Zum Inhalt springen

D9 M - Inhalte und Funktionen von Prosatexten beschreiben

Aus MOOCsWiki Staging
aiMOOC-Siegel

D9 M - Inhalte und Funktionen von Prosatexten beschreiben



D9 M - Inhalte und Funktionen von Prosatexten beschreiben


Einleitung

Prosatexte erzählen Geschichten, stellen Figuren in Konflikten dar und gestalten Erfahrungen mit sprachlichen und erzählerischen Mitteln. In diesem aiMOOC lernst Du auf dem M-Niveau der Klasse 9, einen Prosatext nicht nur inhaltlich wiederzugeben, sondern genauer zu beschreiben, wie einzelne Figuren, Handlungselemente, Konflikte und sprachliche Mittel zur Gesamtwirkung und Aussage beitragen.

Beim Beschreiben eines Prosatextes geht es deshalb immer um zwei miteinander verbundene Fragen: Was wird erzählt? und Wie wird es erzählt? Erst wenn Du beide Ebenen miteinander verknüpfst, kannst Du nachvollziehbar erklären, warum eine Figur glaubwürdig, ein Konflikt bedrückend, eine Szene spannend oder ein Schluss nachdenklich wirkt.


Lernziele

Nach diesem aiMOOC kannst Du:

  1. Prosatexte als erzählende Texte erkennen und zentrale Inhalte knapp zusammenfassen.
  2. Figuren anhand ihres Verhaltens, ihrer Sprache, Gedanken und Beziehungen beschreiben.
  3. Figurenbeziehungen untersuchen und ihre Bedeutung für den Handlungsverlauf erklären.
  4. wichtige Handlungselemente wie Ausgangssituation, Wendepunkt und Schluss erkennen.
  5. innere und äußere Konflikte unterscheiden und ihre Funktion im Text beschreiben.
  6. Erzählperspektiven erkennen und ihre Wirkung auf die Leserinnen und Leser erläutern.
  7. sprachliche Mittel wie Metapher, Vergleich, Personifikation, Ellipse, Anapher und Symbol erkennen.
  8. sprachliche Beobachtungen mit ihrer Wirkung und mit der Aussage des Textes verbinden.
  9. Aussagen mit geeigneten Textbelegen und Zeilenangaben absichern.
  10. eine schlüssige Gesamtdeutung formulieren, ohne bloß Vermutungen aufzulisten.


Prosatexte verstehen


Was ist Prosa?

Prosa bezeichnet sprachliche Texte, die nicht an ein Vers- oder Reimschema gebunden sind. Zur erzählenden Prosa gehören beispielsweise Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Romane. Im Deutschunterricht werden häufig kürzere Prosatexte oder Romanausschnitte untersucht, weil sich an ihnen besonders gut zeigen lässt, wie Inhalt und Gestaltung zusammenwirken.

Eine Kurzgeschichte ist eine Form der kurzen Prosa. Typisch können ein knapper Einstieg, wenige Figuren, eine konzentrierte Handlung, ein zentraler Konflikt, Andeutungen und ein offener Schluss sein. Diese Merkmale sind jedoch keine starre Checkliste: Nicht jede Kurzgeschichte besitzt alle Merkmale.


Vom Inhalt zur Funktion

Eine reine Inhaltsangabe beantwortet vor allem die Frage, was geschieht. Eine Textbeschreibung oder Analyse geht weiter. Sie beschreibt zusätzlich, wie Figuren, Handlung, Konflikte, Erzählweise und Sprache gestaltet sind und welche Funktion diese Gestaltung hat.

Ein besonders hilfreicher Dreischritt lautet:

Schritt Leitfrage Beispiel
Beobachtung Was fällt im Text auf? Die Hauptfigur antwortet nur in sehr kurzen Sätzen.
Beleg Woran lässt sich das erkennen? Mehrere Äußerungen bestehen nur aus einem oder zwei Wörtern.
Wirkung und Funktion Was bewirkt das im Zusammenhang? Die knappe Sprache kann Unsicherheit, Abwehr oder innere Anspannung sichtbar machen und den Konflikt verstärken.

Dieser Dreischritt schützt Dich vor einem häufigen Fehler: Ein sprachliches Mittel nur zu benennen, ohne zu erklären, warum es im konkreten Text wichtig ist.


