

Wessen gedenken wir?der Opfer

Satzmodell:

Subjekt + Prädikat + Genitivobjekt


Prädikativergänzung

Verben wie sein, werden oder bleiben können ein Prädikativ verlangen.

Mina ist Klassensprecherin.

Der Himmel wird dunkel.

Jonas bleibt ruhig.

Das Prädikativ beschreibt eine Eigenschaft, einen Zustand oder eine Zuordnung zum Subjekt.

Satzmodell:

Subjekt + Kopulaverb + Prädikativ


Adverbialergänzung

Nicht jede Orts-, Zeit- oder Richtungsbestimmung ist automatisch eine freie Angabe. Manche Verben verlangen eine solche Ergänzung aufgrund ihrer Bedeutung.

Mila wohnt in Karlsruhe.

Mila legt die Mappe auf den Tisch.

Die Besprechung dauert zwei Stunden.

Die Ausdrücke in Karlsruhe, auf den Tisch und zwei Stunden können als vom Verb geforderte oder eng eröffnete Adverbialergänzungen analysiert werden.


Satzmodelle im Überblick

Die folgenden Satzmodelle zeigen typische Strukturen. In konkreten Texten können Verben mehrere Bedeutungen und damit mehrere Valenzmuster haben.

Verb Satzmodell Beispiel Vom Verb abhängige Ergänzungen
schlafen Subjekt + Prädikat Lena schläft. Subjekt
lachen Subjekt + Prädikat Emir lacht. Subjekt
helfen Subjekt + Prädikat + Dativobjekt Mia hilft ihrer Freundin. Subjekt, Dativobjekt
begegnen Subjekt + Prädikat + Dativobjekt Mia begegnet ihrem Lehrer. Subjekt, Dativobjekt
öffnen Subjekt + Prädikat + Akkusativobjekt Noah öffnet das Fenster. Subjekt, Akkusativobjekt
beobachten Subjekt + Prädikat + Akkusativobjekt Noah beobachtet den Vogel. Subjekt, Akkusativobjekt
geben Subjekt + Prädikat + Dativobjekt + Akkusativobjekt Aylin gibt ihrem Bruder einen Stift. Subjekt, Dativobjekt, Akkusativobjekt
erzählen Subjekt + Prädikat + Dativobjekt + Akkusativobjekt Aylin erzählt ihrer Freundin eine Geschichte. Subjekt, Dativobjekt, Akkusativobjekt
warten Subjekt + Prädikat + Präpositionalobjekt Ben wartet auf den Bus. Subjekt, Präpositionalobjekt
abhängen Subjekt + Prädikat + Präpositionalobjekt Der Erfolg hängt von der Vorbereitung ab. Subjekt, Präpositionalobjekt
denken Subjekt + Prädikat + Präpositionalobjekt Lina denkt an die Prüfung. Subjekt, Präpositionalobjekt
bitten Subjekt + Prädikat + Akkusativobjekt + Präpositionalobjekt Lina bittet ihren Bruder um Hilfe. Subjekt, Akkusativobjekt, Präpositionalobjekt
wohnen Subjekt + Prädikat + Adverbialergänzung Sam wohnt in Ulm. Subjekt, Ortsergänzung
legen Subjekt + Prädikat + Akkusativobjekt + Adverbialergänzung Sam legt den Schlüssel auf den Tisch. Subjekt, Akkusativobjekt, Richtung- oder Ortsergänzung
sein Subjekt + Prädikat + Prädikativ Nora ist Ärztin. Subjekt, Prädikativ
werden Subjekt + Prädikat + Prädikativ Der Himmel wird dunkel. Subjekt, Prädikativ
gedenken Subjekt + Prädikat + Genitivobjekt Die Gemeinde gedenkt der Verstorbenen. Subjekt, Genitivobjekt
beschuldigen Subjekt + Prädikat + Akkusativobjekt + Genitivobjekt Die Zeugin beschuldigt ihn des Betrugs. Subjekt, Akkusativobjekt, Genitivobjekt


Valenz und Verbbedeutung

Die Valenz gehört nicht einfach nur zur äußeren Form eines Verbs. Sie hängt eng mit seiner Bedeutung zusammen. Dasselbe Verb kann in verschiedenen Bedeutungen unterschiedliche Satzmodelle ermöglichen.