Figuren untersuchen


Figuren charakterisieren

Eine literarische Figur ist eine erfundene Gestalt in einem literarischen Text. Figuren können sich im Verlauf eines Textes verändern oder weitgehend gleich bleiben. Für eine gute Beschreibung reicht es nicht, Eigenschaften einfach zu behaupten. Du brauchst Textbeobachtungen.

Achte besonders auf:

  1. Handlungen: Was tut die Figur?
  2. Äußerungen: Wie spricht sie mit anderen?
  3. Gedanken und Gefühle: Was erfährst Du über ihre Innenwelt?
  4. Reaktionen: Wie verhält sie sich unter Druck oder in Konflikten?
  5. Beziehungen: Wem vertraut sie, wen meidet sie, mit wem streitet sie?
  6. Entwicklung: Verändert sich ihre Haltung im Verlauf des Textes?

Statt nur zu schreiben „Mira ist unsicher“, ist eine genauere Formulierung besser: Miras zögernde Antworten und ihr wiederholtes Ausweichen zeigen ihre Unsicherheit. Dadurch wird verständlich, warum sie den Konflikt zunächst nicht offen anspricht.


Direkte und indirekte Charakterisierung

Bei der direkten Charakterisierung nennt der Erzähler oder eine andere Figur eine Eigenschaft ausdrücklich. Bei der indirekten Charakterisierung musst Du aus Verhalten, Sprache, Gedanken, Kleidung, Reaktionen oder Beziehungen auf Eigenschaften schließen.

Beispiel: Wenn eine Figur einem Freund ausweicht, Blickkontakt vermeidet und nur einsilbig antwortet, kann das auf Unsicherheit, Schuldgefühl oder Ablehnung hindeuten. Welche Deutung passt, musst Du durch den Zusammenhang absichern.


Figurenkonstellation

Die Figurenkonstellation beschreibt das Beziehungsgeflecht der Figuren. Beziehungen können von Freundschaft, Abhängigkeit, Konkurrenz, Misstrauen, Macht, Nähe oder Distanz geprägt sein. Die Konstellation ist für die Handlung wichtig, weil Konflikte häufig aus gegensätzlichen Zielen und Bedürfnissen entstehen.

Ein hilfreiches Verfahren ist eine Skizze: Schreibe die wichtigsten Figuren auf ein Blatt, verbinde sie mit Linien und notiere an den Linien Begriffe wie „vertraut“, „konkurriert“, „verschweigt etwas“ oder „ist abhängig von“.


Handlung und Aufbau untersuchen


Handlungselemente

Handlung ist die Abfolge bedeutsamer Ereignisse eines erzählenden Textes. Bei der Analyse solltest Du nicht jedes Detail gleich wichtig behandeln. Suche nach den Stellen, die etwas verändern.

Typische Handlungselemente sind:

  1. Ausgangssituation: Welche Situation besteht zu Beginn?
  2. Auslöser: Welches Ereignis bringt Bewegung in die Handlung?
  3. Zuspitzung: Wie verschärft sich ein Problem?
  4. Wendepunkt: Wo verändert sich die Situation deutlich?
  5. Folge: Welche Reaktion löst der Wendepunkt aus?
  6. Schluss: Was wird gelöst, was bleibt offen?

Die bekannte Freytag-Pyramide wurde ursprünglich für den Aufbau geschlossener Dramen beschrieben. Sie kann Dir als Vergleichsmodell helfen, steigende Spannung, Höhepunkt und abfallende Spannung zu erkennen. Prosatexte müssen diesem Schema aber nicht folgen. Gerade Kurzgeschichten beginnen oft mitten in einer Situation oder enden offen.


Zeit und Reihenfolge

Ein Text kann Ereignisse chronologisch erzählen oder mit Rückblenden, Erinnerungen und Vorausdeutungen arbeiten. Solche Abweichungen sind funktional: Eine Rückblende kann einen Konflikt erklären, eine Vorausdeutung Spannung erzeugen und eine Aussparung Informationen bewusst zurückhalten.

Frage Dich deshalb: Warum erfahre ich eine Information genau an dieser Stelle und nicht früher?


Konflikte als Motor der Handlung

Ein Konflikt entsteht, wenn Ziele, Wünsche, Werte, Pflichten oder Bedürfnisse nicht miteinander vereinbar sind. Konflikte bringen Figuren dazu, Entscheidungen zu treffen. Dadurch treiben sie die Handlung voran und machen sichtbar, was den Figuren wichtig ist.


Äußerer Konflikt

Ein äußerer Konflikt besteht zwischen einer Figur und einer anderen Figur, einer Gruppe, einer Regel oder einer gesellschaftlichen Situation.

Beispiel: Eine Jugendliche möchte ihre Freundin schützen, soll aber gleichzeitig die Wahrheit sagen. Der Konflikt entsteht zwischen Loyalität und einer äußeren Erwartung.


Innerer Konflikt

Ein innerer Konflikt findet innerhalb einer Figur statt. Zwei Wünsche, Werte oder Gefühle widersprechen sich.

Beispiel: Eine Figur möchte sich entschuldigen, fürchtet aber, dadurch Schwäche zu zeigen. Der innere Konflikt kann durch Gedanken, Schweigen, Zögern oder widersprüchliches Verhalten sichtbar werden.


Konflikt und Aussage

Konflikte sind häufig der Schlüssel zur Interpretation. Wenn Du verstehst, worum Figuren eigentlich ringen, erkennst Du oft das größere Thema des Textes: beispielsweise Vertrauen, Verantwortung, Ausgrenzung, Mut, Schuld, Freundschaft oder Selbstbestimmung.

Eine gute Deutung lautet deshalb nicht nur: „Die Figuren streiten.“ Besser ist: Der Streit macht sichtbar, dass beide Figuren unterschiedliche Vorstellungen von Vertrauen haben. Dadurch rückt die Geschichte die Frage in den Mittelpunkt, ob Ehrlichkeit wichtiger ist als kurzfristige Loyalität.


Erzählperspektive und Leserwirkung

Die Erzählperspektive bestimmt, aus welchem Blickwinkel Du das Geschehen wahrnimmst. Erzähler und Autor sind dabei nicht dasselbe. Der Autor verfasst den Text; der Erzähler ist die im Text konstruierte Stimme, die das Geschehen vermittelt.


Ich-Erzähler

Beim Ich-Erzähler erzählt eine Figur in der Ich-Form. Du erhältst einen besonders unmittelbaren Zugang zu ihrer Sicht. Gleichzeitig ist das Wissen begrenzt: Du kennst andere Figuren nur so, wie das erzählende Ich sie wahrnimmt.

Mögliche Wirkung: Nähe, Subjektivität, Unsicherheit und eingeschränktes Wissen.


Personales Erzählen

Beim personalen Erzählen wird meist in der Er- oder Sie-Form erzählt, aber die Wahrnehmung ist eng an eine bestimmte Figur gebunden. Du erfährst beispielsweise ihre Gedanken und Gefühle, aber nicht automatisch die Innenwelt aller anderen Figuren.

Mögliche Wirkung: Nähe zu einer Figur, Identifikation und Spannung durch begrenztes Wissen.


Auktoriales Erzählen

Ein auktorialer Erzähler verfügt über einen größeren Überblick. Er kann Zusammenhänge erklären, kommentieren, vorausdeuten oder Wissen über mehrere Figuren vermitteln.

Mögliche Wirkung: Überblick, Distanz, Orientierung oder gezielte Leserlenkung.


Neutrales Erzählen

Ein neutral wirkendes Erzählen beschränkt sich weitgehend auf äußerlich Wahrnehmbares, ähnlich einer Kamera. Gedanken werden nicht direkt mitgeteilt.

Mögliche Wirkung: Distanz und Offenheit, weil Du Verhaltensweisen selbst deuten musst.


Sprache untersuchen

Sprachliche Mittel sind nicht bloß Schmuck. Sie lenken Aufmerksamkeit, erzeugen Bilder, verdichten Gefühle, schaffen Rhythmus oder charakterisieren Figuren. Wichtig ist immer die Frage: Was bewirkt dieses Mittel genau an dieser Textstelle?


Wortwahl

Achte auf auffällige Wörter und Wortfelder. Viele Wörter aus dem Bereich „Kälte“ können beispielsweise Distanz oder Bedrohung unterstützen. Viele umgangssprachliche Ausdrücke können eine Figur jugendlich, spontan, aggressiv oder vertraut wirken lassen.