Beispiel schreiben:

Tina schreibt.

Hier steht nur das Subjekt ausdrücklich im Satz.

Tina schreibt einen Bericht.

Hier tritt zusätzlich ein Akkusativobjekt auf.

Tina schreibt ihrem Lehrer einen Bericht.

Hier kommen Dativobjekt und Akkusativobjekt hinzu.

Die möglichen Ergänzungen hängen davon ab, welche Bedeutung und welche Konstruktion des Verbs im konkreten Zusammenhang verwendet wird.


Ein Verb, mehrere Muster

Beispiel sprechen:

Mira spricht.

Mira spricht mit ihrer Freundin.

Mira spricht über das Praktikum.

Mira spricht mit ihrer Freundin über das Praktikum.

Die Präpositionalgruppen können unterschiedliche semantische Rollen übernehmen: Gesprächspartner und Gesprächsthema.

Beispiel fahren:

Der Bus fährt.

Der Bus fährt nach Stuttgart.

Der Bus fährt von Ulm nach Stuttgart.

Je nach Aussageabsicht werden Startpunkt und Ziel genannt. Solche Beispiele zeigen, dass Valenz nicht mechanisch mit einer einzigen festen Zahl für jedes Verb gleichgesetzt werden darf.


Ergänzung oder Angabe? Strategien zur Analyse

Um zu entscheiden, ob ein Satzglied eine Ergänzung oder eine Angabe ist, kombinierst Du mehrere Beobachtungen.

Probe Frage Nutzen Grenze
Weglassprobe Bleibt der Satz ohne das Satzglied sinnvoll und grammatisch? Kann Hinweise auf notwendige Ergänzungen geben Auch Ergänzungen können im Kontext unausgesprochen bleiben
Frageprobe Welche Frage passt zum Satzglied? Hilft bei der Bestimmung von Kasusobjekten Zeigt nicht zuverlässig, ob etwas Ergänzung oder Angabe ist
Präpositionsprobe Wird die Präposition vom Verb festgelegt? Hilft beim Präpositionalobjekt Manche Adverbiale haben ebenfalls Präpositionen
Verbwechselprobe Ändert sich mit dem Verb die verlangte Präposition oder Form? Zeigt die Bindung an das Verb Bedeutung und Kontext müssen beachtet werden
Erweiterungsprobe Kann dieselbe Zeit-, Orts- oder Artangabe bei vielen verschiedenen Verben stehen? Spricht oft für eine freie Angabe Manche Verben verlangen gerade eine Orts- oder Richtungsergänzung


Beispielanalyse 1

Jule wartet seit zwanzig Minuten auf ihre Freundin.

Prädikat: wartet

Subjekt: Jule

Präpositionalobjekt: auf ihre Freundin

Zeitangabe: seit zwanzig Minuten

Das Verb warten legt in der Bedeutung auf jemanden oder etwas warten die Präposition auf fest. Die Dauer kann dagegen bei sehr vielen Tätigkeiten angegeben werden.

Satzmodell:

Subjekt + Prädikat + Präpositionalobjekt + freie Zeitangabe


Beispielanalyse 2

Am Abend legt Karim vorsichtig das Handy auf den Schreibtisch.

Prädikat: legt

Subjekt: Karim

Akkusativobjekt: das Handy

Adverbialergänzung: auf den Schreibtisch

Zeitangabe: am Abend

Artangabe: vorsichtig

Das Verb legen beschreibt eine gezielte Ortsveränderung beziehungsweise Positionierung. Deshalb gehört die Zielangabe eng zum Satzmodell.