Schlüsselwörter können wiederholt auftreten und dadurch einen Gedanken besonders hervorheben.


Satzbau

Kurze Hauptsätze können Tempo, Härte, Nervosität oder Entschlossenheit erzeugen. Lange, verschachtelte Sätze können Nachdenklichkeit, Unsicherheit oder komplexe Gedanken darstellen. Ellipsen wirken häufig knapp und mündlich und können emotionale Spannung verstärken.


Figurenrede und Dialog

Dialoge können Beziehungen sichtbar machen, ohne dass der Erzähler sie erklären muss. Unterbrechungen, Fragen, Schweigen, Wiederholungen oder Ausweichreaktionen zeigen oft Machtverhältnisse und Gefühle.

Frage bei einem Dialog:

  1. Wer spricht mehr?
  2. Wer stellt Fragen?
  3. Wer weicht aus?
  4. Wer unterbricht?
  5. Welche Wörter werden wiederholt?
  6. Was wird nicht ausgesprochen?


Häufige sprachliche Mittel und mögliche Funktionen

Mittel Kennzeichen Mögliche Wirkung
Metapher Bildhafter Ausdruck in übertragener Bedeutung veranschaulicht Gefühle oder abstrakte Zusammenhänge
Vergleich Verbindung mit „wie“ oder „als“ macht Eigenschaften anschaulich
Personifikation Nichtmenschliches erhält menschliche Eigenschaften belebt eine Darstellung und kann Stimmung erzeugen
Anapher Wiederholung am Anfang mehrerer Satzteile betont einen Gedanken und schafft Rhythmus
Ellipse grammatisch unvollständiger, aber verständlicher Satz kann Mündlichkeit, Tempo oder Erregung zeigen
Rhetorische Frage Frage ohne erwartete Antwort betont eine Haltung oder bindet Leser ein
Hyperbel starke Übertreibung verstärkt Gefühle, Kritik oder Komik
Ironie Gemeint ist etwas anderes als die wörtliche Aussage schafft Distanz, Kritik oder Humor
Symbol konkretes Zeichen mit weiterführender Bedeutung verdichtet ein Thema oder eine Aussage
Leitmotiv wiederkehrendes Motiv oder Element verbindet Textstellen und lenkt auf ein zentrales Thema

Ein Stilmittel hat keine fest vorgeschriebene Wirkung. Eine Metapher ist nicht automatisch „spannend“ und eine Ellipse nicht automatisch „hektisch“. Die Wirkung ergibt sich immer aus dem konkreten Zusammenhang.


Gesamtwirkung und Aussage

Die wichtigste Leistung auf M-Niveau besteht darin, mehrere Beobachtungen miteinander zu verbinden. Figuren, Handlung, Konflikte, Erzählperspektive und Sprache wirken nicht unabhängig voneinander.

Ein möglicher Gedankengang lautet:

  1. Die Hauptfigur verschweigt etwas.
  2. Dadurch entsteht ein Konflikt mit einer anderen Figur.
  3. Der personale Erzähler zeigt ihre Gedanken, aber nicht die Gedanken der anderen Person.
  4. Kurze Sätze und Ellipsen verstärken ihre Anspannung.
  5. Leserinnen und Leser erleben die Unsicherheit unmittelbar mit.
  6. Insgesamt macht der Text sichtbar, wie fehlende Offenheit eine Beziehung belastet.

So entsteht eine Gesamtwirkung: Einzelbeobachtungen werden zu einer begründeten Aussage über den ganzen Text verbunden.


Übungstext: Die Nachricht

Der folgende kurze Prosatext wurde für diesen aiMOOC erstellt.

Die Nachricht

Als Lea die Klassenzimmertür öffnete, waren fast alle schon da. Nur der Platz neben Samir war frei. Früher hätte sie sich ohne nachzudenken dorthin gesetzt. Heute blieb sie einen Moment stehen.

„Kommst du?“, fragte Samir.

Lea nickte, setzte sich aber an den Tisch dahinter. Ihr Handy lag schwer in ihrer Jackentasche, obwohl es kaum etwas wog. Seit gestern Abend kannte sie die Nachricht. Samir hatte sie nicht geschickt. Aber sie handelte von ihm.

Die Lehrerin begann mit dem Unterricht. Lea hörte einzelne Wörter, mehr nicht. Neben ihr kratzte ein Stift über Papier. Vor ihr drehte Samir sich zweimal um.

In der Pause wartete er an der Tür. „Was ist los?“

„Nichts.“

„Das ist dein Lieblingswort heute.“

Lea zog das Handy aus der Tasche. Der Bildschirm blieb schwarz. „Ich muss dir etwas zeigen.“

Samir lächelte kurz. „Dann zeig.“

Lea sah zur Treppe. Dort standen zwei Mitschülerinnen und beobachteten sie. Plötzlich steckte sie das Handy wieder ein.

„Später“, sagte sie.

Samirs Lächeln verschwand. „Klar. Später.“

Er ging die Treppe hinunter. Lea blieb stehen. In ihrer Tasche vibrierte das Handy. Eine neue Nachricht. Sie nahm es nicht heraus.


Den Übungstext untersuchen

Der Text beginnt mitten in einer veränderten Beziehung: Früher saß Lea selbstverständlich neben Samir, jetzt weicht sie ihm aus. Dadurch entsteht sofort eine offene Frage. Das zurückgehaltene Wissen über die Nachricht erzeugt Spannung.

Leas Verhalten charakterisiert sie indirekt. Sie zögert, setzt sich weg, antwortet knapp und zeigt die Nachricht schließlich doch nicht. Ihr äußerer Konflikt mit Samir hängt mit einem inneren Konflikt zusammen: Sie möchte offenbar etwas mitteilen, fürchtet aber die Folgen.

Die personale Nähe zu Lea sorgt dafür, dass Du ihre Wahrnehmung und Unsicherheit miterlebst. Gleichzeitig weißt Du nicht genau, was in der Nachricht steht. Diese Informationslücke verstärkt die Spannung.

Die Metapher „Das Handy lag schwer in ihrer Jackentasche“ überträgt das Gewicht des Problems auf den Gegenstand. Das Handy wird dadurch zum Symbol für die belastende Information. Die knappen Dialoge und Ellipsen wie „Nichts.“ oder „Später.“ zeigen Distanz und Anspannung.

Der offene Schluss löst den Konflikt nicht. Gerade dadurch wird die zentrale Frage verstärkt: Welche Folgen hat es, wenn wichtige Informationen aus Angst oder Unsicherheit zurückgehalten werden?


Formulierungshilfen für die Textbeschreibung

Für eine gute Analyse helfen präzise Satzmuster. Passe sie immer an den Text an.

  1. Figur: „Das Verhalten der Figur zeigt, dass …“
  2. Beziehung: „Die Beziehung zwischen … und … wirkt …, weil …“
  3. Handlung: „Der Wendepunkt liegt an der Stelle, an der …“
  4. Konflikt: „Der Konflikt entsteht, weil … unterschiedliche Ziele beziehungsweise Bedürfnisse haben.“
  5. Erzählperspektive: „Durch die personale Perspektive erhält die Leserschaft Einblick in …, während … verborgen bleibt.“
  6. Sprache: „Die kurzen Sätze verstärken …, weil …“
  7. Stilmittel: „Die Metapher verdeutlicht … und trägt dadurch zur Wirkung … bei.“
  8. Gesamtaussage: „Im Zusammenspiel von … und … wird deutlich, dass …“


Ein möglicher Aufbau in der Klassenarbeit


Einleitung

Nenne Autor, Titel, Textsorte, gegebenenfalls Erscheinungsjahr und das zentrale Thema. Formuliere knapp und sachlich.


Hauptteil

Fasse zuerst die wesentliche Handlung zusammen. Untersuche danach die geforderten Aspekte. Ordne Deine Absätze sinnvoll: zum Beispiel Figuren und Beziehungen, Konflikt und Handlungsentwicklung, Erzählweise sowie Sprache. Nutze passende Textbelege.

Wichtig ist die Verknüpfung: Beobachtung → Beleg → Wirkung/Funktion → Zusammenhang mit der Aussage.