Beispielanalyse 3

Die Schülerin erklärt ihrem Mitschüler geduldig die Aufgabe.

Prädikat: erklärt

Subjekt: die Schülerin

Dativobjekt: ihrem Mitschüler

Akkusativobjekt: die Aufgabe

Artangabe: geduldig

Satzmodell:

Subjekt + Prädikat + Dativobjekt + Akkusativobjekt + freie Artangabe


Beispielanalyse 4

Der Erfolg hängt stark von der Vorbereitung ab.

Prädikat: hängt ... ab

Subjekt: der Erfolg

Präpositionalobjekt: von der Vorbereitung

Gradangabe: stark

Die Präposition von gehört zur Konstruktion von etwas abhängen.


Warum Dependenzmodelle hilfreich sind

In der Dependenzgrammatik wird besonders deutlich dargestellt, dass Wörter in Abhängigkeitsbeziehungen zueinander stehen. Für die schulische Valenzanalyse ist die zentrale Idee entscheidend: Das Verb eröffnet Stellen für bestimmte Mitspieler.

Es gibt unterschiedliche grafische Möglichkeiten, Abhängigkeiten darzustellen. Für Deine Arbeit reichen Satzmodelle wie:

geben → jemand gibt jemandem etwas

warten → jemand wartet auf jemanden oder etwas

legen → jemand legt etwas irgendwohin

sein → jemand oder etwas ist jemand, etwas oder irgendwie beschaffen


Vom Satzmodell zum eigenen Satz

Aus einem Satzmodell kannst Du selbst passende Sätze bilden.

Modell:

Subjekt + Prädikat + Dativobjekt + Akkusativobjekt

Mögliche Sätze:

Die Trainerin zeigt der Mannschaft eine neue Übung.

Der Vater schenkt seiner Tochter ein Fahrrad.

Mina leiht ihrem Freund einen Taschenrechner.

Wichtig ist nicht die Reihenfolge der Satzglieder im Satz, sondern ihre Funktion. Deshalb kann auch folgender Satz dasselbe Grundmodell haben:

Einen Taschenrechner leiht Mina ihrem Freund.


Satzstellung und Satzgliedfunktion

Deutsch erlaubt im Hauptsatz eine relativ flexible Reihenfolge von Satzgliedern. Die Funktion eines Satzglieds ändert sich nicht automatisch, wenn Du es verschiebst.

Die Lehrerin gibt dem Schüler das Heft.

Dem Schüler gibt die Lehrerin das Heft.

Das Heft gibt die Lehrerin dem Schüler.

In allen drei Sätzen ist:

die Lehrerin = Subjekt

dem Schüler = Dativobjekt

das Heft = Akkusativobjekt

Das finite Verb steht im Aussagesatz typischerweise an zweiter Position. Diese Stellung darfst Du nicht mit der Valenz verwechseln: Valenz betrifft die Beziehungen zwischen Verb und Ergänzungen, nicht einfach die lineare Wortreihenfolge.

Auch komplexere Sätze lassen sich als Netz von Abhängigkeiten untersuchen. Bei literarischen Sätzen wird schnell sichtbar, wie viele Strukturen zusammenwirken.


Sonderfälle und Stolpersteine


Das formale es

Bei Wetterverben tritt häufig ein formales es auf:

Es regnet.

Dieses es bezeichnet keine handelnde Person und keinen konkreten Gegenstand. Je nach grammatischer Theorie wird die Wertigkeit solcher Verben unterschiedlich beschrieben. Für die Schule genügt die Feststellung, dass es hier eine grammatische Funktion erfüllt, ohne einen eigenständigen Beteiligten des Geschehens zu bezeichnen.


Reflexive Verben

Bei manchen Verben gehört ein Reflexivpronomen fest zur Verbkonstruktion.

Lina interessiert sich für Astronomie.

Prädikat: interessiert sich

Präpositionalobjekt: für Astronomie

Bei der Analyse darfst Du das Reflexivpronomen nicht einfach wie ein beliebiges Akkusativobjekt behandeln, wenn es Bestandteil des reflexiven Verbs ist.


Gleiche Präposition, unterschiedliche Funktion

Vergleiche:

Lina wartet auf den Bus.

Hier ist auf den Bus ein Präpositionalobjekt, weil das Verb warten in dieser Bedeutung die Präposition auf festlegt.

Lina steht auf dem Bahnsteig.

Hier beschreibt auf dem Bahnsteig den Ort. Die Präposition wird nicht durch stehen in derselben Weise festgelegt.


Gleiche Form, unterschiedliche Bedeutung

Ein Akkusativ kann verschiedene semantische Rollen haben.

Die Katze jagt die Maus.

Der Kinobesuch kostet zehn Euro.

Das Training dauert eine Stunde.

Darum darfst Du grammatische Funktionen nicht nur nach der Bedeutung bestimmen. Form, Verb und Satzmodell müssen gemeinsam betrachtet werden.


Lernstrategie: Valenz in fünf Schritten

  1. Prädikat bestimmen: Markiere zuerst alle Teile des Prädikats.
  2. Verb verstehen: Kläre die konkrete Bedeutung des Verbs im Satz.
  3. Satzglieder bestimmen: Nutze Verschiebeprobe und Frageprobe.
  4. Ergänzungen prüfen: Untersuche, welche Satzglieder durch das Verb eröffnet oder in ihrer Form festgelegt werden.
  5. Angaben abgrenzen: Prüfe, welche Informationen frei hinzugefügt werden können.


Mini-Training mit Satzmodellen

Bestimme jeweils das Prädikat und ordne das passende Grundmodell zu.

Satz Prädikat Grundmodell
Nora schläft. schläft Subjekt + Prädikat
Nora hilft ihrem Bruder. hilft Subjekt + Prädikat + Dativobjekt
Nora liest die Nachricht. liest Subjekt + Prädikat + Akkusativobjekt
Nora schenkt ihrem Bruder ein Buch. schenkt Subjekt + Prädikat + Dativobjekt + Akkusativobjekt
Nora wartet auf den Zug. wartet Subjekt + Prädikat + Präpositionalobjekt
Nora legt das Buch auf den Tisch. legt Subjekt + Prädikat + Akkusativobjekt + Adverbialergänzung
Nora ist Klassensprecherin. ist Subjekt + Prädikat + Prädikativ
Nora gedenkt der Verstorbenen. gedenkt Subjekt + Prädikat + Genitivobjekt


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was beschreibt die Valenz eines Verbs? (Welche Ergänzungen ein Verb eröffnet oder in ihrer Form festlegt) (!An welcher Stelle ein Verb im Wörterbuch steht) (!Wie viele Buchstaben ein Verb besitzt) (!Ob ein Satz ein Komma enthält)




Welches Satzglied verlangt das Verb helfen typischerweise neben dem Subjekt? (Ein Dativobjekt) (!Ein Genitivobjekt) (!Ein Akkusativobjekt) (!Ein Prädikativ)




Welches Satzmodell passt zu dem Satz Mia gibt ihrem Bruder einen Schlüssel? (Subjekt Prädikat Dativobjekt Akkusativobjekt) (!Subjekt Prädikat Genitivobjekt) (!Subjekt Prädikat Präpositionalobjekt) (!Subjekt Prädikat Prädikativ)




Welche Ergänzung steht in dem Satz Ben wartet auf den Bus? (Ein Präpositionalobjekt) (!Ein Genitivobjekt) (!Ein Prädikativ) (!Eine freie Artangabe)




Welche Aussage zu Angaben ist richtig? (Angaben liefern zusätzliche Informationen und sind nicht an genau ein Verb gebunden) (!Angaben stehen immer im Akkusativ) (!Angaben müssen von jedem Verb verlangt werden) (!Angaben können niemals verschoben werden)