Schluss

Führe die wichtigsten Ergebnisse zusammen. Erkläre, welche Gesamtwirkung entsteht und welche Aussage sich aus Deinen Beobachtungen begründet ableiten lässt. Vermeide eine bloße Wiederholung des Hauptteils.


Typische Fehler vermeiden

  1. Nur nacherzählen: Eine Analyse braucht Wirkung und Funktion, nicht nur Handlung.
  2. Eigenschaften behaupten: Charakterisierungen müssen durch Verhalten, Gedanken oder Sprache gestützt werden.
  3. Stilmittel sammeln: Nicht die Anzahl, sondern die Bedeutung im Zusammenhang zählt.
  4. Wirkungen auswendig lernen: Die Wirkung eines Mittels hängt vom Kontext ab.
  5. Autor und Erzähler verwechseln: Der Erzähler ist eine Textinstanz.
  6. Keine Belege verwenden: Aussagen müssen am Text überprüfbar sein.
  7. Zu allgemein deuten: Eine Deutung muss zu den konkreten Beobachtungen passen.
  8. Offene Schlüsse als unvollständig abwerten: Ein offener Schluss kann gezielt zum Weiterdenken anregen.


Medien zur Vertiefung

Das Video eignet sich zur Wiederholung von Erzählperspektiven. Prüfe beim Anschauen immer, welche Begriffe auch in Deinem Unterricht verwendet werden.

Das Video zeigt einen möglichen Weg, Beobachtungen an einer Kurzgeschichte schrittweise mit einer Deutung zu verbinden. Nutze das Verfahren als Lernhilfe und passe es an die Aufgabenstellung Deiner Klasse an.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was gehört zu einer guten Beschreibung der Wirkung eines Textmerkmals? (Die Beobachtung wird mit dem Zusammenhang und der Aussage des Textes verbunden.) (!Das Merkmal wird nur benannt.) (!Die Handlung wird vollständig nacherzählt.) (!Die persönliche Meinung ersetzt den Textbeleg.)




Woran erkennt man eine indirekte Charakterisierung? (Eigenschaften werden aus Verhalten, Sprache oder Reaktionen erschlossen.) (!Der Erzähler nennt eine Eigenschaft ausdrücklich.) (!Die Überschrift nennt den Charakter der Figur.) (!Die Seitenzahl beschreibt die Figur.)




Welche Funktion kann ein Konflikt in einem Prosatext haben? (Er kann Entscheidungen auslösen und zentrale Themen sichtbar machen.) (!Er verhindert grundsätzlich jede Handlung.) (!Er ist nur für dramatische Texte wichtig.) (!Er ersetzt die Figurenbeschreibung vollständig.)




Was kennzeichnet personales Erzählen besonders? (Die Wahrnehmung ist eng an eine bestimmte Figur gebunden.) (!Der Erzähler kennt immer die Gedanken aller Figuren.) (!Es gibt grundsätzlich keine Gedankenwiedergabe.) (!Der Text muss in Versen geschrieben sein.)




Warum kann ein offener Schluss wirkungsvoll sein? (Er lässt Fragen bestehen und regt zum Weiterdenken an.) (!Er beweist, dass der Text abgebrochen wurde.) (!Er macht jede Deutung unmöglich.) (!Er bedeutet immer, dass der Konflikt gelöst ist.)




Was ist bei sprachlichen Mitteln besonders wichtig? (Ihre konkrete Wirkung im jeweiligen Zusammenhang zu erklären.) (!Möglichst viele Fachbegriffe aufzuzählen.) (!Jedes Mittel mit derselben Wirkung zu erklären.) (!Nur Metaphern zu untersuchen.)




Welche Beobachtung weist am ehesten auf einen inneren Konflikt hin? (Eine Figur schwankt zwischen zwei widersprüchlichen Entscheidungen.) (!Zwei Figuren stehen im selben Raum.) (!Eine Figur wechselt den Sitzplatz.) (!Der Text enthält eine Überschrift.)




Was sollte ein Textbeleg leisten? (Er soll eine Analysebehauptung nachvollziehbar absichern.) (!Er soll möglichst lang sein.) (!Er soll den gesamten Text ersetzen.) (!Er soll ohne Zusammenhang eingefügt werden.)




Welche Aussage über Erzähler und Autor ist richtig? (Der Erzähler ist die vermittelnde Stimme im Text und nicht automatisch mit dem Autor identisch.) (!Erzähler und Autor sind immer dieselbe Person.) (!Nur Ich-Erzähler haben einen Autor.) (!Der Autor gehört immer als Figur zur Handlung.)




Was beschreibt die Gesamtwirkung eines Prosatextes am besten? (Das Zusammenspiel mehrerer Gestaltungselemente und ihrer Wirkung auf das Textverständnis.) (!Nur die Zahl der Figuren.) (!Nur die Länge der Sätze.) (!Nur die letzte Textzeile.)





Memory

Figurenkonstellation Beziehungsgeflecht der Figuren
Wendepunkt entscheidende Veränderung der Handlung
Metapher bildhafter Ausdruck mit übertragener Bedeutung
Ellipse grammatisch verkürzter Satz
Personales Erzählen Wahrnehmung nahe bei einer Figur
Innerer Konflikt Widerspruch zwischen Bedürfnissen einer Figur
Symbol konkretes Zeichen mit weiterführender Bedeutung
Textbeleg Nachweis für eine Analyseaussage





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Funktion im Prosatext
Figurenrede macht Beziehungen und Haltungen hörbar
Wendepunkt verändert den bisherigen Handlungsverlauf
Personale Perspektive begrenzt Wissen auf die Wahrnehmung einer Figur
Metapher verdichtet einen Gedanken in einem sprachlichen Bild
Äußerer Konflikt zeigt den Gegensatz zwischen Figur und Gegenüber oder Umwelt
Offener Schluss lässt wichtige Fragen ungelöst und fordert zum Weiterdenken auf






Kreuzworträtsel

Metapher Welches sprachliche Mittel überträgt eine Bedeutung bildhaft?
Konflikt Wie heißt ein Gegensatz zwischen Zielen oder Bedürfnissen?
Erzähler Welche Textinstanz vermittelt die erzählte Handlung?
Wendepunkt Wie heißt eine entscheidende Veränderung im Handlungsverlauf?
Symbol Wie heißt ein konkretes Zeichen mit weiterführender Bedeutung?
Handlung Wie nennt man die Abfolge bedeutsamer Ereignisse eines Prosatextes?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Ein Prosatext wird nicht nur nach seinem Inhalt, sondern auch nach seiner

untersucht. Eine Figur wird überzeugend beschrieben, wenn Eigenschaften durch

abgesichert werden. Das Beziehungsgeflecht mehrerer Figuren nennt man

. Ein Gegensatz zwischen Bedürfnissen oder Zielen heißt

. Findet dieser Gegensatz innerhalb einer Figur statt, spricht man von einem

. Eine entscheidende Veränderung im Handlungsverlauf kann als

bezeichnet werden. Die Sicht, aus der das Geschehen vermittelt wird, heißt

. Eine bildhafte Übertragung von Bedeutung ist eine

. Ein grammatisch verkürzter Satz wird

genannt. Ein wiederkehrendes Element mit besonderer Bedeutung kann als

wirken. Bei jeder sprachlichen Auffälligkeit muss ihre konkrete

im Zusammenhang erklärt werden. Am Ende einer Analyse werden die Einzelbeobachtungen zu einer begründeten

verbunden.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Figurenprofil: Erstelle für Lea aus dem Übungstext ein Figurenprofil mit mindestens fünf belegbaren Eigenschaften oder Verhaltensmerkmalen.
  2. Konfliktkarte: Zeichne Leas inneren und äußeren Konflikt als einfache Grafik und beschrifte die Gegensätze.
  3. Sprachliche Mittel: Suche im Übungstext drei sprachlich auffällige Stellen und erkläre jeweils in zwei Sätzen ihre Wirkung.
  4. Erzählperspektive: Schreibe einen kurzen Absatz darüber, welche Informationen Du durch die Perspektive erhältst und welche Informationen Dir fehlen.


Standard

  1. Figurenkonstellation: Gestalte eine Figurenkonstellation zu Lea, Samir und den beiden Mitschülerinnen und begründe jede Verbindung.
  2. Perspektivwechsel: Schreibe die Pausenszene aus Samirs Ich-Perspektive neu und vergleiche anschließend die Wirkung mit dem Ausgangstext.
  3. Handlungsaufbau: Zerlege den Übungstext in Ausgangssituation, Auslöser, Zuspitzung, Wendepunkt und offenen Schluss und erkläre die Wirkung dieser Anordnung.
  4. Dialoganalyse: Untersuche das Gespräch zwischen Lea und Samir. Achte auf kurze Antworten, Fragen, Ausweichen und unausgesprochene Informationen.