Welche Ergänzung enthält der Satz Nora ist Klassensprecherin? (Ein Prädikativ) (!Ein Dativobjekt) (!Ein Präpositionalobjekt) (!Ein Genitivobjekt)




Warum reicht die Weglassprobe allein nicht zur Bestimmung einer Ergänzung? (Weil auch Ergänzungen im Kontext unausgesprochen bleiben können) (!Weil Prädikate nie weggelassen werden können) (!Weil jedes Satzglied immer obligatorisch ist) (!Weil Angaben grundsätzlich ungrammatisch sind)




Welche Analyse passt zu Lina legt das Buch auf den Tisch? (Das Buch ist Akkusativobjekt und auf den Tisch eine Adverbialergänzung) (!Das Buch ist Dativobjekt und auf den Tisch ein Genitivobjekt) (!Das Buch ist Prädikativ und auf den Tisch das Subjekt) (!Das Buch ist eine Zeitangabe und auf den Tisch ein Akkusativobjekt)




Was bleibt bei einer Umstellung der Satzglieder normalerweise erhalten? (Die grammatische Funktion der Satzglieder) (!Die Position jedes Satzglieds) (!Die Anzahl der Wörter jedes Satzglieds) (!Die Reihenfolge Subjekt Prädikat Objekt)




Welche Aussage über Präpositionalobjekte ist richtig? (Die Präposition wird häufig durch das Verb festgelegt) (!Sie stehen immer ohne Präposition) (!Sie sind immer freie Ortsangaben) (!Sie kommen nur bei Wetterverben vor)





Memory

Valenz Wertigkeit eines Verbs
Akkusativobjekt Wen oder was
Dativobjekt Wem
Genitivobjekt Wessen
Präpositionalobjekt Verbgebundene Präposition
Prädikativ Eigenschaft oder Zuordnung
Ergänzung Vom Satzbauplan abhängiger Mitspieler
Angabe Frei hinzufügbarer Umstand





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Subjekt Prädikat Mila schläft
Subjekt Prädikat Dativobjekt Mila hilft ihrem Bruder
Subjekt Prädikat Akkusativobjekt Mila öffnet das Fenster
Subjekt Prädikat Dativobjekt Akkusativobjekt Mila gibt ihrem Bruder ein Heft
Subjekt Prädikat Präpositionalobjekt Mila wartet auf den Bus




...


Kreuzworträtsel

Valenz Wie heißt die Wertigkeit eines Verbs?
Prädikat Welcher Satzteil bildet den verbalen Kern des Satzes?
Akkusativ In welchem Fall steht das direkte Objekt häufig?
Dativobjekt Welche Ergänzung beantwortet typischerweise die Frage wem?
Ergänzung Wie heißt ein vom Verb eröffneter Satzteil?
Prädikativ Welche Ergänzung kann bei sein werden oder bleiben auftreten?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Der verbale Kern eines Satzes heißt

. Die Fähigkeit eines Verbs, bestimmte Ergänzungen zu eröffnen, nennt man

. Ein vom Verb abhängiges Satzglied kann als

bezeichnet werden. Ein frei hinzufügbarer Umstand heißt

. Das Verb helfen verlangt typischerweise ein

. Das Verb öffnen kann mit einem

verbunden werden. Bei warten auf ist auf den Bus ein

. Bei sein kann eine Ergänzung als

auftreten. Beim Verb legen kann eine Zielangabe eine

sein. Zur Ermittlung von Satzgliedern eignet sich unter anderem die

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Satzglieder markieren: Schreibe fünf eigene Sätze und markiere jeweils Prädikat, Subjekt und vorhandene Objekte.
  2. Valenzkarten: Erstelle Lernkarten zu zehn Verben. Notiere auf der Vorderseite das Verb und auf der Rückseite ein passendes Satzmodell.
  3. Umstellprobe: Formuliere drei Sätze jeweils in mindestens drei unterschiedlichen Satzgliedreihenfolgen und erkläre, welche Funktionen gleich bleiben.
  4. Ergänzung oder Angabe: Sammle in einem kurzen Alltagstext zehn Satzglieder und entscheide begründet, ob sie Ergänzungen oder Angaben sind.