Schwer

  1. Deutungshypothese: Formuliere zwei unterschiedliche Deutungshypothesen zum Übungstext und prüfe, welche sich besser mit Textbelegen stützen lässt.
  2. Alternativer Schluss: Verfasse zwei verschiedene Schlussvarianten, eine mit gelöstem Konflikt und eine mit verschärftem Konflikt, und erläutere die unterschiedliche Gesamtwirkung.
  3. Kurzfilm: Plane einen zwei- bis dreiminütigen Kurzfilm zum Übungstext. Lege Kameraeinstellungen, Sprechpausen, Geräusche und Bildsymbole fest und begründe, wie sie die Wirkung des Prosatextes übertragen.
  4. Vergleichende Analyse: Suche eine geeignete Kurzgeschichte aus Deinem Unterricht und vergleiche, wie dort und im Übungstext Konflikt, Perspektive und sprachliche Verdichtung zur Aussage beitragen.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Wirkungsanalyse: Du erhältst einen unbekannten Prosatext. Wähle zwei auffällige Handlungselemente und erkläre, wie sie gemeinsam die Spannung oder Nachdenklichkeit des Textes beeinflussen.
  2. Figuren und Konflikt: Untersuche, wie das Verhalten zweier Figuren einen Konflikt entstehen oder eskalieren lässt. Belege Deine Aussagen und erkläre die Funktion des Konflikts für das Thema.
  3. Perspektivwirkung: Beschreibe die Erzählperspektive eines unbekannten Textes und erkläre, wie sich die Wirkung verändern würde, wenn dieselbe Szene aus einer anderen Perspektive erzählt wäre.
  4. Sprache und Aussage: Wähle drei sprachliche Auffälligkeiten aus einem Text und zeige, wie sie gemeinsam eine Stimmung oder zentrale Aussage unterstützen.
  5. Transferaufgabe: Verändere eine zentrale Textstelle sprachlich, zum Beispiel durch längere statt kurzer Sätze, und erkläre, wie sich dadurch Tempo, Figurenwirkung oder Atmosphäre verändert.
  6. Gesamtdeutung: Formuliere auf Grundlage von Figuren, Handlung, Konflikt und Sprache eine begründete Gesamtaussage zum Text und zeige, welche Beobachtung dafür besonders wichtig ist.




Lernnachweis

Für einen erfolgreichen Lernnachweis solltest Du zeigen, dass Du nicht nur Fachbegriffe kennst, sondern sie am Text anwenden kannst.

  1. Du kannst den wesentlichen Inhalt eines Prosatextes knapp und sachlich wiedergeben.
  2. Du kannst Haupt- und Nebenfiguren anhand von Textbelegen beschreiben.
  3. Du kannst Figurenbeziehungen und Konflikte nachvollziehbar darstellen.
  4. Du kannst wichtige Handlungsschritte und Wendepunkte erkennen.
  5. Du kannst die Erzählperspektive bestimmen und ihre Wirkung erklären.
  6. Du kannst Wortwahl, Satzbau, Figurenrede und sprachliche Mittel untersuchen.
  7. Du kannst Beobachtung, Textbeleg und Wirkung miteinander verknüpfen.
  8. Du kannst erklären, wie mehrere Gestaltungsmittel gemeinsam zur Gesamtwirkung beitragen.
  9. Du kannst eine begründete Aussage des Textes formulieren.
  10. Du verwendest Fachbegriffe passend und schreibst verständlich, sachlich und textnah.




OERs zum Thema



Verknüpfte Lernbereiche


aiMOOC-Projekte

MOOCwiki · Deutsch

Nach dem Lernen ist vor dem Lernen

Entdecke direkt den nächsten Lernkurs. Weitere Inhalte erscheinen, wenn Du weiter nach unten scrollst.

Zur MOOCwiki-Hauptseite
Inhalte werden geladen ...

Mediathek wird aus dem Wiki geladen ...