Standard

  1. Satzmodell-Sammlung: Erstelle zu acht unterschiedlichen Satzmodellen je zwei eigene Beispielsätze.
  2. Verbvergleich: Vergleiche die Verben helfen, geben, warten, wohnen und sein hinsichtlich ihrer Ergänzungen.
  3. Präpositionalobjekte untersuchen: Suche in einem Zeitungs- oder Sachtext mindestens sechs Präpositionalobjekte und notiere jeweils Verb, Präposition und Ergänzung.
  4. Grammatik-Erklärvideo: Produziere ein zweiminütiges Erklärvideo, in dem Du den Unterschied zwischen Ergänzung und Angabe mit eigenen Beispielen erklärst.


Schwer

  1. Valenzanalyse eines Textes: Analysiere einen Absatz aus einer Reportage oder Kurzgeschichte. Erstelle zu mindestens zwölf Prädikaten Satzmodelle und kommentiere Zweifelsfälle.
  2. Bedeutungswechsel und Valenz: Untersuche drei Verben, die in unterschiedlichen Bedeutungen verschiedene Satzmodelle ermöglichen, und stelle Deine Ergebnisse in einer Tabelle dar.
  3. Dependenzbaum gestalten: Zeichne zu einem komplexeren Satz einen eigenen Dependenzbaum und erkläre schriftlich, welche Satzglieder direkt vom Prädikat abhängen.
  4. Mini-Valenzwörterbuch: Erstelle ein kleines Valenzwörterbuch mit mindestens zwanzig Verben, ihren Satzmodellen, typischen Ergänzungen und jeweils einem Beispielsatz.




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Lernkontrolle

  1. Transferanalyse Ergänzung und Angabe: Analysiere den Satz Am Morgen legt Elif vorsichtig die Mappe auf den Schreibtisch. Begründe für jedes Satzglied, ob es zum Satzbauplan gehört oder eine freie Angabe ist.
  2. Valenzvergleich: Vergleiche die Verben schlafen, helfen und geben. Erkläre, wie ihre unterschiedlichen Valenzen zu unterschiedlichen Satzmodellen führen.
  3. Mehrdeutige Valenz: Zeige an einem selbst gewählten Verb, dass unterschiedliche Bedeutungen oder Kontexte unterschiedliche Ergänzungsmuster ermöglichen können.
  4. Präpositionalobjekt oder Adverbial: Entwickle zwei Satzpaare, in denen äußerlich ähnliche Präpositionalgruppen einmal verbgebundene Ergänzungen und einmal freie adverbiale Angaben sind. Begründe Deine Entscheidung.
  5. Satzmodell umformen: Wandle einen Satz mit Subjekt, Dativobjekt und Akkusativobjekt so um, dass ein anderes Satzglied im Vorfeld steht. Erkläre, warum das Valenzmodell trotzdem gleich bleibt.
  6. Fehlerdiagnose Valenz: Formuliere einen absichtlich fehlerhaften Satz, in dem eine vom Verb verlangte Ergänzung fehlt oder falsch gebildet ist. Korrigiere ihn und erkläre den Fehler.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur Satzglieder benennen kannst, sondern ihre Beziehung zum Prädikat erklärst. Du solltest zeigen können, dass Du:

  1. das vollständige Prädikat sicher bestimmst,
  2. Satzglieder mithilfe geeigneter Proben erkennst,
  3. zentrale Ergänzungstypen unterscheidest,
  4. Verben passenden Satzmodellen zuordnest,
  5. Ergänzungen und Angaben begründet voneinander abgrenzt,
  6. Präpositionalobjekte von adverbialen Präpositionalgruppen unterscheidest,
  7. bei mehrdeutigen oder fakultativen Fällen mit dem Kontext argumentierst,
  8. eigene Satzmodelle entwickelst und auf neue Beispiele überträgst.




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